DGVS-Jahrestagung – Deutsches Hepatitis C-Register: Effektivität & Ökonomie aktueller HCV-Therapien
Erkrankungen an Leber, Magen, Darm oder Bauchspeicheldrüse zählen zu den
häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Die Deutsche Gesellschaft für
Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und ihre
Sektion Endoskopie richtete gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für
Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) Mitte September in München im
Rahmen ihrer 73. Jahrestagung den wichtigsten deutschen Fachkongress aus.
Das Motto war: „Vision gestaltet Wirklichkeit: Spannungsfeld Ökonomie –
Mensch – Digitalisierung“. Experten des Deutschen Hepatitis C-Registers
(DHC-R) präsentierten aktuelle Daten zur Therapie der Hepatitis C, die
Sicherheit, Effektivität und Ökonomie belegen.
„Aufgrund der Effektivität der Hepatitis C-Therapie können mittlerweile
alle identifizierten Patienten behandelt werden – und werden auch
behandelt. Bis 2014 war es nur eine Vision, dass wir bei Hepatitis
C-Patienten eine nebenwirkungsarme Therapie durchführen können und
Heilungsraten von fast 100 Prozent erreichen“, sagt Dr. Dietrich Hüppe,
wissenschaftlicher Leiter des DHC-R, und ergänzt: „In den vergangenen vier
Jahren hat sich die hohe praktische Relevanz des DHC-R gezeigt. Den
wissenschaftlichen Output belegen publizierte Studien sowie Daten, die
bereits zur Modifikation von Zulassungen geführt haben. Wir freuen uns,
dass wir dem interessierten Fachpublikum des DGVS-Kongresses die
erfolgreiche Entwicklung von der Vision zur effektiven und ökonomischen
Hepatitis C-Therapie präsentieren konnten.“
Der klinische Effekt, den die Hepatitis C-Therapie hat, führt auch zu
einer Veränderung der Lebertransplantationszahlen. Eine Analyse von
Patientendaten aus Zentren, die am DHC-R beteiligt sind, zeigt, dass schon
in den ersten drei Jahren nach Zulassung der ersten DAAs 2014 der Anteil
der Hepatitis C-Patienten an allen Personen, die für eine
Lebertransplantation gelistet waren oder eine neue Leber erhalten haben,
um mehr als 50 Prozent gesunken ist. Auch dies ist ein Indiz für die
Ökonomie der Hepatitis C-Therapie.
Abhängig von der Behandlungsperiode werden bis zu 30 Prozent aller in
Deutschland behandelten Hepatitis C-Patienten im DHC-R erfasst. Zu den
Ergebnissen, die Dr. Hüppe und weitere Experten des DHC-R vier Jahre nach
Zulassung der neuen direkt antiviralen Substanzen (DAAs) präsentierten,
zählen neben den hohen Ausheilungsraten auch die Bestätigung von sehr
niedrigen Relapse-Raten (Rückfällen). Der initial hohe Anteil von
Patienten mit Leberzirrhose im Register nimmt ab, der Anteil der Patienten
mit HCV-Genotyp 1 sinkt, Genotyp 2 und Genotyp 3 nehmen tendenziell zu.
Neueste „Real Life“-Daten des DHC-R zu pangenotypisch wirksamen (alle HCV-
Genotypen erfassende) Medikamenten belegen die Sicherheit und Wirksamkeit
dieser Substanzen.
„Mit den seit Juli 2017 zur Therapie der chronischen Infektion mit dem
Hepatitis C-Virus (HCV) zugelassenen koformulierten direkt antiviral
wirksamen Substanzen Glecaprevir (NS3/4A-Inhibitor) und Pibrentasvir
(NS5A-Inhibitor) (G/P) konnten laut Daten des DHC-R Heilungsraten von 99
Prozent erzielt werden“, berichtet Professor Dr. Thomas Berg, Mitglied im
Management Board des DHC-R und Leiter Sektion Hepatologie, Klinik für
Gastroenterologie und Rheumatologie, Universitätsklinikum Leipzig. „Neben
der pangenotypischen Wirksamkeit bietet die ökonomische Therapie mit G/P
den Vorteil einer kurzen Therapiedauer von acht Wochen bei nicht
vorbehandelten Patienten, die keine Leberzirrhose haben.“
Auch für die Patienten mit dem HCV-Genotyp 1 gibt es sehr hohe
Heilungsraten bei einer ökonomischen Therapie zu verzeichnen. „Die
Behandlung mit Elbasvir/Grazoprevir (EBR/GZR) führt bei Patienten mit dem
HCV-Genotyp 1 a und einer initialen Viruslast von mehr als 800.000 IU/ml
in 96 Prozent der Fälle zu einer Heilung. Bei den Genotypen 1a und 1b mit
einer initialen Viruslast von weniger als 800.000 IU/ml konnten mit dieser
Medikation 99 Prozent der Patienten geheilt werden“ präsentiert Priv. Doz.
Dr. Holger Hinrichsen aus der Praxis Gastroenterologisch-hepatologi
Zentrum Kiel aktuelle Register-Daten.
Für Patienten, bei denen es zu einem virologischen Therapieversagen mit
Bildung von resistenten Viren gegenüber den eingesetzten DAAs gekommen
ist, gab es bisher keine zugelassene Re-Therapie. „Nach der Zulassung von
Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilap
zugelassene Behandlung für Patienten mit chronischer Hepatitis C, bei
denen eine DAA-Therapie versagt hat, unabhängig vom HCV-Genotyp und der
DAA-Vortherapie zur Verfügung“, erläutert Professor Dr. Johannes
Vermehren, Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 am Universitätsklinikum
Frankfurt. Er ergänzt: „Aktuell liegen virologische Daten aus dem DHC-R
zum Therapieende mit einem virologischen Ansprechen auf die Dreifach-DAA-
Therapie von 100 Prozent vor.“
„Die Präsentationen der Daten-Vielfalt des DHC-R auf dem DGVS-Kongress
belegen, dass sich die in klinischen Studien nachgewiesene
Therapiesicherheit, Nebenwirkungsarmut und Ökonomisierung auch in den
„Real Life“-Daten wiederfinden. Es traten keine signifikant neuen
Nebenwirkungen auf. Diese Erkenntnis zur Medikamentensicherheit ist sowohl
für die Ärzte als auch für die Patienten von großer Relevanz“, betont
Professor Dr. Heiner Wedemeyer, medizinischer Geschäftsführer der
Leberstiftungs-GmbH und Direktor der Klinik für Gastroenterologie und
Hepatologie am Universitätsklinikum Essen, die Bedeutung des Deutschen
Hepatitis C-Registers.
Unterstützt wird das Register von den Firmen AbbVie Deutschland GmbH & Co.
KG, Bristol-Myers Squibb GmbH & Co.KGaA, Gilead Sciences GmbH, Janssen-
Cilag GmbH, MSD Sharp & Dohme GmbH und Roche Pharma AG (finanzielle
Unterstützung bis 14.07.2017). Die inhaltlichen Vorbereitungen für die
Durchführung des Registers erfolgten mit finanzieller Unterstützung des
DZIF (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung).
Literatur: http://www.viszeralmedizin.com
content/uploads/2018/08/Abstra
Das Deutsche Hepatitis C-Register
In Deutschland sind etwa 250.000 bis 500.000 Menschen mit dem Hepatitis
C-Virus infiziert. Die daraus resultierende Hepatitis C kann
schwerwiegende Folgen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs haben. Durch
eine erfolgreiche Therapie können diese Folgen verhindert werden. Im
„Deutschen Hepatitis C-Register“ (DHC-R) wird die Wirksamkeit der direkt
antiviral wirkenden Medikamente, die in Deutschland zugelassen wurden,
geprüft. Mit über 14.000 Patienten ist es eines der weltweit größten
Register zu dieser Erkrankung. Die Deutsche Leberstiftung führt das
Register über die „Leberstiftungs-GmbH Deutschland“, deren alleinige
Gesellschafterin sie ist, in Kooperation mit dem Berufsverband
Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e. V. (bng).
Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Diese Aufgaben erfüllt die Stiftung
sehr erfolgreich.
Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstift
BUCHTIPP: „Das Leber-Buch“ der Deutschen Leberstiftung informiert
umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen,
ihre Diagnosen und Therapien – jetzt in dritter, aktualisierter und
erweiterter Auflage! „Das Leber-Buch“ ist im Buchhandel erhältlich: ISBN
978-3-89993-899-9, 16,99 Euro.
Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstift
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