Zum Hauptinhalt springen

Gesundheit

Herz stolpert oder rast: Wie schützt man sich vor Vorhofflimmern und seinen Gefahren?

Herz aus dem Takt: Die Deutsche Herzstiftung informiert über Ursachen,
Symptome und medizinische Maßnahmen, die vor den Gefahren des
Vorhofflimmerns wie Herzschwäche und Schlaganfall schützen. Herzwochen mit
über 1.000 Herz-Seminaren und neuem Experten-Ratgeber für Betroffene

Über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland haben Vorhofflimmern. Jedes
Jahr kommen Tausende dazu. Mit dem Alter steigt das Risiko steil an,
Vorhofflimmern zu bekommen: Bei den über 60-Jährigen liegt die Häufigkeit
bei rund 5 %, bei den über 80-Jährigen sind es sogar rund 15 %.
„Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, die
unbemerkt und unbehandelt lebensbedrohlich für Herz und Gehirn werden
kann, bis hin zu Herzschwäche und Schlaganfall. Das zu verhindern, muss
Vorhofflimmern frühzeitig vom Arzt diagnostiziert und konsequent behandelt
werden“, warnt Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Herzstiftung. Über 35.000 Schlaganfälle pro Jahr verursacht
Vorhofflimmern in Deutschland. Deshalb informiert die Deutsche
Herzstiftung in einer bundesweiten Kampagne vom 1.-30. November über diese
bedrohliche Volkskrankheit mit über 1.000 Veranstaltungen unter dem Motto
„Herz außer Takt – Vorhofflimmern und Gerinnungshemmung“.
Veranstaltungstermine und aktuelles Informationsmaterial (kostenfrei) für
Betroffene und Angehörige sind unter www.herzstiftung.de abrufbar.

Vorhofflimmern: Bei diesen Beschwerden zum Arzt!
„Viele Patienten klagen über einen erheblichen Verlust an Lebensqualität.
Besonders dann, wenn sie nur zwischenzeitlich für ein paar Stunden oder
Tage Vorhofflimmern haben und daher wissen, wie schön ein regelmäßiger
Herzrhythmus ist“, betont Andresen. Bei Vorhofflimmern ist das Herz meist
völlig außer Takt. Der erste Anfall kann mit heftigen Schlägen bis in den
Hals hinauf, Druckgefühl im Brustkorb und einer ungewohnten Luftnot bei
leichten Tätigkeiten (Treppensteigen) auftreten. Betroffene verspüren eine
plötzliche Unruhe, wenn das Herz völlig unregelmäßig und schnell mit einem
Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute rast, selten auch schneller. Die
chaotische Herzschlagfolge kann aber auch mit einer normalen Herzfrequenz
einhergehen (normal sind 60-100 Schläge pro Minute). „Oft sind
Herzstolpern und Herzrasen verbunden mit innerer Unruhe, Angst, einer
Neigung zu schwitzen, Atemnot und Leistungsschwäche“, erläutert der
Kardiologe am Ev. Hubertus-Krankenhaus in Berlin. „Allerdings sind bei
Herzpatienten, deren angeschlagenes Herz die Rhythmusstörung schlechter
verträgt, Atemnot, Brustschmerzen und Schwindel besonders häufig. Bei
diesen Symptomen sollte man sofort den Arzt aufzusuchen!“ Er kann mit
einem EKG, Langzeit-EKG oder Ereignis-Rekorder klären, ob das Herzstolpern
eine harmlose Unregelmäßigkeit des Herzschlags ist oder ob Vorhofflimmern
vorliegt, das zum Schlaganfall führen kann.

Vorhofflimmern kann Schlaganfall auslösen, der tödlich sein kann
Aufgrund des unregelmäßigen Herzschlags können sich im Herzen in einer
Ausbuchtung des Vorhofs (sog. Herzohr) Blutgerinnsel bilden. Werden diese
ausgeschwemmt und gelangen mit dem Blutstrom in den Kopf, verstopfen sie
ein Hirngefäß. Je größer das verstopfte Gefäß, desto schwerer der Schaden.
Viele Betroffene sterben daran, zahlreiche sind gezeichnet durch nicht
wieder gut zu machende Lähmungen mit Einschränkung ihrer Mobilität. „Der
Schlaganfall ist die größte Gefahr, die vom Vorhofflimmern ausgeht. Ein
besonders hohes Risiko haben Alte und herzkranke Patienten“, warnt
Andresen. „Um sie vor Schlaganfall zu schützen, müssen daher konsequent
gerinnungshemmende Medikamente – ,Blutverdünner‘ – gegeben werden.“ Mit
welchen Warnsignalen sich ein Schlaganfall ankündigt, erläutert unter
www.dhs.tips/schlaganfall ein Experten-Beitrag.

Tückisch: Unbemerktes Vorhofflimmern
Tückisch ist, dass Vorhofflimmern bei über der Hälfte aller Patienten ohne
Symptome oder Beschwerden auftritt und dadurch lange Zeit unbemerkt
bleibt. Nicht selten werden Patienten mit einer Herzschwäche oder einem
Schlaganfall stationär aufgenommen und erfahren zum ersten Mal, dass
Vorhofflimmern dafür verantwortlich ist. Das gilt verstärkt für ältere
Patienten, bei denen Vorhofflimmern oftmals erst per Zufallsbefund
festgestellt wird. „Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern ausgelöst
werden, haben einen besonders schwerwiegenden Verlauf“, warnt Andresen.
Deshalb sollte jede Möglichkeit genutzt werden, den unregelmäßigen
Herzschlag festzustellen: wiederholt den eigenen Puls tasten, die Anzeige
am Blutdruckmessgerät beachten, vielleicht sogar eine App aufs Handy
laden, die Pulsunregelmäßigkeiten festzustellen hilft. „Aber die App darf
nicht als alleiniges Diagnoseinstrument angesehen werden, nur der Arzt
kann eine sichere Diagnose stellen.“ Die Deutsche Herzstiftung rät:
Besonders Herzkranke und Personen ab 60 sollten bei Routinekontrollen beim
Arzt den Herzschlag durch Pulsmessung prüfen lassen.

Basis für Therapieerfolg: Ursachen des Vorhofflimmerns behandeln
Steht die Diagnose Vorhofflimmern fest, besprechen Kardiologe und Patient
die Therapiemöglichkeiten. „Oft ist es sinnvoll, Vorhofflimmern bei
seltenen Anfällen, die nur ein- bis dreimal im Monat auftreten und nur
wenige Sekunden andauern, zunächst nicht zu behandeln, sondern zunächst
nur die Grunderkrankung, die die Rhythmusstörung verursacht hat“, sagt
Prof. Dr. med. Andreas Götte vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen
Herzstiftung und Chefarzt der Kardiologie am St. Vincenz-Krankenhaus in
Paderborn. Aufgabe des Kardiologen ist es, mit Hilfe von Untersuchungen
(Blutdruckmessung, Laborwerte, EKG/Belastungs-EKG, Herzecho) die
Grunderkrankung der Rhythmusstörung aufzudecken und diese konsequent zu
behandeln. Am häufigsten: Bluthochdruck liegt bei ca. 70 % aller Patienten
mit Vorhofflimmern vor. Weitere Ursachen können z. B. koronare
Herzkrankheit (KHK), Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Klappenerkrankungen,
Übergewicht, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, COPD (chronisch
obstruktive Lungenerkrankung) und Schlafstörungen (Schlafapnoe-Syndrom)
sein. „Diese Grunderkrankungen sind konsequent mit Medikamenten und einem
gesunden Lebensstil zu behandeln: mit Ausdauertraining je 20-30 Minuten 3-
bis 5-mal die Woche, Abnehmen bei Übergewicht, gesunder Ernährung und
Rauchverzicht.“ Starkes Rauchen, chronischer Alkoholmissbrauch und eine
erbliche Neigung gehen mit Vorhofflimmern einher. Gerade bei Herzkranken,
aber auch bei Gesunden gibt es Reize („Trigger“), die Vorhofflimmern
auslösen können: Alkohol (mehr als 36 g bzw. mehr als 2 Gläser Wein pro
Tag), Schlafentzug, extremer Stress, Rauchen, starker Koffeinkonsum und
opulente Mahlzeiten. Auch Störungen des Salzhaushalts (Elektrolyte) mit
einem Mangel von Kalium und Magnesium können Vorhofflimmern begünstigen.
„Dann müssen Kalium und Magnesium zugeführt werden.“

Mit „Feuer“ oder „Eis“ gegen Vorhofflimmern: die Katheterablation
Wenn bei Patienten trotz der Behandlung mit Rhythmusmedikamenten
(Antiarrhythmika) erhebliche Beschwerden wie Atemnot, Herzrasen,
Leistungsschwäche fortbestehen, ist eine Katheterablation sinnvoll,
mittlerweile ein Standardverfahren. Erfahrene Rhythmologen können bei
ungefähr 70 % der Patienten mit einem Eingriff anfallsweises
Vorhofflimmern beseitigen. Bei anhaltendem Vorhofflimmern liegt die
Erfolgsrate bei ca. 50 %. Bei manchen Patienten kann nach dem ersten
Eingriff eine erneute Behandlung notwendig sein. „Die Patienten gewinnen
erheblich an Lebensqualität. Allerdings sollten nur dafür ausgewiesene
Spezialkliniken die Behandlung durchführen“, betont Prof. Dr. med. Gerhard
Hindricks vom Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung und Leiter der
Abteilung für Rhythmologie am Herzzentrum Leipzig. Vorhofflimmern wird
durch elektrische Störimpulse aus den vier Lungenvenen (Pulmonalvenen),
die in den linken Vorhof einmünden, ausgelöst. Bei einer
Pulmonalvenenisolation werden durch gezieltes Setzen von Verödungszonen
bzw. Narben elektrische Barrieren zwischen den vier Lungenvenen und dem
linken Vorhof aufgebaut. Diese Barrieren verhindern das Auftreten und die
Aufrechterhaltung von Vorhofflimmern. Die Verödung von Herzzellen erfolgt
mit „Feuer“ (Hochfrequenzstromablation) oder „Eis“ (Kryoablation). „Die
Katheterablation gilt in erfahrenen Zentren als sicheres Verfahren: Bei
rund 95 % der Patienten treten keine wesentlichen Komplikationen auf. Aber
der Eingriff ist nicht ohne Risiken“, so Hindricks. Mögliche
Komplikationen sind u. a. Gefäßverletzungen (Risiko: 1-2 %), Blutung in
den Herzbeutel (Risiko: ca. 1 %) und Schlaganfall (Risiko: unter 1 %).

Vorhofflimmern kann das Herz schwächen
Ein lange Zeit bestehendes Vorhofflimmern kann auch zu einer Herzschwäche
führen, die bei Betroffenen die Leistungsfähigkeit erheblich einschränkt
und die Lebensqualität mindert. Neben der Behandlung mit Elektroschock
(Kardioversion) und Rhythmusmedikamenten (Arrhythmika) sehen neueste
Studien in der Katheterablation ein vielversprechendes Verfahren, das bei
gleichzeitiger Herzschwäche einen positiven Einfluss auf die
Lebenserwartung haben und die Beschwerden lindern kann. Aber auch der
operative Eingriff zur Behandlung von Vorhofflimmern kann hier ein
erfolgversprechender Therapieansatz sein.

Neuer Experten-Ratgeber
Der Ratgeber „Herz außer Takt: Vorhofflimmern“ der Deutschen Herzstiftung
informiert leicht verständlich über Ursachen, aktuelle Diagnose- und
Behandlungsmöglichkeiten des Vorhofflimmerns sowie über die
Gerinnungshemmung. Der Band (136 S.), verfasst von renommierten
Herzspezialisten, ist kostenfrei erhältlich unter www.herzstiftung.de oder
per Tel. unter 069 955128400, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Herz außer Takt: Bundesweite Herzwochen
„Herz außer Takt: Vorhofflimmern und Gerinnungshemmung“ ist das Thema der
diesjährigen Herzwochen der Deutschen Herzstiftung vom 1.-30. November.
Über Ursachen und Symptome, aktuelle Diagnose- und Therapieverfahren bei
Vorhofflimmern sowie die Gerinnungshemmung (Schlaganfallprävention)
informieren Herzspezialisten u. a. in Kliniken,  Herzzentren,
Krankenkassen und Betrieben bundesweit. Termine der mehr als 1.000
Veranstaltungen sind unter www.herzstiftung.de abrufbar (per Tel. unter
069 955128400).

  • Aufrufe: 217
Gerichte mit Hackfleisch, Geflügel oder mit rohen Eiern wie Tiramisu, Zabaione oder Kartoffelsalat mit Mayonnaise tragen sie oftmals in sich: Salmonellen. Eine Ansteckung mit diesen Bakterien können beim Menschen Durchfall, Fieber und Bauchkrämpfe auslösen. Propionat, das Salz der so genannten Propionsäure, hemmt Wissenschaftlern zufolge die Vermehrung von Salmonellen im Darmtrakt. Foto: Fotolia

Propionat: Natürlicher "Schutzschild" gegen Salmonellen

Gerichte mit Hackfleisch, Geflügel oder mit rohen Eiern wie Tiramisu, Zabaione oder Kartoffelsalat mit Mayonnaise tragen sie oftmals in sich: Salmonellen. Eine Ansteckung mit diesen Bakterien können beim Menschen Durchfall, Fieber und Bauchkrämpfe auslösen. Propionat, das Salz der so genannten Propionsäure, hemmt Wissenschaftlern zufolge die Vermehrung von Salmonellen im Darmtrakt. Foto: Fotolia
Gerichte mit Hackfleisch, Geflügel oder mit rohen Eiern wie Tiramisu, Zabaione oder Kartoffelsalat mit Mayonnaise tragen sie oftmals in sich: Salmonellen. Eine Ansteckung mit diesen Bakterien können beim Menschen Durchfall, Fieber und Bauchkrämpfe auslösen. Propionat, das Salz der so genannten Propionsäure, hemmt Wissenschaftlern zufolge die Vermehrung von Salmonellen im Darmtrakt. Foto: Fotolia
Die Zusammensetzung der Darmflora bestimmt die Abwehrkraft gegen Salmonellen: Kurzkettige Fettsäuren hemmen deren Ausbreitung, haben Forscher der Universität Stanford herausgefunden. Propionat könnte völlig neue Möglichkeiten zur Behandlung von Menschen eröffnen, die an dem Erreger erkrankt sind.

 

Herne - Gerichte mit Hackfleisch, Geflügel oder mit rohen Eiern wie Tiramisu, Zabaione oder Kartoffelsalat mit Mayonnaise tragen sie oftmals in sich: Salmonellen. Eine Ansteckung mit diesen Bakterien können beim Menschen Durchfall, Fieber und Bauchkrämpfe auslösen. Allein in Deutschland erkrankten zuletzt rund 13.000 Personen pro Jahr. Die Infektion kann im schlimmsten Falle bis zum Tod führen: Allein in den Vereinigten Staaten sterben jährlich fast 500 Menschen an einer Salmonellen-Erkrankung. Doch nicht jeder, der Lebensmittel zu sich nimmt, die die Bakterien enthalten, erkrankt auch selbst. Forscher der Universität Stanford in den USA haben jetzt in einer Studie mit Mäusen einen Erklärungsansatz gefunden, warum manche Menschen besser in der Lage sind, Infektionen durch Salmonellen und andere Darmbakterien zu bekämpfen: Propionat, das Salz der so genannten Propionsäure, hemmt den Wissenschaftlern zufolge die Vermehrung von Salmonellen im Darmtrakt.  Die Wissenschaftler sehen in ihren Erkenntnissen die Grundlage für vielversprechende neue Behandlungsoptionen für Menschen, die an dem Erreger erkrankt sind.

 

"Menschen reagieren unterschiedlich auf bakterielle Infektionen. Manche Menschen werden infiziert und andere nicht, manche werden krank und andere bleiben gesund, und einige verbreiten die Infektion, während andere sie erfolgreich bekämpfen", sagt Denise Monack, Professorin für Mikrobiologie und Immunologie und leitende Autorin des Artikels. Dieser wurde jetzt im Fachmagazin "Cell Host und Microbe" veröffentlicht. "Es war ein echtes Geheimnis zu verstehen, warum Menschen so unterschiedlich reagieren. Unsere Ergebnisse könnten uns helfen, dies besser zu verstehen", so die Wissenschaftler. 
 
Darm als zentraler Teil des Immunsystems
Wissenschaftlich gesichert ist heute die zentrale Rolle des menschlichen Darms als zentraler Teil des Immunsystems. "Das Mikrobiom des Darms ist ein unglaublich komplexes Ökosystem. Trillionen von Bakterien, Viren und Pilzen agieren in einer dicht gepackten, heterogenen Umgebung auf komplexe Weise mit dem Wirt und untereinander", sagt Amanda Jacobson, Hauptautorin der Studie und Doktorandin in Mikrobiologie und Immunologie an der Stanford Medical School. "Aus diesem Grund ist es sehr schwierig, die einzigartigen Moleküle bestimmter Bakterien im Darm zu identifizieren, die für bestimmte Eigenschaften wie die Resistenz gegen Krankheitserreger verantwortlich sind."
 
Seit Jahren verwenden Wissenschaftler verschiedene Mäusestämme, um zu bestimmen, wie verschiedene Gene die Infektionsanfälligkeit durch Darmbakterien beeinflussen können. Aber es ist das erste Mal, dass Forscher untersucht haben, wie die Variabilität von Darmbakterien in diesen Mäusen zu ihren unterschiedlichen Reaktionen auf Erreger beitragen könnte. Die Wissenschaftler untersuchten dafür zwei Mäusestämme, die beide unterschiedliche Mengen an Salmonellen im Darm trugen. 
 
Propionat hemmt Salmonellen-Wachstum
Zuerst stellten sie fest, dass die Unterschiede in der Salmonellen-Ausbreitung auf die natürliche Zusammensetzung von Bakterien im Darm jedes Mausstammes zurückzuführen sind. Dann bestimmten die Forscher, welche Mikroben für eine erhöhte Resistenz gegen Salmonellen-Infektionen verantwortlich waren. Sie untersuchten dafür, welche Gruppen von Bakterien sich zwischen den Stämmen unterschieden. Sie identifizierten eine bestimmte Gruppe von Bakterien: die so genannten Bacteriodes. Diese produzieren kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Butyrat und Propionat. Der Propionat-Spiegel war bei Mäusen, die gegen Salmonellen-Wachstum geschützt waren, dreifach höher. Dann versuchten die Forscher herauszufinden, ob Propionat vor Salmonellen schützt, indem es das Immunsystem stärkt. Das Ergebnis: Propionat hemmt die Salmonellen-Erreger in ihrer Teilung und in ihrem Wachstum. 
 
In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler in Stanford herausfinden, wie übersetzbar dieses Ergebnis für den Menschen ist, so Jacobson. "Die nächsten Schritte umfassen die Bestimmung der grundlegenden Biologie des Propionats und wie es auf molekularer Ebene funktioniert", sagte sie. Ihr Team will auch herauszufinden, wie die Ernährung die Fähigkeit dieser bakteriellen Krankheitserreger beeinflusst, im Darm eine Infektion auszulösen, dort zu wachsen und dann in die Umwelt zu gelangen. Diese Ergebnisse könnten in der Folge auch Behandlungsstrategien beeinflussen und helfen, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren.
 
Kurzkettige Fettsäuren als "Nahrung" für schützende Bakterien
Die exakten Mechanismen, wie genau die kurzkettigen Fettsäuren wie die Propionsäure die schützenden Effekte auslösen, sind noch nicht genau erforscht. Aus verschiedenen Studien weiß man aber: Sie dienen nach dem aktuellen Stand der Forschung besonders denjenigen Darmbakterien als "Futter", die eine besondere Schutzfunktion für den Menschen haben: Sie können Entzündungen im Körper verhindern und vor einem Angriff des menschlichen Organismus auf körpereigene Zellen schützen. Ein intaktes Zusammenleben der verschiedenen Bakterien schützt die Darmwand und verhindert, dass sie für Krankheitserreger durchlässig wird.
 
Kurzkettige Fettsäuren können Bakterien im Darm jedoch nur produzieren, wenn ausreichend Ballaststoffe beziehungsweise Pflanzenfasern gegessen werden. Viele Deutsche schaffen die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Menge von mindestens 30 Gramm täglich nicht. Forscher vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke haben in einer eigenen Studie herausgefunden, dass die direkte Einnahme von Propionat, also dem Salz der Propionsäure, im Körper ähnlich positive Effekte hat wie pflanzliche Ballaststoffe. In den Studien diverser Gruppen empfehlen Forscher die Einnahme von zweimal 500 Milligramm Propionat täglich, je eine Kapsel morgens und abends zum Essen.
 
Propionsäure wird eigentlich primär als Lebensmittelzusatzstoff verwendet, unter anderem zum Haltbarmachen von Käse oder in Brot und Gebäck. Hochreines Natriumpropionat für medizinische Studien wird in Deutschland unter dem Handelsnamen Propicum von dem Unternehmen Flexopharm Brain aus Herne vertrieben. Wechselwirkungen jeglicher Art sind bislang bei den Studien nicht aufgetreten, auch weil das Mikrobiom eines gesunden Menschen bei ballaststoffreicher Kost etwa vier bis fünf Gramm Propionsäure/Propionat am Tag selbst produziert. 
  • Aufrufe: 442

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren

In Deutschland erkranken jährlich circa 9000 Menschen an Leberkrebs. Ein
gängiges Verfahren zur Diagnose ist die Ultraschalluntersuchung. Wenn die
Ultraschalldiagnostik mit speziellen Bluttests kombiniert wird, können
Leberkarzinome sogar schon in einem sehr frühen Stadium entdeckt werden.
In einer aktuellen Metaanalyse fanden US-Forscher heraus, dass so 40
Prozent mehr Tumoren frühzeitig erkannt werden. Experten der Deutschen
Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) machen vor diesem
Hintergrund auf die Relevanz einer qualitativ hochwertigen Diagnostik
aufmerksam.

„Je früher ein Leberkarzinom erkannt wird, desto besser sind auch die
Chancen auf Heilung“, sagt DEGUM-Experte Professor Dr. med. Christoph
Sarrazin. Das Problem sei jedoch, dass die Erkrankung häufig spät entdeckt
würde, da sie in einem frühen Stadium oft nur unspezifische, allgemeine
Beschwerden verursache. „Insofern ist die Erkenntnis der amerikanischen
Forscher sehr wertvoll für die Krebsdiagnostik“ so Sarrazin, Hepatologe am
Leberzentrum Wiesbaden. Mögliche Anzeichen eines Leberkarzinoms sind
Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und eine unerklärliche
Gewichtsabnahme. Auch ein Schwächegefühl, eine erhöhte Temperatur ohne
erkennbare Ursache und eine tastbare Schwellung unter dem rechten
Rippenbogen können auf ein Leberkarzinom hindeuten. Wer mehrere dieser
Anzeichen wahrnehme, solle sich dringend untersuchen lassen, rät der
Experte.

Bei der Diagnose des Leberkarzinoms ist die Ultraschalldiagnostik das
Mittel der ersten Wahl. „Mit der Sonografie des Bauchraumes können wir
auch recht kleine Lebertumoren entdecken. Der Einsatz von Kontrastmitteln
kann dabei hilfreiche zusätzliche Informationen liefern“, sagt Sarrazin.
Die Sonografie hat gegenüber anderen Verfahren wie der Computertomografie
(CT) den Vorteil, dass sie strahlenfrei und somit besonders
gesundheitsschonend durchgeführt werden kann. Zudem ist sie für den
Patienten schmerzfrei.

Eine Herausforderung war bislang die frühe Diagnose des Leberkarzinoms, da
die Tumoren im zirrhotisch veränderten Lebergewebe im Anfangsstadium
häufig noch extrem klein, schlecht abgrenzbar und somit schwieriger zu
finden sind. Hier gibt es nun Hoffnung: Laut Erkenntnissen von US-
Forschern, die auf einer Metaanalyse aus 32 Studien beruhen, können die
Karzinome auch in einem frühen Stadium gut entdeckt werden, wenn neben der
modernen Ultraschalldiagnostik bei Risikopatienten auch ein spezieller
Bluttest durchgeführt wird. Dann würden 40 Prozent der Tumoren mehr
frühzeitig erkannt. „Bei diesen Tests wird das Blut der Patienten auf das
sogenannte Alpha-Fetoprotein (AFP) hin untersucht. Dieses Protein ist ein
Eiweiß, das im Verdauungstrakt, in der Leber und im Dottersack eines Fötus
gebildet wird“, sagt DEGUM-Experte Professor Dr. med. Andreas Schuler,
Ärztlicher Direktor der Alb Fils Kliniken Göppingen-Geislingen. „Bei
gesunden, nicht schwangeren Erwachsenen ist der Protein-Wert normalerweise
recht gering, bei Schwangeren, den meisten Leberkrebs-Patienten und
Personen mit anderen Lebererkrankungen oder anderen Krebserkrankungen ist
er hingegen erhöht.“ Ein solcher erhöhter Wert gibt Anlass zur besonders
sorgfältigen und hochqualifizierten Ultraschalluntersuchung der Leber. Die
Kombination der Methoden mit erhöhtem Wert und auffälligem Ultraschall
seien deutliche Anzeichen für ein Leberkarzinom.

„Diese aktuellen Erkenntnisse zeigen wie relevant es bei der Diagnostik
von Leberkrebs ist, die bewährte Sonografie des Bauchraumes mit
Blutuntersuchungen zu kombinieren“, meint Schuler, ärztlicher Direktor der
Alb Fils Klinik Geislingen. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei die
Qualität der Ultraschalldiagnostik. Nur mit qualifiziertem Wissen und
Expertise in den Diagnostikverfahren könnten diese kompetent angewendet
werden. Die DEGUM bietet Ärzten dafür entsprechende Aus- und
Weiterbildungen an.

Risikofaktoren: Wie entsteht Leberkrebs? Wer ist besonders gefährdet?

Ein relevanter Risikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs ist eine
Leberzirrhose, die auch als „Schrumpfleber“ bekannt ist. Dabei handelt es
sich um eine schwere Leberschädigung, die häufig durch jahrelangen
Alkoholmissbrauch entsteht. Auch Personen, die an einer dauerhaften
Leberentzündung – also an einer Hepatites-Erkrankung – leiden, haben ein
deutlich erhöhtes Risiko an einem Leberkarzinom zu erkranken. Ein weiterer
relevanter Faktor ist die Fettleber, die etwa durch erhöhten
Alkoholkonsum, Diabetes mellitus und starkes Übergewicht entstehen kann.
Zudem können leberschädigende Substanzen in der Nahrung wie Aflaxion B 1 –
ein spezielles Pilzgift -, erbliche bedingte Erkrankungen des
Stoffwechsels – wie Hämochromatose oder Morbus Wilson -, die Einnahme von
Sexualhormonen wie Anabolika und die berufliche Belastung mit chemischen
Substanzen wie Pflanzenschutzmitteln die Entstehung der Krankheit
begünstigen.

Weiterführende Informationen:

<https://www.eurekalert.org/pub_releases/2018-02/usmc-btp020918.php>

Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet
ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch
auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000
Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten,
Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am
häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin.
Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende
Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM-
zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: <www.degum.de>

  • Aufrufe: 218

Bei Rückenschmerzen und Wirbelsäulenproblemen: "Intelligente" Therapien ersetzen immer öfter den Griff zum Skalpell

Minimalinvasive und konservative Behandlungen ersparen Patienten mit Rückenschmerzen und Wirbelsäulen-Erkrankungen in vielen Fällen die Belastung eines  klassischen chirurgischen Eingriffs.

 

Frankfurt - Die Eröffnung des neuen Wirbelsäulenzentrums 2017 hat an der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim im Bereich der Wirbelsäulen-Behandlung viel verändert. Ziel der Ärzte in Frankfurts größter Wirbelsäulenklinik ist es heute, Patienten mit Rückenproblemen wirkungsvoll zu behandeln, große Operationen aber wo immer sinnvoll zu vermeiden. Der Nutzen für die Patienten: reduziertes Behandlungsrisiko und schnellere Heilung.


Durch die Verschiebung der Alterspyramide steigt auch in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim die Zahl der Patienten mit Wirbelsäulenproblemen. In Deutschland müssen jährlich mittlerweile fast 300.000 Menschen wegen ihrer Rückenerkrankung auf den Operationstisch. Gegen den allgemeinen Trend versuchen die Friedrichsheimer Orthopäden mit neuen Behandlungskonzepten die Zahl der großen Eingriffe auf ein sinnvolles Maß zu beschränken.

Minimalinvasive und endoskopische Eingriffe
machen große Operationen oft überflüssig

"Es lohnt sich heutzutage bei vielen Operationsindikationen über elegante, kleine Operationstechniken nachzudenken. So muss bei Bandscheibenoperationen in vielen Fällen die Muskulatur nicht mehr beschädigt werden, da wir mit einer Kamera in die Tiefe sehen können", sagt Dr. med. Jacques D. Müller-Broich. Er ist seit einem Jahr Teamleiter des neuen Zentrums für Wirbelsäulenorthopädie in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim.

Experten sind sich einig: Vor allem die ständige Perfektionierung der minimalinvasiven und endoskopischen Techniken, also der Operation über winzige Hautöffnungen, teilweise mit einer Kamera, erschließt ein neues, zeitgemäßes Therapiespektrum. "Patientenzufriedenheit und Behandlungserfolge bestätigten die Richtigkeit dieser Strategie an unserer Klinik", sagt Dr. Müller-Broich. Die Erfolgsrate bei den minimalinvasiven Therapien sei vergleichbar mit den klassischen Operationstechniken. "Die Patienten erholen sich aber schneller."



Dr. med. Jacques D. Müller-Broich ist seit 2017 Teamleiter des neuen Zentrums für Wirbelsäulenorthopädie in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt.
  • Aufrufe: 178