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Gesundheit

Schlaganfall - und dann?!Wie ein erneuter Hirninfarkt verhindert werden kann

Ein Schlaganfall kommt oft nicht alleine: Wer bereits einen Hirninfarkt
erlitten hat, besitzt gegenüber Gleichaltrigen ohne Vorbelastung ein
zehnfach höheres Risiko, erneut daran zu erkranken. Doch es kann
vorgebeugt werden: Laut Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft
(DSG) sind 90 Prozent des Risikos auf behandelbare Faktoren wie
Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Vorhofflimmern oder Rauchen
zurückzuführen. Sie empfehlen daher eine präventive Behandlung. Was muss
sich ändern, damit mehr erneute Schlaganfälle verhindert werden? Darüber
diskutieren Experten der DSG auf einer Pressekonferenz in Berlin am 25.
Oktober 2018 anlässlich des Weltschlaganfalltages am 29. Oktober.

„Seit vielen Jahren stehen hierzulande wissenschaftlich gesicherte
Behandlungsstrategien wie Blutdrucksenkung, Cholesterinsenkung oder
gerinnungshemmende Therapien zur Verfügung. Diese Strategien helfen
nachweislich, einen erneuten Schlaganfall zu verhindern“, sagt DSG-Experte
Professor Dr. med. Heinrich Audebert. „Problematisch ist jedoch, dass die
verfügbaren Präventionsmaßnahmen in der Langzeit-Behandlung nach einem
Schlaganfall nicht konsequent genug genutzt werden.“

So hat eine Berliner Studie gezeigt, dass ein halbes Jahr nach dem
Schlaganfall bei lediglich weniger als der Hälfte der Patienten
verbreitete Risikofaktoren wie Bluthochdruck ausreichend eingestellt waren
– eine solche Nachsorge sehen jedoch die Leitlinien vor. Nach Einschätzung
von Audebert ist die Prävention in Deutschland damit im internationalen
Vergleich zu wenig wirksam. „Viele Patienten könnten von einer
intensiveren ambulanten Betreuung profitieren“, so der Ärztliche Leiter
der Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie an der Charité
Universitätsmedizin Berlin. „Zudem sind offensichtlich viele Betroffene
nach dem Schlaganfall mit der Umsetzung der teilweise komplexen
medizinischen Empfehlungen überfordert.“

Was müsste nun konkret passieren, damit die Prävention hierzulande
effektiver wird? DSG-Experte Audebert fordert ein Umdenken: „Wir sollten
den Schlaganfall nicht nur als akutes Notfallereignis verstehen, sondern
vielmehr als chronische Erkrankung. Die starke Trennung zwischen
krankenhausbasierter Akutbehandlung und ambulanter Nachbetreuung macht
eine wirksame und patientenorientierte Sekundärprävention zu einer großen
Herausforderung.“

Mit einem überschaubaren Aufwand ist es nach Einschätzung von Audebert
möglich, nach einem ersten Schlaganfall einen wesentlich besseren Schutz
zu bewirken. „Unmittelbar nach der Erkrankung sollten gezielte
Nachbetreuungsprogramme einsetzen“, meint der Neurologe. „Dafür ist es
wichtig, dass die behandelnden Ärzte – sowohl in der Akuteinrichtung als
auch in Hausarztpraxen – eng zusammenarbeiten.“

Zudem sei eine gute Logistik entscheidend. Besonders wichtig sind dabei
gute Anbindungen an Kliniken mit Schlaganfallspezialeinrichtungen,
sogenannten Stroke Units. „In Ballungszentren mit universitären
Hochschulambulanzen ist dies natürlich eher gegeben“, so Audebert. „Für
eine ideale Versorgung müssen jedoch bundesweit möglichst flächendeckend
spezialisierte Ambulanzen einrichtet werden.“ Solche
Unterstützungsprogramme werden momentan von Schlaganfall-Experten
hinsichtlich ihrer Effektivität untersucht, Studien dazu stehen teilweise
kurz vor ihrem Abschluss. Die Ergebnisse der multizentrischen und
internationalen Studie zur „Intensivierten Sekundärprävention mit
Intention einer verringerten Rezidivrate bei TIA- und minor-stroke
Patienten“ (INSPiRE-TMS-Studie) sollen beispielsweise im Frühjahr
kommenden Jahres vorliegen.

Die Unterstützungsprogramme sollen dabei in Ergänzung zur
Hausarztbehandlung und in enger Abstimmung mit den niedergelassenen Ärzten
durchgeführt werden. „Ziel ist es, die Patienten in ihrer
Eigenverantwortung zu stärken“, sagt der Experte. „Die Programme sollen
den Betroffenen helfen, ihre medikamentösen Behandlungen einzuhalten und
einen gesünderen Lebensstil zu führen.“ Wenn solche gezielten Maßnahmen
zukünftig häufiger umgesetzt würden, könnte das zu einer spürbaren Senkung
der Schlaganfallhäufigkeit in Deutschland führen – denn circa ein Viertel
der Betroffenen erleidet einen Schlaganfall als Wiederholungsereignis.

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Deutscher Schmerzkongress 2018: Mit Telemedizin und Apps schmerzmedizinische Versorgung verbessern

Menschen mit Schmerzen werden in Deutschland nicht ausreichend versorgt.
Das belegt die jedes Jahr steigende Zahl der Patienten mit chronischen
Schmerzen. Da in der Schmerzmedizin vorwiegend kommunikative und
medikamentöse Wirkfaktoren eine Rolle spielen, sehen Experten in der
Telemedizin und in Apps ein großes Potential,um die Versorgung zu
verbessern. Es brauche jedoch nicht nur mehr Forschungsprojekte, um die
Wirksamkeit und Sicherheit von Gesundheits- und Medizin-Apps zu bewerten,
sondern auch Standards zum Datenschutz und zur Datensouveränität sowie zur
Steuerung von Risiken dieser neuen Anwendungen, fordern Schmerzexperten im
Vorfeld des Deutschen Schmerzkongresses 2018 in Mannheim.

Die Gründe für die insgesamt unzureichende schmerztherapeutische
Versorgung in Deutschland sind vielfältig. Manche Menschen leben weit
entfernt von spezialisierten Zentren oder Praxen, sie sind nicht
ausreichend mobil oder haben keine Informationen darüber, wie und bei wem
sie eine für sie geeignete Schmerzbehandlung finden können. Dadurch sind
sie von einer adäquaten Versorgung abgeschnitten. „Wer nicht frühzeitig
und angemessen versorgt wird, hat ein höheres Risiko, dass seine Schmerzen
chronisch werden. Häufig stellen sich emotionale Störungen ein, die
Lebensqualität sinkt, Arbeitsanforderungen können nicht mehr bewältigt
werden, es drohen Erwerbslosigkeit oder Invalidität“, sagt Professor Dr.
med. Carla Nau, Kongresspräsidentin des Deutschen Schmerzkongresses 2018
und Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am
Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Patienten, die
unzureichend therapiert werden, beanspruchen später das Gesundheitssystem
erheblich häufiger und verursachen hohe Behandlungskosten. „Nicht zuletzt
aus diesen Gründen ist es mittlerweile auch gesundheitspolitisches Ziel,
die schmerztherapeutische Versorgung weiterzuentwickeln, auszubauen und zu
differenzieren“, erklärt die Kongresspräsidentin.

Telemedizin und Apps haben besonders in der Schmerztherapie ein großes
Potenzial. Sie bieten die Chance, therapeutische Beratung und Behandlung
über die Grenzen spezialisierter Schmerzzentren hinweg auszuweiten. „Die
Schmerztherapie nutzt vorwiegend kommunikative und medikamentöse
Wirkfaktoren. Einige Projekte belegen, dass sich Telemedizin, eHealth und
Apps besonders in der Schmerztherapie gut einsetzen lassen“, sagt Nau. Die
Expertin verweist auf einige Pain-Apps mit sogenannten Store-and-Forward-
Applikationen, mit denen der Patient und/oder sein Arzt Daten elektronisch
speichern und zu einem späteren Zeitpunkt sichten und auswerten kann. Dazu
gehören die Erfassung der Schmerzstärke und -lokalisation in einem
Schmerztagebuch, die Auswertungen von Schmerztests, das Erlernen von
Selbstmanagementstrategien und das Teilen von Informationen mit Dritten,
beispielsweise mit dem behandelnden Arzt oder anderen Betroffenen.
Einige Untersuchungen zeigten, dass die Zufriedenheit der Patienten bei
denjenigen höher war, die die App häufiger nutzten. „Allerdings hatte die
Häufigkeit der Anwendung keinen Effekt auf die Stärke der Schmerzen oder
die Aktivität des Patienten“, räumt Nau ein. Store-and-Forward-Methoden
sind in der Schmerzmedizin weit verbreitet, leicht zugänglich und
kostengünstig. „Über die Qualität und Wirksamkeit dieser Smartphone-Apps
wissen wir leider noch nicht genug. Es fehlen regulatorische Vorgaben und
eine wissenschaftlich fundierte Auswertung“, gibt Privatdozent Dr. med.
Tim Jürgens, Kongresspräsident des Deutschen Schmerzkongresses 2018 und
Ärztlicher Leiter des Kopfschmerzzentrums Nord-Ost, Universitätsmedizin
Rostock, zu bedenken. „E-Health-Anwendungen, Telemedizin und Apps müssen
eine wissenschaftliche Evidenz haben, bevor sie ‚offiziell‘ in den
Behandlungsalltag eingehen können“, betont Jürgens. Erfüllen sie diese
Voraussetzung, könnten sie ergänzend zur konventionellen
schmerztherapeutischen Behandlung einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

Abhilfe schaffen möglicherweise die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)
geförderten Forschungsprojekte. Die Deutsche Migräne- und
Kopfschmerzgesellschaft e.V. begleitet derzeit zwei solche eHealth-
Projekte. Mithilfe von SMARTGEM – Smartphone-gestützte Migränetherapie
können Patienten ihre Kopfschmerzen dokumentieren und mögliche auslösende
Faktoren identifizieren. Ein integriertes Therapiemodul unterstützt sie
bei Entspannungsübungen oder Ausdauersport und schult sie in Bezug auf
individuelle verhaltenstherapeutische Ansätze. Die Kommunikation zwischen
Patient und Arzt wird zudem durch ärztlich moderierte Foren und
Expertenchats intensiviert.
MOMO (Modules on migraine onset, früher Child*M*FIRST) richtet sich an
Kinder mit Migräne. Diese multimodale, interdisziplinäre Frühintervention
hat das Ziel, die Lebensqualität und Langzeitprognose für diese Kinder zu
verbessern. Hierzu tragen als Kernelemente eine standardisierte
Migränediagnostik durch den Kinder- und Jugendarzt sowie eine
interdisziplinäre Frühtherapie bei. Beide Versorgungsformen werden mittels
einer kontrollierten Studie untersucht.
Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V.,
empfiehlt den Patienten, Schmerz-Apps im Vorfeld genau zu prüfen. Dabei
kann es hilfreich sein, nachzusehen, wer der Herausgeber ist, ob es ein
Siegel oder ein Zertifikat gibt, wie die App finanziert wird
(Sponsoren/Fördergelder) und wie mit dem Datenschutz umgegangen wird.

Weitere Informationen:
SMARTGEM – Smartphone-gestützte Migränetherapie
<https://www.charite.de/forschung/forschung_an_der_charite/forschungsprojekte/innovationsfonds/smartgem/>
Momo – Entwicklungsbezogene, multimodale, interdisziplinäre
Frühintervention im Rahmen eines strukturierten Therapiekonzeptes für
Kinder mit Migräne – Modules on migraine onset.
<https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/child-m
-first-entwicklungsbezogene-multimodale-interdisziplinaere-

fruehintervention-im-rahmen-eines-strukturierten-therapiekonzeptes-fuer-
kinder-mit-migraene.189>
Die Schmerz-App der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.: Umfassende, von
Schmerzexperten zusammengestellte Informationen zu Schmerz,
Schmerzerkrankungen und Schmerztherapien – inklusive Schmerzfragebogen und
Schmerztagebuch.
<https://www.dgss.org/schmerzapp/>
Der Migräne-Radar der Deutschen Kopfschmerz- und Migränegesellschaft
(DMKG) beinhaltet einen Kopfschmerz-Kalender und gibt registrierten
Nutzern eine individuelle Auswertung ihrer Daten.
<https://www.migraene-radar.de/>
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat eine Checkliste für die Nutzung
von Gesundheits-Apps entwickelt.
<https://www.aps-ev.de/wp-content/uploads/2018/05/2018_APS-
Checkliste_GesundheitsApps.pdf>

Literatur:
Nau, C.: Telemedizin: Chancen in der Schmerztherapie. Anästhesiol
Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2017; 52(02): 118-126. DOI:
10.1055/s-0042-108714.

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Poster der Veranstaltungsreihe

Grippe – Gefahr unter Kontrolle?

Poster der Veranstaltungsreihe
Poster der Veranstaltungsreihe "KrankheitsErregend" des HZI. HZI/Claudia Hurtig

Auftakt der HZI-Vortragsreihe „KrankheitsErregend“ mit aktuellen Antworten
aus der Grippeforschung

Jetzt beginnt die alljährliche Grippesaison, und mit ihr stellen sich
wieder die Fragen: Wie kann ich mich schützen? Soll ich mich impfen
lassen? Was geschieht, wenn ich schwer krank werde? Die Grippewelle des
vergangenen Winters war eine der schwersten seit langem. Wie die Bedrohung
durch die Grippe sogar die Geschichte veränderte und wie sie aktuell
erforscht wird, darüber informiert das Helmholtz-Zentrum für
Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig am 20. Oktober 2018 zum Auftakt
der Vortragsreihe „KrankheitsErregend“, die es bereits zum siebten Mal
ausrichtet.

Besonders verheerend wirkte 1918 – am Ende des ersten Weltkriegs – die
sogenannte Spanische Grippe, die fast 50 Millionen Todesopfer forderte.
Hatte diese Epidemie einen Einfluss auf den Verlauf des Krieges, und
stehen wir – genau 100 Jahre später – der nächsten schweren Grippewelle
noch immer so hilflos gegenüber wie im frühen 20. Jahrhundert? Seitdem
traten immer wieder schwerste Influenza-Epidemien auf, zuletzt im Winter
2017/18. Informationen hierzu präsentiert der Wissenschaftliche
Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, Prof. Dirk
Heinz, am 20. Oktober 2018 ab 11 Uhr bei der ersten Veranstaltung der
diesjährigen Vortragsreihe. Prof. Klaus Schughart, Leiter der Abteilung
„Infektionsgenetik“ am HZI, zeigt im zweiten Vortrag, welchen
Herausforderungen sich die moderne Grippeforschung heute stellt. Denn: Die
Infektionsforschung ist die beste Vorbereitung auf die nächste mögliche
Pandemie.

Die Vortragsreihe:
Bei der diesjährigen Ausgabe der Vortragsreihe „KrankheitsErregend“ werden
ganz verschiedene Aspekte der Grippe beleuchtet: Am HZI informieren
Experten an drei Samstagvormittagen darüber, was Sie tun können, um gesund
zu bleiben, und wie genau die neuesten Medikamente im Krankheitsfall
wirken. Ebenso stehen die Entwicklung und Wirkweise von Impfstoffen und
der aktuelle Stand der Grippeforschung im Fokus. Am 27. Oktober 2018 geht
es um Impfstoffe und Impfforschung und am 3. November 2018 um die
vielfältigen Möglichkeiten, wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen
können und welche Therapiemöglichkeiten im Krankheitsfall zur Verfügung
stehen.

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 11:00 Uhr im Forum des HZI in der
Inhoffenstraße 7, 38124 Braunschweig. Der Eintritt ist frei, eine
Voranmeldung ist nicht nötig. Im Anschluss bietet eine moderierte
Diskussion Gelegenheit für Zuschauerfragen. Bei Interesse vermitteln wir
gern Interviews mit den Referenten.

Nähere Informationen und den Programmflyer finden Sie unter <www
.helmholtz-hzi.de/krankheitserregend/epidemie/>. Rückfragen beantwortet
gern die Pressestelle des HZI (Telefon: 0531/6181-1404, E-Mail:
<veranstaltungen@helmholtz-hzi.de>).

Diese Pressemitteilung finden Sie auch auf unserer Homepage unter dem Link
<https://www.helmholtz-
hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/grippe_gefahr_unter_kontrolle/>

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen
Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was
Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll
den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern.
Das HZI ist Mitglied im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF).
<www.helmholtz-hzi.de>

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Transplantatempfänger Dane Lees blickt wieder positiv in die Zukunft.  Foto: DGFG

DGFG veröffentlicht neuen Film zur Herzklappenspende

Transplantatempfänger Dane Lees blickt wieder positiv in die Zukunft.  Foto: DGFG
Transplantatempfänger Dane Lees blickt wieder positiv in die Zukunft. Foto: DGFG

500 Patienten warten Schätzungen zu Folge jedes Jahr auf eine Herzklappe
aus der Gewebespende. „Nicht einmal die Hälfte dieser Patienten kann mit
einem passenden Transplantat versorgt werden. Das muss sich ändern“, sagt
Dr. Thomas Horn, Referatsleiter in der Abteilung Gesundheit und Prävention
des Niedersächsischen Sozialministeriums. Als Ersatz implantieren Ärzte
künstliche oder tierische Herzklappen – mit begrenzter Haltbarkeit und
einer hohen Abstoßungsgefahr. Kommt es zur weiteren OP am offenen Herzen,
steht das Leben des Patienten erneut auf dem Spiel.

Einen Grund für diesen Versorgungsengpass sieht die Deutsche Gesellschaft
für Gewebetransplantation (DGFG) in der großen Unwissenheit über die
Gewebespende und die verpasste Entscheidungsfindung der Spender zu
Lebzeiten. Gemäß der Devise “Wissen spart Zeit“ klärt die DGFG in ihrem
siebenminütigen Film über die Herzklappenspende nach Herz-Kreislauf-
Stillstand auf und rückt zwei Empfänger einer zellfreien Spenderherzklappe
und ihre ganz unterschiedlichen Geschichten in den Fokus. Den Film finden
Sie auf: www.gewebenetzwerk.de/film-herzklappenspende/

Zellfreie Spenderherzklappen schenken jungen Patienten Hoffnung

Der Bedarf an menschlichen Herzklappen aus der Gewebespende ist weit höher
als ihr Angebot. Schon seit einigen Jahren werden Patienten mit einer
Herzklappeninsuffizienz Alternativen zu den sogenannten Homografts, den
menschlichen Spenderherzklappen, implantiert – mit deutlichen Nachteilen
für junge Patienten: Tierische und mechanische Herzklappen haben eine sehr
begrenzte Haltbarkeit und sind mit einer lebenslangen blutverdünnenden
Medikation verbunden. „Jede Nachoperation am offenen Herzen birgt für den
Patienten ein hohes Risiko und verringert die Lebenserwartung. Dass diese
Therapieoptionen gerade jungen Patienten wenig Hoffnung auf ein langes und
vor allem komplikationsfreies Leben schenken, liegt auf der Hand“, erklärt
Prof. Dr. med. Samir Sarikouch, Oberarzt der Klinik für Herz-, Thorax-,
Transplantations- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover
(MHH). In den klinischen Studien ESPOIR und ARISE wurde der Einsatz
zellfreier Spenderherzklappen getestet. Diese speziell aufbereiteten
Herzklappen werden über ein besonderes Verfahren von Spenderzellen
gereinigt. Die Ergebnisse beider Studien sind vielversprechend. Das
Transplantat wird nach wenigen Monaten patienteneigen. Die
Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion geht gen Null. Frauen können
dank der zellfreien Herzklappe Kinder bekommen, da hierbei keine
Medikamenteneinnahme erforderlich ist. Das Besondere für Kinder mit einem
Herzklappenfehler ist, dass die zellfreien Spenderherzklappen sogar
mitwachsen und Nachoperationen dadurch erspart bleiben.

Gewebespende nach Herz-Kreislauf-Stillstand wichtige Alternative zur
Organspende

Herzklappen stammten bisher überwiegend aus der Organspende. 233
Organspender spendeten im vergangenen Jahr ihr Gewebe wie die
Augenhornhaut, Sehnen, Bänder, Knochen oder Haut. 84 von ihnen spendeten
dabei auch ihre Herzklappen, da ihr Herz nicht mehr für eine
Organtransplantation in Frage kam. „Aufgrund der begrenzten Zahl an
Organspendern sind wir heute stärker denn je auf die Spende dieser Gewebe
von Herz-Kreislauf-Verstorbenen angewiesen“, betont DGFG-Geschäftsführer
Martin Börgel. Eine Gewebespende kann auch noch nach Herz-Kreislauf-
Stillstand durchgeführt werden, denn Gewebe werden im Unterschied zu
Organen nicht durchblutet. Die Hirntoddiagnostik spielt daher keine Rolle.
Das Zeitfenster einer solchen Herzklappenspende bei Herz-Kreislauf-
Verstorbenen ist jedoch begrenzt. „36 Stunden nach Todeseintritt müssen
die Herzklappen entnommen worden sein“, erklärt Börgel. „In dieser Zeit
erfolgt die komplette Spenderdiagnostik, die Aufklärung der Angehörigen
und im Falle einer Zustimmung die entsprechende logistische und personelle
Organisation sowohl der Entnahme als auch des späteren Versands der Spende
in die Gewebebank.“ Erfahren Angehörige von dieser Möglichkeit der
Gewebespende zum ersten Mal und wissen nicht um den Willen des
Verstorbenen Bescheid, möchten sie in dieser recht kurzen Bedenkzeit oft
keine Entscheidung treffen. „Das Wissen um die Gewebespende schenkt uns
Zeit für die Organisation der Entnahme und schafft Klarheit für die
Angehörigen“, sagt Börgel.

Gewebespende in Leipzig – Transplantation in Hannover

Der Film zeigt, wie Gewebespende im Netzwerk der DGFG funktioniert:
Koordinatorin Christine Riege vom Standort am Universitätsklinikum Leipzig
ist eine von insgesamt 46 Koordinatorinnen und Koordinatoren, die
bundesweit für die Gewebespende im Einsatz sind. Im Film erklärt sie den
Ablauf und die Voraussetzungen einer Spende kardiovaskulärer Gewebe.
Ebenfalls im Film zu sehen ist Koordinator Matthias Polzin vom Standort am
Universitätsklinikum Dresden. Im Falle einer Spende führen sie in der
Region Ost unter Verantwortung eines Arztes der DGFG und zusammen mit
einem Arzt der jeweiligen Klinik die Entnahme der kardiovaskulären Gewebe
durch. Die DGFG verfügt über eine bundesweite Erlaubnis zur Entnahme
dieser Gewebe über ein sogenanntes Mobiles Team. Die Verteilung der Gewebe
übernimmt anschließend die zentrale Vermittlungsstelle der DGFG in
Hannover. So können Transplantationszentren aus ganz Deutschland, wie z.
B. die MHH, ihre Patienten dort für ein Herzklappentransplantat anmelden
und auf die Warteliste setzen.

Zur DGFG

Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997
die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Auf der
Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse
der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt
das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine
zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Allein 2017
konnte die DGFG über 4.700 Gewebepräparate zur Transplantation vermitteln.
Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG
beziehen. Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule
Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-
Klinikum Neubrandenburg. Aufklärungsfilme zur Augenhornhaut- und
Gelenkspende sind bereits erschienen und zu sehen im YouTube-Channel der
DGFG.

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