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Gesundheit

DGFG veröffentlicht neuen Film zur Gewebespende

Empfänger allogener Gelenktransplantate erzählen ihre Geschichte

Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) klärt in ihrem neuen Film über die Möglichkeit der postmortalen Knochen- und Knorpelspende auf: Zwei Empfänger eines Sprunggelenk-Transplantats erzählen ihre ganz persönliche Geschichte und zeigen, was die Gewebespende für ihr Leben heute bedeutet. Ermöglicht wurde das Projekt durch das Fundraising der DGFG und die TraumaStiftung von Prof. Dr. med. Christian Krettek. Als Initiator der Stiftung und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist er ebenfalls im Film zu sehen: Prof. Krettek transplantierte den Patienten im Rahmen von Heilversuchen von einem Gewebespender stammende Gelenktransplantate. Den Film finden Sie auf: www.gewebenetzwerk.de/film-knorpelspende/

„Während einer Urlaubsreise in Australien bin ich kurz vor Adelaide mit einem anderen Auto frontal zusammengestoßen. Mein rechter Fuß wurde völlig zertrümmert. Im Zuge der Rekonstruktion mussten die Ärzte mein unteres Sprunggelenk versteifen. Vor zwei Jahren fingen dann die massiven Schmerzen an“, erinnert sich Jessica Alvarez-Korzinovski. „Bei jedem Schritt hatte ich Schmerzen, als ob mir jemand einen Dolch unten in den Fuß gestochen hätte. Ich war nicht einmal mehr in der Lage, mit meinen Zwillingen auf den Spielplatz zu gehen.“ Auch Justin Peine erinnert sich zurück an seinen Unfall: „Wir wollten zum See und sind abseits des Weges gegangen. Durch das hohe Gras haben wir die vielen Baugräben nicht gesehen. Das nächste, woran ich mich erinnern kann, war, dass mein Fuß in eine andere Richtung gezeigt hatte. Dann ist mir auch schon schwarz vor Augen geworden.“ Für die Freunde des damals 19-Jährigen ging das Leben weiter. Für Justin Peine blieb die Welt erst einmal stehen.

 

Erfolgreiche Transplantation dank innovativem Verfahren und Gewebespende

Prof. Krettek und sein Team der Unfallchirurgie von der MHH entwickelten ein ganz besonderes Transplantationsverfahren: „Patienten mit einem schweren Gelenkverschleiß, bei denen kaum oder gar kein intakter eigener Knorpel mehr vorhanden ist, wird der Gelenkknorpel mit einer dünnen Knochenschicht eines Gewebespenders verpflanzt. Über eine besondere Form der Kultivierung werden die Knorpelzellen des Gewebespenders nach der Entnahme bis zur Transplantation am Leben gehalten. Insbesondere junge Patienten werden vor einem frühzeitigen künstlichen Gelenkersatz bewahrt“, erläutert Prof. Krettek. Für die Gewinnung der Transplantate bedarf es Expertise in der Organisation und Gewinnung der Spende sowie in der umfassenden Aufklärung der Angehörigen: An dieser Stelle unterstützt die DGFG das Projekt von Prof. Krettek, in dem sie die Gewebespenden organisiert. „In unserem etablierten, bundesweiten Netzwerk stehen wir stets in engem Austausch mit unseren Projektpartnern und helfen genau dort, wo Gewebespenden benötigt werden. Wir freuen uns, nun schon im dritten Jahr dieses besondere und deutschlandweit einmalige Projekt von Prof. Krettek über unsere jahrelange Erfahrung in der Gewebespende unterstützen und damit Patienten wie Frau Alvarez oder Herrn Peine helfen zu können“, sagt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel.

 

Voraussetzung zur Knochen-, Knorpel- und Sehnenspende

Das maximale Spenderalter bei der Knochen-, Knorpel- und Sehnenspende liegt bei etwa 65 Jahren. Bis zu 24 Stunden nach Todeseintritt kann eine solche Gewebespende erfolgen. Kommt ein Verstorbener für die Knochen-, Knorpel- und Sehnenspende in Frage, halten Koordinatoren der DGFG Rücksprache mit Prof. Krettek und seinem Team. Die Angehörigen werden dann über die Möglichkeit der Spende dieser Gewebe aufgeklärt. Stimmen sie der Spende zu, erfolgt die Entnahme. Bei der Entnahme handelt es sich, wie auch bei lebenden Patienten, um eine OP, bei der die Wunden anschließend operativ ästhetisch verschlossen werden. Der Verstorbene wird wieder würdevoll hergestellt. Prof. Krettek liegt die Aufklärung zu diesem Thema sehr am Herzen: „Viele Menschen wissen gar nicht, dass Gewebespende und insbesondere Gelenkspende so vielen Menschen helfen kann und deswegen ist es ganz besonders wichtig, darauf hinzuweisen.“

 

Heute kann Jessica Alvarez wieder schmerzfrei und ohne Probleme mit ihren Kindern auf den Spielplatz gehen. „Diese Möglichkeit der Gewebespende und -transplantation war sehr wichtig für mein Leben. Ich denke da jeden Tag dran und bin unheimlich dankbar dafür.“ Auch Justin Peine kann mit Anfang 20 nun endlich unbeschwert ins Leben starten: „Jetzt, nach drei Jahren wieder einmal gegen den Ball zu treten, das ist ein Gefühl, das ist einfach unbeschreiblich für mich. Ich kann wieder Sport treiben, laufen, Berg auf, Berg ab, ich kann wieder arbeiten gehen, eigentlich wie ein ganz normaler Mensch, als wäre nichts gewesen.“

 

Ins Leben gerufen wurde die TraumaStiftung 2004 von Unfallchirurg Prof. Dr. Christian Krettek. Seit 2000 ist er Direktor der Unfallchirurgischen Klinik der MHH. Im Mittelpunkt der TraumaStiftung steht die Förderung von Wissenschaft und Forschung, die Entwicklung und Anwendung neuer Behandlungsmethoden und die Verbreitung von Erkenntnissen und gewonnenem Wissen aus den geförderten Projekten.

Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Auf der Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Allein 2017 konnte die DGFG über 4.700 Gewebepräparate zur Transplantation vermitteln. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg

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DGFG veröffentlicht neuen Film zur Gewebespende

Empfänger allogener Gelenktransplantate erzählen ihre Geschichte

Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) klärt in ihrem neuen Film über die Möglichkeit der postmortalen Knochen- und Knorpelspende auf: Zwei Empfänger eines Sprunggelenk-Transplantats erzählen ihre ganz persönliche Geschichte und zeigen, was die Gewebespende für ihr Leben heute bedeutet. Ermöglicht wurde das Projekt durch das Fundraising der DGFG und die TraumaStiftung von Prof. Dr. med. Christian Krettek. Als Initiator der Stiftung und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist er ebenfalls im Film zu sehen: Prof. Krettek transplantierte den Patienten im Rahmen von Heilversuchen von einem Gewebespender stammende Gelenktransplantate. Den Film finden Sie auf: www.gewebenetzwerk.de/film-knorpelspende/

„Während einer Urlaubsreise in Australien bin ich kurz vor Adelaide mit einem anderen Auto frontal zusammengestoßen. Mein rechter Fuß wurde völlig zertrümmert. Im Zuge der Rekonstruktion mussten die Ärzte mein unteres Sprunggelenk versteifen. Vor zwei Jahren fingen dann die massiven Schmerzen an“, erinnert sich Jessica Alvarez-Korzinovski. „Bei jedem Schritt hatte ich Schmerzen, als ob mir jemand einen Dolch unten in den Fuß gestochen hätte. Ich war nicht einmal mehr in der Lage, mit meinen Zwillingen auf den Spielplatz zu gehen.“ Auch Justin Peine erinnert sich zurück an seinen Unfall: „Wir wollten zum See und sind abseits des Weges gegangen. Durch das hohe Gras haben wir die vielen Baugräben nicht gesehen. Das nächste, woran ich mich erinnern kann, war, dass mein Fuß in eine andere Richtung gezeigt hatte. Dann ist mir auch schon schwarz vor Augen geworden.“ Für die Freunde des damals 19-Jährigen ging das Leben weiter. Für Justin Peine blieb die Welt erst einmal stehen.

 

Erfolgreiche Transplantation dank innovativem Verfahren und Gewebespende

Prof. Krettek und sein Team der Unfallchirurgie von der MHH entwickelten ein ganz besonderes Transplantationsverfahren: „Patienten mit einem schweren Gelenkverschleiß, bei denen kaum oder gar kein intakter eigener Knorpel mehr vorhanden ist, wird der Gelenkknorpel mit einer dünnen Knochenschicht eines Gewebespenders verpflanzt. Über eine besondere Form der Kultivierung werden die Knorpelzellen des Gewebespenders nach der Entnahme bis zur Transplantation am Leben gehalten. Insbesondere junge Patienten werden vor einem frühzeitigen künstlichen Gelenkersatz bewahrt“, erläutert Prof. Krettek. Für die Gewinnung der Transplantate bedarf es Expertise in der Organisation und Gewinnung der Spende sowie in der umfassenden Aufklärung der Angehörigen: An dieser Stelle unterstützt die DGFG das Projekt von Prof. Krettek, in dem sie die Gewebespenden organisiert. „In unserem etablierten, bundesweiten Netzwerk stehen wir stets in engem Austausch mit unseren Projektpartnern und helfen genau dort, wo Gewebespenden benötigt werden. Wir freuen uns, nun schon im dritten Jahr dieses besondere und deutschlandweit einmalige Projekt von Prof. Krettek über unsere jahrelange Erfahrung in der Gewebespende unterstützen und damit Patienten wie Frau Alvarez oder Herrn Peine helfen zu können“, sagt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel.

 

Voraussetzung zur Knochen-, Knorpel- und Sehnenspende

Das maximale Spenderalter bei der Knochen-, Knorpel- und Sehnenspende liegt bei etwa 65 Jahren. Bis zu 24 Stunden nach Todeseintritt kann eine solche Gewebespende erfolgen. Kommt ein Verstorbener für die Knochen-, Knorpel- und Sehnenspende in Frage, halten Koordinatoren der DGFG Rücksprache mit Prof. Krettek und seinem Team. Die Angehörigen werden dann über die Möglichkeit der Spende dieser Gewebe aufgeklärt. Stimmen sie der Spende zu, erfolgt die Entnahme. Bei der Entnahme handelt es sich, wie auch bei lebenden Patienten, um eine OP, bei der die Wunden anschließend operativ ästhetisch verschlossen werden. Der Verstorbene wird wieder würdevoll hergestellt. Prof. Krettek liegt die Aufklärung zu diesem Thema sehr am Herzen: „Viele Menschen wissen gar nicht, dass Gewebespende und insbesondere Gelenkspende so vielen Menschen helfen kann und deswegen ist es ganz besonders wichtig, darauf hinzuweisen.“

 

Heute kann Jessica Alvarez wieder schmerzfrei und ohne Probleme mit ihren Kindern auf den Spielplatz gehen. „Diese Möglichkeit der Gewebespende und -transplantation war sehr wichtig für mein Leben. Ich denke da jeden Tag dran und bin unheimlich dankbar dafür.“ Auch Justin Peine kann mit Anfang 20 nun endlich unbeschwert ins Leben starten: „Jetzt, nach drei Jahren wieder einmal gegen den Ball zu treten, das ist ein Gefühl, das ist einfach unbeschreiblich für mich. Ich kann wieder Sport treiben, laufen, Berg auf, Berg ab, ich kann wieder arbeiten gehen, eigentlich wie ein ganz normaler Mensch, als wäre nichts gewesen.“

 

Ins Leben gerufen wurde die TraumaStiftung 2004 von Unfallchirurg Prof. Dr. Christian Krettek. Seit 2000 ist er Direktor der Unfallchirurgischen Klinik der MHH. Im Mittelpunkt der TraumaStiftung steht die Förderung von Wissenschaft und Forschung, die Entwicklung und Anwendung neuer Behandlungsmethoden und die Verbreitung von Erkenntnissen und gewonnenem Wissen aus den geförderten Projekten.

Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Auf der Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Allein 2017 konnte die DGFG über 4.700 Gewebepräparate zur Transplantation vermitteln. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg

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Urologen erneuern Ruf nach Widerspruchslösung zum Tag der Organspende Jetzt mit Unterstützung des Ärztetages

Seit dem Erfurter Ärztetag spricht die deutsche Ärzteschaft mit starker
Stimme: Laut Entschließung vom 10. Mai 2018 fordert die Bundesärztekammer
(BÄK) den Gesetzgeber auf, die Widerspruchslösung zur Organspende mit
einer Änderung des Transplantationsgesetzes einzuführen. Die Deutsche
Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) begrüßt diese Forderung im Vorfeld
des Tags der Organspende am 2. Juni ausdrücklich.

Die Fachgesellschaft hatte sich bereits zu Jahresbeginn angesichts einer
2017 historisch niedrigen Zahl von Organspenden für Systemkorrekturen und
gegen die derzeit geltende Entscheidungslösung ausgesprochen. Andere
Fachgesellschaften folgten dem Ruf nach Einführung der Widerspruchlösung.

„Inzwischen treten die ärztlichen Standesvertreter geschlossen für die
Widerspruchlösung ein, und das verstärkt den Handlungsdruck auf die
Politik“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Paolo Fornara und verweist auf die
prekäre Situation der Organspende in Deutschland. Obwohl die deutsche
Bevölkerung laut Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA) seit 2012 einer Organ- und Gewebespende zu über 80
Prozent positiv gegenübersteht, ist die Zahl der postmortalen Organspenden
in Deutschland im gleichen Zeitraum von 1046 (2012) auf nur noch 797
(2017) gesunken. Der Prozentsatz der Krankenversicherten, die seit
Einführung der Entscheidungslösung 2012 einen Organspendeausweis
ausgefüllt haben, wächst nur noch schleppend und lag im vergangenen Jahr
bei 36 Prozent.

„Wir brauchen Reformen und müssen mit einem Wechsel weg von der
sogenannten Entscheidungslösung beginnen, die weltweit nur in Deutschland
praktiziert wird und wenig bewirkt. Wir werden zwar von den Krankenkassen
über die Organspende aufgeklärt, wirklich entscheiden muss sich aber
niemand. Stattdessen sollte die weitverbreitete Widerspruchslösung
eingeführt werden, nach der jeder Volljährige nach seinem Tod als
potenzieller Organspender gilt, sofern er nicht zu Lebzeiten
widerspricht“, so Prof. Fornara, Transplantationsmediziner und Mitglied
der Ständigen Kommission Organtransplantation sowie der Prüfungs- und
Überwachungskommission der Bundesärztekammer. Dass sich jeder Einzelne
nach der gesetzlich geregelten Aufklärung durch die Krankenkassen mit der
Problematik auseinandersetzt und im Falle einer Ablehnung sein NEIN zur
Organspende formuliert, könne von jedem Bürger erwartet werden,
unterstreicht die BÄK in ihrer Entschließung für die Widerspruchslösung.
Die verbreitete Sorge vor einer Bevormundung der Bürger teilen weder die
DGU noch der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BvDU). „Die
Widerspruchslösung ist vielmehr eine echte Entscheidungslösung, die jedem
Versicherten die volle persönliche Entscheidungsfreiheit lässt“, sagt
BvDU-Präsident Dr. Axel Schroeder.

Bei europäischen Nachbarn wird schon länger auf die Widerspruchslösung
gesetzt, zuletzt auch in den Niederlanden. Sogar im tief katholischen
Spanien ist sie fest etabliert: Dort wurden 2017 mit 46,9 postmortalen
Spendern pro einer Million Einwohner rund fünf Mal mehr Spender als in
Deutschland verzeichnet. Deutschland ist im Vergleich der Mitgliedsländer
von Eurotransplant mit nur 9,7 postmortalen Organspendern pro einer
Million Einwohner das Schlusslicht. Im internationalen Vergleich reicht es
für Platz 30 - hinter dem Iran und vor Rumänien.

„Um die Situation der über 10. 000 Menschen zu verbessern, die in
Deutschland auf ein Spenderorgan warten, bedarf es aber mehr als der
Einführung der Widerspruchslösung“, sagt DGU-Präsident Prof. Fornara. Zur
weiteren Systemkorrektur seien u.a. bundesweit einheitliche Aufgaben und
Arbeitsbedingungen für Transplantationsbeauftragte, eine angemessene
logistische, personelle und finanzielle Ausstattung der Entnahmekliniken
sowie eine bessere Nachsorge erforderlich. Angesichts von rund 8000
Dialysepatienten, die nicht wie in Spanien ein Jahr, sondern in
Deutschland durchschnittlich sechs Jahre auf eine Transplantation warten,
bot die freiwillige Nierenlebendspende unter nahen Verwandten und einander
emotional eng verbundenen Menschen 2017 in 557 Fällen einen Ausweg.
„Blutgruppenungleiche Nierentransplantationen und neue schonendere
operative Techniken wie die laparoskopische und die roboterassistierte
Nierentransplantation sind heute auch bei einer Nierenlebendspende
medizinisch möglich“, so der Hallesche Transplantationsmediziner unter
dessen Leitung die BÄK derzeit die erste Richtlinie zur Lebendspende
erarbeitet, die sehr genau auf den Schutz des Spenders ausgerichtet sein
wird.

Den verantwortlichen deutschen Gesundheitspolitikern gibt die DGU bereits
Anfang Juli auf einem Parlamentarischen Abend in der Hauptstadt
Gelegenheit, mit Experten der Fachgesellschaft und der Medizinischen
Direktorin von Eurotransplant, Dr. Undine Samuel, über Systemkorrekturen
bei der Organspende zu diskutieren, um Menschen auf der Warteliste eine
Chance zu geben.

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Neue Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass sich das Mikrobiom im Darm durch eine ballaststoffreiche Ernährung oder die gezielte Zufuhr kurzkettiger Fettsäuren positiv beeinflussen lässt - und künftig so auch Diabetes vorbeugen und lindern könnte. Foto: Fotolia

Kurzkettige Fettsäuren als neue Hoffnung für Diabetiker

Neue Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass sich das Mikrobiom im Darm durch eine ballaststoffreiche Ernährung oder die gezielte Zufuhr kurzkettiger Fettsäuren positiv beeinflussen lässt - und künftig so auch Diabetes vorbeugen und lindern könnte. Foto: Fotolia
Neue Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass sich das Mikrobiom im Darm durch eine ballaststoffreiche Ernährung oder die gezielte Zufuhr kurzkettiger Fettsäuren positiv beeinflussen lässt - und künftig so auch Diabetes vorbeugen und lindern könnte. Foto: Fotolia
Neue Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass sich das Mikrobiom im Darm durch eine ballaststoffreiche Ernährung oder die gezielte Zufuhr kurzkettiger Fettsäuren positiv beeinflussen lässt - und künftig so auch Diabetes vorbeugen und lindern könnte.Ergebnisse einer neuen Studie aus den USA und China machen den rund sieben Millionen Diabetikern in Deutschland neue Hoffnung: Spezielle Bakterien im menschlichen Darm können demnach dabei helfen, Diabetes vom Typ 2 zu lindern, indem sie so genannte kurzkettige Fettsäuren produzieren. Die gute Nachricht für Zuckerkranke: Diese Darmbakterien lassen sich durch eine gezielte ballaststoffreiche Ernährung stärken - mit zahlreichen positiven Effekten für den Organismus wie einem Absenken des bei Diabetikern zu hohen Blutzuckerwerts und sogar einem effizienten Gewichtsverlust. Forscher vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke haben in einer eigenen Studie herausgefunden, dass Propionat, das Salz einer kurzkettigen Fettsäure, im Körper ähnlich positive Effekte hat wie pflanzliche Ballaststoffe. Für viele Bundesbürger ist das eine gute Nachricht: Denn sie erreichen die empfohlenen Mindestmengen an Ballaststoffen nicht.

 

Zwei Millionen Diabetiker in Deutschland wissen nichts von ihrer Erkrankung
Diabetes wird in Deutschland zunehmend zur Volkskrankheit, vielfach unentdeckt: Von den rund sieben Millionen Betroffenen wissen rund zwei Millionen Bundesbürger noch nichts von ihrer Erkrankung. Zu diesem Ergebnis kommt der "Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2018". Rund 95 Prozent der Betroffenen leiden unter dem Diabetes vom Typ 2, der maßgeblich durch Faktoren wie eine ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung beeinflusst wird.
 
Forscher: Ballaststoffe senken Blutzucker
Forscher der Rutgers University in New Brunswick und der Jiao Tong Universität in Shanghai zeigten in ihrer über sechs Jahre laufenden Studie, welche wichtige Rolle Ballaststoffe im Kampf gegen Diabetes spielen können. Eine Ernährung, die reich ist an Ballaststoffen, kann demnach die Darmflora neu ausbalancieren und in der Folge zu besseren Blutzuckerwerten führen und auch helfen, das Gewicht zu reduzieren, so die Ergebnisse der Studie. 
 
Konkret wies das Wissenschaftlerteam um Leiter Liping Zhao, Professor an der Fakultät für Biochemie und Mikrobiologie an der Rutgers University in New Brunswick, nach: Durch eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Pflanzenfasern sinkt der HbA1c-Wert. Dieser Wert gibt an, wie hoch der durchschnittliche Blutzuckerspiegel der vergangenen Wochen war und ist für Diabetiker ein wichtiger Messwert zur Kontrolle. Die Studie umfasste 27 Teilnehmer. Bereits drei Monate nach dem Start des Versuchs begann der Blutzuckerspiegel bei den Probanden stärker zu sinken als in der Kontrollgruppe. Ihre Resultate veröffentlichten die Forscher jetzt im Medizin-Fachjournal "Science".
 
Kurzkettige Fettsäuren: Wichtige Nahrungsgrundlage für Darmbakterien
Noch ist das genaue Zusammenspiel zwischen dem Mikrobiom im Darm und dem menschlichen Stoffwechsel nicht vollständig erforscht. Den Darmbakterien dienen die Ballaststoffe, also die Pflanzenfasern, als Nahrung. Je mehr solche Nahrung sie erhalten, desto mehr kurzkettige Fettsäuren können sie produzieren. Lösliche Ballaststoffe werden jedoch nicht direkt verstoffwechselt, sondern erst in kurzkettige Fettsäuren umgewandelt, die dann die positiven Effekte haben.
 
Kurzkettige Fettsäuren dienen nach dem aktuellen Stand der Forschung besonders denjenigen Darmbakterien als "Futter", die eine besondere Schutzfunktion für den Menschen haben: Sie können Entzündungen im Körper verhindern und vor einem Angriff des menschlichen Organismus auf körpereigene Zellen schützen. 
 
Wissenschaftler hoffen auf neue Behandlungsmethoden für Typ-2-Diabetes 
Die Ergebnisse der amerikanischen und chinesischen Forscher gelten als weiterer Meilenstein bei der Erforschung des Mikrobioms: "Unsere Studie eröffnet die Chance, dass Fasern, die auf bestimmte Darmbakterien abzielen, stärker zu einem wichtigen Bestandteil der allgemeinen Ernährung werden sollten", sagt Liping Zhao, Professor an der Fakultät für Biochemie und Mikrobiologie an der Rutgers University in New Brunswick in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Beim Essen werde nicht nur der eigene Körper versorgt, sondern würden auch die Mikroorganismen der Darmflora gefüttert, sagt Dr. Lynn Bry, Direktorin des Massachusetts Host-Microbiome Center an der Harvard University.
 
Die amerikanischen Forscher planen nach eigener Aussage weitere Studien, um den jetzt nachgewiesenen Zusammenhang genauer zu untersuchen. Sie wollen prüfen, ob Veränderungen in der Darmflora gezielt zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt werden können. Möglicherweise könne dadurch sogar eine Heilung von Typ-2-Diabetes erzielt werden, so die Wissenschaftler.
 
Deutsche Forscher: Zufuhr von Ballaststoffen erfolgreich "simuliert"
Fest steht schon heute: Ballaststoffe und kurzkettige Fettsäuren dürften bei der Diabetes-Prävention künftig eine Schlüsselrolle spielen. Nur wenige Menschen schaffen hierzulande aber die von Ernährungsexperten empfohlene Menge von 30 Gramm pro Tag. Forscher suchen deshalb nach Alternativen. Einem Wissenschaftlerteam des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke gelang vor kurzem ein entscheidender Durchbruch: Sie "simulierten" die Zufuhr von Ballaststoffen, also hauptsächlich von Pflanzenfasern, in einer Studie: Sie verabreichten Probanden Propionat direkt in Kapselform. Erstaunliches Ergebnis: Dieses hat laut den Ergebnissen der Potsdamer Studie im Körper ähnlich positive Effekte wie pflanzliche Ballaststoffe. 
 
Propionat: In Studien kommen zweimal 500 Milligramm täglich zum Einsatz
Propionsäure wird eigentlich primär als Lebensmittelzusatzstoff verwendet, unter anderem zum Haltbarmachen von Käse oder in Brot und Gebäck. Hochreines Natriumpropionat für medizinische Studien wird in Deutschland unter dem Handelsnamen Propicum von dem Unternehmen Flexopharm Brain aus Herne vertrieben. In den Studien diverser Gruppen empfehlen Forscher die Einnahme von zweimal 500 Milligramm Propionat täglich, je eine Kapsel morgens und abends zum Essen. Große Ausnahme: die Studie der Ernährungsforscher in Potsdam-Rehbrücke. Dort erhielten die Teilnehmer sogar sechs Gramm Propionat täglich, um damit eine hohe Zufuhr von Ballaststoffen zu simulieren. Wechselwirkungen jeglicher Art sind bislang bei den Studien nicht aufgetreten, auch weil das Mikrobiom eines gesunden Menschen bei ballaststoffreicher Kost etwa vier bis fünf Gramm Propionsäure/Propionat am Tag selbst produziert. 
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