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Gesundheit

Pflege solidarisch attraktiver machen Vollbesetzte Reihen beim 3. Akademietag der Pallottiner Vallendar 2018

„Die Situation der Pflege in Deutschland ist nicht lustig“, damit leitete
Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler, Prodekan der Pflegewissenschaftlichen
Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV),
seine Überlegungen zum Thema des dritten und für dieses Jahr letzten
Akademietages „Wer pflegt uns morgen?“ ein.

Vieles ist seit langem bekannt: der Mangel an Pflegekräften, die bereits
jetzt bestehende Versorgungslücke, fehlende Fachkompetenz, hohe
Fluktuation im Betrieb, die Belastung älterer Menschen, vor allem von
Frauen in der Pflege ihrer alten Angehörigen. Gerade leitende Pflegekräfte
sind überfordert in der Situation mit Quereinsteigern, die nur eine
oberflächliche Einführung in das – doch sehr menschennahe und fachliche
Eignung erfordernde – Geschehen der Pflege mitbringen, ergänzte Frau
Kathleen Schneider. Sie studiert Pflegewissenschaft an der PTHV und ist
zugleich im Qualitätsmanagement eines ambulanten Pflegedienstes tätig.

Doch es gilt nicht nur zu jammern – Prof. Hülsken-Giesler zeigte an drei
Themenfeldern auf, dass sich zur Therapie des „Patienten Pflege“ schon
viel tut: So wird langsam auch in Deutschland (viel später als in vielen
anderen Ländern) eingesehen, wie wichtig ein attraktives Berufsbild der
Pflege ist, was nur durch Professionalisierung, Aufzeigen von
Karrierewegen, guter und gerechter Bezahlung und nicht zuletzt einer
starken Interessenvertretung bei der Politik zu erreichen ist. Hinzukommen
sollte eine Stärkung des solidarischen Bewusstseins in der
Zivilgesellschaft. Hier sind viele Regionen schon auf einem guten Wege,
indem sie über die Grenzen von Dörfern und Stadtteilen hinweg Angebote
entwickeln und Strukturen so gestalten, dass ein
generationenübergreifendes Miteinander möglich wird. Dazu gehören
beispielsweise die Beratung bei Pflegebedarf, die Begegnung zwischen Jung
und Alt und eine Quartiersentwicklung, die alte Menschen nicht isoliert.
Ein durchaus heikles und zugleich chancenreiches Thema sind digitale
Technologien, die Routine-Arbeiten abnehmen. So können Apps im Smartphone
Herzschlag und Blutdruck messen, so kann über eine Kamera direkte
Kommunikation ermöglicht werden (z.B. zur Beratung, ohne Anreise). Die
Angst vor einem pflegenden Roboter ist verständlich; einer Umfrage zufolge
geben jedoch ein Viertel der Befragten diesem den Vorzug vor einer
gehetzten und ständig wechselnden Pflegekraft. Dazu kommt das Thema
Finanzen: „Pflege hat eine dienende Tradition. Es war lange tabu, über
Geld zu sprechen. Das muss sich ändern“, sagte der Referent.

An diesem Punkt knüpfte Dr. Hanno Heil an, Leiter des Verbandes der
katholischen Altenhilfe in Deutschland und Ständiger Lehrbeauftragter und
Projektleiter am Lehrstuhl Pastoraltheologie/Diakonische Theologie, der
Interessenvertretung von über 1000 konfessionellen Einrichtungen. „Pflege
ist eine christliche Errungenschaft – dass sie auch außerhalb der Familie
geschieht und dass auch Männer pflegen.“ Nun aber sei es auch für Christen
wichtig, nicht in archaischen Bildern von Familie stecken zu bleiben mit
dem bekannten „schlechten Gewissen“, wenn ein Angehöriger „ins Heim muss“.
Vielmehr sollten die Kirchen als starke Träger im caritativen Bereich
ihren Einfluss nutzen, um auf eine bessere Finanzierung von Pflege durch
den Staat hinzuwirken. Es sei unerträglich, dass private Träger mit Pflege
Millionen verdienen und diese dann im Ausland geringfügig versteuern. Das
Beispiel Skandinavien zeige, wie es auch anders geht: Dort wird durch
politischen Willen fast dreimal so viel (anteilig am Bruttosozialprodukt)
wie in Deutschland in die Pflege investiert. Technische Innovationen
werden dort gerade in der (oft dünn besiedelten) Fläche eingesetzt, um
Entfernungen zu überbrücken, mit einem hohen Zufriedenheitsgrad der
Betroffenen. Die damit einher gehende Entlastung der jüngeren Generation
führt sogar zu einer höheren Geburtenquote, was wieder dem Sozialstaat
zugutekommt. Die angeregte Diskussion mit dem Podium zeigte, dass die
Teilnehmer viele Impulse für ihre eigene Lebenswelt mitnahmen.

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Deutsche Herzstiftung (Hg.)/Deutscher Herzbericht 2017; Collagen Herzbericht 2017: Ulrike Eberius/DHS)

Deutscher Herzbericht: Sterblichkeit durch Herzerkrankungen angestiegen

Deutsche Herzstiftung (Hg.)/Deutscher Herzbericht 2017; Collagen Herzbericht 2017: Ulrike Eberius/DHS)
Deutsche Herzstiftung (Hg.)/Deutscher Herzbericht 2017; Collagen Herzbericht 2017: Ulrike Eberius/DHS)

Regionale Unterschiede in der Sterblichkeit an Herzkrankheiten bestehen
fort /  Mehr Frauen als Männer sterben an Herzerkrankungen /
„Gesundheitspolitik muss mehr in Prävention investieren“

Die Zahl der Sterbefälle durch Herzerkrankungen insgesamt hat leicht
zugenommen. Wie in den Vorjahren sterben bei Betrachtung der
Herzkrankheiten in der Summe deutlich mehr Frauen als Männer, wie der neue
Deutsche Herzbericht 2017 (https://www.herzstiftung.de/herzbericht)
dokumentiert. Einen dominierenden Einfluss auf die Sterblichkeit in allen
Bundesländern haben die Koronare Herzkrankheit (KHK), die Grunderkrankung
des Herzinfarkts, mit 128.230 Sterbefällen im Jahr 2015 (2014: 121.166)
und die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit 47.414 Sterbefällen 2015
(2014: 44.551). „Dieser Anstieg insbesondere der Herzschwäche erfordert
besondere Aufmerksamkeit seitens der Herzmedizin und Anstrengungen in der
Versorgung der teils schwerkranken Patienten auch angesichts der stetig
zunehmenden Krankenhausaufnahmen von über 11.000 pro Jahr“, unterstreicht
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung, bei der Vorstellung des neuen Herzberichts in Berlin.
Die Herzschwäche zählt zu den häufigsten Anlässen für einen
Krankenhausaufenthalt in Deutschland mit über 455.000 vollstationären
Fällen pro Jahr. Meist kommt es erst durch eine Verschlimmerung der
Krankheit zur Klinikeinweisung. Die chronische Herzschwäche ist in der
Regel die Folge anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie KHK/Herzinfarkt,
Bluthochdruck, Klappenerkrankungen oder Rhythmusstörungen, so dass der
Volkskrankheit durch frühzeitige Diagnose, Therapie und Ausschaltung von
Risikofaktoren vorgebeugt werden kann. „Viele Klinikeinweisungen und
Sterbefälle durch Herzschwäche und andere Herzkrankheiten könnten durch
verbessertes Wissen über die Krankheitssymptome, richtiges
Notfallverhalten bei den Betroffenen und Vorsorgemaßnahmen wie frühzeitige
Blutdruck- oder Pulsmessung vermieden werden. Deswegen sind Anstrengungen
in der Aufklärung unverzichtbar“, wie Meinertz betont.

Bekämpfung der Herzinfarktsterblichkeit: mehr Investitionen in die
Prävention

Anstiege in der Sterblichkeit zeigen sich neben der KHK, der
Grunderkrankung des Herzinfarkts, und der Herzschwäche, auch bei den
Klappenkrankheiten und den Herzrhythmusstörungen. Von 2014 bis 2015 sind
die Sterbefälle bei den Klappenkrankheiten von 16.064 (2014) auf 16.987
(2015) angestiegen, bei den Herzrhythmusstörungen nahmen die Todesfälle
von 25.774 (2014) auf 28.425 (2015) zu. Beobachtet man die Entwicklung der
Sterberate der Herzerkrankungen von 1990 bis 2015 ist der Wert (Gestorbene
pro 100.000 Einwohner/EW) deutlich um 46,2% von 459,2 (1990) auf 246,9
(2015) zurückgegangen. Starben zum Beispiel am Herzinfarkt 1990 noch
85.625 Menschen, waren es 49.210 im Jahr 2015 (2014: 48.181). Grund für
diese Entwicklung sind laut Herzbericht neben dem Rückgang der Zahl der
Raucher und Verbesserungen der Diagnostik und therapeutischen Versorgung
auch eine Optimierung der Abläufe in den Kliniken und der Notarztsysteme.
„Allerdings darf diese Rückläufigkeit nicht darüber hinwegtäuschen, dass
die Verbreitung der Herzkrankheiten nicht im gleichen Ausmaß abgenommen
hat und weiterhin über 221.500 Menschen jährlich daran versterben“, warnt
Prof. Meinertz. In die Prävention müsse die Gesundheitspolitik in
Deutschland noch viel umfassender investieren als bisher, um der
Entstehung von Risikokrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und
Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin) in der Bevölkerung bereits
im Kindesalter gegenzusteuern. „Eine Begrenzung auf den klinischen Ansatz
durch Früherkennung, konsequente Beratung und Therapie reicht nicht aus.
Es bedarf eines umfassenderen Ansatzes, der für die Bevölkerung
Rahmenbedingungen für gesunde Lebensgewohnheiten durch körperliche
Aktivitäten oder gesunde Ernährung und systematische Aufklärung über
Risikofaktoren in den Kitas, Schulen und Betrieben schafft.“

Herzinfarktsterblichkeit: Unterschiede zwischen Ländern bestehen fort
Die zum Teil starken Unterschiede in der Sterblichkeit an Herzkrankheiten
zwischen den Bundesländern bestehen fort. Beispiel Herzinfarkt: Die
meisten Herzinfarkttoten beklagt weiterhin Sachsen-Anhalt mit 82
Gestorbenen pro 100.000 Einwohnern (EW), in Brandenburg mit 83, Thüringen
mit 69 und Mecklenburg-Vorpommern mit 68, während die niedrigsten Werte
Schleswig-Holstein mit 42, Hamburg mit 46, Nordrhein-Westfalen mit 49 und
Bayern mit 51 Herzinfarkttoten pro 100.000 EW aufweisen. „Kritisch sehen
wir, dass die Bundesländer mit der geringsten Kardiologendichte zugleich
gegen eine überdurchschnittlich hohe Infarktsterblichkeit ankämpfen wie
Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt“, so
Prof. Meinertz. „Besonders in Regionen mit einer niedrigen Ärztedichte
sind für eine bessere Erreichbarkeit der Notfallambulanzen Verbesserungen
in der kardiologischen Versorgung durch mehr ambulante Diagnostik oder
Therapie ein möglicher Ansatz zur Senkung der Sterblichkeit durch
Herzkrankheiten.“ Zum Vergleich: Thüringen mit der geringsten
Kardiologendichte hat für 31.922 EW einen Kardiologen, während das
Saarland auf einen Kardiologen für 17.467 EW kommt.
Auch die ungleiche Verbreitung der Herznotfallambulanzen (Chest-Pain-
Units, CPU) fällt ins Auge. CPUs sind für die Versorgung von Patienten mit
Herzinfarkt und unklarem Brustschmerz wichtig. Thüringen mit drei und
Sachsen-Anhalt mit vier CPUs zählen zu den Regionen mit der geringsten
CPU-Dichte. „Bundesländer mit hoher Infarktsterblichkeit sollten für
kürzere Versorgungswege für Herznotfallpatienten mehr CPUs aufweisen. Nur
müsste die Bevölkerung über diese CPUs noch mehr Bescheid wissen. Das ist
in der Regel noch nicht der Fall“, betont Prof. Meinertz.

Viel mehr Frauen  sterben an Herzkrankheiten als Männer
Wie in den Vorjahren sterben bei Betrachtung der Herzkrankheiten in der
Summe mehr Frauen als Männer. 117.518 Frauen gegenüber 103.993 Männern
starben 2015 an KHK/Herzinfarkt, Klappenkrankheiten, Rhythmusstörungen,
Herzschwäche und angeborenen Herzfehlern. Besonders fällt weiterhin auf,
dass viel mehr Frauen als Männer an Herzschwäche, Herzklappenerkrankungen
und Herzrhythmusstörungen sterben. „Diese Unterschiede lassen darauf
schließen, dass Frauen mit diesen Herzkrankheiten eine ungünstigere
Prognose als männliche Patienten haben. Mögliche geschlechtsspezifische
Besonderheiten etwa bei der Wirkung von Herzmedikamenten, anatomische
Unterschiede an Herz und Gefäßen sowie unterschiedliche Symptomatik von
Herzkrankheiten müssen in der herzmedizinischen Versorgung berücksichtigt
werden, um Versorgungsengpässe zu vermeiden“, fordert Meinertz. Die
Sterbeziffer bei Herzschwäche für Frauen lag 2015 um 64,4% über dem Wert
der Männer, bei den Herzrhythmusstörungen lag der Wert 51,1% über dem der
Männer. In absoluten Zahlen starben 29.795 Frauen starben gegenüber 17.619
Männern an Herzschwäche und 17.293 Frauen gegenüber 11.132 Männern starben
an Rhythmusstörungen.
Der Deutsche Herzbericht wird von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit
den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Herzchirurgie
(DGTHG) und Kinderkardiologie (DGPK) alljährlich herausgegeben.

Ein kostenfreier Download  des Deutschen Herzberichts 2017 (PDF) und
weitere Infos unter: <https://www.herzstiftung.de/herzbericht>
Herzinfarkt-Risikotest: Die Herzstiftung bietet unter www.herzstiftung.de
einen kostenfreien Herzinfarkt-Risikotest an.

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Herzstiftung

Häufigste Todesursache Herz-Kreislauf-Krankheiten: Soziale Unterschiede bremsen bei Bekämpfung

Herzstiftung
Herzstiftung

Herzstiftung warnt: Soziale Unterschiede bei wichtigen Risikofaktoren für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiten sich aus / „Bekämpfung dieser
Risikofaktoren ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft“

Einen dominierenden Einfluss auf die Sterblichkeit aufgrund von Herz-
Kreislauf-Erkrankungen in allen Bundesländern haben vor allem die koronare
Herzkrankheit (KHK) und die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit
zusammengenommen mehr als 175.000 Sterbefällen (2015), wie aus dem
Deutschen Herzbericht 2017 (https://www.herzstiftung.de/herzbericht)
hervorgeht. Bei der KHK kommt es infolge einer Verengung der
Herzkranzgefäße zu einer Mangeldurchblutung des Herzens, im schlimmsten
Fall führt sie zum Herzinfarkt und zur Herzschwäche. „Für beide
Herzkrankheiten ist die Bekämpfung der schon lange bekannten
Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder
Stress durch Vorsorge, d. h. Lebensstiländerungen, Verhältnisprävention*
sowie therapeutische Maßnahmen wichtig“, betont Prof. Dr. med. Andreas
Stang, MPH, vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und
Leiter des Zentrums für Klinische Epidemiologie am Uniklinikum Essen.
Ein großer Teil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen lässt sich auf
verhaltensbedingte Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Rauchen und
Übergewicht (Adipositas) als Folge ungesunder Ernährung zurückführen. „Das
Präventionspotenzial der beeinflussbaren Risikofaktoren ist hoch, kann
aber nur ausgeschöpft werden, wenn Vorbeugung nicht ausschließlich als
Aufgabe der Ärzte, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe all derer
verstanden wird, die das Lebensumfeld von Kindern und Erwachsenen prägen:
die Familie, der Arbeitsplatz, das Wohnumfeld, Kita und Bildungsstätten
sowie Politik und Medien“, wie Stang betont. „Dabei sollten
gesundheitsfördernde Lebensbedingungen geschaffen werden, die wirklich
alle Kinder und Erwachsene in ihren unterschiedlichen Lebenswelten
erreichen.“

Bildungsunterschiede verfestigen sich auch im Gesundheitsverhalten
Denn Sorge bereiten soziale Unterschiede in der Verbreitung von
Risikofaktoren. Das zeigen bundesweite Erhebungen des Robert Koch-
Instituts (RKI) (GEDA 2014/2015-EHIS), die der neue Herzbericht vorstellt.
„Je höher der Bildungsstand, desto gesünder verhalten sich die Menschen:
Sie rauchen weniger, sind sportlich aktiver und essen mehr Obst und Gemüse
und steuern so Risikofaktoren wie Bluthochdruck,
Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder psychosozialem Stress entgegen,
die wiederum zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche führen“,
bestätigen Priv.-Doz. Dr. Hannelore Neuhauser vom RKI und ihre Mitautoren
des Herzbericht-Kapitels zur Prävention.

Woran es hakt: Dauerhaftes Sitzen, zu wenig Obst und Gemüse, Rauchen
Während Erwachsene mit höherem Bildungsniveau in den letzten Jahren
sportlich aktiver wurden, ist die sportliche Inaktivität bei Personen mit
niedrigerem Bildungsstand konstant hoch geblieben. „Je höher der
Bildungsstand, desto häufiger wird die Empfehlung der WHO zur
Ausdaueraktivität von zweieinhalb Stunden Ausdaueraktivität pro Woche
erreicht.“ Dieses Pensum schaffen 42,6% der Frauen und 48,0% der Männer in
Deutschland. Als bedenklich sehen Herzspezialisten, dass zirka die Hälfte
der Frauen (47,5%) und Männer (47,2%) im Erwerbsalter (18 bis 64 Jahre)
angeben, während der Arbeit vorwiegend zu sitzen oder zu stehen und somit
viele Stunden am Tag körperlich inaktiv sind. „Bewegung ist aber für die
Bevölkerung unverzichtbar, weil sie nachweislich Schutz vor Übergewicht,
Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und sogar psychischer
Belastung bringen kann und somit für Herzleiden wie Herzinfarkt und
Herzschwäche enormes Präventionspotenzial aufweist“, so Neuhauser. (Infos:
https://www.herzstiftung.de/ausdauer-verbessern)
Ähnlich breit gefächerte positive Auswirkungen sind mit dem Verzehr von
Obst und Gemüse sowie der Vermeidung von Adipositas verbunden. Der
tägliche Konsum von ausreichend Obst und Gemüse geht mit einem niedrigeren
Herz-Kreislauf-Risiko einher und kann durch den relativ geringen
Energiegehalt dazu beitragen, Übergewicht zu vermeiden. Daher sind auch
hier Bildungsunterschiede sehr bedenklich. „Bei Frauen ist der tägliche
Obst- wie auch der Gemüsekonsum in der oberen Bildungsgruppe höher als in
der niedrigen. Bei Männern sehen wir derartige Bildungsunterschiede
vorrangig bei den 45- bis 64-Jährigen“, berichtet Neuhauser. Auch das
Rauchen ist deutlich häufiger in den niedrigen Bildungsgruppen sowohl bei
Frauen als auch bei Männern (Ausnahme: 65-Jährige und älter) verbreitet
als in hohen Bildungsgruppen. Jugendliche mit niedrigem Sozialstatus
rauchen häufiger als Gleichaltrige mit hohem Sozialstatus.
Die Herzstiftung und Gesundheitsexperten plädieren für eine
Präventionsstrategie (neben der medizinischen Versorgung), bei der die
Maßnahmen auf allen Ebenen parallel ansetzen. „Das kann durch die
Schaffung förderlicher Bedingungen für ausreichend Bewegung, gesunde
Ernährung in Kitas und Schulen gerade in benachteiligten Wohnquartieren
und auch an den Arbeitsplätzen geschehen, durch die Kennzeichnungspflicht
ungesunder Nahrungsmittel oder durch kommunale Steuerung von Fast-Food-
Angeboten“, unterstreicht die RKI-Gesundheitsexpertin.
*Verhältnisprävention setzt an den Lebensbedingungen und
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an, die das individuelle
Gesundheitsverhalten und auch psychosoziale Risikofaktoren (z. B.
Stressbelastung am Arbeitsplatz, finanzielle Zukunftssorgen)
mitbeeinflussen können.

Tipps und Infos zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhalten Betroffene bei der
Deutschen Herzstiftung per Telefon 069 955128400 oder unter
https://www.herzstiftung.de

Der neue Deutsche Herzbericht 2017 kann kostenfrei angefordert werden
unter https://www.herzstiftung.de/herzbericht oder per Tel. unter 069
955128400.

Einen Herzinfarkt-Risiko-Selbsttest bietet die Herzstiftung unter
https://www.herzstiftung.de an.

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Übergewicht politisch bekämpfen – körperliche und psychische Folgen eindämmen

Übergewicht und Adipositas sind zum Massenphänomen geworden: Fast
jeder vierte Bundesbürger weist einen Body-Mass-Index über 30 auf und gilt
somit als adipös – und die Zahlen steigen weiter. Beim Kampf gegen die
Fettsucht und ihre gravierenden gesundheitlichen Folgen sehen medizinische
Fachgesellschaften auch die Politik in der Pflicht. In einem
Positionspapier fordern sie die noch zu bildende Bundesregierung auf,
einen nationalen Aktionsplan Adipositas zu entwickeln und dabei alle
relevanten Fachgesellschaften mit einzubinden.

Zu den Unterzeichnern zählen auch die Deutsche Gesellschaft für
Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und das
Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM). Beide
Organisationen betonen die Verknüpfung von starkem Übergewicht und
psychischen Erkrankungen.

„Wer Adipositas nur als Problem des Einzelnen sieht, der sich eben nicht
beherrschen kann, greift zu kurz“, sagt Professor Dr. med. Harald Gündel,
Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der
Uniklinik Ulm und Mediensprecher der DGPM. Von der
Weltgesundheitsorganisation WHO werde die Adipositas als chronische
Krankheit eingestuft und müsse auch als solche anerkannt werden.
Unstrittig ist, dass das starke Übergewicht große gesundheitliche Risiken
mit sich bringt: Betroffene entwickeln deutlich häufiger
Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte
Krebsarten. Auch wird der Bewegungsapparat durch die große Körpermasse
dauerhaft überbeansprucht. Allein diese körperlichen Probleme führen zu
hohen beruflichen Ausfallzeiten und letztlich zu einer verringerten
Lebenserwartung.

Starkes Übergewicht ist aber auch eng verknüpft mit psychischen
Krankheiten wie Depressionen oder Angstzuständen. Oft sind diese Probleme
eine Folge des geringen Selbstwertgefühls und der sozialen Ausgrenzung,
mit der adipöse Menschen zu kämpfen haben. Wie die psychosomatischen
Fachgesellschaften betonen, können die kausalen Beziehungen aber auch
genau umgekehrt sein: In diesen Fällen ist das starke Übergewicht Ausdruck
einer psychischen Störung oder Krise. „Wir leben mit einem ständigen
Überangebot von kalorienreichen Nahrungsmitteln, die unser natürliches
Belohnungssystem ansprechen“, erläutert Professor Dr. med. Stephan Zipfel
vom Universitätsklinikum Tübingen, Vorstandsvorsitzender des DKPM. Dieser
ständigen Versuchung zu widerstehen, gelingt selbst psychisch Gesunden
nicht immer. Und wer psychisch labil ist oder gerade eine Lebenskrise
durchmacht, beginnt umso leichter mit dem sogenannten „Frust-Essen“. Zu
den anerkannten Risikofaktoren für die Entstehung einer Adipositas zählen
neben manifesten psychischen Störungen auch schlichter Schlafmangel,
Stress oder die Einnahme bestimmter Medikamente.

„Eine der besonderen Herausforderungen stellt die Entwicklung geeigneter
Präventionsmaßnahmen von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter und in
der Jugend dar. Hierbei können auch innovative Medien, wie digitale
Lernspiele zu Themen der Ernährung, Bewegung und Bewältigung von
psychosozialem Stress beitragen“, erläutert Zipfel. Die Weichen hier
(wieder) anders zu stellen sei ein langwieriger Prozess.
Psychotherapeutische Ansätze wie etwa eine Verhaltenstherapie könnten zwar
zumindest kurzfristige Erfolge bringen, doch gebe es kaum langfristig
wirksame Präventions- und Therapiekonzepte. Selbst eine operative
Magenverkleinerung hilft nicht allen Patienten dauerhaft. Hier wünschen
sich die Unterzeichner des Positionspapiers eine bessere
Forschungsförderung und ein Mandat, die gewonnene Expertise direkt in den
politischen Prozess einbringen zu können. „Adipositas ist prinzipiell
vermeid- und behandelbar“, davon ist Professor Gündel überzeugt – das
gelte jedoch nur, wenn man den Betroffenen auch langfristig die
therapeutische Hilfe zuteilwerden lasse, die sie benötigten. Die
Rahmenbedingungen hierfür herzustellen, sei Aufgabe der Politik.

Wünschenswert wäre nach Ansicht der Autoren, die der EMDR
zugrundeliegenden Mechanismen in weiteren Studien genauer zu erforschen,
um den Effekt der geteilten Aufmerksamkeit noch besser für therapeutische
Behandlungen nutzbar machen zu können.

Forderungen an die Bundesregierung:
-       Die Einbindung relevanter Fachgesellschaften in die gesundheits-
und wissenschaftspolitischen Entscheidungsprozesse zum Thema Adipositas
-       Einen nationalen Aktionsplan Adipositas
-       Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit
Adipositas
-       Weitere Stärkung der Adipositas- Forschung in Deutschland
-       Einen Bundesbeauftragten für Adipositas und Prävention

Weitere Informationen finden Sie hier:
<http://www.dsck.de/fileadmin/downloads/20180115_Positionspapier_Adipositas.pdf>

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