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Gesundheit

Neue Verfahren für Kampf gegen Keime: Maßgeschneiderte antimikrobielle Beschichtungen

Die am Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl-
und Plasmatechnik FEP, einem der führenden Forschungs- und
Entwicklungspartner für Dünnschichttechnologien und
Elektronenstrahlanwendungen, entwickelten Technologien werden effektiv und
erfolgreich zum Kampf gegen Keime eingesetzt.

Erst kürzlich veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine
Liste mit 12 Bakterienfamilien, die resistent gegen herkömmliche
Antibiotika sind. Aber nicht nur in Krankenhäusern sind gefährliche Keime
zu finden – sie lauern überall. Das deutsche Magazin „Testbild“ hat zehn
Berliner Hotelzimmer auf Hygiene getestet und in acht davon eine
„außergewöhnlich hohe Konzentration an multiresistenten Staphylokokken“
gefunden. Das klingt alarmierend.

Es wird daher nicht allein mit Hochdruck an neuen Antibiotika gearbeitet,
sondern auch an antimikrobiellen Beschichtungen und Verfahren zur
Keimreduzierung und -vernichtung auf Oberflächen von Alltagsgegenständen,
vor allem auf Oberflächen von Medizinprodukten.

Am Fraunhofer FEP arbeiten Wissenschaftler bereits seit einigen Jahren an
antibakteriellen Beschichtungen für textile und polymere Oberflächen, die
hochwirksam und trotzdem zellverträglich sind. Zur Beschichtung werden
PVD-Prozesse (physical vapor deposition) eingesetzt, um effizient und
maßgeschneidert größere Flächen zu beschichten. Die Wissenschaftler machen
sich beispielsweise die antibakterielle Wirkung von Silber und Kupfer
zunutze. Zusätzlich wirken oberflächenmorphologische als auch energetische
Charakteristika der bakteriellen Adhäsion entgegen, das heißt: Keime
können sich gar nicht erst an der Oberfläche anlagern. Diese Strategie
wird auch bei der Oberflächenmodifizierung von Beschichtungen mittels
nicht-thermischer Elektronenstrahltechnologie genutzt, wodurch die
Adhäsionseigenschaften von Oberflächen gezielt angepasst werden können.

„Besonders wichtig ist die passgenaue Wirkstofffreisetzung und Mischung
bei antibakteriellen Metallschichten, um eine hohe Wirksamkeit im Kampf
gegen Keime bei gleichzeitig guter Zellverträglichkeit zu gewährleisten“,
erläutert Dr. Jessy Schönfelder, Leiterin der Gruppe Medizinische
Applikationen am Fraunhofer FEP. „Mit unserem Know-how können wir für
jeden Einsatzzweck das geeignete Mischverhältnis herstellen und auf die
Oberflächen aufbringen.“

Die Wirksamkeit und die Mechanismen der aus den Beschichtungen
diffundierenden antibakteriell wirkenden Metallionen wurden mittels
mikrobiologischer Verfahren anhand von Escherichia coli K12-Bakterien
untersucht. Zellbiologische Experimente zeigten zudem die
Zellverträglichkeit solcher Beschichtungen.

Die Wissenschaftler stehen nun bereit, Schichten für jeden Anwendungsfall
im Kampf gegen Keime maßgeschneidert zu entwickeln.

Auf der Konferenz und Messe SVC TechCon vom 29. April bis 4. Mai 2017 in
Providence, Rhode Island, USA, präsentieren die Wissenschaftler des
Fraunhofer FEP diese Beschichtungstechnologien am Messestand Nr. 319 und
während der Konferenz.
Fraunhofer FEP auf der SVC TechCon
29. April – 4. Mai 2017, Providence, Rhode Island, USA:
Messestand: Stand Nr. 319

Montag, 1. Mai 2017:
10:40 Uhr
Session: WebTech Roll-to-Roll Coatings for High-End Applications I, 553AB
Roll to roll deposition of transparent electrodes on permeation barrier
coatings
Matthias Fahland, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

14:00 Uhr
Session: Coatings and Processes for Biomedical & Environmental
Applications I, 553AB
Silver/copper-mixed layers as antimicrobial surface coating
Jessy Schönfelder, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

15:00 Uhr
Session: Coatings and Processes for Biomedical & Environmental
Applications I, 553AB
Low Energy Electron Beam Irradiation of Liquids for Medical Applications
Javier Portillo, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

16:00 Uhr
Session: Coatings and Processes for Biomedical & Environmental
Applications II, 553AB
DLC for medical-technical applications modified by electron beam
Jessy Schönfelder, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

16:20 Uhr
Session: Coatings and Processes for Biomedical & Environmental
Applications II, 553AB
Low Energy Electron Beam Sterilization for Medical Technical Applications
Javier Portillo Casado, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

Dienstag, 2. Mai 2017:
10:20 Uhr
Session: WebTech Roll-to-Roll Coatings for High-End Applications II, 553AB
Sponsored Student: Roll-to-roll deposition of permeation barrier layers
using a rotatable dual magnetron system
Anika Himmler, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

Mittwoch, 3. Mai 2017:
10:20 Uhr
Session: Large Area Coatings I, Ballroom BC
Recent Developments of Optimized ITO Coatings on Ultra-Thin Flexible Glass
in S2S and R2R processes
Manuela Junghähnel, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

POSTER Session

Dienstag, 2. Mai 2017: 14:00 – 15:30 Uhr
Influence of Thin-Film Properties on the Reliability of ultra-thin Glass
Jasper Westphalen, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

Nanostructuring on polymer surfaces by magnetron plasma treatment
John Fahlteich, Fraunhofer FEP, Dresden, Germany

Quellen
www.who.int/mediacentre/news/releases/2017/bacteria-antibiotics-needed/en
www.ptext.de/nachrichten/testbild-hotelketten-test-multiresistente-keime-
hotelzimmern-foto-1190449

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Klinische Kompetenzen: neue Publikation mit Lehrbeispielen

Soeben erschienen: Ein Buch mit Best Practice-Beispielen aus NRW-
Modellstudiengängen. Mitherausgeberin ist Prof. Dr. Friederike Störkel vom
Fachbereich Gesundheit der FH Münster.

Hochschulabsolventen in Gesundheitsfachberufen sollen zu kritisch-
konstruktivem Diskurs und wissenschaftsbasiertem professionellen Handeln
fähig sein. Doch wie müssen dafür die Lehr- und Lernangebote aussehen? Und
wie können Curricula den beruflichen Anforderungen gerecht werden?
Antworten darauf sind vor allem für jene Hochschulen wichtig, die eigene
Bildungsangebote entwickeln möchten. Eine Orientierung bietet nun die
Publikation „Lehr-Lern-Konzepte zur klinischen Kompetenzentwicklung. Best
Practice-Beispiele aus den Modellstudiengängen NRW“.

Mitherausgeberin ist Prof. Dr. Friederike Störkel vom Fachbereich
Gesundheit der FH Münster. Mit weiteren Experten aus den NRW-
Modellstudiengängen für Gesundheitsberufe hat sie sowohl das
Selbstverständnis der Hochschulen als bildende Institution als auch die
Bedarfe des beruflichen Handlungsfeldes in den Blick genommen. Während
sich der erste Teil ausführlich den Lehr- und Lern-Konzepten widmet –
Stichworte sind Lernprozesse und -umgebung sowie Lehr-Lern-Strategien –,
geht es im zweiten Teil um die Kooperation zwischen Bildung und
Gesundheitsversorgung.

„Die klinisch-praktische Ausbildung ist schließlich eine Schlüsselstelle:
Hochschul- und berufspraktische Ziele müssen für die Studierenden als
kohärent erlebbar sein“, so die Hochschullehrerin für Medizinische
Grundlagen und Public Health am Fachbereich Gesundheit. Garanten hierfür
seien eine entsprechende Kooperationskultur und didaktische Konzepte, die
von allen Beteiligten als tragfähig angesehen werden – die Publikation
könne dazu Anregungen geben.

Zum Thema:
Das Buch „Lehr-Lern-Konzepte zur klinischen Kompetenzentwicklung. Best
Practice-Beispiele aus den Modellstudiengängen NRW“ haben Prof. Dr.
Friederike Störkel sowie Prof. Dr. Thomas Evers (Hochschule für Gesundheit
Bochum), Prof. Dr. Anke Helmbold (Katholische Hochschule NRW, Köln) und
Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck (FH Bielefeld) herausgegeben. Mitgewirkt
haben Jutta Backhaus und Anke Mijatovic. Es umfasst 249 Seiten und ist im
Verlag Barbara Budrich erschienen – als gedruckte Ausgabe unter der ISBN
978-3-8474-2065-1 und als E-Book unter 978-3-8474-1032-4.

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Interview mit Prof. Dr. Detlev Ganten zum Weltgesundheitstag 2017

Depressionen: Zwei Mal pro Woche Joggen kann helfen
Interview mit Prof. Dr. Detlev Ganten zum Weltgesundheitstag 2017

Immer mehr Menschen weltweit leiden an Depressionen: Nach einer Studie der
Weltgesundheitsorganisation WHO sind es über 320 Millionen – das sind 4,4%
der Weltbevölkerung. Die Zahlen steigen, die Unterstützung aber nicht.
Weil Depressionen zudem immer noch mit sozialem Stigma verbunden sind,
steht der Weltgesundheitstag 2017 unter dem Motto „Depression – Let’s
talk“.

Prof. Dr. Detlev Ganten ist Präsident des World Health Summit, Arzt und
Wissenschaftler und erklärt, warum Forschung, Politik, Industrie und
Zivilgesellschaft die Situation nur gemeinsam verbessern können.

1.      Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit, die weltweit
verbreitet ist – viele Menschen aber sehen darin eher eine
Modeerscheinung. Was tun?

Depressionen sind eine Krankheit und müssen als solche anerkannt und
behandelt werden. Sie werden aber oft von Ärzten und Patienten nicht ernst
genug genommen. Rund die Hälfte der schwereren Fälle wird bisher gar nicht
behandelt. Das kann im Extremfall bis zum Suizid führen. Das ist besonders
dramatisch, da Depressionen gut behandelbar und sogar heilbar sein können.
Die Dunkelziffer der Depressions-Kranken ist weltweit extrem hoch: Das
gilt vor allem für ärmere Länder, in den Industrienationen ist die
Datenlage besser. Schauen wir uns zum Beispiel die dramatische Situation
der Millionen Menschen an, die auf der Flucht vor Folter, Verfolgung und
Gewalt Unvorstellbares erleben und oft schwer traumatisiert bei uns
ankommen. Ein riesiges Forschungsthema, das uns in Zukunft noch viel
beschäftigen wird.

2.      Laut WHO gibt es in vielen Ländern nahezu keine Unterstützung für
Menschen mit Depressionen. Im Durchschnitt sind nur drei Prozent der
staatlichen Gesundheitsausgaben für seelische Gesundheit vorgesehen. Was
ist nötig, um diese Situation zu verbessern?

Wichtig ist erstmal eine effektive Aufklärungsarbeit, die sowohl die
Patienten und ihr Umfeld, als auch Politik und Forschung erreicht. Dafür
brauchen wir internationale, übergreifende Foren wie den World Health
Summit, der jedes Jahr einflussreiche Vertreter aus Wissenschaft, Politik,
Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus über 80 Ländern nach Berlin holt, um
weltweite Gesundheitsprobleme gemeinsam anzugehen. Psychische Gesundheit
in den unterschiedlichen Kulturkreisen gehört zum Beispiel neben wichtigen
Themen wie Antibiotikaresistenzen unbedingt auf die Agenda der G7/G20
Gespräche.

3.      Sport und Bewegung gelten als gutes Mittel gegen Depressionen. Was
ist dran?

Regelmäßiges Laufen – vor allem in der Gruppe – aktiviert unser
Hormonsystem, so dass Endorphine ausgeschüttet und Glücksgefühle
verursacht werden. Das ist schon mal ein wichtiger Schritt. Außerdem
fördert das Wissen von physischer Leistungsfähigkeit auch mentale Stärke,
um zum Beispiel durch persönlich oder beruflich schwere Zeiten zu gehen.
Unter bestimmten Umständen kann zwei Mal pro Woche Joggen sogar die
Medikamente ersetzen.

4.      Welchen Rat haben Sie als Arzt, wenn es erste Symptome gibt?

Wer zum Beispiel mutlos und antriebslos ist, muss sich dessen überhaupt
erst bewusst werden und akzeptieren, dass es sich um eine Krankheit
handeln könnte. Das ist ein langwieriger und meist schwieriger Prozess.
Der Austausch mit vertrauten Personen kann dann schon viel bewirken. Das
ist auch der Rat an den Familien- oder Freundeskreis, denn oft werden die
Symptome von außen viel eher erkannt als von den Betroffenen selbst. Wir
müssen für die Menschen da sein und ihnen ein positives Umfeld bieten.
Unbedingt wichtig ist natürlich, dass Depressionskranke zum Arzt gehen und
professionelle Hilfe erhalten.

(Quelle: World Health Summit)

Prof. Dr. Detlev Ganten hat als Professor an der Universität Heidelberg
bereits in den 80er Jahren regelmäßig Laufgruppen gegen Depressionen
geleitet. 2009 gründete er den World Health Summit mit dem Ziel,
Weltgesundheit zu verbessern. Ganten ist Facharzt für Pharmakologie und
Experte für Bluthochdruck, Evolutionäre und Molekulare Medizin.

Der World Health Summit findet vom 15.-17. Oktober 2017 in Berlin statt
(Kosmos, Karl-Marx-Allee 131a). Er steht unter der Schirmherrschaft von
Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Präsidenten der Europäischen
Kommission Jean-Claude Juncker und gilt mit mehr als 1.600 Teilnehmern aus
über 80 Ländern als das wichtigste strategische Forum für weltweite
Gesundheitsfragen.

Zentrale Themen beim WHS 2017 sind unter anderem die Gesundheitspolitik
der G7/G20, die Entwicklung neuer Impfstoffe, Digitalisierung und Big
Data, Gesundheitssicherheit, urbane Gesundheit sowie Afrika und die
Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Informationen zu Themen und Sprechern des World Health Summit 2017:
https://www.worldhealthsummit.org/whs-2017/program
https://www.worldhealthsummit.org/whs-2017/speakers

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Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin macht sich stark für neue Wege in der Schmerzversorgung

v.l.n.r.: Dr. Oliver Emrich (DGS), Dr. Johannes Horlemann (DGS), Dr. Michael Überall (DSL/DGS), Dr. Gerhard Müller-Schwefe (DGS), Birgitta Gibson (DSL)„Wir brauchen neue Wege, um die Versorgung der
Schmerzpatienten zu verbessern“, erklärte Dr. Gerhard Müller-Schwefe,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. bei der
Auftakt-Pressekonferenz des 28. Deutschen Schmerz- und Palliativtages in
Frankfurt. „Gemeinsam mit allen an der Therapie Beteiligten werden wir in
naher Zukunft ein Konzept entwickeln, bei dem alle Fachrichtungen eng
miteinander vernetzt mit dem Patienten arbeiten sollen“, so Müller-
Schwefe. Nur wenn wir es schaffen, die Schmerzmedizin als Querschnittsfach
zu betrachten und die Schmerzkompetenz auszubauen, können wir den
zahlreichen chronisch erkrankten Schmerzpatienten helfen.

Jedes Jahr treffen sich beim „Schmerz- und Palliativtag“ Schmerzexperten
aus ganz Deutschland – ob Mediziner, Psychologen, Physiotherapeuten,
Pharmazeuten oder Pflegekräfte. Gemeinsam wollen sie die Versorgung der
Schmerzpatienten in Deutschland verbessern. Denn nach wie vor ist ein
Großteil der insgesamt 23 Millionen Schmerzpatienten und etwa 2,8
Millionen der schwersterkrankten Patienten unterversorgt.1 Helfen könnte
ihnen ein dafür speziell ausgebildeter Schmerzmediziner, der den Patienten
ganzheitlich betrachtet, frühzeitig die Ursache der Beschwerden erkennt
und bei Bedarf andere Fachärzte sowie Physiotherapeuten oder Psychologen
hinzuzieht, um mit ihnen gemeinsam ein Therapiekonzept zu entwerfen. Aber
diese sind rar gesät. Von den wenigen Leuchtturmprojekten der
interdisziplinären Zusammenarbeit profitiert am Ende nur ein Bruchteil der
Betroffenen. „An der Basis gibt es bislang keine grundlegenden
Verbesserungen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist zeitaufwändig
und wird zu wenig honoriert“, resümierte Müller-Schwefe.

Hinzu kommt, dass aktuell die Behandlung auf wenigen Schultern und
aufgrund des demografischen Wandels auf einer immer älter werdenden
Ärztegeneration ruht. Gleichzeitig aber steigt die Anzahl der Patienten.
„Wenn wir den Nachwuchs für unser Fachgebiet begeistern können, ist vielen
Patienten geholfen“, ist sich Dr. Johannes Horlemann, Vizepräsident der
DGS, sicher. In kaum einer anderen Disziplin als der Schmerzmedizin
arbeitet der Arzt so interdisziplinär – technisch, pharmakologisch,
kommunikativ und psychosomatisch. Dazu ist es eines der dynamischsten
Felder mit ständigem Zuwachs an neuem Wissen und neu evaluierten
Konzepten. „Mit unserem umfangreichen Fortbildungskonzept wollen wir nicht
nur die angrenzenden Fachgebiete, sondern verstärkt auch junge Mediziner
erreichen“, so Horlemann.

Chronischer Schmerz ist ein Querschnittsgebiet
Damit die Patientenversorgung nicht an Fachgrenzen scheitert, setzt die
DGS auf eine schmerztherapeutische Weiterbildung und Qualifikation von
Ärzten aus  allen Fachrichtungen. „Jeder Arzt sollte zumindest
Basisfähigkeiten besitzen, um die richtige Behandlung einzuleiten oder
rechtzeitig den Zeitpunkt zu erkennen, wann der Patient in die Hände eines
Schmerzmediziners gehört“, ist DGS-Vizepräsident Dr. Oliver Emrich
überzeugt. „Dafür muss Kommunikation über Fachgebietsgrenzen hinaus
stattfinden“, so Emrich weiter.

Ein gut funktionierendes Netzwerk und die wichtigsten Schnittstellen zu
identifizieren, sind weitere Ziele der DGS. Die Zusammenarbeit mit den
Hausärzten hat dabei für die DGS eine zentrale Bedeutung, denn als erste
Anlaufstelle können und sollten bereits beim Hausarzt die Weichen für eine
erfolgreiche Behandlung richtig gestellt werden.

Patientenbedürfnisse im Fokus der VersorgerGesellschaft
Kontinuierliche Forschung ist wichtig, um neue wissenschaftliche
Erkenntnisse zu gewinnen. Diese in die Praxis umzusetzen – darin liege
aber die eigentliche Herausforderung, so die langjährige Erfahrung des
DGS-Vorstandes. Die Patienten mit ihren Bedürfnissen stärker in den Fokus
zu rücken, dafür setzt sich die DGS in Kooperation mit der
Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V. bereits seit vielen
Jahren ein. Ein Meilenstein stellt die Online-Plattform „mein-schmerz.de“
dar, über die – via Daten-Einspeisung in das DGS PraxisRegister Schmerz
(iDocLive®) – erstmalig auch die Sicht der Betroffenen dokumentiert werden
kann. „Bislang waren diese speziellen Schmerzfragebögen nur über ärztliche
Einrichtungen erhältlich bzw. Betroffene darauf angewiesen, dass sie einen
Behandler finden, der ihnen einen solchen Fragebogen nicht nur zur
Verfügung stellt, sondern auch auswertet und mit ihnen bespricht. Ein
Prozess, der angesichts der geringen Zahl qualifizierter
Schmerztherapeuten in Deutschland meist mit monate-, mitunter auch
jahrelangen Wartezeiten verbunden war“, erklärte PD Dr. Michael A.
Überall, DGS-Vizepräsident und Präsident der DSL, die Situation.

In diesem Jahr gehen die beiden Organisationen noch einen Schritt weiter
und stellen das Thema „Tumorschmerz“ in den Mittelpunkt: Mit der
„Praxisumfrage Tumorschmerz“ werden explizit Symptombelastungen bei
tumorbedingten Dauer- und Durchbruchschmerzen abgefragt. Laut Überall
müssen bei diesen Patienten die zugrundeliegenden Schmerzen kontinuierlich
evaluiert werden, um sowohl den Behandlungsbedarf als auch die
Behandlungsintensität an das aktuell angestrebte Behandlungsziel
anzupassen. Dies sei mit dem von der Deutschen Gesellschaft für
Schmerzmedizin und der Deutschen Schmerzliga neu ins Leben gerufenen
Online-Fragebogen „Tumorschmerz“ nun möglich.

Mit Schmerzen leben
Über Ängste und Einschränkungen im Alltag berichtete DSL-Vizepräsidentin
Birgitta Gibson. Sie ist selbst von chronischen Schmerzen betroffen und
weiß, dass für mehr Lebensqualität neben einer kompetenten Schmerzmedizin
auch Eigeninitiative nötig ist. Sie setzt auf aktive Mitarbeit des
Patienten und eine Arzt-Patienten-Kommunikation auf Augenhöhe. Hierbei
spielen auch Selbsthilfegruppen eine wichtige Rolle. Ihre Erfahrung ist:
„Der Austausch von Tipps und Tricks sowie gemeinsame Aktivitäten haben
schon vielen Betroffenen aus dem Schmerz-Tal zurück in ein relativ
„normales“ Leben geholfen.“

Die Theorie in die Versorgung bringen
Damit Patienten stets evidenzbasiert nach den neuesten Erkenntnissen
behandelt werden können, entwickelt die DGS PraxisLeitlinien, aktuell zum
Fibromyalgiesyndrom, zur Diagnostik und Behandlung von Patienten mit
Opioidfehlgebrauch (Prescription opioid misuse) und zu „Tumorschmerz“.
Alle DGS PraxisLeitlinien verbinden die bestmögliche Evidenz aus der
Literatur mit der Expertenerfahrung und den Meinungen und Haltungen der
Patienten zu ihren Schmerzen. Neuere Entwicklungen dazu werden beim
Kongress dem Fachpublikum präsentiert.

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