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Gesundheit

Vorurteilen auf der Spur

Roland Deutsch ist neuer Lehrstuhlinhaber für Psychologie an der Uni Würzburg.  (Foto: Petra Leckert)Stereotype, Vorurteile und Einstellungen: Welche psychologischen Prozesse sind dabei im Spiel, wie lassen sie sich möglichst objektiv messen? Das ist ein Hauptziel in der Forschung des neuen Professors Roland Deutsch. Er hat auch Tipps für junge Leute, die Psychologie studieren möchten..„Die Einstellungen eines Menschen kann mit Fragebögen erfassen. Die haben aber ihre Tücken, weil die Probanden dabei täuschen können und zum Beispiel so antworten, wie sie es für sozial erwünscht halten“, sagt Roland Deutsch, neuer Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie II an der Universität Würzburg. Der Professor setzt darum auf andere Methoden – etwa auf das Priming. Hier ein Beispiel dafür, vereinfacht beschrieben: Versuchspersonen bekommen an einem Bildschirm hintereinander Wörter gezeigt und sollen per Tastendruck kundtun, ob sie etwas Gutes oder Schlechtes mit den Wörtern verbinden.

Kurz vor den Wörtern tauchen Bilder auf, die zum Beispiel dunkelhäutige, alte oder entstellte Gesichter zeigen. „Die Probanden werden angewiesen, diese Bilder zu ignorieren. Aber das können sie gar nicht, weil sie sie automatisch beurteilen“, erklärt Deutsch. Das hat Folgen: „Wenn zum Beispiel ein Bild für sie negativ ist, verlängert sich die Zeit bis zum Tastendruck bei positiven Wörtern ganz deutlich.“ So kann man aus der Reaktionszeit die Einstellung der Probanden ablesen.

Das Spannende dabei: Verändert man an dieser Methodik nur Kleinigkeiten, zeigt man etwa statt Wörtern chinesische Schriftzeichen oder statt nur einem Bild gleich mehrere hintereinander, dann werden damit zum Teil ganz andere psychologische Prozesse erfasst. Solche Messungen und ihre Eigenheiten genau verstehen, die Methoden verbessern und verfeinern – das ist ein Hauptanliegen des neuen Lehrstuhlinhabers.

Forschungsorientiertes Studium mit spannenden Fragen

Die psychologische Methodik spielt auch im Studium eine große Rolle. An der Universität Würzburg bekommen die Bachelor- und Masterstudierenden die grundlegenden wissenschaftlichen Fertigkeiten vermittelt. „Sie lernen hier alle Stufen des Forschungsprozesses kennen, von Experimentiertechniken über die statistische Auswertung bis zur Ergebnispräsentation“, sagt Deutsch.

Dabei kommen die Studierenden mit sehr unterschiedlichen Forschungsfragen in Kontakt. „Es geht um das menschliche Erleben und Verhalten in seiner ganzen Vielfalt“, so der Professor. Hier nur einige Beispiele: Wie laufen Gedächtnis- und Entscheidungsprozesse ab? Wie entstehen soziale Gruppen, warum helfen Menschen sich gegenseitig? Wie entwickelt und verändert sich all das im Lauf des Lebens? Wie kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten, unter denen die Betroffenen leiden? Welche Faktoren fördern Aggression und Mobbing am Arbeitsplatz?

Vielfältige Berufsfelder eröffnen sich

An den genannten Beispielen zeigen sich wichtige Berufsfelder, in denen Psychologen arbeiten. „In Wirtschaftsunternehmen sind sie oft in der Personalauswahl und -entwicklung tätig, etwa beim Management von Fortbildungsangeboten“, sagt Deutsch. Andere Einsatzgebiete sind die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen oder ein innerbetriebliches Konfliktmanagement.

In Kliniken oder Reha-Einrichtungen arbeiten Psychologen diagnostisch-therapeutisch, aber gleichzeitig auch oft in der Forschung mit. Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist der Bildungssektor: Hier helfen Psychologen zum Beispiel, Unterrichtsprozesse zu optimieren oder Lernbesonderheiten zu erkennen und zu managen – sei es nun eine Hochbegabung oder eine Lernstörung. Und natürlich kann man sich mit einer psychotherapeutischen Praxis selbstständig machen.

Generell seien die Berufsaussichten gut, so Deutsch: Die Arbeitslosenquote bei Psychologen ist sehr niedrig; sie lag in den vergangenen Jahren um 1,7 Prozent. Ebenfalls positiv: Fast alle fertig ausgebildeten Psychologen arbeiten tatsächlich auch in ihrem Beruf und üben nicht etwa Tätigkeiten aus, für die eine geringere Qualifikation reichen würde.

Werdegang von Roland Deutsch

Roland Deutsch wurde 1972 in Witten geboren. Er studierte in Würzburg Psychologie, promovierte hier und forschte dann ab 2003 als Postdoc an der Ohio State University in den USA. 2006 kam er ans Würzburger Institut zurück. Schon bald wurde er hier als herausragender junger Wissenschaftler ausgezeichnet: 2007 verlieh ihm die Universität ihren Röntgenpreis.

Ab 2009 vertrat Deutsch für ein Semester einen Lehrstuhl an der Universität Jena; 2010 folgte er dem Ruf auf eine Professur für Sozialpsychologie an der TU Dresden. In diese Zeit fällt seine Tätigkeit als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie: Von 2012 bis 2014 befasste er sich unter anderem mit Angelegenheiten des Psychologiestudiums und mit Öffentlichkeitsarbeit.

Zum Sommersemester 2016 trat Roland Deutsch die Nachfolge von Professor Fritz Strack auf dem Lehrstuhl für Psychologie II der Universität Würzburg an. Hier will er sein Forschungsgebiet bald erweitern: Er plant Studien zur Frage, welche psychologischen Prozesse beteiligt sind, wenn Menschen soziale Unterschiede wahrnehmen und darauf reagieren. „Auf diesem Gebiet gibt es noch einige weiße Flecken zu erkunden“, sagt er.

Kontakt Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Prof. Dr. Roland Deutsch, Lehrstuhl für Psychologie II, Universität Würzburg, T (0931) 31-82692, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Auszeichnung für Forscher des iba e.V.

Wissenschaftler des Instituts für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V. (iba) aus Heilbad Heiligenstadt werden auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie für die beste experimentelle Arbeit ausgezeichnet.
Der Erstautor der Arbeiten der Biotechnologe, Holger Rothe, wird den mit 1000 € dotierten Preis am 26. November im Rahmen der Tagung in Hamburg entgegennehmen.


Bei der Entwicklung von Implantaten im Knochenkontakt (z.B. Zahnimplantate, Hüftimplantate etc.) stellt das erfolgreiche Einheilen in den Knochen eine der großen Herausforderungen dar. Ein wichtiger Aspekt dabei ist es, die Oberfläche eines Implantates so zu gestalten, dass die Anlagerung von Körperzellen unterstützt wird und somit das Implantat eine schnelle und gute Haftung zum Knochen herstellt. Aus diesem Grund werden die Oberflächen von Implantaten über Sandstrahl- und Ätzprozesse in mikroskopischen Maßstäben aufgeraut. Durch diese Prozesse wird die spezifische Oberfläche des Implantats vergrößert, mehr Knochenzellen können am Implantat anhaften, die Einheilung wird verbessert und die Standzeit des Implantats steigt. Die Voraussetzung dieser verbesserten Eigenschaften ist, dass die Aufrauhung der Oberfläche in Strukturgrößen erfolgt, die von Knochenzellen auch nutzbar sind. Aus diesem Grund ist die exakte Bestimmung von Rauheiten auf Implantatoberflächen eine der wichtigsten Analysen bei der Entwicklung neuartiger Implantate.

Forscher des Instituts für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V. (iba) haben eine Methode entwickelt, mit der sie diese mikroskopische Rauheit auch auf komplexen Implantatoberflächen, wie beispielsweise den Gewindegängen von Zahnimplantaten, sicher bestimmen können. Sie benutzen dabei das Verfahren der Stereo-

Rasterelektronenmikroskopie, welches mit Hilfe eines fokussierten Elektronenstrahls die Implantatoberfläche aus unterschiedlichen Winkeln abtastet und somit ein dreidimensionales Modell der Implantatoberfläche erstellt. Aus dem erstellten Modell ermitteln die Forscher anhand mathematischer Routinen Rauheitsparameter, welche für ein Anhaften von Zellen und somit für ein erfolgreiches Einheilen des Implantates relevant sind. Die Vorteile dieser Methode liegen darin, dass Rauheitsmessungen direkt am fertigen Implantat durchgeführt werden können. Mit herkömmlichen Methoden ist es meist nur möglich an flachen Oberflächen derartige Messungen vorzunehmen.

Für die Veröffentlichung ihrer Arbeiten werden Wissenschaftler des iba nun auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, auf der mehrere hundert Wissenschaftler über ihre aktuellen Forschungsergebnisse berichten, für die beste experimentelle Arbeit ausgezeichnet. Der Erstautor der Arbeiten, der Biotechnologe Holger Rothe, wird den mit 1000 € dotierten Preis am 26. November im Rahmen der Tagung in Hamburg entgegennehmen. Rothe beschäftigt sich seit 10 Jahren am iba mit der Charakterisierung und gezielten Verbesserung von Oberflächen, die im Kontakt zu biologischen Systemen stehen. Im Fokus seiner Arbeiten stehen dabei neben Implantatoberflächen auch antibakterielle Oberflächen sowie Gerüststrukturen für die Züchtung künstlicher Gewebe wie Knochen und Knorpel. Er hat davor an der Staatlichen Studienakademie Riesa ein Studium zum Diplom Ingenieur für Biotechnologie absolviert und dabei schon mehrere Praxisprojekte sowie seine Diplomarbeit am iba bearbeitet.

Die Forscher des iba haben auf dem Gebiet von Implantaten für die Humanmedizin inzwischen jahrzehntelange Erfahrung und sind international anerkannte Experten. Sie arbeiten weltweit mit Universitäten und Kliniken ebenso zusammen wie mit marktführenden Firmen, z.B. mit Herstellern von Dentallegierungen und Produzenten von Hüft-, Schulter- und Zahnimplantaten. Die Verlängerung der Standzeiten, also die Dauer, welche ein Implantat im Körper funktionstüchtig verbleiben kann, ist neben der Minderung des Riskos von Frühausfällen von Implantaten einer der wichtigsten Faktoren für die Senkung der Kosten im Gesundheitswesen. Auch mit Unterstützung der iba-Forscher ist es in den letzten 20 Jahren gelungen, diese Standzeiten merklich zu erhöhen. Das freut vor allem die betroffenen Patienten, die deutlich geringere Beschwerden haben und sich weniger häufig Folgeeingriffen unterziehen müssen.

Die jetzt ausgezeichneten Forschungsarbeiten des iba legen einen wichtigen Grundstein für ein noch besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Knochenzellen und Implantatoberflächen und tragen zur Entwicklung weiter verbesserter Implantaten bei.

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Weitere Informationen:

Das Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V. (iba) in Heilbad Heiligenstadt ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut des Freistaates Thüringen und selbstständiges An-Institut der Technischen Universität Ilmenau. Im Rahmen des Forschungsprofils "Biotechniques at Interfaces" bearbeitet das Institut Projekte zu technischen Systemen für die Lebenswissenschaften, bei denen Wechselwirkungen zwischen der biologischen und technischen Komponente dieser Systeme eine besondere Rolle spielen.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.iba-heiligenstadt.de/

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Kinderchirurgen kritisieren Blinddarm-Report der Techniker Krankenkasse

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) kritisiert eine soeben veröffentlichte Studie der Techniker Krankenkasse (TK). Diese zeigt große regionale Unterschiede in der Häufigkeit von Blinddarm-OPs bei Kindern. Laut TK würden Ärzte überflüssige Blinddarm-Operationen an Kindern durchführen, denn diese Unterschiede seien „medizinisch kaum zu erklären“. Die DGKCH hingegen bemängelt methodische Fehler und unzulässige Schlussfolgerungen der vorgelegten Studie. Dies könne Eltern unnötig verunsichern.


Laut einer Auswertung von Daten des Statistischen Bundesamtes durch die TK wurde im Jahr 2014 bei etwa 18 000 Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren – davon waren etwas mehr als die Hälfte Jungen – eine Blinddarm-Operation vorgenommen. Die regionalen Unterschiede sind dabei groß. Während in Bremer Krankenhäusern 95 Blinddarm-Operationen auf 100 000 Heranwachsende kamen, waren es in Nordrhein-Westfalen 183 und in Bayern 208.

„Um diese regionalen Unterschiede seriös interpretieren zu können, braucht man die kompletten Daten der Patienten“, sagt Dr. med. Tobias Schuster, Pressesprecher der DGKCH. Erforderlich sei etwa die Angabe, bei wie vielen der entnommenen Blinddarmfortsätzen sich die Diagnose „Entzündung“ bei der Untersuchung des Gewebes, Histologie, auch bestätigt habe. Bei der Veröffentlichung der TK fehle zudem der Überblick über sämtliche im Vergleichszeitraum mit Verdacht auf Blinddarmentzündung vorgestellte Kinder: „Wie viele von ihnen sind ohne Operation als geheilt entlassen worden, wie viele tatsächlich operiert und wie viele davon quasi „zu spät“, also mit fast oder ganz durchbrochenem Blinddarm?“, so Schuster, der Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg ist.

Wichtig sei auch zu erfassen, welcher diagnostische Aufwand der Operation vorangegangen ist: „Sind die operierten Kinder vorher stationär aufgenommen worden, und ist der Verlauf ihrer Beschwerden engmaschig kontrolliert worden, bevor es zu einer OP-Entscheidung kam?“

Die adäquate Diagnose und Therapie von Entzündungen der Blinddarmfortsätze von Kindern sei oft schwieriger als die von Erwachsenen, erläutert Schuster: „Kinder können ihre Beschwerden meist nicht genau beschreiben. Auch sind ihre Symptome sehr unterschiedlich – deshalb kommen sie manchmal sehr spät in die Klinik.“ Gerade bei den Jüngeren könne jedoch der entzündete Wurmfortsatz innerhalb weniger Stunden durchbrechen.

In der Kinderchirurgie gelte in besonderem Maße der Grundsatz, Operationen nur dann durchzuführen, wenn sie wirklich sein müssen, so der Experte weiter. „Kinderchirurgen betreiben deshalb ganz bewusst einen großen Aufwand und beobachten die betroffenen Kinder über Stunden, manchmal Tage in der Klinik, ob die Entzündung wieder abklingt.“ Dazu werde auch hochauflösender Ultraschall eingesetzt. Das bei Erwachsenen gegebenenfalls zur weiteren Diagnosesicherung eingesetzte CT komme wegen der Strahlenbelastung jedoch nicht infrage. Der Lohn der Mühen: „Oft können wir die Kinder auch ohne Operation wieder entlassen.“ Die Schwierigkeit sei jedoch, den richtigen Zeitpunkt zwischen „nicht zu früh“ und „nicht zu spät operieren“ zu erwischen. Denn „Appendizitiden können tückisch und unvorhersehbar sein“, sagt Schuster. Im Zweifel müsse man die Risiken eines weiteren Abwartens gegenüber den Risiken der OP, die ein Routineeingriff sei, abwägen, so Schuster. „Deshalb kommen selbst die besten kinderchirurgischen Kliniken auf einen gewissen Anteil sogenannter Negativhistologien – wo sich also der Verdacht auf eine Appendizitis im Nachhinein nicht bestätigt hat.“ Im Klinikum Augsburg etwa liege die Rate Dank modernster Diagnostik bei nur fünf bis sechs Prozent, führt Schuster weiter aus.

„Zu behaupten, hier würde überflüssigerweise operiert – womöglich um mehr Gelder in die Krankenhauskassen fließen zu lassen – ist absolut voreilig“, fasst Professor Dr. med. Bernd Tillig aus Berlin, Präsident der DGKCH und Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Vivantes in Berlin, zusammen. „Und wir sind die ersten, die an seriösen Ergebnissen interessiert sind.“

Quelle:
www.tk.de/tk/pressemitteilungen/gesundheit-und-service/270358

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften,

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Patient aus Rostock profitiert von neuem Verfahren bei Hornhauttransplantation

Die LaMEK-Lamelle für DMEK kommt sicher verpackt in den OPLaMEK – Hornhauttransplantation wird für Patienten sicherer. Durchbruch bei der Versorgung von Patienten mit Hornhauttransplantaten bei DMEK-OP: Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) hat die 100. vorpräparierte Augenhornhautlamelle an einen Patienten aus Rostock vermittelt. Damit ist die DGFG die derzeit einzige Einrichtung in Deutschland, die in der Gewebebank vorbereitete Hornhautlamellen für DMEK anbieten kann. Bisher präparieren Ärzte die Transplantate erst unmittelbar vor dem Eingriff im OP, was mit Risiken für das Transplantat verbunden ist. Gründe für die jährlich mehr als 5.000 Hornhauttransplantationen gibt es viele. Neben Verletzungen und genetischen Erkrankungen der Hornhaut ist sehr häufig die innere Schicht, das Endothel, betroffen.

 

Wolfgang Rehme aus Rostock sah immer schlechter. Seine Augenhornhaut hatte sich zunehmend eingetrübt. Ursache war die Fuchs’sche Endotheldystrophie, eine Erkrankung der Augenhornhaut, die mit einem Funktionsverlust der inneren Zellschicht einhergeht. „Die einzige Chance war eine Hornhauttransplantation“, sagt Prof. Dr. Anselm G. M. Jünemann, Chefarzt der Augenklinik der Universitätsmedizin Rostock. Er hat den 75-jährigen Rostocker mit der sogenannten DMEK-Methode (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty) operiert. Das Transplantat kam fertig vorbereitet von der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG). Die gemeinnützige Gesellschaft, die bundesweit einen Großteil der Hornhauttransplantate zur Verfügung stellt, ist die bisher einzige Gewebeeinrichtung in Deutschland, die vorpräparierte Spenderhornhäute zur DMEK-Transplantation vermittelt.

 

Mehr Sicherheit im OP

 

Bei der DMEK-OP muss der Arzt, im Gegensatz zur kompletten Hornhauttransplantation, nur eine ultradünne Schicht der Augenhornhaut ersetzen. Das Verfahren hat sich in den vergangenen Jahren zum Goldstandard in der Behandlung vor allem der Fuchs’schen Endotheldystrophie entwickelt. Das Endothel, die innen liegende Pumpzellenschicht, befördert Wasser aus der Hornhaut. Funktioniert sie nicht richtig, quillt die Hornhaut auf und trübt ein. Klares Sehen ist nicht mehr möglich. Eine Hornhauttransplantation ist oft die einzige Behandlungsmöglichkeit. Bisher haben Ärzte die benötigte Hornhautlamelle direkt im OP für die Transplantation vorbereitet. „Dabei bestand aber immer die Gefahr, dass die Hornhaut einreißt“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Ende des vergangenen Jahres hat das Paul-Ehrlich-Institut der DGFG die Genehmigung erteilt, Spenderhornhäute direkt in der Gewebebank vorzubereiten und in Verkehr zu bringen. „Jetzt haben wir die 100. Hornhautlamelle zur Transplantation nach Mecklenburg-Vorpommern vermittelt“, sagt Börgel. Das neue Verfahren bedeute eine deutliche Zeitersparnis für Operateure und mehr Sicherheit für die Patienten. Damit sinkt auch für lamelläre Transplantationen die Wartezeit deutlich.

 

Wartezeit ist deutlich zurückgegangen

 

Die Erkrankung der Hornhaut, unter der Wolfgang Rehme seit Jahren litt, führte dazu, dass er immer schlechter sehen konnte. „Es war ein schleichender Verlauf“, sagt er. Die Wartezeit auf ein Transplantat ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen. Rehme musste nur wenige Wochen auf seine Transplantation in der Universitätsmedizin Rostock warten. Noch vor Jahren hätten Ärzte die gesamte Hornhaut ersetzen müssen. „Jetzt reicht ein winziger, nur wenige Millimeter große Schnitt, um das hauchdünne Transplantat ins Auge einzubringen“, erklärt Prof. Jünemann. Zuvor muss der Operateur die erkrankte Schicht der Hornhaut, das Endothel, entfernen. Danach bringt er die gerollte Spenderlamelle mit einem speziellen System ins Auge ein und entfaltet sie mittels einer Luftblase.

 

Ohne Gewebespende keine Transplantation

 

Die DMEK-OP weist deutliche Vorteile gegenüber der herkömmlichen Methode auf. „Die Patienten können häufig schon nach einer Woche wieder besser sehen, eine zusätzliche Naht entfällt und auch das Risiko der Abstoßung ist deutlich geringer“, sagt Prof. Jünemann. Bei einer normalen Hornhauttransplantation dauere es oft über ein Jahr, bis der Patient wieder gut sehen kann. Voraussetzung für jede Transplantation ist aber auch nach wie vor die Gewebespende eines verstorbenen Menschen. „Fast jeder in einem Krankenhaus Verstorbene kann seine Augenhornhaut spenden“, sagt Börgel. Pro Jahr transplantieren Ärzte in Deutschland etwa 6.000 Hornhäute. Mehr als die Hälfte der Operationen sind inzwischen lamelläre Transplantationstechniken, vor allem die DMEK. Auch an der DGFG geht diese Entwicklung nicht vorbei. Die gemeinnützige Gesellschaft hat 2015 über 2.700 Hornhäute an Patienten vermittelt, knapp die Hälfte für lamelläre Operationen. Die Wartezeit auf ein Transplantat ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen. 

 

Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Die DGFG hat seitdem ein bundesweites Netzwerk zahlreicher deutscher Kliniken, Gewebebanken und transplantierender Einrichtungen aufgebaut. Gesellschafter sind vier Universitäten – Anstalten des öffentlichen Rechts: das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover sowie die Universitätsmedizin Rostock. Mehr als 60 Krankenhäuser unterstützen das Netzwerk der DGFG durch die Meldung möglicher Gewebespender. Koordinatoren der DGFG betreuen die Ärzte in den Kliniken vor Ort, führen Gespräche mit Angehörigen und organisieren die Entnahme und den Transport der Gewebepräparate in die Gewebebanken.

 

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