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Gesundheit

Welttag der sexuellen Gesundheit: Impfung schützt vor Hepatitis-Virusinfektion beim Sex

Der „Welttag der sexuellen Gesundheit“ jährt sich am 4. September 2016 zum siebten Mal. Die World Association for Sexual Health hat diesen weltweiten Aktionstag ins Leben gerufen, der in diesem Jahr unter dem Motto "Sexual Health: Eliminate the myths!" steht. Der Begriff „sexuelle Gesundheit“ beinhaltet den Genuss von Sexualität und die Freiheit von sexuellem Zwang, Missbrauch und sexueller Gewalt. Dazu zählt auch Schutz vor Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Sexualleben. Die entsprechenden Behandlungs-, Beratungs-, Test- und Schutzimpfungsangebote sollen für jeden erreichbar sein. In diesem Zusammenhang betont die Deutsche Leberstiftung die Wichtigkeit einer Impfung gegen Virushepatitis.


„Das Hepatitis B-Virus wird vor allem beim ungeschützten Sex durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten übertragen. Deshalb wird die dadurch hervorgerufene Leberentzündung auch als Geschlechtskrankheit eingestuft, sie zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, den "Sexually Transmitted Infections", kurz STIs, erläutert Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. „Neben ungeschütztem Sex zählen Tätowierungen oder Piercings, die unter nicht sterilen Bedingungen durchgeführt werden, zu den häufigsten Übertragungswegen einer Hepatitis B“, ergänzt Prof. Manns.

Die Hepatitis B ist eine der am häufigsten auftretenden Infektionskrankheiten überhaupt. Geschätzte 250 Millionen Menschen, also ungefähr fünf Prozent der Weltbevölkerung, sind chronisch an Hepatitis B erkrankt. In Deutschland tragen wahrscheinlich bis zu 500.000 Menschen das Hepatitis B-Virus in sich. Jährlich stecken sich zahlreiche Menschen in Deutschland neu mit Hepatitis B an – vorrangig durch ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Häufig bemerken die Betroffenen nichts von ihrer Erkrankung. Nur manchmal stellen sich nach einem bis sechs Monaten uncharakteristische, grippale Symptome ein. Kommt es zu einer chronischen Entzündung, besteht ein erhöhtes Risiko für bindegewebsartige Veränderungen der Leber (Fibrose) oder Zirrhose. Vor allem bei einer bestehenden Zirrhose ist das Risiko für einen Leberzellkrebs deutlich erhöht. Größtmöglichen Schutz vor einer Übertragung des Hepatitis B-Virus gewährleistet eine entsprechende Impfung.

Die Verwendung von Kombinations-Impfstoffen, die gegen Hepatitis A und B schützen, vermindert die Anzahl der notwendigen Injektionen im Vergleich zu den Einzelimpfungen zum Schutz vor beiden Erkrankungen. Diese kombinierte Impfung gegen Hepatitis A und B schützt gegen eine Neuinfektion. Die Impfung erfolgt in drei Etappen: Die erste und zweite Spritze werden in einem Abstand von einem Monat gegeben; die dritte Spritze erfolgt nach weiteren sechs Monaten. Bei gesunden Erwachsenen besteht die Möglichkeit, durch ein beschleunigtes Impfschema an den Tagen 0, 7 und 21 den Impfschutz schneller zu erreichen. Die Impfungen sind gut verträglich.

Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt auch vor der ebenfalls meist sexuell übertragenen Hepatitis delta, da diese Erkrankung nur mit einer Hepatitis B gemeinsam vorkommen kann. Gegen Hepatitis C gibt es keine Impfung. Die Erkrankung ist inzwischen jedoch gut und mit hohen Heilungsraten behandelbar.

„Der Welttag der sexuellen Gesundheit legt den Fokus auf das wichtige Themenfeld Sexualität und Gesundheit. Er sensibilisiert die Bevölkerung für Risiken, Diagnose- und Schutzmöglichkeiten. Beim Thema Hepatitis sind dies unter anderem Safer Sex, Impfschutz und eine Kontrolle der Leberwerte, die Aufschluss über eine Infektion mit Hepatitis-Viren geben kann“, betont Prof. Manns die Bedeutung des Aktionstages. „Auch wenn die Infektion mit einem Hepatitis-Virus nach der Diagnose (wenn diese tatsächlich erfolgt) in vielen Fällen schon gut behandelt und geheilt bzw. dauerhaft unterdrückt werden kann, ist die Vermeidung einer Infektion durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen immer noch der beste Schutz der Gesundheit“, ruft er zur Vorsorge und zur Früherkennung auf.

10 Jahre Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und Apotheker in medizinischen Fragen. Diese Aufgaben erfüllt die Stiftung seit ihrer Gründung vor zehn Jahren sehr erfolgreich.
Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstiftung.de

BUCHTIPP: „Das Leber-Buch“ der Deutschen Leberstiftung informiert umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien – jetzt in zweiter, aktualisierter Auflage! „Das Leber-Buch“ ist im Buchhandel erhältlich:
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Von Joggerphimose bis Schaumbad-Zystitis - Urologische Gefahren in Sport und Freizeit

Viel Bewegung und Sport gehören fraglos zu einem gesunden Lebensstil. Doch nicht wenige Kraftsportler riskieren (z. B. durch die Einnahme von Anabolika) Impotenz, Unfruchtbarkeit, Nierenschäden und Brustwachstum. „Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) warnt seit Langem vor den Folgen des Dopings in deutschen Fitnessstudios“, sagt Prof. Dr. med. Christian Wülfing, Pressesprecher der DGU. Sport und Freizeit bergen aber auch diesseits verbotener Substanzen ungeahnte Gefahren. Zu denken sei hier an die Folgen ungeeigneter Sportbekleidung, von Wellness-Bädern oder an Trends zu Intim-Piercings und der mittlerweile sehr weit verbreiteten Intimrasur.


Der Medikamentenmissbrauch im Leistungs- und Kraftsportbereich ist nicht neu, doch auch viele Freizeitsportler haben die leistungssteigernden Präparate sowie die schmerzlindernden Medikamente für sich entdeckt. Schätzungsweise zwischen 200.000 und 400.000 Kraftsportler in Deutschland bauen auf Steroide und Anabolika; die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Die Nebenwirkungen können verheerend für den Mann sein. „Steroid-Akne, Missstimmungen bis hin zur Depression sind hier noch die mildesten Folgen des Steroidmissbrauchs“, so Prof. Wülfing. Die Männer finden ihren Weg zum Urologen meist erst, wenn ihnen Brüste wachsen (die sogenannte Gynäkomastie) oder wenn Erektionsstörungen auftreten. „Das Problem des Missbrauchs von leistungssteigernden Substanzen im Sport- und Freizeitbereich ist nicht durch die Urologen und deren Aufklärungsbemühungen allein zu lösen. Hier ist vor allem die Politik gefordert, mehr für die Prävention an Schulen zu sorgen sowie die Schwarzmärkte für Anabolika auszutrocknen“, fasst Prof. Wülfing zusammen.

Wenn auch der Anabolika-Missbrauch ganz sicher das aus urologischer Sicht größte Problem im Sport- und Freizeitbereich ist, lauern dort weitere Gefahren. Eine besondere Rolle spielt dabei die Intimpflege. Das Duschen gehört nach dem Sport für die meisten Menschen zum Programm. „Tägliches Duschen mit aggressiven Seifen und die Verwendung von Intimsprays zerstören den Schutzmantel der Haut und reizen die Schleimhäute im Genital- und Analbereich. Bakterien haben so leichtes Spiel und lösen beispielsweise Harnwegsinfekte aus“, gibt PD Dr. med. Frank Oberpenning, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am St. Agnes-Hospital Bocholt, zu bedenken. Auch vor der sogenannten Schaumbad-Zystitis (Blasenentzündung als Folge ausgedehnter Wellness-Bäder bei Frauen) warnt der Urologe.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Intimrasur. Es wirkt optisch alles viel hygienischer im Genitalbereich, doch die Rasur führt zu kleinsten Verletzungen der Haut. Solche Mikroläsionen dienen vielen Viren und Bakterien als Eintrittspforten in den Körper. In der Folge kommt es z. B. sehr viel leichter zu Infektionen mit Herpes-Viren oder Humanen Papillomaviren (HPV), von denen letztere unter anderem die unangenehmen Feigwarzen oder sogar Krebs verursachen können.

Ebenso bergen Intimpiercings manche Verletzungsgefahr bei Mann und Frau. Es kann zu Blutungen kommen, die das Infektionsrisiko erhöhen. Nerven und Schwellkörper des Penis können geschädigt werden, Kondome reißen. Aus urologischer Sicht ist Intimschmuck nicht zu empfehlen. Wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, sollte sich der Verletzungsrisiken für sich selbst und den Partner bewusst sein.
Jedoch auch ohne Schmuck kann es beim Sport zu Reibungen und Irritationen im Intimbereich kommen, wie Fälle der sogenannten Joggerphimose zeigen. „Sie ist ein klassischer Fall von falscher Sportbekleidung. Die Joggerphimose tritt zwar lediglich in Einzelfällen auf, ist dann aber umso schmerzhafter“, weiß Dr. Oberpenning. „Nylonhosen sehen sicher trendy aus, doch führt der Stoff auf der Haut zu gesteigerter Reibung. Die Vorhaut des betroffenen Mannes kann sich in der Folge entzünden, anschwellen und die Eichel durch Narbenbildung verengen.“ Vermeidbar ist dieses Krankheitsbild, indem statt Nylon Baumwoll-Bekleidung verwendet wird.

Beim Fahrradfahren haben die meisten Männer kein relevantes Risiko, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. med. Kurt Miller. „Wenn beim Radfahren allerdings lange Zeit Druck auf den Damm ausgeübt wird, kann das die Nerven, die auch die Schwellkörper versorgen, beeinträchtigen.“ Das könne vor allem bei Männern ein Problem werden, die länger als drei Stunden pro Woche Fahrrad fahren. Treten Taubheitsgefühle im Dammbereich auf oder strahlen diese in den Penis aus, sollte man definitiv etwas ändern, rät Prof. Miller. Maßgeblich sind etwa der Sattel und die Sitzposition. „Aber, wenn man es richtig macht, hat Fahrradfahren einen positiven Effekt auf die Potenz, denn es fördert die Durchblutung im Beckenbereich.“

Wichtig ist es, bei allen Veränderungen im männlichen Genitalbereich einen Urologen aufzusuchen. Nicht immer sind solche Probleme schmerzhaft, wie im Falle einer Phimose oder einer Hodenprellung durch Stoßverletzungen beim Fußball oder Hockey. „Von Selbstversuchen mit Kühlakkus rät die Deutsche Gesellschaft für Urologie generell ab, denn der Penis und insbesondere die Hoden sind sehr empfindlich gegenüber Temperaturen, sodass selbst mit haushaltsüblichen Eisakkus bereits nach kürzester Zeit Erfrierungserscheinungen drohen können“, ergänzt Prof. Wülfing abschließend und verweist auf die 68. DGU-Jahrestagung, welche vom 28.09. bis 01.10.2016 in Leipzig stattfinden wird.

Dort erwarten die Besucher des öffentlichen DGU-Patientenforums am 01.10.2016 zwischen 10:30 Uhr und 12:30 Uhr weitere Informationen zu urologischen Erkrankungen. DGU- und Kongresspräsident Prof. Miller lädt daher bereits heute alle Interessierten herzlich zu dieser Veranstaltung ins Congress Center Leipzig ein.

Weitere Informationen:
DGU-Kongress-Pressestelle

Bettina-C. Wahlers
Sabine M. Glimm
Grandkuhlenweg 5-7
22549 Hamburg
Tel.: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.urologenportal.de
http://www.dgu-kongress.de

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Patientensicherheit gestärkt – Herzteam entscheidet gemeinsam

Seit geraumer Zeit müssen Krankenhäuser, die bestimmte Herzklappeneingriffe vornehmen, alle hierzu vorgegeben Qualitätskriterien der Richtlinie für minimalinvasive Herzklappeninterventionen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erfüllen. Durch die obligate Umsetzung eines „Herzteams“ – im Kern bestehend aus Herzchirurgen, Kardiologen und Anästhesisten – werden die bestmögliche Patientenversorgung ermöglicht und relevante Sicherheitsaspekte zur Beherrschung potentiell lebens-bedrohlicher Komplikationen etabliert.


Die Übergangsfrist der am 25. Juli 2015 in Kraft getretenen Richtlinie zu minimalinvasiven Herzklappeninterventionen endete zum 30. Juni dieses Jahres. Seit Erlassung der Richtlinie gilt: umfassende qualitätssichernde Maßnahmen müssen in Kliniken etabliert und nachvollziehbar umgesetzt sein um bei Patienten eine kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI) oder ein Clipverfahren an der Mitralklappe (transvenöse Clip-Rekonstruktion der Mitralklappe) durchführen zu dürfen. Das bedeutet: Die Infrastruktur, das beteiligte Personal und die Behandlungsprozesse müssen definierte Anforderungen für diese minimalinvasiven Eingriffe erfüllen.

Die Europäische herzchirurgische Fachgesellschaft (European Association for Cardio-Thoracic Surgery = EACTS) und die Europäische kardiologische Fachgesellschaft (European Society of Cardiology =ESC) haben bereits im Jahr 2012 gemeinsam in der medizinischen Leitlinie zum Management von Herzklappenerkrankungen festgelegt, dass TAVI nur für bestimmte Patienten infrage kommt.

Fachgesellschaft deutscher Herzchirurgen (DGTHG) begrüßt Richtlinie

Die konsequente Umsetzung eines nachvollziehbar interagierenden Herzteams und die enge Kooperation der Fachgebiete über den gesamten komplexen Behandlungsverlauf führt zu einer Erhöhung der Patientensicherheit und dadurch auch zur Verbesserung der Therapieergebnisse, heißt es beim Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). „Wir haben über das Bundesgebiet verteilt 78 Institutionen, an denen umfassend ausgestattete Fachabteilungen für Herzchirurgie etabliert sind, die mit in- und externen kardiologischen Fachabteilungen und niedergelassenen Fachärzten für Kardiologie kooperieren. Die vorhandenen Fachabteilungen für Herzchirurgie sichern durchgängig (24/7/365) und bundesweit die bestmögliche Patientenversorgung“, so Prof. Armin Welz, Präsident der DGTHG.

Herzklappenerkrankungen – betroffen sind am häufigsten die beiden Herzklappen des linken Herzens

„Erkrankungen der Aortenklappe zählen zu den europaweit häufigsten Herzklappenerkrankungen bei Erwachsenen“, erklärt Herzchirurg Welz. „Die Aortenklappe fungiert, mit ihrem Sitz zwischen der linken Herzkammer und der Körperschlagader (Aorta), wie ein Ventil, und lässt das aus dem linken Herzen ausgeworfene Blut in die Körperschlagader passieren und sorgt zudem dafür, dass das ausgeworfene Blut aus der Körperschlagader nicht zurück ins Herz fließen kann. Schließt diese Herzklappe nicht mehr vollständig, spricht man von einer Aortenklappen-Insuffizienz. Die Verengung der Aortenklappe, zumeist durch altersbedingten Verschleiß auf Grund von Einlagerungen bzw. Verkalkungen verursacht, wird als Aortenklappen-Stenose bezeichnet“, so Prof. Welz weiter. Unbehandelt führen sowohl die Aortenklappen-Stenose als auch die Aortenklappen-Insuffizienz zu einer nicht physiologischen Belastung des Herzmuskels. In Abhängigkeit von der Symptomatik der Patienten und der Schwere der Erkrankung muss die funktionsuntüchtige Aortenklappe in einem invasiven Eingriff durch eine Herzklappenprothese ersetzt werden.

Neben der Aortenklappen-Stenose ist die Mitralklappen-Insuffizienz die zweithäufigste operationsbedürftige Herzklappen-erkrankung. „Die Mitralklappe liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer“, erläutert Dr. Andreas Beckmann, Geschäftsführer der DGTHG. „Mit ihren beiden, an Sehnenfäden aufgehängten Herzklappen-Segeln, fungiert sie als Ventil zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer und sorgt dafür, dass das in den Lungen mit Sauerstoff angereicherte Blut über die linke Herzkammer in den Körper gelangt und nicht wieder zurück in die Lungen fließt. Ist die Mitralklappe undicht, spricht man von Mitralklappen-Insuffizienz“, so Herzchirurg Beckmann.

Alternative Verfahren für betagte und Hochrisiko-Patienten

Für betagte Patienten, die, abgesehen von der Herzklappenkrankheit, gleichzeitig an weiteren Erkrankungen leiden, und somit für jeglichen Eingriff ein hohes Risikoprofil aufweisen, bieten die sogenannten „minimalinvasiven“ Verfahren durchaus Vorteile. So sind derartige Eingriffe insgesamt weniger belastend für diese Patienten, u.a. durch kleinere Zugangswege und die Möglichkeit, bei bestimmten Eingriffen auch auf den Ersatz der Herz-Lungen-Maschine verzichten zu können.

Zu den minimalinvasiven Verfahren gehören auch die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI) und das MitraClip-Verfahren. Bei der TAVI wird über verschiedene Zugangswege (transapikal = über die Herzspitze; transvaskulär = über eine Arterie) zunächst mit Hilfe eines Ballons die erkrankte Aortenklappe gedehnt und danach, ebenfalls kathetergestützt, eine biologische Herzklappenprothese bis zum Aortenklappenring vorgeschoben und nach korrekter Positionierung implantiert. Im Gegensatz zum konventionellen herzchirurgischen Eingriff wird die erkrankte Herzklappe nicht entfernt. Das MitraClip-Verfahren hingegen bezeichnet einen kathetergestützten Eingriff, bei dem die beiden Segel der Mitralklappe mit einem Clip verbunden werden, um die bestehende, hochgradige Undichtigkeit zu verringern.

Herzchirurgische Therapie seit Jahrzehnten bewährt

Seit mehreren Jahrzehnten haben sich die bewährten herzchirurgischen Verfahren für unterschiedliche Herzklappen-Erkrankungen weiterentwickelt und stets bewiesen, dass differenzierte Rekonstruktions- sowie Implantationstechniken und der Herzklappenersatz mit diversen Prothesen für die Patienten heilsam sind. Wie der DGTHG-Leistungsstatistik 2015 zu entnehmen, liegen die Überlebensraten der betroffenen Patienten bei über 97 Prozent. Lediglich für wenige Patienten kommen diese bewährten Verfahren mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine aufgrund von gravierenden Begleiterkrankungen oder des sehr hohen Alters nur bedingt oder nicht infrage. „Ein hohes Alter allein ohne relevante Begleiterkrankungen schließt Patienten nicht von einer Herzoperation aus. Eine definierte, obere Altersgrenze existiert nicht. Die jahrzehntelangen Erfahrungen der Herzchirurgie sind wissenschaftlich belegt und zeigen den Wert und die Erfolge der vielfältigen herzchirurgischen Therapieverfahren“, betont DGTHG-Präsident Welz.

Für den Patienten - Beurteilung im Herzteam

„Interdisziplinärer Austausch und fachgebietsübergreifende Kooperation bedeuten für den Patienten in jedem Fall die bestmögliche Beratung und führen zu einer auf ihn abgestimmten Therapieempfehlung. „Wir müssen jeden Patienten individuell behandeln und gezielt auf seine Erkrankung und die jeweiligen Begleitumstände eingehen“, erklärt DGTHG-Geschäftsführer Dr. Beckmann. Im Kern besteht ein Herz-Team aus Fachärzten unterschiedlicher Fachgebiete: Herzchirurgen, Kardiologen, Kinderkardiologen, Anästhesisten. Die faktenbasierte Entscheidungsfindung für oder auch gegen einen Eingriff wird unter diesen Voraussetzungen am besten ermöglicht. Die DGTHG empfiehlt den Patienten, bei der Auswahl eines Krankenhauses, gezielt nachzufragen, ob ein Herz-Team etabliert ist, regelmäßig gemeinsame Fallkonferenzen und Besprechungen durchführt werden, und die Team-Mitglieder durchgängig zur Verfügung stehen.

Das für jeden einzelnen Patienten am besten geeignete und sicherste Verfahren sollte neben dem unmittelbaren Erfolg auch die langfristige Perspektive anhand von nachgewiesenen Langzeitergebnissen berücksichtigen. Letztere sind z.B. für das TAVI-Verfahren bisher noch nicht verfügbar. Im Vergleich: konventionell herzchirurgisch implantierte, biologische Herzklappenprothesen zeigen Haltbarkeiten mit regelrechten Funktionen von 15 Jahren und mehr. Mit der Zielsetzung einer differenzierten kurz-, mittel- und langfristigen Erfassung und fundierten Analyse aller Aortenklappeneingriffe in Deutschland, haben die DGTHG und die kardiologische Fachgesellschaft DGK gemeinsam das Deutsche Aortenklappenregister (www.aortenklappenregister.de) als ein zukunftsorientiertes Projekt ins Leben gerufen.

In diesem bundesweiten Register werden, nach Einwilligung jedes Patienten, umfassende Daten erhoben, zentral aufbereitet und die Ergebnisse der klinischen Patientenversorgung differenziert ausgewertet. Risiken und Nutzen des TAVI-Verfahrens können so dem konventionellen herzchirurgischen Aortenklappenersatz gegenübergestellt werden. Die Ergebnisse werden auch weiteren Aufschluss zu verschiedenen Fragestellungen geben und können Basis für eine Modifikation oder Erweiterung der wissenschaftlich-medizinischer Leitlinien sein. Gleichzeitig wurden auch prospektive randomisierte Studien (PARTNER, SURTAVI) initiiert, die auf Beantwortung von einzelnen Fragenstellungen fokussieren.

Von Mensch zu Mensch – Team fürs Herz auf Augenhöhe

Patienten brauchen für die optimale Behandlung nicht nur die ärztliche Fachkompetenz. DGTHG-Geschäftsführer Beckmann formuliert es so: „Ein ausführliches Patienten-Gespräch mit verständlicher Erklärung der zugrundeliegenden Herzerkrankung, Aufklärung über die möglichen therapeutischen Optionen - wie auch den Eingriff selbst - und letztlich die Einwilligung sind grundlegende Voraussetzungen für eine konsentierte Entscheidungsfindung. Dies ist ein wesentlicher Aspekt ärztlicher Verantwortung. Die Art und Weise, in der wir jedem Patienten begegnen, der Akzeptanz seiner Entscheidungen und der Respekt vor seiner Würde sind die Basis für ein uneingeschränktes Vertrauensverhältnis. Letztlich trägt dieses Vertrauen auch entscheidend zum Erfolg jeder Therapie bei.“

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der über 1.000 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

Weitere Informationen unter www.dgthg.de

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Pilzkeratitis: Wissenschaftler informieren im Rahmen der Kontaktlinsenwoche

Keratitis durch Schimmelpilze (Fusarium spp.) bei einem Kontaktlinsenträger.  Dr. Mathias Roth, Prof. Dr. Gerd Geerling (Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Düsseldorf)Kontaktlinsen können eine Quelle für Infektionen des Auges sein – insbesondere, wenn sie unsachgemäß verwendet werden oder es an der Hygiene mangelt. Besonders gefährlich ist die Pilzkeratitis, bei der Schimmelpilze die Hornhaut angreifen. Deutsche und amerikanische Wissenschaftler erforschen die Ursachen und Möglichkeiten der Therapie. Die Mediziner der amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) starten jetzt im Rahmen der Kontaktlinsenwoche eine Informationskampagne.
Mehr als drei Millionen Erwachsene in Deutschland tragen nach Zahlen des Instituts für Demoskopie Allensbach Kontaktlinsen. Den wenigsten davon ist bewusst, dass bei falschem Umgang und mangelnder Hygiene ein hohes Risiko für Infektionen der Hornhaut (Keratitis) und andere Komplikationen besteht. Aus diesem Grund informieren die amerikanischen CDC im Rahmen der Contact Lens Health Week vom 22. bis 26. August in den USA über den richtigen Umgang mit Kontaktlinsen.
Das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen NRZMyk unterstützt diese Kampagne. Daten des NRZMyk zeigen, dass auch in Deutschland Bedarf für weitere Forschungsarbeiten und bessere Information von Kontaktlinsenträgern und Ärzten besteht. Allein am NRZMyk wurden in den letzten 12 Monaten in 30 Fällen von kontaktlinsenassoziierter Keratitis Schimmelpilze nachgewiesen. Die Pilzkeratitis ist eine besonders schwerwiegende Form der Hornhautentzündung. Sie tritt vor allem bei Kontaktlinsenträgern - insbesondere bei der Verwendung von sogenannten weichen Kontaktlinsen. Patienten bemerken eine Keratitis meist durch eine starke Rötung des Auges, teils erhebliche Schmerzen und eine Sehverschlechterung. Eine kontaktlinsenassoziierte Keratitis sollte immer ernstgenommen werden und umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden. Experten des NRZMyk warnen dabei insbesondere vor der Pilzkeratitis: „Oft handelt es sich um hochresistente Erreger, die nur schlecht auf eine medikamentöse Therapie ansprechen – in schweren Fällen wird eine Hornhauttransplantation erforderlich, teilweise droht der Verlust des gesamten Auges“, erläutert Prof. Marie von Lilienfeld-Toal, die sich intensiv mit den Keratitisfällen beschäftigt, die am NRZMyk diagnostiziert wurden. Bislang liegen keine Infektionszahlen für Deutschland vor. Die Experten des NRZMyk haben daher gemeinsam mit der Augenklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf ein nationales Register für Pilzkeratitiden eingerichtet (www.pilzkeratitis.de). „In diesem Register wollen wir klinische Informationen zu Pilzkeratitiden in Deutschland erfassen. Unter anderem soll analysiert werden, welche Therapien besonders erfolgreich sind und mit welchen Erregern wir es überhaupt zu tun haben.“, erklärt Prof. Oliver Kurzai, Leiter des NRZMyk. Ziel ist es, künftig bessere Empfehlungen zur Vermeidung solcher Infektionen und zu ihrer Behandlung geben zu können. Dazu erfolgt am Referenzzentrum eine umfassende molekularbiologische und mikrobiologische Charakterisierung aller Erreger. Gleichzeitig erfassen die Spezialisten um Prof. Geerling in Düsseldorf alle wichtigen klinischen Informationen und werten sie aus.
Die beteiligten Ärzte sind sich einig, dass dringend mehr Informationen zu diesen gefährlichen und schlecht zu behandelnden Infektionen benötigt werden. Daher unterstützt das Nationale Referenzzentrum die Kampagne der amerikanischen CDC, die dieses Jahr unter dem Motto “Healthy habits mean healthy eyes” (zu deutsch etwa: „gesunde Gewohnheiten sorgen für gesunde Augen“) steht. Dieses Motto gilt nach Überzeugung der Experten vom NRZMyk ganz besonders auch für die Pilzkeratitis: „Nach allem was wir wissen, kann durch eine konsequente Einhaltung von Hygieneregeln im Umgang mit Kontaktlinsen und Spülflüssigkeit das Infektionsrisiko für Kontaktlinsenträger erheblich gesenkt werden – und das ist gerade bei Pilzinfektionen wegen der oft dramatischen Folgen für die Patienten ungeheuer wichtig“.

Informationen zum Nationalen Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen

Nationale Referenzzentren (NRZ) werden zur Überwachung wichtiger Infektionserreger benannt und durch das Robert Koch-Institut in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Gesundheit berufen. Das NRZ für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk) ist als eines von 19 NRZ Ansprechpartner für Ärzte und Mikrobiologen aus ganz Deutschland bei Fragen zur Diagnostik und Behandlung invasiver Pilzinfektionen. Neben einer gezielten Beratung bietet das NRZMyk auch spezielle diagnostische Verfahren zum Nachweis von invasiven Pilzerkrankungen an und beobachtet die Epidemiologie von Pilzinfektionen in Deutschland, um so frühzeitig das Auftreten neuer Erreger oder mögliche Resistenzentwicklungen zu erkennen. Dabei kooperiert das NRZMyk mit anderen Referenzlabors weltweit. Das NRZMyk wird von Prof. Dr. med. Oliver Kurzai geleitet und ist am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – in Jena angesiedelt.

Informationen zum HKI

Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre biologische Aktivität untersucht und für mögliche Anwendungen als Wirkstoffe zielgerichtet modifiziert.
Das HKI verfügt über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sind. Hinzu kommen mehrere Nachwuchsgruppen und Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Gemeinsam mit der FSU betreibt das HKI die Jena Microbial Resource Collection, eine umfassende Sammlung von Mikroorganismen und Naturstoffen. Zurzeit arbeiten etwa 400 Personen am HKI, davon 130 als Doktoranden.
Das HKI ist Initiator und Kernpartner großer Verbundvorhaben wie der Exzellenz-Graduiertenschule Jena School for Microbial Communication, der Sonderforschungsbereiche FungiNet (Transregio) und ChemBioSys, des Zentrums für Innovationskompetenz Septomics sowie von InfectControl 2020, einem Konsortium im BMBF-Programm Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation. Seit 2014 ist das HKI Nationales Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen.

Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 88 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.100 Personen, darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,6 Milliarden Euro. Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI),

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