Zum Hauptinhalt springen

Mit der HSD die Energiewende mitgestalten

Netzwerk #StudyGreenEnergy wirbt für Studiengänge zum Thema erneuerbare
Energien / Infoveranstaltung am 27. Januar.

Die technischen Hintergründe von regenerativen Energien wie Wasserkraft,
Wind- und Sonnenenergie kennenlernen und im Beruf einen wichtigen Beitrag
zum Klimaschutz leisten – das macht ein Studium der Umwelt-, Energie- und
Verfahrenstechnik möglich. Um Interessierte für die verschiedenen
Studiengänge zum Thema erneuerbare Energien zu begeistern, hat sich aus
verschiedenen Hochschulen – darunter auch die Hochschule Düsseldorf – das
Netzwerk #StudyGreenEnergy gebildet. Bei einem digitalen Infotag am 27.
Januar stellt das Team seine Arbeit vor.

„Ingenieurinnen und Ingenieure gestalten die Energiewende aktiv mit“, ist
sich Prof. Dr.-Ing. Matthias Neef sicher. Er lehrt am Fachbereich
Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Hochschule Düsseldorf und ist Mit-
Initiator von #StudyGreenEnergy. „Die Jobs, in denen sie arbeiten werden,
sind zukunftsfähig und gut bezahlt.“

Das Netzwerk informiert bei seinem ersten Infotag über Studienangebote in
ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Referent*innen geben
Tipps zu den Voraussetzungen für ein Studium und Ausblicke auf vielfältige
Karrieremöglichkeiten als Ingenieur*in mit dem Schwerpunkt Umwelt- und
Klimaschutz.

Beim Infotag wird unter anderem Volker Quaschning einen Vortrag zum
Klimawandel und den heutigen Aufgaben für Ingenieur*innen halten.
Quaschning ist viel gefragter und hochkarätiger Referent für alle Fragen
rund um die Energiewende. Er lehrt und forscht als Professor für
Regenative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in
Berlin.

Im Anschluss an Quaschnings Vortrag können die Teilnehmenden außerdem in
digitalen Meetings mit den verschiedenen Hochschulen direkt in Kontakt
treten, Fragen stellen oder an virtuellen Labor-Rundgängen teilnehmen.
„Die Hochschulen im deutschsprachigen Raum sind hervorragend aufgestellt
und betreiben Spitzenforschung in Bereichen wie Erneuerbare Energien,
Wasserstoff- und Speichertechnologien, innovativem Energiemanagement und
Energieeffizienz“, ergänzt Prof. Dr. Klaus Vajen, Sprecher der Deutschen
Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS). „So fließen neueste
wissenschaftliche Erkenntnisse auch unmittelbar in die Lehrveranstaltungen
ein.“
Informationen zum landesweiten Netzwerk #StudyGreenEnergy sowie Zugang zum
Vortrag erhalten Interessierte unter www.studygreenenergy.eu. Direkten Der
direkte Zugang zum Informationstag der Hochschule Düsseldorf, inklusive
Vortrag, erfolgt über https://studygreen.hs-duesseldorf.de. Beginn der
Veranstaltung ist 16 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos und unverbindlich.

Zum Thema: Das Netzwerk #StudyGreenEnergy setzt sich aus Mitgliedern der
Hochschulgruppe der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS)
zusammen. Neben der Hochschule Düsseldorf sind die FH Münster, die
Technische Hochschule Ingolstadt, die Uni Kassel, die Fachhochschule
Erfurt, die Hochschule Stralsund, die OTH Amberg-Weiden, die Hochschule
Nordhausen, die Fachhochschule Südwestfalen, die TH Aschaffenburg, die
Hochschule Hamm-Lippstadt, der Umwelt-Campus Birkenfeld, die Hochschule
Osnabrück, die HAW Hamburg, die Hochschule Ruhr West, die Berner
Fachhochschule, die Hochschule Biberach, die Hochschule Trier, die
Technische Hochschule Ulm und viele andere beteiligt.

  • Aufrufe: 26

„Global Sourcing“ – mehr Schaden als Nutzen?

Prof. Dr. Dirk Hecht  THI
Prof. Dr. Dirk Hecht THI

Was nun passieren muss, um im Wettbewerb des globalen Liefernetzwerks
nicht als Verlierer dazustehen. Die Experten im Beschaffungsmanagement,
Dr. Dirk Hecht, Professor an der Technischen Hochschule Ingolstadt, und
Dr. Bernd Martens, langjähriger Beschaffungsvorstand der Audi AG, haben
dazu klare Forderungen.

Selten war das Beschaffungsmanagement so prominent in der Öffentlichkeit
wie in den vergangenen zwei Jahren. Eine Versorgungskrise jagt die
nächste. Die Halbleiterkrise führt unter anderem zu empfindlichen
Einbrüchen der deutschen Automobilindustrie, Fahrzeuge werden auf Halde
gebaut und - soweit möglich - später mit Chips ausgerüstet oder
vollständig aus dem Produktionsprogramm gestrichen. Kunden warten über ein
Jahr auf ein Neufahrzeug, vor allem betroffen sind Elektrofahrzeuge.

VW-Chef Herbert Diess sprach in einer Telefonkonferenz Ende Oktober von
rund 600.000 Autos, die wegen der fehlenden Halbleiter nicht gebaut werden
konnten. Der Einfluss auf das BIP, Steueraufkommen und Beschäftigung sind
verehrend. „Wie so oft ist keiner verantwortlich und viele sind
überrascht“, sagt Dirk Hecht, Professor für Beschaffungs-management an der
Technischen Hochschule Ingolstadt (THI).

Ist das alles auf Corona zurückzuführen?

Der Einkauf, genauer das strategische Beschaffungsmanagement, soll die
globale, bedarfsgerechte und wirtschaftliche Versorgung mit Waren für ein
Unternehmen sicherstellen. Die Bedeutung dieser Funktion werde deutlich,
wenn man bedenkt, dass in einigen Konzernen bis zu 70 Prozent des
Umsatzwerts von der Beschaffung verantwortet wird (im Schnitt laut BME in
den Jahren 2020 und 2021 in etwa 50%), so Prof. Dr. Dirk Hecht.

Viele Unternehmen haben die Rolle der Beschaffung erkannt und die
Verantwortung bis auf Geschäftsführungsebene beziehungsweise Vorstand
gehoben (zum Beispiel BMW, Audi oder Airbus). Studien zeigen, dass etwa 60
Prozent der Wertschöpfung in das globale Lieferantennetzwerk also ins
Ausland verlagert wird.

Prof. Dr. Dirk Hecht erklärt: „Vor dem Hintergrund der Öffnung der Märkte
in Osteuropa und der sich entwickelnden Globalisierung zu Beginn der
1990er Jahre nahm die Bedeutung von Global Sourcing ständig zu.
Dominierten zunächst ausschließlich Aspekte zur Kostensenkung die
Beschaffung, ist im Zeitverlauf zu erkennen, dass der Auf- und Ausbau
globaler Supply Chains die Ausrichtung der Unternehmen für bestimmte
Beschaffungsmärkte determinieren. In der Folge wird Global Sourcing nicht
mehr ausschließlich für die Beschaffung in Niedriglohnländern verstanden,
vielmehr gilt dieses Konzept als strategischer Ansatz zur Entwicklung
eines Unternehmens. Unter dem Begriff „Global Sourcing“ kann also die
Kombination von strategischer Ausrichtung und internationaler
Betrachtungsweise verstanden werden. Dazu gehören unter anderem die
strukturierte Analyse und Bewertung weltweiter Beschaffungsmärkte, das
rechtzeitige Erkennen von neuen Beschaffungsquellen, der strukturierte
Aufbau neuer internationaler Lieferanten, die systematische Kostenanalyse
und das präventive Risikomanagement.“

Leider würden diese Ansätze nicht flächendeckend verfolgt und die
Globalisierung auf „Hauptsache billig in China eingekauft“ reduziert:
„Bereits ab 2009 mussten deutsche Firmen erfahren, was passiert, wenn man
die eigenen Lieferketten nicht kontrolliert und ein Land uns eine
Lehrstunde im Verdrängungswettbewerb erteilt. China hat sich zunächst mit
Hilfe von Dumping Angeboten über Nacht ein Monopol in der Gewinnung der
seltenen Erden erarbeitet. Die Preise der für Hochleistungsmagneten
benötigen selten Erden Neodym und Dysprosium verdreißigfachten(!) sich im
Zeitraum 2009 bis 2011. Deutsche Unternehmen sahen sich gezwungen, in
Vorkasse zu gehen, um überhaupt noch Lieferungen zu erhalten.“

Eine höchst gefährliche Situation

China verfolgt stringent mit Fünf-Jahresplänen Kerntechnologien und setzt
diese auch äußerst effizient um. Der Markt der Halbleiter und
Leiterplatten wird von China beherrscht. Der seit 2020 anhaltende Mangel
im Hableitersektor war eigentlich absehbar, wurde durch COVID zwar
katalysiert aber nicht unbedingt ausschließlich durch das Virus
verursacht, ist sich Prof. Dr. Dirk Hecht sicher.

Und der nächste Engpass zeichnet sich ab: Magnesium

Mit einem Anteil von 87 Prozent an der Produktion hat China ein nahezu
vollständiges Monopol auf die weltweite Magnesiumproduktion. Etwa 45
Prozent aller chinesischen Ausfuhren sind für Europa bestimmt. Deutschland
und Europa sind auch deshalb besonders stark von den Lieferengpässen
betroffen, da im Jahr 2001 die verbliebene Magnesiumproduktion als Folge
von gedumpten chinesischen Einfuhren aufgegeben wurde. „Die Folge ist,
dass die chinesischen Ausfuhren heute 95 Prozent des Magnesiumbedarfs in
Europa decken und damit eine fast vollständige Abhängigkeit besteht“, sagt
der Experte. Magnesium steht seit 2017 auf der Liste der kritischen
Rohstoffe der EU. Die Europäische Kommission hat dies in ihrer Mitteilung
zur „Widerstandsfähigkeit der EU bei kritischen Rohstoffen: Einen Pfad hin
zu größerer Sicherheit und Nachhaltigkeit abstecken“ im September 2020
nochmals bekräftigt. Politisch-strategische Überlegungen und Maßnahmen zur
Sicherstellung des Lieferflusses blieben bislang jedoch aus. Die starke
Verknappung von Magnesium führt bereits zu Rekordpreisen, erzeugt
weltweite Verzerrungen am Markt und kündigt enorme Störungen in der
Lieferkette an.

Gleichzeitig müssen deutsche Firmen sich auf das neue Lieferkettengesetz
ab 2023 (genauer: Das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten
in Lieferketten) vorbereiten. Dieses verlangt von Beschaffern, die
Elemente der Nachhaltigkeit der bekannten Tripel Bottom Line aus Ökonomie,
Sozialem und Ökologie in der Lieferkette zu verantworten. Sollte es zu
Menschenrechtsverletzungen in einer Lieferstufe kommen, so kann zum
Beispiel ein deutscher OEM zur Verantwortung gezogen werden, erklärt der
THI-Professor. Es handelt sich um eine Herkulesaufgabe, da nur wenige der
zunächst betroffenen Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeiter aktuell
eine umfassende Transparenz der komplexen Lieferketten darstellen können.
Die Strafen können dabei durchaus empfindlich werden, es werden Werte von
0,35 bis 2 Prozent vom Umsatz (nicht Gewinn!) diskutiert. Ob Deutschland
trotz des sicherlich gut gemeinten Vorstoßes nicht über das Ziel
hinausschießt und den deutschen Unternehmen einen deutlichen
Wettbewerbsnachteil beschert, bleibt abzuwarten.

Was konkret gilt es also zu tun?

„Wir brauchen mehr Strategen“, so Prof. Dr. Günter Hofbauer, Professor der
THI für strategische Beschaffung, im Hinblick auf die aktuellen Probleme.
Die Entscheider müssen lernen, in komplexen Szenarien zu denken und
zielsicher den optimalen Handlungspfad zu identifizieren. Eindimensionales
Denken und lineare Extrapolation sind in einer VUKA Welt längst überholt,
vielmehr muss in mehrdimensionalen Entscheidungsräumen geplant werden und
dabei ist die Antizipationsfähigkeit die wichtigste Managementkompetenz.
Das neue Schlagwort Resilienz beschreibt die Widerstandskraft einer
Lieferkette sich externen Störfaktoren zu widersetzen, beziehungsweise
sich neu ausrichten zu können. „Wenn wir diese Resilienz im globalen
Umfeld nicht beherrschen und die Versorgung mit Rohmaterialen und
Vorprodukten nicht mehr sicherstellen können, laufen
Beschaffungsorganisationen Gefahr, den Wirtschaftsmotor der EU ins Stocken
zu bringen“, sagt Dr. Bernd Martens, langjähriger Beschaffungsvorstand der
Audi AG.
Neue Technologien wie RPA, Blockchain oder Digital Twins können eine
Erleichterung schaffen, aber vor der Digitalisierung müssen die Strategie
und den Prozess angepasst werden.

Die Funktion des Beschaffers ist hochgradig professionalisiert. Analog der
Voraussetzungen für Entwicklungs- und Produktionsabteilungen ist eine
stringente Ausbildung für die Einkäufer der Zukunft zwingen erforderlich.
Hochschulen wie die TH Ingolstadt gehen hierbei mit dezidierten Master-
und Bachelorprogrammen im süddeutschen Raum voran.

„Das Sourcing auf globalen Märkten muss neu ausgerichtet und um
wesentliche Entscheidungskriterien erweitert werden“, sagt Dr. Bernd
Martens. So reichen die aktuellen Kriterien, die sich maßgeblich nach den
Kosten richten nicht mehr aus. Die ESG Kriterien, so wie sie zum Beispiel
in den Nachhaltigkeitsanforderungen in der automobilen Lieferkette und im
VDA-Auditprogramm niedergelegt sind, müssen lückenlos erfüllt werden. Die
CO2-Emissionen in der Lieferkette müssen berücksichtigt und mit einem
CO2-Preis pro Tonne in die Total Cost of Ownership Betrachtung
miteinbezogen werden. Nur so kann der CO2-Footprint systematisch gesenkt
werden. Dabei müssen auch neue Verfahren zur umweltschonenderen
Herstellung von Rohmaterialien gefördert und implementiert werden.

Jedes Unternehmen muss ein Screening hinsichtlich des Risikos einer
Versorgungsunterbrechung bei den von ihnen benötigten Materialien und
Baugruppen durchführen und die Risiken auch benennen. Gerade bei Risiken
aus Monopolen, oder aus Abhängigkeit von bestimmten Regionen ist die
Schaffung weiterer Quellen unabdingbar, auch wenn dies zu kurzfristiger
Erhöhung der Einkaufspreise führt. „Das aktuelle Beispiel der
Versorgungsengpässe und Rekordpreise beim Magnesium oder auch vor ein paar
Jahren bei den seltenen Erden zeigen wie die bisherige Vorgehensweise in
eine Sackgasse führt“, führt Dr. Bernd Martens aus. Die strategische
Beschaffung bekomme dabei einen neuen Stellenwert; sie werde zum Visionär
für die zukünftigen, nachhaltigen und robusten Lieferketten.

Auch die Vernachlässigung der deutschen und europäischen Industriepolitik
in die Produktion von notwendigen Rohmaterialien und Kerntechnologien wie
zum Beispiel Batterien, Halbleiter und Telekomunikation zu investieren,
hat eine bedenkliche Abhängigkeit von anderen geschaffen, sind sich die
Experten sicher. Gemeinsam mit den Industrieverbänden, den Unternehmen und
den Wirtschaftsministern der europäischen Länder unter Koordination der
europäischen Kommission ist ein Executive Plan zu erarbeiten, der die
erneute Verfügbarkeit der Critical Raw Materials (CRM) gewährleistet
(siehe auch: Study on the EU's list of Critical Raw Materials 2020) und
die Investitionen auf die notwendigen Kerntechnologien lenkt.

Prof. Dr. Dirk Hecht ist Studienfachberater und Studiengangleiter des
Masters „Technisches Beschaffungsmanagement“ an der THI:
https://www.thi.de/studium/studienangebote/details/technisches-
beschaffungsmanagement-meng

  • Aufrufe: 82

Digitale Hilfe bei Essstörungen

Das Projektteam an der Hochschule Landshut (Anna Hofer, Prof. Dr. Eva Wunderer, Cäcilia Hasenöhrl; v.l.) will die digitalen Beratungsangebote professionalisieren.  Veronika Barnerßoi  Hochschule Landshut
Das Projektteam an der Hochschule Landshut (Anna Hofer, Prof. Dr. Eva Wunderer, Cäcilia Hasenöhrl; v.l.) will die digitalen Beratungsangebote professionalisieren. Veronika Barnerßoi Hochschule Landshut

Die Hochschule Landshut erforscht bundesweit das digitale Beratungsangebot
im Bereich Essstörungen und will Fachkräfte und Betroffene mithilfe von
Leitlinien unterstützen

Essstörungen haben im Rahmen der COVID-19-Pandemie zugenommen. Wer bereits
an einer Essstörung leidet, berichtet zudem häufig von einer Verstärkung
der Symptomatik. Gleichzeitig waren und sind Hilfsangebote in Präsenz
vielfach nur eingeschränkt möglich. Online-Beratungen können diese Lücken
ein Stück weit schließen, weshalb viele Beratungsstellen ihr digitales
Angebot deutlich ausgeweitet haben. Dies geschah jedoch nicht selten mit
knappen zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen, für
Vernetzung und Austausch blieb wenig Zeit. Das Projekt DigiBEssst an der
Hochschule Landshut will die digitalen Beratungsangebote im
Essstörungsbereich nun systematisch untersuchen und Leitlinien für
Betroffene und Fachkräfte entwickeln. Das zweijährige Kooperationsprojekt
zwischen der Hochschule Landshut, unter Leitung von Prof. Dr. Eva
Wunderer, und dem Bundesfachverband Essstörungen BFE e.V. wird vom
Bundesministerium für Gesundheit mit einer Gesamtsumme von ca. 250.000
Euro finanziert.

Digitale Angebote immer wichtiger

Professionelle Beratungsstellen sind oftmals die ersten Ansprechpartner
für Kinder und Jugendliche, die an Essstörungen erkrankt sind, sowie für
ihre Angehörigen. „Allerdings ist das Angebot dieser Stellen in
Deutschland bis jetzt kaum erforscht“, berichtet Prof. Wunderer. Die
Psychologin, Systemische Paar- und Familientherapeutin und Professorin an
der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Landshut forscht seit Jahren
zum Thema Essstörungen. Hinzu komme, dass es bis vor wenigen Jahren wenig
digitale Beratungsangebote gab. „Jetzt im Zuge der COVID-19-Pandemie wird
die Relevanz von E-Mail-, Chat- und Videoberatung besonders deutlich“, so
die Professorin, „zumal Essstörungen besonders häufig bei Jugendlichen und
jungen Erwachsenen auftreten, für die Online-Aktivitäten eine wesentliche
Lebenswelt darstellen.“

Bundesweite Erhebung

Zum Projektteam an der Hochschule Landshut gehören auch Anna Hofer und
Cäcilia Hasenöhrl. Anna Hofer absolvierte ihren Master in Klinischer
Sozialarbeit an der Hochschule Landshut und betreut das Projekt
federführend als wissenschaftliche Mitarbeiterin, Cäcilia Hasenöhrl
schloss gerade ihren Bachelor in Sozialer Arbeit in Landshut ab. „Mit
Unterstützung des BFE und der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung) interviewen wir bundesweit und flächendeckend möglichst viele
Beratungsstellen und befragen sie über ihre bisherigen Erfahrungen mit
digitalen Angeboten: Was haben sie bereits ausprobiert? Was funktioniert
gut? Wo gibt es Probleme?“, beschreibt Anna Hofer das Forschungsdesign.
Gleichzeitig sprechen die Wissenschaftlerinnen mit Jugendlichen und
Erwachsenen, die an Essstörungen erkrankt sind, und ihren Angehörigen und
fragen nach ihren Bedarfen: Welche Angebote nutzen sie am liebsten? Was
hilft ihnen weiter? Was wünschen sie sich von den Beratungsstellen?

Leitlinien aus der Praxis für die Praxis

Aus dieser Evaluierung leitet das Forschungsteam schließlich Best Practice
ab und entwickelt Qualitätsleitlinien für eine professionelle, digitale
Beratung. „Damit wollen wir den Fachkräften Material an die Hand geben,
das ihnen bei ihrer täglichen Arbeit weiterhilft“, berichtet Anna Hofer.
Cäcilia Hasenöhrl ergänzt: „Wenn es Leitlinien für Beratungsstellen zum
Thema Online-Beratung gibt, dann befassen sie sich bisher eher mit
allgemeinen Themen wie Datenschutz, aber wenig mit spezifischen für die
Essstörungshilfe relevanten Themen.“ Das Team hofft, dass sich die Online-
Beratung dadurch weiter professionalisiert und Netzwerke geknüpft werden.
„Am Ende könnte dies allen Beteiligten helfen: Den Fachkräften, den
Betroffenen und ihren Angehörigen“, so Prof. Wunderer.

Über das Projekt

Das Projekt „DigiBEssst“ – Digitale Beratungsangebote professioneller
Beratungsstellen für Essstörungen: Partizipative Bestandsaufnahme,
Evaluation und Entwicklung von Qualitätsleitlinien“  läuft noch bis
November 2023. Die Gesamtprojektleitung übernimmt Prof. Dr. Eva Wunderer
von der Hochschule Landshut. Projektpartner ist der Bundesfachverband
Essstörungen BFE e.V. Das Bundesministerium für Gesundheit finanziert das
Vorhaben mit insgesamt etwa 250.000 Euro.

  • Aufrufe: 40

Machen Ausdauer und Entspannung auch Gehirn und Darm fit?

Ein UKJ-Forschungsteam sucht ältere Studienpersonen für seine Studie zu den Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Entspannung auf die Hirnfunktionen, das Immunsystem und die Darmgesundheit.  Simon Schrenk  Universitätsklinikum Jena
Ein UKJ-Forschungsteam sucht ältere Studienpersonen für seine Studie zu den Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Entspannung auf die Hirnfunktionen, das Immunsystem und die Darmgesundheit. Simon Schrenk Universitätsklinikum Jena

Ein Forschungsteam am Universitätsklinikum Jena sucht gesunde ältere
Personen für eine kontrollierte Studie, in der die Auswirkungen von
körperlicher Aktivität und Entspannung auf die Hirnfunktionen, das
Immunsystem und die Darmgesundheit untersucht werden. Die Studie ist Teil
eines internationalen Forschungsnetzwerkes, das den Einfluss der Darmflora
auf Alterungsprozesse im Hirn untersucht.

Physische Bewegung und gezielte Entspannung wirken sich positiv auf das
körperliche und geistige Befinden aus, das ist bekannt. Aber lässt sich
dieser Effekt auch anhand von Hirnbildgebung und Laborwerten messen? Und
was wirkt mehr – Aktivität oder Entspannung? Dieser Frage geht Simon
Schrenk an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Jena nach
und startet dafür im Rahmen des Forschungsnetzwerkes SmartAge eine
prospektive kontrollierte Studie. Mit Förderung der EU erforscht der
Psychologe gemeinsam mit 14 Nachwuchswissenschaftlern aus 10 Ländern,
welche Rolle das Darm-Mikrobiom bei altersbedingten Änderungen von
Hirnfunktionen spielt. Die Mikroben im Darm sind nicht nur wichtig für die
Verdauung, mit ihren Stoffwechselprodukten moderieren sie auch
Immunprozesse oder beeinflussen die Leistungsfähigkeit des Gehirns. In
seinem Projekt untersucht Simon Schrenk, ob sich Maßnahmen, die auf die
Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen abzielen, auch
auf Immunsystem und Darmflora auswirken.

An der Studie sollen insgesamt 100 Personen im Alter von 60 bis 75 Jahren
teilnehmen. „Sie sollten nicht an Herz-Kreislauf-, neurologischen oder
psychiatrischen Erkrankungen leiden, gegen COVID-19-geimpft sein und
Zugriff auf ein Smartphone haben“, zählt Simon Schrenk die Voraussetzungen
auf. Die Eingangstests bestehen aus einer MRT-Messung, kognitiven
Untersuchungen wie Aufmerksamkeits- und Gedächtnistests sowie Blut- und
Stuhlanalysen. Für das achtwöchige Studienprogramm werden die
Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt: Die eine
absolviert ein Programm, das auf körperliche Aktivität und
Ausdauertraining setzt, für die zweite Gruppe sind Entspannungsübungen
bestimmt. Die jeweiligen Übungen absolvieren die Studienpersonen zu Hause
nach einer Online-Anleitung, dabei dient eine Pulsuhr der Aufzeichnung von
Trainingsparametern.

Im Anschluss erfolgen erneut MRT-Untersuchung, kognitives Tests und
Laboranalysen, um die Daten mit den Ergebnissen der Eingangstest zu
vergleichen. Simon Schrenk: „Wir suchen nach einem Effekt der Übungen auf
das biologische Hirnalter, Immun- und Entzündungsmarker und die
Darmgesundheit, um mehr über das Zusammenspiel von Darmmikrobiom und
kognitiver Leistungsfähigkeit im Alter zu lernen.“ An der Studie
Interessierte können sich bei ihm unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder
Telefon 03641/9396666 melden. Neben dem ideellen Mehrwert, einen Beitrag
zur Alternsforschung zu leisten und dem umfassenden Screening im Rahmen
der Untersuchungen erhalten die Teilnehmenden die in der Studie genutzte
Pulsuhr.

  • Aufrufe: 25