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Große Ausstellung zur Bronzezeit in Alicante mit archäologischen Schätzen aus dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

Die Goldfunde aus dem Fürstengrab von Leubingen und die Funddokumentation aus dem Jahr 1877.  Juraj Lipták
Die Goldfunde aus dem Fürstengrab von Leubingen und die Funddokumentation aus dem Jahr 1877. Juraj Lipták

Das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) präsentiert nicht nur
selbst regelmäßig Ausstellungen mit hochkarätigen Leihgaben wie aktuell
die Schau ›Magie – Das Schicksal zwingen‹. Objekte aus der Sammlung des
Landesmuseums sind auch im Ausland gefragt – kaum eine Ausstellung zur
europäischen Bronzezeit kommt ohne Funde aus Sachsen-Anhalt aus. Am 26.
März 2024 startet nun im Museo Arqueológico Provincial de Alicante (MARQ)
in Spanien die bislang größte Ausstellung zur Frühbronzezeit auf der
iberischen Halbinsel – mit zahlreichen Leihgaben aus Halle und unter reger
Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Landesamtes
für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Die Bronzezeit – eine internationale Epoche

Die Bronzezeit ist die erste internationale Epoche der europäischen
Vorgeschichte. Während Kupfer vielerorts zu finden war, ist Zinn als
weiterer Bestandteil von Bronze nur in wenigen Regionen Europas vorhanden.
Der Bedarf an Rohstoffen führte ab der Frühbronzezeit zur Etablierung
überregionaler Handelsnetzwerke. Die Kontrolle über Erzlagerstätten, über
andere begehrte Materialien und die Transportwege waren wichtige Faktoren
bei der Herausbildung von gesellschaftlicher Ungleichheit, Herrschaft und
Krieg. Nicht zuletzt wird in dieser Epoche das Schwert erfunden, eine
Waffe, die ausschließlich dem Töten von Menschen dient.

In Mitteleuropa ist die Frühbronzezeit die Zeit der Aunjetitzer Kultur, zu
der die reich ausgestatteten monumentalen Fürstengrabhügel von Leubingen
und Helmsdorf sowie der in den letzten Jahren intensiv untersuchte
Bornhöck gehören. Die Himmelsscheibe von Nebra, die astronomisches Wissen
codiert, das zur Erstellung von Kalendern genutzt werden konnte,
kennzeichnet die Fürsten der Aunjetitzer Kultur als mächtige Herren über
die Zeit. Gesichert wurde ihre Macht von Armeen, deren Waffenausstattung
sich in den großen Beilhortfunden der Frühbronzezeit wiederfindet.

Zeitgleich entstehen mit der El Argar-Kultur auf der iberischen Halbinsel
und der Otomani-Füzesabony-Kultur des Karpatenbeckens weitere frühe
Herrschaftszentren. Diesen Phänomenen, ihren Verbindungen und spezifischen
Ausprägungen, widmet sich vom 26. März bis 13. Oktober 2024 in europäisch-
vergleichender Perspektive die Ausstellung ›Dinastías. Los primeros reinos
de la Europa prehistórica‹ (Dynastien. Die ersten Königreiche im
vorgeschichtlichen Europa) im Museo Arqueológico Provincial de Alicante
(MARQ) Alicante, Spanien, die in enger Kooperation mit dem Landesmuseum
für Vorgeschichte entstand. Zahlreiche hochkarätige Funde aus
Mitteldeutschland werden damit nach den letzten großen Schauen am British
Museum in London und dem Drents Museum Assen erneut ein internationales
Publikum begeistern. Auch an der umfangreichen wissenschaftlichen
Begleitpublikation zur Ausstellung waren Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-
Anhalt maßgeblich beteiligt.

Ein Schwert aus dem Hort der Himmelsscheibe von Nebra als Highlight

Das Highlight unter den Leihgaben ist eines der Schwerter aus dem Hort mit
der Himmelsscheibe von Nebra. Seit die Himmelsscheibe 2002 erstmals im
Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) präsentiert wurde, ist sie
nicht nur zum Aushängeschild des Landesmuseums, sondern auch zu einer
unverwechselbaren kulturellen Leitmarke des Landes Sachsen-Anhalt und zu
einem Wahrzeichen der Archäologie ganz Deutschlands geworden. Im Jahr 2013
wurde sie mit der Aufnahme in das Memory of the World-Register der UNESCO
zudem in den Rang eines Weltdokumentenerbes erhoben. In Alicante werden
neben dem originalen Schwert auch eine Kopie der Himmelsscheibe und eine
Kopie des zweiten Schwerts des Hortfunds zu sehen sein.

Einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung bilden die Beigaben aus dem
Fürstengrab von Leubingen. Bereits im Jahr 1877 durch den Jenaer Professor
Friedrich Klopfleisch im Auftrag der Historischen Kommission der Provinz
Sachsen ausgegraben, stellt der in Thüringen gelegene Großgrabhügel eines
der beeindrucktesten Bestattungsensembles der mitteleuropäischen
Frühbronzezeit dar. Im Hügel befand sich unter einer mächtigen
Steinschüttung von 2,5 m Dicke eine zeltförmige Totenhütte aus
Eichenbalken. Auf dem sorgfältig mit Steinen und Holzdielen ausgelegten
Boden war ein älterer Mann in gestreckter Rückenlage beigesetzt worden.
Das Grabinventar bestand aus einem großen Keramikgefäß, einem
neolithischen Schuhleistenkeil aus Serpentin, einem Ambossstein, drei
Dolchen, einem Stabdolch, zwei Beilen und drei Meißeln aus Bronze sowie
Goldschmuck: zwei Ösenkopfnadeln, zwei Noppenringe, ein Spiralröllchen und
ein Armring. Diese Funde sind nun, neben weiteren Leihgaben, in Alicante
zu sehen.

Das Landesmuseum für Vorgeschichte – Botschafter Sachsen-Anhalts in der
Welt

Das Landesmuseum für Vorgeschichte hat sich durch seine herausragenden
Fundobjekte, seine aufwendig inszenierten Ausstellungsprojekte und nicht
zuletzt sein Engagement im nationalen und internationalen Austausch mit
Kollegen großes Renommee erworben. Dies zeigt sich unmittelbar in dem
großen Vertrauen, das andere Institutionen bei der Ausleihe wertvollen und
einzigartigen Fundguts in das Landesmuseum setzen. Zuletzt begeisterten
etwa zwischen dem 4. Juni 2021 und dem 9. Januar 2022 im Rahmen der
Landesausstellung ›Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte‹
400 hochrangige, teilweise noch nie in Deutschland gezeigte Exponate und
Exponatgruppen von 50 Leihgebern aus 14 Ländern 60.000 Besucher in Halle.
Auch in der aktuellen Sonderausstellung ›Magie – Das Schicksal zwingen‹
finden sich hochkarätige Leihgaben von 44 Institutionen aus sieben Ländern
(weitere Informationen unter https://www.landesmuseum-
vorgeschichte.de/sonderausstellungen/magie-das-schicksal-zwingen.html).

Ebenso gefragt sind die Exponate des Landesmuseums aber auch immer wieder
bei großen Ausstellungsprojekten im In- und Ausland. Gerade zur
europäischen Bronzezeit gab es in den letzten Jahrzehnten keine große
Schau, die ohne Leihgaben aus Sachsen-Anhalt ausgekommen wäre. So lockte
die Londoner Ausstellung ›The world of Stonehenge‹ (17. Februar 2022 - 17.
Juli 2022) mit der Himmelsscheibe von Nebra und weiteren hochkarätigen
Funden des Landesmuseums wie dem Ornat der Schamanin von Bad Dürrenberg
mehr als eine Viertelmillion Besucher in das British Museum in London. Das
Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) ist damit ein wichtiges
kulturelles Aushängeschild Sachsen-Anhalts in der Welt.

Mit dem MARQ Alicante ist das Landesmuseum bereits seit vielen Jahren
durch das European Exhibition Network (EEN,
www.europeanexhibitionnetwork.eu) verbunden, dem insgesamt zehn größere
europäische Museen aus Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Wales,
Dänemark, Österreich, Liechtenstein und Belgien angehören, die
internationale Kooperationen zur Förderung eines tieferen Verständnisses
und gemeinsamer Wertschätzung vergangener und heutiger Kulturen in
Ausstellungen zu Archäologie, Kunst und Geschichte anstreben. Die
gegenseitige Unterstützung bei großen Wechselausstellungen in den
jeweiligen Häusern unterstreicht diesen Anspruch.

Weitere Informationen zur Ausstellung in Alicante bietet die Website des
MARQ: https://www.marqalicante.com/dinastias/

Weitere Informationen zur Himmelsscheibe von Nebra, dem Fürstengrab von
Leubingen und der Aunjetitzer Kultur bieten das eMuseum Himmelswege
(https://www.emuseum-himmelswege.de/) und das umfangreiche Filmprogramm
des Landesmuseums auf YouTube unter
www.youtube.com/c/LandesmuseumfürVorgeschichteHalle oder auf der Website
des Landesmuseums (https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/).

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Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2024: Gegenwind aus In- und Ausland: Institute revidieren Prognose deutlich nach unten

Eckdaten der Prognose für Deutschland
Eckdaten der Prognose für Deutschland

Die Wirtschaft in Deutschland ist aus Sicht der fünf führenden
Wirtschaftsforschungsinstitute angeschlagen. In ihrem Frühjahrsgutachten
revidieren sie ihre Prognose für das laufende Jahr deutlich nach unten und
erwarten nun nur noch einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 0,1
Prozent. Im Herbstgutachten standen noch 1,3 Prozent in Aussicht. Für das
kommende Jahr belassen sie die Prognose mit plus 1,4 Prozent nahezu
unverändert (bislang 1,5 Prozent). Die Wirtschaftsleistung fällt dann aber
infolge der verzögerten Erholung um über 30 Mrd. Euro niedriger aus.

Laut Gutachten geht eine bis zuletzt zähe konjunkturelle Schwächephase mit
schwindenden Wachstumskräften einher. In der lahmenden
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung überlagern sich konjunkturelle und
strukturelle Faktoren. Zwar dürfte ab dem Frühjahr eine Erholung
einsetzen, die Dynamik wird aber insgesamt nicht allzu groß ausfallen.

„Im bisherigen Dreiklang aus lahmender Konjunktur, lähmender Politik und
leidendem Wachstum ändert sich nur die konjunkturelle Tonlage von Moll auf
Dur“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef am Kiel Institut für
Weltwirtschaft (IfW Kiel).

Im laufenden Jahr avanciert der private Konsum zur wichtigsten Triebkraft
für die Konjunktur, im kommenden Jahr dann vermehrt auch das
Auslandsgeschäft.

Derzeit bewegt sich die Wirtschaftsleistung auf einem Niveau, das kaum
über dem vor der Pandemie liegt. Seitdem tritt die Produktivität in
Deutschland auf der Stelle. Außen- und binnenwirtschaftlich gab es zuletzt
mehr Gegen- als Rückenwind.

Der private Konsum zog später und weniger dynamisch an als bislang von der
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose erwartet. Die deutschen Ausfuhren
gingen trotz steigender weltwirtschaftlicher Aktivität zurück, vor allem,
weil die Nachfrage nach den für Deutschland bedeutsamen Investitions- und
Vorleistungsgütern schwach war und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit bei
energieintensiven Gütern litt.

Fortwährende Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik belastet die
Unternehmensinvestitionen, die sich trotz der erwarteten Belebung im
kommenden Jahr dann auf dem Niveau des Jahres 2017 bewegen dürften.

Die Effektivverdienste werden in den Jahren 2024 und 2025 voraussichtlich
um 4,6 bzw. 3,4 Prozent zulegen. Damit nehmen die Reallöhne über den
gesamten Prognosezeitraum zu und holen die Verluste aus dem Jahr 2022 und
dem ersten Halbjahr 2023 langsam wieder auf. Das Niveau von Ende 2021 –
also vor dem drastischen Inflationsschub – wird aber voraussichtlich erst
im zweiten Quartal 2025 erreicht.

Insgesamt erwarten die Institute einen Anstieg der Verbraucherpreise um
2,3 Prozent im laufenden und um 1,8 Prozent im kommenden Jahr. Bereinigt
um den dämpfenden Effekt der Energiepreise ergeben sich
Kerninflationsraten von 2,8 (2024) und 2,3 Prozent (2025).

Ein robuster Arbeitsmarkt stützt die konsumbezogenen Auftriebskräfte. Die
realen Lohnstückkosten nehmen im Zuge der Lohnsteigerungen zwar wieder
deutlich zu, bleiben aber beschäftigungsfreundlich.

Die Arbeitslosigkeit dürfte nur noch geringfügig steigen und bereits ab
dem Frühjahr wieder sinken. Auf Jahressicht prognostizieren die Institute
Arbeitslosenquoten von 5,8 (2024) und 5,5 Prozent (2025).

Die Fehlbeträge im gesamtstaatlichen Haushalt gehen in Relation zur
Wirtschaftsleistung von 2,1 Prozent im Vorjahr auf 1,6 (2024) und 1,2
Prozent (2025) zurück. Die Einnahmenquote der öffentlichen Hand erreicht
in den beiden Prognosejahren mit 47,5 und 48,4 Prozent jeweils
gesamtdeutsche Rekordwerte.

Wirtschaftspolitisch empfehlen die Institute eine behutsame Reform der
Schuldenbremse basierend auf dem Vorschlag der Deutschen Bundesbank, der
mehr schuldenfinanzierte Investitionen als bislang zulässt. Zudem regen
sie an, die Defizitbegrenzung nach einem Ziehen der Ausnahmeklausel nicht
mehr abrupt, sondern stufenweise wieder scharf zu stellen.

Wichtiger sei aber eine Neugestaltung der staatlichen Finanzverfassung, um
kommunale Investitionstätigkeit – gut 40 Prozent der gesamten öffentlichen
Investitionen – besser von konjunkturell bedingten Haushaltsnöten
abzuschirmen.

Langfassung des Gutachtens

Die Langfassung des Gutachtens ist am 27. März 2024 ab 10:00 Uhr unter
https://gemeinschaftsdiagnose.de/category/gutachten/ abrufbar.

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Junge Chemikerin setzt sich für Nachhaltigkeit in der Industrie ein

Christian Bürger (von links), Dr. Özgül Agbaba und Marc Meyer gehören zum Team von
Christian Bürger (von links), Dr. Özgül Agbaba und Marc Meyer gehören zum Team von "MechSyn". Özgül Agbaba MPI für Kohlenforschung

Die Chemikerin Dr. Özgül Agbaba ist mit ihrem Start-up „MechSyn“ auf
Erfolgskurs. Geschäftsidee ist die Implementierung von Mechanochemie in
industriellen Prozessen. Özgül Agbaba hat kürzlich mehr als 1,26 Millionen
Euro Fördermittel für ihr junges Unternehmen eingeworben. Nun geht es für
das Team in die nächste spannende Phase.

Dr. Özgül Agbaba hat mit ihrem Start-up Unternehmen, das sie gemeinsam mit
Kolleginnen und Kollegen aus dem MPI für Kohlenforschung an den Start
gebracht hat, erfolgreich Fördermittel beim Exist-
Forschungstransferprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums in Höhe von
mehr als 1,26 Million Euro eingeworben. Nun beginnt für das noch junge
„MechSyn“-Team die nächste, spannende Phase.

„MechSyn“ beschäftigt sich mit Mechanochemie, also Chemie beispielsweise
aus der Kugelmühle. Dabei werden feste Ausgangsstoffe in solch eine Mühle
gefüllt, die dann zu rotieren oder sich zu schütteln beginnt. Weitere
Reagenzien können dem Behältnis dann gasförmig zugeführt werden. Und dann
passiert mithilfe der Kugeln das Besondere: Reaktionen, für die man
normalerweise hohe Temperaturen und hohen Druck benötigt, laufen bei
Raumtemperatur und normalem Druck ab. Dieser Ansatz ist wissenschaftlich
spannend und aus wirtschaftlichen Gründen interessant. Denn geringere
Temperaturen bedeuten geringere Kosten und den Verzicht auf fossile
Rohstoffe.

„Wir haben unsere Studien zur Maßstabsvergrößerung im Labor fortgesetzt,
verschiedene Maschinen für diesen Zweck getestet und uns auf verschiedenen
Messen und Workshops vernetzt“, erklärt die junge Wissenschaftlerin Özgül
Agbaba. Nun arbeitet das Team daran, das Materialportfolio auf die für die
Industrie relevanten Mengen zu erweitern und Anwendungen sowie Abnehmer
für diese Materialien zu finden. „Wir wollen die derzeitigen sehr
energieintensiven Prozesse in Angriff nehmen und sie in nachhaltigere und
umweltfreundlichere umwandeln“, sagt Agbaba.

Präsenz in den Medien und Kontakt zur Industrie
Seit der Bewerbung um die Fördermittel wurde bereits in Zeitungen und
sozialen Medien über MechSyn berichtet. Agbaba berichtet, dass sich schon
mehrere Menschen gemeldet hätten, die Interesse an dem Projekt haben. „Der
Ansatz, den wir nutzen möchten, ist die Mechanochemie, und er hat bereits
das Interesse vieler wissenschaftlicher Gruppen geweckt.“ Sie ist
überzeugt, dass mit MechSyn „das Interesse auch in der Industrie zunehmen
wird“.

Während des Zeitraums der EXIST-Förderung wird das Team weiterhin am MPI
KOFO angesiedelt sein. „Wir werden jedoch bald einen Campus suchen, um die
Produktionsstätte einzurichten, vorzugsweise in der Nähe einer Universität
oder eines Instituts, wo wir Analyse- und Charakterisierungsgeräte
einsetzen und an verschiedenen Projekten mitarbeiten können“, erklärt
Agbaba. Alternativ sei man auch an der Anmietung eines stillgelegten
Fabrikgeländes interessiert, um diesen Ort wieder mit Leben zu erfüllen.
Darüber hinaus soll das Team noch um einen in der Mechanochemie erfahrenen
Forscher erweitert werden.

Für Özgül Agbaba persönlich ist das eine spannende Zeit, wie sie
berichtet: „Mich persönlich treibt der Wunsch an, einen möglichst großen
Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, und ich glaube, dass die Gründung
eines Spin-off-Unternehmens mir genau dafür eine Plattform bieten könnte.
“Sie habe lange darüber nachgedacht, ein Unternehmen zu gründen, in dem
die Stimme aller Mitwirkenden gehört und respektiert wird. „Ich werde mein
Bestes tun, um das Gründungsteam zu ermutigen, das Konzept der Demokratie
am Arbeitsplatz zu übernehmen, bei dem wir unsere Mitarbeiter befähigen,
sich aktiv an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.“

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Erstmalige Einblicke in den genetischen Flaschenhals der Schafhaltung in der Jungsteinzeit

Die genetische Vielfalt der Schafe nahm nicht wie bisher angenommen schon
in der Anfangszeit der Schafhaltung vor rund 10.000 Jahren im anatolischen
Verbreitungsgebiet des Wildschafes ab. Ein Forscherteam um SNSB- und LMU-
Archäozoologen Prof. Joris Peters zeigt, dass diese Vielfalt während der
ersten 1.000 Jahre menschlicher Einflussnahme auf Haltung und Zucht der
Schafe vergleichsweise hoch blieb und wohl erst im späteren Verlauf der
Jungsteinzeit signifikant zurückging. Die neue Studie erschien nun in der
Fachzeitschrift Science Advances.

Heutige Hausschafe in Eurasien gehören vorwiegend zu nur zwei vom
Muttertier vererbten, sogenannten genetischen Matri- oder auch
Mutterlinien. Frühere Forschungen gingen davon aus, dass die genetische
Vielfalt bereits in der Frühphase der Domestikation des Wildschafes rapide
abnahm. Die Untersuchung vollständiger Mitogenome aus dem frühen
Domestikationsort Asıklı Höyük in Zentralanatolien, der zwischen 10.300
und 9.300 Jahren besiedelt war, widerlegt diese Annahme: Trotz eines
Jahrtausends menschlicher Einflussnahme auf die Schafhaltung und -zucht
blieb die mitogenomische Diversität unverändert hoch, wobei fünf
Matrilinien nachgewiesen wurden, darunter eine bisher unbekannte Linie.
Die anhaltend hohe Vielfalt der Matrilinien, die in den 1.000 Jahren der
Schafhaltung beobachtet wurde, war für die Forscher unerwartet.

„In Aşıklı Höyük gab es sowohl Schafe, die von den Siedlungsbewohnern
gehalten, als auch solche, die gejagt wurden. Wir nehmen an, dass
gelegentlich die Schafherden bei Bedarf durch einheimische Wildschafe
ergänzt wurden, z.B. um Verluste durch Krankheiten oder Stress in
Gefangenschaft auszugleichen. Gut möglich, dass man Schafe auch weiträumig
ausgetauscht hat. Eine mögliche Parallele dazu findet sich beim Import
bestimmter Getreidepflanzen nach Zentralanatolien, die in Südostanatolien
heimisch sind“, interpretiert Prof. Peters die Ergebnisse der Studie.

Die verschiedenen Mutterlinien oder auch Haplogruppen kann man sich
vorstellen wie die Äste eines Stammbaums. Tiere, die einer bestimmten
Linie angehören, weisen vergleichsweise geringe Variationen in ihrem
mitochondrialen Erbgut auf, da sie von einer gemeinsamen Vorfahrin
abstammen. Heute überwiegt bei Schafen in Europa die Haplogruppe B und in
Ostasien die Haplogruppe A. Folglich nahm die mitogenomische Vielfalt
später im Domestizierungsprozess oder dann ab, als sich die Schafzucht
während des Neolithikums über ihre ursprüngliche Domestizierungsregion
hinaus ausbreitete - eine Frage, die bisher unbeantwortet blieb.

Um dieser Frage nachzugehen, untersuchte das internationale Forscherteam
um Prof. Joris Peters, Staatssammlung für Paläoanatomie (SNSB-SPM) und
Institut für Paläoanatomie (LMU München), Prof. Ivica Medugorac,
Populationsgenomik der Tiere, LMU München, und Prof. Dan Bradley,
Molecular Populations Genetics, Smurfit Institute for Genetics, Trinity
College Dublin, die matrilineare Zugehörigkeit und die phylogenetischen
Beziehungen von 629 modernen und historischen Schafen in ganz Eurasien.

Der Vergleich der Ergebnisse von Aşıklı Höyük mit altDNA-Signaturen in
archäologischen Schafsknochen aus späteren Siedlungen in Anatolien und den
umliegenden Regionen sowie in Europa und Mittelasien zeigt deutlich, dass
die mitogenomische Vielfalt im 9. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung
deutlich abnahm. Eine Folge davon ist die bereits erwähnte Dominanz der
Matrilinie B in Europa. "Wir können heute davon ausgehen, dass diese
Entwicklung auf einen so genannten "Flaschenhals" zurückzuführen ist.
Dieser trat später in der Jungsteinzeit auf, als sich die Schafzucht nach
der frühen Domestizierung der Art über die natürliche Verbreitung der
Wildschafe hinaus ausbreitete. Der Flaschenhals hängt wahrscheinlich mit
sogenannten Gründereffekten zusammen: Im Zuge der Ausbreitung der
Tierhaltung in Richtung Europa wurden nach und nach kleinere Herden aus
einer bereits stark reduzierten Schafpopulation entfernt", so Peters
weiter.

"Besonders faszinierend sind die Erkenntnisse, die durch die Integration
von genetischen und archäologischen Datensätzen gewonnen werden konnten.
Zusammen mit den zahlreichen anderen Mosaiksteinen, die Zooarchäologen,
Archäologen und Genetiker über Jahrzehnte hinweg gesammelt haben, ergibt
sich nun ein zunehmend kohärentes Bild menschlicher kultureller
Anpassungen seit der letzten Eiszeit. Studien wie diese zeigen, dass die
Domestizierung von Tieren nicht im Sinne eines generationenübergreifenden
Plans zu verstehen ist, sondern als ein Prozess des Zufalls und der
Notwendigkeit, der unsere jüngere Kulturgeschichte maßgeblich geprägt hat
und uns bis heute begleitet", ergänzt Prof. Ivica Medugorac.

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