Zum Hauptinhalt springen

Ein Tausendsassa wird Juniorprofessor für Translationale Medizin

Maik Luu (29), Sohn von Tan That und Thi Thu Ba Luu, die 1980 mit der Cap
Anamur von Vietnam nach Deutschland kamen, Hobbykoch, Musiker,
ehrenamtlicher Mitarbeiter im Deutschen Alpenverein und Tierheim,
Humanbiologe, der seinen Doktor im Fast-Track-Promotionsprogramm an der
Philipps-Universität in Marburg machte, hat heute die Ernennungsurkunde
zum Juniorprofessor für Translationale Medizin am Uniklinikum Würzburg
erhalten. Seine Eltern haben sich immer gewünscht, dass er zeigt, wie viel
man aus eigener Kraft erreichen könne, ohne dabei das Gefühl für
Dankbarkeit zu verlieren. Nun sei er an der Reihe, etwas zurückzugeben und
seinen Teil zur Gesellschaft beizutragen, sagt er.

Würzburg. „Gebt immer euer Bestes und seid dankbar, dass ihr euren Teil in
dieser Gesellschaft beitragen dürft!“ Die Worte ihrer Eltern haben Maik
Luu und seinen Bruder von klein auf begleitet. „Als Kind fehlte mir das
Verständnis dafür, wieso gute Noten wichtig sind. Doch irgendwann habe ich
begriffen, dass ich das alles tue, um mir selbst Türen zu öffnen“, blickt
Maik Luu zurück. Der 29-jährige Doktor der Humanbiologie hat gerade an der
Julius-Maximilians-Universität Würzburg über das WISNA-Programm eine
W1-Professur für Translationale Medizin erhalten, mit Tenure-Track* auf
eine W2-Professur.

Eltern kamen 1980 als „Boat People“ von Vietnam nach Deutschland

Seine Eltern könnten nicht stolzer sein. Mit der Motivation, ihren
zukünftigen Kindern Bildung und somit ein besseres Leben zu ermöglichen,
haben sie vor mehr als 40 Jahren als so genannte „Boat People“ ihre vom
Krieg gebeutelte Heimat Vietnam verlassen: Mutter Thi Thu Ba Nguyen-Luu
und Vater Tan That Luu kamen im Jahr 1980 mit der Cap Anamur nach
Deutschland und fassten in Eschweiler bei Aachen Fuß. In Maik Luus Augen
ist das, was seine Eltern auf sich genommen haben, eine viel größere
Leistung als seine Professur. „Ihr Mut, mit nichts als der Kleidung am
Leib ins Ungewisse aufzubrechen und sich in einem Land durchzuschlagen,
dessen Sprache und Kultur sie nicht kannten, könnte nicht größer gewesen
sein.“

Viel Unterstützung, aber auch Beschimpfungen

Sein akademischer Werdegang ist ein klassischer Aufstieg über den
Bildungsweg. Seine Eltern, beide ungelernt, hatten in Deutschland zunächst
Hilfsjobs, unter anderem als Erntehelfer. Dann bauten sie sich ein
asiatisches Restaurant und später eine Schneiderei auf. Unterstützung
bekamen sie von ihren Nachbarn, Heinz und Gisela Weber. „Die beiden haben
unsere Familie gewissermaßen adoptiert. Sie waren für uns wie Oma und Opa,
so bescheiden und unfassbar herzlich. Gisela nannten wir auch Mutter
Zwei“, schwärmt Maik Luu. Auf der anderen Seite gab es den Rassismus, den
auch er zu spüren bekam. „Man musste aufpassen, dass man nicht in der
Mülltonne landet oder einen Baseballschläger übergezogen bekommt“,
erinnert er sich. Schiefe Blicke und dumme Kommentare seien im
universitären Umfeld glücklicherweise seltener geworden. Aber hier und da
käme schon noch vor, dass man ihn für sein gutes Deutsch lobe oder bei
Veranstaltungen darauf aufmerksam mache, dass nur deutsch gesprochen
werde.

Als er in der Schule irgendwann reflektierte, dass es sich lohnen könnte,
sich anzustrengen und merkte, dass ihm einiges leichtfiel, wurde er immer
selbstbewusster. Nach dem ersten Halbjahr in der achten Klasse sprang er
in die neunte, später wurde er Stufensprecher. In dieser Funktion bat er
anlässlich des Abschieds des Abiturjahrgangs eine Verleihfirma höflich um
ein günstiges Angebot für eine Hüpfburg. Er erhielt nicht nur eine Absage,
sondern wurde regelrecht als Bittsteller beschimpft, dem wie alle
Studierenden eine Zukunft als Hartz-IV-Empfänger mit schlechtem Umgangston
und übler Zahlungsmoral vorausgesagt wurde. Über diese Geschichte, welche
damals bundesweit für Furore sorgte, kann Maik Luu heute nur schmunzeln.

Im Rahmen eines Fast-Track-Promotionsprogramms zum Doktor

Er entschloss sich nach dem Abitur für den Bachelor-Studiengang
Humanbiologie/ Biomedical Science an der Philipps-Universität in Marburg
mit dem Hauptfach Infektionsbiologie. Anschließend hat er anstelle des
Master-Studiums im Rahmen eines Fast-Track-Promotionsprogramms seinen
Doktor gemacht. Nur zwei Jahre und vier Monate später schloss der damals
25-Jährige die Promotion mit summa cum laude ab. In seiner Doktorarbeit
„Immunomodulatory effects of HDAC and proteasome inhibitors in
inflammation and carcinogenesis“ untersuchte er, wie das Immunsystem auf
unterschiedliche Bakterien der Darmflora und deren Stoffwechselprodukte
reagiert. Anschließend arbeitete er in Marburg weitere zwei Jahre als
Postdoc mit einem enormen Output an Publikationen. So wurden zum Beispiel
in der Fachzeitschrift Nature Communications zwei seiner Untersuchungen
zum Einfluss bestimmter Stoffwechselprodukte von Bakterien aus dem Darm
auf das Immunsystem veröffentlicht. Unter anderem konnte er zeigen, dass
das Mikrobiom die zytotoxische Aktivität von gentechnisch veränderten
Immunzellen steigern und damit die Effizienz von Tumortherapien positiv
beeinflussen kann.

In zahlreiche nationale und internationale Forschungsprojekte involviert

„Mein Dank gilt hier vor allem meinen Mentoren Alexander Visekruna und
Michael Hudecek. Mit Alexander habe ich sechs Jahre lang eng in Marburg
zusammengearbeitet. Er hat mich extrem gefördert und das wissenschaftliche
Arbeiten gelehrt“, bemerkt Maik Luu. „Wie der Zufall es will, bekommen wir
fast zeitgleich eine Professur, Alex in Marburg und ich in Würzburg.“ Denn
seit April 2021 arbeitet Luu als Senior-Postdoc im Bereich der
Tumorimmunologie am Universitätsklinikum Würzburg im Institut von Prof.
Dr. Michael Hudecek. Neben seinen eigenen Forschungsprojekten zum
Mikrobiom und der Entwicklung einer Mikrobiom-CAR-T-Zell-Therapie ist der
sympathische Naturwissenschaftler Maik Luu in verschiedene Verbundprojekte
involviert. Er ist wissenschaftlicher Projektmanager von T2EVOLVE, einer
Allianz führender akademischer und industrieller Akteure in der
Krebsimmuntherapie. Und er hat erfolgreich einen Antrag für ein EU-
TRANSCAN-3-Projekt geschrieben. In dem mit 1,3 Millionen Euro geförderten
Projekt widmet sich eine Gruppe internationaler Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler unter der Leitung von Michael Hudecek der Erforschung
neuer Schlüsselkomponenten im Tumormikromilieu beim Multiplen Myelom und
kleinzelligen Lungenkarzinom sowie der Entwicklung modifizierter
CAR-T-Zelltherapien.

Klettern, Kochen, Gitarrespielen und ehrenamtliches Hundetraining

Angesichts seiner rasanten Karriere wird Maik Luu häufiger gefragt, ob er
hochintelligent sei. „Sicher nicht“, winkt er ab. „Allem voran haben mich
harte Arbeit, Fleiß und Durchhaltevermögen weitergebracht. Ein bildliches
Verständnis für biologisch-chemische Prozesse hat jedoch geholfen. Zudem
kann ich gut filtern, auf welche Details ich mich konzentrieren sollte,
und welche weniger wichtig sind. Je simpler das Konzept, desto besser.“
Wenn einem Dinge Spaß machen, dann könne man sich selbst sehr gut
weiterentwickeln. Und man wachse ja bekanntlich mit seinen Aufgaben, die
man sich bisweilen auch selbst stellen müsse. So hat er seine Höhenangst
beim Bouldern und Klettern überwunden und ist sogar ehrenamtlicher Trainer
des Deutschen Alpenvereins. Generell ist ihm soziales Engagement sehr
wichtig, auch wenn die Zeit knapp zu sein scheint. Maik Luu hat lange
Jahre im Marburger Tierheim, mit dem er immer noch verbunden ist,
ehrenamtlich gearbeitet und dort mit Hunden, darunter viele Listenhunde,
bis zur Vermittlung trainiert. Geld hat er neben dem Studium als Sushi-
Koch verdient. Das Kochen wurde in der Studentenwohnung fortgesetzt, nach
dem Motto ‚wie kann ich mit studentischen Mitteln coole Gerichte
kreieren‘. Die Rezepte hat er auf seinem Instagram-Kanal @cooking_campus
gepostet. Eines Tages möchte er daraus ein Kochbuch machen. Er hat
Tischtennis im Verein und Gitarre in einer Band gespielt. Man könnte
meinen, sein Tag habe 48 Stunden. Doch er gibt zu, früher nur vier Stunden
Schlaf benötigt zu haben. Und seine Hobbies sowie Unternehmungen mit
Freunden geben wiederum viel Raum für gute Ideen.

Fan von flachen Hierarchien

„Meine Eltern haben sich immer gewünscht, dass mein Bruder und ich mit
gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie viel man aus eigener Kraft
erreichen kann, ohne dabei das Gefühl für Dankbarkeit zu verlieren. Nun,
vollkommen integriert und im Beruf angekommen, sind wir an der Reihe,
etwas zurückzugeben sowie unseren Teil zur Gesellschaft beizutragen“, sagt
er. Vor seiner neuen Aufgabe, als Juniorprofessor der Hauptverantwortliche
zu sein, habe er großen Respekt: „Die Führungsqualitäten müssen sich noch
entwickeln. Aber ich bin ein Fan von flachen Hierarchien und hoffe, dass
wir als Team gut zusammenwachsen und gemeinsam entscheiden, wo die Reise
hingeht.“

*https://www.bmbf.de/bmbf/de/forschung/wissenschaftlicher-nachwuchs/das-
tenure-track-programm/das-tenure-track-programm_node.html

  • Aufrufe: 17

Welchen Anteil haben Umweltschadstoffe am Anstieg von Parkinson und Alzheimer?

Der Anstieg neurodegenerativer Alterserkrankungen wie M. Alzheimer und M.
Parkinson ist höher als erwartet. Die Prävalenz nimmt insbesondere bei
Parkinson überproportional zu, also deutlich mehr, als allein durch die
Überalterung der Gesellschaft erklärt werden kann. Offensichtlich spielen
Lifestyle- und auch Umweltfaktoren eine Rolle. Eine aktuelle
Kohortenstudie [1] zeigt, dass Jahrzehnte nach Exposition mit dem
Lösungsmittel TCE das Parkinson-Risiko bei US-Veteranen um 70% höher war
als bei jenen, die dieser Substanz nicht ausgesetzt waren.

Der demografische Wandel führt in der Gesellschaft zwangsläufig zu einer
Zunahme altersassoziierter Erkrankungen, unter anderem der Alzheimer- und
Parkinson-Erkrankung [2, 3]. Beide gehören zu den chronischen
neurodegenerativen Erkrankungen, die bisher nicht heilbar oder kausal
behandelbar sind. Die Erkrankungen haben zwar vordergründig
unterschiedliche Symptome, es gibt jedoch verschiedene Gemeinsamkeiten,
wie den Untergang von Neuronen mit progredienter Symptomatik. Bei beiden
Erkrankungen treten auf molekularer Ebene fehlerhafte Proteinstrukturen
auf (Beta-Amyloid, Tau-Protein und α-Synuclein), die sich (an
unterschiedlichen Orten) im Gehirn ablagern und zum Nervenzellverlust
beitragen. Die Forschung deckt immer mehr Details der molekularen
Pathomechanismen auf.

Eine mögliche Ursache beider Erkrankungen sind Genmutationen, allerdings
ist die Mehrzahl der Fälle ist nicht auf die Genetik zurückzuführen. Auch
lebensstilbedingte Faktoren spielen nachweislich eine Rolle: Die
Vermeidung bzw. rechtzeitige adäquate Korrektur dieser Risikofaktoren
könnte laut Bericht der „Lancet Commission“ [4] etwa 40% aller
Demenzerkrankungen verhindern. Zu diesen Faktoren zählen ein niedriger
Bildungsstand, Schwerhörigkeit, Depression, Bluthochdruck, Rauchen,
Übergewicht, körperliche Inaktivität, Diabetes mellitus und der Mangel an
sozialen Kontakten. Im letzten Bericht wurden drei weitere Faktoren mit
gesicherter Evidenz hinzugefügt, dies sind (wiederholte) Schädel-Hirn-
Traumen, exzessiver Alkoholkonsum und Luftverschmutzung.

Dass Partikelschadstoffe aus der Luft und Umwelttoxine sich akut auf das
Nervensystem auswirken, zeigt sich bei Vergiftungen. Doch in welchem
Zusammenhang stehen Umwelttoxine mit neurodegenerativen
Alterserkrankungen? Die Liste „verdächtiger“ Substanzen ist lang; neben
Feinstaub werden Pflanzenschutzmittel/Pestizide, Lösemittel (z.B. Toluol),
Mineralöle, chemische Weichmacher, Bisphenol A (BPA), Mikroplastik und
Nanopartikel genannt, aber auch neurotoxische Metalle (wie Blei,
Quecksilber, Cadmium, Mangan). Mit einigen dieser Stoffe werden
insbesondere typische biochemische Parkinson-Merkmale in Verbindung
gebracht [5], z. B. mitochondriale Dysfunktion, Störungen der
Metallhomöostase und Aggregation von Proteinen.

Seit längerer Zeit wird die mögliche Rolle des industriellen
Lösungsmittels Trichlorethylen (TCE) bei der Entstehung des M. Parkinson
diskutiert. Gerade erschien eine Publikation [1], die den Verdacht auf
toxische Effekte von TCE deutlich erhärtet und Grundlage künftiger Evidenz
sein kann. Die US-amerikanische bevölkerungsbasierte Kohortenstudie
untersuchte das Parkinson-Risiko bei Marineangehörigen (n=172.128), die
zwischen 1975 und 1985 für mindestens drei Monate in Camp Lejeune, North
Carolina, stationiert waren. Dort war es in dieser Zeit zu einer
Verunreinigung des Trinkwassers mit verschiedenen volatilen organischen
Lösungsmitteln gekommen. Die höchsten Konzentrationen betrafen TCE: die
Werte überstiegen das bis zur 70-Fache der zulässigen Menge. Die heutigen
Veteranen waren bei ihrer Ankunft im Camp ungefähr 20 Jahre alt und haben
durchschnittlich zwei Jahre dort gelebt. Verglichen wurde diese Kohorte
mit einer zweiten (n=168.361), die in Camp Pendleton, Kalifornien,
stationiert war (ohne Trinkwasserkontamination). Die demografischen
Merkmale der beiden Kohorten waren vergleichbar (z.B. ca. 95-96% Männer).
Die Nachuntersuchungen stammen aus den Jahren 1997 bis 2021, das mittlere
Alter der Nachuntersuchten betrug knapp 60 Jahre.

Insgesamt hatten 430 Veteranen eine Parkinson-Erkrankung entwickelt, 279
aus Camp Lejeune (Prävalenz 0,33%) und 151 aus Camp Pendleton (Prävalenz
0,21%). Somit war das Parkinson-Risiko in multivariablen Rechenmodellen
statistisch für Veteranen aus Camp Lejeune um 70% höher (OR 1,70; p<0,001)
und sie hatten auch ein um 15% erhöhtes kumulatives Risiko für prodromale
Parkinson-Diagnosen, d.h. Symptome, die Jahrzehnte vor einer
Parkinsonerkrankung gehäuft auftreten wie Tremor, Angsterkrankungen und
erektile Dysfunktion. Die Publizierenden weisen darauf hin, dass gerade
bei den potenziell prodromal Erkrankten in der noch relativ jungen
Population vermutlich in den nächsten Jahrzehnten viele weitere Parkinson-
Fälle diagnostiziert werden könnten.

„Die Auswirkung von Umwelttoxinen wie TCE auf das Parkinson-Risiko zu
erforschen, ist ausgesprochen wichtig“, erklärt Prof. Dr. med. Daniela
Berg, Kiel, stellv. Präsidentin der DGN. „Noch lässt sich eine Kausalkette
zwischen Exposition und einer späteren Parkinson-Erkrankung nicht
nachweisen. An dieser Fragestellung und der Quantifizierung des Risikos
arbeiten derzeit mehrere internationale Forschergruppen.“ Dennoch sieht
die Expertin auch jenseits des aktuellen Studienergebnisses viele Indizien
für den Zusammenhang zwischen Umweltgiften und den Anstieg
neurodegenerativer Erkrankungen. So ist beispielsweise die
altersstandardisierte Punktprävalenz von Parkinson in den Ländern
Nordafrikas und des Mittleren Ostens in den letzten 30 Jahren um über 15%
gestiegen [6]. „Hier spielen natürlich auch Lebensstilfaktoren eine Rolle,
wie Ernährung –
einerseits Mangelernährung, andererseits Übernahme von
Ernährungsgewohnheiten der Industrienationen mit hochprozessierten,
zuckerreichen Fastfood-Nahrungsmitteln –, weniger Bewegung und Exposition
gegenüber Schadstoffen aus zunehmender Industrialisierung. Auch ist
bekannt ist, dass die EU seit den 80er Jahren ihren giftigen Müll in viele
dieser Länder exportiert, wo Menschen, z.T. sogar Kinder, ihn auf den
Halden ungeschützt sortieren.“

Wie Prof. Dr. Peter Berlit betont, hängen ein gesunder Lebensstil und eine
gesunde Umwelt immer eng miteinander zusammen. „Ein erster wichtiger
Schritt muss nun sein, Substanzen, die neurodegenerative Prozesse
auslösen, zu identifizieren, ihr Risiko zu beziffern und diese dann
konsequent zu vermeiden.“

[1] Goldman SM, Weaver FM, Stroupe KT et al. Risk of Parkinson Disease
Among Service Members at Marine Corps Base Camp Lejeune. JAMA Neurol 2023
May 15; e231168 doi: 10.1001/jamaneurol.2023.1168. Online ahead of print.
PMID: 37184848 PMCID: PMC10186205 DOI: 10.1001/jamaneurol.2023.1168
[2] Feigin VL, Nichols E, Alam T et al. Global, regional, and national
burden of neurological disorders, 1990-2016: a systematic analysis for the
Global Burden of Disease Study 2016. GBD 2016 Neurology Collaborators.
Lancet Neurol 2019; 18 (5): 459-480
[3] Dorsey ER, Elbaz A, Nichols E et al. Global, regional, and national
burden of Parkinson's disease, 1990-2016: a systematic analysis for the
Global Burden of Disease Study 2016. Lancet Neurol 2018; 17 (11): 939-953
[4] Livingston G, Huntley J, Sommerlad A et al. Dementia prevention,
intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission. The Lancet
Commissions 2020; 396: 10248, 413-446
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30367-6/fulltext
[5] Chin-Chan M, Navarro-Yepes, Quintanilla-Vega et al. Environmental
pollutants as risk factors for neurodegenerative disorders: Alzheimer and
Parkinson diseases. Front Cell Neurosci 2015; 9: 124
[6] Safiri S, Noori M, Nejadghaderi SA, Mousavi SE, Sullman MJM, Araj-
Khodaei M, Singh K, Kolahi AA, Gharagozli K. The burden of Parkinson's
disease in the Middle East and North Africa region, 1990-2019: results
from the global burden of disease study 2019. BMC Public Health. 2023 Jan
16;23(1):107. doi: 10.1186/s12889-023-15018-x. PMID: 36642724; PMCID:
PMC9841703.

Pressekontakt
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o Dr. Bettina Albers, albersconcept, Jakobstraße 38, 99423 Weimar
Tel.: +49 (0)36 43 77 64 23
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Peter Berlit
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft in der
gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 11.500 Mitgliedern die
neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu
verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre,
Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der
gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden
gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Lars Timmermann
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Daniela Berg
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Christian Gerloff
Generalsekretär: Prof. Dr. med. Peter Berlit
Geschäftsführer: David Friedrich-Schmidt
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30
531437930, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

  • Aufrufe: 22

Stephan Dolck - Eine Rückkehr zur Hochschule Hannover in neuer Rolle.

Stephan Dolck, langjähriger Redaktionsleiter eines Pop- und Subkultur-
Magazins beim deutsch-französischen Fernsehsender arte, kehrt zur
Hochschule Hannover als Vertretungsprofessor zurück.

Stephan Dolck, langjähriger Redaktionsleiter eines Pop- und Subkultur-
Magazins beim deutsch-französischen Fernsehsender arte, kehrt zur
Hochschule Hannover als Vertretungsprofessor zurück. Er erlernte seinen
Beruf in einem der ersten Jahrgänge des Studiengangs Journalistik: „Für
mich ist es eine Rückkehr in neuer Rolle. In den Räumen der Expo Plaza 12
habe ich einst mein Handwerk gelernt und hoffe nun, dass ich dank meiner
vielfältigen Erfahrungen in der Praxis den Studierenden und der Hochschule
etwas zurückgeben kann.“

Mit umfangreicher Erfahrung in der Produktion von Magazinbeiträgen und
langen Formaten für Sender wie ARD, ZDF und Deutsche Welle sowie
Imagefilmen für international tätige Unternehmen kennt Stephan Dolck die
Medienlandschaft. Derzeit arbeitet er an seiner Promotion an der
Filmuniversität Babelsberg in Zusammenarbeit mit der Hochschule Hannover,
bei der es um Medienstrategien der extremistischen Gruppierung
"Islamischer Staat" geht. Neben seiner Vertretungsprofessur ist er als
freier Journalist und Sprecher tätig.

  • Aufrufe: 1448

Brauchen wir ein Strafrecht für falsche Klimabilanzen?

Provokative Forderung auf Umweltkongress in Mainz

Ein brisantes Thema hat Umweltwissenschaftler Professor Dr. Mario Schmidt
von der Hochschule Pforzheim bei der öffentlichen Konferenz
„Ressourceneffizienz und produktionsintegrierter Umweltschutz“
präsentiert. Viele Klimabilanzen oder Carbon Footprints seien das Papier
nicht wert, auf dem sie stehen, fasste der Wissenschaftler seine
Erfahrungen zusammen. Trotzdem werde damit öffentlich geworben,
insbesondere für die Klimaneutralität von Produkten, von Unternehmen oder
sogar von Städten und Regionen. „Ich kenne kein einziges klimaneutrales
Produkt oder Unternehmen“, so Schmidt. „Das sind nur fiktive Ergebnisse
der Berechnung, der Zurechnung, von Umbuchungen oder Kompensationen.
Allein schon wenn ein Produkt in den Supermarkt transportiert wurde, trägt
es einen Klimarucksack mit sich, auch wenn es aus der Natur stammt.“ Die
Konferenz begann am 23. April in Mainz unter Beteiligung von
Umweltministerien aus mehreren Bundesländern.

Der Wissenschaftler erläuterte in seinem Vortrag, welche Faktoren die
Berechnung einer Klimabilanz beeinflussen. Demnach gebe es in den
bisherigen Bilanzierungsregeln zu viele Spielräume, Annahmen zu treffen.
Das erschwere die Vergleichbarkeit und verschleiere oft die wahren
Emissionen. Ein Beispiel seien die unterschiedlichen Bilanzgrenzen: Werden
die Lieferanten eines Unternehmens mitberücksichtigt oder nicht? Werden
die Emissionen außerhalb Deutschlands eingerechnet oder nur die auf
deutschem Boden? Dann sei oft auch nicht geklärt, woher die Daten kommen
und wie ihre Qualität gesichert wurde. „Selbst unter Beratern herrscht
hier häufig völlige Ahnungslosigkeit – im wohlwollendsten Fall“, meinte
Schmidt. Die bisherigen Berechnungsstandards lassen zu viele Punkte offen
und es fehlt an belastbaren Daten, der viel zitierten Digitalisierung zum
Trotz.

Bei den Klimabilanzen sieht er Parallelen zum Wirtschaftsbereich. Dort sei
es strafbar, wenn eine Unternehmensbilanz nicht korrekt ist. Denn dadurch
werden die Aktionäre geschädigt oder der Staat erhält geringere
Steuereinnahmen. Im Klimabereich seien die Auswirkungen viel größer, aber
es gebe keine Konsequenzen. Schmidt forderte: „Wir brauchen klare und
eindeutige Regeln, wie bilanziert und wie gekennzeichnet wird. Und wir
brauchen Sanktionen, wenn bei der Klimabilanz und dem damit verbundenen
Marketing geschummelt, geschönt oder verschleiert wird.“

Professor Dr. Mario Schmidt leitet das Institut für Industrial Ecology
(INEC) an der Hochschule Pforzheim. Er ist Mitglied der
Ressourcenkommission des Umweltbundesamtes, Co-Vorsitzender der Jury für
das Umweltzeichen Blauer Engel und seit mehreren Jahrzehnten Experte im
Bereich der Öko- und Klimabilanzierung.

  • Aufrufe: 20