Zum Hauptinhalt springen

Kiel Trade Indicator 11/23: Globaler Handel geht zurück, Nahost-Konflikt noch ohne akute Auswirkungen auf Handel

Der weltweite Handel ist im November im Vergleich zum Vormonat Oktober
laut jüngstem Update des Kiel Trade Indicator zurückgegangen (preis- und
saisonbereinigt). Zu der schwachen Entwicklung passt, dass auch die Menge
an verschifften Standardcontainern gesunken ist. Speziell der deutsche
Außenhandel durchläuft zurzeit eine anhaltende Schwächephase. Der
Schiffsverkehr im Roten Meer liegt deutlich unter dem eigentlich zu
erwartenden Aufkommen. Dies dürfte aber in erster Linie konjunkturelle
Ursachen haben, die Auswirkungen des Nahost-Konflikts dürften sich erst
mittel- bis langfristig zeigen.

Das jüngste Datenupdate des Kiel Trade Indicator weist für den weltweiten
Handel und den Handel großer Volkswirtschaften auf einen eher
durchwachsenen Handelsmonat November hin.

Der Welthandel geht demnach im Vergleich zum Vormonat Oktober um 0,9
Prozent zurück (preis- und saisonbereinigt). Für die EU sind die
Handelszahlen sowohl bei den Exporten (+1,4 Prozent) als auch bei den
Importen (+1,1 Prozent) leicht positiv. Der Außenhandel Deutschlands folgt
auch im November einer anhaltenden Schwächephase. Die Exporte (+0,7
Prozent) stehen leicht im Plus, die Importe (-1,1 Prozent) im Minus.

„Der deutsche Außenhandel wächst seit Ausbruch der Corona-Pandemie im
Grunde nur noch, weil die Preise steigen. Inflationsbereinigt bewegen sich
Exporte und Importe seit Jahren mehr oder weniger auf der Stelle“, sagt
Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator.

„Auf Basis der Daten des Kiel Trade Indicator ist hier kurzfristig keine
Besserung in Sicht. Im deutschen Außenhandel kommt wegen der schwachen
Konjunktur und der hohen Zinsen wohl keine Weihnachtsstimmung auf.“

In den USA dürften die Exporte (+0,1 Prozent) auf Vormonatsniveau liegen,
die Importe (+1,5 Prozent) leicht ansteigen. Für China weisen die Werte
des Kiel Trade Indicator ein leichtes Plus bzw. eine grüne Null bei den
Exporten (+0,6 Prozent) und ein Minus bei Importen (-2,6 Prozent) aus.

Containermenge sinkt, vor allem im Roten Meer. Folge des Nahost-
Konfliktes?

Die wenig positiven Aussichten für den Novemberhandel schlagen sich auch
in der Menge an weltweit verschifften Standardcontainern nieder. Sie ist
im November im Vergleich zum Oktober um über 1 Prozent gefallen und liegt
damit wieder unter der Marke von 14 Millionen Stück.

Speziell im Roten Meer ist die Menge an verschifften Standardcontainern
gesunken. Im November sind dort gut 500.000 Standardcontainer
transportiert worden, aufgrund von Erfahrungswerten aus den Jahren 2017
bis 2019 wären knapp 600.000 Stück zu erwarten gewesen.

„Es klafft immer wieder eine Lücke zwischen der tatsächlichen und der zu
erwartenden Containermenge im Roten Meer, weil China unabhängiger vom
Handel mit dem Westen und Deutschland wird. Der jüngste Rückgang der
Frachtmenge dürfte in erster Linie konjunkturelle Ursachen haben und noch
keine Folge der jüngsten gezielten Angriffe auf Handelsschiffe im Roten
Meer sein“, so Stamer.

„Terroristische Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer könnten aber in
Zukunft zu einer erneuten Belastung für den Welthandel werden, vor allem
wenn Frachtraten aufgrund von Gefahrenzulagen steigen. Langfristig könnten
Reeder auch auf alternative Routen oder Transportmittel ausweichen. Über
10 Prozent des globalen Handels führt durch das Rote Meer und den
Suezkanal, Beeinträchtigungen dort können erhebliche Auswirkungen auf den
globalen Warenverkehr mit sich bringen.“

Die nächste Aktualisierung des Kiel Trade Indicator erfolgt am 9. Januar
2024 (mit Medieninformation für die Handelsdaten im Dezember 2023).

Weitere Informationen zum Kiel Trade Indicator und die Prognosen für alle
75 Länder finden Sie auf www.ifw-kiel.de/tradeindicator (https://www.ifw-
kiel.de/de/themendossiers/internationaler-handel/kiel-trade-indicator/).

Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) von
75 Ländern und Regionen weltweit sowie des Welthandels insgesamt. Im
Einzelnen umfassen die Schätzungen über 50 Länder sowie Regionen wie die
EU, Subsahara-Afrika, Nordafrika, den Mittleren Osten oder Schwellenländer
Asiens. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in
Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter
Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die
Schiffsbewegungen in preis- und saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber
dem Vormonat.

Die Auswertung erfolgt einmal im Monat um den 5. und liefert aktualisierte
Handelszahlen für den vergangenen und den laufenden Monat.

An- und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst.
Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die
effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen.
Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch
für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen
Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich
umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang
einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen
statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indikators lernt
mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich
die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

  • Aufrufe: 139

Wie Europas Vorstandsvorsitzende sich verändern müssen

Sie sollen durch Disruptionen führen und geopolitisch erfolgreich agieren.
Exklusiv erhobene Daten der WHU – Otto Beisheim School of Management
zeigen, wo europäische CEOs gut aufgestellt sind und in welchen Bereichen
neue Manager-Typen gefragt sind.

Geopolitische Spannungen, schnell wechselnde ökonomische Trends,
technologische Umbrüche und sich ändernde Anforderungen von Angestellten –
selten zuvor waren CEOs großer Konzerne mit derart vielen und
tiefgreifenden Herausforderungen konfrontiert. Viele Jahrzehnte lang haben
europäische Unternehmen die internationalen Märkte dominiert, doch in den
vergangenen Jahren scheinen sie an Stärke und Einfluss zu verlieren. Die
Daten einer Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management zeigen, wo
Europas Unternehmen diesbezüglich gut aufgestellt sind und wo man in den
einzelnen Ländern bei der Besetzung der Vorstände umdenken muss, um im
globalen Wettbewerb weiter eine Vorreiterrolle zu spielen.

Besonders in vier Bereichen müssen die CEOs der 600 größten europäischen
Unternehmen künftig effektiver navigieren, um mit ihren Unternehmen
weiterhin erfolgreich bleiben zu können. Sie müssen
1.      durch disruptive Veränderungen führen,
2.      komplexe Organisationen und ihre Ökosysteme effektiv managen,
3.      geopolitische Herausforderungen bewältigen und Chancen auf
internationalen Märkten ergreifen und
4.      inklusive Organisationen mit „Purpose“ aufbauen.

Europäischen CEOs fällt es beispielsweise oft nicht leicht, agil auf
disruptive Veränderungen zu reagieren. Ein Grund dafür ist, dass ihr
Durchschnittsalter konstant zunimmt und sie seit 2009 im Schnitt auch
länger im Amt bleiben. Andererseits ist zu beobachten, dass der
Karriereverlauf von CEOs heute wesentlich öfter als früher durch
unterschiedlichste Unternehmensbereiche, Aufgaben und Länder geführt hat
und es mehr Generalisten als Spezialisten als bei ihren Vorgängern gibt.
Sie kommen deutlich besser mit komplexen Organisationen und Umfeldern
zurecht. Auch rücken – langsam aber doch – mehr Frauen an die
Unternehmensspitzen nach. Sie bringen neue Perspektiven und Ansätze ein
und helfen den Unternehmen, besser auf Veränderungen zu reagieren.
Europäische Vorstandsetagen öffnen sich auch zunehmend für Kandidaten aus
anderen Erdteilen und Kulturkreisen. Diese bringen Kompetenzen mit, die in
internationalen Märkten und Verhandlungen enorm wertvoll sind. Gering ist
in Europa hingegen noch der Anteil von CEOs, die bereits einmal im
Personalbereich oder in einem Entwicklungsland gearbeitet haben. Sie wären
laut Studie besonders geeignet, um auf die sich ändernden Bedürfnisse der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzugehen und im schärfer werdenden
Kampf um die besten Talente erfolgreich zu sein.

Um im internationalen Wettbewerb mit ihren Unternehmen nicht den Anschluss
zu verlieren, müssen auch CEOs sich heute laufend weiterentwickeln und
neue Trends im Blick behalten. Spezialisierte und hochkarätig besetzte
Ausbildungsprogramme bieten Möglichkeiten, von Wissenschaftlern,
Vorständen und Aufsichtsräten anderer Unternehmen Inspiration zu bekommen
und sich auf Augenhöhe auszutauschen. Das „High-Potential Board Members
Program“, das die renommierten Business Schools INSEAD (Barcelona) und WHU
– Otto Beisheim School of Management gemeinsam anbieten, ist ein Beispiel
für ein solches Programm.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Serden Ozcan: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
Özcan, S./Karaevli, A. (2023): Are European CEOs Future-ready? A Status
Report on Europe's 600 Largest Corporations
https://opus4.kobv.de/opus4-whu/files/955/are_european_ceos_future_ready.pdf

  • Aufrufe: 200

Kiel Trade Indicator 10/23: Weltweiter Handel legt deutlich zu

Der weltweite Handel zeigt sich im Oktober nach schwachen Vormonaten
deutlich aufwärtsgerichtet (Vergleich zum Vormonat September, preis- und
saisonbereinigt). Einen ähnlich starken Zuwachs gab es zuletzt im März.
Getragen wird der Aufschwung insbesondere auch von den Mitgliedsländern
der Europäischen Union, wo die Wirtschaftsleistung zuletzt leicht
schrumpfte. Die starken Handelszahlen sind daher ein positives Zeichen für
das 4. Quartal. Chinas Handelsaktivität spiegelt dagegen die global
gedämpfte Konjunktur wider.

Das jüngste Datenupdate des Kiel Trade Indicator weist für den Welthandel
im Oktober im Vergleich zum Vormonat September einen deutlichen Anstieg
von 2 Prozent aus (preis- und saisonbereinigt).

Dieser wird insbesondere auch vom Handel der EU gestützt, wo sowohl
Exporte (+2,5 Prozent) als auch Importe (+2,4 Prozent) mit einem klaren
Plus versehen sind.

Für Deutschland liegen die Oktoberwerte für die Exporte (+1,8 Prozent)
ebenfalls im grünen Bereich, für die Importe (-0,2 Prozent) zeigen sie
seitwärts. Jüngste Zahlen der offiziellen Handelsstatistik hatten noch für
September eine Abnahme der deutschen Exporte dokumentiert.

„Die Zahlen für den weltweiten Handel sind stark wie lange nicht mehr, nur
im März dieses Jahres wurde ein vergleichbarer Zuwachs erreicht“, sagt
Vincent Stamer, Leiter des Kiel Trade Indicator.

„Durchaus überraschend, dass die guten Zahlen ausgerechnet vom EU-Handel
getragen werden, wo die Wirtschaftsleistung zuletzt geschrumpft ist. Ihre
fünf größten Volkswirtschaften – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien
und die Niederlande – könnten den Indikatorwerten zufolge ihre Exporte im
Oktober gesteigert haben, was ein sehr positives Zeichen zu Beginn des
vierten Quartals ist.“

In den USA dürften die Exporte (+0,2 Prozent) nach den Zahlen des Kiel
Trade Indicator auf Vormonatsniveau liegen, die Importe (+2,1 Prozent)
ansteigen.

Chinas Handel folgt offenbar dem konjunkturellen Abwärtssog rund um den
Globus, die Indikatorwerte zeigen einen Rückgang für Exporte (-1,4
Prozent) und Importe (-1,2 Prozent) an. „Zwar hatten sich Chinas Exporte
im August und September leicht positiv entwickelt. Der Oktober zeigt aber,
dass sich eine Rückkehr zu vergangenen Expansionsphasen schwierig
gestaltet“, so Stamer.

Reibungsloser Ablauf im Containerschiffnetzwerk

Obwohl die Wassermenge im Panamakanal weiter sinkt, bringt das für die
Containerschifffahrt derzeit keine größeren Probleme. Es stauen sich kaum
mehr Containerschiffe als üblich. Die etwa 110 Frachtschiffe, die auf
beiden Seiten des Kanals ankern, sind vor allem Tanker und
Massengutschiffe. Der Stau ist insgesamt in den vergangenen Monaten sogar
leicht gefallen. Aufgrund des Niedrigwassers hat die Kanalbehörde die
Anzahl von täglichen Frachtschiffspassagen weiter auf nun 25 reduziert,
bei voller Auslastung wären es etwa 50 Prozent mehr.

Auch von anderen wichtigen Seeregionen gehen mittlerweile keine
nennenswerten Einschränkungen mehr durch Schiffsstaus aus, Ausnahme sind
die Häfen von Shanghai und Zhejiang, deren Staus saisonal stark schwanken.
Die Menge an global verschifften Standardcontainern unterstreicht den
derzeit recht reibungslosen Ablauf im Containerschiffnetzwerk. Die Anzahl
war im September sprunghaft angestiegen und hält sich auch im Oktober
oberhalb von 14 Millionen Stück, nahe am Höchststand von vor 2 Jahren.

„Von Seiten der Containerschifffahrt steht einem guten Weihnachtsgeschäft
dieses Jahr nichts im Weg, der limitierende Faktor dürften die eher trüben
Konjunkturaussichten und die anhaltende Inflation sein“, so Stamer.

Die nächste Aktualisierung des Kiel Trade Indicator erfolgt am 6. Dezember
(mit Medieninformation für die Handelsdaten im November).

Weitere Informationen zum Kiel Trade Indicator und die Prognosen für alle
75 Länder finden Sie auf www.ifw-kiel.de/tradeindicator (https://www.ifw-
kiel.de/de/themendossiers/internationaler-handel/kiel-trade-indicator/).

Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) von
75 Ländern und Regionen weltweit sowie des Welthandels insgesamt. Im
Einzelnen umfassen die Schätzungen über 50 Länder sowie Regionen wie die
EU, Subsahara-Afrika, Nordafrika, den Mittleren Osten oder Schwellenländer
Asiens. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in
Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter
Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die
Schiffsbewegungen in preis- und saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber
dem Vormonat.

Die Auswertung erfolgt einmal im Monat um den 5. und liefert aktualisierte
Handelszahlen für den vergangenen und den laufenden Monat.

An- und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst.
Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die
effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen.
Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch
für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen
Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich
umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang
einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen
statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indikators lernt
mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich
die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

  • Aufrufe: 150

Einfluss von Zinsen auf Kreditrückzahlungen

Kreditrückzahlung Symbolbild
Kreditrückzahlung Symbolbild

Die Europäische Zentralbank bekämpft die aktuell hohe Inflation mit stark steigenden Leitzinsen. Der Leitzins erhöhte sich innerhalb kurzer Zeit von 0 % auf 4,5 %. Das wirkt sich auch auf Verbraucherkredite aus. Bei einer variablen Verzinsung merken Kreditnehmer diesen Anstieg unmittelbar. Wer heute einen neuen Kredit mit Festzins abschließen will, spürt die Effekte ebenfalls. Das ist ein guter Grund, sich näher mit dem Einfluss von Zinsen auf Kreditrückzahlungen zu beschäftigen!

Die grundlegende Auswirkung des Zinssatzes auf die Kreditkosten liegt auf der Hand. Die Zinsen sind der entscheidende Kostenfaktor. Je höher der Zinssatz ist, desto mehr Geld müssen Kunden für die Kreditfinanzierung bezahlen. Bei der Rückzahlung kann das zu zwei Folgen führen:

  • höhere monatliche Raten
  • längere Dauer der Rückzahlung

Bei einer eingehenden Beschäftigung mit dieser Thematik ist es sinnvoll, zwischen Krediten mit variablem und festem Zinssatz zu unterscheiden. Hier stellt sich eine weitere Frage: Welche Variante sollten Verbraucher vorziehen? Für einen Kredit mit Festzins spricht die finanzielle Planungssicherheit. Vielfach zahlt es sich zum Beispiel aus, wenn Kunden einen günstigen Online-Kredit statt Überziehungskredit nutzen.


Kredite mit variabler Verzinsung: Zinserhöhungen als Risiko

Auf dem Kreditmarkt gibt es unterschiedliche Formen von Krediten, bei denen Banken die Zinsen variabel berechnen. Die wichtigsten Varianten sind:

  • Dispokredit auf dem Girokonto: Hierbei handelt es sich um einen vereinbarten Kreditrahmen, den Kunden flexibel nutzen können. Zinsen fallen nur bei der tatsächlichen Nutzung an, Banken berechnen diese tagesaktuell. Institute dürfen den Zinssatz jederzeit ohne Vorwarnung anpassen. Die Zinsen für Dispokredite sind meist deutlich höher als die Zinsen für Ratenkredite.
  • Kredite im Rahmen einer Kreditkarte: Bei einigen Kreditkarten räumen Banken das Recht ein, die jeweilige Kreditsumme über mehrere Monate zurückzahlen. Bei dieser Kreditvariante kann es ebenfalls zu überraschenden Zinsänderungen kommen.
  • Ratenkredit mit variabler Verzinsung: Kunden schließen einen Verbraucherkredit ab, der Zinssatz steigt oder sinkt während der Laufzeit. Der Mechanismus für die Zinsänderung ist im Kreditvertrag klar geregelt. In der Regel orientieren sich die Banken an Referenzzinssätzen.

Bei sinkenden Marktzinsen erweisen sich alle Kreditprodukte mit variablem Zins als vorteilhaft. Kreditnehmer profitieren von geringeren Zinskosten, bei einem Kredit mit Festzins ist dies ausgeschlossen. Bei steigenden Zinssätzen drohen aber erhebliche Kostensteigerungen. Im schlimmsten Fall können Kunden die Tilgung nicht mehr stemmen. Insbesondere Dispokredite gelten deswegen als Schuldenfalle. Aber auch ein Ratenkredit mit variabler Verzinsung kann Verbraucher überfordern. Das gilt selbst für Kunden, die einen Puffer eingeplant haben. Starke Zinssteigerungen wie momentan kann niemand vorsehen - auch vorsichtige Kreditnehmer können in Not geraten!


Vorteile von Krediten mit Festzins

Bei einem Kredit mit festem Zins wissen die Beteiligten vorab, wie sich der Zinssatz auf die Rückzahlung auswirkt. Sämtliche Faktoren sind vertraglich geregelt und während der Laufzeit unveränderbar. Das gilt für folgende Punkte:

  • Höhe des Zinssatzes
  • Höhe der monatlichen Raten
  • Anzahl der Raten / Tilgungsdauer

Bei diesen Krediten bleiben die Monatsraten während der gesamten Laufzeit identisch. Allerdings ändert sich die Zusammensetzung: Am Anfang ist der Zinsanteil hoch, der Tilgungsanteil niedrig. Mit zunehmender Tilgung sinkt die Restschuld, entsprechend reduzieren sich die Zinskosten. Ein steigender Anteil der Raten fließt in die Tilgung.

Die finanzielle Planungssicherheit ist der große Pluspunkt dieser Kredite mit fester Verzinsung. Kreditnehmer wissen exakt, welche monatlichen Kosten auf sie zukommen. Das erleichtert die Finanzplanung. Im Vergleich mit Dispokrediten besteht ein weiterer Vorteil: Banken können einen Dispo jederzeit kündigen. Eine solche Kündigung führt zu einer unmittelbaren Rückzahlungspflicht für die gesamte Kreditsumme, häufig beträgt die Frist nur wenige Wochen. Viele Betroffene können diese Pflicht nicht erfüllen, teure Mahnverfahren sind die Folge. Diesem Ärgernis entgehen Verbraucher, wenn sie statt einem Dispokredit einen Ratenkredit mit Festzins nutzen.


Günstigen Kredit mit festem Zins finden

Wenn Kunden einen Ratenkredit mit niedrigem Zinssatz abschließen, ergibt sich einer der folgenden Vorteile:

  • Die monatlichen Raten sind niedriger als bei einem teuren Angebot.
  • Die Monatsraten sind identisch hoch, dafür verkürzt sich die Laufzeit.

In beiden Fällen sichern sich Kunden einen relevanten finanziellen Vorteil. Angesichts großer Zinsunterschiede bei den Banken empfiehlt es sich, einen ausführlichen Kreditvergleich vorzunehmen. Einige begehen den Fehler, dass sie einen Kredit aus Gewohnheit oder Bequemlichkeit bei ihrer Hausbank beantragen. Handelt es sich um eine Filialbank, drohen hohe Zinsen. Ein Zinsvergleich zeigt, dass insbesondere Onlinebanken Kredite mit günstigen Zinsen anbieten. Das lässt sich leicht erklären: Klassische Filialbanken tragen hohe Kosten für Mieten und Personal, Direktbanken weisen eine effizientere Kostenstruktur auf. Die daraus resultierenden Kostenvorteile geben sie in Form niedriger Zinsen an ihre Kunden weiter.

Manche befürchten einen zu hohen Aufwand für so einen Kreditvergleich. Bei näherer Betrachtung ist dieser aber minimal. Auf einem seriösen Kreditportal lässt sich dieser Vergleich rasch durchführen. Anschließend stellen Nutzer bei der besten Bank einen Kreditantrag und reichen die erforderlichen Unterlagen ein. Innerhalb weniger Tage erhalten sie die Kreditsumme ausgezahlt, wenn sie die Bonitätsprüfung bestehen.


Bei Zinssenkungen kann sich Kreditwechsel lohnen

Momentan steigen die Zinsen aufgrund der Inflationsbekämpfung, viele Experten glauben aber an eine baldige Zinswende. In diesem Fall verdient beim Themenkomplex Zinsen und Rückzahlung ein weiterer Aspekt Beachtung. Wenn es günstigere Alternativen zum bisherigen Darlehen gibt, zahlen sich eine Kreditkündigung und ein Kreditwechsel aus. Konkret bedeutet das:

  • Kreditnehmer vereinbaren einen neuen Kredit bei einem besseren Anbieter. Die Kreditsumme ist so hoch wie die verbliebene Restschuld des Altkredits.
  • Sie kündigen den bisherigen Kredit. Das liberale deutsche Verbraucherrecht räumt diese Möglichkeit jedem Kreditnehmer ein. Es begrenzt zudem die mögliche Kündigungsgebühr auf höchstens 1 % der Restschuld.
  • Nach der Kündigung bezahlen Kunden mit dem neuen Kredit die Restschuld des Altkredits. Sie lösen ihren aktuellen Kredit damit ab.

Wichtig ist, dass Interessierte zuvor die mögliche Ersparnis berechnen. Sie sollten hierbei eine potenziell anfallende Kündigungsgebühr berücksichtigen. Lohnt sich der Wechsel? Das hängt auch vom persönlichen Anspruch ab. Manche wechseln wegen einer Einsparung von 30 Euro, andere entscheiden sich erst ab einer höheren Ersparnis für den Wechsel.


Zinshöhe und Rückzahlung: Das gilt es zu beachten

Die Höhe des Zinssatzes wirkt sich auf unterschiedliche Weise auf die Rückzahlung eines Kredits aus. Unterschiede bestehen zum Beispiel zwischen Krediten mit variabler Verzinsung und festem Zinssatz. Bei beiden Varianten empfiehlt es sich, diesen Aspekt in die Überlegungen einfließen zu lassen.

  • Aufrufe: 153