Zwischen Fußballfest und politischem Pulverfa
Die Fußball-WM 2026 soll ein Symbol kontinentaler Einheit werden. Doch
zwischen den Gastgeberländern USA, Kanada und Mexiko wachsen politische
Spannungen. US-Präsident Donald Trump nutzte das Turnier schon im Vorfeld
für seine Zwecke. Im Interview erklärt US-Experte Prof. Dr. Daniel Stein
von der Universität Siegen, warum das Turnier zur Bühne geopolitischer
Konflikte, gesellschaftlicher Polarisierung und möglicher
„Sportswashing“-Strategien werden könnte.
Erstmals richten die USA, Mexiko und Kanada die Fußball-Weltmeisterschaft
gemeinsam aus. In einer Zeit, in der US-Präsident Donald Trump Kanada mit
Annexion und Mexiko mit Militärschlägen droht, Trump an der Grenze zu
Mexiko eine Mauer hat bauen lassen, und beide Länder mit horrenden
Strafzöllen überzieht. Welche politische Brisanz und Symbolkraft bringt
das Turnier mit sich?
Prof. Dr. Daniel Stein: Wie alle globalen Sportereignisse hat die Fußball-
Weltmeisterschaft eine unheimliche Symbolkraft. Milliarden Menschen werden
an Fernseh- oder Computerbildschirmen die Spiele verfolgen, und viele
werden trotz der astronomischen Ticket- und Hotelpreise in die USA, nach
Kanada und nach Mexiko reisen, um sich die Spiele anzusehen. Für die US-
amerikanische Tourismusbranche, die zuletzt massive Einbrüche erlitten
hat, ist das ein wichtiger Markt, und die FIFA wird Rekordgewinne
einfahren. Wie immer stellt sich die Frage, was bei den Menschen vor Ort
ankommen wird und ob die WM die Wirtschaft ankurbeln kann. Zu befürchten
ist, dass die WM dazu genutzt wird, die Bürgerrechte in den USA weiter
einzuschränken und von den Repressionen der aktuellen Regierung
abzulenken. Amnesty International spricht von der Gefahr, dass der World
Cup zu einer „stage for repression“, auf Deutsch: „Bühne für
Unterdrückung“, werden könnte und fordert die FIFA und die
Austragungsländer auf, alle Fans und Mannschaften fair zu behandeln.
Das Verhältnis der drei Austragungsländer ist trotz anderslautender
offizieller Aussagen äußerst angespannt. Viele Kanadier boykottieren
Produkte aus den USA und reisen nicht mehr dort hin; Mexiko ist einerseits
auf starke wirtschaftliche Beziehungen zu den USA angewiesen, wird von der
US-Regierung aber immer wieder unter Druck gesetzt, z.B. durch neue Zölle
oder Androhungen militärischer Angriffe gegen die Drogenkartelle. Dass die
mexikanische Regierung der iranischen Mannschaft erlaubt hat, ihr Quartier
im Land aufzuschlagen, weil Trump sie in den USA nicht willkommen heißen
will, zeigt, wie schwierig die Situation ist. Aus der ursprünglich
proklamierten kontinentalen Einigkeit ist jedenfalls nicht viel
übriggeblieben. Wie genau das im Einzelnen das Turnier und die
Berichterstattung darüber in der Presse, aber auch in den Sozialen Medien,
beeinträchtigt, wird man sehen.
Die WM findet mitten in einer Phase starker gesellschaftlicher
Polarisierung in den USA statt. Wann und wo waren Sie zuletzt in den USA
und wie erleben Sie aktuell die Stimmung innerhalb der amerikanischen
Gesellschaft?
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