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Krankenhausreform: 5-Punkte-Plan für die Diabetologie der Zukunft

Die Krankenhausstrukturreform: weg von Ökonomie und Fallpauschalen, hin zu
mehr Patientenwohl. Doch es zeichnet sich ab, dass das
Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Versorgungsrealität noch an
wichtigen Stellen verkennt.  Neben dem persönlichen Leid für die
Betroffenen habe dies auch hohe finanzielle Folgen für das
Gesundheitssystem, so die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Auf ihrer
Jahrespressekonferenz legen die Experten einen 5-Punkte-Plan vor, dessen
Berücksichtigung eine positive Wende für die Diabetologie in Deutschland
bringen kann.

„Ob die von Lauterbach sogenannte Revolution im Gesundheitssektor gelingt,
wird sich an den vulnerablen Patientengruppen zeigen – den chronisch
Kranken, Kindern und multimorbiden Älteren“, prognostiziert Professor Dr.
med. Andreas Fritsche, Vizepräsident der DDG. „Erst wenn die Reformpläne
auch diese Gruppen berücksichtigen und ihnen eine hohe
Versorgungssicherheit gewährleisten, kann eine Zeitenwende in unserem
Gesundheitssystem gelingen.“ Auf der Jahrespressekonferenz der DDG
diskutieren Expert*innen zu den Chancen und Risiken der Krankenhausreform
in Bezug auf die Diabetologie.

Dabei kommen sie überein, dass die verantwortliche Regierungskommission
dringend anerkennen muss, dass Diabetes mellitus im bisherigen System der
diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG) viel zu wenig Berücksichtigung findet.
„Die Endokrinologie und Diabetologie sind mitunter die reformbedürftigsten
Sektoren hinsichtlich Finanzierung und Versorgungsstrukturen. Schon jetzt
ist die Versorgung der Betroffenen auf Krankenhausstationen akut
gefährdet“, betont Fritsche. Die stark steigenden Diabeteszahlen auf
erwartete 12 Millionen in den kommenden zehn Jahren, drohen den ambulanten
sowie den stationären Sektor zu überlasten, so der Diabetologe vom
Universitätsklinikum Tübingen. „Doch derzeit scheinen die politisch
Verantwortlichen diese Versorgungslage noch zu sehr zu unterschätzen.“

Fritsche weist darauf hin, dass in Krankenhäusern inzwischen jeder fünfte
Patient über 20 Jahren Diabetes hat, was jährlich etwa drei Millionen
Krankenhausbehandlungen mit und wegen Diabetes bedeutet.1 Hinzu kommt,
dass die Betroffenen bereits in jungen Jahren ins Krankenhaus müssen,
längere stationäre Aufenthalte und mehr Komplikationen haben als
stoffwechselgesunde Mitmenschen – das zeigt eine aktuelle Studie.2 „Im
Alter zwischen 40 und 50 Jahren sind sie darüber hinaus dreimal mehr von
Schlaganfall und Myokardinfarkt betroffen, was wiederum ihr Sterberisiko
erhöht“, führt Studienautor Alexander Eckert, Wissenschaftlicher
Mitarbeiter an der Universität Ulm, Institut für Epidemiologie und
medizinische Biometrie am ZIBMT, aus.

Das mangelnde Bewusstsein für Diabetes in Kliniken resultiert aus
fehlenden Diabeteskenntnissen. Nur 17 Prozent der Kliniken halten eine
ausreichend qualifizierte Diabetesexpertise gemäß DDG Zertifizierung vor,
mit sinkender Tendenz. Dies schlägt sich auch im Umgang mit den
Diabetespatient*innen nieder. Bisher wird bei stationärer Aufnahme nicht
flächendeckend und nach einheitlichen Standards auf Diabetes gescreent und
behandelt. Dabei zeigen Untersuchungen, dass bis zu 23 Prozent aller
Patient*innen in Notaufnahmen einen nicht bekannten Diabetes haben. Einer
Umfrage zufolge hat fast jeder dritte Mensch mit Diabetes Typ 1 schlechte
Erfahrungen in einer nicht-Diabetes-zertifizierten Klinik gemacht.
Insbesondere Insulinpumpenpatient*innen blieben in über 80 Prozent ohne
Ansprechpartner für ihre Technologie.3 „Der Aufenthalt in Krankenhäusern
könnte für Diabetespatient*innen zunehmend gefährlich und tödlich werden“,
mahnt Fritsche.

Die DDG fordert auf Grundlage dieser Erkenntnisse die Schaffung besserer
Versorgungsstrukturen an Kliniken und stellte dafür auf der
Jahrespressekonferenz folgenden 5-Punkte-Plan auf:

1.      Einrichtung von DIABETES UNITS in Krankenhäusern
2.      Im Rahmen der geplanten Krankenhausstrukturreform qualifizierte
zertifizierte und abgestufte Diabetesbehandlung auf allen Ebenen. Diabetes
droht, entweder ganz vergessen zu werden oder eine Verbannung auf den
untersten Level der Versorgung.
3.      Versorgungsqualität muss sich lohnen! Krankenhäuser mit
Diabetesbehandlungsstrukturen sollten finanzielle Zuschläge erhalten,
Einrichtungen ohne diabetologische Expertise finanzielle Abschläge.
4.      Vulnerable Gruppen schützen! Kinder oder multimorbide ältere
Patienten mit einem Diabetes brauchen besondere Pflege und zeitintensive
ärztliche Betreuung. Das muss kostendeckend abgebildet sein.
5.      Ein obligates Diabetesscreening (HbA1c) und Management in den
Notaufnahmen und Stationen der Krankenhäuser

Literatur:

1Auzanneau M, Fritsche A, Icks A, Siegel E, Kilian R, Karges W, Lanzinger
S, Holl RW. Diabetes in the Hospital—A Nationwide Analysis of all
Hospitalized Cases in Germany With and Without Diabetes, 2015-2017. Dtsch
Arztebl Int. 2021 Jun 18;118(24):407-412. doi: 10.3238/arztebl.m2021.0151.

2Eckert AJ, Fritsche A, Icks A, Siegel E, Mueller-Stierlin AS, Karges W,
Rosenbauer J, Auzanneau M, Holl RW. Common procedures and conditions
leading to inpatient hospital admissions in adults with and without
diabetes from 2015 to 2019 in Germany : A comparison of frequency, length
of hospital stay and complications. Wien Klin Wochenschr. 2023 Feb
10:1-11. doi: 10.1007/s00508-023-02153-z. Online ahead of print.

3Hess G, Weber D, Kellerer M, Fritsche A, Kaltheuner M. Erfahrungen von
Diabetes Typ 1 Patienten bei stationären Behandlungen - eine
Patientenbefragung von winDiab.  Diabetologie und Stoffwechsel 2023 in
press

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Herzkrank und erkältet: Wann darf man wieder Sport machen?

Husten, Schnupfen und Fieber sind bei wechselhafter Wetterlage keine
Seltenheit. Wann können herzkranke Menschen nach einer Erkältung oder
grippalem Infekt wieder Sport treiben? Ein Sportkardiologe gibt Rat

Heute noch mild, morgen schon wieder kalt: Plötzlich wechselnde
Wetterlagen gehen oftmals auch mit einer steigenden Zahl an grippalen
Infekten, mit Husten, Schnupfen und Fieber einher. Gerade für Menschen mit
Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit (KHK)
oder einer Herzklappenerkrankung ist der Schutz ihres Herzens vor einer
möglichen zusätzlichen Schädigung durch eine Grippe (Influenza) oder einen
grippalen Infekt wichtig. Häufige Fragen vieler Herzpatienten sind in
diesem Zusammenhang: Wie erkenne ich, dass mein Herz infolge einer Grippe
geschädigt ist? Kann ich mich durch eine Grippeimpfung davor schützen? Und
wie lange muss ich nach einer Erkältung, einem grippalen Infekt oder einer
Grippe mit dem Sport pausieren? Antworten auf diese und viele weitere
Fragen gibt hier Sportkardiologe Prof. Dr. med. Jürgen Scharhag vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Infos sind auch
unter www.herzstiftung.de/sport-nach-erkaeltung abrufbar.

Wichtig für Herzkranke: Grippeimpfung zum Schutz vor Herzbeteiligung
„Eine Grippeimpfung ist gerade für Herzpatienten in jedem Fall ratsam.
Denn eine echte Grippe, die Influenza, wirkt sich bei etwa jedem zehnten
Erkrankten auch auf das Herz aus“, sagt Prof. Scharhag, der die Professur
für Sport- und Leistungsphysiologie am Zentrum für Sportwissenschaft und
Universitätssport der Universität Wien innehat. „Unter anderem kann eine
Herzmuskelentzündung, die Myokarditis, die Folge sein.“ Daher sind ohnehin
Herzkranke bei einer Grippe eher gefährdet, dass es zu weiteren
Herzproblemen kommt. Mit einer Impfung gegen Grippe (Influenzaviren) lässt
sich die Erkrankungswahrscheinlichkeit oder zumindest die Schwere einer
Influenza verringern – und damit auch das Risiko einer
Herzmuskelentzündung.
Allerdings werden die meisten Infektionen der oberen Atemwege nicht durch
Influenzaviren, sondern durch andere Viren wie Adenoviren oder Rhinoviren
hervorgerufen. Man spricht dann von einem grippalen Infekt im Unterschied
zu einer Grippe – auch wenn mitunter die Symptome ähnlich sind. „Auch
diese Viren können – wenn auch seltener als Influenzaviren – eine
Herzmuskelentzündung begünstigen, vor allem, wenn sich der Erkrankte nicht
genügend schont und auskuriert“, betont Scharhag.

Herzbeteiligung: Was sind typische Anzeichen?
Die Anzeichen einer Herzbeteiligung sind relativ unspezifisch, am
häufigsten anzutreffen sind
- Müdigkeit,
- Abgeschlagenheit,
- Kurzatmigkeit oder
- Engegefühl in der Brust bzw. Schmerzen hinter dem Brustbein oder
- Herzstolpern (bei etwa jedem fünften Betroffenen).

Bei diesen Symptomen sollte man umgehend zum Arzt, der bei Verdacht auf
eine Beteiligung des Herzens neben der Anamnese und einer körperlichen
Untersuchung, ein EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und eine
Blutuntersuchung vornehmen wird. Lässt sich mit den aufgeführten
Untersuchungen eine Beteiligung des Herzens nicht zweifelsfrei nachweisen
oder ausschließen, ist als nächster Schritt eine Kernspintomographie
(Kardio-MRT) des Herzens erforderlich.

Wie lange nach einem Infekt bis zum sportlichen Neustart pausieren?
Gegen einen grippalen Infekt gibt es keine spezifische Therapie. Dennoch
lassen sich die Symptome – wie auch bei einer Influenza – durch
Erkältungsmittel wie Nasentropfen oder fiebersenkende Mittel häufig
bessern. Oft empfinden Betroffene auch das Inhalieren als hilfreich. Wer
sich wieder fitter fühlt, kann zunächst Spaziergänge an der frischen Luft
absolvieren.
Auf Sport sollte man hingegen generell für die Dauer der Erkrankung
verzichten, rät Sportkardiologe Scharhag. Der Körper sei in dieser Phase
geschwächt. Eine sportliche Belastung beeinflusse dann das Immunsystem und
könne somit schädlich sein. „Wie lange die Sportpause sein sollte, lässt
sich pauschal nicht sagen, weil jeder Infekt unterschiedlich verläuft und
sich jeder Betroffene individuell unterschiedlich schnell erholt.“ Meist
liege man bei einem gewöhnlichen grippalen Infekt der oberen Atemwege mit
einer Pause zwischen sieben und 14 Tagen richtig. Bei einer Influenza
sollte man sogar mindestens 14 Tage pausieren. „Bis zu einem sportlichen
Neustart mit zunächst niedrigen Belastungsintensitäten sollten wenigstens
zwei bis drei symptomfreie Tage vorliegen.“

Generell sind bei Erkältung, grippalem Infekt oder Grippe folgende Punkte
zu beachten

- Je stärker der Infekt war, desto länger die Pause.
- Bereits bei leichten Symptomen wie Halsschmerzen, Schnupfen oder Husten
auf Sport und Training verzichten.
- Bei Gliederschmerzen oder Fieber ist körperliche Schonung erforderlich
und Sport absolut tabu.
- Sind die Beschwerden/Symptome weg und es besteht wieder eine gute
Leistungsfähigkeit im Alltag (z.B. erkennbar beim Treppensteigen), kann
sanft mit lockerem bzw. erholsamem Training gestartet und dieses behutsam
nach Befindlichkeit über ein bis zwei Wochen gesteigert werden. Dabei
immer auf den eigenen Körper achten und z.B. den Puls kontrollieren.
- Bei Mattigkeit/Energielosigkeit mit dem Sport lieber noch warten. Und
bei Unklarheiten hinsichtlich der Belastbarkeit sicherheitshalber beim
Arzt vorstellen.
- Wurde eine Herzbeteiligung/Myokarditis festgestellt, muss mindestens
drei Monate pausiert werden und die Sporttauglichkeit von einem
Sportkardiologen u. a. mit Ruhe-EKG, Herzultraschall und Belastungs-EKG
beurteilt werden. Bei regelrechten Befunden kann dann wieder mit dem Sport
begonnen werden.

(ne/wi)

Tipps:
Eine Sprechstunden-Antwort bietet die Herzstiftung unter
www.herzstiftung.de/sport-nach-erkaeltung

Tipps für Herz-Kreislauf-Patienten zum Thema Kälte bei Herzproblemen:
www.herzstiftung.de/herzprobleme-bei-kaelte

Experten-Tipps zum Sport zu Hause bietet die Herzstiftung unter
www.herzstiftung.de/sport-zu-hause an.

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Schlafprobleme – Was dagegen hilft

Schlafprobleme Symbolbild
Schlafprobleme Symbolbild

Ausreichend Schlaf ist wichtig, um gesund zu bleiben und für die vielfältigen Anforderungen des Alltags gewappnet zu sein. Viele Menschen schlafen jedoch schlecht, was auf Dauer zu einem ernsthaften Problem werden kann. Wir werfen einen Blick auf die Ursache von Schlafproblemen und verraten, was Sie dagegen tun können.

 

Schlaflosigkeit kann auf Dauer krank machen

 

Jeder hat mal eine schlechte Nacht, doch wer über längere Zeit regelmäßig zu wenig schläft, leidet an einem echten Schlafproblem. Die meisten Erwachsenen benötigen 7 bis 8 Stunden Schlaf, um am nächsten Tag erholt und leistungsfähig zu sein. Menschen, die zu wenig schlafen, fühlen sich dagegen schlapp, antriebslos und schnell überfordert. Trotz ihrer Erschöpfung können sie in der nächsten Nacht jedoch wieder nicht gut schlafen, sodass ein Teufelskreis entsteht. Dazu kommt, dass Schlaflosigkeit verschiedene Krankheiten wie Depressionen, Bluthochdruck oder Diabetes fördert, denn unser Körper braucht den Schlaf, um sich zu regenerieren und Krankheitserreger wirksam zu bekämpfen. Wer an regelmäßigen Schlafproblemen leidet, sollte zunächst der Ursache auf den Grund gehen, um dann gezielt etwas dagegen zu tun. Ein Gespräch mit dem Hausarzt und eventuell eine körperliche Untersuchung können helfen, die Ursache für die Schlafprobleme zu finden.

 

Ursachen für Schlafprobleme und was dagegen hilft

 

Typische Schlafkrankheiten

 

Es gibt einige typische Schlafkrankheiten, die Betroffene daran hindern, eine erholsame Nachtruhe zu finden. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßig auftretende Albträume, hinter denen meist Ängste oder nicht verarbeitete Traumata stecken. Eine Psychotherapie kann hier effektiv Abhilfe schaffen. Eine weitere Schlafkrankheit, die häufig auftritt, ist das sogenannte Restless-Legs-Syndrom, bei dem die Betroffenen den Drang verspüren, ihre Beine bewegen zu müssen, obwohl sie eigentlich schlafen wollen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass es sich hier um ein vererbbares Leiden handelt, das sich durch Beinmassagen und ausreichend Bewegung in den Griff kriegen lässt. Weit verbreitet ist auch die sogenannte obstruktive Schlafapnoe, die sich durch eine Verengung der Atemwege während des Schlafens auszeichnet. Die Folge sind lautes Schnarchen und längere Atemaussetzer. Unbehandelt kann diese Krankheit im schlimmsten Fall zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen. Wirksam therapieren lässt sich das Leiden mit dem von Nyxoah entwickelten Genio-System.

 

Schlechte Lebensgewohnheiten, die den Schlaf rauben

 

Häufig verhindern auch schlechte Lebensgewohnheiten, dass wir gut ein- und durchschlafen. Wer schlecht schläft, sollte am Abend unbedingt auf anregende Getränke wie Alkohol, Kaffee oder Cola verzichten. Auch Nikotin wirkt sich negativ auf den Schlaf aus – wer raucht, sollte die letzte Zigarette des Tages am besten eine ganze Weile vor dem Zubettgehen anstecken. Schwere Mahlzeiten gilt es abends ebenfalls zu vermeiden, weil sie buchstäblich schwer im Magen liegen. Besser sind leichte Snacks. Bewegungsmangel führt auch zu schlechtem Schlaf – ausreichende Bewegung verhilft dagegen zu einer besseren Nachtruhe. Allerdings sollten Sie stärkere Anstrengungen auf den Tag verlegen und nicht kurz vor dem Schlafengehen ausführen. Wichtig für den Schlaf ist des Weiteren eine angenehme Umgebung: Ein komfortables Bett und ein gemütliches Schlafzimmer, das weder zu kalt noch zu warm temperiert ist, fördern einen guten Schlaf. Vermeiden Sie außerdem eine grelle Beleuchtung im Schlafzimmer und verzichten Sie darauf, vor dem Zubettgehen oder gar während der Nacht, aufs Smartphone zu schauen.

 

Was Sie noch für Ihren Schlaf tun können: Entspannungsübungen und Naturmedizin

 

Häufig verhindern körperliche Anspannung und ständiges Grübeln einen erholsamen Schlaf. Wer immer wieder seine Probleme im Kopf durchkaut, kann sich nicht entspannen und je später es wird, desto mehr innerer Druck entsteht, endlich einschlafen zu müssen, um den nächsten Tag zu überstehen. Oft klappt das dann erst recht nicht. Zu mehr innerer Ruhe und damit auch zu einem verbesserten Schlaf können verschiedene Entspannungstechniken wie Meditationen, Traumreisen oder autogenes Training führen. Auch die progressive Muskelentspannung hat schon vielen von Schlafproblemen betroffenen Menschen weitergeholfen. Über Bücher und CDs können Sie sich solche Techniken selbst aneignen. Alternativ lassen sie sich in Kursen erlernen, die zum Beispiel häufig von Volkshochschulen angeboten werden.

 

Ebenfalls hilfreich bei Schlafproblemen sind natürliche Arzneimittel, die auf die Kraft von Heilpflanzen wie Baldrian, Johanniskraut oder Melisse setzen. Produkte aus der Drogerie sind oft zu schwach dosiert – besser sind Mittel aus der Apotheke. Manchmal helfen auch Hausmittel weiter: Eine warme Milch mit Honig vor dem Zubettgehen wirkt wunderbar entspannend und kann das Einschlafen fördern.

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Telemedizin: Wie profitieren Herzkranke davon?

elekardiologie eröffnet neue diagnostische und therapeutische
Möglichkeiten – und unterstützt das ärztliche Zeitmanagement. In HERZ
heute erläutern Herzspezialisten, für welche Herzkrankheiten
Telekardiologie sinnvoll ist und wo sie noch fehlt

Was bis vor wenigen Jahren schwer vorstellbar war, ist heute gängige
Praxis: Das Arzt-Patienten-Gespräch „Auge in Auge“ und viele andere
ärztliche Tätigkeiten können heute auch digital erfolgen. „Der chronische
Zeitmangel in Kliniken und Praxen sowie die notwendige räumliche Distanz
während der Pandemie haben uns die Vorteile der Telemedizin klar vor Augen
geführt. Zugleich wurde auch schonungslos der dringliche Bedarf an
zusätzlichen telemedizinischen Strukturen offengelegt“, sagt der
Kardiologe Prof. Dr. Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der
Deutschen Herzstiftung. So eröffne die Telemedizin ganz neue diagnostische
und therapeutische Möglichkeiten gerade für chronisch kranke Patienten,
wie der Chefredakteur von HERZ heute betont. Ärzte können sich wiederum
über räumliche Entfernung und ohne zeitlichen Verzug untereinander
austauschen – wenn entsprechende Strukturen aufgebaut sind. Die aktuelle
Ausgabe 1/2023 der Herzstiftungs-Zeitschrift widmet sich unter dem Titel
„Fernblick auf das Herz“ der Telekardiologie und den digitalen Lösungen
für Herz-Kreislauf-Patienten. Ein Probeexemplar der aktuellen HERZ heute
kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert werden.
Rund 80 Prozent aller Beratungen in Hausarztpraxen gelten chronisch
kranken Patienten, etwa vier Fünftel der gesamten Ausgaben im
Gesundheitswesen entfallen auf chronische Erkrankungen. Bis zu vier
Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Schätzungen allein an
Herzinsuffizienz (Herzschwäche), rund 430.000 Klinikeinweisungen pro Jahr
in Deutschland gehen auf Herzschwäche zurück. Und aufgrund der
demografischen Entwicklung ist mit einer weiter steigenden Zahl an
Herzschwäche-Patienten zu rechnen. Im Spannungsfeld zwischen Sparzwängen
im Gesundheitswesen, einer abnehmenden Dichte an Versorgungsangeboten im
ländlichen Raum und einem steigenden Bedarf an kardiologischen Leistungen
zur Versorgung chronisch und akut herzkranker Menschen können digitale
Technologien helfen, drohende Versorgungslücken zu schließen. Wo das
bereits der Fall ist und an welchen digitalen Zukunftslösungen geforscht
wird, darüber berichtet HERZ heute.

Digitale Lösungen betreffen sämtliche Herzkrankheiten
Das Interesse von Herz-Kreislauf-Patienten an den Einsatzmöglichkeiten
digitaler Lösungen ist enorm. Schließlich betreffen Anwendungsgebiete der
Telekardiologie mittlerweile sämtliche Herzkrankheiten wie koronare
Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche. Sie werden
etwa in der Nachsorge nach einem Herzinfarkt oder einem herzchirurgischen
bzw. interventionellen Eingriff eingesetzt. „Patientinnen und Patienten
profitieren dabei auf der einen Seite von der telemedizinischen Kontrolle
ihres Gesundheitszustands, der engmaschigen Beobachtung des
Genesungszustands nach einer Reha oder von der Wirksamkeitskontrolle
medizinischer Maßnahmen“, erklärt Meinertz, selbst emeritierter Direktor
eines universitären Herzzentrums. Auf der anderen Seite wird ihre
Eigenverantwortlichkeit gestärkt. Darüber hinaus ergänzen neue sogenannte
Smart Devices wie Smartphone und Wearables lange etablierte Technologien
zur Detektion von Herzrhythmusstörungen wie Implantierbare Defibrillatoren
(ICD), Herzschrittmacher und Ereignisrekorder. Dies erweitert die
Möglichkeiten der Nachsorge deutlich.
Behandler profitieren von der Telemedizin u. a., indem sie effizienter
Wissen austauschen und übermitteln können. Das kann mittels
Telekonsultation (von der Schwerpunktklinik zum kleinen Krankenhaus),
Teleradiologie (Übertragung von Röntgenbildern) und Telepathologie
(Digitalisierung mikroskopischer Befunde, Labordaten) sein. Konkrete
telemedizinische Anwendungen zwischen Arzt und Patient sind die
Videosprechstunde, die Telediagnostik und -therapie sowie das
Telemonitoring, d. h. die Fernuntersuchung, Ferndiagnose und
Fernüberwachung von Patienten.

Telemonitoring bei schwerer Herzschwäche: „Digitaler Betreuungsschirm“
Ein besonderer Stellenwert in der Betreuung von chronisch kranken Menschen
kommt dem Telemonitoring zu. Bei chronischer Herzinsuffizienz ist die
Telemedizin am weitesten entwickelt und zugleich die erste digitale
Versorgungsform, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als
eigenständige Untersuchungs- und Behandlungsmethode anerkannt wurde. Damit
erstatten die gesetzlichen Krankenkassen einen großen Teil der Kosten.
Hintergrund ist, dass bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz der
Zustand schnell von einer stabilen Phase hin zu einer dramatischen
Verschlechterung der Herzfunktion (Dekompensation) „entgleisen“ kann, so
dass ein Klinikaufenthalt erforderlich wird. Das kontinuierliche
Übertragen relevanter Gesundheitsdaten in die elektronische Fallakte des
Arztes wie Körpergewicht, Sauerstoffsättigung, Blutdruck oder die
Aufzeichnung eines EKG hilft dabei, individuell definierte Grenzwerte
nicht zu überschreiten, damit es erst gar nicht zur Klinikeinweisung
kommt. „Ein solcher digitaler Betreuungsschirm kann für Patienten mit
schwerer Herzschwäche lebensrettend sein“, sagt Prof. Dr. med. Friedrich
Köhler, Leiter des Arbeitsbereichs Kardiovaskuläre Telemedizin der Klinik
für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Deutschen Herzzentrum
der Charité (DHZC) in Berlin, in HERZ heute.
Für Patienten mit Herzschwäche kommt als weitere Technologie die
Fernüberwachung des Blutdrucks in der Lungenarterie neu hinzu. Sie könnte
künftig helfen, eine Dekompensation noch früher zu erkennen. Das Verfahren
wird derzeit in einer großen Studie in deutschen Zentren untersucht
(PASSPORT-HF). Unterstützend für diese Patienten wirken ferner
strukturierte Anrufe, etwa von speziell ausgebildeten
Herzinsuffizienzschwestern. Diese „Online-Schutzengel“ erfragen regelmäßig
bei den Herzschwäche-Patientinnen und -patienten Lebensqualität,
Medikamenteneinnahme und eventuelle Beschwerden.

Fernblick auf den Herzrhythmus mit Wearables
In der telemedizinischen Versorgung von Patienten mit
Herzrhythmusstörungen sind Herzschrittmacher und ICDs, die Messwerte und
aufgezeichnete Herzrhythmusstörungen an den Arzt übermitteln, bereits
etablierte Technologien. Das gilt auch für implantierbare
Ereignisrekorder. Mit Wearables wie Smartphone oder Smartwatch stehen nun
weitere digitale Helfer zur Verfügung, mit denen Patienten ihren
Herzrhythmus selbst aufzeichnen können (Infos unter www.herzstiftung.de
/smartwatches-herzpatienten). Für deren richtige Nutzung müssen Patienten
allerdings ein paar wichtige Punkte beachten. „So hängt die Auswahl des
richtigen Gerätes unter anderem von der digitalen Kompetenz des Patienten
und des Arztes ab“, betont Prof. Dr. med. David Duncker, Leiter des
Hannover Herzrhythmus Centrums der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
in HERZ heute. Arzt und Patienten sollten gemeinsam Art und
Aufzeichnungsweise des Diagnoseinstruments bestimmen. Welche
Rhythmusstörung wird vermutet, welche Symptome bestehen, wie häufig treten
Anfälle auf und wie lange dauern sie? Die meisten Wearables bieten
inzwischen zuverlässige EKG-Funktionen zum Nachweis von Vorhofflimmern.
„Die Diagnose muss jedoch immer von einem Arzt bestätigt werden“, mahnt
Duncker.
(wi)

Aktuelle HERZ heute: Jetzt Probeexemplar anfordern!
Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an
Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Weitere Infos zum Thema
bietet die aktuelle Zeitschrift HERZ heute 1/2023 „Fernblick auf das Herz
– Telekardiologie: Digitale Lösungen für Herz-Kreislauf-Patienten“ Ein
kostenfreies Probeexemplar ist unter Tel. 069 955128-400 oder unter
www.herzstiftung.de/bestellung erhältlich.
Für Redaktionen
Rezensionsexemplar der aktuellen HERZ heute
Ein Rezensionsexemplar dieser aktuellen Ausgabe von HERZ heute erhalten
Sie gerne per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder per Tel. unter 069
955128-114.

Weitere Infos der Herzstiftung zu telemedizinischen Themen unter:
www.herzstiftung.de/smartwatches-herzpatienten
www.herzstiftung.de/herzinsuffizienz-telemedizin
www.herzstiftung.de/herzfit-app

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