Lucerne Festival im Sommer 2015: Sinfoniekonzert 4 Festival Strings Lucerne | Klavierduo Yaara Tal & Andreas Groethuysen | Daniel Dodds | Kurt Aeschbacher, besucht von Léonard Wüst

Das Lucerne Festival im Sommer 2015 steht unter dem Motto „Humor“, der durchaus in der sogenannt ernsten Musik seinen Platz hat und auch vorhanden ist, wie Intendant Michael Häfliger immer wieder bekräftigt.
Der Auftakt mit Benjamin Brittens „Simple Symphony“ erwies sich dann doch nicht als so simpel, wie der Werk Name suggerierte. Eine Komposition, die für ein Streichorchester geschrieben ist, also waren zu Beginn keine Bläser auf der Bühne vertreten, fast symbolisch, spielten doch die Festival Strings. Interessante, spannend emotionale Jugenderinnerungen, die Britten in Musik umgesetzt hatte, demensprechend ungestüm startet der erste Satz mit dem „Biosterous Bourrée“ im Allegro ritmico, wechselt im zweiten zu einem fulminanten „Playful Pizzicato“, freudig und listig rasant gezupft von Konzertmeister Daniel Dodds und seinen Mitmusikern, die er zwar im Sitzen, aber trotzdem mit vollem Körpereinsatz animierte und vorantrieb. Dann die „Sentimental Sarabande“ mit strenger erhabener Würde, nachdenklich stimmend, etwas überzeichnet, aber nicht mit trockenem britischen Humor, eher spitzbübisch augenzwinkernd, was sich auch in der furios überzeugenden Brillanz des „Frolicsome Finale“ wiederspiegelt und die das Publikum voll begeisterte und zu Applausorgien veranlasste.
Es folgte ein kurzer Bühnenumbau, das Bereitstellen zweier Konzertflügel für das nun folgende Konzert für zwei Klaviere von Wolfgang Amadeus Mozart, das dieser in Salzburg 1779 im Alter von 23 Jahren verfasste, für sich und seine Schwester Maria Anna „Nannerl“, mit der zusammen er das Konzert wohl auch des Öftern dort vorgetragen haben dürfte, was damals durchaus üblich war, aber nirgendwo genau dokumentiert ist.
Zum Konzert: Nun gesellten sich auch die Bläser zu den Streichern. Das Klavierduo, die Israelin Yaara Tal (1955*) und der Deutsche Andreas Groethuysen (1956*) nahmen ihre Plätze an den Flügeln ein. Daniel Dodds dirigierte das Werk stehend an, um sich schon nach wenigen Takten wieder hinzusetzen. Das Orchester glänzend aufgelegt, die Klaviervirtuosen fügten sich nahtlos ein, fein perlend die Läufe beim Allegro, filigran bis ins Detail austariert und ausgewogen harmonierten und ergänzen sich die beiden, ihren Ruf als eines der weltbesten Klavierduos festigend. Sicht - und spürbar die überschäumende Spielfreude bei der man sich gut vorstellen konnte, wie auch die Mozartgeschwister damals einander die Noten und Harmonien zuspielten, sich gegenseitig zur Perfektion antreibend. Nahtlos weiter der Genuss beim Andante des zweiten Satzes, etwas unspektakulär beginnend, ruhig routiniert und abgeklärt, dann aber kehrten die Emotionen zurück und die Kadenz erhöhend begannen die beiden einen musikalischen Dialog auf höchstem Niveau, grandios unterstützt von den, einmal mehr, souverän abgeklärten stilsicheren Festival Strings. Alles locker meisterhaft dargeboten und vom Auditorium dementsprechend bejubelt und gefeiert begaben sich die Musiker in die wohlverdiente Pause.
Der zweite Konzertteil startete mit Darius Milhaud: Le Bœuf sur le toitop. 58, das er kurz nach einer Brasilienreise eigentlich für einen Charly Chaplin Stummfilm komponierte, das dann aber anlässlich eines Kulturhappenings von Jean Cocteau im Jahre 1920 in der Comédie des Champs – Elysées als Ballettmusik erstmals zur Aufführung kam und entsprechend interessiert zur Kenntnis genommen wurde. Ein Werk, von dem gut vorstellbar ist, dass es George Gershwin für seine Cuban Overture inspiriert und beeinflusst haben könnte, sind es doch vor allem die markanten Bläsersequenzen, die diese quirlige Komposition prägen.
Dann folgte Camille Saint-Saëns : Le Carnaval des Animaux
Text : Loriot, von Kurt Aeschbacher in Mundart transponiert.
Auch hier wieder ein äusserst souveränes Musikensemble, inklusive dem Klavierduo Tal/ Groethuysen. Durch den Klang der Glasharfe hörte man die Kolibris schwirren, die Schreie der Violinen gingen manchmal durch Mark und Bein, wie textlich vorgegeben. Ein äusserst ansprechender Text, witzig, engagiert mit persönlichen Anpassungen vorgetragen, so mutierten z.B. die Kängurus zu Austauschstudenten aus Australien usw.
Ein jedes für sich ein Genuss, funktionierte aber irgendwie einfach nicht als „Ganzes“, sondern erinnerte etwas an Disneys Dschungelbuch, eben nur mit Musik und Text, statt zusätzlich auch bebildert. Die meisten nahmens gelassen, mit dem eingangs erwähnten Humor, dem das Sommerfestival ja gewidmet ist, verliessen aber doch ziemlich zügig den Saal, während Aeschbacher Fans die Protagonisten doch relativ heftig beklatschten.
Zugabe nach der ersten Konzerthälfte:
Yaara Tal & Andreas Groethuysen, Klavierduo: Sonata facile (Wolfgang Amadeus Mozart) in der Bearbeitung von Edward Grieg - 1. Satz, von einem Bekannten des Pianisten als „Mozart im Rotlichtmilieu“ bezeichnet oder auch Mozart light, also einfach, eben facile.
Zugabe nach der zweiten Konzerthälfte:
Festivals Strings Lucerne Saint-Saëns: Le Carnaval des Animaux – Finale.
Fazit: Geschmäcker sind halt doch sehr verschieden, dieses Konzert entsprach nicht ganz dem meinen, was den Tierkarneval anbelangt.
Text: www.leonardwuest.ch
Fotos: www.lucernefestival.ch
festivalstringslucerne.org/de/home
www.gabrielabucher.ch Paul Ott:www.literatur.li
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Es konzertierte das Mozart Ensemble Salzburg in der Besetzung:
Zuerst genoss ich im Festungsrestaurant, die Stadt Salzburg mir zu Füssen liegend, das zum gebuchten Arrangement gehörende Drei – Gang Menu, nicht ahnend, dass ich die angefutterten Kalorien umgehend wieder verbrennen würde.
Nichtendenwollende Applauskaskaden ermunterten die Protagonisten, noch eine schmissige Strausspolka nachzulegen, dies natürlich frenetisch bejubelt durch die Anwesenden. Irgendwann endet auch das schönste Konzert, glücklich und zufrieden verliess man Hohensalzburg, um mit der Festungsbahn wieder ins Tal zu fahren, angeregt diskutierend. Zu aller Freude, waren die Musiker im selben Wagen mit dabei und erfüllten noch eifrig die Autogrammewünsche. Zusammenfassend denk ich, diesen Aufstieg vom Restaurant zum „Goldenen Saal“ würde ich wieder mal in Kauf nehmen, jetzt wissend, womit ich dafür belohnt werde.
Grundsätzliches zu den Bregenzer Festspielen:
Das Programm der Bregenzer Festspiele umfasste beispielsweise 2014 etwa 80 Veranstaltungen, die von über 215.000 Zuschauern besucht wurden. Das Hausorchester der Festspiele sind die Wiener Symphoniker. Gespielt wird auf der Seebühne (ca. 7000 Plätze), dem Festspielhaus Bregenz mit bis zu 1765 Plätzen, dem Theater am Kornmarkt und auch im Kunsthaus Bregenz finden Veranstaltungen statt
Bregenz benötigt auch keine grosse Namen bei der Besetzung um die Massen anzulocken die es braucht, um die Tribüne für jede der 26 Aufführungen voll zu besetzen. Bregenz setzt auf qualitativ grossartige Sänger/Darstellerinnen in wechselnden Besetzungen, um den Erwartungen gerecht zu werden und den selbstgesetzten Ansprüchen zu genügen. Dass dies gelingt, belegen die Besucherzahlen eindrücklich. Für Musikliebhaber fast ein „Muss“, jedes zweite Jahr nach Bregenz zu pilgern und trotzdem immer wieder aufs Neue beeindruckt zu sein.
Besonders eindrucksvoll die mit einem aussergewöhnlichen Timbre gesegnete Marjukka Tepponen als Liù, die nach verhalten zartem Beginn ihrer Rivalin Turandot (Erika Sunnegardh) auch mit erstaunlicher Selbstbestimmtheit entgegen tritt.
Marco Arturo Marelli richtete nicht die ganze Inszenierung nur auf das „“Nessun dorma“ aus, ungewohnt aber nachvollziehbar in dieser Umgebung und das Werk von Puccini hat ja auch nach dieser Arie noch einiges zu bieten.
Einmal mehr ein Feuerwerk an Eindrücken für alle Sinne, präsentiert von einem aussergewöhnlichen Ensemble, begleitet von den gewohnt souveränen Wiener Symphonikern unter der Leitung von Paolo Carignani und vom Publikum mit heftig enthusiastischen Schlussapplaus entsprechend gewürdigt.
Im Stiftskeller St. Peter ist der Spielort des Mozart Dinner Concerts – ein einzigartiges, historisches Umfeld, dem berühmten Benediktiner-Kloster angeschlossen und im ältesten Teil Salzburgs gelegen. Das Restaurant wurde im Jahre 803 erstmals urkundlich erwähnt von Alkuin von York, dem Sänger Karls des Großen. Daher wird es als das älteste Restaurant Mitteleuropas bezeichnet. Der Barocksaal ist auch einer der wenigen Konzerträume Salzburgs, in welchem noch echtes Kerzenlicht gestattet ist. Man kann dies bei kaum einem anderen Konzert mehr erleben.
Es herrschte allseits Zufriedenheit und Vorfreude auf das Dessert, das mir dann doch noch die nicht gesungene „Königin der Nacht“ in Form einer Portion Salzburger Nockerln anstelle des vorgesehenen Honig Parfaits bescherte. Zusammengefasst ein gelungener Abend, natürlich irgendwie auch touristentauglich inszeniert, aber das beherrschen die Österreicher halt wirklich meisterhaft und wenns den Besuchern gefällt und schmeckt, ist das Ziel ja erreicht und alle Seiten sinds zufrieden. Natürlich erwarte ich an so einem Anlass nicht den Level einer Inszenierung an der Wiener Staatsoper. Es ist eine gelungene Mischung von Kulinarik für den Körper und Musik für die Sinne und das Gemüt, wobei die Küchenleistung leider nicht ganz mit der künstlerischen mithalten konnte. Bedienung war aufmerksam, jederzeit präsent und sehr freundlich. Das Preis - Leistungsverhältnis ist durchaus in Ordnung, also keineswegs etwas in Richtung Touristenfalle. Mozart für jedermann, amüsant, vergnüglich und unterhaltend dargereicht.