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Geschichte des Philharmonia Orchestra London

 Philharmonia Orchestra LondonDas Philharmonia Orchestra ist ein Sinfonieorchester in London. Im Lauf seiner Geschichte wechselte es mehrfach den Namen.

Nachdem der EMI-Produzent Walter Legge im Zweiten Weltkrieg die besten Musiker des Vereinigten Königreichs zusammengesucht hatte, gründete er 1945 das Philharmonia Orchestra als reines Schallplattenorchester. Seine „Erziehung“ legte er in die Hände Herbert von Karajans.1964 gab EMI bekannt, das Orchester nicht mehr weiter finanzieren zu wollen. Die Orchestermusiker schlossen sich daraufhin als privatrechtlicher Verein zusammen und begannen auch Konzerte zu veranstalten. Da sich der Dirigent Ling Tung den Namen Philharmonia Orchestra Camden für ein Orchester in New Jersey hatte rechtlich schützen lassen, fürchteten die Musiker rechtliche Schwierigkeiten wegen der Verwendung des bisherigen Namens und nannten sich zunächst New Philharmonia Orchestra. 1977 kehrte das Orchester zum ursprünglichen Namen zurück, ab 1988 hieß es einfach The Philharmonia. Seit 2000 tritt das Orchester wieder als Philharmonia Orchestra in Erscheinung und hat den Namen in einer Wortmarke manifestiert.

Das Philharmonia Orchestra zählt zu den renommiertesten Klangkörpern der Welt und ist mit mehr als 1.000 CD- und Schallplattenaufnahmen eines der weltweit gefragtesten Orchester. Seit 1995 ist die Royal Festival Hall feste Spielstätte des Orchesters.

Mit Beginn der Saison 2008/09 übernahm Esa-Pekka Salonen den Posten des Chefdirigenten; Christoph von Dohnányi wurde gleichzeitig zum Ehrendirigenten ernannt.

Chefdirigenten

Otto Klemperer (1959–1973)
Riccardo Muti (1973–1982)
Giuseppe Sinopoli (1984–1997)
Christoph von Dohnányi (1997–2008)
Esa-Pekka Salonen (seit 2008)

www.philharmonia.co.uk/

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Migros – Kulturprozent – Classics präsentiert: Philharmonia Orchestra London, KKL Luzern, 30. Oktober 2015, besucht von Léonard Wüst

Philharmonia Orchestra LondonProgramm und Besetzung:

Richard Dubugnon
Caprice für Orchester Nr. 1 op. 72, Kompositionsauftrag Migros-Kulturprozent-Classics
Johannes Brahms
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77
Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 5 Es-Dur op. 82

Esa-Pekka Salonen (Leitung)

Arabella Steinbacher (Solistin Violine)

Rezension:

 

Mit dem von Richard Dubugnon komponierten Auftragswerk des Migros – Kulturprozent – Classics: Caprice für Orchester Nr. 1 op. 72 startete das Orchester furios in den Konzertabend. Esa-Pekka Salonen DirigentDer, trotz seinen 57 Jahren, immer noch sehr sportlich - jugendlich wirkende finnische Dirigent ging die Komposition zügig an, welche vom Schweizer Komponisten, orientiert am romantischen Sinfonieorchester ( doppeltes Holz, vier Hörner, je drei Trompeten und Posaunen und einer Pauke, aber ohne Zusatzinstrumente) orchestriert ist. Dabei lässt Dubugnon die drei Orchestergruppen Streicher, Holz – und Blechbläser virtuos aufeinanderprallen. Die Pauke, mit umfangreichem solistischem Part, steht für sich, quasi  als eine Art Schiedsrichterin. So kam auch das volle Klangvolumen des zahlenmässig gross besetzten Londoner Orchesters zum Ausdruck und die Freude und das Engagement der Musiker war förmlich spürbar und motivierte auch die Besucher im gut besetzten Konzertsaal. Das Werk ist als monothematischer Satz angelegt, also nur ein einziges prägnantes Thema das verschiedenen Veränderungen unterworfen ist , von rhythmisch zupackend bis lyrisch episch entspannt, dabei besteht es aus einer aufsteigenden und einer absteigenden Phrase, was der Interpretation zusätzliche Räume gewährt, die  Salonen auch nutzte zu einer überzeugenden Umsetzung von Dubugnons Ideen. Eine Besonderheit ist der unerwartet abrupte Schluss, wo sich alles ins Nichts auflöst. Das Publikum honorierte diese zeitgenössische Komposition mit reichlich Applaus und der Dirigent bat den anwesenden Richard Dubugnon auf die Bühne, wo dieser einen Extraapplaus abholen durfte.

Arabella Steinbacher Solistin ViolineEs folgte das nominelle Kernstück des Abends: Brahms Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77., wo Brahms dem Orchester die gleiche Bedeutung wie dem Soloinstrument beimass, besonders deutlich durch das Oboen Solo zu Beginn des 2. Satzes. Deshalb, aufgrund der schwierigen Läufe für den Solopart, auch für Nichtmusikwissenschaftler unschwer zu erkennen, dass dieses Werk von einem Pianisten geschrieben wurde.

So bemerkte etwa der spanische Geigenvirtuose und Komponist Pablo de Sarasate (1844 – 1908), er wolle nicht mit der Geige in der Hand der einzigen Melodie des ganzen Stückes lauschen.

Die in München geborene Geigenvirtuosin Arabella Steinbacher (Echo Klassik-Nachwuchskünstlerin des Jahres 2007)  betrat sehr selbstsicher die Bühne, gekleidet in ein türkisfarbenes Kleid, sich auch der optischen Wirkung durchaus bewusst. Die Zeiten der spröden, introvertierten Geigenmauerblümchen sind seit Anne Sophie Mutters Karrierestart definitiv vorbei. Die  eurasische Solistin (Mutter war Japanerin) spielt zurzeit die Booth Stradivarius (1716). Sie packte den Stier bei den Hörnern, respektive die Notenabfolge in ihrer Einzigartigkeit, löste sich aus dem Klangkörper, um, nach atemberaubenden Zwischensoli, sich wieder souverän ins Ganze einzufügen. Dabei entwickelte sie in den ganz romantischen Passagen viel Schmelz, lief aber nie Gefahr ins süss – zuckrige abzugleiten. Eine grandiose Demonstration von Können, Souveränität und Ausstrahlung, unterstützt durch ein hervorragendes Orchester, geleitet von einem ebensolchen Dirigenten, belohnt durch frenetischen, langanhaltenden Applaus, für den sich die Solistin mit einer kurzen Improvisation als Zugabe bedankte.  

Pablo de SarasateGutgelaunt aus der Pause zurückgekehrt, reichten die Protagonisten Jean Sibelius 5. Sinfonie dar, traditionell, stilsicher, ohne dass Salonen das Werk seines Landsmannes unbedingt neu erfinden wollte und das war genau richtig nach dem grandiosen ersten Konzertteil, der schwerlich zu übertreffen war, vor allem nicht durch eine ungewohnte Umsetzung der Komposition Sibelius`. Dass dies auch das sachkundige, dankbare Publikum so sah und goutierte, bekundete der langanhaltende Schlussapplaus, der durch die Zugabe des „Valse triste“ (auch eine Sibeliuskomposition) durch die Künstler belohnt wurde. Einmal mehr ein Glanzpunkt in der Reihe der Konzertreihe des Migros – Kulturprozent – Classics.

Arabella Steinbacher – Video Portrait:

www.youtube.com/watch?v=Z2KrAe-Vs5A

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/de/Home

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Emil – No einisch! am Luzerner Theater, 26. Oktober 2015, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Emil Steinberger Vorstandssitzung © Ursula HerspergerMit «Emil – No einisch!» bedankt er sich bei seinem grossen Fanpublikum für die Treue, die es ihm während Jahrzehnten geschenkt hat. Extra für sie hat er nun ein Programm zusammengestellt, in dem er «no einisch» beliebte Emil-Klassiker spielt, aber auch aktuelle Überlegungen kabarettistisch serviert.

 

 Rezension:

«No einisch Emil», das will sich niemand entgehen lassen, schon gar nicht in Luzern und so waren die Vorstellungen im Luzernern Theater binnen Kurzem alle ausverkauft. Im Foyer am Montagabend ist das Publikum bunt durchmischt, altersmässig bewegt es sich von ganz jung über nicht mehr ganz so jung bis hin zu Emils eigenem Alter, also wirklich nicht mehr jung. Auf einem langen Tisch liegen Emils Leben und Bühnenwerke in Form von ein paar übriggeblieben Videos, ja, das gibt es noch, unzähligen DVD’s und Büchern. Im sich langsam füllenden Theatersaal steigt der Lärmpegel im selben Masse wie die Erwartung.

 

Emil Steinberger_Kiosk_© Ursula HerspergerUnd dann steht er da, Emil, als leicht trotteliger Garderobenmann, das Publikum feiert ihn von den ersten altbekannt-emilhaft-verwirrten Sätzen an. Er ist ganz der Alte, nur etwas älter, was die Figur noch authentischer macht. Gekonnt leitet er danach über von gestern ins heute, da merkt man, dass er ein Profi ist, durch und durch. Als «Emil heute» redet er über «Emil gestern», leicht amüsiert und verständnisvoll für die skurrilen Nöte und Probleme der Figur, sozusagen eine Emil-Nummer über Emil. Seine Beobachtungsgabe hat er sich erhalten, auch in seinen neuen Nummern. Da thematisiert er vor allem das Alter, meisterhaft z.B. die Nummer über die Kurse für Senioren: das Podiumsgespräch über die Rheinschwimmer, der Ausflug zur Tramschlaufe, der Zusammenhang zwischen Feng-Shui und King Kong. Ebenso treffend jene über die Apps: jenes zur Erkennung der Sockenlöcher oder fürs Verfalldatum der Muttermilch.

 

Emil versteht es meisterhaft, die Absurditäten und Trivialitäten des Alltags zu karikieren. Dabei überlässt er es dem Publikum, ob es einfach nur lachen oder sich betroffen fühlen will, ob es das Ganze nur als gute Unterhaltung oder doch auch als sehr gut verpackte Kritik versteht. Alles muss dran glauben, er bedient unzählige Klischees, aber er bedient sie meisterhaft. Seine Mimik ist noch ausdrucksstarker geworden – unnachahmlich im legendären Sketch über die Kirche von Wassen oder als frustrierter Alter mit Kappe, Stumpen und beiger Jacke. Wenn er da die Vorkommnisse im Quartier kommentiert, ertappt man sich insgeheim dabei, die eine oder andere Bemerkung nicht nur aus seinem Programm zu kennen.

 

Emil Steinberger_Kiosk_© Ursula HerspergerIm zweiten Teil seines Auftritts reiht sich Klassiker an Klassiker, da wird oft schon vor der Pointe gelacht und man flüstert sich diese vorgängig gegenseitig ins Ohr. Seine Präsenz auf der Bühne während der 2 ½ Stunden ist unglaublich, seine Professionalität ungebrochen, seine Energie bewunderns- und beneidenswert. Und während der Saal ihm während der Vorstellung zu Füssen lag, steht er am Ende minutenlang und feiert «seinen» Emil! «Ganz verreckt» sagt ein Besucher am Ausgang mit Tränen in den Augen.

Text: www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch

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John Mayall, the Blues Legend live in concert, Volkshaus Zürich, 21. Oktober 2015, besucht von Léonard Wüst

THE JOHN MAYALL BANDBesetzung:

John Mayall, guitar/vocals/harp – Rocky Athas, lead guitar – Greg Rzab, bass – Jay Davenport, drums

 

 

 

 

Rezension:

81 Jahre alt, tourt die Legende John Mayall, im Rahmen seiner «Hands that Play The Blues Tour», noch immer unermüdlich durch die Lande. Die europäische Antwort auf den am 14. Mai dieses Jahres verstorbenen B. B. King ist immer noch präsent und aktuell wie eh und je. Was bei andern ehemaligen Musikgrössen eher ein Tingeln durch die Provinz ist, um das Taschengeld aufzubessern, trifft auf den Erfinder des Europäischen Blues überhaupt nicht zu. Ein 90 minütiges Konzert ohne Pause voll motiviert und immer stehend zu performen, steht manch jüngerer Musiker kaum durch. Er war sicher nicht grad einer der uns bekanntesten Musiker der Rock/Pop Aera der 1960er Jahre, wie sich aber im Nachhinein erwies, einer der einflussreichsten.John Mayall am Keyboard (2006) Er war u.a. ein grosser Mentor und Förderer von Eric Clapton. In Dancings und Bars wurde damals Beatles, Rolling Stones, Bee Gees, The Kinks, Creedence Clearwater Revival, Manfred Mann aufgelegt, zum Schmusen auch mal Peter Maffays „DU“ oder gar das unsäglich scheussliche „Monja“. Mayall lief irgendwo am Rande mit, ohne gross aufzufallen, ausser natürlich den wirklichen Musikkennern, die wir ja nicht waren. Seine Songs sind keine Dutzendware, waren auch nicht grad Chartstürmer. Nicht umsonst ist er seit 60 Jahren eine unbestrittene Konstante im Musikgeschäft. Er hat als einer der Ersten, den Blues von den Wurzeln weg zu experimentelleren Formen gebracht.

Selbstverständlich müssen seine Mitmusiker, alle im Alter zwischen 55 und 60, über das nötige musikalische Rüstzeug verfügen und genug Selbstvertrauen haben, um neben dem Übervater des weissen Blues zu bestehen. Mayall liess ihnen auch genügend Raum während des Gigs um dies zu demonstrieren. Den nutzten ins besonders der Leadgitarrist Rocky Athas und der brillante Bassist Greg Rzab um sich in Szene zu setzen. Drummer Jay Davenport dagegen war in gewissen Passagen etwas ungenau, was von den andern Bandmitgliedern einiges an Konzentration erforderte. Die Truppe überzeugte mit erdigem, mitreissendem Blues und Blues-Rock, heftig gefeiert vom Publikum im nicht ganz ausverkauften Volkshaussaal. Beim ersten Song spielte der Meister das Elektropiano, für den zweiten schnallte er sich die Gitarre um. Song für Song mit dem unverkennbaren Groove. Da spielten nicht irgendwelche Altblueser ein Programm herunter, da lebt der Blues. Absoluter Konzerthöhepunkt: The mother in law Blues (der Schwiegermutter Blues). Besonders die Sequenzen mit der Bluesharp (Mundharmonika) beherrscht der Brite wie kein zweiter. Das Publikum genoss und feierte die Protagonisten ausgiebig, wohlwissend, Zeuge und Teil eines aussergewöhnlichen Konzertereignisses zu sein. Nachtrag: Die Line-Ups seiner «Bluesbreakers» in den 1960er und 1970er Jahren lesen sich wie ein «Who is Who» der Rock-Geschichte: Eric Clapton, Peter Green, Mick Taylor, Ginger Baker, John McVie und Mick Fleetwood – sie alle spielten in John Mayalls legendärer Band, die seinen Ruhm begründete und nichts weniger als Musikgeschichte schrieb. Bis heute hat Mayall nichts von seiner Energie verloren. Die wenigsten kennen wohl alle seiner Kompositionen, diese stürmten ja auch nicht gerade die Charts, sind aber immer noch gegenwärtig und wegweisend für Musiker, die sich im Blues bewegen.

John Mayall, live im Volkshaus Zürich, 21. Oktober 2015, Video 1 (Mayall mit Gitarre) Klaus Rothen

youtu.be/GElh0pHtEu0

John Mayall, live im Volkshaus Zürich, 21. Oktober 2015, Video 2 (Mayall mit E Piano) KlausRothen

youtu.be/BxI9-g-2rlk

ROCKY ATHAS, GUITAR SOLO, JOHN MAYALL & BAND, MEZZ BREDA 2012

youtube.com/watch?v=9O33nHKexl4

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Niklaus Rothen und  www.allblues.ch

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