Zum Hauptinhalt springen

Die Welt nach Corona – Herausforderungen und neue Perspektiven für Touristik und Verkehr

Eine Kooperationsinitiative des Fachbereichs Touristik/Verkehrswesen und
der Gleichstellungsinitiative FocusFrauen

Der Fachbereich Touristik/Verkehrswesen hat in Kooperation mit der
Gleichstellungsstelle der Hochschule Worms eine Initiative für ihre
Studierenden entwickelt, die den Herausforderungen der Krise proaktiv
begegnet.

Praxispartner sprechen lassen

Der Fachbereich Touristik/Verkehrswesen, will in dieser herausfordernden
Zeit nicht nur seinem Anspruch an Forschung und Lehre gerecht werden,
sondern auch die Vielzahl der engen Kontakte zur Praxis nutzen, um so
gemeinsam einen aktuellen Einblick in die Unternehmen dieser Branche zu
ermöglichen.

Mit profilierten Managerinnen, aus führenden Unternehmen im Luftverkehr,
Schienenverkehr und Reisevertrieb, wird in einer Kurzreihe von Live
Streaming Diskussionen hautnah über die derzeitige Geschäftslage,
persönliche Erfahrungen und neue Zukunftsperspektiven für die Branche
gesprochen.
Im Anschluss an die jeweiligen Gespräche besteht die Möglichkeit, sich
persönlich an die Managerinnen mit offenen Fragen zu wenden.

Studierende mit den Partnern ins Gespräch bringen

Gabriela Ahrens, Senior Director Leisure Sales Home Markets von der
Lufthansa Group, Stefanie Berk, Executive Board Member, Deutsche Bahn
Fernverkehr AG und Eva Riegerm Bereichsleitung, Marketing, Lufthansa City
Center sind die drei Expertinnen, die spannende Einblicke und Impulse
geben werden und aufzeigen können, was Krisenmanagement bedeutet.
Teilnahmeberechtigt sind alle Studierende der Hochschule Worms.
Weitere Informationen und Anmeldung für die Studierenden der Hochschule
Worms unter: https://www.hs-worms.de/focusfrauen/
Ansprechpartnerin für weitere Fragen: mirjam.kronschnabel@hs-worms.de

FocusFrauen ist ein ganzheitliches Förderkonzept für Studentinnen der
Hochschule Worms zur engeren Verzahnung von Studium und beruflicher
Karriere. Wichtig ist es, rechtzeitig die eigene Karriereplanung ins Auge
zu fassen.
FocusFrauen ermöglicht, sich schon während des Studiums mit der konkreten
Zukunftsplanung zu befassen. Oft helfen ganz konkrete Beispiele, das
Gespräch und die individuelle Begegnung. Erst so lassen sich Ausgangslagen
vergleichen, Persönlichkeitsstrukturen erkennen. So lassen sich die
individuellen Stärken durch den neutralen aber erfahrenen Blick von außen
ausbauen.
FocusFrauen hilft die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und
unterstützt die ersten Schritte der Karrieregestaltung.

  • Aufrufe: 170

Wie kann die globale Luftfahrtindustrie ihren Weg aus COVID-19 herausfinden?

Linus Bauer, ein leitender Berater in der Luftfahrtindustrie und Gastdozent des City's Air Transport Management MSc-Programms, City, University of London, befasst sich mit der Zukunft des Luftverkehrs.

 

Die Reise- und Geschäftsflugbranche hat durch die COVID-19-Pandemie erheblichen Schaden erlitten.

Nach den kürzlich veröffentlichten Zahlen des Internationalen Luftverkehrsverbandes (IATA) wird die weltweite Luftfahrtindustrie im Jahr 2020 252 Milliarden US-Dollar verlieren, wobei viele Fluggesellschaften Insolvenz anmelden und bis zu 90 Prozent ihrer Flugkapazitäten abbauen werden.

Linus Bauer ist ein herausragender Absolvent der City, University of London, Managing Consultant bei Bauer Aviation Advisory und Gastdozent des MSc Air Transport Management-Programms.

City News (CN) fragte nach seinen Einschätzungen über die Zukunft der Geschäftsluftfahrt.

CN: Die Fluggäste haben immer noch ein bedeutendes Maß an Flugangst, selbst wenn sie während der Reise in Flugzeugen Masken tragen und vor dem Einsteigen Temperaturkontrollen durchlaufen hätten. Welche weiteren Maßnahmen können die Fluggesellschaften ergreifen, um ihre Bedenken abzubauen?

LB: Gesundheit und Sicherheit werden zu einem allgegenwärtigen Faktor werden, denn Angst und Vertrauen werden die beiden Emotionen sein, die bei der Planung einer Reise im Vordergrund stehen. In den letzten zwei Wochen haben wir neue Luftwutauslöser erlebt: Fluggesellschaften brechen ihr Versprechen, die mittleren Sitze frei zu halten, und Passagiere treffen keine Vorkehrungen, indem sie nicht auf soziale Distanzierung achtenDie Fluggesellschaften müssen transparenter und selbstbewusster bei der Kommunikation des Protokolls zur sozialen Distanzierung sein, insbesondere im Zeitalter der sozialen Medien. Die Passagiere verlangen, per Videobotschaften darüber informiert zu werden, was die Fluggesellschaften tun, um das Reisen für alle sicher zu machen - von präventiven Maßnahmen an Bord und speziellen Reinigungsprozessen bis hin zu minutengenauen Änderungen der Flugpläne usw. Solche Maßnahmen würden sicherlich die Ängste von gesundheitsbewussten Passagieren und Fluggästen über 50 Jahren verringern. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass eine Fluggesellschaft ihre Gesundheit und Sicherheit nicht ausreichend respektiert, werden sie schnell eine finden, die dies tut!

CN: Ist angesichts der immer tiefer werdenden Krise in der globalen Luftfahrt und der großen Fluggesellschaften, die Insolvenz anmelden, staatliche Hilfe die einzige Option?

LB: Für eine große Gruppe großer Fluggesellschaften auf der ganzen Welt ist die staatliche Unterstützung die einzige Option für ihr Überleben. In Deutschland zum Beispiel bietet die Wiederanlage von Stabilisierungsfonds mit Sonderkrediten aus der vorangegangenen globalen Finanzkrise die beste Lösung für deutsche Aktiengesellschaften wie die Lufthansa.

CN: Werden Flugpreise bei den derzeit niedrigen Ölpreisen und der entsprechend geringen Nachfrage nach Reisen für Reisende erschwinglicher werden?

LB: Aufgrund der Treibstoff-Hedging-Aktivitäten Ende 2019 wird die Mehrheit der Fluggesellschaften leider derzeit nicht von den niedrigen Ölpreisen profitieren. Die Fluggesellschaften berichten von massiven Verlusten beim Treibstoff-Hedging, da die Treibstoffpreise stark gefallen sind. Die Markt-zu-Markt-Verluste aus den Überschussabsicherungsgeschäften sind auch deshalb entstanden, weil Kapazitätskürzungen aufgrund von COVID-19 dazu geführt haben, dass der Treibstoffverbrauch der Fluggesellschaften in den nächsten Geschäftsjahren niedriger sein wird als bisher angenommen. Was die Nachfrageseite betrifft, so wird die Luftfahrtindustrie in den nächsten drei Jahren unter einer geringeren Nachfrage leiden.

Aufgrund technologischer Vorteile (z.B. Videokonferenzen) und der wirtschaftlichen Rezession (Insolvenzen von Unternehmen) werden Geschäftsreisen auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse beschränkt sein, und ein Teil der Geschäftsreisen wird möglicherweise nie wieder zurückkehren (mittelfristig 5-8% Rückgang). Diese Ereignisse (Kapazitätskürzungen, Nachfragerückgang und höhere Treibstoffkosten als erwartet) werden mittelfristig zu einer Erhöhung der Flugpreise beitragen. Wir können jedoch zu Beginn für einen begrenzten Zeitraum günstigere Flugpreise erwarten, und es werden Methoden entwickelt, um den Verkehr und die Nachfrage während der Erholungsphase anzukurbeln.

CN: Gibt es bestimmte geographische Gebiete oder Reisemärkte in der Welt, die besser darauf vorbereitet sind, zur Normalität zurückzukehren?

LB: Eine Rückkehr zur Normalität ist vor 2023 unwahrscheinlich. Abgesehen davon glaube ich, dass Länder wie Australien und Neuseeland einen geografischen Vorteil haben und während dieser Pandemie eine große Arbeit geleistet haben, um die Verbindungen untereinander zu festigen. Eine Trans-Tasman-Reiseblase wird entstehen, sobald es sicher ist, Flüge zwischen beiden Ländern zu ermöglichen. Wenn es gut funktioniert, könnten sie erwägen, die pazifischen Inseln und Singapur einzuladen, sich dieser Blase anzuschließen. Dieses Modell könnte sich als gutes Beispiel für den Rest der Welt erweisen, um die Reisen zwischen den Ländern Schritt für Schritt in Gang zu bringen.

CN: Wird sich die Luftfahrtindustrie zum Besseren verändern? Könnte COVID-19 angesichts der Rolle, die die staatliche und private Finanzierung bei der Umstrukturierung von Fluggesellschaften spielen kann, die bereits schlecht verwalteten Fluggesellschaften zwingen, effizienter zu werden?

LB: Jede einzelne Krise führt zu neuen Möglichkeiten, die Dinge zu verbessern. Was in der Vergangenheit als Fehler angesehen wurde, kann jetzt korrigiert werden. Nach einem Weckruf aus dieser Krise wird Themen wie Nachhaltigkeit und Umwelt viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt, was zu einer höheren betrieblichen Effizienz für die Zukunft führt.

CN: Wie wird sich die Pandemie auf die Ausbildungspipeline der Piloten auswirken?

LB: Piloten, Flugbegleiter und Flugsteigbedienstete sind die Gruppen, die am unmittelbarsten von dem starken Rückgang der Passagiernachfrage betroffen sind, seit die Pandemie weltweit ausgebrochen ist und den Flugverkehr für Millionen von Menschen im Wesentlichen zum Erliegen gebracht hat. Die COVID-19-Krise hat den weltweiten Mangel an Piloten in einen Überschuss verwandelt. Die gegenwärtige Krise hat alles verändert, einschließlich der Fluggesellschaften, die aufgrund des starken Kapazitätsabbaus für die nächsten drei Jahre Tausende von Piloten entlassen.

  • Aufrufe: 195

Schimmerndes Wasser schimmert türkis in der Türkei, Reisebericht von Herbert Huber

Ankunft in Kas
Ankunft in Kas

Klares smaragdgrünes Wasser, dichte Wälder und hohe Berge,  versteckte und versunkene Städte – das hat die lykische Küste zu bieten. Und Kas, das Kleinod Städtchen am Meer. Ein guter Ausgangsort für Entdeckungsreisen in die Region. So habe ich die Türkei im „original“ fernab von Massentourismus erlebt. Das war 2015...

Osman und Herbert
Osman und Herbert

Osman, ein väterlichvertrauenswürdiger Fahrer erwartet mich am Flughafen Antalya. Ein paar Brocken Deutsch und Englisch spricht er. Er fährt gut und rassig westwärts An die 400 Kilometer lange lykische Küste. Die lykische Küste verdankt ihren Namen der historisch geprägten Landschaft Lykien, die sich bäuchlings zwischen Antalya und dem Köycegiz-See ins Meer vorschiebt. Ruinen über Ruinen sind Zeitzeugen der Antike und eine der ältesten Mittelmeerkulturen, deren Artefakte bis ins Jahr 3000 vor Christus zurückreichen. So hinterliess das von Rätseln umgebene Volk der Lykier eine eigene Schrift, einzigartige Grabmonumente und mit dem Lykischen  Bund, dem Rat der Städte, schufen sie das erste demokratische Bündnis der Welt.

Duft von Jasmin und Wacholder

Blick aufs Meer
Blick aufs Meer

Schon bald sehe und fühle ich eine andere Türkei. Das Aquamarin und Smaragdgrün des schimmernden Meeres. Die Pinien-Kiefergrün-Mischung der üppigen Wälder. Darüber die kargen Dreitausender des Taurusgebirges, welche oft bis im Mai mit Schnee bedeckt sind. Nach einer Stunde Fahrt öffnet Osman das Fenster, deutet auf seine Nase und sagt: Du, riechen – smell! Ich inhaliere die erfrischenden Düfte von Jasmin und Wacholder, die Frische des dichten Waldes. Kurze Zeit später deutet Osman auf seinen Bauch. Ich kapiere und nicke. In einer romantischen, mit Einheimischen besetzten Gartenbeiz wird ohne zu fragen aufgetischt: Herrliche Meze, lauwarmes Fladenbrot, heisse Forellenfilets mit Ziegenkäse überbacken. 15 Euro – für zwei Personen inklusive Getränke.

Pensionen am Meer und im Dorf

Impressionen Kas
Impressionen Kas

Plötzlich deutet Osman auf seine Augenbraue und sagt: „Kas“ - Die Augenbraue zählt zu den schönsten kleinen Städtchen an der Südküste der Teke-Halbinsel, dem antiken Lykien. Einst auch Land des Lichts genannt. Kas ist ein sehr typischer türkischer Ort. Mit Gassen und Gässchen. Mit Basaren und Wasserpfeifen-Rauchecken. Mit Boutiquen und Teppichgeschäften. Mit Tee- und Kaffeenischen.

Gewürze
Gewürze

Mit Düften nach Gewürzen. Und mit unzähligen Beizen, welche (noch) mit einheimischer Küche um die Gunst der Gäste buhlen. Kas zählt 8000 Einwohner, mit den Touristen gang und gäbe das Doppelte. Kas kennt trotzdem (noch) keinen Massentourismus. Kleine Pensionen, meistens Familienbetriebe direkt am Meer oder im Dorf beherbergen die Gäste. „All inclusive“ ist „out“. Mein Hotel „Kale“ gehört zu den Besten und liegt oberhalb des Dorfes. Mit Aussicht auf das Meer. Mit kleinem schmucken Gärtchen und Gartenwirtschaft. Die Zimmer sind sauber, schlicht, mit türkischen Möbeln eingerichtet. Das Wasser ist ab Hahn trinkbar. Das „Kale“,was Burg heisst, ist keine Bettenburg. 18 Zimmer, 6 Juniorsuiten und 6 Appartements kann man buchen.

Über Treppenstufen ins Wasser

Im Hotelgarten
Im Hotelgarten

Zeit, mich nach der langen Reise ins bequeme Bett zu legen. Sehr früh um 5.35 wünscht der Muezzin vom benachbarten Minarett mit dem Morgengebet (ab Bändli) im Namen Allahs einen frohen Tag. Ich bin akustisch definitiv in der Türkei. Später erfreue ich mich am reichhaltigen Frühstück (ohne 5-Sterne-Luxus). Dafür mit Eierspeisen von heimischen Hühnern, hausgemachten Tapenaden von Oliven und Tomaten, Salaten, handgerührter Konfiture, Honig, weissem und dunklem Brot und herrlichem Granatapfelsaft. Sogar Müesli gibt’s und frische Früchte. Feinster türkischer Tee und Kaffee. Und überaus freundliche Mitarbeiter. Auch bietet das Hotel eine einfache schmackhafte Küche. Nun, ich wusste im Voraus, dass das «Kale» keinen weissen Sandstrand zu bieten hat. Nach fünf Minuten Fussweg gings in die zum Hotel gehörende Leymona Beach Bar. Dort lege ich mich auf eine der vielen bereit gelegten Matten unter einen schattenspendenden Olivenbaum. Träume in den Tag hinein und plane Ausflüge. Über Treppenstufen bewegt man direkt ins smaragdgrüne meistens ruhige Meer. In Sichtweite tummeln sich Wasserschildkröten.

Auf die Insel und in die Berge

Einkaufsmeile in Kas
Einkaufsmeile in Kas

Die Ausflüge sind äusserst preiswert. Per Schiff zur gegenüberliegenden griechischen Insel Kastellorizo. Mit den pittoresken Häusern, der Burg und den Kirchen. Der Coiffeur im Hinterhof frönt an frischer Luft seinem Handwerk. Überzeugend sind die griechischen Fischküchen direkt an der Hafenpromenade. Mit einer handgeschriebenen Rechnung, die wohl kaum je vom Steueramt erfasst wird.

Pulpo vom Feinsten
Pulpo vom Feinsten

Aber einmalig gut sind der Rotbarsch und der Pulpo vom Grill. Ab in die Berge ist ein Muss – ein Ehepaar und ich dürfen mit Osman, der mich umarmt, als ob wir uns schon lange kennten, hinauf ins Gebirge. Nach Gömbe mit seinem grünen See. Die engen Strassen führen durch kleine Dörfchen, über Hochebenen und Weideland bis zum Staudamm, dem Wasserspeicher für Kas. Kurvenreich und holprig geht die Fahrt weiter zum Ziel auf 2150 Meter über Meer. Die mondlandschaftlich anmutende Bergwelt rund um den grünen See scheint ein Kraftort zu sein. Osman kniet nieder und schlürft genüsslich vom klaren Wasser. Auf dem Heimweg, im Bergdorf Ucarsu mit seinem kunterbunten Markt sitzen wir mitten unter Einheimischen und geniessen mit ihnen würzige Köfte (Hacktätschli) vom offenen Grill.

Zuhinterst im wilden Canyon

Die versunkene Stadt
Die versunkene Stadt

Es gibt noch vieles mehr zu entdecken. Sakliklent, die versteckte Stadt, welche nur durch einen eiskalten Fluss in einem wilden Canyon des Taurusgebirges zu erreichen ist. Und Phellos, die Grabanlage oberhalb von Kas, welche unvergessliche Eindrücke aus 700 Jahren v. Chr. vermittelt. Dann Kekova, die versunkene Stadt, welche mich eigentlich mehr lockt als die Ruinen über der Erde. Mit einer luxuriösen Schifffahrt auf einer Privatjacht, wo auf Steuerbordseite der Schiffskoch während der Fahrt Doraden auf dem Holzkohlegrill brutzelt und der Kapitän während des Essens die Geschichte der versunkenen Stadt erzählt.

Gebackener Trompetenfisch

Gartenbeiz.
Gartenbeiz.

Apropos Essen. Kas hat für jeden Geschmack und jedes Budget eine grosse Anzahl an Restaurants. Deren 150 seien es, verrät mir Hafis Sevign, der Chef meiner Lieblingsbeiz Lola. Wo ich den besten „Octopus en Casserole“ esse.Und, für mich, eine Premiere der gebacke Trompetenfisch ist. Die ottomanisch zubereitete, geschmorte Lammschulter und der pfiffige türkische Sish Kebab mit gehacktem Rindfleisch landen alsbald auf der Favoritenliste. Die cremigen, mit Curry gewürzten Salzkartoffelwürfel ebenso. Meistens trinke ich Bier oder Wein. Als «Verdauerli» einen Raki – ähnlich dem griechischen Ouzo. Die Rechnung liegt jeweils zwischen 15 und 20 Schweizer Franken – alles inklusive.

Trompetenfisch
Trompetenfisch

Wer sich vom Massentourismus mit Gäste - Ghettos, von kilometerlangen Sandstränden und Menschenmassen, die sich an der Sonne rösten, von Schlaraffenland-Buffets mit Kaviar, Hummer und Co. verabschieden und die Türkei einmal anders erleben möchte, liegt an der lykischen Küste smaragdgrün richtig. «Güle güle» – auf Wiedersehen – ruft mir Osman, der Bleibende, Mit «Bol Sans» – alles Gute, verabschiede ich mich als Gehender.

Gut zu wissen

Glücklicher Autor
Glücklicher Autor

Anreise Flug entweder nach Antalya oder Dalaman. (Edelweiss Air beispielsweise fliegt beide Destinationen an) Die Fahrzeit nach Kas dauert ca. 31⁄2 bzw. 2 Stunden. Transfer Flughafen–Hotel hin und zurück ca. Franken 180.–. Möglicher direkter Reiseanbieter: Brigitte Krickl Reisen, www.brigitte-krickl-reisen.de Tel 0049 711 326 08 46 Währung ist die türkische Lira (TL).Der Kurs schwankt sehr. Im Durchschnitt:100 TL = ca. 30 Franken. Mastercard, Travel Cash und Visa sind praktisch überall akzeptiert.

Lykische Küste.
Lykische Küste.

Im Gegensatz zur Ostküste sind die Preise in TL angegeben. Euro mitzunehmen lohnt sich nicht. Die beste Reisezeit ist von April bis Oktober. (Juli, August sind sehr heiss.) Im September 2015 war es zum Beispiel noch bis 38/40 Grad. Ausflüge bucht man im Hotel – ca. 35 Euro pro Person (inklusive Verpflegung)

Kleine Fotodiashow der Reise von Herbert Huber:

fotodiashows.wordpress.com/2020/05/16/schimmerndes-wasser-schimmert-tuerkis-in-der-tuerkei-reisebericht-von-herbert-huber/

Text und Fotos: www.herberthuber.ch

Homepages der andern Kolumnisten: annarybinski.ch  www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch    www.leonardwuest.ch  http://paul-lascaux.ch/

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

  • Aufrufe: 528

In Kroatien unterwegs – Eine Reise abseits von Luxus mit Herbert Huber

Karin Gornji
Karin Gornji

Am Flughafen in Split erwarteten uns Irena und Milan. Irena, die geborene Gastgeberin, lernten wir in einem Hotel im Südtirol als Servicemitarbeiterin kennen. Sie schwärmte von Kroatien und ihrem neuen Haus mit den „ Apartmani“. Was uns im Mai 2016 lockte, dem Ruf zu folgen.

Irena und Milan
Irena und Milan

Milan und Irena holten uns am Flughafen in Split ab. Die Fahrt auf Nebenstrassen Richtung Norden vermittelt einen ersten Eindruck. Tiefblaues Meer, karge Berge, unendlich viel Grün. Nach gut zwei Stunden erreichen wir das, an einer Meerzunge gelegene Karin Gornji. Ein Dorf, offenbar vom Rest der Welt vergessen. Niemand weiss genau, wie viele Menschen in den zum Teil neu erbauten Häusern wohnen. 700 oder gar 2000 in der Saison von Juni bis August? Halbfertige und zerstörte Häuser sind Erinnerungen an den letzten Jugoslawienkrieg(1991–1995). Spuren der Vergangenheit, die uns überall auf der Reise begegneten.

Zadar, eine  Stadt im Wiederaufbau

La Piazza in Zadar
La Piazza in Zadar

Die etwa eine Stunde entfernte Stadt Zadar allerdings scheint den Anschluss in die Zukunft gefunden zu haben. Darüber später. In Karin Gornji hingegen gibt es keine Hotels, nur «Apartamani». Keine Industrie, dafür gesunde Luft. Und eine herzliche Gastfreundschaft. Ab und zu klopft die Gastgeberin an die Türe, lädt uns zum bescheidenen Mittagstisch mit Milan, ihrem Gatten ein. Geschätzte Hausfrauenkost in Anbetracht der vorsaisonbedingt geschlossenen Restaurants. In der Tat, im Mai ist nämlich Vorsaison, was einesteils Vorteile halt – kein Touristenrummel und viel Zeit. Nur leider hat das Wetter nicht immer mitgespielt. Die Bora hat uns ordentlich durchwindet. Die Bora, ist ein meteorologischer Begriff für kalte und böige Fallwinde die an verschiedenen Küsten auftreten. Im Speziellen ist Bora der Name des zwischen Triest und der Drimmündung an der kroatischen und der montenegrinischen Adriaküste auftretenden orkanartigen Landwindes.

Ziegen haben Vortritt
Ziegen haben Vortritt

Drei Wochen Zeit hat sich Milan genommen um uns seine Heimat zu zeigen. Mit Stolz, aber auch mit stiller Wehmut. Denn auch er war damals im Krieg. Wir erlebten kein Kroatien aus dem Hochglanzprospekt, sondern ein Land mit vielen Sonnen- und auch Schattenseiten. Über den Krieg sprach Milan nur selten und politisieren kam für ihn nicht in Frage.

Kleiner Hafen in Zadar
Kleiner Hafen in Zadar

Die Region rund um Zadar gehört zum abwechslungsreichsten, beeindruckendsten Gebiet Norddalmatiens. Von hier aus gibt es auch zig Möglichkeiten, eine Schifffahrt  auf dem Meer zu unternehmen. Begrüsst wurden die Schiffsgäste mit einem Gläschen «Rakjia» (kroatischer Grappa). Wohl prophylaktisch gegen die Seekrankheit. Wir sammeln Eindrücke von den vorbeiziehenden malerischen Örtchen, schifften unter der Hängebrücke durch, welche die zwei Orte Ugljan und Kukljicia verbindet. Dann vorbei an zerklüfteten Felsen und genossen den Blick auf die unendliche Weite des tiefblauen Meers und auf die Schattenspiele unter der Regie von Sonne und Wolken.

Ein Höhepunkt der Schiffsreise

Die 5 Kreuze
Die 5 Kreuze

Dies ist zweifelsohne der seit 1980 geschützte Naturpark Kornati. Man erklärte uns, dass zur Römerzeit hier gegen 20000 Menschen gelebt hätten.  Auf einer Insel entdeckten wir riesige Kreuze aus Stein. 2007 hatte hier ein verheerender Waldbrand gewütet. Angefacht durch zwei sich bekämpfende Winde: die Schönwetter bringende «Bora» und der Schlechtwetter bringende «Jugo». Fünf wagemutige Männer wollten  den Brand löschen und wurden Opfer des Feuers. An sie erinnern die 5 Kreuze. Unübersehbar – unheimlich.

Forellen
Forellen

Auf dem malerischen Inselchen „Sali“ mit Post, Bancomat und Beizen gab’s einen Zwischenhalt. Die Preise sind mehr als nur günstig. Zu viert isst man für umgerechnet 60 Franken, inklusive Wein, Wasser und Kaffee.

Die Stadt Zadar ist Handels- und Fremdenverkehrsmetropole.

Kirche in Zadar
Kirche in Zadar

Die historische Altstadt lädt ein zum Flanieren und zum Verweilen in einer lauschigen Gartenwirtschaft. Nebst dem Tourismus, sind die Nahrungsmittelproduktion, der Schiffbau und die Textilfertigung wichtige wirtschaftliche Säulen. Dazu kommt der (fast) süchtig machende Maraschino – Likör, hergestellt aus den Kirschen des fruchtbaren Umlandes.

Kroatische Pizza
Kroatische Pizza

Dort, wo Olivenhaine die Landschaft bereichern, aber auch Investoren EU-Gelder für Olivenplantagen erhalten. Plantagen, die sie nach dem Inkasso wieder als Bauland verkauft haben sollen. Immerhin entdeckte ein EU-Inspektor den Betrug, wie uns gesagt wurde. Und auch das Geld tauchte wieder auf, das eine Maklerin für den dreimaligen Verkauf des gleichen Bodens ergaunert haben soll. Räubergeschichten? Sie gehören wohl zu den Schattenseiten eines Landes, das eigentlich an eine prosperierende Zukunft glauben sollte. Genug gejammert.

Ab in die Berge.

Auf in die Berge
Auf in die Berge

Milan verdanken wir einen besonders beeindruckenden Ausflug. Auf den Strassen war allerdings zwingend Vorsicht geboten, vor allem in der Hochsaison. Denn mit Sicherheitslinien, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Licht und Blinker nimmt man’s nicht allzu genau.

So ruhig unterwegs
So ruhig unterwegs

Wir tuckerten auf der alten Schotter Verbindungsstrasse zwischen Zagreb und Zadar über das Velebit-Gebirge. Am Fusse der „tulove grede“ steht die Kirche des hl.Franciscus aus dem Jahre 1832, welche der österreichische Kaiser Franz Joseph I. errichten liess. Zum Gedenken an die Arbeiter, die an der Verbindung zwischen dem südlichen und nördlichen Kroatien gebaut hatten.

Milan, Gertrude und Irena
Milan, Gertrude und Irena

Grabmäler aus dem Jugoslawienkrieg säumen die Strasse. Neben einem zerstörten Haus wird vor Minen gewarnt. Ein Touristen Paar hat sich in diese gottverlassene Gegend verirrt, wo ein Briefkasten für Karl-May-Fans an einer Mauer hängt und «Winnetou» an die Wand gemalt wurde.

Schifffahrt
Schifffahrt

Der Rückweg führte uns über Obrovac zum Fluss Zrmanja der ebenfalls durch Winnetou-Filmszenen berühmt wurde und eine Schifffahrt mehr als nur wert ist. Nach der Ankunft in Karin Gornji verzehren wir für einen Fünfliber eine Pizza allererster Güte.

Nostalgie auf der Bahnstrecke Zagreb–Split

Einfach schön im Zug
Einfach schön im Zug

In der kleinen Stadt Grasac gibt es ein Bahnhöfli mitsamt Briefkasten, Wartsaal und zwei Gleisen. Eigentlich wollten wir schon aufgeben. Es schien zu kompliziert, einen Ort an der Bahnstrecke Zagreb – Split zu finden, wo man zusteigen konnte. Doch Milan hat ortskundig recherchiert und gedolmetscht. Wir kauften also zwei Billette beim Bahnhofvorstand. In seinem Büro, welches an das vorletzte Jahrhundert erinnert. Leider könne er nur Hinfahrt buchen, da der Billet Apparat gerade defekt sei. Immehin. Der Zug traf mit nur fünf Minuten Verspätung ein. Die feudale (von Deutschland geschenkte) Dieselkomposition ist mit Touristen gut besetzt.

So wird gewohnt
So wird gewohnt

Bei maximaler Sicherheitsgeschwindigkeit von 60 km/h ziehen Felder, Buschwälder, kleine Seen vorbei. Dazwischen blitzen Hausdächer als rote Farbtupfer auf. An den Bahnhöfen steht jeweils der Bahnhofvorstand mit roter Mütze und Kelle, weiter hinten das Bahnwärterhäuschen, mit Mann und Fahne und Garant für die sichere Durchfahrt. Zur Beruhigung: Auch Ampeln gibt’s. Nostalgie pur und Kroatien Reisenden nur zu empfehlen. Nach gut zwei Stunden Berg-und-Tal-Fahrt mit 600 Metern Höhendifferenz erreichten wir Split, die pulsierende Stadt am Mittelmeer mit Fährschiffen und Menschengetümmel.

Terrasse bei Irena
Terrasse bei Irena

Pünktlich nach einer Stunde reisen wir zurück ins verschlafene Karin Gornji. Genossen die Gastfreundschaft von Irena und Milan. Drei Wochen waren im Flug vorbei und Vieles mehr wäre noch zu entdecken gewesen: Die imposanten Krka-Wasserfälle, die pittoresken Plitvicer Seen, die Kvarner Bucht.

Wanderung
Wanderung

Oder Dubrovnik, die Perle der Adria, weiter im Süden. Wir wanderten stattdessen auf den nahegelegenen romantischen Wegen am Karisnica-Fluss,  schlenderten durchs Dorf oder an die Strandpromenade, wo wir uns mit Menschen unterhielten, die auf eine bessere Zukunft hoffen. Die Alten werden wohl bleiben. Die  Jungen haben das Auswandern im Kopf oder hoffen auf bessere Zeiten.

Gut zu wissen:

Wieder einmal Sonne im Gesicht
Wieder einmal Sonne im Gesicht

Eigentliche Hauptsaison sind die Monate Juni, Juli und August.

Anreise: Split ist ab Italien per Fähre erreichbar. Swiss, Croatia Airlines und Easy Jet fliegen ab Zürich. Easyjet ab Basel.

Übernachten in Karin Gornji:

Bei Irena und Milan

irena alavanja holla Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

www.penzion-irenka.sk

Tel. 00385 989 648 602.

Sonnenuntergang bei Irena und Milan
Sonnenuntergang bei Irena und Milan

Apartmani für 2 Personen zwischen 40 und 50 Euro pro Tag. (Schlafzimmer, Bad/Dusche, Aufenthaltsraum mit kleiner Küche. Grosse Dachterrasse. Balkon mit Meersicht.)

Währung: 700 kroatische Kuna = ca. 100 Franken. Visa wird meistens akzeptiert. Travel Cash in Landeswährung aus dem Bancomaten. In Grossstädten kann mit Euro bezahlt werden. (Trinkgeld nicht inbegriffen)

Automiete: Empfehlenswert ist, das Auto gleich mit dem Flug zu buchen, Vollkasko ohne Selbstbehalt.

Küche: Viele Restaurants sind in der Nebensaison geschlossen. Hingegen ist in

den Pecenjarnica’s (öffentliche Bratstationen) Dalmatiens «Hausspezialität» auf

Vorbestellung erhältlich: ganze am Drehspiess gebratene Spanferkel und Lämmer.

Weitere Spezialitäten sind Cevapcici, das Gebäck Borek, Eintöpfe (Ragu) und

Am Meer Fische in Variationen (Pulposalat zum Einstieg).

Kroatische Hausmannskost: Eintopf mit Schweinefleisch. Borek – ein traditionelles Gebäck, gefüllt mit Fleisch oder Schafskäse.

Kleine Fotodiashow der Reise von Herbert Huber:

fotodiashows.wordpress.com/2020/05/11/in-kroatien-unterwegs-ein-reise-abseits-von-luxus-von-herbert-huber/

Text und Fotos: www.herberthuber.ch

Homepages der andern Kolumnisten: annarybinski.ch  www.noemiefelber.ch

www.gabrielabucher.ch    www.leonardwuest.ch Paul Ott/Lascux:http://paul-lascaux.ch/

Autoren- und Journalisten-Siegel von European News Agency - Nachrichten- und Pressedienst

 

  • Aufrufe: 510