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Gesundheit

Psychotherapie-Ausbildung: Die Zukunft der Psychoanalyse ist gefährdet

Die geplante Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und
Psychotherapeuten bedroht die Versorgung der Patienten. Mit dem Entwurf
ist nicht gewährleistet, dass alle psychotherapeutischen Verfahren im
Studium berücksichtigt werden, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für
Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT).
Damit verstärkt sich der Trend, dass sich Universitäten und
Patientenversorgung einseitig auf die Verhaltenstherapie ausrichten. Die
DGPT fordert, dass die Verfahrensvielfalt in den Psychotherapie-
Studiengängen verankert wird.

Psychoanalytische Verbände befürchten, dass die Psychoanalyse in der
Ausbildung weiter zurückgedrängt wird. Grund für ihre Sorge ist die neue
Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die am
14. Februar 2020 im Bundesrat zur Abstimmung steht. „Mit dem vorliegenden
Verordnungsentwurf wird dem bestehenden Missstand, dass die Lehre im
Fachgebiet Psychotherapie einseitig auf Verhaltenstherapie ausgerichtet
ist, weiter Vorschub geleistet“, kritisiert der Diplom-Psychologe Georg
Schäfer, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse,
Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT). „Die
Mangelversorgung der Bevölkerung mit Tiefenpsychologisch fundierter und
Analytischer Psychotherapie, die sich jetzt schon abzeichnet, wird sich
dadurch verstärken.“ Die DGPT ist der Dachverband aller Psychoanalytiker
sowie aller psychoanalytischen Gesellschaften und Institute in
Deutschland.

Die neue Approbationsordnung folgt auf die Reform des
Psychotherapeutengesetzes, das im Herbst vergangenen Jahres verabschiedet
wurde. Mit dem Gesetz wird ab dem Wintersemester 2020/21 ein fünfjähriges
Direktstudium der Psychotherapie eingeführt, gegliedert in ein
dreijähriges Bachelor- und zweijähriges Masterstudium. Die Approbation
erhalten die Studierenden, wenn sie am Ende des Studiums die staatliche
Prüfung bestehen. In einer anschließenden Weiterbildung können sich die
Absolventen dann auf ein Psychotherapieverfahren spezialisieren. Das vom
Bundesministerium für Gesundheit formulierte Ziel, dass die Vielfalt der
psychotherapeutischen Verfahren im Studium dargestellt werden soll, werde
in der vorliegenden Approbationsverordnung nicht umgesetzt, kritisieren
die Psychoanalytiker. „Es fehlen verbindliche Vorgaben, dass alle
psychotherapeutischen Verfahren im Studium vermittelt werden müssen – und
zwar durch Hochschullehrer und Dozenten, die über eine entsprechende
Fachkunde in den zu lehrenden Verfahren verfügen“, sagt Schäfer. „Zudem
wird in der jetzigen Fassung nicht verbindlich festgelegt, dass alle
wissenschaftlich anerkannten Verfahren auch in der berufspraktischen
Qualifizierung berücksichtigt werden.“

Als wissenschaftlich anerkannte, sogenannte Richtlinien-Verfahren gelten
in Deutschland die Analytische Psychotherapie, Tiefenpsychologisch
fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie sowie neuerdings auch die
Systemische Psychotherapie. Die Kosten für die Behandlung mit diesen
Verfahren werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. „Doch fast
alle heutigen Psychologie-Studierenden lernen an der Universität nur eines
dieser für die Krankenversorgung zugelassenen Verfahren kennen, nämlich
die Verhaltenstherapie“, bemängelt Schäfer. Von den 61 Lehrstühlen der
Klinischen Psychologie ist lediglich einer nicht verhaltenstherapeutisch
besetzt. „Ohne eine entsprechende Überarbeitung der Approbationsordnung
kommen die Studenten auch weiterhin kaum mit Tiefenpsychologisch
fundierter und Analytischer Psychotherapie in Kontakt und werden diese
Verfahren dann auch nicht als Basis für ihre Berufstätigkeit wählen“, so
der Vorsitzende der DGPT.

Schäfer verweist auf Zahlen des Instituts für medizinische und
pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP): In NRW lag die Zahl der Absolventen
bei der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten mit Schwerpunkt
Analytische und/oder Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie im Jahr
2017 nur noch bei knapp 13 Prozent. Der derzeitige Anteil psychoanalytisch
begründeter Psychotherapie in der Patientenversorgung liegt dagegen heute
immer noch bei 45 Prozent – der Bedarf ist also vorhanden. „Wird mit der
neuen Approbationsordnung nicht gegengesteuert, haben wir nicht nur eine
Verarmung der psychotherapeutischen Versorgung zu beklagen“, so Schäfer.
„Es droht auch ein Verschwinden der Psychoanalyse als bedeutsames
Kulturgut.“

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Der Krebsinformationsdienst: wissenschaftlich fundiert informieren, zuhören, sich Zeit nehmen. © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Mystische Misteln: Wirkung gegen Krebs nicht belegt

Der Krebsinformationsdienst: wissenschaftlich fundiert informieren, zuhören, sich Zeit nehmen. © Krebsinformationsdienst, DKFZ
Der Krebsinformationsdienst: wissenschaftlich fundiert informieren, zuhören, sich Zeit nehmen. © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Immer mehr Krebspatienten und Angehörige nutzen das Angebot des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungzentrum. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Anfragen.  Bedarf an individueller Krebsinformation deutlich gestiegen
Moderne Krebstherapien werden immer wirksamer – und komplexer: Dies könnte einer der Gründe dafür sein, dass sich immer mehr Krebspatienten und Angehörige mit ihren Fragen an den Krebsinformationsdienst wenden. Veränderte Mediennutzung und auch die zunehmenden ambulanten Krebsbehandlungen könnten weitere Ursachen sein. Das sind die Ergebnisse einer Analyse der Anfragen an den Krebsinformationsdienst zwischen 1992 bis 2016. Seit über 30 Jahren informieren Ärztinnen und Ärzte vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums rund um das Thema Krebs – unabhängig, qualitätsgeprüft und kostenlos.

Neue, individuell angepasste Diagnostik- und Behandlungsverfahren haben die Heilungschancen für Krebspatienten in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die komplexen Möglichkeiten der modernen Krebsmedizin führten zu einem steigenden Informationsbedarf für Betroffene und Angehörige. Gesundheitsinformationen sind im Internet zwar in Hülle und Fülle verfügbar. Qualität und Seriosität sind allerdings sehr heterogen, eine Einordnung oft schwierig. Hinzu kommt ein neues Arzt-Patienten-Verhältnis, bei dem die Patienten eine aktivere Rolle einnehmen. Angesichts dieser Veränderungen: Welche Relevanz kommt dem Krebsinformationsdienst als Orientierungshilfe zu? Das war die grundlegende Fragestellung der Analyse, die das Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung, Hochschule Musik, Theater und Medien, Hannover auf der Basis von Daten des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum durchgeführt hat.*  

Dreimal mehr telefonische Anfragen

In die Analyse gingen alle 545.000 Anfragen von Patienten und Angehörigen zwischen 1992 und 2016 ein. Wichtigstes Ergebnis: Die individuellen Anfragen unter der Telefonnummer 0800-420 30 40 oder an krebsinformationsdienst@dkfz.de haben sich im Beobachtungszeitraum verdreifacht – auf etwa 34.000 Anfragen jährlich. Das bedeutet: Die Ärztinnen und Ärzte im Telefondienst und E-Mail-Service beantworten pro Tag etwa hundert individuelle Anfragen. Mit der Zunahme der Erkrankungszahlen allein kann dieser Zuwachs nicht erklärt werden. Mögliche weitere Gründe: Zum einem nimmt die Komplexität der Behandlungen stetig zu, die zeitlichen Ressourcen der Ärzte für umfangreiche Erklärungen dagegen aber ab. Zum anderen hat sich das Selbstverständnis der Patienten geändert. Sie haben ein verstärktes Interesse, sich an der therapeutischen Entscheidungsfindung zu beteiligen, benötigen dafür aber mehr Wissen. Beide Entwicklungen haben zur Folge, dass für viele Patienten ein hoher individueller Informationsgrad immer wichtiger wird. Dr. Brigitte Schwikowski-Kukla, Leiterin des Telefondienstes: „Mit unserem Angebot bedienen wir genau diesen Bedarf der Patienten, denn wir informieren auf die jeweilige Situation zugeschnitten, erklären verständlich und helfen, das gewonnene Wissen zu bewerten und einzuordnen. Das wird meistens sehr dankbar angenommen.“ Der Anteil der E-Mail-Anfragen liegt seit einigen Jahren konstant bei 14 bis 18 Prozent. „Über das E-Mail-Formular auf unserer Website www.krebsinformationsdienst.de kann sich jeder an uns wenden und bekommt spätestens nach zwei Werktagen eine individuelle, schriftliche Rückmeldung“, erläutert Dr. Ursula Will, Leiterin des E-Mail-Service. 

Webauftritt als Aushängeschild – über zehn Millionen Besucher pro Jahr

 Eine weitere Erklärung für die Verdreifachung der Anfragen könnte auch der steigende Bekanntheitsgrad des Krebsinformationsdienstes sein. Hier ist vor allem der kontinuierliche Ausbau der Internetseite www.krebsinformationsdient.de zu nennen, die im Jahr 1999 online ging. Bezahlbares Internet sowie der Ausbau der Netzversorgung, ermöglichten es immer mehr Menschen, von zu Hause aus bequem auf die Seiten zuzugreifen. Weitere Aspekte, die sich positiv auf die Nutzerzahlen ausgewirkt haben: ein aufgestocktes Ärzteteam sowie die kostenfreie Telefonnummer, unter der die Ärztinnen und Ärzte sieben Tage die Woche zu erreichen sind – jeweils von 8 bis 20 Uhr. 

Patienten vor Angehörigen  

Seit 2005 wenden sich konstant mehr Patientinnen und Patienten als Angehörige an den Krebsinformationsdienst – davor war das Verhältnis noch umgekehrt. Mögliche Ursache: Die Krebstherapie wird seit den 2000er Jahren verstärkt in den ambulanten Bereich verlagert. Viele Patienten, die ohne den täglichen Arztkontakt im Krankenhaus mit ihrer Erkrankung zu Hause leben, haben zunehmend das Bedürfnis, sich selbst umfassend zu informieren. Hinzu kommen geänderte Familienstrukturen – weg vom Mehrpersonenhaushalt und hin zum Singledasein – auch diese Entwicklung könnte eine Rolle spielen.  

Krebsarten im Fokus

Die meisten Anfragen bezogen sich auf Brustkrebs, gefolgt von Prostatakrebs. Zum einen sind das die häufigsten Krebsarten bei Frauen bzw. Männern, zum anderen weisen beide Krebsarten – je nach Erkrankungssituation differenzierte und innovative Behandlungsregimen auf. Eine informierte Entscheidung können Patienten nur treffen, wenn sie sich zu Chancen und Risiken der Behandlungsoptionen eingehend informiert haben – zum Beispiel beim Krebsinformationsdienst. Betrug das durchschnittliche Alter im Jahr 2000 55 Jahre, so ist es über die Jahre auf über 60 Jahre angestiegen, bei Patienten und Angehörigen gleichermaßen. Grund hierfür könnte die demographische Entwicklung verbunden mit dem medizinischen Fortschritt sein: Die Menschen werden aufgrund besserer Behandlungsmöglichkeiten immer älter – auch mit einer Krebserkrankung. 

*Quelle: Rosset M. et al. Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Hannover (2019). Langzeittrends beim Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Bundesgesundheitsblatt.

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Der 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. findet vom 23. bis 26. September 2020 in Leipzig statt.  DGU

Urologie 2020 – es ist Zeit“ für Digitalisierung und bessere Früherkennung - DGU-Präsident drückt aufs Tempo

Der 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. findet vom 23. bis 26. September 2020 in Leipzig statt.  DGU
Der 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. findet vom 23. bis 26. September 2020 in Leipzig statt. DGU

„Urologie 2020 – es ist Zeit“: Mit seinem Motto für den 72. Kongress der
Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) vom 23. bis 26. September
2020 in Leipzig drückt der amtierende Präsident der Fachgesellschaft aufs
Tempo. Vor allem die Stärkung der Digitalisierung in der Urologie, der KI-
unterstützten Chirurgie und der urologischen Krebsfrüherkennung sind für
Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler drängende Anliegen seiner Präsidentschaft.


„Natürlich müssen wir uns zeitnah auf die Digitalisierung der Medizin
einstellen, aber es ist nicht ‚Fünf vor Zwölf’. Das reale Tempo bei der
Einführung neuer Technologien ist deutlich langsamer. Deshalb ist es Zeit,
sich Zeit zu nehmen, um zu würdigen, was die Urologie zum Beispiel als
Vorreiter bei Laparoskopie und robotor-assistierten Operationstechniken
erreicht hat. Dann sehen wir, dass sich unser Fach bereits erfolgreich
mitten im Digitalisierungsprozess befindet. Gerade deshalb sollten wir uns
von der Zukunft nicht ängstigen lassen. Es gibt keinen Grund angesichts
neuer Herausforderungen im Selbstmitleid zu verharren und in der Tat auch
keine Zeit dafür“, sagt der Direktor der Klinik für Urologie und
Kinderurologie an den SLK-Kliniken Heilbronn.

Drei Anwendungsgebiete sieht der DGU-Präsident im Zentrum der digitalen
Transformation: Die Telemedizin, die KI-unterstützte Diagnostik und die
KI-unterstützte operative Therapie. „Die Telemedizin ist ja inzwischen
schon im EBM angekommen, wo entsprechende Qualitätsanforderungen zur
Durchführung und Abrechnung der Videosprechstunde festgelegt sind. Primär
geht es sicher darum, Videosprechstunden für entsprechend selektionierte
Patientengruppen anzubieten. Hier konnte das Johns-Hopkins-Institut bei
der Nachsorge nach radikaler Prostatektomie viele Vorteile für die Online-
Konsultation belegen. In Zweifelsfällen kann der Patient dann zur
entsprechenden Untersuchung einbestellt werden.“ Beim Inhalt digitaler
Informationsplattformen wie dem Urologenportal hätten die
Fachgesellschaften die Aufgabe, sich qualitativ von Dr. Google abzuheben.
Auch mit der Online-Entscheidungshilfe Prostatakrebs und dem
Zweitmeinungsportal zu Hodenkrebs sowie demnächst auch zum Peniskarzinom
sei die DGU auf einem sehr guten Weg. „Wir sind dabei, wertvolle Daten zu
kreieren, die wir mithilfe von KI weiter nutzen bzw. deren Nutzen wir
optimieren können. Aber künstliche Intelligenz kann nur so gut sein, wie
die Qualität der eingegebenen Daten ist. Wirtschaftliche Modelle gilt es,
vonseiten der Fachgesellschaften zu unterbinden. Gerade die
wirtschaftliche Unabhängigkeit der Forschung in der Medizin ist eine ihrer
größten Stärken“, betont Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler.

In der KI-gestützten Diagnostik dominiert die Radiologie. Aber auch die
Urologie hat nach Worten des DGU-Präsidenten bei der Prostatadiagnostik
mittels transrektalem Ultraschall bereits Erfahrungen mit neuronalen
Netzwerken gesammelt. „Unsere Kenntnisse bei der Beurteilung des
multiparametrischen MRT werden immer wichtiger. Entsprechende Kurse im
wissenschaftlichen Programm des 72. DGU-Kongresses tragen dem Rechnung. Es
wird spannend werden, wie viel Radiologie wir zukünftig zur Interpretation
eines MRT der Prostata benötigen werden. Auf jeden Fall werden diese KI-
Entwicklungen mit hochqualitativen Daten gefüttert.“

Es ist Zeit für Surgery 4.0

Die KI-unterstützte Chirurgie, die Surgery 4.0 analog zur Industry 4.0,
ist für Prof. Rassweiler das spektakulärste Feld des digitalen Wandels.
„Hier geht es um die generelle Nutzung von ‚Big Data’ im Rahmen von
Surgical Data Science – einem neuen Forschungsfeld, das alle bei einer
Operation anfallenden Daten erfassen und koordinieren soll. ‚Kabelsalat’
im OP wird sich erübrigen, da die Geräte über WLAN kommunizieren werden.
Jedes Gerät wird mit optischen Markern ausgerüstet werden, womit seine
Position im OP-Saal, aber auch bezüglich des Patienten definiert und
aktualisiert werden kann. Chirurgische Checklisten wie Team-time-out
werden im Hintergrund automatisch ablaufen“, erklärt Prof. Rassweiler.
Virtuelle Realität und Navigationstechniken sollen zur Optimierung der OP-
Techniken genutzt werden, meist minimal-invasiver video-basierter
Techniken wie Endourologie oder Laparoskopie. „Dabei stellt die
Weichteilnavigationstechnologie in der Urologie derzeit noch eine große
Herausforderung dar“, so der international renommierte Pionier der
robotischen Chirurgie in der Urologie.

Es ist Zeit für den PSA-Test als angemessen honorierte Kassenleistung

In der analogen Welt verfolgt der DGU-Präsident die Stärkung der
urologischen Krebsfrüherkennung, insbesondere beim Prostatakarzinom, der
mit rund 60.000 Neuerkrankungen im Jahr häufigsten Krebserkrankung des
Mannes. Für Prof. Rassweiler ist es Zeit für den PSA-Test als Leistung der
gesetzlichen Krankenkassen, die angemessen vergütet sein muss: „Zum DGU-
Kongress im September 2020 wird der Abschlussbericht des Instituts für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Bewertung
eines Prostatakrebs-Screenings mittels Bestimmung des prostataspezifischen
Antigens (PSA) erwartet. Dass das IQWiG in seinem Vorbericht entgegen dem
aktuellen White Paper der EAU und entgegen der wissenschaftlichen
Stellungnahme der DGU vom 6. Mai 2019 jüngst eine negative Bewertung eines
PSA-basierten Screenings vorgenommen hat, bedauern wir sehr und werden
unsere Position deshalb nochmals in das nun laufende Stellungnahme
Verfahren einbringen.“
"Bei der modernen risikoadaptierten Prostatakarzinomfrüherkennung geht es
um mehr als einen Überlebensvorteil der früh diagnostizierten Karzinome -
es geht vielmehr auch darum, Patienten vor den starken Einschränkung der
Lebensqualität und dem großen Leid durch zu spät erkannte metastasierte
Prostatakarzinome mit z.B. Knochenmetastasen und den damit verbundenen
sehr kosten- und nebenwirkungsreichen Systemtherapien zu bewahren" so
Prof. Dr. Maurice Stephan Michel, Generalsekretär der Deutschen
Gesellschaft für Urologie.

Aufklärung über Prävention urologischer Erkrankungen und
Krebsfrüherkennung zum Beispiel im Rahmen der Kampagne „Urologie für alle.
Für jeden. Für uns“ mit ihren vielen prominenten Unterstützern hat bei der
DGU seit Langem einen hohen Stellenwert und die volle Unterstützung des
amtierenden Präsidenten: „Es geht darum, dass wir die Bevölkerung über die
Möglichkeiten der Früherkennung urologischer Tumoren optimal informieren
und erreichen. Das bedeutet, wie bei unseren Urologischen Themenwochen,
alle modernen Kommunikationskanäle zu nutzen und Inhalte zum Beispiel auf
www.hodencheck.de und in den sozialen Medien präsent zu halten. Aber
natürlich gehören auch traditionelle Patientenforen weiterhin dazu, und
auch in Leipzig werden wir wieder zu einer Laienveranstaltung auf dem DGU-
Kongress einladen.“

Die Fachbesucher erwartet mit jeweils über 50 Foren, Vortragssitzungen
sowie Arbeitkreissitzungen und -kursen die weltweit drittgrößte
urologische Fachtagung und eine ideale Plattform für den urologischen
Gedankenaustausch in Mitteleuropa. Die internationale Zusammenarbeit
möchte Prof. Rassweiler in Leipzig auch mit Blick auf die Leitlinienarbeit
der Fachgesellschaften forcieren. „Getreu meinem Kongressmotto ist es Zeit
für internationale Leitlinien. Wir wollen gemeinsam mit Prof. James N’Dow,
dem Chairman der EAU-guide-lines, und den Generalsekretären der EAU, Prof.
Chris Chapple, und der AUA, Dr. John Denstedt, den Aspekt international
gültiger Leitlinien beleuchten und zur Kooperation motivieren. Es macht
langfristig keinen Sinn, dass sich zahlreiche Leitliniengruppen weltweit
mit der gleichen Literatur befassen und diese in Leitlinien formulieren.
Das ist vielmehr eine Verschwendung humaner Ressourcen“, sagt der DGU-
Präsident und lädt Urologinnen und Urologen aus Klinik und Praxis herzlich
zum 72. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie vom 23. bis 26.
September 2020 im Congress Center Leipzig ein.

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Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.

Unsere Arbeitswelt befindet sich in einem stetigen Wandel:
Marktveränderungen, Digitalisierungsprozesse oder die Herausforderung, am
Markt erfolgreich zu bleiben, fordern Arbeitgebende und Beschäftigte.
Dabei können zunehmende Arbeitsintensität, Multitasking, ständige
Erreichbarkeit sowie Termin- und Leistungsdruck Beschäftigte psychisch
belasten. Umso wichtiger ist es, arbeitsbedingte Gefährdungen durch
psychische Belastung am Arbeitsplatz festzustellen, zu reduzieren oder
sogar zu vermeiden. Das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes
Nordrhein-Westfalen (LIA.nrw) stellt zwei neue Methoden vor.

Eine gute Arbeitsgestaltung zahlt sich aus.

„Auch bei großem Engagement für Sicherheit und Gesundheit der
Beschäftigten ist es nicht leicht, geeignete und effektive Formen der
Prävention zu finden, die den neuen Arbeitsrealitäten gerecht werden.“,
sagt Dr. Kai Seiler, Präsident des LIA.nrw. Jedoch bietet eine gute
Arbeitsgestaltung, in Zeiten von Globalisierung, Fachkräftemangel und
alternden Belegschaften, viele Vorteile sowohl für Arbeitgebende als auch
für Beschäftigte. Daher sind gesunde Arbeitsbedingungen umso wichtiger.
Sie sorgen dafür, dass ein Betrieb wettbewerbsfähig bleibt,
Arbeitsaufträge reibungslos erledigt werden können, Beschäftigte
leistungsfähig und motiviert sind und gerne im Team arbeiten. Neben
Betrieblicher Gesundheitsförderung, sicheren Maschinen oder Schutz vor
Gefahrstoffen sind auch die arbeitsbedingten Gefährdungen durch psychische
Belastung zentrale Faktoren, die sich auf Motivation, Arbeitsverhalten und
die Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Dabei sind die Ursachen
psychischer Belastungen vielfältig: Personalmangel, schlechte
Arbeitsorganisation, ungünstige Arbeitszeiten, ein schlechtes
Betriebsklima, Umstrukturierungen, Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes.
Viele Aspekte der Arbeit können zur psychischen Belastung werden und
dessen Folgen sind zum Teil tiefgreifend. Sie reichen von Erschöpfung,
Wut, nicht abschalten können, bis hin zu körperlichen Beschwerden wie
Rücken- oder Magenschmerzen.

Die moderierte Gruppendiskussion – was ist das?

Mit der neuen LIA.praxis „Besprechungen kreativ nutzen. Arbeit gesund
gestalten mit der Methode der moderierten Gruppendiskussion.“ bietet das
Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA.nrw) eine neue Handlungshilfe
für den angemessenen Umgang mit Belastungssituationen im Betrieb. Die
moderierte Gruppendiskussion ist eine strukturierte Methode, bei der
anhand von Leitfragen mögliche arbeitsbedingte psychische Belastungen
diskutiert werden. Gemeinsam mit einer Moderatorin bzw. einem Moderator
entwickeln und dokumentieren die Beschäftigten Maßnahmen zur Verbesserung
der Arbeitssituation. Arbeitsbedingte Probleme können in einem
angemessenen Rahmen angesprochen und beseitigt werden und durch die
Beteiligung aller wird ein Gefühl der Wertschätzung und Anerkennung
vermittelt. Dabei bietet die Methode der moderierten Gruppendiskussion
viele Vorteile für Arbeitgebende: Geringer Kostenaufwand, Verbesserung der
Arbeits- bzw. Produktqualität sowie der Arbeitssituation und des
Betriebsklimas. Die Methode eignet sich insbesondere für Klein- und
Kleinstbetriebe und für kleinere Einheiten in größeren Betrieben und
richtet sich an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie alle Beteiligten
des betrieblichen Arbeitsschutzes.

Betriebliches Gesundheitsmanagement digital unterstützt.

„Ein vielversprechender Weg ist, digitale Technologien nicht nur als
Belastungsquelle wahrzunehmen, sondern ihre Potenziale aktiv für
betriebliche Prävention zu erschließen.“, so Dr. Kai Seiler, Präsident des
LIA.nrw. Vor diesem Hintergrund wurde im Projekt BalanceGuard ein
webbasiertes Assistenzsystem sowie begleitende Informations- und
Beratungsangebote entwickelt, optimiert und erprobt. Diese Angebote sollen
Beschäftigte und Betriebe im Umgang mit Belastungs- und
Beanspruchungssituationen unterstützen und die Ressourcen von
Beschäftigten und Unternehmen für gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung
stärken. In der neuen LIA.transfer 7 erhalten Fach- und Führungskräfte,
Beauftragte für das BGM und Interessensvertretungen Informationen über die
Herausforderungen und Chancen digitaler Tools, sowie für die erfolgreiche
Einführung eines solchen. Am 31.10.2019 endete das Projekt. Die Ergebnisse
können m Abschlussbericht nachgelesen werden.

Originalpublikation:
Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen
(Hrsg.): Besprechungen kreativ nutzen. Arbeit gesund gestalten mit der
Methode der moderierten Gruppendiskussion. LIA.praxis 3.

Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen
(Hrsg.): Betriebliches Gesundheitsmanagement digital unterstützt.
Einführung eines Belastungs- und Beanspruchungsmonitorings. LIA.transfer
7.

Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen
(Hrsg.): Arbeit gestalten mit digitalem Belastungs- und
Beanspruchungsmonitoring. Abschlussbericht – Projekt BalanceGuard.

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