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Gesundheit

2.621 Menschen spendeten in 2019 nach ihrem Tod ihre Augenhornhaut.  DGFG

DGFG veröffentlicht Jahreszahlen 2019: Fast 3.000 Menschen sagten "Ja!" zur Gewebespende

2.621 Menschen spendeten in 2019 nach ihrem Tod ihre Augenhornhaut.  DGFG
2.621 Menschen spendeten in 2019 nach ihrem Tod ihre Augenhornhaut. DGFG

40 Prozent der Angehörigen stimmten in 2019 einer Gewebespende zu. Die
Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) konnte dadurch
erstmalig 2.753 Gewebespenden realisieren und bundesweit 5.740
Gewebetransplantate zur Transplantation vermitteln. Für die Patientinnen
und Patienten hieß das 5.740-mal die Chance auf einen Neuanfang: So können
Hornhauttransplantate klare Sicht schenken, Herzklappen die
Leistungsfähigkeit erhöhen und Gefäßtransplantate vor Amputationen
bewahren.

Erneut konnte die gemeinnützige DGFG mehr Gewebespenden realisieren: In
2019 spendeten insgesamt 2.753 Menschen ihr Gewebe. In 2018 waren es 2.732
Menschen. „Spender*innen und ihren Angehörigen gilt unser besonderer
Dank“, betont Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Insgesamt gingen
39.132 Meldungen potenzieller Spender*innen aus den Kliniken im Netzwerk
bei der DGFG ein. Nach deren Prüfung auf medizinische Kontraindikationen
führten die Koordinator*innen 7.565 Gespräche, um über die Möglichkeit der
Gewebespende aufzuklären. 2.997-mal wurde einer Gewebespende zugestimmt.
Die durchschnittliche Zustimmungsquote zur Gewebespende lag damit bei 40
Prozent – ein deutliches Zeichen, dass Gewebespende als
gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen wird.

Treibende Kraft für diese Entwicklung sind die Gewebespende-
Koordinator*innen in den Krankenhäusern. „Sie unterstützen die Kliniken
da, wo es nötig ist: vor Ort – beim Spenderscreening, dem
Angehörigengespräch, der Gewebeentnahme sowie bei der Klärung von z.B.
datenschutzrechtlichen Belangen.” Von inzwischen 31 Standorten aus
realisieren 49 Koordinator*innen die Gewebespende an über 100
Krankenhäusern deutschlandweit. Im offenen Netzwerk der DGFG kooperieren
zahlreiche Universitätskliniken, kommunale und konfessionelle
Krankenhäuser, aber auch große Klinikverbünde. 2019 kamen das Klinikum der
Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universitätsmedizin Göttingen,
das Helios Klinikum Wuppertal und das Helios Hanseklinikum Stralsund als
neue DGFG-Standorte hinzu. Seit Oktober 2019 ist die Hornhautbank des LMU-
Klinikums ebenfalls Teil des DGFG-Netzwerks. 13 Gewebebanken im Netzwerk
ermöglichen eine bestmögliche Versorgung von Patient*innen in ganz
Deutschland.

Spende von Herzklappen und Blutgefäßen: Neues Spendeprogramm zeigt Erfolge

2019 konnte die DGFG 31 Spenden kardiovaskulärer Gewebe bei Herz-
Kreislauf-Verstorbenen durchführen – mehr als dreimal so viele wie im Jahr
zuvor. Bei dieser Spende entnehmen die Koordinator*innen zusammen mit
einem Arzt das Herz mitsamt der Herzklappen oder auch die großen
Blutgefäße. Insgesamt konnte die DGFG in 2019 166 Herzklappen und 111
Gefäße zur Transplantation vermitteln. Der Bedarf dieser Gewebe in der
Transplantationsmedizin ist nach wie vor sehr hoch. Herzklappen und
Blutgefäße stammten bisher aus der Organspende. Die DGFG hat daher in 2017
ein Programm zur Spende kardiovaskulärer Gewebe (KVG) von Herz-Kreislauf-
Verstorbenen initiiert. Denn auch bei der Spende dieser Gewebe spielt der
Hirntod keine Rolle. Herzklappen und Gefäße können noch bis zu 36 Stunden
nach Todeseintritt entnommen werden.

Jeder zweite Patient erhält ein Hornhauttransplantat von der DGFG

3.605 Patient*innen konnte die DGFG in 2019 mit einem Hornhauttransplantat
versorgen. Im Durchschnitt werden pro Jahr rund 7.000
Hornhauttransplantationen in Deutschland durchgeführt. „Mehr als jede
zweite Hornhaut kommt von der DGFG. Wir können mittlerweile bei der
Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen
erfüllen“, sagt Börgel. Unter den vermittelten Hornhäuten waren 383
Hornhautlamellen (LaMEK) für die DMEK-Operation (Descemet Membrane
Endothelial Keratoplasty). Hier ersetzen Ärzte nur eine dünne Schicht der
Hornhaut, wodurch sich die Sehfähigkeit der Patienten deutlich schneller
erholt und das Infektionsrisiko minimal bleibt.

Vom 16.-18. Januar 2020 begrüßt die DGFG als Gastgeberin der 32.
Jahrestagung der European Eye Bank Association (EEBA) in Hannover rund 300
Experten aus den Bereichen Hornhauttransplantation, -aufbereitung und
Gewebespende. Im Fokus der internationalen Tagung steht der Austausch zu
wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie der globale Kampf gegen Blindheit
durch Augenhornhauterkrankungen.

Amnion aus der Plazentaspende: Das Wunder in der Wundheilung

In 2019 konnte die DGFG 39 Plazentaspenden im Rahmen geplanter
Kaiserschnittgeburten realisieren (28 in 2018). Aus der Plazenta wird die
Amnionmembran gewonnen, die Ärzte vor allem in der Ophthalmologie zur
Behandlung der erkrankten Augenoberfläche verwenden, aber auch in der
gynäkologischen Chirurgie, Mund-Kiefer-Chirurgie sowie als temporären
Hautersatz bei thermischen Verletzungen und Wundheilungsstörungen.
Insgesamt 1.802 „Wundpflaster“ kamen 2019 aus diesen Spenden Patienten
deutschlandweit zugute.

Bewusst Gewebe spenden: DGFG fördert öffentliche Aufklärung

Mithilfe von Spendengeldern konnte die DGFG in 2019 eine
Fotowanderausstellung initiieren, die mittlerweile in allen fünf
Gesellschafterkliniken der DGFG zu sehen ist. Fotografin Alexandra Bidian
begleitete für die Reportage „Wieder-Sehen“ eine Patientin mit Fuchs‘scher
Endotheldystrophie auf ihrem Weg vom trüben Blick zurück zum klaren Sehen.
Die Motive der Reportage zeigen, wo das Spendergewebe herkommt, wie es
aufbereitet und gelagert wird und welche Schritte außerdem bis zur
erfolgreichen Transplantation notwendig sind.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) förderte in 2019
die Neugestaltung von www.gewebenetzwerk.de. Um Angehörige in der
Entscheidungsfindung zu unterstützen, die Auseinandersetzung mit der
Gewebespende zu Lebzeiten zu fördern und Patienten über die Herkunft ihres
Gewebetransplantats zu informieren, klärt die DGFG auf ihrer Internetseite
mit Patientengeschichten, Videos, Bild- und Infomaterial zur Gewebespende
auf.

Fast jede*r Verstorbene kann Gewebe spenden

Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben
Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen auch Knochen, Sehnen, Bänder
und Haut. Aus der Lebend-Gewebespende kommt die Amnionmembran. Der Anteil
an Organspender*innen, die Gewebespender*innen sind, ist insgesamt sehr
gering. Die Hirntoddiagnostik spielt bei der Gewebespende keine Rolle:
2.386 Gewebespender*innen und damit knapp 90 Prozent sind an einem Herz-
Kreislauf-Stillstand verstorben.

Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in
Deutschland. Auf Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten
und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle
Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre
Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten
Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von
der DGFG beziehen. Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die
DGFG ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens
getragen: Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule
Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-
Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der
Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer
Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in
Deutschland.

Alle Angaben zu den Jahreszahlen 2019 sind vorläufig (Stand 29.12.2019).

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Fluoreszenzaufnahme von verschiedenen Immunzellen bei der Reparatur des verletzten Ischiasnerven.  © Fraunhofer IME

Nervenschmerzen frühzeitig verhindern

Fluoreszenzaufnahme von verschiedenen Immunzellen bei der Reparatur des verletzten Ischiasnerven.  © Fraunhofer IME
Fluoreszenzaufnahme von verschiedenen Immunzellen bei der Reparatur des verletzten Ischiasnerven. © Fraunhofer IME

Unangenehmes Kribbeln in Händen und Füßen, Taubheitsgefühle, Pelzigkeit
und Brennen – diese Symptome können auf eine Neuropathie, eine Erkrankung
des Nervensystems hindeuten. Dauern die Schmerzen mehrere Monate an,
werden sie als chronisch bezeichnet. Sie sind dann nur sehr schwer zu
behandeln, wobei verfügbare Medikamente oftmals gravierende Nebenwirkungen
haben. Forscherinnen und Forscher am Institutsteil Translationale Medizin
und Pharmakologie TMP des Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und
Angewandte Oekologie IME haben einen Weg gefunden, um die Entwicklung von
neuropathischen Schmerzen frühzeitig zu unterbinden.

Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an neuropathischen
Schmerzen. Sie entstehen durch Schädigungen des peripheren oder zentralen
Nervensystems. Die Ursachen sind vielfältig: Oftmals treten die
Missempfindungen nach Operationen, beispielsweise bei Bypass-OPs, oder
Unfällen auf, etwa wenn das Rückenmark verletzt ist. Auch
Phantomschmerzen, unter denen nicht wenige Patienten nach einer Amputation
leiden, zählen zu den neuropathischen, mechanisch induzierten Schmerzen.
Typisch ist eine Veränderung der Hautsensibilität. Reize wie Kälte, Hitze
oder Berührungen werden stärker oder kaum empfunden. Problematisch wird
es, wenn der Schmerz sich verselbständigt und chronisch wird. Die
Lebensqualität der Betroffenen ist dann erheblich beeinträchtigt. Häufig
können sie ihren Beruf nicht mehr ausüben, sie vernachlässigen
Freizeitbeschäftigungen und Freundschaften. Die Folgen sind Isolation,
Resignation und Depression.

Die Entwicklung von neuropathischen, trauma-induzierten Schmerzen, die
nach Operationen oder Unfällen häufig auftreten, muss so früh wie möglich
unterbunden werden. Denn sind die neuropathischen Schmerzen erst einmal
entstanden, wirken Therapien nur noch eingeschränkt. Hinzu kommt, dass die
entspechenden Medikamente starke Nebenwirkungen haben.

Wenn Immunzellen zum Feind werden

Hier setzen Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer IME in Frankfurt an.
Sie forschen an alternativen Therapien für die frühzeitige Behandlung von
neuropathischen Schmerzen. In Tests konnten sie nachweisen, dass
verschiedene Lipide, die als Signalmoleküle bei Verletzungen freigesetzt
werden, die Entzündungsreaktionen an den beschädigten Nerven steuern. »Die
Nerven schlagen Alarm und setzen Lipide frei, um dem Immunsystem zu
signalisieren, dass eine Verletzung vorliegt und die Ursache beseitigt
werden muss«, sagt Prof. Dr. Klaus Scholich, Gruppenleiter Biomedizinische
Analytik und Imaging am Fraunhofer IME. »Bei neuropathischen Schmerzen
werden die angelockten Immunzellen nach einiger Zeit zum Feind. Sie
interagieren derart mit den Nerven, dass die betroffenen Areale permanent
entzündet sind. Die Nervenschmerzen können nicht mehr abflauen, sie werden
chronisch. Indem wir Signalwege unterbrechen, die Immunzellen anlocken,
können wir die Schmerzen deutlich verringern.« Möglich ist dies
beispielsweise durch den rechtzeitigen Einsatz von Schmerzmitteln wie
Ibuprofen und Diclofenac. Frühzeitig verabreicht, können diese Medikamente
die Herstellung des Lipids Prostaglandin E2 stoppen, das eine
entscheidende Rolle bei trauma-induzierten Schmerzen spielt, da es sowohl
die Nerven sensibilisiert als auch das Immunsystem aktiviert.

Darüber hinaus bindet Prostaglandin E2 den Rezeptor EP3. Neuronen, die
diesen Rezeptor aufweisen, setzen das Signalmolekül CCL2 frei. Dieses
fördert wiederum die Schmerzentwicklung entscheidend, da es immer neue
Immunzellen zu den verletzten Nerven lockt und auch selbst die
Schmerzwahrnehmung verstärkt, wie die IME-Forscher in ihren Untersuchungen
herausfanden. »Wir konnten die nachgeschalteten Mechanismen aufklären, die
über Entzündungsreaktionen die Entstehung neuropathischer Schmerzen
begünstigen«, erläutert Prof. Scholich. »Der Rezeptor EP3 erkennt das
Prostaglandin E2. Indem man nun den EP3 ausschaltet und somit die
CCL2-Freisetzung hemmt, kann man die Schmerzentstehung deutlich
verringern.« Das CCL2 ließe sich mit therapeutischen, spezifischen
Antikörpern abfangen. Diese Antikörper könnten bei chronischen Schmerzen
zum Einsatz kommen, wenn herkömmliche Arzneimittel wie Ibuprofen nicht
mehr wirken. Der Nachteil: Antikörper müssen gespritzt werden. Da dies von
den meisten Patienten als unangenehm empfunden wird, forschen Scholich und
seine Kolleginnen und Kollegen an alternativen Wirkstoffen, die sich oral
verabreichen lassen. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der
renommierten Fachzeitschrift »Journal of Biological Chemistry«
veröffentlicht.

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Prof. Dr. med. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, Direktor der Klinik für Erwachsenenkardiologie am Deutschen Herzzentrum München.  DHM

Lebensrettender Gefäßtest warnt vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Prof. Dr. med. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, Direktor der Klinik für Erwachsenenkardiologie am Deutschen Herzzentrum München.  DHM
Prof. Dr. med. Heribert Schunkert, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, Direktor der Klinik für Erwachsenenkardiologie am Deutschen Herzzentrum München. DHM

Schmerzlos und zuverlässig gefährliche Durchblutungsstörungen wie
„Schaufensterkrankheit“ und koronare Herzkrankheit aufdecken: „ABI-Test“
erfolgt mit Blutdruckmanschette und Doppler-Ultraschall

Bei Betroffenen mit der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)
wird das Problem mit Schmerzen beim Gehen, häufig in den Waden,
offensichtlich. Weil für Betroffene längeres Stehen – beispielsweise vor
einem Schaufenster – die Schmerzen abklingen lässt, wird die pAVK auch
„Schaufensterkrankheit“ genannt. Nach Schätzungen leiden unter dieser
Durchblutungsstörung in Deutschland vier bis fünf Millionen Menschen. Etwa
drei Millionen Betroffene wissen nichts von ihrer Erkrankung, denn die
Schaufensterkrankheit tritt erst spät auf. „Patienten mit pAVK tragen ein
hohes Risiko, eine Herzerkrankung wie Herzinfarkt oder einen Schlaganfall
zu erleiden, weil bei ihnen häufig auch Ablagerungen in den Herzkranz-
oder Halsarterien zu finden sind“, warnt Prof. Dr. med. Heribert Schunkert
vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung in der aktuellen Ausgabe der
Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute. In fortgeschrittenen Stadien der
pAVK drohten zudem Geschwüre („offenes Bein“) bis hin zur Beinamputation.
„Umso mehr müssen wir die Personen mit einem erhöhten Risiko frühzeitig
entdecken und die diagnostizierte Herz- oder Kreislauferkrankung
behandeln“, betont der Direktor der Klinik für Erwachsenenkardiologie am
Deutschen Herzzentrum München (DHM). Mit der Messung des Knöchel-Arm-
Index, auch „ABI-Test“ genannt (ABI: Ankle Brachial Index), bietet die
Medizin eine simple und völlig schmerzlose Untersuchungsmethode. „Der ABI-
Test kann anzeigen, ob die Blutgefäße frei oder verengt sind – noch bevor
Beschwerden auftreten“, erklärt die Gefäßspezialistin und
Funktionsoberärztin der angiologischen Ambulanz am DHM, Prof. Dr. med.
Birgit Steppich.

Ab welchem ABI-Wert liegt eine pAVK vor?
Für die ABI-Messung legt der Arzt oder die Ärztin Blutdruckmanschetten am
Oberarm und am Knöchel des Patienten an. Nach einer Ruhephase werden die
Manschetten wie bei einer klassischen Blutdruckmessung aufgeblasen. Mit
einem Doppler-Ultraschallgerät wird einmal der systolische Blutdruck
(oberer Blutdruckwert) am Knöchel, danach am Oberarm gemessen. Beide
Messungen werden rechts und links durchgeführt. Der ABI wird ermittelt,
indem der am Knöchel bestimmte durch den am Oberarm gemessenen Blutdruck
geteilt wird. Dieses Ergebnis (Quotient) ist der ABI. „Den ABI-Test sollte
jeder ab 65 Jahren einmal von seinem Arzt oder seiner Ärztin durchführen
lassen. Personen mit Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder
einer pAVK in der Familie sollten ihn ab 50 Jahren machen“, raten
Schunkert und Steppich.
Eine pAVK liegt vor, wenn die Berechnung einen Wert unter 0,9 ergibt.
Normale Werte liegen bei einem ABI-Quotienten zwischen 0,9 und 1,2. Je
niedriger der ABI-Wert, desto weiter fortgeschritten ist die
Durchblutungsstörung. „Aber auch ABI-Werte über 1,3 sind ebenfalls
krankhaft. Sie zeigen eine besondere Art der Gefäßversteifung, die
Mediaverkalkung an, die vor allem bei Patienten mit Diabetes und
Nierenschwäche auftritt“, betont Schunkert. Bei der Mediaverkalkung hat
die Ader ihre Elastizität verloren und lässt sich mit der
Blutdruckmanschette nicht eindrücken. Typische Risikofaktoren, neben einem
hohen Alter, für das Entstehen einer pAVK sind:

- Rauchen
- Zuckerkrankheit Diabetes mellitus
- Fettstoffwechselstörungen (hohe Cholesterinwerte)
- Bluthochdruck
- erbliche Veranlagung
- bei zehn Prozent der Patienten andere Faktoren wie entzündliche
Prozesse.

Entsprechend ist eine Umstellung des Lebensstils durch Verzicht auf das
Rauchen, Achten auf Normalgewicht, gesunde Ernährung und ausreichend
Ausdauerbewegung möglichst 30-40 Minuten drei- bis fünfmal die Woche
fester Bestandteil der Therapie.

Fazit: Eine ABI-Messung kann Leben retten: Schnell und risikolos lässt
sich die pAVK feststellen, ebenso das individuelle Risiko für Herzinfarkt
und Schlaganfall. Patienten mit pAVK und einer erhöhten Gefährdung für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen können entdeckt und dank einer frühzeitigen
Diagnose und Therapie vor lebensbedrohlichen Komplikationen bewahrt
werden. Die Aussagekraft der risikolosen ABI-Messung ist durch eine große
Studie („getABIStudie“), schon seit 2001 belegt.

pAVK: Woher kommen die Schmerzen in den Beinen?
Die Ursache der pAVK liegt in der Arteriosklerose, der „Verkalkung“ von
Arterien: Blutfette, Kalk, Bindegewebe und entzündungsfördernde Zellen
lagern sich in der Innenwand der Blutgefäße ab und bilden sogenannte
Plaques, die in das Gefäß hineinragen und es verengen. Meistens sind die
Arterien der Beine und des Beckens betroffen. Dadurch gelangt nicht mehr
ausreichend Blut in die Beine und es kommt zu Schmerzen, weil die
Muskelzellen in den Waden nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe
erhalten. Das erklärt die ziehenden Schmerzen in der Wade
(„Übersäuerung“).

Mehr zum Thema und Fachliteraturhinweise erhalten Sie in dem Beitrag „ABI-
Test kann Leben retten“ in der aktuellen Ausgabe von HERZ heute 4/2019.

Aktuelle Ausgabe HERZ heute: Probeexemplar anfordern!
Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an
Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Mitglieder der Deutschen
Herzstiftung erhalten die Zeitschrift der Herzstiftung regelmäßig und
kostenfrei zugestellt. Ein Probeexemplar der neuen Ausgabe HERZ heute
4/2019 ist unter Tel. 069 955128400 oder per E-Mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.

  • Aufrufe: 392

Gesundheit 2020: „Minimalismus“ ist auch für die Leber gut

Das Trendthema „Minimalismus“ hat sich zu einer Lebensart etabliert.
Konsumverzicht, reduziertes Wohnen, kein Auto – weniger soll glücklicher
und freier machen. Das Buch einer japanischen Aufräum-Expertin ist ein
weltweiter Bestseller und auch der erfolgreiche deutsche Kinofilm „100
Dinge“ thematisiert den Verzicht. Wie ein Weniger auch im wichtigen
Lebensbereich Ernährung ein Mehr für 2020 sein kann, erklärt die Deutsche
Leberstiftung und ruft dazu auf, im neuen Jahr bewusster und gesünder zu
essen: „Minimalismus“ bei der Ernährung ist ein wichtiger Beitrag zur
Lebergesundheit.

Nicht nur Wohnungen sind oftmals zu voll, auch viele Körper und speziell
das lebenswichtige Organ Leber sind immer häufiger zu „vollgestopft“.
Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) – verursacht durch ungesunde
Ernährung in Verbindung mit Bewegungsmangel – sind immer öfter die Ursache
für die Entstehung und Manifestation einer nicht-alkoholischen
Fettlebererkrankung (Non-Alcoholic Fatty Liver Disease, NAFLD).

In Deutschland ist jeder vierte Bundesbürger über 40 Jahre bereits davon
betroffen und jedes dritte übergewichtige Kind leidet an dieser Krankheit
– Tendenz steigend: Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2025 etwa 55
Millionen US-Amerikaner und Europäer an einer nicht-alkoholischen
Leberentzündung leiden. „In den meisten Fällen entsteht die nicht-
alkoholische Fettleber als Folge des sogenannten metabolischen Syndroms.
Das metabolische Syndrom, auch Insulin-Resistenz-Syndrom oder metabolisch-
vaskuläres Syndrom genannt, ist gekennzeichnet durch das gemeinsame
Auftreten verschiedener Symptome und Krankheitsbilder“, erklärt Professor
Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung,
und ergänzt: „Dazu gehören Übergewicht, und hierbei ist speziell das
Bauchfett ein besonderer Risikofaktor, ein dauerhaft erhöhter
Blutzuckerspiegel, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck. In der Regel
sind ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel ursächlich für das
metabolische Syndrom. Das Ungleichgewicht von Kalorien-Zufuhr und
-Verbrauch erzeugt die vier gefäßschädigenden Risikofaktoren. Wenn dem
Körper ständig mehr Kalorien zugeführt werden, als er verbrennen kann,
wird die überschüssige Energie in Form von Fett eingelagert – nicht nur im
Fettgewebe, sondern auch in der Leber.“

Bereits Endes des 19. Jahrhunderts formulierte der deutsche Philosoph
Friedrich W. Nietzsche: „Du musst nicht nur mit dem Munde, sondern auch
mit dem Kopfe essen, damit dich nicht die Naschhaftigkeit des Mundes
zugrunde richtet.“ Wie aktuell die Aussage von damals ist, belegen
zahlreiche Studien, die eine Verbindung zwischen Ernährungsgewohnheiten,
Übergewicht und dem Entstehen von Krankheiten bis hin zum Wachstum
bestimmter Tumorarten aufzeigen. „Es ist bewiesen, dass auch bei einigen
Leberzellkrebs-Erkrankungen (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) die onkogenen
Risikofaktoren Nikotin- und Alkoholkonsum, Übergewicht, Adipositas und
fehlende Bewegung eine entscheidende Rolle spielen. Alle genannten
Risikofaktoren sind vermeidbar, deswegen appelliert die Deutsche
Leberstiftung zum Start des neuen Jahres an die Verantwortung, die jeder
Mensch für seine Gesundheit übernehmen sollte“, sagt Professor Manns.

Neben den individuellen Möglichkeiten, die jeder Verbraucher bei der
Umsetzung einer Lebensstiländerung im Sinne von „Ernährungsminimalismus“
als Vorsatz für 2020 hat, sind auch gesundheitspolitische und
verhältnispräventive Maßnahmen notwendig, um zukünftige Veränderungen zu
erleichtern. Zusätzlich zu ökonomischen Anreizen wie beispielsweise
Steuern auf gesüßte Getränke und Zucker, könnte auch die Einführung eines
verständlichen Kennzeichnungssystems von Lebensmitteln mit der Ampelskala
NutriScore die Menschen dabei unterstützen, bei der Ernährung mit weniger
Zucker oder weniger Fett mehr für ihre Lebergesundheit zu tun.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung zu
verbessern. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für
Ärzte und Apotheker in medizinischen Fragen. Diese Aufgaben erfüllt die
Stiftung sehr erfolgreich.
Weitere Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de.

JETZT NEU: Website-Relaunch der Deutschen Leberstiftung https://www
.deutsche-leberstiftung.de – wichtige Basisinformationen, umfangreicher
Service und Presseinformationen/-bilder im neu gestalteten Online-Portal
für Betroffene und Angehörige, Fachkreise sowie Medienvertreter.

BUCHTIPP: „Das Leber-Buch“ der Deutschen Leberstiftung informiert
umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen,
ihre Diagnosen und Therapien – inzwischen in dritter, aktualisierter und
erweiterter Auflage! „Das Leber-Buch“ ist im Buchhandel erhältlich: ISBN
978-3-89993-899-9, 16,99 Euro.
Weitere Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch.

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