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Gesundheit

Mit der Anschaffung von „Seahorse“ kann das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Jörg Bergemann (rechts) seine Forschung im Bereich der mitochondrialen Medizin voranbringen. „Gerade mit Blick  Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Mitochondriale Medizin: "Seahorse" ermöglicht an der Hochschule Albstadt- Sigmaringen passgenaue Diagnostik

Mit der Anschaffung von „Seahorse“ kann das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Jörg Bergemann (rechts) seine Forschung im Bereich der mitochondrialen Medizin voranbringen. „Gerade mit Blick  Hochschule Albstadt-Sigmaringen
Mit der Anschaffung von „Seahorse“ kann das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Jörg Bergemann (rechts) seine Forschung im Bereich der mitochondrialen Medizin voranbringen. „Gerade mit Blick Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Parkinson, Alzheimer, Krebs: Mithilfe der mitochondrialen Medizin können
solche und andere schwere Krankheiten erkannt sowie die Wirkung
verschiedener Medikamente bei Betroffenen überprüft werden. Die Forschung
in diesem Bereich ist an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen als ein
Schwerpunkt im Masterstudiengang Biomedical Sciences schon lange
etabliert. Nun hebt das Großgerät "Seahorse" sie mit seinen präzisen
Möglichkeiten der Diagnostik auf die nächste Stufe. Die Hochschule plant,
sie verschiedenen Kliniken anzubieten.

Albstadt/Sigmaringen. Dank eines neuen Großgeräts an der Fakultät Life
Sciences der Hochschule Albstadt-Sigmaringen können die Wissenschaftler im
Bereich Biomedical Sciences ihre Forschung in der sogenannten
mitochondrialen Medizin weiter ausbauen und auf die nächste Stufe heben.
Gefördert wurde die Anschaffung von „Seahorse“ durch einen Zuschuss der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die mehr als 110.000 Euro
beigesteuert hat.

Parkinson, Alzheimer und sogar Krebs: Mithilfe der mitochondrialen Medizin
können solche und andere schwere Krankheiten erkannt sowie die Wirkung
verschiedener Medikamente bei Betroffenen überprüft werden. Hintergrund
ist, dass Untersuchungen der Mitochondrien, also der „Kraftwerke“ jeder
einzelnen Körperzelle, Rückschlüsse auf den Zustand der gesamten Zelle
ermöglichen – also auch bei jenen, die gegebenenfalls durch Krankheit oder
Alterung geschädigt sind.

Das Großgerät „Seahorse“ liefert Wissenschaftlern und Studierenden der
Hochschule nun noch bessere und sehr genaue Testergebnisse in Bezug auf
die Funktionen der Mitochondrien. „Dabei handelt es sich um wichtige
Parameter für Gesundheit und Alterungsprozesse“, sagt Prof. Dr. Jörg
Bergemann, Studiendekan des Masterstudiengangs Biomedical Sciences. „Der
Erfolg in einem derart anspruchsvollen Verfahren unterstreicht sowohl die
Qualität unseres Antrages als auch die Qualität der bisher in diesem
Schwerpunkt geleisteten wissenschaftlichen Arbeit.“ Diese wird an der
Hochschule im Rahmen ihres Forschungsschwerpunkts GEB (Gesundheit –
Ernährung – Biomedizin) geleistet.

Die Forschung im Bereich der mitochondrialen Medizin steckt vielerorts
noch in den Kinderschuhen, an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen ist sie
als ein Schwerpunkt im Masterstudiengang Biomedical Sciences schon lange
etabliert. „Mit diesem Großgerät können wir unsere Forschungsanstrengungen
jetzt entscheidend voranbringen“, sagt Prof. Dr. Matthias Premer,
Prorektor Forschung. „Gerade mit Blick auf den InnoCamp in Sigmaringen und
die dort geplanten Forschungskooperationen mit externen Partnern ist diese
Anschaffung für uns von großer Bedeutung.“  Die Hochschule plant zudem,
die durch „Seahorse“ weiter verbesserten Möglichkeiten der Diagnostik
verschiedenen Kliniken anzubieten. „Wir können beispielsweise messen, wie
gut oder schlecht verschiedene Wirkstoffe bei Patienten anschlagen“, sagt
Jörg Bergemann. Dadurch lasse sich ermitteln, ob eine bestimmte Therapie
die richtige ist oder gegebenenfalls nachjustiert werden müsse.

Doch auch die Studierenden der Hochschule profitieren ganz unmittelbar von
der Anschaffung: „Sie werden in verschiedenen Modulen an diesem System
ausgebildet“, sagt Jörg Bergemann. Wesentlichen Anteil an der
Antragstellung hatte Dr. Eva-Maria Ladenburger, Molekularbiologin an der
Fakultät Life Sciences. Sie wird auch Ansprechpartnerin beim Betrieb des
Gerätesystems sein.

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DSG: Gesetz zur digitalen Versorgung – DSG befürwortet Gesundheits-Apps auf Rezept zur Schlaganfalldiagnose u. Therapie

Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde – eine schnelle Reaktion des
Patienten oder seines Umfeldes ist gefragt. Doch welche Symptome deuten
auf einen Hirninfarkt hin? Wie verhält man sich in einer solchen Situation
richtig? Und worauf ist in der Rehabilitationsphase nach einem
Schlaganfall zu achten? Gesundheits-Apps können Betroffene hier
unterstützen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) befürwortet den
Einsatz solcher digitalen Helfer, sofern sie bestimmten Qualitätskriterien
entsprechen. Die Fachgesellschaft begrüßt deshalb den Vorstoß des
Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ab 2020 Gesundheits-Apps auf
Rezept einzuführen.

„Ab Anfang kommenden Jahres ersetzen die gesetzlichen Krankenkassen die
Kosten für Gesundheits-Apps, wenn ein Arzt die digitalen Helfer
verschreibt. Dies hat der Bundestag im Gesetz zur digitalen Versorgung
festgelegt. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sie hohen
Qualitätskriterien entsprechen.  Das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM) soll die digitalen Helfer künftig auf ihre
Qualität, Funktionalität und ihren Nutzen hin prüfen.

„Wenn Apps in der Schlaganfalltherapie eingesetzt werden, dann müssen sie
einfach zu handhaben sein und zugleich einen hohen Nutzen haben“, sagt
Professor Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der DSG. „Wir
befürworten digitale Anwendungen beispielsweise dann, wenn sie dabei
unterstützen, die Symptome eines Schlaganfalls rasch zu erkennen und
schnell Hilfe zu holen.“ Das ist zum Beispiel bei einer kostenlosen App
des Klinikums Osnabrück der Fall. Sie weist mit einfachen, kurzen Bildern
und Erläuterungen auf die zentralen fünf Symptome eines Schlaganfalls hin
– von Lähmungen, über Sprach- und Sehstörungen sowie Schwindel bis hin zu
Kopfschmerzen. Die App hilft bei der Interpretation der Symptome und
animiert dazu, den Notarzt rasch zu alarmieren – denn schnelles Handeln
ist gerade bei einem Schlaganfall sehr wichtig. Bei einem Hirninfarkt
zählt jede Minute. „Deshalb ist es entscheidend für die Prognose eines
Schlaganfallpatienten, dass die Symptome sofort erkannt werden und dass
der Betroffene so schnell wie möglich in ein Krankenhaus – möglichst eines
mit Stroke-Unit – kommt.“

„Auch für die Therapie eines Schlaganfalls bieten sich Apps an“, begrüßt
Schäbitz, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Evangelischen Klinikum
Bethel in Bielefeld. die neue Entwicklung. Viele Patienten müssen wieder
sprechen lernen und gehen deshalb regelmäßig zur Logopädie, also zur
Sprachtherapie. Die Kosten für unterstützende Apps werden teilweise
bereits übernommen: Die IKK gesund plus trägt beispielsweise bereits seit
Ende 2018 die Kosten für eine Gesundheits-App, die die Arbeit des
Sprachtherapeuten ergänzen und unterstützen soll. Der Patient kann damit
auch zuhause für ihn persönlich passende Übungen trainieren und so
zusätzlich zum Besuch beim Logopäden das Verstehen, Sprechen oder Lesen
üben. Die App gibt Feedback und Hilfestellung und läuft auf einem Tablet;
der Logopäde passt die Übungen an den Bedarf des Patienten an. „Der
Patient kann selbst noch mehr zum Therapieerfolg beitragen, weil die
Übungen nicht auf den Besuch beim Logopäden beschränkt sind“, betont
Schäbitz. „Eigeninitiative hilft bei der Rehabilitation!“

Die Experten der DSG befürworten also sowohl Apps in der
Schlaganfallbehandlung als auch in der Therapie, sofern sie einfach zu
handhaben und funktionell hochwertig sind. Wichtig sei auch, dass die
Anwendungen wirklich der Gesundheitsversorgung dienen. „Es gibt auch viel
Schnickschnack auf dem Markt, der keinen wirklichen Nutzen für Ärzte und
Patienten hat“, so Schäbitz. Der Qualitätsscheck durch das Bundesinstitut
für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sei deshalb sehr relevant.

  • Aufrufe: 247
Ein gemeinsames Selfie zum Start des DIVI-Kongresses (v.l.): Kongresspräsident Professor Bernd W. Böttiger, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen.  Foto: Mike Auerbach

Nach Intensiv- und Notfallmedizin-Kongress: Wir müssen uns noch mehr mit der Gesundheit im globalen Sinne beschäftigen

Ein gemeinsames Selfie zum Start des DIVI-Kongresses (v.l.): Kongresspräsident Professor Bernd W. Böttiger, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen.  Foto: Mike Auerbach
Ein gemeinsames Selfie zum Start des DIVI-Kongresses (v.l.): Kongresspräsident Professor Bernd W. Böttiger, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen. Foto: Mike Auerbach

Die Resonanz kann sich wirklich sehen lassen: Rund 5.600 Teilnehmerinnen
und Teilnehmer sind vom 4. bis 6. Dezember zum 19. Jahreskongress der
Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin
(DIVI) nach Hamburg gekommen. Die wichtigste Veranstaltung für die
Intensiv- und Notfallmedizin in Deutschland stand dieses Jahres unter dem
Motto „Kooperation führt zu Entwicklung“. Und das wurde für drei Tage im
besten Sinne gelebt: Menschen aus 43 Nationen und mit unterschiedlichem
fachlichem Hintergrund tauschten sich intensiv miteinander aus, arbeiteten
zusammen und entwickelten neue Ideen und Strukturen.

Am Abschlusstag sprach DIVI-Kongresspräsident Professor Bernd W. Böttiger
über seine Eindrücke und Erkenntnisse daraus für zukünftige Kongresse.

Herr Professor Böttiger, beschreiben Sie den Kongress doch mal in drei
Worten.

Drei Worte sind hier nicht einfach. Das war ein ziemlich guter Kongress –
und gut organisiert. Wir haben hier einen großartigen Kongress erlebt. Ich
habe nur zufriedene Menschen getroffen und bin selbst auch hochzufrieden.
Ich bedanke mich bei allen, die dazu beigetragen haben. Und in drei
Worten: exzellent, großartig, hochzufrieden!

Was hat Sie nach drei Kongresstagen hier in Hamburg am meisten
beeindruckt?

Am meisten beeindruckt hat mich die Atmosphäre, die wirklich nur positiv
war. Und das haben vor allem auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
ausgestrahlt. Wir sind interprofessionell, wir sind interdisziplinär, wir
sind einzigartig. Das ist nicht nur so gesagt, denn solch eine
Organisation wie die DIVI gibt es nur einmal. Ich werde immer wieder
bereichert. Und zwar nicht nur, wenn ich mit Fachkolleginnen und -kollegen
spreche, sondern auch mit vielen anderen Menschen, die ich hier treffe.
Das macht den Charme, das Niveau und eben die Einzigartigkeit der DIVI und
des DIVI-Kongresses aus. Mindestens im deutschsprachigen Raum,
wahrscheinlich sogar europa- und weltweit.

Sie sagten in Ihrer Begrüßungsrede, der DIVI-Kongress gehöre nach Hamburg.
Warum ist der Standort so wichtig?

Was ich in besonderer Weise charmant finde: Hamburg ist nicht nur eine
offene Weltstadt, pures Leben sowie voller Energie und Intellekt. Es ist
auch vor Ort alles sehr praktisch organisiert. Man kann von der Stadt zum
Kongress laufen – und umgekehrt. Oder zum Hotel. Unser Kongress ist in der
Stadt. Zudem hält der ICE direkt vor der Tür. Das ist einfach genial. So
muss es sein. Das ist auch gut für einen geringeren CO2-Ausstoß.

Aus welchen Regionen kamen die Teilnehmer nach Hamburg?

Das lässt sich nicht auf wenige Regionen reduzieren. Wir hatten hier
Menschen aus 43 Nationen beim Kongress, wir werden immer internationaler.
Im deutschsprachigen Raum sind wir der wichtigste Kongress für die
Intensiv- und Notfallmedizin. Das höre ich von allen Menschen, mit denen
ich mich hier unterhalte. Die sind alle völlig begeistert. Ich glaube, wir
haben auch einen relativ ausgeglichenen Geschlechteranteil: Wir haben
viele Referentinnen und weibliche Vorsitzende. Das kann man in den
nächsten Jahren sicher noch weiterentwickeln.

Sie sagten zu Kongressbeginn ebenso, die DIVI sei auch Politik. Wie meinen
Sie das?

Ich meine damit, dass Medizin – so wie ich sie verstehe – nicht nur darauf
ausgerichtet sein darf, individuell Menschen zu heilen und das Leben aller
angenehmer zu machen. Gesundheit ist viel größer und globaler: Gesundheit
heißt auch, dass wir auf uns selbst achten müssen und auf andere in den
Gesundheitsberufen – Stichwort Resilienz. Achtsamkeit und Wertschätzung
sind sehr wichtige Begriffe. Und das müssen wir auch unserer Welt und
Umwelt an sich entgegenbringen, denn wir haben nur eine. Wir leben in
Systemen, die in den vergangenen Jahrzehnten nicht so viel Wert darauf
gelegt haben. Das muss sich dringend ändern. Eckart von Hirschhausen hat
darauf ja auch in seiner Festrede besonders hingewiesen. Wenn wir nichts
ändern, dann wird es diese Welt in dieser Form bald nicht mehr geben. Und
dann haben wir erst recht ein Gesundheitsproblem, auch in unseren
Krankenhäusern und mit unseren Patientinnen und Patienten. Da sind wir
natürlich als Ärztinnen und Ärzte, Pflegende und Notfallsanitäter
besonders gefordert. Wir müssen uns auch medizinisch um unsere Welt
kümmern. Das scheint ein Notfall zu sein.

Welchen Eindruck haben Sie vom Auftritt des Bundesgesundheitsministers?

Ich fand Jens Spahn sehr klar. Nicht in jedem Punkt bin ich seiner
Meinung. Und natürlich muss er auch erst einmal anfangen, die Sachen in
die richtige Richtung zu entwickeln. Da ist in den letzten Jahren auch
vieles nicht so gut, sinnvoll und effektiv gewesen, darunter leiden wir
jetzt. Ich habe deswegen Verständnis, wenn Spahn sagt, dass er es nicht
von heute auf morgen verbessern kann. Und ich habe den Eindruck, dass er
es anpackt. Er hat bei mir durch seinen Auftritt sehr gewonnen, mein Bild
von ihm ist deutlich positiver geworden.

Welche dringenden Themen der Intensiv- und Notfallmedizin konnten Sie ihm
wiederum mit auf den Weg geben?

Es ist aus unserer Sicht ein guter Impuls, dass die Pflege bei der
Finanzierung aus dem DRG-System rausgeht. Ob es aber eine gute Idee ist,
Pflegende aus der ganzen Welt zu holen, weiß ich nicht. Vielleicht muss
man insbesondere auch daran denken, wie man die Menschen hier wieder mehr
motivieren kann und den Beruf attraktiver macht. Auch das haben wir ihm
mit auf den Weg gegeben. Das hat auch die Diskussionsrunde mit dem
Minister nochmal klar herausgestellt. Und es muss auch darüber nachgedacht
werden, inwieweit wir an einigen Stellen nicht zu viel an Medizin machen –
zu viele Krankenhäuser, zu viele Operationen zum Beispiel. Wir müssen auch
die Gesundheitskompetenz stärken. Und ich wünsche mir von Jens Spahn auch,
dass er sich für die verpflichtende bundesweite Schülerausbildung in
Wiederbelebung einsetzt.

Diese Schülerausbildung im Rahmen der Aktion „KIDS SAVE LIVES“ fand schon
vor dem offiziellen Kongressbeginn statt. Wie haben die Hamburger Schüler
das angenommen?

Insgesamt 240 Schülerinnen und Schüler haben sich an unserer Aktion
beteiligt. Natürlich waren auch deren Lehrerinnen und Lehrer dabei und
auch viele Hamburger Organisationen, die sich diesem Thema widmen. Die
waren alle total begeistert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben auch
eine Hausaufgabe bekommen: Sie müssen in den nächsten zwei Wochen an ihren
kleinen Trainingspuppen jeweils zehn weitere Menschen in der
Wiederbelebung trainieren – sie sind für uns also auch Multiplikatoren.
Das macht wirklich sehr viel Freude, sowohl den Teilnehmenden als auch
denen, die das weiter in die Welt tragen.

Welches Gefühl nehmen Sie für sich persönlich mit nach Hause?

Ich glaube, dass wir hier einen Kongress auf höchstem wissenschaftlichen
und auch interdisziplinären sowie interprofessionellen Niveau hatten. Er
ist geprägt von großer gegenseitiger Wertschätzung, Respekt und
Aufmerksamkeit. Das spürt man in jedem Moment, wo man hier durch die Flure
läuft oder an einer der zahlreichen Sitzungen teilnimmt. Das ist ein ganz
wichtiger Impuls für die Zukunft und für den Umgang miteinander: Die DIVI
ist Medizin, die DIVI ist Politik und die DIVI wirkt eben auch in die
Zukunft.

Und welche Take-Home-Message haben Sie für die Teilnehmer?

Sicherlich ist vielen Teilnehmern klar geworden, dass wir in Zukunft nicht
nur einen Schwerpunkt auf die finanziellen Belange in unseren Kliniken
legen können. Darüber wurde viel diskutiert – und das werden wir auch
weiterhin. Wir müssen – neben einer Patientenversorgung auf höchstem
Niveau – einen weiteren Schwerpunkt in Richtung uns selbst legen, damit
wir uns richtig wohlfühlen in den Systemen, in denen wir jeden Tag
arbeiten. Wir müssen uns auch um uns selbst kümmern, dafür braucht es die
entsprechenden organisatorischen und politischen Rahmenbedingungen. Meine
Message an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Nutzen Sie die neuen
Erkenntnisse nach dem Kongress und sorgen Sie mit uns dafür, dass wir
unser Gesundheitssystem und Arbeitsumfeld auf allen Ebenen gemeinsam
weiterentwickeln! Dafür werden Entwicklungen und Veränderungen notwendig
sein. Ich glaube, dass wir mit dem Kongress und unseren Aktivitäten der
vergangenen Monate schon einiges dazu beigetragen haben. Daran müssen wir
aktiv anknüpfen.

Gibt es nach dem DIVI-Kongress 2019 weitere Erkenntnisse für die Zukunft
der Intensiv- und Notfallmedizin?

Mein Gefühl nach vielen Gesprächen und zahlreichen Feedbacks ist: Es ist
toll, wenn wir uns beim Kongress weiter mit Wissenschaft, Medizin und
fachlichem Personal beschäftigen. Wir müssen uns aber noch sehr viel mehr
als jetzt mit dem Thema Gesundheit im globalen Sinne beschäftigen. Oder um
es mit Hirschhausen zu sagen: Was nutzt uns ein gesunder Patient auf einem
kranken Planeten? Der nämlich kann ganz schnell wieder zunichtemachen, was
wir erreicht haben. Gesundheit ist sehr viel breiter als nur Medizin. Wenn
wir beim nächsten Kongress auch diesbezüglich weitere Impulse setzen, dann
sind wir weiterhin sehr gut aufgestellt.

Schon jetzt vormerken: Der 20. DIVI-Kongress findet vom 2. bis 4. Dezember
2020 im CCH Hamburg statt.

  • Aufrufe: 349
Prof. Zerth spricht auf dem

Wettbewerb „Mach mal Pause“ - Auszeichnung innovativer Pausenkonzepte in der Pflege

Prof. Zerth spricht auf dem
Prof. Zerth spricht auf dem "Gesund-Pflegen-Tag“ der AOK Bayern

Was bedeutet „Gesund-Pflegen“ und welche Bedeutung hat eine gute Pause in
der Pflege. Dieser Frage stellten sich über 100 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer beim ersten „Gesund-Pflegen-Tag“ der AOK Bayern in Nürnberg,
der in Kooperation mit der Wilhelm Löhe Hochschule durchgeführt wurde.
Neben einem Wettbewerb für das beste Pausenkonzept wurde eine qualitative
Studie zu Aspekten „guter Pause“ vorgestellt.

Der Anspruch an eine gute Pflege und die erlebte Wirklichkeit würden sehr
häufig auseinandergehen, so Christine Fiedler, Professorin für
Pflegewissenschaft an der WLH, im Rahmen des Key-Note-Vortrags
„Moralischer Stress in der Pflege“. Christine Fiedler warnte in ihrem
Eröffnungsvortrag vor einem „Cool-out“ als kollektives Problem in der
Pflege. Wenn Pflegende „lernen würden, es hinzunehmen, dass die
strukturellen Bedingungen in der Pflege in Widerspruch zu ihren fachlichen
und moralischen Ansprüchen stehen würden, liege ein massives Problem vor,
so Fiedler. Pflegeinrichtungen könnten und müssten hier mit besseren
Arbeitsbedingungen und –strukturen antworten.

Ein wesentlicher Aspekt guter Arbeitsbedingungen und –strukturen liegt in
regelmäßigen Erholungszeiten begründet. Werner Winter, Fachbereichsleiter
BGM bei der AOK Bayern, führte in die zusammen von AOK Bayern und WLH
durchgeführte Studie „Pausenkonzepte in der Pflege ein“ ein. Schätzungen
aus der Pflegepraxis würden deutlich machen, dass fast 50 Prozent der
Pflegenden ihre Pausen nicht oder nur sehr eingeschränkt nehmen würden, so
die Schlussfolgerung von Werner Winter.

Im Rahmen der Studie, die der Leiter des Forschungsinstituts IDC der WLH,
Prof. Jürgen Zerth, skizzierte, wurde deutlich, dass es insbesondere um
die Erfassung der bedingenden Verhältnisstrukturen mit gelebter
Pausenkultur in den Einrichtungen ankommen würde. Die Studie, die von
einem IDC Team – Julia Ott, Peter Jaensch und Jürgen Zerth verfasst worden
ist – hat mit einem qualitativen Design versucht, durch leitfadengestützte
Interviews in Pflegesettings der ambulanten wie stationären Pflege sowie
im Krankenhaus gesättigte Ergebnisse zu Pausenkonzepten, -strukturen,
-inhalten und gelebten Pausenprozessen zu erheben.

Es lasse sich schon jetzt, vorbehaltlich einer möglichen größeren
quantitativen Untersuchung festhalten, dass Pflegende die Qualität ihrer
Arbeitspause vor allem daran messen können, Gelegenheit und Orte zur
Entspannung zu erhalten, d. h. im Sinne einer Detachment-Strategie ein
„gedankliches Abschalten“ nutzen zu können. Unnötige Unterbrechungen sind
daher ein wesentlicher Störfaktor, gleichzeitig gehöre gerade in der
Pflege die Möglichkeit zum fachlichen und sozialen Austausch
offensichtlich zu den von Pflegekräften wahrgenommenen Ansätzen für eine
„gute Pause“, so Zerth.

Zum Abschluss des ersten „Gesund-Pflege-Tages“ wurden auch auf Grundlage
der in der Studie ermittelten Kriterien für „gute Pause“ von einer Jury
unter der Leitung von Christine Fiedler innovative Pausenkonzepte
ausgezeichnet. Die AOK Bayern hatte im Sommer einen auf insgesamt 50.000
Euro dotierten Wettbewerb zur Pausengestaltung in der Pflege ausgerufen.

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