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Gesundheit

Altersmediziner empfehlen sofortige Influenza-Impfung: „Infektionen können für ältere Menschen tödlich verlaufen“

„Rund ums Impfen kursieren noch immer zu viele Mythen und
Falschmeldungen“, kritisiert Dr. Anja Kwetkat, Leiterin der Arbeitsgruppe
Impfen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und Direktorin der
Klinik für Geriatrie am Universitätsklinikum Jena. Eine Folge sei, dass
sich immer weniger Menschen gegen die Influenza-Viren schützen, die im
Winter und Frühjahr Hochsaison haben. Infektionen mit Grippeviren können
bei älteren Menschen tödliche Folgen haben, wenn nicht gezielt geimpft
wird. Menschen über 60 Jahre sind dabei besonders gefährdet: 90 Prozent
der Grippe bedingten Todesfälle entfallen auf diese Altersgruppe.

Die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO)
berücksichtigen nach Einschätzung der DGG die Bedürfnisse älterer
Patienten nach wie vor nicht ausreichend. Im Interview spricht Anja
Kwetkat über die Probleme der STIKO-Empfehlung, gibt Rat zum Grippeschutz
für Ältere und enttarnt sich hartnäckig haltende Impf-Mythen.

Frau Dr. Kwetkat, wie sieht es mit der Impf-Bereitschaft der Deutschen
konkret aus?

Ehrlich gesagt beobachten wir seit Jahren eine zunehmende Zurückhaltung in
der Bevölkerung bei der Grippeimpfung. In der Grippe-Saison 2018/19 kam es
erstmals wieder seit Jahren zu einem leichten Anstieg der Impfquoten um
ein bis vier Prozent, je nach Bundesland. Während die westlichen
Bundesländer nur eine Impfquote von circa 30 Prozent in der Grippe-Saison
2016/17 erreichten, lag diese für die östlichen Bundesländer bei immerhin
gut 50 Prozent. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
empfiehlt eine Quote von 75 Prozent, die in England, Schottland und
Nordirland in den vergangenen Jahren nur knapp verfehlt wurde.

Wie erklären Sie sich diese Zurückhaltung in Deutschland?

Das hat ganz unterschiedliche Ursachen. Es hält sich zum Beispiel
hartnäckig der Mythos, dass die Influenza-Impfung nur etwas für ältere
Menschen sei. Die sind zwar besonders betroffen, aber auch junge Patienten
sind nach der Ansteckung in der Regel arbeitsunfähig. Zudem wird
kolportiert, dass die Grippe-Impfung zu teuer sei und selbst bezahlt
werden müsse. Tatsächlich gibt es hier unterschiedliche Regelungen bei den
Krankenkassen. Manche übernehmen die Kosten, andere verlangen eine
Zuzahlung, wenn der Patient nicht zu einer der Gruppen gehört, für die die
Grippe-Impfung durch die STIKO ausdrücklich empfohlen wird. In diesen
Fällen wird die Impfung immer von der Krankenkasse übernommen.

Und was machen die Engländer anders?

Es gibt in England seit 2013 ein Programm zur Impfung von Kindern –
unabhängig von Risikofaktoren. Die Idee ist, einerseits den
Individualschutz der Kinder zu verbessern, andererseits aber auch die
Übertragung der Influenza zu reduzieren. Ansonsten ist auch dort die
Impfung altersunabhängig Menschen mit chronischen Krankheiten,
Schwangeren, Senioren, Pflegeheimbewohnern und Arbeitskräften in
Gesundheitsberufen empfohlen. Aber gerade die Empfehlung für die Kinder
macht die Impfung präsenter in den Köpfen aller. Das hilft möglicherweise,
die Impfraten insgesamt zu steigern, eben auch die der älteren
Erwachsenen, der chronisch Kranken oder der Beschäftigen in
Gesundheitsberufen.

Es hält sich auch das Gerücht, dass die verwendeten Impfstoffe die sich
ständig verändernden Viren gar nicht treffend bekämpfen.

Richtig ist, dass sich die Influenza-Viren ständig durch kleinere
Mutationen verändern. Daher ist auch ein jährlich wiederholter Grippe-
Schutz notwendig. Bei Tetanus erfolgt die Routine-Auffrischung hingegen
nur alle zehn Jahre. Traditionell erleben wir zwischen Dezember und
Februar eine regelrechte Grippewelle. Die Impfstoffe auf Basis der
Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden aber schon etwa
ein halbes Jahr davor hergestellt. In der Zwischenzeit kann es daher zu
Veränderungen der kursierenden Grippeviren kommen. Die Schutzwirkung kann
daher von Jahr zu Jahr und in Abhängigkeit des jeweiligen Virusstamms sehr
unterschiedlich sein. Bei sehr guter Übereinstimmung der zirkulierenden
Viren mit dem Impfstoff kann die Wirksamkeit bei jungen Erwachsenen bei
bis zu 80 Prozent liegen, bei älteren Menschen ist diese niedriger. Es
kommt daher häufiger als bei Jüngeren zu einer Erkrankung trotz Impfung,
diese verläuft aber weitaus milder und bietet somit immer noch einen
relevanten Schutz.

Im vergangenen Jahr wurde vielerorts der Impfstoff knapp. Zu welchen
Problemen kann das führen?

Landesweit betrachtet war der Influenza-Impfstoff zunächst gar nicht knapp
– er war nur falsch verteilt und das musste umorganisiert werden.
Möglicherweise haben sich mehr Menschen bereits früher impfen lassen. Das
könnte zu der Verknappung geführt haben, da in der letzten Saison zum
selben Zeitpunkt tatsächlich weniger Impfstoffdosen bereitstanden als im
Vorjahr. Ein gestiegenes Interesse an der Impfung durch die Eindrücke der
Grippewelle 2017/18 hat ebenfalls eine Rolle gespielt. Problematisch war
allerdings wohl auch die geänderte Empfehlung der Ständigen Impfkommission
auf einen quadrivalenten Grippeimpfstoff. Da somit der alte trivalente
Impfstoff nicht mehr empfohlen war, wurden weniger Impfstoffdosen
produziert und geliefert, was bei der gestiegenen Nachfrage dann insgesamt
zu einer Verknappung führte. Aufgrund der knappen Vorlaufzeit der
Produktion und auch der Produktionsart über Hühnereier ist der
Grippeimpfstoff nicht kurzfristig nachproduzierbar. In diesem Jahr sollte
sich aber ein solcher Engpass eher nicht wiederholen, wie auch das Paul-
Ehrlich Institut, das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und
biomedizinische Arzneimittel, versichert.

Aber wie schaffen es andere Länder, in diesen Punkten besser zu sein?

Viele Länder haben da ganz pragmatische Vorschriften, wie beispielsweise
die USA: Wer sich als Krankenschwester oder Arzt nicht jährlich gegen
Influenza impfen lässt, muss zur Grippe-Saison während der gesamten
Schicht eine Atemschutzmaske tragen. Das ist so anstrengend und
unangenehm, dass die Impfrate des Personals dort bei fast 100 Prozent
liegt.

Wann genau ist der richtige Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Am besten ist es, sich gleich im Oktober oder November impfen zu lassen.
Nach zehn bis 14 Tagen hat der Körper dann einen ausreichenden Schutz vor
Ansteckung aufgebaut, der auch über die gesamte Grippe-Saison hält. Aber
auch im Dezember oder Januar ist die Impfung noch immer sinnvoll, denn
auch dann ist die Ansteckungsgefahr noch immer sehr hoch. Ältere sollten
sich jedoch nicht zu früh impfen lassen, da bei ihnen die Antikörpertiter
schneller abfallen können und dann möglicherweise nicht mehr ausreichend
sind, wenn die Grippewelle ihren Höhepunkt üblicherweise Anfang des Jahres
erreicht. Eine Impfung erst im November ist somit sinnvoll.

Warum ist der Grippeschutz für Ältere lebensnotwendig?

Eine durch Influenza-Viren verursachte Infektion kann für ältere Patienten
tödlich verlaufen. Eine Grippe kann durch verschiedene Influenza-Viren
verursacht werden. Typisch ist ein plötzlicher Beginn mit oft hohem Fieber
über 38,5 Grad, trockenem Husten ohne Auswurf, Halsschmerzen,
Appetitlosigkeit sowie starke Kopf- und Gliederschmerzen. Gerade ältere
Menschen brauchen oft sehr lange, bis sie sich von der Infektion erholt
haben.

Was spricht eigentlich dagegen, sich im Abstand von ein paar Wochen
zweimal impfen zu lassen?

In der Kindermedizin wird dies erfolgreich gemacht. Kinder bis zum
vollendeten neunten Lebensjahr, die noch nie gegen Grippe geimpft wurden,
sollten nach einem Zeitraum von mindestens vier Wochen eine zweite Dosis
bekommen. Dies bestätigen auch entsprechende Studien. Eine solche Studie
gibt es bei älteren Patienten nicht. Noch effektiver und in Studien auch
belegt ist aber, speziell für ältere Menschen direkt eine höhere Dosis
Antigen zu verabreichen. Mit einer vierfachen Antigen-Dosis wird bei
Patienten ab 65 Jahren ein besserer Schutz vor einer Influenza-Erkrankung
erreicht. Menschen über 85 Jahren profitieren besonders von dem erhöhten
Antigen-Gehalt: Bei ihnen führt die Impfung mit dem Hochdosisimpfstoff zu
weniger Krankenhausaufnahmen wegen Influenza und Pneumonien.

Eine Grippe erscheint vielen Menschen als unangenehm, aber harmlos. Worin
liegt das Sterberisiko?

Hierfür gibt es mehrere Gründe: Oft kommt es gerade bei unterernährten
Patienten oder bei Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes
mellitus zu einer bakteriellen Superinfektion, die dann zu einer
Lungenentzündung führt. Davon können übrigens auch junge Patienten
betroffen sein. Bei der Untersuchung von Todesfällen werden in Lunge und
Blut immer wieder Pneumokokken-Bakterien entdeckt, die unter anderem
Blutvergiftungen verursachen können. Weniger bekannt ist, dass eine
Influenza-Infektion das Risiko massiv erhöht, während der Erkrankung einen
Herzinfarkt zu bekommen oder auch einen Schlaganfall zu erleiden.

Eine Grippeimpfung kann also vor einem Herzinfarkt schützen?

Ganz genau, sozusagen eine Impfung gegen Herzinfarkt. Eine
wissenschaftliche Studie mit Herzinfarkt-Patienten hat ergeben, dass eine
Grippeschutzimpfung direkt nach der Herzkatheter-Untersuchung das Risiko
eines erneuten Infarktes deutlich senkt.

Wer sollte sich neben den Senioren als Hochrisikogruppe noch gegen
Influenza impfen lassen?

Vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen, zum Beispiel Diabetiker,
Patienten mit Niereninsuffizienz, Herzkrankheiten oder Lungenerkrankungen.
Ganz wichtig und leider oft vergessen: Sämtliche Personen, die mit alten
Menschen zusammen sind und sie betreuen. Das sind Angehörige wie der junge
Enkel, das Pflegepersonal in Heimen und bei ambulanten Diensten, aber
natürlich auch Ärzte. Weil sich die Grippeviren immer wieder verändern,
ist jedes Jahr eine erneute Impfung notwendig. Leider ist auch die
Durchimpfungsrate von medizinischem Personal in Deutschland im
internationalen Vergleich sehr niedrig.

Gibt es zum altersabhängigen Virenschutz auch verschiedene Impfstoffe?

Ja, weil normale Grippeimpfstoffe das Immunsystem älterer Menschen weniger
Antikörper bilden lässt, ist für Patienten ab 65 Jahren in Deutschland ein
spezieller Impfstoff mit einem Wirkungsverstärker zugelassen. Dieser wird
in England auch für den Einsatz bei über 65-Jährigen empfohlen. Es gibt
auch einen Impfstoff, der intradermal – also in die Haut – gespritzt wird
und einen, der einen viermal höheren Antigen-Gehalt beinhaltet. Beide
führen zu einer verstärkten Immunantwort, sind allerdings in Deutschland
nicht zu haben. Der Impfstoff „Intanza“ wird in Deutschland nicht mehr
vertrieben, der Hochdosisimpfstoff ist bisher bei uns noch nicht
zugelassen.

Was kritisieren Sie an den Empfehlungen der Impfkommission?

Das Problem der STIKO-Empfehlungen ist, dass sie an entscheidender Stelle
nicht auf die Besonderheiten älterer Menschen eingehen. Bei denen wirken
die üblichen Standardimpfstoffe weniger gut als bei Jüngeren und Gesunden.
Wir würden uns wünschen, sich hier zum Beispiel die Engländer als Vorbild
zu nehmen, die bereits in der vergangenen Grippe-Saison den ajduvantierten
– also wirkverstärkten – Impfstoff für die über 65-Jährigen empfohlen
haben. Erste Daten zeigen auch eine deutlich bessere Wirksamkeit im
Vergleich zu den Älteren, die mit anderen Grippeimpfstoffen versorgt
wurden. Hier sollten die STIKO-Empfehlungen dringend nachgebessert werden.

Aktuelle Impf-Empfehlungen erhalten Hausärzte auf der Webseite der DGG-
Arbeitsgruppe Impfen. Die AG hat die aktuellen STIKO-Impfempfehlungen
unter geriatrischen Gesichtspunkten zusammengestellt.

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Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck vom Universitätsklinikum Regensburg (re.) erhielt die Auszeichnung von DGZMK-Präsident Prof. Dr. Michael Walter  DGZMK/Michelle Spillner

Kieferorthopädische Zahnstellungskorrekturen bei Parodontitis und unter Einfluss von Medikamenten und Nikotin

Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck vom Universitätsklinikum Regensburg (re.) erhielt die Auszeichnung von DGZMK-Präsident Prof. Dr. Michael Walter  DGZMK/Michelle Spillner
Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck vom Universitätsklinikum Regensburg (re.) erhielt die Auszeichnung von DGZMK-Präsident Prof. Dr. Michael Walter DGZMK/Michelle Spillner

Deutscher Miller-Preis für Regensburger Kieferorthopäden Priv.-Doz. Dr.
Dr. Christian Kirschneck
Im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages 2019 in Frankfurt am Main wurde
traditionell der Miller-Preis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund-
und Kieferheilkunde (DGZMK) verliehen. Der seit 1908 durch die DGZMK
(www.dgzmk.de) zu Ehren des Pioniers der Zahnheilkunde Professor
Willoughby Dayton Miller (1853-1907) vergebene Preis geht in diesem Jahr
an Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck vom Universitätsklinikum
Regensburg und damit erstmalig an einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie.

Der Deutsche Miller-Preis wird vom Vorstand der DGZMK jährlich zur
Würdigung einer wegweisenden wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der
Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ausgelobt und ist der renommierteste
Preis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Er
ist  mit 10.000€ dotiert und geht auf den Pionier der Zahnheilkunde
Professor Willoughby Dayton Miller zurück, der erstmals die
Verstoffwechselung niedermolekularer Kohlenhydrate (Zucker) durch orale
Mikroorganismen (Bakterien) als Ursache für die Entstehung von Karies
erkannte und damit die Zahnmedizin revolutionierte. Für die Vergabe des
Preises sind nach den Statuten der DGZMK allein Leistung und Bedeutung der
Preisarbeit für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde entscheidend. In
diesem Jahr geht die höchste Auszeichnung der deutschen Zahnmedizin an den
Kieferorthopäden Priv.-Doz. Dr. Dr. Christian Kirschneck aus der
Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Regensburg für
seine Habilitationsarbeit zum Thema „Pharmakologische Beeinflussung der
orthodontischen Zahnbewegung unter Berücksichtigung parodontal-
inflammatorischer Prozesse“.
Die zahnmedizinische Fachdisziplin der Kieferorthopädie beschäftigt sich
mit der Früherkennung, Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von
Fehlstellungen der Zähne und der Kiefer mit dem Ziel der medizinisch-
funktionellen und ästhetischen Rehabilitation des Patienten in
Zusammenarbeit mit den anderen zahnmedizinschen Fachdisziplinen. In der
mit dem Millerpreis ausgezeichneten Habilitationsarbeit im
interdisziplinären Querschnittsbereich zwischen Kieferorthopädie,
Parodontologie und Pharmakologie konnte Priv.-Doz. Kirschneck
experimentell anhand der zugrundeliegenden molekularen Mechanismen zeigen,
wie Pharmaka beschleunigend oder hemmend auf die kieferorthopädische
Zahnbewegung wirken und wie unerwünschte Nebenwirkungen einer
kieferorthopädischen Behandlung, z.B. Wurzelresorptionen, reduziert werden
können.  Gegenstand der Arbeit von Kirschneck war auch die weitere
Aufdeckung der zellulären und molekularen Mechanismen der Nikotinwirkung
in Bezug auf die kieferorthopädische Zahnstellungskorrektur und die
Interaktion mit einer parodontalen Entzündung. Die Ergebnisse zeigen, dass
Zahnstellungskorrekturen bei bestehender akuter parodontaler Entzündung
oder Nikotinabusus aufgrund des erhöhten Nebenwirkungspotentials
kontraindiziert sind.
Die Erforschung der zellulär-molekularen Mechanismen, welche der
kieferorthopädischen Zahnbewegung und einer Parodontitis zugrunde liegen,
könnten in Zukunft der Schlüssel zu einer wirksamen Verbesserung
derzeitiger kieferorthopädischer Therapiestrategien sein. „Das Preisgeld
werden wieder in die Forschung investiert“, so Kirschneck, der derzeit
weitergehende Fragestellungen zur kieferorthopädischen Zahnbewegung unter
anderem in zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
eingeworbenen und geförderten Forschungsprojekten untersucht.

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Zystoskopie in der Urologie: Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.

Anlässlich des vom Berufsverband der Deutschen Urologen e. V. (BvDU)
angestrebten vorübergehenden Zystoskopieverzichtes geht die Deutsche
Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) in einer Stellungnahme auf die
wissenschaftlichen Hintergründe der Maßnahmen der Aufbereitung von
Instrumenten ein, die zur Blasenspiegelung (Zystoskopie) verwendet werden.

Die Blasenspiegelung ist eine Routineprozedur, bei der die Harnröhre, der
Durchgang der Prostata und die Harnblase auf krankhafte Veränderungen
untersucht werden.​ Hierfür können Instrumente unterschiedlicher
Materialien eingesetzt werden, die teilweise eine unterschiedliche
Methodik der Aufbereitung notwendig machen. Ziel ist in allen Fällen, dass
der Patient mit einem sterilen Instrumentarium behandelt wird, sodass es
zu keiner Übertragung von infektiösen Erregern aus anderen Quellen auf den
Patienten kommt. Dies wird mit dem Begriff Sterilität beschrieben. Dies
heißt allerdings nicht, dass durch die Blasenspiegelung keine Erreger in
die Harnblase des Patienten eingebracht werden könnten. D.h. es kann auch
durch ein steriles Instrumentarium z.B. eine Blasenentzündung im Anschluss
an die Prozedur entstehen, da Erreger aus der patienteneigenen Flora in
die Harnblase gelangen können.

Die notwendige Aufbereitung des Instrumentariums wird in Deutschland durch
das Robert Koch-Institut vorgegeben und in verschiedene Sterilitätsklassen
eingeteilt, die sich nach dem Einsatzspektrum und dem Instrumentenaufbau
richten. Für Instrumente, die zur Blasenspiegelung verwendet werden, gilt
die Klasse semikritisch B. Dies bedeutet, dass Bakterienarten, die im
Bereich der Harnblase eine Rolle spielen, durch die Sterilprozedur sicher
abgetötet werden müssen. Es spielt hierbei keine Rolle, ob die in Frage
kommenden Bakterien eine Resistenz gegenüber Antibiotika aufweisen oder
nicht, da antibiotikaresistente Erreger gleichermaßen auf die
Sterilisationsprozedur ansprechen wie antibiotikasensible Erreger.

Die aktualisierten Richtlinien für die Anforderungen der Aufbereitung der
Instrumente zur Blasenspiegelung, die in Deutschland durch das Robert
Koch-Institut vorgegeben werden, gelten seit 2012 und sind im
Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht (Bundesgesundheitsblatt 2012;
55:1244-1310). Allerdings haben sich in den letzten Jahren die Materialien
der Instrumente geändert, die es erlauben eine Blasenspiegelung für den
Patienten deutlich angenehmer durchzuführen, indem flexible Instrumente
vermehrt eingesetzt werden. Dies führt auf der anderen Seite zu einem
gewissen Mehraufwand, um eine sachgerechte Aufbereitung  des Instrumentes
durchführen zu können, da diese aufgrund konstruktiver Besonderheiten als
Medizinprodukte mit erhöhten Anforderungen an die Aufbereitung ein­gestuft
werden. Dieser Mehraufwand wird allerdings derzeit nicht separat vergütet.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie betont, dass sie die aktuellen
Richtlinien zur Aufbereitung von urologischem Instrumentarium generell
akzeptiert und empfiehlt, sich danach zu richten. Allerdings wäre es
folgerichtig, da von Urologen vermehrt neue, für den Patienten deutlich
weniger belastende Instrumentenmaterialien eingesetzt werden, diesen
Mehraufwand der Aufbereitung auch adäquat vergütet zu bekommen.

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Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, Klinikdirektor im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen  Foto: Stiftung DHD/Heinz Heiss

Plötzlicher Herztod: Diabetes erhöht Risiko – Herzinfarkt-Symptome fehlen oft bei Diabetikern

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, Klinikdirektor im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen  Foto: Stiftung DHD/Heinz Heiss
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, Klinikdirektor im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen Foto: Stiftung DHD/Heinz Heiss

Diabetiker sollten ihr Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen wie
Herzinfarkt beim Arzt überprüfen lassen, Herzpatienten ihr Diabetes-Risiko
Langjährige Diabetiker haben häufig ein sehr schwaches Schmerzempfinden
für typische Herzinfarkt-Warnsymptome wie heftige anhaltende
Brustschmerzen. Somit ist für diese Patienten der Herzinfarkt oft das
erste Symptom einer schon lange bestehenden Verkalkung der Herzkranzgefäße
(Arteriosklerose) infolge der koronaren Herzkrankheit (KHK). „Bei
Diabetikern führt die lang bestehende Überzuckerung zur Störung des
Nervensystems und dazu, dass sie die typischen Brustschmerzen als Folge
der Durchblutungsstörung des Herzmuskels nicht spüren. Somit fehlt ihnen
das entscheidende Warnzeichen für ihre lebensbedrohliche Situation. Die
Folge sind stumme Infarkte, Herzrhythmusstörungen oder plötzlicher
Herztod“, erläutert Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor des
Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen. Diabetes
mellitus (Zuckerkrankheit) ist bei mehr als sieben Millionen Menschen in
Deutschland bekannt. Ein chronisch hoher Blutzucker begünstigt die
Arteriosklerose als Ursache von Herzinfarkt und Schlaganfall, so dass bei
Männern mit Diabetes das Herzinfarktrisiko um das Zwei- bis Vierfache und
bei Frauen um das Sechsfache (nach der Menopause noch mehr) erhöht ist.
Durch den hohen Blutzucker werden die Blutgefäße beschädigt und damit die
Sauerstoffversorgung des Herzens und des ganzen Organismus beeinträchtigt.
Warum Diabetes und andere Herz- und Kreislauferkrankungen wie
Bluthochdruck und hohes Cholesterin ernst zu nehmende Risikofaktoren für
Herzinfarkt und plötzlichen Herztod sind und was Betroffene tun können, um
sich vor Komplikationen zu schützen, erläutert der kostenfreie Ratgeber
„Bedrohliche Herzrhythmusstörungen: Wie schütze ich mich vor dem
plötzlichen Herztod?“, kostenfrei zu bestellen unter www.herzstiftung.de
oder Tel. 069 955128400.  Herzinfarkt-Warnzeichen unter:
www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html

Unterzuckerung erhöht Risiko für bösartige Herzrhythmusstörungen
Auch das Risiko für den plötzlichen Herztod, der bei Diabetikern auch als
„Dead-in-bed-Syndrom“ bezeichnet wird, ist bei Diabetikern auf das
Doppelte erhöht. Experten wie Tschöpe gehen davon aus, dass sich das
erhöhte Risiko durch Unterzuckerung (Hypoglykämie) erklärt, die
lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Dabei spielen
Störungen des Mineralhaushalts (Mangel an Elektrolyten Kalium und
Magnesium), die mit der Unterzuckerung verbunden sind, eine Rolle. Wichtig
ist auch die Aktivierung des sympathischen Nervensystems als Alarmreaktion
auf niedrige Blutzuckerwerte zum Schutz des Gehirns. „Patienten, die
häufig oder gar unbemerkt Unterzuckerungen erleiden, sind erheblich mehr
durch den plötzlichen Herztod gefährdet“, sagt der Herz- und
Diabetesspezialist.
Die Gefahr lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen kann bei
Diabetespatienten auch dann entstehen, wenn es infolge einer unerkannt
unbehandelten KHK zum Herzinfarkt kommt. Der Herzinfarkt kann bösartige
Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) mit über 300 Schlägen pro Minute
auslösen: Herzstillstand.

Engmaschigere Kontrolle der Blutzuckerwerte
Diabetesspezialisten wie Tschöpe fordern deshalb dringend, die
Diabetesbehandlung zu individualisieren und anzupassen – „allerdings nicht
um den Preis einer dauernden Stoffwechsellage mit hohen Blutzuckerwerten
(Hyperglykämie)“, wie er betont. Die Häufigkeit von Unterzuckerungen wird
nicht nur vom HbA1c-Ziel (in der Regel unter 7 %), sondern wahrscheinlich
noch mehr von Schwankungen der Blutzuckerwerte beeinflusst. Daher gilt es,
bei Patienten mit hohem Risiko eine angemessene Überwachung des
Blutzuckers in die Behandlung einzuführen. Das ist heute durch
kontinuierliche Glukosemessung mit einem Sensor, der in das
Unterhautfettgewebe eingesetzt wird (CGM), gut möglich. Darauf basierend
können für insulinspritzende Diabetiker sehr individuelle Dosierungspläne
entwickelt werden, sodass sich Unterzuckerungen vermeiden lassen. Mit
Diabetesmedikamenten ist dies fast immer zu erreichen, wenn man keine
Substanzen einsetzt, die die Insulinverfügbarkeit erhöhen, z. B.
Sulfonylharnstoffe. Das Risiko für Unterzuckerung wird durch die Wahl des
Medikaments sowie die Art und Häufigkeit der Blutzuckerkontrolle bestimmt.

Schutz vor Komplikationen: beim Hausarzt Risikofaktoren checken lassen
Diabetes- und Herzpatienten sollten grundsätzlich von ihrem Hausarzt
Herzinfarkt-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Blutzuckerwerte,
Cholesterinwerte sowie Übergewicht überprüfen lassen. „Diabetes und
Herzprobleme sind eine gefährliche Kombination: Diabetes- und KHK-
Patienten wissen häufig über viele Jahre hinweg nur von ihrer jeweils
einen Erkrankung, aber nichts von der anderen. Deshalb sind sie stark
infarktgefährdet – und das obwohl sie womöglich seit Jahren in
fachärztlicher Behandlung sind.“ Klagt etwa ein Diabetespatient über
häufige Atemnot, kann das ein Anzeichen einer Herzschwäche als Folge einer
nicht behandelten KHK und eines nicht erkannten Bluthochdrucks sein. Und
Herzpatienten mit KHK, Herzschwäche oder Vorhofflimmern sollten bei ihrem
Arzt in regelmäßigen Abständen auch ihren Blutzuckerwert
(Nüchternblutzucker) messen lassen und auf diese Blutuntersuchung
bestehen. Diabetiker sollten ihren Gefäßstatus und ihre Herzfunktion
überprüfen lassen.

Einfacher Blutzuckertest schützt vor zusätzlichen Komplikationen durch
Diabetes
Blutzuckertests sind einfach vom Hausarzt oder Internisten und
Diabetologen durchzuführen: Wenn zwei unterschiedliche
Blutzuckermessungen, die aus dem Blut z. B. in der Fingerspitze gewonnen
sind, Werte über 126 mg/dl ergeben, steht die Diagnose: Diabetes.
Sicherheit gibt ein standardisierter Blutzuckerbelastungstest, der
durchgeführt wird: Wenn zwei Stunden nach Einnahme von Glukose
(Traubenzucker) der Wert bei über 200 mg/dl liegt, hat der Patient
Diabetes. Eine sofortige konsequente Behandlung zur Normalisierung der
Blutzuckerwerte ist wichtig, damit die Blutgefäße durch den hohen
Blutzucker nicht beschädigt und damit die Sauerstoffversorgung des Herzens
und des ganzen Organismus nicht beeinträchtigt werden.

Neuer Ratgeber: „Bedrohliche Herzrhythmusstörungen – Wie schütze ich mich
vor dem plötzlichen Herztod?“
Welche Rolle spielen Herzrhythmusstörungen, Arteriosklerose
(„Gefäßverkalkung“), Herzmuskelerkrankungen und andere Herzleiden als
Ursachen für den plötzlichen Herztod? Welche Möglichkeiten der Vorsorge,
Diagnose und Therapie bietet die Herzmedizin zum Schutz vor einem
Herzstillstand? Diese und weitere Themenaspekte erläutern Herzspezialisten
in dem kostenfreien Ratgeber „Bedrohliche Herzrhythmusstörungen: Wie
schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod?“ Der Band (136 Seiten) kann
unter www.herzstiftung.de oder per Tel. 069 955128400 oder Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert werden.

Tipp: Worauf herzkranke Diabetiker zur Vermeidung von Komplikationen
unbedingt achten sollten und was man mit Diabetesmedikamenten und gesundem
Lebensstil erreichen kann, darüber informiert die Titelgeschichte
„Verkannte Gefahr: Diabetes & Herz“ in der aktuellen Ausgabe der
Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ heute 3/2019 in einem Interview mit Prof.
D. Tschöpe, kostenfrei zu bestellen unter Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
oder Tel. 069 955128400

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