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Gesundheit

In den Forschungslabors des Uniklinikums Würzburg wird unter anderem daran gearbeitet, das Anwendungsspektrum von CAR-T-Zellen zukünftig auf möglichst jede Krebsart auszuweiten.  Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg

CAR-T-Zell-Therapie: Eine Erfolgsgeschichte am Uniklinikum Würzburg

In den Forschungslabors des Uniklinikums Würzburg wird unter anderem daran gearbeitet, das Anwendungsspektrum von CAR-T-Zellen zukünftig auf möglichst jede Krebsart auszuweiten.  Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg
In den Forschungslabors des Uniklinikums Würzburg wird unter anderem daran gearbeitet, das Anwendungsspektrum von CAR-T-Zellen zukünftig auf möglichst jede Krebsart auszuweiten. Bild: Daniel Peter / Uniklinikum Würzburg

CAR-T-Zellen zählen zu den großen Hoffnungsträgern in der Krebsmedizin.
Das Uniklinikum Würzburg spielt bei der Erforschung, Anwendung und
Ausweitung dieses neuen Arzneimittelprinzips eine international bedeutende
Rolle.

T-Zellen sind weiße Blutkörperchen, die der Immunabwehr dienen. Leider
sind sie in ihrem natürlichen Zustand für Tumorzellen „blind“. Durch
gentechnologische Veränderungen können sie allerdings für jeweils eine
spezifische Krebsart maßgeschneidert „scharfgestellt“ werden (siehe
Kasten). Diese CAR-T-Zellen sind in den letzten Jahren in den Fokus der
internationalen Krebstherapieforschung und der biopharmazeutischen
Entwicklung gerückt. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) arbeitet hier seit
einigen Jahren in der Weltelite mit – sowohl in der präklinischen
Entwicklung, wie auch in der Anwendung der ersten einsatzfähigen
Präparate.
„In diesem Zusammenhang war es eine überaus weitsichtige Entscheidung von
Prof. Dr. Hermann Einsele – dem Direktor der Medizinischen Klinik II und
selbst ein Pionier der zellulären Immuntherapie – im Jahr 2012 Dr. Michael
Hudecek aus den USA an unser Klinikum zu holen“, unterstreicht Prof. Dr.
Georg Ertl. Der Ärztliche Direktor des UKW präzisiert: „Auf der Basis von
Dr. Hudecek‘s Know-how in der CAR-T-Zell-Forschung konnten ein
Forschungslabor und eine Arbeitsgruppe zu diesem neuartigen
Arzneimittelprinzip aufgebaut werden, die sich heute großer
internationaler Sichtbarkeit erfreuen.“ Prof. Dr. Matthias Frosch, der
Dekan der Medizinischen Fakultät zeigt sich begeistert von den
Publikationen der Arbeitsgruppe in hochrangigen Fachjournalen und der
erfolgreichen Drittmitteleinwerbung in diesem Bereich.

Teil der Forschungs-Weltelite

Gemessen werden kann diese „Sichtbarkeit“ zum Beispiel daran, dass Prof.
Einsele und Dr. Hudecek regelmäßig zu Kongressen in aller Welt eingeladen
werden, um vor der immunonkologischen Weltelite ihre Ergebnisse zu
präsentieren. Zuletzt organisierten die beiden Experten im Februar dieses
Jahres das erste europäische CAR-T-Zell-Meeting in Paris/Frankreich, wo
sie selbst mehrere Vorträge hielten.
Ein weiteres „Qualitätsmerkmal“ der Würzburger CAR-T-Zell-Forschung ist
die erfolgreiche Einwerbung von Forschungs-Drittmitteln aus
unterschiedlichen Quellen – sowohl von der Deutschen Krebshilfe und dem
Bundesministerium für Bildung und Forschung, wie auch von der Europäischen
Union.
Mit etwa 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – Wissenschaftlern,
Medizinern, Medizinisch-technischen Angestellten, Doktoranden sowie
Gastwissenschaftlern aus anderen europäischen Ländern – ist die
Arbeitsgruppe von Dr. Hudecek eines der größten präklinischen Programme zu
CAR-T-Zellen in Europa.

An großen internationalen Studien beteiligt

Auch die Translation, also der Einsatz neuer Präparate im Patienten,
gelingt in Würzburg. So ist das UKW an einer internationalen und
multizentrischen Phase I/IIa klinischen Studie beteiligt. Hauptziel des
EURE-CART-Projekts ist der Nachweis der Sicherheit und Effektivität eines
CAR-T-Zell-Produktes zur Behandlung der Akuten Myeloischen Leukämie und
des Multiplen Myeloms.
Parallel dazu leitet die Medizinische Klinik II des Uniklinikums Würzburg
das von der EU geförderte Projekt CARAMBA. Das ebenfalls multinational
aufgestellte Projekt zielt darauf ab, ein von Dr. Hudecek entwickeltes
CAR-T-Zellen-Produkt für die Behandlung des Multiplen Myeloms in die
klinische Anwendung zu überführen.

Anwender zugelassener Bio-Pharma-Präparate

Mittlerweile haben mehrere (Bio-)Pharmaunternehmen für eine Reihe von
CAR-T-Zell-Präparaten die Zulassung in den USA und Europa erhalten. Das
UKW gehört hier zu den wichtigsten Anwendern in Deutschland. „Seit dem
Jahr 2016 behandeln wir als eine der ersten deutschen Einrichtungen
Patienten mit zugelassenen CAR-T-Zell-Produkten. Bislang haben wir
insgesamt 20 Menschen mit Lymphknotenkrebs oder akuter lymphatischer
Leukämie therapiert, bei denen alle etablierten Therapien versagt hatten“,
berichtet Prof. Einsele.

Erfolgsbeispiel eines Myelom-Patienten

Im letzten Jahr wurden am UKW zudem die ersten beiden Myelom-Patienten mit
von der Industrie bereitgestellten CAR-T-Zellen behandelt. Einer davon ist
Peter J. aus dem Raum Schweinfurt. Bei dem heute 70-Jährigen wurde die
bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks Ende des Jahres 2015
diagnostiziert. Ab Mai 2016 erhielt er an der Medizinischen Klinik II des
UKW mehrere Chemotherapien und wurde in Abständen drei Mal mit
Eigenstammzellen therapiert. „Leider kehrten die Myelom-Zellen danach
immer schneller zurück. Die Behandlung mit CAR-T-Zellen war für Herrn J.
eine der letzten verbleibenden Behandlungsoptionen“, schildert Prof.
Einsele und fährt fort: „Glücklicherweise passte er in eine entsprechende
Studie eines US-amerikanischen Biopharmazie-Unternehmens.“ Anfang Dezember
2018 wurden ihm seine in den USA entsprechend modifizierten und vermehrten
T-Zellen zurückinfundiert. Außer einer zeitweiligen Fieberreaktion kam es
zu keinen Nebenwirkungen. Hingegen sank die Menge der Myelom-Zellen in
seinem Körper drastisch ab. Seit Mitte Januar 2019 ist Peter J. wieder zu
Hause und fühlt sich den Umständen entsprechend sehr gut. Er ist
schmerzfrei und kann bis zu einer Stunde problemlos spazieren gehen sowie
leichte körperliche Arbeiten verrichten. Für eine weitere „Normalisierung“
muss in den kommenden Wochen und Monaten noch sein therapiebedingt
zurückgedrängtes Immunsystem wieder aufgebaut werden.
Wie bei Peter J. sind die Ergebnisse der CAR-T-Zell-Therapien am UKW
insgesamt sehr positiv. „Bei einem Großteil unserer Patienten konnten wir
eine Remission erreichen. Das bedeutet, dass die Tumoren nach einer
einmaligen CAR-T-Zell-Gabe so weit zurückgehen, dass man dauerhaft keine
Krebszellen mehr nachweisen kann“, erläutert Dr. Hudecek.

Entwicklungsziele: Feinschliff und Ausweitung

Zu den Forschungszielen der nächsten Zeit zählt es, die bestehenden CAR-T
-Zell-Produkte noch weiter zu verfeinern und noch besser steuerbar zu
machen. „Hier kommen die Synergien zwischen unserer präklinischen und
klinischen Arbeit sowie die gute Kooperation mit der Industrie zum Tragen.
Beispielsweise arbeiten wir in unserem Labor daran, das
Nebenwirkungsmanagement von vorhandenen CAR-T-Zell-Präparaten weiter zu
optimieren“, sagt Prof. Einsele.
Eine weitere Hauptaufgabe sieht der Klinikdirektor ferner darin, das
Anwendungsspektrum von CAR-T-Zellen zukünftig auf möglichst jede Krebsart
auszuweiten. So untersucht die Medizinische Klinik II des UKW derzeit, ob
dieses Arzneimittelprinzip auch bei soliden Tumoren wie Brust-, Lungen-
oder Bauspeicheldrüsenkrebs hilfreich sein kann.

Durch regionale Spenden- und Stiftungsgelder gefördert

Eine besondere „Rückenstärkung“ für die Würzburger CAR-T-Zell-Forschung
war und ist die Förderung durch den Verein ‚Hilfe im Kampf gegen Krebs‘
und die Stiftung „Forschung hilft“. So organisierte der von Gabriele
Nelkenstock geführte Verein bereits im Jahr 2013 auf der Mainfranken-Messe
in Würzburg einen Benefizlauf, dessen Erlös gezielt dem Projekt von Dr.
Hudecek zugute kam. „Schon damals zeichnete sich ab, welche große
Bedeutung CAR-T-Zellen für zukünftige Krebstherapien haben können. Deshalb
war es Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V. ein Anliegen, die Weiterentwicklung
des Projektes im Rahmen unserer Möglichkeiten zu sichern und
voranzutreiben“, berichtet Gabriele Nelkenstock.
Fortgesetzt wurde die Förderung durch die im Jahr 2017 gegründete Stiftung
„Forschung hilft“. Hinter der Einrichtung stehen der Verein „Hilfe im
Kampf gegen Krebs“ und die Medizinische Fakultät der Julius-Maximilians-
Universität Würzburg (JMU). Im vergangenen Jahr ehrte die Stiftung
insgesamt sieben wissenschaftliche Arbeitsgruppen mit Förderpreisen. Sehr
großen Zuspruch fand beim externen wissenschaftlichen Beirat der Stiftung
das Designer-T-Zellen-Projekt von Dr. Hudecek. Entsprechend erhielt es
eine Fördersumme von 20.000 Euro. „Diese Unterstützung ist für uns in
mehrfacher Hinsicht wertvoll“, so Dr. Hudecek. Zum einen seien die Gelder
höchst willkommen, um neue Ideen seiner Arbeitsgruppe zügig testen zu
können – ohne langwierige Förderungsanträge. „Zum anderen sehen wir die
Förderung auch als eine besondere, von der regionalen Bevölkerung
getragene Wertschätzung unserer Arbeit, die uns zusätzlich motiviert“,
beschreibt der Forscher. „Die Universität Würzburg ist dem Verein ‚Hilfe
im Kampf gegen den Krebs‘ überaus dankbar für die Einrichtung der Stiftung
zur Förderung der Krebsforschung. Damit können zukunftsweisende,
erfolgversprechende Ansätze in der Krebsforschung der JMU vertieft und
ausgebaut werden“, betont Prof. Dr. Alfred Forchel, Präsident der
Universität Würzburg.


So funktioniert die CAR-T-Zell-Therapie
Für die Herstellung von CAR-T-Zellen werden zunächst T-Zellen aus dem Blut
des Patienten gewonnen. Mit gentechnischen Verfahren wird in die Zellen
ein neues Gen stabil eingebaut, das T-Zellen normalerweise nicht haben.
Dieses Gen ist der Bauplan für ein spezifisches Protein, das als
künstlicher (chimärer) Antigenrezeptor (CAR) bezeichnet wird. Die
modifizierten T-Zellen werden zur Vermehrung angeregt und dem Patienten
über eine Infusion wieder zugeführt. Mithilfe des künstlichen
Antigenrezeptors erkennen die CAR-T-Zellen gezielt die Tumorzellen, docken
an diesen an und töten sie ab. Vor der Rückgabe der CAR-T-Zellen wird in
der Regel eine intensive Chemotherapie durchgeführt. Sie drängt nicht nur
die Tumorzellen zurück, sondern auch das körpereigene Immunsystem. So
können sich die CAR-T-Zellen effektiver im Körper des Patienten vermehren.

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Gesundheit digital

Patientenchats in den sozialen Netzwerken, Online-Beratung oder ärztliche Zweitmeinung per E-Mail – die heute gängigen Online-Formate sind qualitativ sehr unterschiedlich. Gesundheit digital
Die Suche nach Gesundheitsinformationen ist die dritthäufigste Onlineaktivität der Deutschen, so das Statistische Bundesamt. Es geht aber längst nicht mehr nur um Information. Patientenchats in den sozialen Netzwerken, Online-Beratung oder ärztliche Zweitmeinung per E-Mail, der Austausch von digitalen Gesundheitsdaten – die heute gängigen Online-Formate sind bunt, vielfältig und qualitativ sehr unterschiedlich. Chancen, aber auch Grenzen und Risiken dieser Entwicklung erläutert der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums an zwei Beispielen.

Ärztliche Behandlung online
Seit letztem Jahr ist der Weg geebnet: Ein Arzt kann Patienten auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt online beraten und behandeln. Für viele Situationen liegen die Vorteile auf der Hand, etwa bei der Versorgung im ländlichen Raum mit fast chronischem Fachärztemangel. Auch Patientinnen und Patienten, denen es aufgrund ihrer körperlichen Verfassung nicht möglich ist, in die Praxis oder eine Klinikambulanz zu kommen, könnten in Zukunft von digitalen Behandlungsangeboten profitieren. „Grundsätzlich begrüßen wir die Neuregelung. Sie könnte eine bessere Versorgung ermöglichen – auch von Krebspatienten. Viele Betroffene berichten uns, dass sie die langen Wege für jeden Arzttermin scheuen, die in manchen Gegenden unvermeidlich sind“, so Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums. Seit 33 Jahren ist der Dienst der Ansprechpartner bei allen Fragen zum Thema Krebs. Ärztinnen und Ärzte beantworten Fragen von Betroffenen, Angehörigen und allgemein Interessierten. Telefonisch steht das Team täglich und kostenlos von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr unter 0800 420 30 40 oder per E-Mail unter krebsinformationsdienst@dkfz.de zur Verfügung.

Bis zur flächendeckenden Umsetzung von Angeboten zur Online-Behandlung dauert es noch, denn zunächst muss der neue Beschluss von den Landesärztekammern in die jeweilige Berufsordnung integriert werden. Aus dem Bereich der psychologischen Beratung und Psychotherapie gibt es erfolgreiche Beispiele. Aber auch zur rein ärztlichen Betreuung werden schon länger verschiedene Modellprojekte auf Landesebene erprobt, mit guter Resonanz. Offenbar funktioniert der Kontakt zwischen Arzt und Patient über eine Internet-Plattform gut. Der Krebsinformationsdienst sieht jedoch auch Grenzen: „Bei Krebspatienten kann die Online-Betreuung das Gespräch von Angesicht zu Angesicht zwar ergänzen, aber keinesfalls ersetzen“, betont Weg-Remers. Die komplexe Krankheitssituation, in der sich viele Betroffene befinden, mache die regelmäßige persönliche Konsultation des behandelnden Arztes unerlässlich, insbesondere dann, wenn schwerwiegende Therapieentscheidungen anstehen. Inwiefern auch ältere Menschen die Fernbehandlung über den Computer nutzen möchten und können, ist ebenfalls noch fraglich. Eine besondere Herausforderung für Patienten bedeutet es, dass viele kommerzielle Anbieter aus dem Ausland kommen. Wer genau und mit welchen Qualifikationsnachweisen hinter dem Angebot steckt, bleibt oft undurchsichtig.  

Gesundheits-Apps und Datenschutz
Ob Fitness- und Lifestyleanwendungen, Gesundheitstagebücher oder komplexe Programme zur Einordnung von Symptomen, zur Befundung oder gar zur Online-Therapie – dank neuer Technologien und der zunehmenden Verbreitung von Smartphones drängen immer mehr Angebote für das individuelle Gesundheitsmanagement auf den Markt. Die Bandbreite ist groß, wie Dr. Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst bei ihren Recherchen zum Thema beobachtet hat: „Viele Apps erscheinen auf den ersten Blick im Alltag recht praktisch, etwa solche, in denen man die Untersuchungsergebnisse oder Messwerte festhalten kann. Und es gibt sogar eine ganze Reihe von Online-Programmen, deren Nutzen in Studien überprüft wird.“

Doch bei vielen Angeboten lasse zum Beispiel der Datenschutz sehr zu wünschen übrig. „Dieses Problem wird von den Nutzern selbst aber oft auf die leichte Schulter genommen – und das, obwohl es um medizinische, also hoch sensible Daten geht.“ Nicht nur, dass Daten durch im Hintergrund beteiligte Konzerne wie Google mitgelesen werden, oder bei vielen Apps auch eine Vernetzung mit anderen über Facebook vorgesehen ist. Kritiker merken zudem an, dass immer mehr Apps Daten sammeln, die für die gewünschten Funktionen der Programme gar nicht notwendig wären – so wie beim Fitness-Tracker, der den Standort des Nutzers erfasst, ihn aber ohne explizite Zustimmung auch online stellt. Oft mangelt es an Transparenz, welche Daten gespeichert werden, und wer darauf zugreift, bleibt im Dunkeln. „Wir empfehlen Online-Angebote aller Art kritisch zu hinterfragen. Die von uns entwickelten Leitfragen ermöglichen eine erste Beurteilung“, so Hiller.

Leitfragen für die qualitative Beurteilung
1. Was sind die Ziele des Angebots? Information? Austausch mit anderen Betroffenen? Anleitung zum Selbstmanagement?  Oder sollen sie eine fachliche Beratung oder Therapie ersetzen, etwa durch Ärzte oder Psychologen?
2. Werden gesetzliche Vorgaben eingehalten? Gibt es beispielsweise ein Impressum, in dem Verantwortliche benannt werden und man etwas über die Finanzierung des Angebots findet?
3. Wie transparent ist der Anbieter hinsichtlich der Verwendung der erfassten Daten? Legt er offen, was wo gespeichert wird?
4. Wenn es nicht um den Erfahrungsaustausch unter Betroffenen geht, sondern um Fachwissen oder Expertenaussagen: Wer hat die vermittelten Informationen erstellt, und welche fachliche Qualifikation haben die Autoren, bzw. Berater? Sind die Aussagen mit Quellen belegt?

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Global Health fängt in Deutschland an

Neben der wirtschaftlichen und sozialen nimmt auch die gesundheitliche
Ungleichheit in der Welt immer mehr zu. Selbst in Deutschland erkranken
Menschen mit niedrigem sozialem Status häufiger und sterben früher als
Bessergestellte. Während die Frage, wie sich die Gesundheit der Menschen
weltweit verbessern lässt, in Deutschland außenpolitisch weit oben auf der
Agenda steht, spielt „Global Health“ innenpolitisch nur eine
untergeordnete Rolle. Erforderlich wäre die Stärkung des öffentlichen
Gesundheitswesens in Deutschland und weltweit. Ein engeres Zusammenspiel
von Wissenschaft, Praxis und Politik kann hier einen wichtigen Beitrag
leisten.

Global Health fängt zu Hause an

Globalisierung, Wettbewerbsdruck und gewinnorientierte Wirtschaftssysteme
produzieren in der Welt immer mehr Verlierer. Für viele Menschen bedeutet
das schlechtere Lebensbedingungen, Armut, soziale und dadurch
gesundheitliche Schlechterstellung. Mit viel Engagement hat die deutsche
Bundesregierung das Thema Globale Gesundheit in den letzten Jahren
außenpolitisch eingesetzt und internationale Anerkennung geerntet. Dabei
mangelt es an der Umsetzung im eigenen Land: Deutsche globale
Gesundheitspolitik konzentriert sich in erster Linie auf andere, insbes.
einkommensschwächere Länder. Doch die Veränderungen in der Welt stellen
auch Deutschland vor Probleme. Zahlen des Robert Koch-Instituts in Berlin
belegen, dass Menschen mit niedrigem sozialem Status in Deutschland
häufiger und in jüngeren Jahren erkranken und früher sterben als
Bessergestellte.

Gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland nimmt zu

Deregulierung, finanzielle Einschnitte und der Kassenwettbewerb haben
unser Gesundheitswesen in den letzten Jahren massiv verändert.
Leistungsansprüche werden immer restriktiver behandelt und die stationäre
Versorgung folgt mehr einer anbietergesteuerten Produktionslogik als dem
realen Bedarf. Gleichzeitig wächst der Einfluss von privaten
Krankenhäusern und anderen Akteuren. Für den deutschen Sozialstaat wird es
zunehmend schwieriger, Bedürftige und Menschen ohne Versicherungsschutz
mitzuversorgen, wenn diese im Sinne der Gewinnmaximierung keine Rendite
versprechen.

Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken

In Deutschland ist es Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD),
die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Dieser wirkt z.B. an der
Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten mit und überwacht
Hygienevorschriften sowie Herstellung und Handel mit Medizinprodukten,
Betäubungsmitteln und Gefahrstoffen. Immer gewichtiger wird seine Aufgabe
der medizinischen Grundversorgung benachteiligter Menschen wie Flüchtlinge
und Obdachlose. Doch in der heutigen Lage kann der ÖGD ohne zusätzliche
Ressourcen kaum noch seine Aufgaben erfüllen. Daher ist unbedingt die
Stärkung des öffentlichen Gesundheitswesens in Deutschland und weltweit
erforderlich: Der Abbau finanzieller wie personeller Engpässe und ein
Ausbau der Kapazitäten sind die Voraussetzung für eine gesündere
Bevölkerung und den Abbau gesundheitlicher Ungleichheit.

Wissenschaft, Praxis und Politik müssen enger zusammenarbeiten

Für eine wirksame Gesundheitspolitik ist laut Jens Holst, Professor für
Medizin und Global Health in Fulda, vor allem ein engeres Zusammenspiel
von Praxis und Theorie unerlässlich. Praktischer ÖGD und akademische
Public Health (Öffentliche Gesundheit) müssten im intensiveren Austausch
praktisch umsetzbare und gesundheitswissenschaftlich fundierte Strategien
entwickeln, wie etwa durch gemeinsame Forschungsprojekte. So könnten laut
Holst Erkenntnisse und Empirie auch in wirksame Politikberatung übertragen
und gesundheitliche Ungleichheit abgebaut werden. Dazu braucht es jedoch
eine aktive Förderung und Umsetzung. Eine globale Perspektive von
Wissenschaft, Praxis und Politik im Bereich Öffentliche Gesundheit kann
einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Beitrag „Global Health: Öffentliche
Gesundheit in Theorie und Praxis“ von Prof. Dr. Dr. Jens Holst in der
aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Arbeitsmedizin Sozialmedizin
Umweltmedizin (ASU) unter: <https://www.asu-arbeitsmedizin.com/Archiv/ASU-
Heftarchiv/article-867212-110576/global-health-oeffentliche-gesundheit-in-
theorie-und-praxis-.html
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Wie werden Pflaster korrekt aufgebracht? In Packungsbeilagen von Wirkstoffpflastern fehlen wichtige Hinweise zum sicheren Umgang mit den Präparaten  Universitätsklinikum Heidelberg

In Packungsbeilagen von Wirkstoffpflastern fehlen wichtige Hinweise zum sicheren Umgang

Wie werden Pflaster korrekt aufgebracht? In Packungsbeilagen von Wirkstoffpflastern fehlen wichtige Hinweise zum sicheren Umgang mit den Präparaten  Universitätsklinikum Heidelberg
Wie werden Pflaster korrekt aufgebracht? In Packungsbeilagen von Wirkstoffpflastern fehlen wichtige Hinweise zum sicheren Umgang mit den Präparaten Universitätsklinikum Heidelberg

Beipackzettel von Präparaten z.B. zu Schmerztherapie, Hormonersatztherapie
oder Rauchstopp untersucht / Informationslücken bestehen, auch wenn
formelle Vorgaben der Europäischen Zulassungsbehörde eingehalten werden /
Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg veröffentlichen in
der Fachzeitschrift Deutsche Medizinische Wochenschrift

Ein Forscherteam der Kooperationseinheit Klinische Pharmazie am
Universitätsklinikum Heidelberg hat die Packungsbeilagen von allen auf dem
deutschen Markt verfügbaren Wirkstoffpflastern – das waren 81
unterschiedliche Packungsbeilagen im Jahr 2016 – untersucht. In jeder
Packungsbeilage fehlten wichtige Anwendungshinweise. Dies könnte die
fehlerfreie Anwendung der Arzneimittel gefährden – auch wenn die formellen
Vorgaben der Europäischen Zulassungsbehörde bei allen Packungsbeilagen
erfüllt waren. Die Arbeit ist jetzt in der Fachzeitschrift DMW Deutsche
Medizinische Wochenschrift veröffentlicht.

Basis der aktuellen Untersuchung war eine vorangegangene wissenschaftliche
Literaturstudie der Heidelberger Forscher. Dabei wurden Anwendungsschritte
beim Gebrauch der Medikamentenpflaster identifiziert, die fehleranfällig
waren und bei falscher Ausführung tatsächlich mit einer Nebenwirkung oder
Therapieversagen in Zusammenhang stehen. Auf diese 28 Anwendungshinweise
hin wurden in der aktuell veröffentlichten Studie die Packungsbeilagen
untersucht. Keine Packungsbeilage enthielt alle 28 Hinweise

Rund drei Millionen Verordnungen pro Jahr in Deutschland

In Deutschland werden jedes Jahr etwa drei Millionen sogenannte
transdermale therapeutische Systeme (TTS) verordnet, z.B. in der
Hormonersatztherapie, zur Schmerzbehandlung oder zur Raucherentwöhnung.
Die in den Pflastern enthaltenen Wirkstoffe werden direkt über die Haut
ins Blut abgegeben. Für Patienten, die ihre Arzneimittel gar nicht oder
nicht regelmäßig einnehmen können – etwa aufgrund von Schluckbeschwerden
oder wegen einer Demenz –, sind die Pflaster eine gute Alternative. Doch
falsch angewendet können auch diese Präparate die Patientensicherheit
gefährden. Umso wichtiger ist es daher, dass in den Packungsbeilagen, die
für den Patienten einfach zugänglich sind, alle aus der Praxis relevanten
Informationen für eine sichere Anwendung bis hin zur korrekten Entsorgung
dargestellt sind.

„Fehlen diese, so hat der Patient möglicherweise nicht alle Informationen
für eine sichere und korrekte Anwendung zur Hand“, sagt Privatdozentin Dr.
sc. hum. Hanna Seidling, Leiterin der Kooperationseinheit Klinische
Pharmazie.

Wie werden die Pflaster korrekt aufgebracht? Und wie entsorgt?

So muss die Haut unverletzt und frei von Haaren sein, damit die Pflaster
gut haften und eine gleichmäßige Wirkstoffaufnahme über die Haut möglich
ist. Der Patient sollte sie mit Wasser, aber ohne Seife, reinigen und das
Pflaster dann mit leichtem Druck aufkleben. Medikamentenpflaster dürfen
nicht zerschnitten werden, da ansonsten die gleichmäßige Wirkstofffreigabe
gestört werden kann. Zudem haften sie dann schlechter auf der Haut. In den
meisten Fällen sollte nicht mehr als ein Pflaster gleichzeitig aufgebracht
werden. Nach der Entfernung sei darauf zu achten, dass die TTS mit den
Klebeseiten nach innen gefaltet und in einem geschlossenen Behälter
entsorgt werden. Danach sollten sich die Patienten die Hände waschen. Die
benutzten Pflaster dürften nicht in falsche Hände, etwa von Kindern,
geraten, da selbst nach einer mehrtägigen Applikation noch erhebliche
Wirkstoffmengen in den Pflastern vorhanden sind.

„Wir fordern Ärzte und Apotheker auf, die Patienten genau über die Risiken
einer falschen Anwendung zu informieren und bei der Beratung ein
besonderes Augenmerk auf die Aspekte zu legen, die in den Packungsbeilagen
noch nicht standardisiert enthalten sind“, sagt Prof. Dr. Walter E.
Haefeli, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und
Pharmakoepidemiologie. „Wir haben zur Unterstützung der Beratung
Informationsbroschüren für TTS und auch andere Darreichungsformen
entwickelt, die von unserer Homepage abrufbar sind“, ergänzt Seidling.
Langfristig seien jedoch bessere Standards und behördliche Vorgaben für
die Packungsbeilagen insbesondere im Hinblick auf eine sicherere Anwendung
dieser fehleranfälligen Darreichungsform erforderlich.

Weitere Informationen im Internet:

Kooperationseinheit Klinische Pharmazie:
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Kooperationseinheit-Klinische-
Pharmazie-KPhz.117753.0.html


Informationsbroschüre TTS: https://www.klinikum.uni-
heidelberg.de/fileadmin/medizinische_klinik/Abteilung_6/Downloads/TTS_Homepage_CI.pdf

Informationsbroschüren zu weiteren Darreichungsformen von Medikamenten,
z.B. Tabletten, Kapseln, Augentropfen: https://www.klinikum.uni-
heidelberg.de/Downloads.138218.0.html

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