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Gesundheit

DGS, BVSD und DSG trafen sich beim 29. Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt, um Probleme und künftige Aufgaben zu identifizieren  DGS / Braune

Gemeinsame Initiative der Fachgesellschaften: "Kräfte bündeln für eine bessere Schmerzversorgung"

DGS, BVSD und DSG trafen sich beim 29. Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt, um Probleme und künftige Aufgaben zu identifizieren  DGS / Braune
DGS, BVSD und DSG trafen sich beim 29. Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt, um Probleme und künftige Aufgaben zu identifizieren DGS / Braune

Trotz aller Erfolge in den letzten Jahren – die Versorgung von
Schmerzpatienten ist in Deutschland immer noch nicht ausreichend.
Verbesserungen können nur eintreten, wenn die Fachgesellschaften an einem
Strang ziehen und ihre Kräfte bündeln. Erstmalig trafen sich am 10. März
2018 im Rahmen des 29. Schmerz- und Palliativtags die Präsidenten der drei
großen Schmerzgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin
(DGS) e.V., Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten
in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) e.V. und
Deutsche Schmerzgesellschaft (DSG) e.V. mit dem Ziel: Probleme und
künftige Aufgaben identifizieren und gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Es kann als eine „Sternstunde“ in der Geschichte der drei
Fachgesellschaften gelten: Sich trotz aller Differenzen auf die
Gemeinsamkeiten besinnen und unabhängig von Verbandsgrenzen für eine
bessere Schmerzversorgung an einem Strang ziehen – das war jahrelang nicht
möglich. Zu unterschiedlich die Historie in der Entstehung, zu
unterschiedlich die Schwerpunkte in der Arbeit und Art der Umsetzung. Nun
sollen in einer gemeinsamen Initiative sowohl die Interessen der
Schmerzpatienten als auch der Schmerzmediziner nachhaltiger vertreten
werden, auch auf politischer Ebene.

Mit einer Stimme sprechen

„Wichtig ist, dass wir trotz unserer unterschiedlichen Herangehensweisen
nach Außen hin mit einer Stimme sprechen und unsere gemeinsamen Ziele mit
gebündelter Kraft verfolgen“, erklärte der neue DGS-Präsident Dr. Johannes
Horlemann. Auch der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft Prof. Dr.
Martin Schmelz begrüßt den gemeinsamen Vorstoß: „Jeder Mensch hat das
Recht auf eine angemessene Schmerzlinderung. Gemeinsam können wir die
Herausforderungen meistern und die Schmerzversorgung verbessern.“

Die dringendsten Aufgaben, darin waren sich alle drei Präsidenten bei
dieser ersten Bestandsaufnahme einig, liegen in der Verbesserung der
Schmerzversorgung in der Breite und in der Sicherung der Praxen bzw. des
Nachwuchses durch eine attraktivere Gestaltung des Fachgebiets. Dazu
gehört unter anderem, die Arbeit in diesem Fachgebiet besser zu entlohnen,
bürokratische Hürden bei Zulassungen und Prüfungen abzubauen und eine
Bedarfsplanung einzufordern. „Die Sicherung der Bedarfsplanung
funktioniert nur über den Facharzt-Status“, ist sich BVSD-Präsident Prof.
Dr. Joachim Nadstawek sicher. Wie auch in der Palliativmedizin besteht
schon lange die Forderung nach einem eigenen Facharzt, der die
Zersplitterung der Fachgebiete aufhebt. Hier gilt es laut PD Dr. Michael
Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga e.V., der die
Diskussionsrunde moderierte, auch Vorurteile abzubauen.
„Schmerztherapeuten nehmen niemandem die Patienten weg, sie behandeln
diejenigen, bei denen andere mit ihrem Teilgebiet nicht mehr weiterkommen.
Da werden wir auch an unserer Kommunikation arbeiten müssen.“

***
Der Deutsche Schmerz- und Palliativtag ist mit seinen fast 2.000
Teilnehmern der größte deutsche Versorgungskongress für den Bereich
Schmerz. Hier können Ärzte, Apotheker, Physiotherapeuten und andere
medizinische Berufsgruppen die zahlreichen Veranstaltungen nutzen, um über
neue Erkenntnisse aus der Schmerzmedizin zu diskutieren und sich
fortzubilden. Darüber hinaus bieten Exzellenz-Vorträge die Möglichkeit zum
übergreifenden Austausch. Mit seiner praxisrelevanten Ausrichtung gibt der
Schmerz- und Palliativtag alltagstaugliches schmerzmedizinisches Wissen
und Fähigkeiten an die Hand – direkt aus der Forschung in die tägliche
Arbeit. Veranstalter sind die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin
e.V.  zusammen mit der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V.
(DSL).

***

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. ist mit rund 4.000
Mitgliedern die größte Gesellschaft praktisch tätiger Schmerztherapeuten
in Europa. Sie setzt sich für ein besseres Verständnis und für bessere
Diagnostik und Therapie des chronischen Schmerzes ein. Bundesweit ist sie
in rund 125 regionalen Schmerzzentren organisiert, in denen
interdisziplinäre Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Oberstes Ziel
der DGS ist die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen
Schmerzen. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der Schmerzmedizin durch
die Etablierung von Therapiestandards sowie die Verbesserung der Aus-,
Fort- und Weiterbildung auf den Gebieten der Schmerzdiagnostik und
Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen.

***

Zur Deutschen Schmerzliga (DSL) e.V. gehören inzwischen mehr als 3.000
Mitglieder, die von spezifischen Informationsangeboten und individueller
Beratung profitieren. Mehr als 80 regionale Selbsthilfegruppen bieten
Patienten sogar konkrete Unterstützung vor Ort. Auf Bundesebene engagiert
sich der Verein darüber hinaus für die Rechte von Betroffenen in
Öffentlichkeit und Politik. Zudem hat die Patientenorganisation mit der
DGS einen starken ärztlichen Partner an der Seite – mit dem Überblick über
die aktuellsten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Schmerzmedizin.

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Titelseite der AFNET Patientenbroschüre

Neue Patientenbroschüre informiert über Vorhofflimmern

Titelseite der AFNET Patientenbroschüre
Titelseite der AFNET Patientenbroschüre "Vorhofflimmern - Herz aus dem Takt" Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.

Die Patientenbroschüre „Vorhofflimmern – Herz aus dem Takt“ des
Kompetenznetzes Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ab sofort in einer
aktualisierten Neufassung erhältlich.  In der Broschüre informieren
führende deutsche Herzspezialisten patientengerecht und auf dem neuesten
Stand der Wissenschaft über die Volkskrankheit Vorhofflimmern und ihre
Behandlungsmöglichkeiten.

Vorhofflimmern ist die häufigste behandlungsbedürftige
Herzrhythmusstörung, insbesondere bei älteren Menschen. Rund zwei
Millionen Betroffene leben in Deutschland, Tendenz steigend. Die
Behandlungsmethoden sind vielfältig und werden ständig weiter entwickelt.
Trotz der beachtlichen Fortschritte in den vergangenen Jahren, sterben
aber immer noch viele Menschen an den Folgen von Vorhofflimmern. Häufig
wird die Rhythmusstörung nicht rechtzeitig bemerkt, sondern fällt erst
auf, wenn der Patient bereits einen Schlaganfall erlitten hat. Um solche
schweren Komplikationen zu verhindern, ist es entscheidend, Vorhofflimmern
frühzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln. Dabei soll die
Broschüre helfen.

„Durch patientengerechte Aufklärung wollen wir das Bewusstsein für diese
keineswegs harmlose Rhythmusstörung schärfen und verdeutlichen, wie
wichtig eine individuell abgestimmte Therapie ist. Neuere Studien haben
auch gezeigt, dass eine Behandlung umso erfolgreicher ist, je besser der
Patient über seine Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten informiert
ist. Wir hoffen, dass wir mit dieser Broschüre zu einer optimalen
Behandlung beitragen können.“ erklärt Prof. Andreas Goette,
Vorstandsmitglied des AFNET.

In der Broschüre wird auf mehr als 50 Seiten allgemeinverständlich
erklärt, was Betroffene über Vorhofflimmern wissen sollten: Wie erkennt
der Arzt Vorhofflimmern? Welche Gefahren birgt es? Was kann man tun, um
das Schlaganfallrisiko zu senken? Und wie lässt sich der normale
Herzrhythmus wiederherstellen? Es werden unterschiedliche
Behandlungsmöglichkeiten erläutert, wobei die Autoren auch auf aktuelle
Neuentwicklungen eingehen.

Die erste Auflage dieser Broschüre erschien im Jahr 2005, aktualisierte
Fassungen 2010 und 2013. Neue Forschungsergebnisse haben seitdem zu einem
besseren Verständnis der Rhythmusstörung beigetragen und dazu geführt,
dass die Methoden zur Diagnostik und Behandlung weiterentwickelt wurden.
So wurden beispielsweise Neuerungen bei den Blutgerinnungshemmern,
aktuelle Techniken zur mobilen Rhythmusüberwachung und ein eigenes Kapitel
zum Vorhofohrverschluss in die Broschüre aufgenommen.

Die neue Broschüre kann ab sofort in gedruckter Form zum Preis von 4,00 €
bestellt oder kostenlos als pdf-Datei heruntergeladen werden, siehe
http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/de/vorhofflimmern/broschuere-
vorhofflimmern-herz-aus-dem-takt
.

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Trichterbrust: Die häufigste Brustwandfehlbildung bei Kindern in Deutschland Eins von 10.000 Neugeborenen ist betroffen

Ein kleines Stück Metall, etwa 30 cm lang und  rund 120 Gramm schwer.
Zwischen 2013 und 2017 wurden in der kinderchirurgischen Sprechstunde der
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie am
Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) insgesamt 75 Patientinnen und
Patienten mit Trichterbrust behandelt, die meisten mit Hilfe von speziell
angefertigten Saugglocken. Fünf Jugendliche wurden operativ versorgt.
Dabei wird minimal-invasiv eben jener Metallbogen zur Korrektur der
häufigsten deutschen Brustwandfehlbildung bei Kindern implantiert. Etwa
zwei Jahre bleiben die individuell für den Patienten angepassten Bögen im
Brustkorb und helfen, das Brustbein in Normalstellung zu halten.

Etwa eins von 10.000 Neugeborenen in Deutschland ist von der Deformierung
betroffen, Erkrankungen kommen bei Jungs vier Mal häufiger vor als bei
Mädchen.  Bei der Trichterbrust (Fachbegriff: Pectus Excavatum) nimmt der
Brustkorb aufgrund von Veränderungen der Knorpelverbindungen zwischen den
Rippen und dem Brustbein deutlich die Form eines Trichters ein. Folge: Ein
nach innenzeigendes Brustbein. Etwa 40 Prozent aller Erkrankungen sind
familiär bedingt, häufig gibt es über mehrere Generationen hinweg
Betroffene.

Therapie mit Hilfe einer Saugglocke: Unkompliziert und sicher

Häufigste Therapieform der Trichterbrust an Düsseldorfs größtem
Krankenhaus ist die Behandlung mit einer Saugglocke aus Silikon, die auf
den verformten Brustkorb aufgesetzt wird. Mit Hilfe von einer Vakuumkammer
und Unterdruck wird der Brustkorb dann angehoben. Eine Behandlung dauert
mindestens sechs Monate, die Glocke wird über mehrere Stunden täglich
getragen. „Die Funktion der Saugglocke ist ähnlich der einer losen
Zahnspange“, erklärt Dr. Mariana Santos, Leiterin des Funktionsbereichs
Kinderchirurgie am UKD. „Durch den Druck wird die Trichterbrust Stück für
Stück behoben. Die Saugglocke ist häufig die optimale Therapie
insbesondere für Kinder und Jugendliche, kann aber auch bei Erwachsenen
eingesetzt werden. In Kombination mit begleitender Physiotherapie ist sie
unkompliziert und sicher.“

Therapie mit der Nuss-Technik: Ein Metallbügel hebt das Brustbein an

Per se stellt die Trichterbrust kein gesundheitliches Risiko dar, aufgrund
des eingeengten Brustkorbes kann es aber insbesondere bei Anstrengung zu
Auswirkungen auf die Herz- und Lungenfunktion kommen, da beide Organe
nicht genug Platz haben. „Viele Betroffene leiden zudem unter einer
Beeinträchtigung der Lebensqualität und fühlen eine starke seelische
Belastung“, beschreibt Dr. Wiebke Simmerling von der UKD-Kinderchirurgie.
„Gerade junge Menschen fühlen sich unwohl mit einem deformierten
Oberkörper und vermeiden es zum Beispiel ins Schwimmbad zu gehen.“

Mit der sogenannten „Nuss-Technik“ – benannt nach ihrem Begründer Dr.
Donald Nuss – können insbesondere betroffene Kinder und Jugendliche
zwischen 12 und 16 Jahren gut behandelt werden.  Dabei wird der
Metallbügel an einer Seite des Brustkorbs eingeführt und komplett unter
dem Brustbein und den Rippen platziert, gedreht und exakt fixiert. „Durch
den Bügel wird das Brustbein angehoben und in die Normalstellung gebracht
und gehalten. Wir können die Trichterbrust so korrigieren“, erklärt Dr.
Santos. „Vorteile des minimal-invasiven Verfahrens: Wir müssen an Knochen
und Knorpel nicht operieren und die zurückbleibenden Narben sind sehr
klein. Nach zwei oder drei Jahren wird der Bügel wieder entfernt. Der
Brustkorb hat sich in dieser Zeit in der Regel in der gewollten
Normalstellung verfestigt und benötigt die zusätzliche Unterstützung nicht
mehr.“ Eine große Angst vieler jugendlicher Patientinnen und Patienten
kann Dr. Santos auch beruhigen: „Sport kann man mit dem Bügel bereits
sechs Wochen nach der Operationen wieder machen.“

Kinderchirurgische Sprechstunde:
Vier Mal die Woche (Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag)  bietet die
UKD-Kinderchirurgie in der Kinderklinik eine Sprechstunde an.

Telefonnummern zur Terminvereinbarung:  Tel.  (0211) 81-19604/ 18335

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Neue Studie zur Beratung in Sachen Homöopathie bescheinigt Apothekern Weiterbildungsbedarf

Das Geschäft mit der Homöopathie boomt. Globuli gehören in Deutschland zu
den häufig konsumierten Arzneimitteln. Allerdings gibt es keinen
belastbaren empirischen Nachweis für die Wirkung homöopathischer
Präparate. Trotzdem gehören sie zum Sortiment der Apotheken. Doch wie
zuverlässig klären Apotheker die Kundschaft über die pseudomedizinischen
Mittel auf? Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Erfurt unter
Leitung von Tilmann Betsch, Professor für Sozial-, Organisations- und
Wirtschaftspsychologie, hat dies in einer Studie, die jetzt in der
Zeitschrift „Skeptiker“ erschienen ist, untersucht und bescheinigt der
Mehrheit der Apotheker Weiterbildungsbedarf.

Zur Wirksamkeit der Homöopathie finden sich in der Literatur eine Reihe
von klinischen Studien. Einige davon verfehlen jedoch die methodischen
Mindeststandards für valide Untersuchungen. In den verbleibenden Studien,
die wissenschaftlichen Kriterien genügen, lässt sich kein nachweisbarer
Effekt homöopathischer Präparate feststellen, der über die Wirkung eines
Placebos hinausginge. Patienten konsumieren aber weiterhin homöopathische
Präparate. Gekauft werden sie immer noch am häufigsten in den Apotheken.
Insofern kommt den Apothekern eine besondere Verantwortung zu. Nach den
Leitlinien der Bundesapothekenkammer sollen Beratung und Beurteilung der
Wirksamkeit von Präparaten nach pharmakologisch-toxikologischen Kriterien
erfolgen. Bedeutet: Kunden dürfen erwarten, in einer Apotheke nach
aktuellen wissenschaftlichen Kriterien beraten zu werden.

Ob wir das wirklich, wenn es um Homöopathie geht, haben Tilman Betsch und
sein Team in einer Feldstudie untersucht. Dafür haben sie 2017 insgesamt
100 Apotheken in Stuttgart, Erfurt, Leipzig und Frankfurt zufällig
ausgesucht – 25 pro Stadt. In die Stichprobe befanden sie 23 Filialen
einer Kette und 77 freie Apotheken. Ihre Erhebung führten die
Wissenschaftler als verdecktes Interview durch, die vier weiblichen
Mitglieder des Autorenteams besuchten die ihnen zugelosten Apotheken als
Kundinnen und baten um ein Mittel für ihre erkälteten Familienmitglieder.
Für den Verlauf des weiteren Gesprächs hatte das Team einen Leitfaden mit
standardisierten Antworten auf Fragen erstellt, die nach den Vorgaben der
Bundesapothekenkammer für Beratungsgespräche zu erwarten wären. In allen
Varianten fragte die Kundin zuerst, ob es sich bei vorgeschlagenen
Medikamenten auch um homöopathische Präparate handelt. Wurde dies bejaht,
fragte sie nach Unterschieden in der Wirksamkeit. Enthielt die
Erstempfehlung keine homöopathischen Präparate, fragte die Kundin: „Ich
habe gehört, dass Homöopathie vielleicht auch eine Alternative wäre.
Stimmt das?“ Abschließend bat die Kundin um eine konkrete Empfehlung.
Direkt im Anschluss an das Beratungsgespräch wurde ein
Gedächtnisprotokollbogen ausgefüllt. Zentral dabei war, ob Unterschiede in
der Wirksamkeit zwischen homöopathischen und nicht-homöopathischen
Präparaten thematisiert wurden, und ob die Wirksamkeit mit Bezug auf den
Stand der Forschung begründet wurde.

Das Ergebnis: In 54 der 100 Fälle enthielt das Beratungsgespräch
mindestens eine Frage aus den Beratungsleitlinien der
Bundesapothekenkammer, z.B. das Vorliegen anderer Erkrankungen. Die
Erstempfehlungen enthielten immer mehrere Präparate. Am häufigsten wurden
Halsschmerzmittel empfohlen, gefolgt von schleimhautabschwellenden
Nasensprays, Schmerzmitteln und Komplexmitteln. Die große Mehrheit der
Erstempfehlungen enthielt kein homöopathisches Präparat, ausschließlich
homöopathische Präparate wurden in keinem Fall empfohlen. In 14 der 100
Beratungen enthielten die Erstempfehlungen auch homöopathische Präparate.
Nach Unterschieden in der Wirksamkeit zwischen homöopathischen und
„schulmedizinischen“ Präparaten gab der Apotheker in 14 Fällen an, dass
keine Unterschiede in der Wirksamkeit bestünden. Unterschiede in der
Wirksamkeit in den restlichen 13 Fällen wurde am häufigsten damit
begründet, dass Homöopathie besser bei Kindern als bei Erwachsenen wirke
und sich deshalb auch als Alternative zu stärker wirkenden
schulmedizinischen Präparaten anböte. Auf empirische Evidenz wurde nur in
zwei Fällen Bezug genommen. Hier wurde allerdings behauptet, dass die,
wenn auch schwächere Wirkung von Homöopathie, in klinischen Studien
nachgewiesen worden wäre. In den 86 Beratungsgesprächen, in denen die
Erstempfehlung keine homöopathischen Präparate enthielt, fragte die
Kundin, ob Homöopathie eine Alternative wäre. In 27,9 % der Fälle wurde
dies verneint, in 48,8 % der Fälle wurde die Frage bejaht. In den
restlichen 20 Beratungsgesprächen wurde die Frage nicht eindeutig
beantwortet. Mitunter wurde dabei darauf verwiesen, dass Kunden häufig
homöopathische Präparate in Kombination mit anderen „zur Unterstützung“
einnähmen. Auch in diesen 86 Gesprächen fragte die Kundin nach der Wirkung
von Homöopathie. In lediglich 5 der 86 Fälle verwiesen die Apotheker
darauf, dass die Wirkung von Homöopathie empirisch nicht nachgewiesen sei.
In 19 Fällen wurde sogar behauptet, dass die Wirkung homöopathischer
Präparate durch klinische Studien eindeutig bewiesen sei. In 11 Fällen
(12,8 %) wurde gesagt, dass die Wirkung durch das Erfahrungswissen
nachgewiesen wäre. Abschließend fragte die Kundin immer nach einer
endgültigen Empfehlung. Insgesamt blieb die überwiegende Mehrheit der
Apotheker bei ihrer Erstempfehlung. Nur fünf Personen boten zusätzlich
homöopathische Präparate an.

Aber was lässt sich daraus bezüglich der Beratung der Apotheker in Sachen
Homöopathie schließen? „Zum einen zeigen unsere Ergebnisse, dass im Falle
eines grippalen Infektes die überwiegende Mehrzahl von ihnen zu
schulmedizinischen Präparaten rät, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu
einer Linderung der Symptome führen“, erläutert Prof. Tilmann Betsch. Wird
also laut der Erfurter Studie in Apotheken mit Bezug auf wissenschaftliche
Kriterien beraten? „Was die Wirkung von Homöopathie betrifft, so zeichnet
unser Untersuchungsergebnis ein eher düsteres Bild“, sagt Professor
Betsch. In nur 5 % aller Beratungsgespräche wurde gesagt, dass es für die
Wirkung von Homöopathie keine wissenschaftlichen Belege gäbe. In 30 %
aller Beratungsgespräche wurde dagegen behauptet, dass die Wirkung von
Homöopathie entweder in Studien nachgewiesen sei oder sich aus dem
Erfahrungswissen ergäbe. „Nach den Leitlinien der Bundesapothekenkammer
soll jedoch die Beurteilung der Wirksamkeit von Präparaten nach
pharmakologisch-toxikologischen Kriterien erfolgen. Zumindest was die
Begründung ihrer Empfehlungen betrifft, folgte die überwiegende Mehrheit
der von uns befragten Apotheker diesen Leitlinien nicht. Während ihre
Empfehlungen in der Regel nachweislich wirksame Medikamente enthielten,
unterschied sich ihr Wissen über die Wirkung von Homöopathie mehrheitlich
nicht von Laien-Meinungen. Zumindest was letzteren Bereich betrifft,
scheint ein (Weiter)-Bildungsbedarf bei vielen Apothekern zu bestehen.“

Zur Studie von Tilmann Betsch, Jana Chalupny, Susanne Grünewald, Lena
Hofert und Lisa-Marie Männer im „Skeptiker“: https://www.gwup.org
/zeitschrift-skeptiker

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