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Gesundheit

Orthopädische Uni-Klinik Friedrichsheim

Orthopädische Uni-Klinik Friedrichsheim: "Team Time Out" macht Operationen sicherer

Orthopädische Uni-Klinik Friedrichsheim
Orthopädische Uni-Klinik Friedrichsheim
Medizinische Behandlungen und chirurgische Eingriffe sind in den letzten Jahren für Patienten immer sicherer geworden. Die Quote fehlerhafter Therapien liegt Studien zufolge in Deutschland mittlerweile unter 0,0006 Prozent. Als einer der Schlüssel für diese ständige Qualitätsverbesserung auch bei Operationen gilt die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelte "Surgical Safety"-Checkliste. Sie ist in der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt Grundlage für das "Team Time Out" - einem obligatorischen Sicherheitscheck vor Beginn jedes chirurgischen Eingriffs.
 
Bei dieser finalen Besprechung wird der Operationsablauf detailliert durchbesprochen. Das "Team Time Out" ist wichtige Säule eines umfassenden und komplexen Sicherheitssystems, das lange vor jeder Operation greift. "Der Faktenabgleich beim "Team Time Out" garantiert, dass alle Beteiligten im Operationssaal auf dem gleichen Wissensstand und auch auf nicht vorhersehbare Ereignisse vorbereitet sind", sagt Professor Paul Kessler, Chefarzt für Anästhesie.   

Das Sicherheitssystem vor jeder Operation ist mehrstufig: "Der Mensch hat zwei Arme und zwei Beine. Damit Verwechslungen ausgeschlossen sind, wird die richtige Körperseite und der Operationsbereich unter den Augen des Patienten bereits einen Tag zuvor deutlich markiert", sagt Klinikdirektorin Professor Andrea Meurer, die selbst noch an drei Tagen pro Woche am Operationstisch steht. Beim Passieren der Schleuse zum Operationssaal wird diese Markierung dann nochmals kontrolliert. Im OP checken anschließend Operateur, Anästhesisten und Pflegepersonal vor dem ersten Hautschnitt gemeinsam ein weiteres Mal die Identität des Patienten, besprechen die Besonderheit des Eingriffs und definieren den zu operierenden Körperbereich.
Immer sind auch die Patienten aktiver Bestandteil in der Sicherheitskette, etwa durch Abfragen der Personalien vor Beginn der Narkose.

Checkliste wird Teil der OP-Dokumentation
Bereits eine Woche vor dem Operationstermin planen OP-Manager und Oberärzte Details des Eingriffs. Gleichzeitig werden, falls erforderlich, die vom Arzt gewählten passenden Implantate oder auch Ersatzteile für künstliche Gelenke bestellt. Am Tag vor dem Termin wird gecheckt, ob die bestellte Medizintechnik und Medikamente bereitliegen. Im Rahmen des "Team Time Out" wird dann noch geprüft, ob im Operationssaal alle für den Eingriff notwendigen Instrumente vorhanden sind, bis hin zu Tupfern, Nadeln oder Röntgenbildern. Auch ein Funktionscheck der eingesetzten Geräte ist Routine. Das "Team Time Out" im OP ist mit der Checkliste vergleichbar, die Flugzeugpiloten vor jedem Start abarbeiten müssen. Diese Kontrollliste wird auch Teil der archivierten OP-Dokumentation.

Parallel zum Behandlungsalltag gibt es in der Klinik Friedrichsheim auch noch ein umfassendes Risikomanagement (incident reporting). Es erfasst außerordentliche Vorkommnisse im Umfeld der Patientenbehandlung. "Wir erkennen so Entwicklungen oder Schwachstellen lange bevor sie ein wirkliches Sicherheitsproblem werden könnten", sagt Professor Meurer.

Über die Klinik hinaus greift ergänzend das CIRS-System, in dem deutschlandweit medizinische Probleme etwa bei der Durchführung von Operationen erfasst und in Form von Reports an die beteiligten Kliniken zurückgespielt werden. "Ein weiteres Schutznetz, das zur Sicherheit der Patienten im Operationssaal beiträgt", so Professor Meurer. Der Erfolg all dieser Maßnahmen ist messbar. "So lange ich in der Klinik Friedrichsheim arbeite, gab es noch keinen einzigen Fall bei dem etwa ein falscher Arm oder ein falsches Bein operiert wurde", so die Klinik-Direktorin.
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Der Nephrologe Dr. Lothar Kornalik betreute die Dialysepatientin Tamara Basler bei beiden Schwangerschaften

Weltnierentag 2018 - Dialyse und Schwangerschaft: Ein Beispiel, das Mut macht

Der Nephrologe Dr. Lothar Kornalik betreute die Dialysepatientin Tamara Basler bei beiden Schwangerschaften
Der Nephrologe Dr. Lothar Kornalik betreute die Dialysepatientin Tamara Basler bei beiden Schwangerschaften

Bei Tamara Basler kann man schon fast von einem Wunder sprechen, denn die
31-Jährige Dialysepatientin wurde im Sommer 2017 mit Sohn Elian schon zum
zweiten Mal Mutter eines gesunden Kindes. 2013 brachte sie ihre Tochter
Marlena zur Welt. Im Interview beschreiben Patientin und ihr behandelnder
Nephrologe, Dr. Lothar Kornalik, leitender Arzt im KfH-Nierenzentrum
Amberg, welche Hürden es dabei zu bewältigen galt.

Interview

Wie groß ist die Chance, mit einer chronischen Nierenerkrankung ein
gesundes Kind zur Welt zu bringen?
Dr. Lothar Kornalik: Dass Frau Basler auf natürlichem Wege schwanger
wurde, ist sehr ungewöhnlich. Laut einer Studie werden jährlich gerade
einmal 0,5 Prozent der Hämodialysepatientinnen überhaupt schwanger, die
Rate bei Peritonealdialysepatientinnen ist sogar um die Hälfte geringer.
Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind zu Welt zu bringen,
danach noch einmal um 50 Prozent reduziert. Viele Kinder werden zu früh
geboren oder sind wachstumsverzögert.
Tamara Basler: Ich wusste um das Risiko, wollte aber unbedingt ein Kind.
Deshalb ließ ich mich im Kinderwunschzentrum des Klinikums St. Marien in
Amberg beraten. Zu meiner eigenen Überraschung war ich bereits schwanger.
Ich hatte gedacht, die Übelkeit hing mit der Dialysebehandlung zusammen.

Welche Maßnahmen wurden eingeleitet, um möglichen Risiken vorzubeugen?
Dr. Lothar Kornalik: Bei der ersten Schwangerschaft im Jahr 2013 verfügte
die Patientin noch über eine Restfunktion ihrer Nieren, sodass die
Frequenz der Dialysen noch geringer war. Bei der zweiten Schwangerschaft
war das nicht mehr der Fall und wir mussten zudem die Dauer erhöhen. Wegen
der stetigen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft  muss vor allem
das Volumen ständig angepasst werden, damit der Blutdruck stabil und die
Durchblutung der Placenta und die Versorgung des Kindes gesichert ist. Das
Gewicht wurde daher zunächst 14-tägig, später wöchentlich durch eine
Bioimpedanzmessung kontrolliert.
Tamara Basler: Von der zweiten Schwangerschaft wusste ich in der siebten
Woche und habe direkt Dr. Kornalik informiert. Daraufhin wurde die
Dialysezeit erhöht, weil es schonender für die Mutter und das Ungeborene
ist. Das war schon sehr anstrengend, da ich noch berufstätig war.

Wie sah die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft aus?
Dr. Lothar Kornalik: Wir haben eng mit den Kollegen der Gynäkologie am MVZ
in Amberg zusammengearbeitet und uns im Beisein der Patientin bestens
ausgetauscht. Eine engmaschige, interdisziplinäre Behandlung ist hierbei
ganz wichtig.
Gab es bei der zweiten Schwangerschaft der Patientin Unterschiede zur
ersten?
Dr. Lothar Kornalik: Die Geburt des ersten Kindes erfolgte durch einen
Kaiserschnitt. Beim zweiten Kind war es eine eingeleitete Spontangeburt,
das war schon eine Herausforderung für das Behandlungsteam. Die Patientin
hatte zuvor einmal zu Hause und noch einmal in der Klinik dialysiert.
Tamara Balser: Ja. Ich war zwar auch schon bei meiner Tochter relativ
positiv gestimmt, aber jetzt wusste ich einfach, was auf mich zukam. Man
kennt ja die Zahlen, deshalb war ich nach dem Ultraschall auch immer
erleichtert. Die zweite Schwangerschaft verlief recht komplikationslos,
deshalb waren mein Mann und ich wesentlich entspannter.

Was haben Sie Ihrer Patientin geraten, als Sie von ihrem weiteren
Kinderwunsch erfuhren?
Dr. Lothar Kornalik: Wegen der bekannten Risiken kann man nicht wirklich
dazu raten. Die Gefahr einer Fehlgeburt ist sehr hoch. Natürlich kommt es
immer auf den Einzelfall an, aber es bleibt eine Risikoschwangerschaft.
Das Wichtigste ist ein gutes Flüssigkeitsmanagement während der
Schwangerschaft und auch nach der Geburt, wenn das Gewicht wieder
reduziert ist.

Wie sind Sie mit diesem Risiko bei Ihrer Entscheidung umgegangen?
Tamara Basler: Nachdem es das erste Mal so super gelaufen ist, habe ich
mir gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich hatte das Glück einer schönen
Schwangerschaft. Ich weiß aber auch durch den Kontakt mit anderen
schwangeren Dialysepatientinnen, dass dies nicht die Regel ist; manche
müssen während der ganzen Zeit im Krankenhaus bleiben.

Haben Sie einen Tipp für Dialysepatientinnen, die einen Kinderwunsch
haben?
Tamara Basler: Man sollte grundsätzlich positiv an die Sache herangehen
und sich vorher gut mit den behandelnden Ärzten beraten. Eine Chance, dass
es klappt, besteht immer. Ich bin das beste Beispiel dafür!

Die gelernte Industriekauffrau praktiziert seit der Geburt ihrer Tochter
die Heimhämodialyse. Sie befindet sich derzeit in Elternzeit und steht
nunmehr wieder auf der Warteliste für eine Nierentransplantation; bei
verändertem Status sind Patienten davon ausgenommen.

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61. Kongress für Endokrinologie: Chronische Entzündungsreaktionen als Ursache von Volkskrankheiten

Lifestyle und Umwelteinflüsse verursachen Volkskrankheiten: Experten
diskutieren Rolle chronischer Entzündungsreaktionen

Nicht übertragbare Erkrankungen wie Diabetes, Atherosklerose oder Demenz
können die Folge entzündlicher Reaktionen des Immunsystems sein.
Hervorgerufen durch einen Lebensstil, der von Fehlernährung, Übergewicht,
Rauchen und Bewegungsmangel geprägt ist, reagiert das angeborene
Immunsystem auf „veränderte“ Zellen und es entstehen
Entzündungsreaktionen. Welche Mechanismen dazu führen und wie man
Erkenntnisse darüber für die Früherkennung und Therapie dieser
Erkrankungen einsetzen könnte, diskutieren Experten auf dem 61. Deutschen
Kongress für Endokrinologie 2018 in Bonn.

Für nicht übertragbare Erkrankungen, zu denen Herzinfarkt, Schlaganfall
und chronische Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder COPD (chronisch
obstruktive Lungenerkrankung) gehören, sind neben genetischer Veranlagung
Umwelteinflüsse ein wichtiger Auslöser. „Wenig Bewegung, zu viel oder
ungesunde Nahrung, schlechte Schlafgewohnheiten, Alkohol und Zigaretten -
unser ‚Lifestyle‘ kann zu chronisch entzündlichen Zuständen führen, die
dann in Erkrankungen wie Diabetes, Atherosklerose oder Demenz münden“,
erklärt Professor Dr. med. Joachim L. Schultze, Abteilung für Genomik &
Immunregulation am Life & Medical Sciences (LIMES)-Institut der
Universität Bonn.

Wie es zu diesen anhaltenden Entzündungsreaktionen mit ihren fatalen
Konsequenzen kommt, ist Gegenstand intensiver Forschungen. In den letzten
Jahren ist immer klarer geworden, dass die Zellen des angeborenen
Immunsystems hier eine zentrale Rolle spielen. Sie erkennen nicht nur
Infektionserreger, sondern reagieren auch sensibel auf Veränderungen, die
durch unseren modernen Lebensstil bedingt sind. „Diese Zellen sind
beispielsweise in der Lage, übermäßige Konzentrationen an gesättigten
Fettsäuren zu erkennen und reagieren bei regelmäßig hoher Exposition – so
wie dies bei unseren modernen Nahrungsgewohnheiten der Fall ist – mit
einer entzündlichen Reaktion auf diesen Reiz“, beschreibt Schultze den
Mechanismus. Auch ein zu hoher Salzkonsum steht im Verdacht, die Zellen
des angeborenen Immunsystems zu aktivieren. Die molekularen Mechanismen
dieser chronischen Entzündungsreaktionen sind im Einzelnen bisher noch
nicht gut verstanden, es gibt aber neue Forschungsansätze, um diese
entzündlichen Reaktionen besser zu verstehen. „Einer davon ist ein
systemimmunologischer Ansatz. Dabei werden computergestützte
Modellierungsverfahren mit experimentellen Untersuchungen verknüpft, um
die komplexen Mechanismen, die in einer Vielzahl unterschiedlicher
Immunzellen ablaufen, besser charakterisieren zu können“, sagt Schultze.
Mit den neuen Erkenntnissen erhoffen sich die Forscher neue, sensitivere
diagnostische Verfahren zur frühzeitigen Aufspürung der entzündlichen
Prozesse.

„Wenn wir diese Mechanismen verstehen, können wir daraus präventive oder
therapeutische Gegenmaßnahmen ableiten“, ergänzt Professor Dr. rer. nat.
Ulrich Schweizer, Kongresspräsident der DGE, vom Institut für Biochemie
und Molekularbiologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Neben dem Thema Entzündungsreaktionen und nicht übertragbare Erkrankungen
werden Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie auf der
Kongress-Pressekonferenz am 14. März 2018 zudem über psychische Effekte
von Hormonen am Beispiel des „Kuschelhormons“ Oxytocin, über neue
Medikamente bei der Osteoporose-Behandlung und über die medizinischen und
gesellschaftlichen Implikationen des Social Freeezing diskutieren.

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Terminhinweise:
Pressekonferenz anlässlich des 61. Deutschen Kongresses für Endokrinologie
der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Termin: Mittwoch, 14.03.2018, 11:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Hauptgebäude, Senatssaal
Anschrift: Regina-Pacis-Weg 3, 53113 Bonn

Plenary: Systems analysis of Western diet induced inflammation
Vorsitz: Prof. Alexander Pfeiffer
Präsentation: The causes and consequence of obesity; lessons from human
genetics, Prof. Sir Stephen O'Rahill
Termin: Donnerstag, 15.03.2018, 10:00 bis 10:45 Uhr
Ort: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Hauptgebäude, Hörsaal X
Anschrift: Regina-Pacis-Weg 3, 53113 Bonn

Plenary: The causes and consequence of obesity; lessons from human
genetics
Vorsitz: Prof. Alexander Pfeiffer
Präsentation: Systems analysis of Western diet induced inflammation, Prof.
Eike Latz
Termin: Donnerstag, 15.03.2018, 10:00 bis 11:30 Uhr
Ort: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Hauptgebäude, Hörsaal X
Anschrift: Regina-Pacis-Weg 3, 53113 Bonn

S1 Diabetes
Vorsitz: Prof. Joachim Spranger, Prof. Knut Mai
Präsentation: Metainflammation: Wie Stoffwechsel und Immunsystem
kommunizieren, Prof. Joachim Schultze
Termin: Donnerstag, 15.03.2018, 14:00 bis 15:30 Uhr
Ort: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Hauptgebäude, Hörsaal X
Anschrift: Regina-Pacis-Weg 3, 53113 Bonn

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Pressekonferenz
anlässlich des 61. Deutschen Kongresses für Endokrinologie der Deutschen
Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Termin: Mittwoch, den 14. März 2018, 11:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Hauptgebäude, Senatssaal
Anschrift: Regina-Pacis-Weg 3, 53113 Bonn

Themen und Referenten:

Kongress-Highlights des 61. Deutschen Kongresses für Endokrinologie
Professor Dr. rer. nat. Ulrich Schweizer
Kongresspräsident DGE, Institut für Biochemie und Molekularbiologie,
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Anhaltende Entzündungsreaktionen: Wie Stoffwechsel und Immunsystem
kommunizieren
Professor Dr. med. Joachim L. Schultze
Abteilung für Genomik & Immunregulation am Life & Medical Sciences (LIMES)
Institut der Universität Bonn

Social Freezing – Eizelle auf Eis: technisch machbar – gesellschaftlich
erwünscht?
Professor Dr. med. Katrin van der Ven
MVZ für Frauenheilkunde und IvF-Medizin Bonn GbR.

Hormone und Psyche: Hilft das „Kuschelhormon“ Oxcytocin bei der Behandlung
psychischer Erkrankungen?
Professor Dr.med. Dr. René Hurlemann
Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie,
Direktor der Abteilung für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum
Bonn

Volkskrankheit Osteoporose: Therapie im Spannungsfeld von
Lebensstiländerungen und innovativen Medikamenten
Professor Dr. med. Heide Siggelkow
Mitglied im Vorstand der DGE, Ärztliche Leiterin MVZ endokrinologikum
Göttingen

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Organspende: „Das „Tabu Widerspruchslösung“ muss fallen!“

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Spanien, Italien, Norwegen, Schweden, Luxemburg oder Österreich haben sie
längst, Frankreich hat sie 2017 eingeführt – und die Niederlande jetzt
gerade: Die Widerspruchslösung. Nach Ansicht der Deutschen
Transplantationsgesellschaft (DTG) und der Deutschen Gesellschaft für
Nephrologie (DGfN) ist die Einführung der Widerspruchlösung auch in
Deutschland dringend zu fordern. In keinem anderen hochentwickelten Land
werden so wenige Organe gespendet. Allerdings muss die Einführung der
Widerspruchslösung von einem umfassenden Maßnahmenpaket begleitet werden,
nur dann kann sie auch den gewünschten Erfolg haben.

Deutschland ist in Sachen Organspende und Transplantation unter den
Eurotransplant-Ländern trauriges Schlusslicht: Bezogen auf je 1 Mio.
Bürger betrug die Rate an Organspendern 2017 in Kroatien 31,8, in Belgien
30,6,  in Österreich 23,5, in den Niederlanden 14,3 und in Deutschland 9,3
[1]. Diese unglaublich niedrigen Spendezahlen – trotz laut Umfragen
unverändert hoher Spendebereitschaft der deutschen Bevölkerung (> 80%) –
hat fatale Folgen für die Menschen auf der Warteliste: Sie warteten bei
uns im Durchschnitt 5-10 Jahre auf eine Niere, in Österreich hingegen nur
18 Monate in Spanien sogar nur 12 Monate. Die langen Wartezeiten bedingen
immer kränkere Patienten zum Zeitpunkt der Transplantation, was sich trotz
hoher Versorgungsqualität auch auf die Behandlungsergebnisse in
Deutschland auswirkt.

Nach der Einführung der Widerspruchslösung in den Niederlanden sprechen
sich die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) und die Deutsche
Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) nun für die Einführung dieser Lösung
auch in Deutschland aus. „Die Niederländer haben reagiert, und zwar lange
bevor die Situation so prekär wurde wie bei uns. Ich wünsche mir ähnlich
mutige Politiker im Bundestag wie in Holland“, erklärt Professor Dr.
Christian Hugo, Generalsekretär der DTG.

In Deutschland gilt seit dem 1. November 2012 die sogenannte
Entscheidungslösung, die die 1997 eingeführte erweiterte Zustimmungslösung
ablöste. Die Krankenkassen müssen ihre Mitglieder alle 2-5 Jahre
anschreiben und ergebnisoffen über die Organspende informieren. Die
Menschen sollen so zu einer Entscheidung für oder gegen die Organ- und
Gewebespende „angeregt werden“ [2], wirklich entscheiden muss sich aber
niemand. Laut den Experten der DTG haben die vergangen fünf Jahre gezeigt,
dass diese Lösung nicht greift, die Zahl der Organe ist weiter
zurückgegangen. „Unser System ermöglicht den Menschen, die
Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema des eigenen Ablebens und der
eigenen Positionierung zur Organspende weiter zu vertagen“, erklärt
Professor Dr. Mark Dominik Alscher, Präsident der DGfN. Die
Widerspruchslösung hingegen sei eine echte Entscheidungslösung: Mit ihrer
Einführung in den Niederlanden werden alle holländischen Staatsbürger
verbindlich befragt, ob sie Organspender werden wollen oder nicht.

Das häufige Argument gegen die Widerspruchslösung, dass dadurch eine
Bevormundung der Gesellschaft vorgenommen werde, lassen DTG und DGfN nicht
gelten: „Bevormundung ist, wenn jemand anders eine Entscheidung für einen
trifft. Die Widerspruchslösung lässt aber jedem Bürger seine volle
Entscheidungsfreiheit. Letztlich sollte uns auch die Tatsache, dass gerade
viele als besonders liberal geltende Länder wie Schweden, Frankreich,
Belgien oder jetzt die Niederlande die Widerspruchslösung bereits
eingeführt haben, Sicherheit dahingehend geben, dass damit keinesfalls
demokratische und menschenrechtliche Grundsätze verletzt werden“, so Prof.
Hugo.

„Die Widerspruchslösung allein löst allerdings nicht alle Probleme, sie
muss von einem umfassenden Maßnahmenpaket begleitet werden“, erklärt DTG-
Präsident, Professor Bernhard Banas. „Wir haben in Deutschland zahlreiche
Probleme, die zu den schlechten Transplantationszahlen führen und die wir
in ihrer Gesamtheit angehen müssen.“ Konkret benennt er Defizite bei der
Erkennung von potenziellen Organspendern, bundesweit uneinheitliche
Regelungen für Transplantationsbeauftragte und die im internationalen
Vergleich nur limitierten Möglichkeiten der Transplantationsmedizin. „Es
braucht Veränderungen auf allen Ebenen – und dies muss auch ein Nachdenken
über ein 20 Jahre altes Transplantationsgesetz einschließen.“  Auch wenn
die Widerspruchslösung kein „Allheilmittel“ sei, stehe sie doch für einen
Wandel in der Kultur der Organspende und Transplantation. Denn
interessanterweise beeinflusst sie auch die Einstellung der Menschen zur
Organspende: Während in Ländern mit Zustimmungslösung die Organspende nach
dem Tode als außergewöhnlich „heroischer“, altruistischer Akt eingestuft
wird, ist sie in der Einschätzung der Bevölkerung, die seit langem eine
Widerspruchslösung haben, viel „selbstverständlicher“ und „normaler“, wie
eine Studie [3] zeigte. Die Widerspruchslösung kann somit die Organspende
im gesellschaftlichen Wertesystem verankern.

[1]
http://statistics.eurotransplant.org/index.php?search_type=donors+deceased&search_organ=all+organs&search_region=Germany&search_period=2016&search_characteristic=per+million+population
[2] https://www.organspende-
info.de/sites/all/files/files/BZGA-15-02525_Flyer_Entscheidungslo%CC%88sung_DE.pdf
[3] Davidai S, Gilovich T, Ross LD. The meaning of default options for
potential organ donors. Proc Natl Acad Sci U S A. 2012 Sep 18; 109(38):
15201–15205. Vollpublikation abrufbar unter:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3458339/

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