Herausforderung für die Versorgung und Lösungsansätze: Schwer einstellbarer Bluthochdruck
Etwa 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in der westlichen Welt leidet
an Bluthochdruck. Nach Schätzungen zählen dabei bis zu 20 Prozent zu den
sogenannten schwer einstellbaren Hypertonikern – diese erreichen trotz
Behandlung keine guten Werte.
Welche Ursachen es dafür gibt und vor welchen Herausforderungen die
Versorgung dieser Patienten steht, darüber spricht ein Experte der
Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Gesellschaft für Hypertonie
und Prävention auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der gemeinsamen Tagung
der DHL® und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (10. bis 11. November
2017 in Mannheim). Ein weiteres Thema ist, welche Fortbildungs- und
Qualifizierungsinstrumente hier eine Lösung sein können.
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Von schwer einstellbarer oder auch therapieresistenter Hypertonie sprechen
Ärzte, wenn Patienten keine guten Blutdruckwerte erreichen, trotz
Veränderung ihres Lebensstils und einer Therapie mit drei Blutdrucksenkern
verschiedener Substanzklassen. Die Gründe dafür können sehr
unterschiedlich sein: „Die 10 bis 20 Prozent schwer einstellbarer
Hypertonie-Patienten, von denen wir ausgehen müssen, stellen ein
relevantes Problem in der Allgemein- und Internistischen Praxis dar“, sagt
Professor Dr. med. Walter Zidek, Klinikdirektor an der Charité-
Universitätsmedizin Berlin, Schwerpunkt Nephrologie, Endokrinologie und
Transplantationsmedizin. „Die Ursachen dafür, dass Bluthochdruckpatienten
schwer einstellbar sind, sind sehr unterschiedlich und nicht immer einfach
zu diagnostizieren. Ohne ein klares Konzept für die Diagnostik und
Versorgung kann es zu einer Über- oder Fehlbehandlung kommen, die enorme
Ressourcen bindet, ohne zu einer Lösung zu führen.“ Genau hier setze die
Deutsche Hochdruckliga mit ihrem Angebot zur Qualifizierung und
Zertifizierung an.
Zu diesem zählen die Fortbildung zum Hypertoniespezialisten
„Hypertensiologen DHL®“ sowie die Qualifizierung zum „Zertifizierten
Hypertonie-Zentrum DHL®“. Der Hypertoniespezialist ist an eine besondere,
durch die Hochdruckliga überprüfte Expertise in der Hypertoniebehandlung
gekoppelt. Ein Hypertoniezentrum erfordert die Zusammenarbeit von
Hypertoniespezialisten mit einer Reihe von Disziplinen, die bei der
Abklärung und Behandlung spezieller Patientengruppen wesentliche Beiträge
leisten, wie zum Beispiel die Gynäkologie, Kardiologie und Endokrinologie.
Treten Schwierigkeiten in der Hochdruckbehandlung auf, benötigt es
manchmal statt eines Wechsels oder der Hinzunahme weiterer
Blutdruckmedikamente neue diagnostische oder therapeutische
Herangehensweisen. „Hier ist eine systematische und rationale Suche nach
den Ursachen wichtig“, so der Experte. Ein großer Teil der schwer
einstellbaren Patienten hat Probleme mit der Adhärenz, also mit der
Einnahmetreue bezüglich der verordneten Medikamente. „Oft ist es in der
Praxis nicht einfach, diese Patienten auszumachen und auch nicht leicht,
ihre Haltung zur Medikation zu verändern“, sagt Professor Zidek. Eine
weitere Ursache kann in einer nicht ausreichenden ärztlichen Behandlung
liegen. „In der Praxis ist eines der häufigsten Defizite in der Behandlung
der schwer einstellbaren Patienten, die Rolle der Kochsalz-Elimination
durch eine entsprechende diuretische, also entwässernde Therapie zu
unterschätzen“, erläutert der Experte. Darüber hinaus kann ebenso eine
Nierenerkrankung oder eine endokrinologische Erkrankung einem schwer
einstellbaren Bluthochdruck zugrunde liegen. Auch eine Begleiterkrankung
wie Niereninsuffizienz, das metabolische Syndrom oder eine obstruktive
Schlafapnoe erschweren die Behandlung.
„Wir benötigen Spezialisten und interdisziplinären Zentren, um der großen
Herausforderung ‚schwer einstellbare Hypertoniker‘ für Praxen und Kliniken
zu begegnen“, betont Professor Zidek, Sprecher der Sektion
„Versorgungsstrukturen / Hypertoniezentren DHL® und Mitglied des
Wissenschaftlichen Beirats der DHL®. Auf der Pressekonferenz am 7.
November 2017 in Berlin spricht der Experte über die strukturierten
Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote der Deutschen Hochdruckliga
sowie über Empfehlungen im Umgang mit diesen schwer zu behandelnden
Patienten. Beides wird auch Thema auf der gemeinsamen Tagung der DHL® und
der Deutschen Diabetes Gesellschaft am 10. und 11. November in Mannheim
sein.
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