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Gesundheit

„Heil und Heilung“ Ringvorlesung der PTHV an attraktiven Orten im akademischen Jahr 2017/18

Auch im akademischen Jahr 2017/18 bietet die Philosophisch-Theologische
Hochschule Vallendar (PTHV) wieder für die interessierte Öffentlichkeit
eine Ringvorlesung an – dieses Mal zum Thema „Heil und Heilung“. Wie bei
den beiden vorangegangenen Ringvorlesungen zu den Themen „Was heißt schon
alt?“ (akademisches Jahr 2015/2016) und „Christliches Abendland? Wie
entstehen und verändern sich europäische Identitäten?“ (akademisches Jahr
2016/17) ist auch diese Ringvorlesung wieder ein Gemeinschaftswerk, an dem
Lehrende beider Fakultäten – Theologie und Pflegewissenschaft – beteiligt
sind. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Ringvorlesungen findet diese an
unterschiedlichen Orten statt: an der PTHV in Vallendar, in der
Stadtbibliothek in Koblenz, im ISSO-Institut in der Koblenzer Altstadt, im
Rosa Flesch-Tagungszentrum Waldbreitbach und im Forum Antoniuskirche
Waldbreitbach.

Zu der Ringvorlesung 2017/18 laden wir Sie oder eine Vertreterin/einen
Vertreter Ihres Hauses sowie die interessierte Öffentlichkeit jeweils ab
19.30 Uhr herzlich ein. Diese Fakultäten übergreifende Veranstaltung
beleuchtet aus theologischer, philosophischer, ethischer und
pflegewissenschaftlicher Sicht das Zusammenspiel von „Heil und Heilung“.
Was ist eigentlich Gesundheit? Was Krankheit? Worin besteht Heilung? Was
kann das alte Wort ‚Heil‘ uns noch sagen? „Dies sind Fragen, die jeden
Menschen betreffen. Mit dieser Ringvorlesung möchten wir einen wichtigen
Beitrag zu aktuellen Debatten in unserer Gesellschaft leisten“, sagt Prof.
Dr. Dr. Holger Zaborowski, Rektor der PTHV. Die Auftaktveranstaltung
findet am 09.11.2017 an der PTHV zum Thema: „Das Zweite Vatikanische
Konzil und die Sorge um das menschliche Heil“ statt. Referent ist Prof. P.
Dr. Joachim Schmiedl ISch.

Alle Vorlesungen werden vom Domradio in Köln übertragen und sind nach dem
jeweiligen Termin in der Mediathek des Domradios (www.domradio.de)
verfügbar.

Termine

09.11.2017      Prof. P. Dr. Joachim Schmiedl ISch: Das Zweite
Vatikanische Konzil und die Sorge um das menschliche Heil; Ort: PTHV,
Pallottistraße 3, Vallendar

16.11.2017      Prof. P. Dr. Paul Rheinbay SAC: Das heilsame Sterben –
Reflektion über
Christuserfahrungen auf dem Zen-Weg; Ort: PTHV, Pallottistraße 3,
Vallendar

23.11.2017      Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler: Heil und Heilung im
modernen Gewand:         Gesundheits- und Sozialpflege zwischen Sorge und
Versorgung; Ort: ISSO, Kornpfortstraße 15, Koblenz

30.11.2017      Prof. Dr. Frank Weidner: Heilen und (Un)Heil in der
Pflege. Ansprüche und
Wirklichkeiten im Heilberuf Pflege; Ort: PTHV, Pallottistraße 3, Vallendar

07.12.2017      JProf. Dr. Erika Sirsch: Die Rolle der Pflege in der
Akutversorgung
gestern - heute – morgen; Ort: Forum Antoniuskirche, Margaretha-Flesch-
Str. 9, Waldbreitbach

18.01.2018      Nils Fischer, M.A.: Islamische Perspektiven auf Gesundheit
und Krankheit; Ort: PTHV, Pallottistraße 3, Vallendar

25.01.2018      Prof. Dr. Ingo Proft: „Wer ist schon normal?“ Eine
kritisch-ethische
Anfrage an Gesundheit und Krankheit; Ort: Stadtbibliothek Koblenz,
Zentralplatz 1

01.02.2018      Prof. Sr. Dr. Margareta Gruber OSF: „Was die Bibel Wunder
nennt“ und wie moderne Exegese damit umgeht; Ort: PTHV, Pallottistraße 3,
Vallendar

15.02.2018      Dr. Heike Baranzke: Heil und Heilung – aus der Perspektive
des Alterns; Ort: PTHV, Pallottistraße 3, Vallendar

26.04.2018      Prof. Dr. Franziskus von Heereman: „Heilung vom Heil.“
Warum Glückssuche nicht fündig werden kann; Ort: Stadtbibliothek Koblenz,
Zentralplatz 1

03.05.2018      Prof. Dr. mult. Klaus Vellguth: Heilungswahn und
Euthanasie – Von einer Gesundheitsideologie zum Massenmord im
Nationalsozialismus; Ort: PTHV, Pallottistraße 3, Vallendar

17.05.2018      Prof. Dr. Wolfgang Reuter: „So lange der Mensch leidet,
kann er es noch zu  etwas bringen“ (S. Freud) – Heilsame Seelsorge in der
Spannung zwischen Gesundheitswahn und Leidensbefähigung; Ort: PTHV,
Pallottistraße 3, Vallendar

24.05.2018      Dr. Sonja Sailer-Pfister: Gesundheit – die neue Religion?
Heilsversprechen der Gesundheitsgesellschaft; Ort: ISSO, Kornpfortstraße
15, Koblenz

07.06.2018      JProf. Dr. Sabine Nover: Heilsame Wege finden - zur
eigenen und zur
fremden Krankheit; Ort: Stadtbibliothek Koblenz, Zentralplatz 1

14.06.2018              Prof. Dr. Dr. Doris Nauer: Heilende Seelsorge?;
Forum Antoniuskirche, Margaretha-Flesch-Str. 9, Waldbreitbach

21.06.2018      JProf. P. Dr. Alban Rüttenauer SAC: Heilung durch
stellvertretendes Leiden: die Botschaft der Gottesknechtlieder beim
Zweiten Jesaja (Deuterojesaja); Ort: PTHV, Pallottistraße 3, Vallendar

28.06.2018      Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski: Die Sehnsucht des
Menschen nach Heil und Heilung und die Illusionen der Selbstoptimierung
und des Transhumanismus; ISSO, Kornpfortstraße 15, Koblenz

05.07.2018      Prof. Dr. Hermann Brandenburg: Personenzentrierung:
Bausteine für einen
heilsamen Umgang bei Menschen mit Demenz zwischen Anspruch und
Wirklichkeit; Ort: Rosa-Flesch Tagungszentrum, Margaretha-Flesch-Straße
12, Waldbreitbach

12.07.2018      Prof. Dr. Helen Kohlen: Heilung, Hoffnung, Loslassen.
Sorge-Ethik am
Lebensende; Ort: PTHV, Pallottistraße 3, Vallendar
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

Information zur PTHV:
Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) ist eine
kirchlich und staatlich anerkannte wissenschaftliche Hochschule (im Rang
einer Universität) in freier Trägerschaft. Die Gesellschafter der PTHV
gGmbH sind die Vinzenz Pallotti gGmbH und die Marienhaus Holding GmbH.
Rund 50 Professoren und Dozenten forschen und lehren an der PTHV und
betreuen etwa 450 Studierende beider Fakultäten.

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Nierenersatztherapie: CORETH-Forschungsprojekt liefert neue Erkenntnisse zur Verfahrenswahl

Welches Dialyseverfahren wählen Menschen, die nierenersatzpflichtig
werden, – und warum? Das war die Hauptfragestellung des vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten CORETH-
Forschungsprojekts. Ein ernüchterndes Ergebnis der Erhebung: Fast ein
Viertel der Patienten, bei denen eine Zentrumsdialyse durchgeführt wird,
gab an, dass die Entscheidung vorrangig durch ihren Arzt getroffen wurde.
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) weist in diesem
Zusammenhang auf die Pflicht zur umfassenden Information über alle
Nierenersatzverfahren, auch wenn eines im individuellen Fall
kontraindiziert ist.

Die Diagnose „Endgradiges Nierenversagen“ bedeutet für viele Betroffene
eine andauernde, oft lebenslange Abhängigkeit von der Dialyse, falls keine
Nierentransplantation möglich ist. Neben der Transpantation stehen vor
allem zwei, in ihrer Handhabung sehr unterschiedliche, Dialyseverfahren
als technischer Ersatz der Organfunktion zur Verfügung: 1) Hämodialyse
(HD), bei der die Patienten meist 3x wöchentlich für 4-5 Stunden in ein
Dialysezentrum fahren und dort durch das Dialysepersonal betreut werden
und 2) Peritoneal- oder Bauchfelldialyse (PD), die kontinuierlich vom
Patienten selbstständig zu Hause durchgeführt wird. Die Auswahl des
Nierenersatzverfahrens stellt für Betroffene eine Entscheidung mit enormer
Auswirkung auf das weitere Leben dar. Theoretisch könnte ein Drittel der
Nierenkranken die PD wählen. Tatsächlich geschieht dies in Deutschland
aber nur in etwa 5 % der Fälle.

Bislang gab es in Deutschland keine wissenschaftliche Untersuchung zu den
genauen Gründen für die Wahl des Dialyseverfahrens aus
Patientenperspektive. Auch fehlte bisher eine umfassende Kostenerfassung
für beide Dialyseverfahren aus gesellschaftlicher Perspektive. Genau hier
setzt das CORETH-Forschungsprojekt an (die Abkürzung CORETH leitet sich
aus dem Englischen „The Choice of Renal Replacement Therapy“ ab). Das vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt wurde unter
der Leitung von Prof. Dr. med. Matthias Girndt von der Klinik für Innere
Medizin II des Universitätsklinikums Halle (Saale) und Prof. Dr. med.
Wilfried Mau vom Institut für Rehabilitationsmedizin der Medizinischen
Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgeführt.
CORETH beschäftigt sich mit der Frage, welche psychosozialen und
körperlichen Bedingungen die Zufriedenheit mit dem Dialyseverfahren
beeinflussen und welche Rolle die Verständigung zwischen Arzt und Patient
bei der Wahl des Dialyseverfahrens spielt. Zusätzlich wurde im CORETH-
Projekt eine Analyse der Kosten unter HD- und PD-Patienten vorgenommen.
Dieser Teil der Studie wurde vom Forschungsschwerpunkt Gesundheitsökonomie
und -politik unter der Leitung von Prof. Dr. rer. pol. Christian Krauth,
vom Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und
Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH),
durchgeführt.

Für das Projekt wurden 780 Studienteilnehmer aus 55 Dialysezentren
deutschlandweit befragt. Nach 12 Monaten konnten 599 der Patienten zu
einer Nachbeobachtung gewonnen werden. Die Patienten füllten Fragebögen zu
psychosozialen, körperlichen und soziodemografischen Aspekten aus und
beantworteten Fragen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung mit dem Arzt.
Zudem wurden die Kosten zu ambulanten und stationären Leistungen,
Medikationen, Heil- und Hilfsmitteln, Rehabilitationsleistungen,
Transportwegen sowie Arbeits- und Erwerbsunfähigkeiten ermittelt und die
Lebensqualität untersucht. Um die Vergleichbarkeit zwischen den
unterschiedlichen Behandlungsgruppen bei der Analyse zu gewährleisten,
wurden nur HD- und PD-Patienten verglichen, die ein ähnliches Alter, einen
ähnlichen Bildungs- und Erwerbsstatus sowie ähnliche Begleiterkrankungen
aufwiesen.

Auf die Frage nach dem Grund für die Entscheidung zur PD gab die Mehrheit
der Patienten an, dass sie dadurch selbstständiger und unabhängiger seien.
Weiterhin wurde von einzelnen Befragten u. a. „eine bessere
Lebensqualität“ oder „die Möglichkeit arbeiten/studieren zu können“
genannt. Demgegenüber berichtete fast ein Viertel der HD-Patienten, dass
die Entscheidung vorrangig durch ihren Arzt getroffen worden sei. Viele
entschieden sich auch für dieses Verfahren, weil sie Wert auf die
medizinische Unterstützung im Dialysezentrum legen. Als Grund wurde auch
genannt, dass die PD gar nicht bekannt sei. Im Vergleich zu HD-Patienten
fühlten sich PD-Patienten besser an der Entscheidung zur Wahl des
Dialyseverfahrens beteiligt. Hinsichtlich der Frage, welche Faktoren
entscheidend für eine hohe Behandlungszufriedenheit ist, zeigt die Studie
ein klares Bild: Sowohl HD- als auch PD-Patienten sind zufriedener, wenn
sie die Entscheidung für das Dialyseverfahren zusammen mit dem Arzt
getroffen haben, als wenn der Arzt die Wahl hauptsächlich allein getroffen
hatte. Auch wirkte sich eine gute psychische Verfassung der Patienten
positiv auf die Therapiezufriedenheit aus. Die ökonomische Analyse zeigt,
dass HD die kostenintensivere Behandlungsform ist. Im Durchschnitt
unterscheiden sich die beiden Verfahren um knapp 12.000 € pro Jahr. Primär
ist diese Differenz auf unterschiedliche Dialyse- und Transportkosten
zurückzuführen. Die anderen untersuchten Kostenparameter waren
vergleichbar. Hingegen zeigte die Analyse der Lebensqualität keine
wesentlichen Unterschiede zwischen HD- und PD-Patienten.

Insgesamt zeigt sich ein leichter Vorteil für die PD hinsichtlich
Behandlungszufriedenheit und Kostenaspekten. Jedoch sind beide Verfahren
gleichwertig, was die Lebenszufriedenheit der Patienten betrifft. Die
Erkenntnisse des CORETH-Projekts untermauern vor allem, wie wichtig die
informierte und gleichberechtigte Entscheidungsfindung zwischen Arzt und
Patient ist. Dadurch sind Patienten langfristig zufriedener mit der
Behandlung, unabhängig davon, welches Dialyseverfahren letztlich gewählt
wurde. „Die DGfN arbeitet seit Jahren daran, ein solches shared decision
making zu etablieren, wenn es um die Verfahrenswahl der
Nierenersatztherapie geht. Wir haben Material für das Aufklärungsgespräch
erarbeitet, um eine umfassende Information der Patienten sicherzustellen
und das Gespräch zu dokumentieren. Das CORETH-Forschungsprojekt hat neben
vielen anderen interessanten Ergebnissen gezeigt, dass die
Verfahrensaufklärung immer noch nicht überall zufriedenstellend läuft. Die
Fachgesellschaft wird ihre Aktivitäten daher noch weiter intensivieren“,
erklärt DGfN-Pressesprecher Prof. Dr. Jan Galle.

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Mit Zuwendung und High-Tech täglich Menschenleben retten

Patientin Ute Hinz profitierte vom hohen Betreuungsschlüssel auf den Intensivstationen und spricht auf der von Prof. Thea Koch organisierten Veranstaltung „Intensivmedizin – Der Mensch im Fokus.  Holger Ostermeyer / Uniklinikum Dresden
Patientin Ute Hinz profitierte vom hohen Betreuungsschlüssel auf den Intensivstationen und spricht auf der von Prof. Thea Koch organisierten Veranstaltung „Intensivmedizin – Der Mensch im Fokus. Holger Ostermeyer / Uniklinikum Dresden

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ist eines von wenigen
hochspezialisierten Krankenhäusern, die Patienten mit schwersten Formen
des Lungenversagens behandeln können. Diese Fälle sind ein Beleg für die
weiter zunehmende Rolle der Intensivmedizin in der stationären
Krankenversorgung. Da diese Disziplin in der Öffentlichkeit häufig als
seelenlose Apparatemedizin wahrgenommen wird, haben die anästhesiologische
Fachgesellschaft und der Berufsverband die Kampagne „Zurück ins Leben“ auf
den Weg gebracht.

Als eine der Mitinitiatoren veranstaltet Prof. Thea Koch, Direktorin der
Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Dresdner Uniklinikums,
am Mittwoch, dem 11. Oktober, ab 18 Uhr eine Informationsveranstaltung mit
dem Thema „Intensivmedizin – Der Mensch im Fokus“ im Diagnostisch-
Internistisch-Neurologischen Zentrum (Haus 27).

Ute Hinz' Leben hing am seidenen Faden: Selbst das künstliche Koma, in das
sie die Intensivmediziner versetzt haben und die damit verbundene
künstliche Beatmung reichte nicht aus, um die sich weiter verschärfende
Lungenentzündung in den Griff zu bekommen. Wer der 50-Jährigen heute
gegenübersitzt, mag gar nicht glauben, dass sie sechs Wochen
intensivmedizinisch betreut werden musste. Nach einem dreimonatigen
Aufenthalt in einer Rehaklinik und einer Zeit der beruflichen
Wiedereingliederung arbeitet sie heute wieder in ihrem Beruf als
Firmenkundenbetreuerin.

„Viele Menschen verbinden die Intensivstation (ITS) mit einer seelenlosen
Apparatemedizin“, sagt Prof. Thea Koch. „Doch das stimmt so gar nicht. Auf
keiner Station ist der Betreuungsschlüssel so hoch wie auf einer ITS.“
Hier kommt auf ein bis zwei Patienten eine speziell ausgebildete
Pflegekraft. Dieser Personalschlüssel gilt rund um die Uhr. So kann auch
eine persönliche Beziehung entstehen, weil es eben nicht nur darum geht,
die Vitalwerte der Patienten zu kontrollieren, ihnen Medikamente zu geben,
sie zu lagern und zu waschen. Selbst im Koma nehmen Patienten Berührungen
wahr. Deshalb ist der persönliche Umgang ebenso wichtig wie die Kontakte
zu den Angehörigen.

Der Lebensgefährte von Ute Hinz kam jeden Mittag auf die ITS, um bei ihr
zu sein, mit ihr zu sprechen, sie zu streicheln – ganz egal, ob sie darauf
reagieren konnte oder nicht. Wenn sie sich heute an diese Situationen
erinnert, wird die sonst so entschieden auftretende Frau emotional: „Einen
größeren Liebesbeweis gibt es nicht“, sagt die Dresdnerin. Der Umgang mit
einem Patienten, der auf der Intensivstation versorgt wird, ist für viele
Menschen eine Herausforderung. Deshalb gehört es zur selbstverständlichen
Aufgabe des von Marco Reinhardt geleiteten Pflegeteams sowie der
behandelnden Ärzte, die Besucher zu ermuntern, den ihnen nahestehenden
Personen auch dann regelmäßig nahe zu sein, wenn sie aufgrund des Komas
keine deutlichen Reaktionen zeigen.
Bei Ute Hinz war die Zeit auf der ITS ein Auf und Ab. Mehrmals war ihr
Zustand so kritisch, dass sie wieder ins künstliche Koma versetzt werden
musste. Eine Situation, die auch der Patientin den Lebensmut nahm. Um das
Leben der 50-Jährigen zu retten, nutzten die Anästhesisten, die sogenannte
Extrakorporale Membranoxygenierung – ECMO. Diese Therapieform fand
Anwendung, weil die Lungenfunktion von Ute Hinz so stark eingeschränkt
war, dass ihr Organismus nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt
wurde. Mit Hilfe des Geräts wurde so das Blut von Ute Hinz außerhalb des
Körpers mit Sauerstoff angereichert und von CO2 befreit. Nur zwei Zentren
in Sachsen bieten diese Therapie mit einem spezialisierten ECMO-Team, das
am Uniklinikum von Privatdozent Dr. Peter Spieth geleitet wird an. Gerade
weil nur wenige Patienten diese hochspezielle Therapie benötigen – das
Dresdner Uniklinikum zählte 2016 insgesamt 35 Fälle – macht es Sinn, diese
Versorgung auf wenige Zentren zu konzentrieren.

Dank der ECMO-Therapie konnte sich die durch Bakterien angegriffene Lunge
der Patientin innerhalb von nur sechs Tagen so weit erholen, dass sie
wieder selbst atmen konnte. Nicht nur die Behandlung, sondern auch die
darauffolgende Entwöhnung von der maschinellen Beatmung bedarf der
Expertise eines besonders qualifizierten Teams. Parallel war es gelungen,
die Entzündung, die neben der Lunge auch andere innere Organe angegriffen
hatte, mit Medikamenten zu stoppen. „Es handelte sich um eine eigentlich
gut bekämpfbare Infektion“, sagt Oberarzt Spieth, also nicht um einen der
Erreger, der gegenüber Antibiotika resistent ist. Auch hatte Ute Hinz die
Infektion ‚ambulant‘ also nicht erst während der Behandlung, sondern
bereits zu Hause erworben. Und doch hatte sich die Entzündung rasend
schnell ausgebreitet, so dass die 50-Jährige in höchster Lebensgefahr
schwebte.

Ute Hinz war froh, als sie nach sechs Wochen die Intensivstation verlassen
konnte. Schon damals versprach sie, einmal zurückzukommen, um sich bei dem
ITS-Team zu bedanken: „Ich fühlte mich sehr gut betreut. Es war immer
jemand für mich da“, erinnert sie sich. Tatsächlich ist die Betreuung auf
diesen Stationen so persönlich, wie sie woanders im Krankenhaus gar nicht
möglich ist, denn hier ist neben den ausgebildeten Pflegekräften ständig
auch ein Facharzt präsent. Tagsüber kommen Physiotherapeuten und bei
Bedarf weiteres Fachpersonal auf die ITS, um die Patienten zu betreuen.
Trotzdem hinterlässt das lange Liegen seine Spuren: Die Muskulatur von Ute
Hinz hatte sich durch die wenige Bewegung erheblich abgebaut. Die drei dem
Klinikaufenthalt folgenden Monate verbrachte sie deshalb in einer Reha-
Klinik, um ihre frühere Leistungsfähigkeit wiederzugewinnen.

Patienten wie Ute Hinz die unter schwersten Entzündungen leiden, sind nur
ein Teil der Patienten, für die im Dresdner Uniklinikum insgesamt 125 ITS-
Betten zur Verfügung stehen. Mehr als die Hälfte der
intensivtherapiepflichtigen Patienten kommt nach großen Operationen –
zumeist im Bereich des Brust- und Bauchraums oder des Gehirns – für einige
Tage auf eine der Intensivstationen. Ein weiterer Teil der Patienten sind
Opfer schwerer Unfälle. Prof. Thea Koch ist sich sicher, dass die
Intensivmedizin weiter an Bedeutung gewinnen wird. Denn die Patienten
werden immer älter und die Medizin bietet immer mehr Möglichkeiten, sie
erfolgreich zu behandeln – chirurgisch wie internistisch. In nicht wenigen
Fällen ist die Intensivmedizin wichtiger Teil einer interdisziplinären
Therapie.

Um Patienten und ihre Angehörigen entsprechend aufzuklären und ihnen die
Ängste und Bedenken zu nehmen, hat die Klinik eine Broschüre mit dem Titel
„Die Intensivstation – ein Wegbegleiter für Angehörige“ aufgelegt, dessen
Konzept im Rahmen der Kampagne „Zurück ins Leben“ entstand. Dasselbe Ziel
hat die Informationsveranstaltung mit dem Thema „Intensivmedizin – Der
Mensch im Fokus“, die stattfindet am

Mittwoch, dem 11. Oktober, ab 18 Uhr
im Diagnostisch-Internistisch-Neurologischen Zentrum (Haus 27)
des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden,
Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
(Eingang über die Hauptpforte Fiedler-/Ecke Augsburger Straße).

„Wir möchten Interessierten die Arbeitsweise und Abläufe auf unserer
Intensivstation verständlich darstellen und aufzeigen, warum der Einsatz
hochtechnischer Innovationen in der Intensivtherapie unumgänglich, aber
nicht das Hauptmerkmal unserer Arbeit mit den Patienten ist“, sagt die
Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie. Auf der
Veranstaltung kommen auch Ute Hinz und ihr Lebenspartner zu Wort. Sie
schildern, wie sich die anfangs aussichtslos erscheinende Situation zum
Positiven wenden kann. Die Leiter der Intensivstation Prof. Dr. Maximilian
Ragaller und PD Dr. Peter Spieth sowie der pflegerische Leiter Marco
Reinhardt erklären an diesem Abend, wie Angehörige den Patienten in dieser
Krisensituation effektiv helfen können, zeigen aber auch auf, welche
psychologischen und seelsorgerischen Hilfsmöglichkeiten den Betroffenen
zur Verfügung stehen. Weiterhin werden Herr Dr. Ulf Bodechtel aus der
Klinik Bavaria Kreischa sowie die Allgemeinmedizinerin Frau Prof. Dr.
Antje Bergmann rund um das Thema der anschließenden Rehabilitation und der
ambulanten Nachsorge informieren.

Hintergrundinformation zur Kampagne „Zurück ins Leben“
„Zurück ins Leben" ist eine Kampagne des Berufsverbandes Deutscher
Anästhesisten e.V., der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und
Intensivmedizin e.V. sowie der Stiftung Deutsche Anästhesiologie e.V. Ziel
der Kampagne ist die  Aufklärung, Motivation und Würdigung der
Intensivmedizin. Denn die Intensivmedizin entspricht nicht dem
landläufigen Klischee einer abstrakten Apparatemedizin. Vielmehr stehen
der Patient und seine Angehörigen im Fokus. Menschliche Zuwendung und
Individualität der Patienten spielen in der intensivmedizinischen
Versorgung durch Ärzte und Pflegekräfte eine wichtige Rolle.
Die Intensivmedizin ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der
Diagnostik und Therapie akut lebensbedrohlicher Zustände und Krankheiten
befasst. Dies geschieht meist in besonders ausgestatteten Stationen eines
Krankenhauses, den sogenannten Intensivstationen, die baulich und
gerätetechnisch aufwendig ausgestattet sind. In größeren Krankenhäusern
oder Spezialkliniken gibt es oft mehrere fachspezifische Intensivstationen
– beispielsweise für Patienten mit akuten Herzproblemen und
internistischen Erkrankungen, die sogenannte „Stroke Unit“ für Patienten
mit einem Schlaganfall oder Intensivstationen für chirurgische Patienten,
die nach einer Operation dort weiterbetreut werden. Die Intensivstationen
in Deutschland zählen pro Jahr mehr als zwei Millionen behandelte
Menschen. Rund ein Fünftel der Patienten müssen im Rahmen ihres
Aufenthalts beatmet werden. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt
etwa zehn Tage.

Mehr als 20.000 Betten auf Intensivstationen sind verfügbar. Rund 1.200
der mehr als 2.000 Krankenhäuser haben Intensivbetten. Phasenweise können
Kapazitäten auf den Intensivstationen knapp werden, was zu längeren
Transporten von Patienten in das nächste Krankenhaus mit freien Betten
führen kann. Deutschlandweit hat die Intensivmedizin einen Anteil von etwa
20 Prozent an den Krankenhauskosten. Durch immer bessere medizinische und
technische Möglichkeiten – wie zum Beispiel der vorübergehende maschinelle
Organersatz - werden die Behandlungsfälle immer aufwendiger, gleichzeitig
die Chance für das Überleben aber auch immer größer.

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PraxisUmfrage Tumorschmerz“ zeigt Versorgungslücken bei onkologischen Patienten

Menschen mit Tumorerkrankungen sind schmerzmedizinisch zu einem
beträchtlichen Teil unter- und fehlversorgt, sowohl bezüglich
tumorbedingter Dauerschmerzen als auch hinsichtlich tumorbedingter
Durchbruchschmerzen. Das belegen Ergebnisse einer groß angelegten Online-
Befragung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. und der
Deutschen Schmerzliga (DSL) e.V. (www.Praxisumfrage-Tumorschmerz.de) unter
mehreren tausend Betroffenen. "Die Auswertung  deckt schmerzmedizinische
Versorgungslücken auf, die alle Beteiligten zum Umdenken motivieren
sollten“, erläuterte PD Dr. med. Michael A. Überall, Präsident der DSL,
Vizepräsident der DGS, bei einem Pressegespräch in Mannheim.

Bei Patienten mit einer Tumorerkrankung entwickeln sich im Laufe der
Erkrankung häufig Dauer- und Durchbruchschmerzen. Diese treten in
Abhängigkeit von Lokalisati-on, Tumorart, Tumorstadium und
Metastasierungsgrad sowie individueller Disposition und psychosozialen
Faktoren auf. Bisher lagen über Häufigkeit, Charakteristik, Intensi-tät
und Ausmaß tumorschmerz-bedingter Beeinträchtigungen sowie die
medikamentö-se Versorgung zu wenige Daten vor, um die aktuelle
Versorgungsituation der onkologi-schen Patienten in Deutschland richtig
einschätzen zu können. Dabei sei eine effektive Schmerztherapie für die
betroffenen Patienten eine wesentliche Voraussetzung, um am alltäglichen
Leben mit einer befriedigenden Lebensqualität teilhaben zu können“,
erläuterte PD Dr. med. Michael A. Überall in Mannheim.

Um Informationen über die schmerzmedizinische Versorgung und das Ausmaß
schmerzbedingter Beeinträchtigungen auf Lebensqualität und Alltag der
Betroffenen standardisiert erfassen zu können, startete die DGS gemeinsam
mit der DSL Anfang des Jahres die „PraxisUmfrage Tumorschmerz“. Bundesweit
wurden Betroffene dazu aufgerufen, unter Verwendung eines standardisierten
Online-Fragebogens Auskunft über ihre Schmerzen zu geben. Dieser basiert
auf einem von der Deutschen Gesell-schaft für Schmerzmedizin entwickelten
Patientenfragebogen, der bereits seit gerau-mer Zeit in
schmerzmedizinischen Einrichtungen genutzt wird, um darauf aufbauend
individualisierte und bedarfsorientierte schmerzmedizinische
Behandlungskonzepte für Menschen mit tumorbedingten Schmerzen erstellen zu
können.

Zu geringer Einsatz von stark-wirksamen Opioidanalgetika

Die Analyse der Daten zeigt, dass ein Großteil der Befragten (n=3.707)
neben Dauer-schmerzen zusätzlich unter akuten Schmerzattacken leidet. Laut
Überall könnten bei einem Drittel dieser Patienten (n=1.064) allein durch
eine Optimierung der Dauer-schmerztherapie (z. B. durch eine
Dosisanpassung bei zu geringer Tagesdosis, Ände-rung von Einzeldosis und
Dosierungsintervall bei „end-of-dose-failure“ oder Hinzunah-me einer
spezifischen Therapie mit Ko-Analgetika bei neuropathischen Schmerzen),
die akuten Schmerzattacken vermieden werden. Bei den übrigen Patienten
(n=2.643) wäre aus Sicht der Schmerzmediziner eine spezifische Notfall- /
Rescuetherapie sinn-voll – diese erhält aber weniger als ein Drittel der
dafür eigentlich infrage kommenden Betroffenen (862 vs. 2.643 / 32,6 %)
mit tumorbedingten Durchbruchschmerzen. Da-von erhielten wiederum nur
etwas mehr als ein Drittel (326 vs. 862 / 37,8 %) eine The-rapie mit einem
stark-wirksamen Opioidanalgetikum – dem nach Ansicht vieler
Schmerzexperten einzig sinnvollen Therapiekonzept zur Behandlung dieser
speziellen Schmerzform.

Schmerzen bei Tumorerkrankung werden verharmlost

Auch der Schmerz- und Palliativmediziner Dr. med. Johannes Horlemann,
Vizepräsi-dent der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin und Erstautor
der DGS-PraxisLeitlinie „Tumorschmerz“ betonte: „Trotz umfangreicher
Aufklärungsmaßnah-men, widmet sich im praktischen Alltag unverändert der
Großteil der ärztlichen Bemü-hungen den onkologischen Therapieansätzen,
während die viele Betroffene stark be-einträchtigenden Schmerzen als
Folgeerscheinung der Tumorerkrankung verharmlost werden. Die damit
einhergehenden Einschränkungen auf die Teilhabe am alltäglichen Leben bzw.
die Lebensqualität der Patienten müssen sehr viel ernster genommen wer-den
als wir das aktuell erleben.“

Aus Sicht des DSL-Präsidenten Überall „sollten in der Außendarstellung
onkologischer Zentren und in den entsprechenden einrichtungsspezifischen
Qualitätsberichten nicht nur direkte onkologische Parameter (wie z. B.
Behandlungszahlen und 5-Jahresüberlebensquoten), sondern auch indirekte
Qualitätsindikatoren (wie z. B. die Patientenzufriedenheit mit der
schmerzmedizinischen Versorgung) aufgeführt und ver-öffentlicht werden.
Nur so hätten auch die Betroffenen die Möglichkeit, eine für ihre
spezifische Situation und ihre individuellen Bedürfnisse passende
Behandlungseinrich-tung auszuwählen.“ Die Ergebnisse müssen zum Anlass
genommen werden, die schmerzmedizinische Ausbildung in den beteiligten
Disziplinen stärker zu fokussieren und die Bedeutung einer suffizienten,
individualisierten schmerzmedizinischen Versor-gung von Tumorpatienten mit
Dauer- und Durchbruchschmerzen in Bezug auf Alltags-funktionalität und
Lebensqualität noch stärker zu verdeutlichen – z. B. durch spezifi-sche
Fortbildungsveranstaltungen sowie die Implementierung
versorgungsrelevanter Leitlinien, wie z. B. der DGS-PraxisLeitlinien zu
Tumorschmerzen und tumorbedingten Durchbruchschmerzen.

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. ist mit rund 4.000
Mitglie-dern die größte Gesellschaft praktisch tätiger Schmerztherapeuten
in Europa. Sie setzt sich für ein besseres Verständnis und für bessere
Diagnostik und Therapie des chroni-schen Schmerzes ein. Bundesweit ist sie
in rund 125 regionalen Schmerzzentren or-ganisiert, in denen
interdisziplinäre Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Obers-tes Ziel
der DGS ist die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen
Schmerzen. Dies kann nur durch die Etablierung der Algesiologie in der
Medizin er-reicht werden. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der
Schmerzmedizin durch die Etablierung von Therapiestandards sowie die
Verbesserung der Aus-, Fort- und Wei-terbildung auf den Gebieten der
Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen. Um
die Bedürfnisse von Patienten noch besser zu verstehen, arbeitet die DGS
eng mit der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V.
zusammen.

Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V.

Zur Deutschen Schmerzliga (DSL) e.V. gehören inzwischen mehr als 3.000
Mitglieder, die von spezifischen Informationsangeboten und individueller
Beratung profitieren. Mehr als 80 regionale Selbsthilfegruppen bieten
Patienten sogar konkrete Unterstüt-zung vor Ort. Auf Bundesebene engagiert
sich der Verein darüber hinaus für die Rech-te von Betroffenen in
Öffentlichkeit und Politik. Zudem hat die Patientenorganisation mit der
Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) einen starken ärztli-
chen Partner an der Seite – mit dem Überblick über die aktuellsten
Erkenntnisse auf dem Gebiet der Schmerzmedizin.

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