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Lifestyle

Lucerne Festival am Piano endet mit sehr guter Gesamtauslastung von 89 Prozent*

88 Tasten, 1000 Emotionen c Georg AnderhubDas diesjährige Piano-Festival endet mit einer Gesamtauslastung von 89 Prozent, das sind 4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. 17ʼ400 Besucher kamen insgesamt zum Festival, das neun Tage dauerte, davon 11ʼ900 zu den 13 Konzerten und rund 5ʼ500 zu den Gratis-Veranstaltungen. Das künstlerische Programm der Klavierwoche bot zwei Klavier-Konzerte mit Orchester, sieben Solo-Rezitale, drei Debut-Konzerte und eine Kammermusik-Matinee. Ergänzt wurde dieses von zwei Piano Lectures sowie einem Meisterkurs inklusive Abschlusskonzert in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik – Luzern. Der Tastentag am Sonntag, dem 20. November, lockte das Publikum zu einem umfassenden Einblick ins russische Klavierrepertoire mit drei Rezitalen und einer Piano Lecture ins KKL Luzern, 1ʼ800 Interessierte kamen allein an diesem Tag. Rund 5ʼ000 Jazz-Fans besuchten zusätzlich die Gratis-Veranstaltungen von Piano Off-Stage in den Luzerner Bars, davon fanden sich 1ʼ200 Besucher bereits zur Eröffnung am 22. November im Luzerner Saal des KKL Luzern ein.

Heute, am Samstagnachmittag um 16 Uhr, ist der zweite Teil der Piano Lectures von Martin Meyer zu erleben, der sich Alfred Brendel widmet. Heute Abend um 18.30 Uhr tritt Rudolf Buchbinder mit einem Repertoire von Schumann und Liszt auf die Bühne des KKL Luzern. Morgen, am Sonntag, 27. November um 11 Uhr setzt dann ein Kammermusikkonzert mit Lars Vogt, Antje Weithaas, Florian Donderer und Tanja Tetzlaff den Schlusspunkt der Luzerner Klavierwoche mit Werken von Johannes Brahms.

Das Piano-Festival bot auch in diesem Jahr jungen, international aufstrebenden Stars wie Kit Armstrong, Andrew Tyson und Louis Schwizgebel eine Bühne, arrivierte Jungstars wie Georgy Tchaidze, Alexej Gorlatch, Nareh Arghamanyan und Igor Levit traten auf, und mit Grigory Sokolov und Rudolf Buchbinder waren auch die ganz grossen internationalen Stars zu Gast – ebenso wie Maria João Pires, die mit dem Kammerorchester Basel unter Heinz Holliger spielte, und Murray Perahia, der mit der Academy of St Martin in the Fields musizierte. Der Organist Cameron Carpenter setzte mit seiner International Touring Organ einen besonderen Akzent, und mit Robert Levin war in einem fünftägigen Meisterkurs einer der renommiertesten Klavierpädagogen und Musikforscher im Unterricht zu erleben. Die Jazz-Pianisten Vince Benedetti (USA), Luca Filastro (Italien), Jean-Baptiste Franc (Frankreich), Christina Jaccard (Schweiz), Simon Mulligan (UK), Frank Muschalle (Deutschland), Ricardo Regidor (Schweiz) und Christof Sänger (Deutschland) tourten traditionell nach dem grossen Off-Stage Opening durch die schönsten Luzerner Hotel-Bars und boten Luzerner Nachtschwärmern Jazz bis tief in die Nacht. www.lucernefestival.ch

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Lucerne Festival am Piano, Rezital 4 Rudolf Buchbinder, 26. November 2016, besucht von Léonard Wüst

Rudolf Buchbinder c Peter FischliBesetzung und Programm:

Rudolf Buchbinder  Klavier

Robert Schumann (1810–1856)
Fantasie C-Dur op. 17

Franz Liszt (1811–1886)
Paraphrase de concert sur «Rigoletto» S 434

Robert Schumann (1810–1856)
Sinfonische Etüden op. 13

Rezension:

Im ersten Konzertteil Werke zweier Komponisten, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Hier der introvertierte, leis – poetische Romantiker Robert Schumann, dort der umjubelte Star Franz Liszt, der gefeierte Salonlöwe Europas, der exzentrische, extrovertierte Frauenheld, der umjubelte Mittelpunkt bei den Hauskonzerten der Haute Volée in den europäischen Städten. Unermüdlich auf Tourneen, entschädigt mit absoluten Spitzengagen für die damalige Zeit. Trotzdem waren beide voneinander beeindruckt, nachdem sie sich einmal persönlich getroffen hatten. Schumann goutierte zwar nicht, dass Liszt sich zirkushaft aufführte, er bewunderte aber dessen technische Brillanz und seinen beseelten Ausdruck auf der Bühne.

Buchbinder interpretierte zu Beginn Schumanns Fantasie C Dur, gewidmet Franz Liszt, für dessen Projekt eines Denkmals in Bonn zu Ehren des, von Schumann und auch Liszt bewunderten Musikgenies Ludwig van Beethoven, der in Bonn geboren wurde. Er hielt sich präzis an die von Schumann vorgegebene Werkbeschreibung, wirkte dabei sehr elegant und souverän, erhaben über die technischen Stolpersteine, welche den Werken Schumanns, oft in Nebenpassagen versteckt, eben doch eigen sind.

Dann, problemlos der Paradigmenwechsel zur raffinierten Paraphrase des „Rigoletto“ von Liszt. Bei diesem, relativ kurzen Werk, jagt, typisch Liszt, eine Höchstschwierigkeit die andere, sehr auf Effekt und zur Publikumsverblüffung ausgerichtet. Dem Auditorium gefielen beide, doch sehr unterschiedlichen Kompositionen, sehr. Dies verlieh es auch mit langanhaltendem kräftigem Applaus Ausdruck, bevor man sich in die Pause begab.

Der zweite Konzertteil beinhaltete die „Sinfonischen Etuden“ von Robert Schumann, einschliesslich der fünf nachgelassenen Variationen. (17 Jahre nach dessen Tod von Johannes Brahms veröffentlicht). Auch hier blieb Buchbinder nah an der Werkbeschreibung, verlieh dem Werk aber trotzdem seine persönliche Handschrift, etwas lebhafter und rasanter als üblich, aber nie treibend, gar verschwommen.

Der schlaue erfahrene Konzertfuchs weiss natürlich ganz genau, wie er die Zuhörer abholen kann, welche Passagen er wie gestalten muss, um das Auditorium in seinen Bann zu ziehen.

Das Publikum spendete denn auch tosenden, langanhaltenden Applaus, applaudierte den Künstler immer wieder auf die Bühne zurück, bis er die gewünschte Zugabe doch noch gewährte, dies in Form der Gigue aus der Partita Nr. 1 B-Dur von Johannes Sebastian Bach, die natürlich die Zuhörer zu noch mehr Applaus anspornte und Buchbinder weiterhin noch nicht entliess. Nach erneutem mehrmaligen Applauskaskaden setzte sich der Altmeister nochmals an den Konzertflügel und gab seine „Phantasmen“ von Johann Strauss zum Besten. Dabei konnte er seine Wurzeln nicht verbergen und liess dem Wiener Temperament Lauf, worauf sich das Publikum zu einer definitiven stehenden Akklamation erhob. Damit bot Buchbinder eine Woche vor seinem 70sten Geburtstag am 1. Dezember einmal mehr ein Weltklassekonzert, er, der seit 50 Jahren auf allen grossen Bühnen dieser Welt gefeiert wird.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Lucerne Festival am Piano, Rezital 3 Igor Levit, 23. November 2016, besucht von Léonard Wüst

Igor Levit c Gregor HohenbergBesetzung und Programm:

Igor Levit  Klavier

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Aria mit 30 Veränderungen BWV 988 Goldberg-Variationen

Rezension:

Eigentlich eine erstaunliche „Karriere“, die dieser IV. Teil der Clavier Übung von Johannes Sebastian Bach gemacht hat, komponiert 1741, sind sie doch heute bekannter als so manche Sinfonien oder Sonaten anderer berühmter Komponisten. Ausser den „Diabelli -Variationen“ von Ludwig van Beethoven gibt es nichts auch nur annähernd Ähnliches in der Musikliteratur. Übungsstücke, die ungleich populärer sind als viele der ausgereiften, aufwändig orchestrierten Kompositionen anderer Musiker.

Glenn Gould  (1932 – 1982)Die Mystik der Bachschen „Goldberg- Variationen“ gründet wohl zum grossen Teil auf deren Einspielung durch den kanadischen Ausnahmepianisten Glenn Gould  (1932 – 1982) im Juni 1955.

„Bach wird oft als verkopfter Mathematiker bezeichnet“. Die „Goldberg-Variationen“, ursprünglich für zweimanualige Cembali komponiert, spalten heute noch die Musikergemüter in zwei Lager. Einige Musiker meinen, diese Komposition passe nicht zu einem Piano. Doch das erschwere das einmanualige Spielen und habe einen besonderen Reiz, so die Pianistin Rosa Günter.

Um in die tiefen Geheimnisse einzudringen unterteilt z.B. der ungarische Pianist und Dirigent András Schiff (*1953), wenn er die «Goldberg-Variationen» vorträgt, den Abend bisweilen in zwei Teile. In einem ersten Teil führt er erläuternd, nämlich sprechend und spielend, durch die Komposition, Im zweiten Teil des Abends trägt er dann das Werk vor. (Zitat Peter Hagmann in seinem  Blog zur klassischen Musik). Schiff ist unbestritten einer der weltbesten „Goldberg“  Interpreten und hat diese auch schon in den Jahren 2000 und 2015 im Rahmen des Lucerne Festival dargebracht.  Auch Igor Levit scheut sich nicht, diese „heissen Eisen“ anzugehen und sich damit zu exponieren. Beide Variationen gehören in sein Standardrepertoire, deswegen auch die perfekte Darbietung, ob Tempi, Lautstärke oder technische Raffinessen, Levit beherrscht alles perfekt, spielt nicht verbissen konzentriert, sondern auffällig gelassen, locker, manchmal gar sich verschmitzt freuend, wie ein Lausbub. Immer wieder auffallend beim Spiel sind die virtuosen Effekte der gekreuzten Hände, also die Über – und Untergriffe, deren es ausreichend gibt im Werk und die Levit beherrscht und auch meisterhaft inszeniert. Er weidet das Werk richtiggehend aus, seziert und fügt es wieder zusammen. Damit erweist er sich als veritabler „Goldgräber“. Dieses Konzert verlangt auch vom Publikum grösste Aufmerksamkeit und Konzentration, bis am Ende auf atemlose Stille begeisterter Applaus des tief beeindruckten Auditoriums folgt.

Nachtrag:

«Womit wird uns dieser Klavierverrückte als Nächstes kommen?», fragte sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung, als Igor Levit im vergangenen Herbst zwei absolute Meilensteine des Repertoires, nämlich Bachs Goldberg-Variationen und Beethovens Diabelli-Variationen, in Koppelung mit einem pianistischen Parforceritt von Frederic Rzewski als Triptychon herausbrachte.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Lucerne Festival am Piano Tastentag 3 Nareh Arghamanyan, 20. November 2016, besucht von Léonard Wüst

Nareh Arghamanian c Peter Fischli, Lucerne FestivalBesetzung und Programm:

Nareh Arghamanyan  Klavier

Aleksandr Skrjabin (1872–1915)
Klaviersonate Nr. 3 fis-Moll op. 23

Sergej Rachmaninow (1873–1943)
Ausgewählte Lieder in Klaviertranskriptionen

Nikolai Medtner
Sonata Reminiscenza a-Moll op. 38 Nr. 1

Igor Strawinsky (1882–1971)
Danse infernale, Berceuse und Finale aus Der Feuervogel, arrangiert für Klavier von Guido Agosti

Michail Glinka (1804–1857)
Nocturne La separation

Romance L’alouette, arrangiert für Klavier von Mili Balakirew

Mili Balakirew (1837–1910)
Islamej. Orientalische Fantasie für Klavier

Rezension:

Konzert im Rahmen des Tastentags

Der Tastentag widmete sich der russischen Klavierschule mit Martin Meyers Lecture (14.00) und den Pianisten Georgy Tchaidze (11.00), Alexej Gorlatch (16.00) und Nareh Arghamanyan (18.00).

Einen Streifzug durch hundert Jahre russische Musikgeschichte unternahm dabei Nareh Arghamanyan.

Sie wurde am 21. Januar 1989 in Armenien (damals noch Teil der Sowjetunion) geboren, begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel und schon drei Jahre später wurde sie am staatlichen Tschaikowsky-Konservatorium in Eriwan aufgenommen, mit 15 Jahren wurde sie an die Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien zugelassen.

Die Künstlerin stellte kurzfristig die Reihenfolge um und startete mit der Komposition von Nikolai Medtner und stellte Strawinskys „Feuervogel“ an den Schluss. Eine glückliche Entscheidung, wie sich erweisen sollte, waren doch die Werke der zuletzt gespielten drei Komponisten die technisch spektakulärsten. Dagegen wirkten selbst die vorher gespielten Stücke von Skrjabin und Rachmaninow relativ brav. Richtige Trouvaillen, da weniger bekannt, dagegen Michail Glinka und Mili Balakirew, deren Werke zwischen denen der arrivierteren Komponisten zur Aufführung gelangten.

Im 19. Jahrhundert galtIslamej“, orientalische Fantasie für Klavier von Mili Balakirew, als beinahe unspielbar. Aleksandr Skrjabin soll sich beim Üben derselben sogar die rechte Hand verletzt haben, wurde kolportiert. Aber für die Armenierin schien selbst diese Höchstschwierigkeit nicht das geringste Problem zu sein, meisterte sie doch die Tücken der Partitur mit ihrer stupenden Technik brillant.

Nareh Arghamanyan c Julia WeselyEs folgte der krönende Abschluss mit Strawinsky: Danse infernale, Berceuse und Finale aus „Der Feuervogel“, arrangiert für Klavier von Busoni – Schüler Guido Agosti. Hier konnte die Pianistin nochmal so richtig in die Tasten greifen, das Publikum zu Bravorufen animieren. Fulminante Läufe, effektvoll gesetzte Fortissimi und animierte Körpersprache perfektionierten das Gesamtkunstwerk. Stürmischer Applaus inklusive stehende Ovation war die verdiente Anerkennung für eine aussergewöhnliche Klaviervirtuosin an diesem Tastentag.
Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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