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Lifestyle

Sounds of Entertainment. Kirchplatz Zofingen, 27. August 2016, besucht von Léonard Wüst

Christoph Walter Orchestra am Moonlight Open Air 2015 in ZofingenMitwirkende

Christoph Walter Orchestra Christoph Walter, Bandleader

Nelly Patty, Vocals David Morell, Vocals

 

Rezension:

Zofingen, die aargauische Kleinstadt, der perfekte Ort im zentralen Mittelland für einen Event wie das „Moonlight Festival Open Air“. Dank der Weitsicht der damals Verantwortlichen wurde, kurz nach dem 2. Weltkrieg, gleich zu Beginn des Reisebooms vom Norden (v.a. aus Deutschland und den Beneluxstaaten) an die Strände im Süden ennet des Gotthards, sowie aufgrund des boomenden internationalen Handels (Gütertransporte auf der Strasse) und der fortschreitenden allgemeinen Motorisierung von jedermann, eine Umfahrungsstrasse erstellt, die die Verkehrsströme um das Städtchen herumführt. So blieb das historische Zentrum fast völlig von den negativen Nebeneffekten der wachsenden Individualmobilität verschont, keine Parkzonen, kein Verkehrsschilderwald usw. Eine malerisch –  märchenhafte Kulisse zum Anrichten des „Sounds of Entertainments“ auf der Bühne am Kirchplatz, mitten im Herzen dieser mittelalterlichen Kulisse. Optimales Wetter trug das seine dazu bei, dass die Plätze schon früh besetzt warten von einem gutgelaunten, erwartungsfreudigen Publikum.

Christoh Walter mit TrompeteDie über 1000 Plätze waren ausverkauft und so stand einem Konzertgenuss nichts mehr im Weg. Verantwortlich für dieses Entertainment, also die Unterhaltung, zeichnete Christoph Walter (C.W.) mit seinen Mitmusikern. Er tat dies nicht nur mittels Musik, sondern führte auch charmant durch den Abend, gab Anekdoten zum Besten, durchaus mal mit einem Augenzwinkern. Wohltuend, dass auf bombastischen Lichtspektakel verzichtet wurde und wirklich die Musik und die Interpreten  im Vordergrund standen. So folgte man denn gerne der musikalischen Aufforderung „Nimm Dir chli Zyt“, einer C.W. Eigenkomposition, die er, im Duett mit Solosängerin Nelly Patty, zu Beginn vortrug. Bei den folgenden Arrangements lernte man die Band etwas näher kennen, deren Mitglieder sich mittels kurzen Improvisationen grad selber vorstellen konnten. Ob die Streichergruppe ( inkl. Harfe), die Bläsersektion oder der Rhythmusblock, alles natürlich ausgewiesene erfahrene Musikerinnen, geführt von einem souveränen, sichtlich gutgelaunten Chef, ergänzt mit Nelly Patty und David Morell als kongeniale Vokalisten. Es wurde ein vielseitiges Programm geboten, sehr abwechslungsreich, für jeden Geschmack etwas, dennoch weitab von „Mainstream“. Mit dem Trompetenreferenzstück „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ war diese auch an diesem Sommerabend in Zofingen in Ordnung. Besonders eindrucks- und gefühlvoll von Nelly Patty interpretiert die „Hymne a`l Amour“, die durch Edith Piafs Version auf der ganzen Welt bekannt ist.

Nelly PattyObwohl qualitativ sehr nah am Original, setzte Nelly doch kleine, aber feine, eigene Akzente, wurde dafür vom beeindruckten Auditorium auch mit dem entsprechen kräftigen langanhaltenden Applaus belohnt. Einen eben solchen erntete auch die sehr ungewöhnliche, weil quergeflötete Version von „Tico Tico“, ein Werk, das nach und nach auch die andern Musiker einband, die satten Bläsersätze wechselten mit den Gitarrenimprovisationen von Randy Müller. Sänger David Morell interpretierte noch den Bette Midler Song Wind Beneath My Wings, während Nelly der französischen Hauptstadt huldigte mit der Interpretation des Chansons von Jacques Dutronc „Il est cinq heures, Paris s’éveille“ Auch die Dreigroschenoper fehlte nicht, dargereicht mit „Macky Messer“, im Duett von Nelly und David. C.W. betonte, dass es sehr gute und erfolgreiche Schweizer Musiker und Komponisten gibt.

David Morell Dieser Ansage liess er Taten folgen und so kamen wir in den Genuss eines Medley von Polo Hofer: Mit dem legendären „Kiosk“ bewies David Morell, welch grossartiger Interpret er ist, dass man sich auch gut ergänzt, bewiesen Nelly Patty und David im Duett mit einer wunderschön arrangierten Version der „Alperose“, dann waren auf der Bühne noch alle „Giggerig“ und versetzten das Publikum damit in totale Feststimmung.

Da ergibt sich auch mal ein veritabler Tijuana Brass Sound, als der Solotrompeter und der Bandleader zusammen „Cucurrucucú Palomazelebrieren. In einem amüsant witzigen Trompetendialog, voller Hinterlist und Schalk, versuchen die beiden sich gegenseitig zu übertrumpfen. Das Schöne an diesem musikalischen Wettstreit ist, dass es am Ende nur Sieger gibt, vor allem das hingerissene Publikum. Die Auflistung der gespielten Werke ist  nicht chronologisch, sondern wie sie mir noch präsent sind und  aufgrund von Notizen. Das Moonlight Festival Open Air findet heuer zum zehnten Mal statt  und der Veranstalter, Christoph Obrecht, ist mit seiner Familie anwesend. Und wenn C.W. zu einem 1o Jahr – Jubiläum gratuliert, geschieht dies nicht mit einem profanen „Happy Birthday“,

Franziska Wigger, Jodlerin Da muss schon eine eigens dafür komponierte und getextete Melodie her (En Tag zum fiire).Das ist aber dem Perfektionisten C.W. noch nicht genug. Zum Vortragen derselben wird in der Person von Franziska Wigger eine Jodelkapazität aufgeboten.

C.W. ist nicht nur ein motovierter Bandleader und Multiinstrumentalist, er betätigte sich auch noch als Backgroundsänger und sogar als Duett Partner.

Wenn mit Nelly Patty schon eine französische Sängerin auf der Bühne steht, darf natürlich auch „La vie en Rose“ nicht fehlen, wenn diese dazu noch italienisch stämmige Grosseltern hat, ist es nicht mehr weit zu Che sara, che sara. Fehlen durfte natürlich auch nicht „il fait beau“ ein Chanson von ihrer gleichnamigen  neuen CD.

Auch für eine stimmige, swingende Alphorneinlage durch Roger Konrad war noch Platz, ebenso für eine, von einer virtuellen Walliser Wunschkonzertstimme geforderte, Version des Gotthard Mega Hits „Heaven“. Also ein unglaublich wandlungsfähiges Orchester, in allen Bereichen der grossen Musikwelt zuhause.

„Music was my first Love“ ein Song von John Miles aus dem Jahre 1976 war dann der grandiose Abschluss eines unvergesslichen Open Air Konzertes in einer fantastischen Kulisse, gewürdigt durch eine langanhaltende Standing Ovation des Auditoriums. Die Protagonisten belohnten uns noch mit einer Zugabe, der Eigenkomposition von Christoph Walter: „Das isch Liebi“, die natürlich stehend und applaudierend genossen wurde.

Diverse Impressionen der Protagonisten von verschiedenen Anlässen und Orten:

www.fotogalerien.wordpress.com/2016/09/03/christoph-walter-orchestra-sounds-of-entertainment-kirchplatz-zofingen-27-august-2016-diverse-impressionen/

Videotrailer Paco De Lucia – Tico Tico

www.youtube.com/watch?v=k6Nw0Hm_wTM

Fotos: Obrasso Classics, Nelly Patty, Christoph Walter, Wikipedia

www.christophwalter.ch/

www.nellypatty.de/

www.davidmorell.com/home/home.html

obrassoconcerts.ch

www.franziskawigger.ch/

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Lucerne Festival im Sommer 2016, Sinfoniekonzert 9 Luzerner Sinfonieorchester | James Gaffigan | Ekaterina Sementschuk, 22. August, besucht von Léonard Wüst

Luzerner SinfonieorchesterBesetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester

James Gaffigan  Dirigent  Ekaterina Semenchuk  Mezzosopran

Gioachino Rossini (1792–1868)
Giovanna d’Arco, bearbeitet für Mezzosopran und Orchester von Salvatore Sciarrino

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Ouvertüre Zum Märchen von der schönen Melusine op. 32

Hector Berlioz (1803–1869)
La Mort de Cléopâtre. Lyrische Szene für Mezzosopran und Orchester

Ferruccio Busoni (1866–1924)
Turandot-Suite op. 41

Richard Strauss (1864–1949)
«Tanz der sieben Schleier» aus Salome

Rezension:

Das Luzerner Sinfonieorchester (LSO) setzte das Motto des Sommerfestivals „Prima Donna“ bis anhin am konsequentesten um. Alle fünf aufgeführten Werke handeln von Frauen, dazu mit Solistin Ekaterina Sementschuk, eine Mezzosopranistin für die zwei Kompositionen „Ouvertüre zum Märchen von der schönen Melusine“ (Mendelssohn Bartholdy) und „La Mort de Cléopâtre, Lyrische Szene für Mezzosopran und Orchester“ (Berlioz). In der ersten  Konzerthälfte begegneten wir der geheimnisvollen Nixe Melusine und der ebenso machtvollen wie schönen ägyptischen Königin Kleopatra, der sogar Julius Caesar verfiel und die sich von einer giftigen Kobra totküssen liess. Die kurze Mendelssohn Komposition war so etwas wie das Amuse bouche des Konzertes, das darauf durch die rotgewandete Weissrussin Ekaterina Semenchuk mit Kleopatras lyrischem Tod so richtig lanciert wurde. Auch in den schwierigsten Passagen und Kolorationen äusserst souverän meisterte sie dieses Referenzstück für Mezzosopranistinnen, was das Publikum auch mit entsprechendem Applaus, gewürzt mit einzelnen Bravorufen, zu würdigen wusste.

Ekaterina Sementschuk Mezzosopran

 

Den zweiten Konzertteil eröffnete Rossinis Kantate über die französische Nationalheilige Giovanna d`Arco. Versöhnlicher, dem Belcanto näher als die doch eher moderne Kleopatra, weniger Dissonanzen, runder zu singen, für die nun schwarz – golden gekleidete Solistin, die auch dieses Werk überaus souverän interpretierte, unterstützt vom gut aufgelegten Innerschweizer Orchester. Und eben dieses spielte sich in der darauffolgenden Turandot – Suite von Busoni unter Gaffigans Dirigat in einen wahren Klangrausch und brachte das Auditorium fast zum Ausflippen und Toben. Der abschliessende Tanz der sieben Schleier aus „Salome“ von Richard Strauss war dann noch Schaulaufen für die Lokalmatadoren, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurden, was zu einer langanhaltenden Standing Ovation führte.

James Gaffigan, Dirigent

 

James Gaffigan und Ferrucio Busoni scheint eine ganz spezielle Verbindung zu sein, fast könnte man von musikalisch – erotischer Liaison sprechen. Zitat Gaffigan: Als ich vom diesjährigen Festivalschwerpunkt erfuhr („Prima Donna“, Anmerkung Redaktion), kam mir sofort die Turandot von Ferruccio Busoni in den Sinn, den wir in der vergangenen Saison beim Luzerner Sinfonieorchester in den Fokus gerückt haben und der dieses Jahr seinen 150. Geburtstag feiert. Busoni ist ein, auch in der Schweiz, viel zu wenig bekannter Komponist. Seine Musik ist verrückt und modern, dabei immer aus der Tradition erwachsen, und die Turandot-Suite ist eines seiner zugänglichsten, ja zündendsten Stücke.

Erneut demonstrierte das LSO, dass es zurecht seinen Platz hat an diesem Weltklasse Festival, den es sich in den letzten Jahren durch beeindruckende Konzerte erspielt hat. So musiziert das Hausorchester des Luzerner Theaters auf Augen- oder besser Ohrenhöhe mit den Wiener Symphonikern, den Berliner Philharmonikern und andern Klangkörpern der obersten Liga. Das Publikum feierte die Protagonisten mit einem stürmischen Schlussapplaus, bei dem der Dirigent die einzelnen Sektionen aufforderte, sich zu erheben für eine jeweilige Separatanerkennung ihrer Leistung durch Applausverstärkung. Auch das Publikum stand, trampelte mit den Füssen und feierte ein aussergewöhnliches Orchester, ein tolles Programm und auch ein bisschen sich selbst.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Luzerner Spielleute: „Alle lieben George“ von Alan Ayckbourn, Première 24. August, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Die Spielstätte Theater Pavillon LuzernRegie Ueli Blum

Monica, Ex-Frau von George                     Susanne Meier Simone,

Bäuerin in WG mit Monica                          Katja Christen  André,

Arzt                                                                Urban Riechsteiner

Kathrin, Frau von André                              Ruth Egli

Jürg, Geschäftsmann                                   Norbert Metzler

Jasmin, Frau von Jürg                                 Astrid Bättig

Sändi, Tochter von Jasmin und Jürg          Janine Stählin 

Rezension:

Das Premierenpublikum setzte sich wohl zu einem grossen Teil aus Angehörigen der Schauspieler zusammen, mindestens liess sich das aus den Diskussionen schliessen, welche sich vor allem um lange Probezeiten, intensive letzte Wochen, intensiver denn je und unglaubliche Präsenz drehten. Und hohe Erwartungen habe man! Soviel sei schon mal gesagt: Diese wurden nicht enttäuscht.

Impression zu Alle lieben GeorgeDas Stück spiele in vier Gärten, steht im Programm. Drei unterschiedliche Gartenlandschaften sind auf der Bühne aufgebaut: zwei einfache Klappstühle und ein Tisch links, in der Mitte eine lässig arrangierte Lounge-Landschaft, rechts unten am Boden 3 Strohballen. Um zusätzlich darauf hinzuweisen, wo die Handlung gerade stattfindet, wird auf einer grossen Leinwand das dazugehörende Haus eingeblendet, mit, notabene, Berücksichtigung der Jahreszeit in der Bepflanzung!

 

Die Geschichte in Kürze: George, Lebemann und Mädchenschwarm in seiner Jugend hat laut einer Arztdiagnose Krebs und noch maximum sechs Monate zu leben. Seine Freunde sind schockiert, betroffen, traurig, teilweise auch etwas ratlos. Jedes Paar geht damit auf seine Weise um, dabei treten Probleme auf, Sehnsüchte werden geweckt, langjähriger Groll bricht auf. Die daraus entstehenden Dialoge sind mal bitterböse, mal witzig, mal makaber und mit viel schwarzem Humor und dabei oft so bekannt, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Jede und jeder hat oder hatte so seine Geschichte mit diesem George. Da sind der verklemmte Arzt Andreas (Urban Riechsteiner) in müden Beigetönen mit Pullunder, Strickjacke und Bundfaltenhose, seine Frau Kathrin (Ruth Egli) in etwas biederen Kleidern, hochgeschlossen, zugeschnürt, die Haare aufgesteckt, unauffällig und blass. Dann die rassige Jasmin, elegant, aufreizend, sich ihrer Attraktivität bewusst und ihr Mann Jörg, Geschäftsmann durch und durch, sportlich-adrette Kleidung, goldene Uhr, und Monica, Barfuss-Bäuerin – und Ex-Frau von George – und ihre Geliebte Simon in Stiefeln und Latzhosen. Frauen diskutieren unter Frauen, Männer versuchen sich in Männergesprächen und Freundschaft und immer ist da irgendwo dieser George, der die ganze Gesellschaft mehr und mehr aufmischt, inklusive Tochter von Jörg und Jasmin. Impression zu Alle lieben GeorgeEr mischt sie aber nicht nur auf, er lockert sie auch auf, denn plötzlich sind Kathrins Haare offen, eine Blume steckt drin und der Ausschnitt geht vergleichsweise tief, die Barfussbäuerin hat sich herausgeputzt und trägt Schuhe, Jasmin ein enges, elegant und teuer aussehendes Kleid. Jede will auf ihre Art George erobern und ihn in seinen letzten Wochen begleiten.

 

 

 

Impression zu Alle lieben GeorgeDie Schauspieler sind alle grossartig, sie spielen nicht nur, sie sind ihre Figuren durch und durch. Gekonnt wird mit den Kostümen die langsame Veränderung angetönt. Es wird viel Klartext geredet, die Dialoge sind teilweise sehr witzig und brachten den einen oder anderen Szenenapplaus, das Publikum war begeistert. Und was schlussendlich mit George passiert ist, das müssen Sie schon selber herausfinden – ein Besuch lohnt sich, ein vergnüglicher Abend auf hohem Niveau ist garantiert; denn alle lieben eben George!

Trailer der Produktion: youtu.be/EfLkQ16cTcA

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: spielleute.ch/home/index.html

www.theaterpavillon.ch/

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Lucerne Festival im Sommer 2016, Erlebnistag – Konzert 5 Chamber Orchestra of Europe | Anu Tali | Yulianna Avdeeva, 21. August, besucht von Léonard Wüst

Chamber Orchestra of EuropeBesetzung und Programm:

Chamber Orchestra of Europe

Anu Tali  Dirigentin  Yulianna Avdeeva  Klavier

Eduard Tubin (1905–1982)
Estnische Tanzsuite

Frédéric Chopin (1810–1849)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll op. 11

Sergej Prokofjew (1891–1953)
Sinfonie Nr. 1 D-Dur op. 25 Symphonie classique

Rezension:

Es gab etliche Premieren an diesem Abend. Zum ersten Mal überhaupt, gelangten Werke des estnischen Nationalkomponisten Eduard Tubin (1905–1982) am Lucerne Festival zur Aufführung. Dabei stand im Konzertsaal des KKL mit Anu Tali (*1972), dessen Landsfrau, erstmals in Luzern am Dirigentenpult. Auch die russische Solistin am Piano Yulianna Avdeeva (*1985) bestritt ihr Debut. Die einzige Konstante an der Besetzung war das, im Jahre 1981 gegründete, routinierte Chamber Orchestra of Europe (COE).

Anu Tali DirigentinTubin bediente sich für viele seiner Kompositionen, wie z.B. auch Bela Bartok in Ungarn, Motiven aus Volksliedern seines Heimatlandes. Schön konstruierte Melodienbogen aufsteigend in höchste Lagen, abstürzend in tiefste Bässe, wechselten mit abrupten Tempowechseln, die Orchestrierung stark bläserlastig, kamen doch auch in der estnischen Volksmusik vor allem Blasinstrumente zum Einsatz. Dirigentin Anu Tali akzentuiert sehr viel mit dem Oberkörper, vor allem mit den Schultern, gibt sehr energisch die Marschrichtung an. Mit deutlich erkennbarer Gestaltungsfreude offerierte sie uns die estnische Musik, da schimmerte auch eine gehörige Portion Nationalstolz durch. Entsprechend enthusiastisch wurden die Protagonisten vom Auditorium mit Applauskaskaden überschüttet, was Anu Tali emotional sehr nahe ging, verdrückte sie sich doch eine Träne. In der kurzen Pause wurde der Konzertflügel von fleissigen Helfern auf seinen Platz gerollt, für das folgende Klavierkonzert Nr. 1 von Frédéric Chopin. Anu Tali kehrte zusammen mit Solistin Yulianna Avdeeva auf die Bühne zurück und geleitete das Orchester in die Partitur, während die russische Pianistin, gespannt wie die Sehne eine Pfeilbogens, auf dem Klavierschemel sitzend, ihren Einsatz abwartete. Leider übertrug die Dirigentin die Opulenz der Estnischen Tanzsuite etwas in Chopins Werk, das deshalb zuerst etwas mächtig daher kam. Dank der Souveränität, der Virtuosität und dem gestalterischen Können der aufstrebenden, sich an die absolute Weltklasse herantastenden Yulianna Avdeeva, hielt sich das leichte Erstaunen, damit der etwas getrübte Hörgenuss, in Grenzen. Das Publikum jedenfalls liess sich nicht davon abhalten, diese Pianosternstunde stehend zu applaudieren und die Protagonisten ausgiebig zu feiern.

Yulianna Avdeeva, Solistin am KlavierDie das Konzertprogramm abschliessende Sinfonie Nr. 1 von Sergej Prokofjew, war dann noch ein Schaulaufen der Künstler, die all ihre Qualitäten präsentieren und ihrer Spielfreude freien Lauf lassen konnten. Das Auditorium genoss und würdigte dieses ungewöhnliche Konzerterlebnis mit einem kräftigen, langanhaltenden Schlussapplaus.

Fazit: Sie war prima, diese Donna, auch die Donna am Piano entsprach voll dem Festivalmotto «Prima Donna».

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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