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Lifestyle

Luzerner Theater: Prometeo Eine Tragödie des Hörens von Luigi Nono, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Prometeo_Luzerner_Theater_©_David_RoethlisbergerProduktionsteam und Besetzung:

Musikalische Leitung: Clemens Heil Szenische Einrichtung: Benedikt von Peter Bühne: Natascha von Steiger Kostüme: Ulrike Scheiderer Kostüme: Andrea Pillen Video: Bert Zander Licht: David Hedinger Einstudierung Chor: Mark Daver Dramaturgie: Brigitte Heusinger Dirigent: Clemens Heil Dirigent II: Matilda Hofmann Dirigent II: Joachim Enders

Aki Hashimoto (Sopran I), Diana Schnürpel (Sopran II), Susanne Otto (Alt I), Karin Torbjörnsdóttir (Alt II), Denzil Delaere (Tenor), Caroline Vitale (Sprecherin), Robert Maszl (Sprecher), Roberto Fabbriciani (Flöte) (09.09. / 11.09. / 12.09.), Maruta Staravoitava (Flöte) (15.09. / 18.09. / 24.09. / 30.09. / 29.09. / 08.10. / 09.10. / 15.10.) , Andrea Nagy (Klarinette / Kontrabassklarinette), Jean-Philippe Duay (Posaune), Jozsef Bazsinka (Tuba / Euphonium)

Chor des Luzerner Theaters, Experimentalstudio des SWR, Luzerner Sinfonieorchester, Statisterie des Luzerner Theaters

 

Rezension:

Neu, ungewohnt, anders, faszinierend – so war der Auftakt der neuen Saison des Luzerner Theaters letzten Freitag anlässlich der Premiere des Werkes «Prometeo» von Luigi Nono. Bereits die Einführung zeigte, dass nichts mehr so ist wie es war: Anstatt im engen Gang des Obergeschosses fand sie  in der «Box» statt, mit Blick aufs Theater, auf die Menschen auf der Strasse, aufs Leben. Der «Einstieg» – im wahrsten Sinn des Wortes – erfolgt über die grosse Holztreppe vor dem Theater durchs Fenster ins Foyer. Durchs Fenster steigen sonst allenfalls Schauspieler auf der Bühne, nicht das Publikum, aber wie gesagt, nichts ist hier so wie es war.  Vor dem Einlass werden die Schuhe gegen Socken eingetauscht, das setzt schon mal alle irgendwie gleich, in den Saal, oder eben auf die Bühne, gelangt man durch Türen, die einen sonst verschlossen bleiben. Vorbei an Regiepulten und durch Gestänge kommt man an Orten vorbei, wo man normalerweise nie Einblick hat und findet sich voller Staunen im «Globe», dem Schiffsbauchähnlichen Raum, der so rein gar nichts mit dem üblichen Theatersaal zu tun hat. Jeder sucht sich seinen Platz, die Matratzen sind schnell belegt, man sitzt, hockt und liegt verteilt über den ganzen Theaterraum. Sogar der Geräuschpegel ist anders als sonst, teilweise auch verfremdet durch die Live-Elektronik des Experimentalstudios des SWR. Das einzig Bekannte dann kurz vor Beginn das Einstimmen der Instrumente. Dann wird es dunkel, Musiker und Sänger schälen sich aus dem Dunkel oben in den Balkonen, sitzen wie in einem Guckkasten dort, wo sonst das Publikum sitzt.

Anfänglich hat das Ungewohnte etwas Anstrengendes, man muss sich zuerst finden in der Sitzsituation, der Anordnung, muss klarkommen mit all diesen Leuten, die da kreuz und quer verteilt herumsitzen, muss sich einlassen auf diese langsame, beinahe durchscheinende Musik, dem «Nichtgeschehen». Dann aber verliert man sich je länger je mehr in den Tonlandschaften dieser Tragedia d’Ascolta, dieser Hörtragödie. Stimmen übergeben an Instrumente, überlagern sich, fliessen ineinander und in die Stille. Mal flüstern die Instrumente, mal keuchen, schnarren, heulen sie. Sirrende, sphärische Instrumentalstücke wechseln mit glasklaren Stimmen und man versteht den Hinweis im Programm, dass die Sänger sich nur «mit einem halben Stimmband durch die Komposition bewegen». Unglaublich, dass man so leise und gleichzeitig so präsent, so präzise und trotzdem so ausdrucksvoll singen kann. Die Musik scheint sich um sich selber zu drehen, fliesst durch’s Rund der oberen Ränge des «Globes», eine beinahe pausenlose, zweieinhalb Stunden dauernde Klanglandschaft. Zwei Mal kann man die Position wechseln, ab und zu bieten schwarz-gekleidete Frauen Wasser in weissen Plastikbechern an, legen Militär-Decken über nackte Beine, fürsorglich, mit unglaublich langsamen Bewegungen, entschleunigt wie die Musik.

Verstehen tut man wenig, das Lesen der eingeblendeten Texte ist kaum möglich, schieben sie sich doch über die Holzverkleidung, kriechen den Säulen entlang in die Höhe, umschlingen sie, legen sich als Tapete auf die Wände, um danach wie ein Wasservorhang in sich selber zu verfallen. Buchstabenteppiche legen sich über das Publikum und es entstehen faszinierende Zufallsbilder, ein «O» perfekt über dem Ausschnitt einer Zuschauerin, ein «he» auf dem Hemd ihres Nachbars, ein Streifenmuster auf einem schwarzen T-shirt.

Fasziniert, gefangen im Zuhören, ergibt man sich immer mehr, vergisst Ort und Zeit. Und wenn das Ohr zum Zentrum geworden ist, wie Benedikt von Peter erklärt, erreicht man eine Art Durchlässigkeit, eine Entrücktheit, eine Läuterung. Im letzten Stück «In der Wüste sind wir unüberwindbar» bleiben die Stimmen wie eine Fata Morgana flirrend und transzendent im Rund hängen und wenn der Dirigent langsam seinen Taktstock senkt und das Licht ausgeht, wirkt der aufbrausende Applaus anfänglich wie eine Ernüchterung und der Freitagabendrummel und der Autolärm draussen irgendwie unwirklich.

Es braucht etwas Zeit und Offenheit, um sich auf diesen «Prometeo» einzulassen, dann ist das Hörerlebnis aber einzigartig und in dieser Form, wenn überhaupt, wohl lange nicht mehr möglich.

Impressionen vom Entstehen der benötigten Infrastruktur:

vimeo.com/181510639?from=outro-embed

vimeo.com/180170993?from=outro-embed

Fotodiashow von DavidRoethlisberger Luzerner Theater

fotogalerien.wordpress.com/2016/09/10/luzerner-theater-promoteofotodiashow-von-davidroethlisberger/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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Lucerne Festival zieht erfreuliche Bilanz mit 90 Prozent Auslastung

Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim c Peter FischliAm heutigen Sonntagabend endet das diesjährige Lucerne Festival im Sommer. Insgesamt kamen 77ʼ900 Besucher aus 49 Ländern zum Sommer-Festival nach Luzern, das über vier Wochen und fünf Wochenenden vom 12. August bis 11. September unter dem Motto «PrimaDonna» 88 künstlerische Zahl- und 24 Gratis-Veranstaltungen präsen­tierte. Die 88 Verkaufsveranstaltungen waren zu 90 Prozent ausgelastet und verzeichneten 64ʼ900 Besucher, 25 der Veranstaltungen waren ausverkauft. Zu den 24 Gratis-Veranstaltungen kamen 13ʼ000 Interessierte. Die Auslastung der 29 Sinfoniekonzerte betrug durchschnittlich 94 Prozent. Sehr beliebt war der Erlebnistag am 21. August mit 4ʼ800 verkauften Karten, zur Gratis-Reihe «40min» kamen 4ʼ600 Interessierte ins KKL Luzern, das Eröffnungskonzert verfolgten insgesamt 1ʼ500 Personen beim Public Viewing auf dem Inseli.

Grosser Festival-Abschluss am kommenden Wochenende
Mit einem vielfältigen künstlerischen Konzert-Wochenende geht das Festival morgen und über­morgen zu Ende: Am heutigen Abend tritt Simone Rubino, der Gewinner des diesjährigen «Credit Suisse Young Artist Award», als Solist des zweiten Konzerts der Wiener Philharmoniker auf, es dirigiert Tugan Sokhiev. Die Premiere von Luigi Nonos Prometeo, die diesjährige Kooperation mit dem Luzerner Theater, findet ebenfalls heute Abend statt. Am Samstag feiert um 11 und 15 Uhr die neue Young Performance-Produktion «Divamania» Premiere, das Spyros-Klaviertrio ist um
11 Uhr und die Berliner Philharmonikerinnen sind um 16 Uhr im MaiHof zu erleben, Daniel Barenboim dirigiert die Staatskapelle Berlin am Samstagabend im KKL Luzern. Beim Abschluss­konzert am Sonntag um 17 Uhr steht die monumentale Turangalîla-Sinfonie von Olivier Messiaen auf dem Programm: Der Pianist Jean-Yves Thibaudet und Cynthia Miller sind die Solisten des Konzerts des Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela, das von Gustavo Dudamel geleitet wird.

Festival-Thema «PrimaDonna»
Lucerne Festival rückte unter dem Motto «PrimaDonna» die Rolle der Frau in der Musik in den Mittelpunkt: Von elf Dirigentinnen, die das Festival im Sommer-Programm vorstellte, traten allein fünf beim grossen Erlebnistag am 21. August auf: Konstantia Gourzi, Mirga Gražinytė-Tyla, Anu Tali, Maria Schneider und Elena Schwarz. Der Erlebnistag stiess auf höchstes Interesse: Rund 4ʼ800 Karten konnten bei den sechs Konzerten und den zwei «Young»-Veranstaltungen ver­zeichnet werden, rund 200 Interessierte kamen zum Diskussions-Panel am Nachmittag. Olga Neuwirth war «composer-in-residence» des Sommers 2016, sieben ihrer Werke waren in sechs Konzerten zu erleben. Bedeutende Komponistinnen der letzten Jahrhunderte wie Ethel Smyth, Fanny Mendelssohn oder Clara Schumann wurden im Laufe des Festivals vorgestellt. Als «artistes étoiles» standen alle weiblichen Künstlerinnen im Fokus des Sommers, darunter Iveta Apkalna, Martha Argerich, Cecilia Bartoli, Isabelle Faust, Sol Gabetta und Anne-Sophie Mutter, die gleich mit drei Konzerten ihr 40-jähriges Luzerner Bühnenjubiläum feierte. In der weiblich besetzten Debut-Reihe stellten sich Tianwa Yang, Asya Fateyeva, Harriet Krijgh, das Trio Rafale, Hagar Sharvit und das Quatuor Zaïde vor. Mit Elim Chan debutierte zum ersten Mal eine junge Dirigentin. Weitere Projekte wie «Soundzz.z.zzz…z», die Kooperation mit dem Kunstmuseum Luzern, oder das NZZ-Podium mit Martin Meyer stellten ebenfalls das Thema «PrimaDonna» in den Mittelpunkt.

Sinfonieorchester-Höhepunkte und Antritt von Riccardo Chailly
Bei den 29 Sinfoniekonzerten der weltweit renommiertesten Orchester betrug die durchschnitt­liche Auslastung 94 Prozent. Insgesamt waren elf dieser Konzerte ausverkauft, darunter die beiden eröffnenden Abende mit dem Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Riccardo Chailly, die beiden Konzerte des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim, der Auftritt des Mahler Chamber Orchestra unter Barbara Hannigan, die beiden Konzerte der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle und das Konzert des Or­chesters der Lucerne Festival Academy unter der Leitung von Alan Gilbert mit Anne-Sophie Mutter als Solistin. Mit Emmanuelle Haïm dirigierte erstmals eine Frau die Wiener Philharmoniker in Luzern, Marin Alsop leitete das São Paulo Symphony Orchestra. Die renommiertesten männ­lichen Dirigenten traten ebenfalls aufs Podium, so zum Beispiel Bernard Haitink, der sein
50. Luzerner Bühnen-Jubiläum feierte. Ausserdem waren Daniele Gatti, Kirill Petrenko, Valery Gergiev, Yannick Nézet-Séguin, Herbert Blomstedt und Tugan Sokhiev zu erleben.

Start der neuen Ära der Lucerne Festival Academy
An der diesjährigen Lucerne Festival Academy nahmen 129 Orchestermusiker aus 28 Nationen im Alter zwischen 17 und 32 Jahren, zwölf junge Komponisten, fünf Nachwuchs-Dirigenten und
zwölf Alumni teil. Erstmals fand die Akademie unter der Leitung ihres neuen Künstlerischen Leiters Wolfgang Rihm statt, der ein neues Composer Seminar ins Leben rief. Matthias Pintscher, der neue Principal Conductor der Lucerne Festival Academy, dirigierte die Eröffnung mit dem Ensemble intercontemporain und leitete das Akademie-Orchester in einem Programm mit Werken von György Ligeti, Mark Andre und Igor Strawinsky. Dieses Konzert wurde am 6. September als Eröffnungskonzert der Hamburger Elbphilharmonie in der Laeiszhalle wiederholt. Alan Gilbert leitete einen Meisterkurs Dirigieren und Susanna Mälkki erarbeitete mit dem Orchester Olga Neuwirth’s Uraufführung Trurliade-Zone Zero (Roche Commissons). Die Teilnehmer der Aka­demie waren in insgesamt 14 Konzerten zu erleben, darunter in vier «40min»-Konzerten und in drei Sinfoniekonzerten.

Mit 4’600 Besuchern sehr beliebt waren auch in diesem Sommer die «40min»-Konzerte im Lu­zerner Saal des KKL Luzern. Durchschnittlich kamen rund 460 Besucher pro Abend, drei waren bis auf den letzten Platz belegt. Die Hälfte der «40min»-Veranstaltungen präsentierte zeitge­nössische Musik. Im Foyer des KKL Luzern wurde das «Interval» eingeweiht – in der neuen Lounge, die als Begegnungsort für Publikum und Musiker gestaltet wurde, trafen sich Musik­interessierte sowohl vor als auch nach den Konzerten.

Die 20 Konzerte der Reihe «Young» waren mit insgesamt 91 Prozent Auslastung sehr gut besucht, präsentiert wurden insgesamt fünf Produktionen. 14 Termine waren ausverkauft, da­runter die Sitzkissenkonzerte der Produktion «Goldmädchen»und acht Vorstellungen der «Aufziehprinzessin», der diesjährigen Kooperation mit dem Figurentheater Petruschka. «Divamania», die neue Young Performance-Produktion mit sechs Musikern und zwei Tänzern, wird am kommenden Samstag, um 11.00 Uhr und um 15.00 Uhr uraufgeführt. Im Frühjahr 2017 geht die Produktion dann auf Schweiz-Tournee nach Verscio, Zug, Chur, Genf, Solothurn und Zürich. Rund 2ʼ350 Schülerinnen und Schüler aus 120 Schulklassen kamen darüber hinaus zu den 18 Schulvorstellungen und vier Workshops.

Als ein Highlight im Bereich Moderne war die Uraufführung des burlesken Musiktheaters Die Künstliche Mutter von Michel Roth zu erleben. Beide Vorstellungen waren voll belegt. Von insge­samt 15 Uraufführungen, die im Rahmen des Sommer-Festivals im Programm standen, erklangen acht Uraufführungen junger internationaler Komponisten im Rahmen des Kompositionswettbe­werbs des Schweizerischen Tonkünstlervereins. Am Erlebnistag dirigierte Konstantia Gourzi die Premiere eines eigenen neuen Werks für das Orchester der Lucerne Festival Academy. Der Perkussionist Victor Hanna spielte das neue Schlagzeugkonzert Trurliade-Zone Zero von «composer-in-residence» Olga Neuwirth.

Bereits zum vierten Mal fand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Luzern der Wettbewerb «Soundzz.z.zzz…z» statt. Gespräche mit Künstlerinnen bilden die Basis des experimentellen dokumentarisch-künstlerischen Projekts von Sophia Martell und Silke Strahl zum Festival-Thema «PrimaDonna», das am kommenden Sonntag um 15 Uhr im Kunstmuseum erneut zu erleben ist.

Sehr gut frequentiert mit rund 5ʼ300 Personen war das Festival «In den Strassen» vom 23. bis 28. August mit acht Weltmusik-Ensembles. Rund 300 Besucher kamen zu den zwei Konzerten an der Freiluft-Bar auf dem Inseli «Zu Gast bei der Buvette».

Radio SRF2 Kultur zeichnete 23 Konzerte auf, die zum Teil weltweit übertragen wurden und sen­dete sechs dieser Konzerte live, darunter das Eröffnungskonzert am 12. August, das auch zeit­versetzt am gleichen Abend auf SRF1 gezeigt wurde und als Live-Stream bei arte.tv zu erleben war. Das zweite Konzert der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle am 31. August wurde ebenfalls live auf concert.arte.tv gestreamt. Die 52-minütige TV-Dokumentation Maestras von SRF/Accentus Music, die während des Sommer-Festivals gedreht wurde, wird am Sonntag,
9. Oktober 2016, auf SRF1 in der Sendung Sternstunde Musik um 11.55 Uhr und um 23.20 Uhr zu sehen sein.

Hauptsponsoren      Credit Suisse | Nestlé AG | Roche | Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG

Themensponsor       Vontobel

Konzertsponsoren    Bucherer AG | Clariant | Franke | Givaudan | KPMG AG | Ringier AG

Aktuelle Filme zu Lucerne Festival auf Youtube unter www.youtube.com/lucernefestival

Background-Informationen und Berichte im Lucerne Festival Blog unter blog.lucernefestival.ch

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Lucerne Festival Sommer 2016, Sinfoniekonzert 21 Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY | Alan Gilbert | Anne-Sophie Mutter, 4. September, besucht von Léonard Wüst

Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Besetzung und Programm:

Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY

Alan Gilbert  Dirigent  Anne-Sophie Mutter  Violine

Alban Berg (1885–1935)
Konzert für Violine und Orchester „Dem Andenken eines Engels“

Norbert Moret (1921–1998)
„En rêve“ für Violine und Kammerorchester

Arnold Schönberg (1874–1951)
„Pelleas und Melisande“ op. 5

Rezension:

Anne-Sophie Mutter, geboren im badischen Rheinfelden, feiert in diesem Jahr ihr 40. Bühnenjubiläum bei Lucerne Festival. 1976 begann die damals 13-Jährige hier ihre Karriere im Rahmen der Reihe «Junge Künstler»; ein Jahr später trat sie als Solistin bei den Salzburger Pfingstkonzerten unter Herbert von Karajan auf. Debut bei Lucerne Festival (IMF) am 23. August 1976 mit Werken von de Falla, Paganini und Sarasate, begleitet am Klavier von Christoph Mutter, ihrem, zum Konzertpianisten ausgebildeten Bruder. 

Festivalintendant Michael Häfliger begrüsste das Publikum und erklärte, dass die Abfolge der Werke wie folgt geändert werde: Vor der Pause Norbert Moret  „En rêve“, dann Alban Berg „Dem Andenken eines Engels“, nach der Pause Arnold Schönbergs „Pelleas und Melisande“. Der Konzertsaal, sogar die Plätze bei der Orgelempore, restlos ausverkauft.

Anne Sophie Mutter, Dem Andenken eines Engels,Alban Berg Copyright Priska Ketterer LUCERNE FESTIVALDann betrat die Solistin, in flammendes Rot gekleidet, zusammen mit Dirigent Alan Gilbert die Bühne und zelebrierte das, von Norbert Moret für sie im Jahre 1988 komponierte Konzert. «Ein grossartiges, wenn auch kurzes Werk, farbig und raffiniert geschrieben», schwärmt die Widmungsträgerin. So war denn der erste Satz sphärisch, nebulös, gleichsam dampfendem Licht. Im zweiten Satz, dieses transparent Schimmernde ergänzend, feine Vibraphonsequenzen im Zusammenspiel mit der schwingenden Violine, die auch mal leicht klagend daherkam. Mutters besinnlich einschmeichelnder Ton überzeugte einmal mehr und macht ihre Interpretationen so einzigartig. Dass begeisterte Publikum bedankte sich mit langanhaltendem tosenden Applaus. Ebenso überzeugend agierten Solistin und Orchester bei einem der bekanntesten Werke der zweiten Wiener Schule, „Dem Andenken eines „Engels“, von Alban Berg. Ob früher, als umjubeltes Wunderkind und Karajan Zögling, oder heute, als gefeierter etablierter Weltstar, Ann Sophie Mutter weiss das sachkundige Auditorium immer wieder zu begeistern und darf dafür auch immer grossen Applaus ernten. So begab man sich emotional aufgewühlt und begeistert vom Gebotenen in die Pause.

2. Konzertteil mit „Pélleas und Melisande“ von Arnold Schönberg

Dirigernt Alan Gilbert c  Georg AnderhubZuerst demonstrierten Alan Gilbert und das Orchester in kurzen Sequenzen, wie die Leitmotive geschrieben sind, welches für wen oder was steht und wie Schönberg sie miteinander verflochten, oder gegenseitig überlagert hat. Damals war Schönberg noch nicht der Wegbereiter und Initiant der Zwölftontechnik, sondern eher der noch  konservative Revolutionär, der aus dem Vollen schöpfte, sei es vom Aufbau des Werkes her. Da bediente er sich Elementen seines Förderers Richard Strauss, Kompositionsgerüsten des späten Brahms und auch beeinflusst von Schuberts Klangkonstruktionen, aber alles so, dass sämtliche Spielräume geöffnet bleiben für seinen konstruktiven Ehrgeiz, seine künstlerische Freiheit, Freiräume, die vieles andeuten, aber nichts festlegen oder gar vorschreiben. Also hintergründig doch ein Schritt in seine zukünftige Tonwelt, in den Aufbruch zu neuen Klangwelten, die die zweite Wiener Schule begründen wird. Alan Gilbert, hauptberuflich Chef der New York Philharmonic, geleitete das Orchester in eine wahre Klangorgie, ein fast archaischer Ausbruch der Emotionen, überbordend ausufernd, dennoch fein ziseliert und facettenreich. Der stürmische Schlussapplaus, teilweise stehende Ovation, liess einem fast vergessen, dass wir im ersten Konzertteil ebenfalls eine Weltklassedarbietung geniessen durften.

Fotodiashow von Priska Ketterer Lucerne Festival:

fotogalerien.wordpress.com/2016/09/05/sinfoniekonzert-21-orchester-der-lucerne-festival-academy-alan-gilbert-anne-sophie-mutter/

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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Besuch der Bayreuther Festpiele für den Gesamtring, 6. bis 13. August 2016 durch Léonard Wüst

Festspielhaus BayreuthDie Anreise mit dem Auto ins bayerische Oberfranken von Luzern aus dauert etwas über acht Stunden, doch um den wagnerschen Gesamtring auf dem grünen Hügel mal live zu erleben, würde sich diese lange Autofahrt wohl sicher lohnen.

Bei einer Aufführungsdauer aller vier Ring Opern von zusammen gegen 18 Stunden, war die Verhältnismässigkeit in etwa gewahrt.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte aus Respekt vor den Opfern des Anschlags in München seine Teilnahme an der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2016, sowie den geplanten Staatsempfang im Anschluss an die Premiere abgesagt. Die Sicherheitsvorkehrungen vor Ort wurden massiv heraufgefahren, die Besucher bis zu dreimal kontrolliert.

Auch dieses Jahr waren im Vorfeld der Festspiele in Bayreuth wieder diverse unvorhersehbare Sachen passiert, gab’s diesen oder jenen kleinen, mal grösseren Eklat. So verabschiedete sich Andris Nelsons, der zur Eröffnung der diesjährigen Festspiele den „Parsifal“ dirigieren sollte, ohne eigentliche Erklärung.Impression vom grünen Hügel Er tauchte schlicht und einfach nicht mehr zu den Proben auf. Dies liess natürlich die Spekulationen über die Gründe wild wuchern, es kursierten die verschiedensten Gerüchte, u.a. Nelsons habe unterschiedliche musikalische Ansichten als Thielemann, bis anhin alle unbestätigt. Nelsons konnte kurzfristig durch Hartmut Haenchen ebenbürtig umbesetzt werden.

Impression vom grünen HügelFestspieldirektorin Katharina Wagner, Urenkelin des Komponisten und Musikdirektor Christian Thielemann, beide seit 1. September 2015 in Amt und Würden, scheinen gut aufeinander abgestimmt.

Gut vorbereitet und informiert starteten wir am Tag nach der Anreise mit der ersten der vier Opern des „Rings“, „Das Rheingold“, die mit einer Spieldauer von ca. 2 ½ Stunden (ohne Pause), die kürzeste ist. Ungefähr eine Stunde vor Beginn vor Ort, begutachteten wir das alljährliche Schaulaufen der Eitelkeiten auf dem grünen Hügel.

Erstaunlicherweise gibt es keinen Dresscode an den Festspielen, aber fast alle hielten sich an ungeschriebene Gesetze, also festliche Kleidung, Herren mit Fliege oder Krawatte, aber auch ein paar Schotten erhielten problemlos Zutritt in ihren Kilts.

Die Rezensionen der vier Ring – Opern erfolgt dann kontinuierlich chronologisch in separaten Artikeln

Das Rheingold, 7. August 2016:

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87226800-bayreuther-festspiele-das-rheingold-7-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Die Walküre, 8. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87227034-die-walkuere-bayreuther-festspiele-8-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Siegfried, 10. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87227253-siegfried-bayreuther-festspiele-10-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Götterdämmerung, 12. August 2016

https://www.bochumer-zeitung.com/magazin/lifestyle/87227404-goetterdaemmerung-bayreuther-festspiele-12-august-2016-besucht-von-leonard-wuest

Kleiner Trailer über das Festspielhaus Bayreuth

bayreuth.de/tourismus-kultur-freizeit/veranstaltungen/richard-wagner-festspiele-in-bayreuth/bayreuth-filme/

Näheres zu Andris Nelsons Abgang:

welt.de/kultur/buehne-konzert/article156704933/Eklat-in-Bayreuth-Parsifal-ohne-Dirigent.html

Text: leonardwuest.ch

Impression vom grünen HügelFotos: bayreuther-festspiele.de/deutsch/deutsch_2.html

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