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Digitalisierung neben Gemeinwohlorientierung und Quartiersentwicklung Schlüssel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme

Globale Studienergebnisse belegen:

- Digitalisierungs-Optionen nehmen rasant zu und unterstützen bei der
Personalgewinnung und -bindung wie in der Pflege

- Quartiersentwicklung gilt global als ein entscheidender Hebel zur Lösung
gesellschaftlicher Herausforderungen

- Vorständin Dürig: „Die Sozialwirtschaft braucht ein Investitionsprogramm
für mehr Digitalisierung“

Digitalisierung ist neben Gemeinwohlorientierung und Quartiersentwicklung
Schlüssel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Das zeigt eine aktuelle
Studie „Wirkungsvolle Zukunft der Wohlfahrtspflege“ der Steinbeis School
of International Business and Entrepreneurship (SIBE), Herrenberg im
Auftrag des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg, die jetzt
den über 900 Mitgliedsorganisationen vorgestellt wurde. Die Studie
beleuchtet Lösungsansätze vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen
und Herausforderungen im Bereich der Wohlfahrtspflege, insbesondere im
Hinblick auf den demografischen Wandel, die zunehmende Digitalisierung und
den Fachkräftemangel. Dazu wurden 284 Mikrotrends aus insgesamt 29
Ländern, Impulse von 12 Expert*innen und 30 Seiten Tiefenanalyse zu
ausgewählten Themenstellungen ausgewertet.

Förderung von Digitalisierung in der Sozialwirtschaft ist zwingend

Sozialpolitische Vorständin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-
Württemberg, Uta-Micaela Dürig, unterstrich: „Mit der global angelegten
Studie haben wir wichtige Impulse zusammengetragen. Insbesondere zeigt
sich, dass die maßgeblichen Erfolgsfaktoren zur Bewältigung der aktuellen
Herausforderungen Digitalisierung, eine verstärkte Gemeinwohlorientierung
und Quartiersentwicklung sind. Ein spezifisches Investitionsprogramm für
mehr Digitalisierung in der Sozialwirtschaft ist ein Muss, wenn wir
Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen, dem Personalmangel begegnen und
den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land stärken wollen.
Investitionen in die Soziale Arbeit sind Zukunftsinvestitionen.“ Daran zu
sparen, sei kontraproduktiv: „Die globale Studie zeigt, dass sich
Investitionen in Soziale Arbeit rechnen, weil auch gesellschaftliche
Folgekosten eingespart werden können. Der Social Return on Investment
(SRoI) ist messbar!“, so Dürig.

„Zur Nutzung der enormen Chancen durch den Einsatz von KI und
Digitalisierung in der Sozialen Arbeit braucht die Sozialwirtschaft aber
eine entsprechende Förderung: Ein Sozialer Digitalisierungs-Pakt ist für
die Sozialwirtschaft dringend notwendig. Mit der erforderlichen
finanziellen Unterstützung kann dann Digitalisierung verstärkt erprobt und
schneller eingesetzt werden, wie wir dies im Ausland längst sehen“, so die
Vorständin. Das kürzlich eröffnete zweite KI-Studio in Stuttgart sei ein
wichtiger Schritt zum Wissensaufbau, reiche aber nicht, um Digitalisierung
flächendeckend einsetzen zu können.

Dr. Ineke Blumenthal, Projektleiterin der Studie, sagte: „Die Studie zeigt
auf, dass die Digitalisierung die freie Wohlfahrtspflege vielfältig bei
der Zukunftsgestaltung unterstützen kann. Gleichzeitig legen die
Ergebnisse nahe, dass es weiterhin entscheidend auf den Menschen ankommt
und wie er neue Möglichkeiten der digitalen Infrastruktur einsetzt, um
Gemeinschaft aktiv zu gestalten. Es scheint nur konsequent,
Digitalisierungspotenziale gemeinsam mit den vielfältigen Akteuren der
freien Wohlfahrtspflege in verschiedensten Projekten zu erschließen."

Die Kernergebnisse und Beispiele der Studie sind:

Digitalisierung/Digitale Hilfsmittel:

- Digitale Hilfsmittel bieten insbesondere Potenzial, Akteure im
Wohlfahrtssystem zu entlasten, Personalgewinnung und -bindung zu fördern
sowie Rekrutierungsvorhaben zu unterstützen:

- Personalbindung und –gewinnung
- Die Onboarding-App aus Österreich insbesondere für neue mobile
Pfleger*innen in der ambulanten Pflege: Alle wichtigen Informationen sind
komfortabel über die App mobil erhältlich und direkte Hilfestellungen
abrufbar bzw. direkte Unterstützung erhältlich. Damit ist niemand
insbesondere in den ersten Wochen allein und Unsicherheiten werden gerade
zu Beginn der Tätigkeit minimiert, weil beispielsweise Wissensmanagement
bis Kontaktdaten zu allen Kolleg*innen direkt abrufbar sind.

- Attraktivität als Arbeitgeber:
- Der Einsatz von Virtual Reality zur Darstellung von Einrichtungen, der
reale Begebenheiten und Alltagssituationen erlebbar macht und ermöglicht,
teils auch schon in Kontakt mit dem jeweiligen Arbeitsteam in
Alltagssituationen zu kommen.

- Digitalisierung in der Pflege
Insbesondere für die häusliche Pflege und Betreuung werden zunehmend
Services über digitale Anwendungen organisiert und intelligente Produkte
sowie vernetzte technische Systeme entwickelt wie z. B. Roboterlösungen;
Ziel dabei vor allem: den stationären Betreuungsbedarf zu reduzieren und
möglichst lange die Selbständigkeit bis ins hohe Alter zu fördern; dies
wird beispielsweise unterstützt durch ein vernetztes, intelligentes
Management der Schnittstellen zu Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.
- Es gibt einen amerikanischen KI-Ansatz für einen intelligenten Schrank
für Demenzkranke oder auch virtuelle Assistent*innen für pflegende
Angehörige.‘
- Künstliche Intelligenz unterstützt bei Planung, Diagnose, Prävention;
KI-Anwendungen zielen beispielsweise darauf ab, das Wohlbefinden zu prüfen
und zu verbessern sowie Entscheidungen zu unterstützen und zu
beschleunigen; gerade auch Big Data-Anwendungen für verschiedene
Lebensphasen und Krankheitsbilder entstehen zur Zeit weltweit mit großem
Potenzial und in rasantem Tempo, insbesondere von Unternehmen aus dem IT-
Sektor, aber auch lokal, teils von gemeinnützig agierenden Initiativen,
die ganz pragmatische Ansätze gestalten und einführen.
- Der Zugang zu verschiedenen Ärzt*innen und Heilberufen wird durch
digitale Lösungen unterstützt und ortsunabhängig möglich.
- Echtzeit-Sprachübersetzung unterstützt die Integration und den
schnelleren Einsatz ausländischer Arbeitskräfte sowie bei der
Dokumentation in z.B. Pflegeeinrichtungen.

Gemeinwohlorientierung:
- Die Gestaltung der Wohlfahrt und die Lösung gesellschaftlicher
Herausforderungen werden zunehmend in vielen Ländern der Welt als
gemeinschaftliche Aufgabe einer Gesellschaft angesehen, somit im
Zusammenspiel aller Sektoren.

Quartiersentwicklung:
- Weltweit entstehen Lösungsansätze zur Entwicklung von
Unterstützungsnetzwerken im Quartier und spezifische Quartiersentwicklung,
um gesellschaftliche Herausforderungen trotz Fach- und
Arbeitskräfteentwicklung sowie demografischen Wandels begegnen zu können.

Mikrotrends geben Impulse für Veränderungen und Innovationen

„Ziel der Studie ist es nicht, die Zukunft vorherzusagen, sondern sich
systematisch und wissenschaftlich fundiert mit sogenannten Mikrotrends
auseinanderzusetzen. Dies sind erste konkrete Anzeichen für Trends, die
sichtbar werden in konkreten Anwendungsfällen. Letztlich hilft die
Auseinandersetzung mit Mikrotrends und durch Handeln in der Gegenwart, die
Zukunft zu gestalten, die wir uns wünschen“, sagt Heiko von der Gracht,
Professor für Zukunftsforschung, der den Projektprozess und die Methodik
der Studie begleitet hat.

Hintergrund zur globalen Forschungsstudie „Wirkungsvolle Zukunft der
Wohlfahrtspflege“

Die Erhebung der globalen Forschungsstudie wurde in der Zeit von Mitte Mai
2023 bis Ende Dezember 2023 erstellt. Auf Basis der Ergebnisse werden nun
ab Februar 2024 u.a. Zukunftslabore vom Paritätischen Landesverband mit
internen wie externen Experten u.a. vom baden-württembergischen
Landeszentrum für Pflege und Digitalisierung durchgeführt, um konkrete
Ableitungen und Vorgehensweisen zu definieren.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg - gegründet 1948 -
ist einer der sechs anerkannten Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege. Er ist konfessionell, weltanschaulich und
parteipolitisch unabhängig. Er steht für Solidarität, soziale
Gerechtigkeit und Teilhabe und wendet sich gegen jegliche Form sozialer
Ausgrenzung. In den kommenden Jahren wird sich der Paritätische Baden-
Württemberg verstärkt drei Strategiefeldern widmen: - Zusammenhalt in
einer vielfältigen, inklusiven und offenen Gesellschaft - zukunftsfähige
Lebensräume - Soziale Innovationen. Ihm sind in Baden-Württemberg über 900
selbständige Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 2000 sozialen
Diensten und Einrichtungen angeschlossen sowie rund 50.000 freiwillig
Engagierte und 80.000 Hauptamtliche. Weitere Infos unter https://www
.paritaet-bw.de

Die Steinbeis School of International Business and Entrepreneurship (SIBE)
ist seit 30 Jahren kompetenter Partner für Business Management &
Leadership. Mit der Erfahrung aus über 5.000 realisierten Projekten
unterstützen wir Unternehmen dabei, Innovationsimpulse und -ideen zur
Umsetzung inkrementeller, radikaler und disruptiver Lösungen zu gestalten.
Die SIBE steht für eine erfolgreiche, lösungsorientierte Projektbegleitung
und Studienprogramme für ein nachhaltiges, bedarfsgerechtes
Talentmanagement. Weitere Infos unter https://www.steinbeis-sibe.de

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Eine klimaneutrale Industrie braucht schnelle Genehmigungsverfahren: NRW.Energy4Climate veröffentlicht Diskussionspapier

Für die Transformation der Industrie hin zur Klimaneutralität sind zügige
Genehmigungsverfahren eine zentrale Rahmenbedingung. Denn sie bestimmen
darüber, ob notwendige Maßnahmen schnell umgesetzt werden können. Mit dem
heute veröffentlichten Diskussionspapier legt die unter dem Dach der
Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate arbeitende Initiative IN4climate.NRW
konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung des Rechtsrahmens vor.

EnWG, UVPG, BImSchG, BauGB: Diese Kürzel stehen für Bundesgesetze, die
erheblichen Einfluss auf die Dauer von Genehmigungsverfahren nehmen
können. Um die Industrie beim klimaneutralen Umbau bestmöglich zu
unterstützen, ist es notwendig, diesen bestehenden Rechtsrahmen
weiterzuentwickeln. Hier setzt das Diskussionspapier „Vorschläge zur
Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für die Transformation der
Industrie zur Klimaverträglichkeit“ an: In fünf Themenfeldern formuliert
das Papier Vorschläge zur Änderung des Bundesrechts. Ausgangspunkt sind
dabei Praxiserfahrungen der energieintensiven Grundstoffindustrie und der
zugehörigen Infrastruktursektoren.

Samir Khayat, Geschäftsführer von NRW.Energy4Climate: „In unserer
Initiative IN4climate.NRW bringen wir Wissenschaft, Politik und Wirtschaft
an einen Tisch und erarbeiten Lösungsansätze, um den klimaneutralen Umbau
der Industrie in der Praxis umzusetzen. Schnelle Genehmigungsverfahren
sind hierbei von ganz zentraler Bedeutung. In dem Diskussionspapier machen
wir konkrete Vorschläge, die echtes Beschleunigungspotenzial haben. Denn
notwendige Umbaumaßen müssen, unter Wahrung der rechtlichen Vorgaben,
zeitnah und zielgerichtet umgesetzt werden können.“

Den Diskussionsbeitrag hat IN4climate.NRW gemeinsam mit Partnerunternehmen
in der Arbeitsgruppe „Genehmigungsverfahren“ erarbeitet. Hierzu gehören
Heidelberg Materials, thyssenkrupp Steel, Open Grid Europe und das
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT.

Prof. Dr.-Ing. Ulrich Seifert vom Fraunhofer UMSICHT und einer der
Autoren: „Die grundsätzliche Passfähigkeit der Vorschläge in den
bestehenden Rechtsrahmen und plausibel darstellbare Bezüge zu
übergeordneten, rechtsverbindlichen Zielen des Klimaschutzes waren die
Leitmerkmale, um aus den beigesteuerten Hinweisen und Empfehlungen der
Industriepartner eine Auswahl treffen und ausformulieren zu können.  Die
Vorschläge konzentrieren sich auf mögliche Änderungen des Bundesrechts, da
in erster Linie eine bundeseinheitliche Beschleunigung von Fachverfahren
angestrebt werden sollte, die allen Betroffenen in der Praxis zugutekommt.
Sie folgen dem erkannten Bedarf, Transformationsvorhaben in der Breite den
Weg zu ebnen und dabei auch notwendige Infrastrukturen einzubeziehen.“

Einige der in dem Papier enthaltenen Vorschläge sind bereits Gegenstand
laufender Prozesse zur Gesetzesnovellierung, zu welchen das Papier durch
die Einbettung in Praxiserfahrungen einen ergänzenden Beitrag leisten
möchte. Die Vorschläge sind in die Themenfelder Energiewirtschaftsgesetz
(EnWG), Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG), Bundes-
Immissionsschutzgesetz (BImSchG), Baugesetzbuch (BauGB) und Übergreifendes
untergliedert. Jedem Änderungsvorschlag wird eine kurze Beschreibung der
rechtlichen Situation vorangestellt, die die Problematik mit dem Blick auf
zügige Genehmigungsverfahren veranschaulicht. Dem einzelnen
Änderungsvorschlag folgt die juristische Begründung.

Hintergrund – IN4climate.NRW:
IN4climate.NRW ist als Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen
eine zentrale Arbeitsplattform rund um Klimaneutralität in der Industrie.
Unter dem Dach der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz
NRW.Energy4Climate bringt der Thinktank Wirtschaft, Wissenschaft und
Politik zusammen, um die klimaneutrale Transformation der produzierenden
Branchen voranzutreiben. Mittlerweile engagieren sich mehr als 70
Industriepartner in verschiedenen Arbeitsformaten in der Bearbeitung der
zentralen Transformationsthemen. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus
SCI4climate.NRW zu Pfaden der Industrietransformation fließen ebenfalls in
die Arbeit von IN4climate.NRW ein.
IN4climate.NRW lebt von der Diskussion und den verschiedenen Standpunkten
der beteiligten Unternehmen, Verbände und Forschungseinrichtungen. Im
Mittelpunkt steht der Diskurs und nicht die Interessensvertretung
gegenüber der Politik. Dennoch entstehen in diesem Umfeld Diskussions- und
Positionspapiere, die innerhalb von Arbeitsgremien der Initiative von
einzelnen Mitgliedern diskutiert, erarbeitet und ausformuliert werden.
Andere Mitglieder können sich in einem strukturierten Prozess den
Ergebnissen oder Diskussionsbeiträgen explizit anschließen und das
Dokument
mittragen. Die Geschäftsstelle von IN4climate.NRW stellt Transparenz und
Beteiligungsmöglichkeiten sicher.

NRW.Energy4Climate ist die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie bündelt Kräfte und Ressourcen in den
vier am stärksten emittierenden Sektoren Energiewirtschaft, Industrie,
Wärme & Gebäude und Mobilität, die gemeinsam für mehr als 90 Prozent der
Treibhausgasemissionen in NRW verantwortlich sind. Ziel ist es, die
Transformation sektorenübergreifend so zu beschleunigen, dass Nordrhein-
Westfalen so schnell wie möglich klimaneutral und gleichzeitig als
Industrie- und Dienstleistungsstandort für die Zukunft gestärkt wird.
Weitere Informationen unter www.energy4climate.nrw.

Originalpublikation:
https://issuu.com/nrw_energy4climate/docs/beschleunigung-von-
genehmigungsverfahren?fr=sYTZiMTcwNjI5ODc

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Forschungsprojekt IN2Lab erfolgreich abgeschlossen

In einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren wurde das Testfeld „Erste Meile“
am Auwaldsee in Ingolstadt aufgebaut und ein Absicherungssystem für
automatisierte Fahrfunktionen entwickelt.

Das Ziel war klar definiert: die Erhöhung der Verkehrssicherheit und
-effizienz. Dazu entwickelten die Forscherinnen und Forscher des IN2Lab-
Projekts, das unter Koordination der THI die Expertise des Fraunhofer IVI
Anwendungszentrums Ingolstadt mit Audi, Blickfeld und Continental
zusammenbrachte, ein System zur Absicherung automatisierter Fahrfunktion.
Wesentliche Komponenten waren dabei infrastrukturseitige Sensoren zur
Umfelderfassung, Car2X-Kommunikation zur Vernetzung von Fahrzeugen,
Infrastruktur sowie eine Mission Control im Backend zur Überwachung und
Steuerung.

Roadside Units in der Infrastruktur erfassen ihr Umfeld, erzeugen Listen
mit detektierten und klassifizierten Objekten und übertragen die Daten in
die Mission Control. Der Mission Control Server fusioniert die Daten und
erzeugt „globale Objektlisten“, die über die Roadside Units per V2X
Kommunikation an das Testfahrzeug übertragen werden.

Die Abschlussveranstaltung führte noch einmal deutlich vor Augen, dass das
Testfeld die Mobilitätsregion Ingolstadt um eine offene, urbane
Entwicklungs- und Demonstrationsplattform für 5G-basierte
Mobilitätanwendungen bereichert hat. Es hat dazu beigetragen, den Verkehr
zur Sicherheit und Nachhaltigkeit im Verkehr sowie zur Entwicklung des
vernetzten, automatisierten Fahrens beizutragen. IN2Lab wurde vom
Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie im
Rahmen der Initiative Bayern Digital II gefördert. Das Testfeld wird in
anderen F&E Projekten, wie z.B. 5GoIng, erweitert und weiterentwickelt. An
einer Verstetigung als „Open Innovation Lab“ wird aktuell gearbeitet.

Originalpublikation:
https://www.thi.de/hochschule/aktuelles/news/forschungsprojekt-in2lab-
erfolgreich-abgeschlossen/

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Kiel Trade Indicator 1/24: Frachtmenge im Roten Meer geht weiter zurück, weniger Schiffe in Hamburg

Die Frachtmenge, die durch das Rote Meer transportiert wird, ist im Januar
erneut gesunken. Im Dezember war sie aufgrund der Angriffe durch die
Huthi-Rebellen um über die Hälfte eingebrochen. Gegenwärtig passieren über
80 Prozent weniger Container die Meeresstraße und den Suezkanal, als
eigentlich zu erwarten wären. Das hat auch Folgen für deutsche Häfen wie
Hamburg und Bremerhaven, wo die Menge an ankommenden Schiffen um 25
Prozent zurückging. Dies geht aus dem jüngsten Update des Kiel Trade
Indicator für den Monat Januar 2024 hervor. Der Algorithmus wertet die
Positionsdaten von Containerschiffen in Echtzeit in 500 Häfen und 100
Seeregionen weltweit aus.

Grund für die drastischen Rückgänge des Frachtaufkommens ist, dass
Containerschiffe nach Angriffen durch Huthi-Rebellen statt durch das Rote
Meer und den Suezkanal nun den Umweg um Afrika und das Kap der Guten
Hoffnung nehmen. Dies bedeutet einen Umweg von rund zwei Wochen. Rund 10
Prozent aller weltweit verschifften Waren sind davon betroffen.

„Die Streitkräfte der USA und von Großbritannien konnten bislang offenbar
nicht für mehr Sicherheit auf der ehemals meistbefahrenen Handelsroute
sorgen. Die gegenwärtige Situation sieht aber dramatischer aus, als sie
gesamtwirtschaftlich ist. Wir sehen momentan, dass Containerschiffe
deutlich länger unterwegs sind als ursprünglich geplant, so dass in vielen
Häfen Europas eine Lücke entstanden ist. Die dürfte sich aber wieder auf
ein Normalmaß schließen, sobald der längere Fahrweg logistisch eingeplant
ist“, sagt Julian Hinz, Forschungsdirektor Handelspolitik und Leiter des
Kiel Trade Indicators.

Durch den Umweg ist das östliche Mittelmeer vor der Türkei, Griechenland
und Sizilien weniger befahren. Ankünfte an Häfen in Süd- und Nordeuropa
verzögern sich.

In Hamburg und Bremerhaven, aber auch in Rotterdam und Antwerpen legten 25
Prozent weniger Schiffe an, vergleicht man den Wochendurchschnitt 2023 mit
dem vom Januar 2024.

Die Menge weltweit verschickter Waren stieg im Januar aber sogar an und
die Anzahl verschiffter Standardcontainer lag bei über 14 Millionen Stück
und nahe am bisherigen Höchststand von vor rund 2 Jahren.

„Vor allem die Menge weltweit verschiffter Waren zeigt, dass der
Welthandel in keiner Krise steckt, sondern stabil geblieben ist. Zwar
können einzelne Firmen unter Lieferverzögerungen leiden, insgesamt sind
aber keine Engpässe bei Vorprodukten oder Konsumgütern zu erwarten“, so
Hinz.

„Eine Ursache für die rege Handelsaktivität dürfte auch im chinesischen
Neujahrsfest liegen, im Vorfeld der Feiertage legt der Handel in China
üblicherweise zu. Allerdings geht er danach auch wieder zurück.“

Die Frachtraten auf dem Wege von China nach Europa – diese Route führte
bislang durchs Rote Meer und den Suezkanal – sind unterdessen deutlich
gestiegen. Im Januar kostet der Transport eines Standardcontainers
zwischenzeitlich über 5.000 US-Dollar und sind seitdem wieder rund 15
Prozent gesunken. Ende 2023 waren es rund 1.500 US-Dollar. Die Preise
liegen gegenwärtig aber immer noch weit unter den Rekordwerten von 2022,
wo knapp 15.000 US-Dollar erreicht wurden.

Auch die Frachtkosten für Container für den Export nach Asien sind um mehr
als das Dreifache gestiegen.

„Weltweite Auswirkungen sind durch die Anstiege der Transportkosten jedoch
kaum merkbar, Frachtkosten machen nur einen sehr geringen Anteil an den
Warenwerten aus, bei hochpreisigen Elektronikprodukten wie Laptops oder
Mobiltelefone liegt der Anteil sogar nur im Promillebereich. Auch sind die
Preise auf der Route aus Nordamerika nach Europa nahezu unverändert seit
Beginn der Krise im November 2023“, so Hinz.

Aus technischen Gründen steht im aktuellen Update keine Zahlengrafik zur
Veränderung der Importe und Exporte zur Verfügung.

Die nächste Aktualisierung des Kiel Trade Indicator erfolgt am 7. März
(mit Medieninformation für die Handelsdaten im Februar).

Weitere Informationen zum Kiel Trade Indicator und die Prognosen für alle
75 Länder finden Sie auf www.ifw-kiel.de/tradeindicator.

Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) von
75 Ländern und Regionen weltweit sowie des Welthandels insgesamt. Im
Einzelnen umfassen die Schätzungen über 50 Länder sowie Regionen wie die
EU, Subsahara-Afrika, Nordafrika, den Mittleren Osten oder Schwellenländer
Asiens. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in
Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter
Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die
Schiffsbewegungen in preis- und saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber
dem Vormonat.

Die Auswertung erfolgt einmal im Monat um den 5. und liefert aktualisierte
Handelszahlen für den vergangenen und den laufenden Monat.

An- und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst.
Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die
effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen.
Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch
für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen
Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich
umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang
einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen
statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indikators lernt
mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich
die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

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