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Medizinische Ernährungswissenschaft und Ernährungstherapie

Die SRH Hochschule für Gesundheit bietet ab dem Wintersemester 2023/2024
einen neuen Master-Studiengang im Bereich Ernährung an.

„Der Einfluss unserer Ernährung auf die Gesundheit steht bereits seit
Jahren zunehmend im Fokus des öffentlichen Interesses. Dabei geht es nicht
nur um Essstörungen wie beispielsweise Anorexie oder Orthorexie, die vor
allem bei jüngeren Menschen auftreten, sondern auch um die richtige
Ernährung bei bestimmten Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Adipositas, Diabetes, Krebs oder geriatrischen Krankheiten wie Demenz“,
erläutert Prof. Dr. habil. Marcus Grimm, Studiengangsleiter im Bachelor-
Studiengang Ernährungstherapie und -beratung am Campus Rheinland der SRH
Hochschule für Gesundheit sowie im neuen Master-Studiengang Medizinische
Ernährungswissenschaft und Ernährungstherapie, der ab dem Wintersemester
2023/2024 am Campus Gera sowie am Campus Rheinland in Leverkusen angeboten
wird.

Im angewandten Master-Studiengang vertiefen die Studierenden gemeinsam mit
national und international forschenden Ernährungsexpert:innen ihr Wissen
zu komplexen Abläufen im Körper in Folge einer Fehl-, Mangel-, Unter- oder
Überernährung. Dabei untersuchen und beurteilen sie den Einfluss
verschiedener Nährstoffe und Ernährungsmuster auf den menschlichen
Stoffwechsel und stellen evidenzbasierte Zusammenhänge dar. Ein besonderer
Fokus liegt dabei auf dem Denken und Agieren in einem interprofessionellen
Team, weshalb Bereiche wie die Psychologie, Medizin, Logopädie oder
Physiotherapie ebenfalls Eingang in den Studiengang finden. Da in der
praktischen Ernährungstherapie und -beratung z. B. auch ein sensibler
Umgang mit den Patient:innen erforderlich ist, werden auch psychologische
Konzepte und Kommunikationsstrategien vermittelt.

Darüber hinaus ist das Studium durch die typische Blockstruktur der SRH
Hochschule für Gesundheit gekennzeichnet. Konkret bedeutet dies, dass die
Präsenzzeiten pro Semester sechs Blöcke mit je vier bis fünf
zusammenhängenden Präsenztagen am Campus Gera oder Rheinland umfassen.
Dadurch lässt sich das Studium ideal mit einer Berufstätigkeit in Teilzeit
und privaten Anforderungen vereinbaren. Daneben werden angeleitete
Selbstlern- und Selbststudienzeiten definiert. Diese Struktur bildet den
Rahmen für die während des Studiums geforderten praktischen Einsätze, um
die erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten in der Praxis anzuwenden und zu
vertiefen.

Mit dem Abschluss des Studiums stehen den Absolvent:innen aufgrund ihres
umfangreichen Sach- und Fachwissens sowie der Sozial- und
Selbstkompetenzen die verschiedensten Karrierewege offen, sei es in der
Nahrungsmittel- und Nahrungsmittelergänzungsindustrie (Produktentwicklung,
Qualitätsmanagement), als Berater:in oder Therapeut:in in
Gesundheitszentren, Kliniken oder privaten Praxen, in Sportverbänden und
rehabilitativen Einrichtungen oder auch in der klinischen Forschung in
Unternehmen bzw. akademischen Einrichtungen.

Interessierte, die mehr zum Master-Studiengang erfahren möchten, sind
herzlich zum Online Health and Study Talk zum Thema Omega-3-Fettsäuren am
28. Juni 2023 um 17:30 Uhr eingeladen. Nähere Informationen zur
Veranstaltung folgen in Kürze unter https://www.srh-
gesundheitshochschule.de/srh/events/

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/marcus-grimm/

  • Aufrufe: 89

MS-Zentrum am Uniklinikum Dresden bietet Betroffenen und Interessierten 360°-Blick auf interdisziplinäres Angebot

Das Multiple-Sklerose-Zentrum der Klinik für Neurologie des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden will beim diesjährigen
Welt-Multiple-Sklerose-Tag am Dienstag (30. Mai) Zuversicht bei den
Betroffenen und ihren Angehörigen vermitteln. Im Mittelpunkt steht die
große Palette an diagnos­tischen Verfahren und Therapiestrategien, die im
Dresdner Uniklinikum angeboten werden. Dank dieser interdisziplinären
Zusammenarbeit vieler Kliniken und Zentren lassen sich bei nicht wenigen
Patientinnen und Patienten weitere Krankheitsschübe reduzieren, das
Fortschreiten der Erkrankung verzögern und in bestimmten Fällen sogar
unterbinden.

Welche Optionen es im Rahmen einer breit angelegten interdisziplinären
Zusammenarbeit gibt und welche Fachgebiete sich an der Versorgung der an
MS Erkrankten engagieren, zeigt die Aktion „Multiple Sklerose 360°“, die
seit dem Frühjahr vom MS-Zentrum kontinuierlich ausgebaut wird. Sie passt
sehr gut zur diesjährigen Kampagne „geMeinSam“ der Deutschen Multiple
Sklerose Gesellschaft (DMSG) zum Welt-MS-Tag. Ziel ist es, die
Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären und gleichzeitig die
Betroffenen über alle Optionen der Diagnostik und Therapie zu informieren.

„Zwar erzielen Forschungsteams derzeit große Fortschritte dabei, die
Ursachen dieser entzündlichen und gleichzeitig neurodegenerativen
Erkrankung zu verstehen. Doch noch ist nicht absehbar, wann und mit
welcher Strategie Multiple Sklerose heilbar sein wird“, sagt Prof. Tjalf
Ziemssen. „Deshalb ist es so wichtig, bereits etablierte Therapien weiter
zu verbessern und alle verfügbaren Ansätze im Sinne der Patientinnen und
Patienten im Blick zu behalten. Das ist eine verlässliche Basis, um für
jeden einzelnen Fall die beste Strategie wählen zu können“, sagt der
Leiter des Zentrums für klinische Neurowissenschaften der Klinik für
Neurologie, zu dem auch das MS-Zentrum gehört. Es ist mit monatlich rund
1.500 Patientinnen und Patienten eines der größten Multiple-Sklerose-
Spezialambulanzen in Deutschland.

Einen ersten Eindruck darüber, welche Vielfalt an Optionen und
involvierten Partnern es aktuell bei der Diagnostik und Therapie von MS am
Dresdner Uniklinikum gibt, vermittelt die Aktion „Multiple Sklerose 360°
von A bis Z“, in deren Rahmen 26 Kurzvideos produziert und online gestellt
werden. In mittlerweile knapp 140 Minuten erklären Expertinnen und
Experten auch für nicht mit dem Thema vertraute Personen die wichtigsten
Themen von A bis Z rund um die Versorgung der Patientinnen und Patienten
mit MS. Die Themenpalette reicht dabei von A wie Apotheke, in der im
Reinraum die Infusionslösungen individuell auf die Patientinnen
beziehungsweise Patienten hergestellt werden, bis zum Z, für Zahnmedizin.
Unter dem Buchstaben U wie Urologie geht es um die Funktion der Blase, die
bei vielen der MS-Patientinnen und Patienten beeinträchtigt ist. Oberarzt
PD Dr. Martin Baunacke, Leiter der Kontinenzsprechstunde an der Klinik für
Urologie erklärt im Interview, mit welchen Untersuchungsverfahren die
Ursachen der Blasenprobleme abgeklärt werden können und welche
Therapieoptionen es gibt, wenn Betroffene häufiger zur Toilette müssen,
den Harn nicht halten können oder eine verminderte Kontraktion der Blase
auftritt.

Fachübergreifende Zusammenarbeit für eine sichere Schwangerschaft
Die Diagnose „Multiple Sklerose“ wird sehr häufig bei jungen Erwachsenen
gestellt und damit die Lebensplanung von Betroffenen massiv beeinflusst.
Vor allem das Thema Kinderwunsch stellt hier eine besondere
Herausforderung dar, der sich das MS-Zentrum seit vielen Jahren in enger
Zusammenarbeit mit der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe stellt.
Das Video zum Buchstaben G ist daher der Geburtshilfe gewidmet. Hier
stellt sich Prof. Cahit Birdir vor, der unter anderem die
Intensivschwangerenberatung leitet und schwangere MS-Patientinnen und ihre
Babys im Mutterleib mindestens einmal im Monat untersucht. In einem
strukturierten Vorsorgeprogramm wird die Entwicklung des Kindes genau
beobachtet – unter anderem mit modernsten Ultraschallgeräten. „Wir wollen
genau auf Sie und ihr Baby aufpassen“, sagt Prof. Birdir in dem Video. Das
ist auch deshalb notwendig, weil viele Patientinnen auch unter der
Schwangerschaft MS-Medikamente nehmen müssen.

Der Neuronaut – ein Adventurespiel rund um die Multiple Sklerose

Neben dem MS Alphabet hat das Team des MS-Zentrums mit externen Partnern
auch ein Computerspiel rund um die Multiple Sklerose entwickelt. Anfang
Mai erschien das erste Level des Lernspiels „Neuronaut Adventure“. Dafür
arbeiten die Medizinerinnen und Mediziner mit einem interdisziplinären
Team um den Spieledesigner und Mediziner Oscar Freyer und den Cartoonisten
Phil Hubbe zusammen. Das Spiel richtet sich an MS-Betroffene und
-Interessierte. Mit einfacher Mausbedienung können die Spielenden dabei
Nervenzellen gegen aktivierte „böse“ Immunzellen verteidigen, die die
Nervenisolierung, das Myelin, zerstören wollen, und helfende Immunzellen
anziehen, die zur Reparatur beitragen. Dadurch wird das Grundprinzip der
Entzündungsreaktion und Reparatur vermittelt. Ziel ist es, Menschen mit
Multipler Sklerose sowie Interessierten über die Abenteuer des Neuronauten
in spielerischer Form Wissen zu der chronischen Erkrankung zu vermitteln.
Betroffenen soll das auch helfen, sich bewusst für ein optimales
Management ihrer Erkrankung zu entscheiden.

Unter https://zkn.ukdd.de/ms360/mitmachen/neuronaut ist das Neuronaut-
Adventure zu finden. Die Teilnahme steht allen offen – egal ob man selbst
von MS betroffen oder an dem Thema interessiert ist. Benötigt wird
lediglich ein PC, Mac oder Notebook, eine Computermaus sowie eine
Internetverbindung. Für die erste Runde erhalten die Spielenden zehn
Punkte, für jede weitere Runde gibt es Extrapunkte. Die Punkteauflistung
sowie die Möglichkeit, seine erspielten Punkte einzutragen ist unter
https://zkn.ukdd.de/ms360/mitmachen/challenges zu finden.

Link zu MS Interdisziplinär 360°

Im März dieses Jahres startete das MS-Zentrum der Klinik für Neurologie
die Aktion Multiple Sklerose 360°. Dahinter verbirgt sich eine
sechsmonatige virtuelle Safari rund um das ganzheitliche Management der
Multiplen Sklerose. Die A-bis-Z-Playlist ist unter dem Link
www.multiplesklerose360.de abrufbar.

MS-Tag 2023

Nach drei Jahren COVID-bedingter rein virtueller Veranstaltungen richtet
das Team des MS-Zentrums der Klinik für Neurologie am Samstag, dem 2.
September 2023, wieder eine große Präsenzveranstaltung für Patientinnen
und Patienten sowie deren Angehörige und Interessierte aus. Neben einem
vielfältigen Programm mit Vorträgen und Aktionen können auch die Räume des
Zentrums besichtigt werden.

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Aus dem Leben gerissen: Plötzlicher Herztod bei jungen Menschen – wie davor schützen?

Junge Herzen retten: Für mehr Aufklärung und Forschung zu den Ursachen des
plötzlichen Herztods bei jungen Menschen starten die Herzstiftung, das
Zentrum für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome in
Frankfurt und die Sportmedizin Saarbrücken die Initiative „Gemeinsam gegen
den plötzlichen Herztod“

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache außerhalb von
Krankenhäusern. Jedes Jahr sterben in Deutschland über 65.000 Menschen
daran. Bei einem Großteil der Betroffenen bestand eine langjährige
Erkrankung der Herzkranzgefäße, die koronare Herzkrankheit (KHK). „Das hat
den Effekt, dass der plötzliche Herztod und seine Ursachen von vielen
Menschen eher als ein Problem des Alters wahrgenommen werden, weil die KHK
als Risikokrankheit für den plötzlichen Herztod meistens erst bei älteren
Menschen konkret in Erscheinung tritt. Aber nicht für alle Betroffenen des
plötzlichen Herztods ist das der Fall“, berichtet Herzspezialist Prof. Dr.
med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.
„Auch junge sportliche Menschen unter 40 Jahren erleiden, wenn auch
selten, einen plötzlichen Herztod. Plötzlich und unerwartet kommt es bei
ihnen meist ohne die bekannten vorherigen Warnzeichen zum Herzstillstand“,
warnt Voigtländer. Das führte etwa der prominente Fall des dänischen
Profifußballers Christian Eriksen vor Augen. Dieser bekam während der EM
2021 auf dem Rasen einen plötzlichen Herztod, den er dank schneller
professioneller Reanimation überlebt hat. „Wir sehen für diese junge
Risikogruppe dringlichen Aufklärungsbedarf, etwa zu den ganz spezifischen
Ursachen, die hier einen plötzlichen Herztod bedingen können“, betont der
Kardiologe und Intensivmediziner.
Das Aufklären der Bevölkerung und ein besseres Verständnis der Ursachen
des plötzlichen Herztods bei jungen Menschen durch mehr Forschung stehen
daher im Fokus der neuen Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen
Herztod“. Die Deutsche Herzstiftung, das Zentrum für plötzlichen Herztod
und familiäre Arrhythmiesyndrome am Universitätsklinikum Frankfurt am Main
und das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des
Saarlandes starten diese Initiative gemeinsam unter anderem mit
Informationen für betroffene Familien und Interessierte unter
https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten

Plötzlich und unerwartet sterben 1.000 bis 2.000 junge Menschen pro Jahr
In etwa 40 Prozent der Fälle sind die Betroffenen eines plötzlichen
Herztodes im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Im Alter von 1 bis 40 Jahren
rechnen Experten mit jährlich 1.000 bis 2.000 Todesfällen durch
plötzlichen Herztod in Deutschland – bei hoher Dunkelziffer. Im Sport
liegt die Häufigkeit bei 1 bis 2 Todesfällen pro 100.000 Sporttreibenden
pro Jahr. Ursachen des Herztodes im jungen Alter sind meistens angeborene
Herzfehler, Veränderungen der Herzkranzgefäße (Koronaranomalien),
Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und vor allem genetisch bedingte
Herzerkrankungen. Aber auch Drogenkonsum (z. B. Kokain, Amphetamine) zählt
zu den Ursachen in diesem Lebensabschnitt. „Dass auch junge Menschen dem
plötzlichen Herztod – wenn auch selten – zum Opfer fallen können, wissen
viele nicht. Der plötzliche Herztod bei jungen, scheinbar gesunden
Menschen scheint meistens das erste Anzeichen der zugrundeliegenden
Erkrankung zu sein, weil die genannten Herzerkrankungen lange ohne
eindeutige Beschwerden verlaufen können“, erklärt Prof. Dr. Silke
Kauferstein, Leiterin des Zentrums für plötzlichen Herztod und familiäre
Arrhythmiesyndrome am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums
Frankfurt am Main. „Aufgrund der erblichen Komponente dieser
lebensgefährlichen Herzereignisse müssen wir potenzielle Risikogruppen in
der Bevölkerung für diese Thematik sensibilisieren.“

Den plötzlichen Herztod besser verstehen: Bundesweites Register für
Prävention
Am Zentrum für plötzlichen Herztod bauen Prof. Kauferstein und ihr Team
ein bundesweites Register für die Prävention plötzlicher Herztodesfälle
„RESCUED“ (REgister zur Prävention des Sudden/UnExpected Cardiac Death)
auf, ein Projekt, das auch von der Herzstiftung mit rund 100.000 Euro
gefördert wird (Infos: https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten).
„Unser gemeinsames Ziel ist es, auf Basis der Register-Daten zu einem
besseren Verständnis der Ursachen des plötzlichen Herztods bei jungen
Menschen zu gelangen, um datenbasiert Risikofaktoren für plötzliche
Herztodesfälle zu erkennen und gezielte personalisierte
Präventionsstrategien entwickeln zu können“, erklärt der Herzstiftungs-
Vorsitzende Voigtländer die umfangreiche Förderung. Im Fokus der
Untersuchungen stehen insbesondere erbliche Genvarianten als Auslöser
bösartiger Herzrhythmusstörungen in den Herzkammern, die zum
Herzstillstand führen. Um plötzliche Herztodesfälle wissenschaftlich
auszuwerten, ist eine möglichst breit aufgestellte Datenbasis nötig. Daher
arbeitet das Frankfurter Zentrum mit anderen Registern zusammen, u. a. mit
dem Sudden Cardiac Death (SCD)-Register Deutschland unter der Leitung von
Prof. Dr. Tim Meyer, Ärztlicher Direktor des Instituts für Sport- und
Präventivmedizin der Universität des Saarlandes. Die Herzstiftung ist
Partner auch dieses SCD-Registers.

Familienangehörige als mögliche Risikopatienten: Gen-Untersuchung kann
schützen
Genvarianten zählen zu den häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztods im
jungen Alter. Zugleich stellen sie einen großen Anteil an plötzlichen
Herztodesfällen, die trotz Obduktion ungeklärt bleiben: 40 Prozent der
Herztodesfälle bei den 1- bis 40-Jährigen. Diese Fälle werden auch „Sudden
Arrhythmic Death Syndrome“ (SADS) genannt. Hinter SDAS können sich
Genvarianten verbergen, die zu elektrischen Herzerkrankungen, so genannten
Inonenkanalerkrankungen, mit Potenzial für bösartige Herzrhythmusstörungen
wie Kammerflimmern führen. Dazu gehören zum Beispiel das Long-QT-Syndrom
(LQTS), das Brugada-Syndrom (BrS), die Katecholaminerge polymorphe
ventrikuläre Tachykardie (CPVT). Andere Genvarianten können aber auch zu
strukturellen Veränderungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien) führen wie
beispielsweise der Arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie
(ARVC). Am Beispiel der Mainmetropole Frankfurt schätzen Experten die Zahl
der Patienten mit LQTS auf etwa. 300 und mit BrS auf 76 bis 230.
Bei ungeklärten plötzlichen Herztodesfällen in jungen Jahren, aber auch
bei anderen Todesumständen wie Tod im Schlaf oder plötzlichem Tod im
Wasser wird eine Untersuchung der Verstorbenen inklusive der postmortalen
Gendiagnostik empfohlen. Auch wird den betroffenen Familien in einer
eigens dafür eingerichteten Spezialambulanz angeboten, dass bei ihnen
selbst eine genetische und kardiologische Untersuchung im Hinblick auf ein
Risiko für einen plötzlichen Herztod erfolgt. Das Frankfurter Zentrum für
plötzlichen Herztod ist eine solche Anlaufstelle für Betroffene.
„Familienangehörige sind potenzielle Risikopatienten, weil diese
Herzerkrankungen häufig mit einem 50-prozentigen Risiko für Angehörige
ersten Grades einhergehen, selbst Träger der Genveränderung zu sein“,
erklärt die Molekularbiologin Kauferstein. Eine kardiologische
Untersuchung dieser Verwandten ersten Grades „kann daher Hinweise
erbringen, die zur Prävention des plötzlichen Herztodes oder von anderen
lebensbedrohlichen Herzereignissen beitragen“. Denn viele dieser
Erkrankungen sind gut behandelbar bzw. es gibt Vorsichtsmaßnahmen. Neben
Beratung, Diagnosestellung und gegebenenfalls Therapieentscheidungen
arbeitet das Frankfurter Zentrum mit Kardiologen und weiteren Spezialisten
zusammen, um diese frühen Todesfälle bestmöglich aufzuklären. „Je nach
Risikoprofil des Patienten geht es um bestimmte Maßnahmen wie das
Vermeiden bestimmter Medikamente oder bestimmter Sportarten, die
Rhythmusstörungen begünstigen, oder um eine Schrittmacher-Therapie mit
einem implantierbaren Defibrillator, der vor Kammerflimmern schützt“,
erklärt Kauferstein.

Auf Warnsignale für ein Herztod-Risiko in jungen Jahren achten
Es sind Fälle wie diese, die Angehörige und nahestehende Menschen der
verstorbenen Person mit Fassungslosigkeit hinterlassen: der
Vierzehnjährige, der noch quickfidel das Fußballtraining absolviert und
den die Eltern am Abend tot im Haus vorfinden. Oder der 19-Jährige, den
seine Freundin am Morgen nach dem Wecker klingeln im Bett röcheln hört und
dann kurz darauf leblos im Bett findet. Beide Todesereignisse haben
gemeinsam, dass keine vorherigen Warnsignale für den plötzlichen Herztod
bekannt waren.
„Allerdings sehen wir bei unseren detaillierten Untersuchungen von
plötzlichen Herztodesfällen durchaus Warnsignale, die man ärztlich
abklären sollte, die aber oftmals verkannt wurden“, bestätigt Prof.
Kauferstein. Auf die folgenden Warnsignale sollte man deshalb achten:
- Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen), besonders bei spezifischen
Auslösern wie Stress, schriller Wecker, sportliche Belastung
- Krampfanfälle ohne eindeutig pathologische Befunde (z. B. Epilepsie)
einer Elektroenzephalographie (EEG)
- plötzliche ungeklärte Todesfälle in jungen Jahren in der Familie
- plötzlicher unerwarteter Tod im Wasser
- nicht erklärbarer Autounfall (auch bei bekannter Epilepsie)
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und/oder Herzschrittmacherpflichtigkeit
vor dem 50. Lebensjahr

„Wer beispielsweise ohne erkennbaren Grund einfach so auf dem Weg zum
Supermarkt in Ohnmacht fällt, sollte diesen Ohnmachtsanfall beim Arzt
abklären lassen“, betont Prof. Kauferstein im Herzstiftungs-Podcast zu
diesem Thema. Er ist zu hören unter https://herzstiftung.de/junge-herzen-
retten

Selten, aber auch bei jungen Sporttreibenden möglich: plötzlicher Herztod
beim Sport
Regelmäßiger Sport ist eine der effektivsten Maßnahmen, um das Herz lange
gesund und leistungsfähig zu halten. Doch plötzliche Herztodesfälle beim
Sport, so selten sie sich ereignen, können verunsichern. Je nach Studie
liegt die Häufigkeit des plötzlichen Herztods beim Sport bei 1 bis 2
Todesfällen pro 100.000 Sporttreibenden pro Jahr. Beim Sport beschleunigt
sich der Herzschlag deutlich – unproblematisch für ein gesundes Herz. Ist
es aber vorgeschädigt, kann die zugrundeliegende Sympathikusaktivierung
Kammerflimmern auslösen, das unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zum Tod
führt. Bei den häufigsten Ursachen für plötzliche Herztodesfälle beim
Sport ist zu unterscheiden zwischen Sportlerinnen und Sportlern unter 35
Jahren und darüber.

Angeborene Herzfehler oder erblich bedingte Herzerkrankungen häufige
Ursache
In nahezu allen Fällen liegt dem plötzlichen Herztod beim Sport eine
unerkannte Herzerkrankung zugrunde. „Bei Sportlerinnen und Sportlern unter
35 Jahren sind nach aktuellen Untersuchungen die häufigsten Ursachen eine
vorzeitige koronare Herzkrankheit genetisch bedingte Arrhythmiesyndrome
wie SADS und eine Myokarditis“, berichtet Prof. Meyer, Mitglied im
Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung. Während des Sports können
durch die hohe Belastung, die hohe Herzfrequenz und den erhöhten
Sauerstoffbedarf des Herzens die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen
ausgelöst werden. „Verpflichtende sportmedizinische Untersuchungen können
das Risiko eines plötzlichen Herztodes bei Sportlern deutlich senken“,
betont Sportmediziner Prof. Meyer. „Auch junge Menschen ohne
diagnostizierte Herzerkrankung sollten, bevor sie aktiv Sport betreiben,
ihr Herz untersuchen lassen, wenn sie belastungsabhängige Beschwerden
spüren, ungeklärte Bewusstlosigkeiten hatten oder wenn nahe Angehörige an
Herzerkrankungen leiden.“ Junge Erwachsene mit angeborenem Herzfehler
(EMAH) sollten – auch unabhängig von sportlicher Aktivität - ihr Herz
regelmäßig von einem EMAH-Spezialisten kontrollieren lassen.
Ab dem 35. bis 40. Lebensjahr, in dem Alter also, in dem auch das Risiko
für die Entwicklung einer KHK steigt, nimmt auch das Risiko für
plötzlichen Herztod zu. Bei Sportlern ab 35 Jahren ist dafür die KHK mit
etwa 80 Prozent mit Abstand häufigste Ursache. „Durch den beschleunigten
Herzschlag und den erhöhten Blutdruck während des Sports können Plaques
aus Blutfetten wie Cholesterin, Bindegewebe und Kalkablagerungen relevant
werden, an denen sich Blutgerinnsel bilden, die das Herzkranzgefäß
verschließen. Es kommt zum Herzinfarkt, der zu Kammerflimmern und
schließlich dem Herztod führen kann“, erklärt der Kardiologe Prof.
Voigtländer. Das Risiko für diese Todesfälle lässt sich ebenfalls durch
eine sportmedizinisch-kardiologische Untersuchung senken. Mit dem
Gemeinschaftsprojekt „Lebensretter sein: Fußballer lernen Wiederbelebung“
fördern die Herzstiftung und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) besonders bei
dieser Zielgruppe der Ü-Fußballer durch Schulungen die Bereitschaft zur
Laien-Reanimation und den korrekten Umgang mit der Notfallsituation eines
Herzstillstands.

Gefahr durch Myokarditis: Bei Infektion ist Schonung angesagt
Sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Sportlern kann auch eine
unerkannte Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zum plötzlichen Herztod
führen. Diese kann z. B.  nach einer vorangegangenen, meist viralen
Infektion (z. B. Parvovirus/SARS-CoV-2) auftreten. Eine aktuelle Studie
zeigt, dass fast alle jungen Sportler, die aufgrund einer Myokarditis
gestorben waren, vorher eine Infektion der oberen Atemwege durchgemacht
hatten. „Wir raten Sportlerinnen und Sportlern deshalb, sich bei einem
Infekt immer ausreichend zu schonen und das Training erst dann wieder
aufzunehmen, wenn sie wieder vollständig gesund sind und sich fit fühlen.“
Patienten mit einer gesicherten Myokarditis müssen sich mehrere Monate
konsequent schonen: viel Ruhe, keine körperliche Belastung, keinerlei
Sport oder Ausdauertraining. Dies gilt auch für schwere körperliche Arbeit
im Beruf. Sport ist erst wieder nach einer Karenzzeit von mindestens drei
bis sechs Monaten möglich, wenn sich die Herzfunktion komplett erholt hat
und der Sportkardiologe nach Untersuchungen grünes Licht gibt.
(wi)

Info-Service
Aufklärungskampagne der Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen
Herztod“
Zahlreiche Informationen für betroffene Familien, medizinische Fachkreise
und Interessierte bietet die Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen
Herztod“ der Deutschen Herzstiftung, des Zentrums für plötzlichen Herztod
und familiäre Arrhythmiesyndrome und der Sportmedizin Saarbrücken auf der
Landing Page unter https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten

Herzstiftungs-Podcast über den plötzlichen Herztod bei jungen Menschen:
Der Podcast „Herzstillstand bei Teenagern – Schicksal oder vermeidbar?“
mit der Molekularbiologin und Rechtsmedizinerin Prof. Dr. Silke
Kauferstein (Universitätsklinikum Frankfurt am Main) ist abrufbar unter
https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/podcasts/herzstillstand-
teenager


Quellen:

- Bohm P et al., Sports-Related Sudden Cardiac Arrest in Germany, Can J
Cardiol. 2021 Jan; 37(1):105-112. doi: 10.1016/j.cjca.2020.03.021. Epub
2020 Mar 23.
- Bohm, Ph. et al.: Data from a nationwide registry on sports-related
sudden cardiac deaths in Germany, in: European Journal of Preventive
Cardiology 2016, Vol. 23(6), 649–656.
- Homepage des SCD-Register Deutschland: https://www.sportmedizin-
saarbruecken.de/de/forschung/aktuelle-projekte/sudden-cardiac-death-scd-
register-

Statements der Experten/-in

Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung
Kardiologe, Ärztlicher Direktor, Agaplesion Bethanien-Krankenhaus und
Cardioangiologisches Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt a. M.

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache außerhalb von
Krankenhäusern. Jährlich sterben in Deutschland über 65.000 Menschen
daran. Die Bandbreite der Ursachen des plötzlichen Herztods ist komplex,
sie reicht insbesondere von der häufigsten Ursache, der koronare
Herzkrankheit (KHK), über Herzerkrankungen wie Herzschwäche und
Herzklappenerkrankungen bis hin zu angeborenen Herzfehlern und erblich
bedingten Herzerkrankungen. Weil der plötzliche Herztod in aller Regel
kein schicksalhaftes Ereignis ist, vor dem es kein Entkommen gibt, sondern
Komplikation einer - in den meisten Fällen – langjährigen Herzerkrankung,
müssen wir als Patientenorganisation für chronisch kranke Herz-Kreislauf-
Patienten und als Förderinstitution der Herz-Kreislauf-Forschung dauerhaft
in die Aufklärung, Forschung und Prävention dieser Krankheiten
investieren.

Im Kampf gegen die Sterblichkeit durch plötzlichen Herztod stellt deshalb
die Deutsche Herzstiftung rund eine Million Euro an
Sonderforschungsförderung für Forschungsvorhaben zum plötzlichen Herztod
im gesamten Bundesgebiet zur Verfügung. Zusätzliche Fördermittel in Höhe
von rund 100.000 Euro stellt die Herzstiftung für das bundesweite Register
zur Prävention plötzlicher Herztodesfälle „RESCUED“ (REgister zur
Prävention des Sudden/UnExpected Cardiac Death) am Universitätsklinikum
Frankfurt am Main zur Verfügung. Ein weiterer wichtiger Baustein mit Fokus
auf die jungen Menschen mit Risiko für einen plötzlichen Herztod ist die
Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen Herztod“ mit der Herzstiftung,
dem Zentrum für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome am
Universitätsklinikum Frankfurt am Main und dem Institut für Sport- und
Präventivmedizin der Universität des Saarlandes. Infos:
https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten

Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Silke Kauferstein
Molekularbiologin und Leiterin des Zentrums für plötzlichen Herztod und
familiäre Arrhythmiesyndrome am Institut für Rechtsmedizin des
Universitätsklinikums Frankfurt am Main

Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache außerhalb von
Krankenhäusern. Jedes Jahr sterben in Deutschland über 65.000 Menschen
daran. Dass bei einem Großteil der Betroffenen eine langjährige Erkrankung
der Herzkranzgefäße, die koronare Herzkrankheit (KHK) bestand, darf nicht
darüber hinwegtäuschen, dass auch junge sportliche Menschen unter 40
Jahren - wenn auch selten - einen plötzlichen Herztod erleiden. Plötzlich
und unerwartet kommt es bei ihnen meist ohne die bekannten vorherigen
Warnzeichen zum Herzstillstand. Dass auch junge Menschen dem plötzlichen
Herztod zum Opfer fallen können, wissen viele nicht!

In etwa 40 Prozent der Fälle sind die Betroffenen eines plötzlichen
Herztodes im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Im Alter von eins bis 40
Jahren kommt es schätzungsweise zu jährlich 1.000 bis 2.000 Todesfällen
durch plötzlichen Herztod in Deutschland – bei hoher Dunkelziffer.
Ursachen des Herztodes im jungen Alter sind neben angeborenen Herzfehlern,
Veränderungen der Herzkranzgefäße (Koronaranomalien), Herzmuskelentzündung
(Myokarditis) vor allem genetisch bedingte Herzerkrankungen. Der
plötzliche Herztod bei jungen, scheinbar gesunden Menschen scheint oft das
erste Anzeichen der zugrundeliegenden Erkrankung zu sein, weil die
genannten Herzerkrankungen lange ohne eindeutige Beschwerden verlaufen
können. Allerdings zeigen sich doch in einem relevanten Teil dieser Fälle
Warnhinweise wie z.B. unklare Ohnmachtsanfälle, die oft verkannt wurden.

Aufgrund möglicher erblicher Komponenten als Grundlage dieser
lebensgefährlichen Herzereignisse müssen wir potenzielle Risikogruppen,
allen voran Angehörige die einen jungen Menschen in der Familie haben, der
einen plötzlichen Herztod erlitt, für diese Thematik sensibilisieren. Mit
der Initiative „Gemeinsam gegen den plötzlichen Herztod“ machen wir auf
Informationsangebote für Betroffene sowie auf Spezialambulanzen mit
Diagnose-, Therapie-, und Präventionsangeboten wie das Zentrum für
plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome am Frankfurter
Universitätsklinikum unter https://herzstiftung.de/junge-herzen-retten
aufmerksam.

Prof. Dr. med. Tim Meyer
Ärztlicher Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der
Universität des Saarlandes und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der
Deutschen Herzstiftung.

Regelmäßiger Sport ist eine der effektivsten Maßnahmen, um das Herz lange
gesund und leistungsfähig zu halten. Plötzliche Herztodesfälle beim Sport,
so selten sie sich auch bei augenscheinlich ‚gesunden‘ und
leistungsfähigen Sportlern ereignen, sind ein tragisches Ereignis und
können verunsichern. Sie sollten Menschen aber keineswegs davon abhalten,
regelmäßig Sport zu treiben. In nahezu allen Fällen liegt dem plötzlichen
Herztod beim Sport eine unerkannte Herzerkrankung zugrunde.

Vor allem bei Freizeitsportlern höheren Alters und Wiedereinsteigern
erhöhen ungewohnt hohe Belastungsintensitäten das Risiko eines plötzlichen
Herztodes. Intensives Sporttreiben und insbesondere wenig kontrollierbarer
Wettkampfsport erhöht das Risiko eines plötzlichen Herztodes, weil hohe
körperliche Belastungen bei Menschen mit unerkannten Herzerkrankungen
gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen können. Präventive
sportmedizinische Untersuchungen können das Risiko eines plötzlichen
Herztodes bei Sportlern deutlich senken. Auch junge Menschen ohne
diagnostizierte Herzerkrankung sollten, bevor sie aktiv Sport betreiben,
ihr Herz untersuchen lassen, wenn sie belastungsabhängige Beschwerden
spüren, ungeklärte Bewusstlosigkeiten hatten oder wenn nahe Angehörige an
Herzerkrankungen leiden.

Ziel des SCD-Registers Deutschland ist es, die Größenordnung plötzlicher
Todesfälle sowie überlebter Herztodesfälle beim Sport abzuschätzen und
insbesondere deren Ursachen möglichst genau zu erfassen. Weitere Register
wie das von der Herzstiftung geförderte Frankfurter RESCUED-Register zur
Prävention von plötzlichen Herztodesfällen auch außerhalb des Sportsektors
sind von enormer Bedeutung, damit wir bestehende Screening- und
Präventionsmaßnahmen verbessern bzw. ergänzen können, um eine Abnahme
tragischer Einzelfälle zu erreichen.

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Spirituelle Begleitung zum Lebensende – Spiritual Care muss Teil der Palliativmedizin werden

chwerkranke und sterbende Menschen wünschen sich in Krankenhäusern,
Altenheimen und Hospizen, dass ihre spirituellen Bedürfnisse
berücksichtigt werden. In ihrem Versorgungsalltag spielen diese jedoch
kaum eine Rolle, obwohl Spiritualität als eine Säule der
Palliativversorgung definiert ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie
der Universität Witten/Herdecke im Auftrag der Diakonie Deutschland.
Deshalb fordert die Diakonie Deutschland, Spiritual Care fest in das
Curriculum der medizinischen und pflegerischen Berufe zu integrieren.

Seit 2020 qualifiziert die Diakonie in einem Modellprojekt „Spirituelle
Begleitung am Lebensende (SpECi)“ Pflegefachkräfte im Bereich Spiritual
Care. 87 Prozent der befragten Patientinnen und Patienten fühlen sich
durch die in Spiritual Care geschulten Fachkräfte gut begleitet und 79
Prozent fühlen sich von diesen in ihren spirituellen Bedürfnissen
unterstützt, so das Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitstudie, die
Univ.-Prof. Dr. med. Arndt Büssing, Professur für Lebensqualität,
Spiritualität und Coping an der Universität Witten/Herdecke, bei einer
Fachtagung am 25. Mai in Berlin vorstellt. Und auch die geschulten
Fachkräfte profitieren von dem 40 Stunden umfassenden Kurs: 85 Prozent
geben an, dass der Kurs sie sicherer gemacht hat, mit den spirituellen
Bedürfnissen von schwerkranken und sterbenden Patienten und Patientinnen
umzugehen und 85 Prozent von ihnen gehen auch deutlich häufiger als zuvor
auf diese Bedürfnisse ein. Und das, obwohl sie aufgrund der Pandemie-
bedingten Einschränkungen stark belastet waren. Trotzdem wünschen sich 87
Prozent der Fachkräfte mehr Zeit für Gespräche über spirituelle
Bedürfnisse. Erst wenn sich Team-Spirit entwickelt, dann ist auch die
Arbeitszufriedenheit von Pflegefachkräften trotz der Belastung im Job
höher. „Bis heute fehlen für Spiritual Care angemessene Zeit- und
Personal-Ressourcen. Und dieser Mangel lässt die Ideale derjenigen
ausbrennen, die bereits jetzt schon am Limit arbeiten“, sagt Prof. Arndt
Büssing.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland: „Gerade in einer immer
vielfältiger werdenden Gesellschaft mit immer diverser werdenden
Vorstellungen von einem guten Lebensende bekommt die spirituelle
Begleitung eine immer wichtigere Rolle. Um diesen Wunsch professionell
umsetzen zu können, muss Spiritual Care einen festen Platz im Curriculum
der medizinischen und pflegerischen Berufe bekommen und – analog zur
Körperpflege – von den Kostenträgern finanziert werden. Darüber hinaus
braucht es mehr Räume, die eine vertrauliche Kommunikation ermöglichen,
insbesondere dort, wo Patientinnen und Patienten in Mehrbettzimmern
untergebracht sind.“

Hintergrund
Schwerkranke und sterbende Menschen auch spirituell gut zu begleiten ist
das Kernanliegen des 2020 gegründeten Modellprojekts „Spirituelle
Begleitung am Lebensende (SpECi)“. Seitdem wurden rund 91 Pflegefachkräfte
aus diakonischen Einrichtungen in einem 40 Stunden umfassenden
Qualifizierungsprogramm geschult. Die wissenschaftliche Begleitstudie
wurde von Univ.-Prof. Dr. med. Arndt Büssing, Professur für
Lebensqualität, Spiritualität und Coping, an der Universität
Witten/Herdecke, durchgeführt. In der Studie wurden alle 91
Kursteilnehmenden, 774 Patienten und Patientinnen und 356 Angehörige an
sieben teilnehmenden Standorten befragt. Die Kursteilnehmenden waren
Pflegefachkräfte, davon 58 Prozent aus Alten-/Pflegeheimen, zehn Prozent
Geriatrie, 16 Prozent Palliativstation, 12 Prozent Hospiz und vier Prozent
aus Krankenhäusern.

Weitere Infos: www.speci-deutschland.de
Fachtag Spiritual Care in Berlin: https://speci-deutschland.de/fachtag-in-
berlin-am-25-mai-2023/


Die Diakonie ist die soziale Arbeit der evangelischen Kirchen. Bundesweit
sind 599.770 hauptamtliche Mitarbeitende in rund 33.000 ambulanten und
stationären Diensten der Diakonie wie Pflegeheimen und Krankenhäusern,
Beratungsstellen und Sozialstationen mit 1,2 Millionen Betten/Plätzen
beschäftigt. Der evangelische Wohlfahrtsverband betreut und unterstützt
jährlich mehr als zehn Millionen Menschen. Etwa 700.000 freiwillig
Engagierte sind bundesweit in der Diakonie aktiv.

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