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Alzheimer-Diagnostik: Ultralange Eiweiss-Fasern geben Hinweise für ein Demenzrisiko

m Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung tauchen bestimmte Eiweisse im
Nervenwasser (Liquor) von Betroffenen auf. Empa-Forschende haben nun
gemeinsam mit der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen ein
breites Spektrum an Eiweissbausteinen und -fasern im Liquor sichtbar
gemacht. Ihr Fazit: Ultralange feine Eiweiss-Fasern sind ein eindeutiges
Kennzeichen für eine Alzheimer-Demenz. Die kürzlich in «Communications
Biology» publizierte Studie liefert neue Erkenntnisse zur Rolle von
Eiweiss-Anhäufungen bei der Entstehung von Demenzerkrankungen und soll
deren Früherkennung verbessern.

Die Früherkennung und Behandlung von Demenzerkrankungen wie Alzheimer ist
noch immer eine der grossen Herausforderungen der modernen Medizin. Dass
bestimmte Eiweisse im Nervenwasser (Liquor) zur Diagnose von Alzheimer
herangezogen werden können, ist zwar bereits bekannt. Die derzeitigen
Nachweisverfahren für derartige «Biomarker» mittels biochemischer Tests
können jedoch lediglich die Anwesenheit und Menge der verdächtigen
Eiweisse ermitteln. So lassen sich keine Aussagen über ihre ursprüngliche
Struktur und Form machen.

Derartige Informationen könnten jedoch Rückschlüsse auf das
Krankheitsstadium und die Effizienz von möglichen Behandlungen erlauben.
Ein Team der Empa und der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St.
Gallen hat nun die für Alzheimer aussagekräftigen Proteine mittels
Rasterkraftmikroskopie unter möglichst realitätsnahen Bedingungen sichtbar
gemacht. Die Ergebnisse haben die Forschenden kürzlich im Fachblatt
«Communications Biology» publiziert.

Molekül in natürlicher Gestalt

Mit der neuen Studie ergänzen die Forschenden ihre Einblicke in die
Alzheimer-Entstehung und -Diagnose um ein weiteres Puzzleteil. In einer
früheren Arbeit hatte das Team um Empa-Forscher Peter Nirmalraj vom
«Transport at Nanoscale Interfaces»-Labor in Dübendorf die potenziell
problematischen Eiweissstoffe bereits im Blut in ihrer natürlichen Gestalt
darstellen können. Für diese Arbeit wurde das Team bereits von der «Franco
Regli Foundation» in Bern ausgezeichnet. Nun zeigen die Forschenden die
unverfälschte Gestalt der Proteine detailliert auch direkt im Liquor auf.

Eindrückliche Präzision

Gelingen konnte dies dank einer Technologie, die mit eindrücklicher
Präzision die Welt der Moleküle in ihrem Innersten erkennbar macht: die
Rasterkraftmikroskopie (AFM). In der Grösse an ein herkömmliches
Tischmikroskop erinnernd, ermöglicht die AFM-Technologie indes
morphologische Beobachtungen im Nanometerbereich, ohne dabei die Eiweisse
zu zerstören. Und bei der Analyse von Grösse, Struktur, Form und
räumlichem Aufbau der Protein-Ansammlungen direkt im Liquor konnte das
Team nun eine Verbindung zum Krankheitsstadium erkennen. «Während sich bei
Menschen in einer frühen Phase der Erkrankung lediglich kurze
Eiweissfasern mit rund 100 Nanometern Länge fanden, tauchten in späteren
Krankheitsphasen Fasern mit einer vielfach grösseren Ausdehnung auf, die
mehrere Mikrometer lang werden konnten», sagt Biophysiker Nirmalraj. Bei
gesunden Personen waren hingegen keine oder wenige besonders kurze Fasern
in den Proben enthalten.

Rückenwind für AFM-Technologie

Nach diesen Pilotstudien mit 33 Personen wird das Team jetzt die
Anstrengungen verstärken und die im Labor gesammelten Erkenntnisse mit
Daten von grösseren Patientinnen- und Patientengruppen abgleichen. Zudem
sollen weitere Informationen über die chemischen Eigenschaften der
Eiweisse in verschiedenen Körperflüssigkeiten erforscht werden. Rückenwind
erhielt Empa-Forscher Nirmalraj bereits durch die Unterstützung der
Zürcher Stiftung Synapsis, um die Arbeiten an einem Bluttest für Alzheimer
mit der AFM-Technologie weiter voranzutreiben.

«Die AFM-Technologie hat das Potenzial, die herkömmlichen Biomarker-Tests
zu ergänzen und die Früherkennung von Alzheimer zu verbessern», ist
Nirmalraj überzeugt. Denn während die Biomarker-Tests die Eiweissmengen
angeben, könne die AFM-Technologie Informationen zur Struktur und Form von
Eiweissansammlungen und damit zum Verlauf der Erkrankung angeben. Darüber
hinaus werde man das Krankheitsgeschehen weiter ergründen können, um die
Basis für neue, wirksamere Medikamente zu liefern.

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Bluthochdruck – eine Gefahr auch schon für Kinder

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über eine unterschätzte, jedoch
zunehmend häufige Kinderkrankheit.

Am 17. Mai findet wie in jedem Jahr seit 2005 der Welt-Hypertonie-Tag
statt. Das Ziel dieses weltweiten Aktionstages ist es, über den
Bluthochdruck zu informieren und das Bewusstsein für die Bedeutung dieser
Volkskrankheit in der Bevölkerung zu schärfen. Das ist leider auch bitter
nötig, stellt die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen
Stellungnahme fest: Unter einem zu hohen Blutdruck leidet bereits heute
fast jeder Dritte in Deutschland. Bei den über 60-Jährigen ist sogar jeder
Zweite von Bluthochdruck betroffen. Aber was hat diese Alterskrankheit mit
Kindern zu tun?

Leider mehr als viele glauben, betont die Stiftung Kindergesundheit: Es
leiden nämlich auch immer mehr Kinder und Jugendliche unter hohem
Blutdruck, ohne dass sie oder ihre Eltern es wissen.
„Hoher Blutdruck ist bei Erwachsenen einer der wichtigsten Risikofaktoren
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gilt weltweit als eine der führenden
Ursachen für Todesfälle durch Herzinfarkt, Schlaganfälle oder
Nierenversagen”, erläutert der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor
Dr. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.
„Bei Kindern kommt er zwar deutlich seltener vor als bei Erwachsenen, doch
auch bei ihnen ist er nicht weniger gefährlich. Ein Bluthochdruck im
Kindesalter gilt nämlich als mitbestimmend für die Höhe des Blutdrucks und
deren Folgen im weiteren Verlauf des Lebens”.

Das Problem wird dramatisch unterschätzt

Vor allem in der Pubertät werden immer öfter bedenkliche Blutdruckwerte
gemessen, wobei Jungen drei bis vier Mal häufiger betroffen sind als
Mädchen. Das Gefährliche dabei ist: Wie bei den Erwachsenen äußert sich
ein zu hoher Blutdruck auch bei Kindern und Jugendlichen nicht mit
eindeutigen Krankheitszeichen. Er verläuft fatalerweise lange, meist ohne
spürbare Beschwerden und besonders im Kindesalter fehlen die Symptome oft
völlig. Folglich war Hypertonie bei Kindern lange Zeit ein von der
Wissenschaft stark vernachlässigtes Problem.
„Ein zu hoher Blutdruck wird daher immer noch häufig zu spät erkannt und
behandelt”, bedauert Professor Dr. Berthold Koletzko: „Die Hypertonie ist
leider ausgesprochen heimtückisch: Sie tut nämlich nicht weh. Einen
erhöhten Blutdruck spürt man nicht. Das Kind fühlt sich also nicht krank
und macht auch auf seine Eltern keinen kranken Eindruck. Nur manchmal
geben Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindelgefühle, Nasenbluten, schnelle
Ermüdbarkeit, starker Durst, Lern- und Konzentrationsstörungen dem Kinder-
und Jugendarzt einen Hinweis auf den bestehenden Hochdruck”. Deshalb sei
es trotz aller Bemühungen der Ärzt*innen und der Medien um Aufklärung bis
heute nicht gelungen, die Zahlen der von hohem Blutdruck Betroffenen
wesentlich zu senken.

Dicke Kinder unter hohem Druck

Laut Angaben der Deutschen Hochdruckliga haben etwa drei Prozent der
Kinder und Jugendlichen in Deutschland einen zu hohen Blutdruck. Das sind
etwa 400.000 betroffene Heranwachsende! Bei Kindern und Jugendlichen mit
Übergewicht liegt die Rate sogar noch höher: Unter ihnen haben bis zu 25
Prozent eine Hypertonie.

Hoher Blutdruck zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren des Herz-
Kreislauf-Systems, betont die Stiftung Kindergesundheit. Bei einer nicht
rechtzeitig behandelten Hypertonie droht eine anhaltende Schädigung der
Blutgefäße und eine gefährliche Belastung des Herzens. Diese Tatsache hat
dem hohen Blutdruck in Fachkreisen schon lange das Attribut „stiller
Killer" eingetragen. Schon eine milde Hypertonie steigert das Risiko,
bereits im jungen Erwachsenenalter an Herz oder Nieren zu erkranken oder
einen Schlaganfall zu erleiden. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist
hoher Blutdruck weltweit an 13 Prozent aller Todesfälle beteiligt.

Krisenfall: Wenn der Blutdruck entgleist

Als besonders gefährlich gilt ein plötzlich auftretender massiver Anstieg
des Blutdrucks, eine so genannte hypertensive Krise. Sie kann sich auch
bei Kindern durch Sehstörungen, Kopfschmerzen, Nasenbluten oder Zittern
bemerkbar machen und zu Verwirrtheit und Krampfanfällen bis zur
Bewusstlosigkeit führen. Die Hochdruckkrise ist ein lebensbedrohlicher
Notfall und erfordert eine sofortige ärztliche Versorgung (Notruf 112).
Um die gefährlichen Folgen hohen Blutdrucks zu verhindern, wären
regelmäßige Messungen des Blutdrucks schon bei Kindern vom dritten
Lebensjahr an etwa alle zwei Jahre empfehlenswert und nützlich, betont die
Stiftung Kindergesundheit. Bei den Vorsorgeuntersuchungen ist allerdings
erst bei der J1, der Jugendgesundheitsuntersuchung, eine Blutdruckmessung
vorgesehen.
Die Europäische Gesellschaft für Bluthochdruck empfiehlt jedoch eine
deutlich frühere Erstmessung: bei Kindern ohne Risikofaktoren im Alter von
drei Jahren, mit einer Wiederholung nach zwei Jahren. Danach sollte am
besten bei jedem Arztbesuch auch der Blutdruck gemessen werden.


Manche Kinder sind stärker gefährdet

Bei besonders gefährdeten Kindern sollte der Blutdruck noch häufiger
kontrolliert werden, empfiehlt Professor Dr. Berthold Koletzko. Dazu
zählen:

O Kinder mit Übergewicht,

O Kinder mit einem erhöhten Blutfettspiegel (Hypercholesterinämie),

O Kinder mit einer bekannten oder vermuteten Erkrankung des Herzens oder
der Nieren,

O Kinder, in deren Familie hoher Blutdruck gehäuft vorkommt,

O Kinder, deren Eltern vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten
oder

O vor dem 70. Lebensjahr einen Hirnschlag erlitten haben.

Am gebräuchlichsten ist die Messung des Blutdrucks mit einer aufblasbaren
Gummimanschette am Oberarm, bei kleineren Kindern auch am Unterarm oder am
Unterschenkel. Zu beachten ist, dass Umfang und Länge der Oberarme bei
Kindern unterschiedlich sind, so dass entsprechend verschieden breite
Druckmanschetten benutzt werden müssen. Bei unruhigen und schreienden
Kindern fallen die Messwerte oft zu hoch aus. Medizinische Fachkräfte
brauchen deshalb viel Geduld und meistens auch die Hilfe der Eltern. Bei
einem verdächtigen Befund muss die Messung wiederholt werden. Wichtig zu
wissen: Anders als bei Erwachsenen gibt es keine allgemein gültigen
Normalwerte des Blutdrucks für alle Kinder. Die Blutdruckwerte, die bei
Kindern und Jugendlichen als normal und somit als gesund gelten, sind
nicht nur bei Jungen und Mädchen unterschiedlich, sondern hängen auch von
Alter, Körpergröße und Gewicht des Kindes ab.

Gesund essen, Wasser trinken, mehr bewegen

Zur Behandlung des hohen Blutdrucks stehen an erster Stelle der
Empfehlungen Maßnahmen zur Veränderung des Lebensstils, vor allem eine
Verringerung des Übergewichts, betont die Stiftung Kindergesundheit mit
großem Nachdruck. Die wichtigsten Empfehlungen zur Umstellung der
Ernährung lauten: Getränke, Brot, Getreide und Getreideflocken,
Kartoffeln, Reis, Gemüse und Obst sollten reichlich verzehrt werden, Milch
und Milchprodukte, Fleisch und Wurst sowie Fisch und Eier mäßig, Öle und
Fette nur sparsam.
Auch der tägliche Verbrauch von Salz sollte eingeschränkt werden. Eine
frühzeitige Gewöhnung an stark gesalzene Speisen wie Fertiggerichte und
Fast-Food sollte vermieden, auf das Nachsalzen bei Tisch verzichtet
werden.
Abgeraten wird auch von Getränken mit hohem Zuckergehalt, wie Limonaden,
Cola und koffeinhaltigen „Energydrinks”. Der beste Durstlöscher für Kinder
ist das Wasser aus dem Wasserhahn, betont Professor Berthold Koletzko.
Besonders wichtig ist auch eine Verbesserung der körperlichen und
seelischen Kondition der Kinder und Jugendlichen durch intensive, tägliche
Bewegung, mindestens 60 Minuten am Tag, hebt die Stiftung Kindergesundheit
hervor. Nach aktuellen Daten des Robert- Koch-Instituts sind in
Deutschland mittlerweile nur noch 27,5 Prozent, also nur etwas mehr als
ein Viertel der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren, täglich
mindestens 60 Minuten körperlich aktiv.
„Das bedeutet: Drei von vier Kindern und Jugendlichen in Deutschland
leiden unter einem potenziell gesundheitsgefährdenden Bewegungsmangel!”,
sagt Professor Dr. Berthold Koletzko. Durch zu wenig Bewegung steigt aber
das Risiko für Fettsucht und Bluthochdruck.
Für die medikamentöse Behandlung des hohen Blutdrucks steht eine Reihe von
Arzneimitteln („Antihypertensiva”) zur Verfügung, die prinzipiell auch bei
Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden können. Die meisten Medikamente
gegen Hochdruck sind gut verträglich und bei Kindern und Jugendlichen
ebenso effektiv wie bei Erwachsenen.



Hier finden Sie mehr Informationen im Internet:


www.hochdruckliga.de

www.kinderherzstiftung.de

www.herzkind.de

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Kostenfreies Online-Angebot zur psychischen Gesundheit von Rettungskräften

Jeder 7. Beschäftigte im Rettungsdienst berichtet von Depression //
Teilnehmende für Studie gesucht

Leipzig, 04.05.2023 – Die kostenfreie Plattform zur psychischen Gesundheit
von Rettungskräften www.rupert-community.de ist ab sofort frei verfügbar.
Die Webseite und das zugehörige Diskussionsforum bieten haupt- und
ehrenamtlichen Beschäftigten im Rettungsdienst ein Informations- und
Austauschangebot rund um Fragen der mentalen Gesundheit.
Das RUPERT-Angebot wurde zunächst im Rahmen einer Pilotstudie geprüft und
war deshalb nur für Teilnehmende an der Studie zugänglich. Insgesamt
nahmen über 250 Rettungskräfte an der Studie teil. Die Resonanz zum
Angebot war sehr positiv, und viele Retter berichteten von einem Mehrwert
durch das Informations- und Austauschangebot. Nach erfolgreichem Abschluss
der Pilotstudie ist www.rupert-community.de nun allen Interessierten frei
zugänglich. „Rettungskräfte gelten aufgrund der physischen und psychischen
Anforderungen ihres Arbeitsalltags als Risikogruppe für
Belastungsstörungen und Depression. Unser Ziel war und ist es, mit RUPERT
ein Online-Selbsthilfeangebot zu schaffen, das möglichst viele
Mitarbeitende im Rettungsdienst anspricht und langfristig als Selbsthilfe-
Werkzeug genutzt werden kann“, sagt Dr. Nico Niedermeier, Facharzt für
Psychotherapeutische Medizin und Moderator bei www.diskussionsforum-
depression.de.

Diskussionsforum und Informationsseite zur psychischen Gesundheit von
Rettungskräften

RUPERT steht für “foRUm für Psychische gEsundheit im deutschen
RetTungsdienst“ und ist ein Online-Angebot zur Stärkung der psychischen
Gesundheit von Rettungskräften. Es setzt sich aus zwei wesentlichen
Komponenten zusammen:
•       Das Diskussionsforum RUPERT wurde als integriertes Unterforum des
seit 2001 bestehenden Diskussionsforum Depression erstellt. Mit über
600.000 Beiträgen von ca. 44.000 registrierten Nutzern ist dieses
mittlerweile die größte Selbsthilfeplattform zum Thema Depression im
deutschsprachigen Raum. Mit dem Unterforum RUPERT  besteht nun erstmals
ein moderiertes Selbsthilfeforum exklusiv für Rettungskräfte, welches
24/7, anonym und kostenfrei zur Verfügung steht. In geschützten
Kleingruppen tauschen sich Rettungskräfte zu ihren Erfahrungen unter
Gleichgesinnten aus und geben sich Ratschläge.
•       Auf der Website www.rupert-community.de ist ein breites
Informationsangebot zum  Thema psychische Gesundheit im Rettungswesen
bereitgestellt. In 10 Modulen wird mittels Videos, Tutorials und Texten
Wissen vermittelt und praktische Hinweise zur Prävention gegeben. Zu den
Themen zählen: psychische Gesundheit im Rettungsdienst, Stress, Prävention
und Selbstfürsorge, Männergesundheit, psychische Krankheiten und
Anlaufstellen sowie kollegiale Hilfe. Zudem gibt es ein Modul, in dem
konkrete Übungen, sogenannte Powertools zur Prävention und Selbstfürsorge,
angeboten werden. Die fachlichen Informationen werden darüber hinaus durch
Erfahrungsberichte von Rettungskräften ergänzt, die von Belastungen,
teilweise psychischen Erkrankungen und ihrem Umgang damit berichten.

Rettungskräfte häufiger psychisch krank

Rettungskräfte sind in ihrem Alltag starken physischen und psychischen
Belastungen ausgeliefert. Dazu zählen z.B. die Verantwortung für das Leben
anderer, der verschobene Tag-Nacht-Rhythmus durch die Schichtarbeit und
Personalengpässe. Zu den täglichen Anforderungen können Traumatisierungen
durch Extremereignisse wie z.B. Kindernotfälle hinzukommen (Maercker &
Barth, 2004).

International gesehen sind ca. 11 Prozent der Rettungskräfte von einer
Posttraumatischen Belastungsstörung betroffen – im Vergleich zu bis zu 3
Prozent in der Allgemeinbevölkerung (Petrie at al., 2018). Laut einer
Befragung des RKI berichten 13,7 Prozent des medizinischen
Rettungsdienstpersonals in Deutschland, in den vergangenen zwölf Monaten
von einer depressiven Erkrankung betroffen gewesen zu sein. Das sind in
etwa doppelt so viele Betroffene wie in der Allgemeinbevölkerung (Möckel
et al., 2022).
68 Prozent der Beschäftigten im Rettungsdienst sind männlich. Studien
geben Hinweise darauf, dass Männer im Allgemeinen, besonders jedoch Männer
im Medizinischen Dienst, erhöhte Stigmatisierungsängste und ein
ungünstiges Hilfesuchverhalten in Bezug auf psychische Schwierigkeiten
zeigen (Clement et al., 2015). Die Angst vor Karrierenachteilen oder die
Befürchtung, als „schwach und unmännlich“ angesehen zu werden, hält viele
Rettungskräfte davon ab, sich professionelle Hilfe zu holen. Dr.
Niedermeier betont vor diesem Hintergrund: „Eine umfassende Aufklärungs-
und Präventionsarbeit sowie eine frühzeitige Hilfestellung macht die
zeitnahe Behandlung einer psychischen Erkrankung möglich. Das ist
essentiell, um Rettungskräfte frühzeitig zu entlasten und die Chance auf
einen milden Verlauf zu erhöhen.“

Rettungskräfte gesucht für Begleit-Studie zur Implementierung

In der vorangegangenen Pilotstudie wurde das Online Informations- und
Austauschprogramm als präventive Maßnahme gegen Depression hinsichtlich
dessen Wirkmechanismen und des Mehrwerts für Rettungskräfte in deren
Berufsalltag untersucht. Eine neue, weitere Studie hat zum Ziel, die
deutschlandweite Einführung des Programmes zu begleiten und bestimmte
Aspekte von RUPERT noch besser zu erforschen. Der Fokus liegt dabei auf
der Annahme des Angebots im deutschen Rettungsdienst und der aktiven
Nutzung des RUPERT Diskussionsforums: Dabei werden Probanden eingeladen,
sich aktiv im RUPERT Diskussionsforum zu beteiligen, sich mit anderen
Rettungskräften zu Themen der mentalen Gesundheit auszutauschen und kurze
Fragen zu ihrer psychischen Gesundheit und den Erfahrungen mit RUPERT zu
beantworten.
An der Studie teilnehmen kann haupt- wie ehrenamtliches medizinisches
Personal im Rettungsdienst. Die Anmeldung erfolgt über www.rupert-
community.de/studie.
Die Studie ist im Deutschen Register Klinischer Studien unter der Nummer
DRKS00031648 registriert, das vollständige Studienprotokoll kann unter
https://drks.de/search/de/trial/DRKS00031648 eingesehen werden.

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Katheter-Eingriffe bei Kindern nur noch ambulant: „Das gefährdet klar das Kindeswohl!“

Neuer Vertrag für ambulantes Operieren (AOP): Vor Komplikationsgefahren
durch die Auslagerung stationärer Eingriffe in den ambulanten Bereich
warnen das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF) und die Deutsche
Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK)

Alarmiert sind Kinderkardiologen und Patientenorganisationen im Bereich
der Angeborenen Herzfehler (AHF), weil im Zuge der Umsetzung des MDK-
Reformgesetzes bei Kindern ab Erreichen des ersten Lebensjahrs
Herzkatheter-Eingriffe, sogenannte Herzkatheteruntersuchungen, nicht mehr
stationär, sondern ambulant durchzuführen und abzurechnen sind. „Diese
Neuregelung für ambulant durchzuführende Eingriffe bei Kindern hat
gravierende Auswirkungen auf das Wohl und die Sicherheit von Kindern mit
angeborenem Herzfehler“, warnt der Kinderkardiologe Prof. Dr. med.
Matthias Gorenflo, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische
Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) und Ärztlicher Direktor der
Klinik für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler am
Universitätsklinikum Heidelberg in einer gemeinsamen Pressemeldung mit dem
Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF). Bei Kindern mit angeborenem
Herzfehler bündeln sich Besonderheiten des Alters, der Herzerkrankung
sowie der Gefäßverhältnisse zu einer in mehrfacher Hinsicht schwierigen
Konstellation, die nicht mit der einer Herzkatheteruntersuchung von
erwachsenen Patienten mit erworbenen Herzerkrankungen vergleichbar ist.
„Aus medizinischen Gründen ist deshalb immer angezeigt, Kinder mit
angeborenem Herzfehler vor und nach der Herzkatheteruntersuchung stationär
zu überwachen. Auch die durch die altersbedingt eingeschränkte Kooperation
der Patienten verursachten unabsehbaren Risiken sprechen klar gegen eine
ambulante Durchführung“, betont der DGPK-Präsident Gorenflo.

Jährlich kommen 8.700 Kinder mit einem Herzfehler zur Welt, von denen dank
des herzmedizinischen Fortschritts heute über 90 Prozent das
Erwachsenenalter erreichen und mit ca. 330.000 Erwachsenen mit angeborenem
Herzfehler (EMAH) eine stetig wachsende Patientengruppe bilden. Pro Jahr
werden in Deutschland über 8.800 Herzkatheteruntersuchungen und
-Interventionen bei Patientinnen und Patienten mit AHF durchgeführt, davon
rund 23 Prozent im Erwachsenenalter, alle übrigen bei Neugeborenen und
Kindern (Deutscher Herzbericht 2021). „Eine Herzkatheteruntersuchung
stellt durch das Einbringen eines dünnen Kunststoffschlauchs in das
Gefäßsystem, die bei Kindern notwendige Sedierung/Narkose und die
Röntgenstrahlen einen invasiven Eingriff dar, der einer stationären
Überwachung vor und nach der Prozedur bedarf“, betont auch Prof. Dr. med.
Stefan Hofer, Elternvertreter herzkranker Kinder im Vorstand der Deutschen
Herzstiftung, die Mitgliedsorganisation des ABAHF ist. „Denn bei
arteriellen und venösen Zugängen im Zuge des Eingriffs, nach Sedierung
oder Narkose und Einbringung von Flüssigkeiten wie Kontrastmitteln ist mit
möglichen Komplikationen während und nach der Herzkatheteruntersuchung zu
rechnen“, erklärt Prof. Hofer, Chefarzt der Klinik für Anästhesie,
Intensiv- und Notfallmedizin am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern.

AOP-Katalog: Medizinische Gründe für stationäre Durchführung invasiver
Eingriffe unzureichend abgebildet
Die Neuregelung durch das MDK-Reformgesetz ändert für bestimmte
medizinische Prozeduren die bisherigen Modalitäten, ob sie weiterhin
stationär oder von nun an ambulant durchzuführen sind. Mit dem Ziel, im
Gesundheitswesen Kosten einzusparen, haben der GKV-Spitzenverband der
gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, die Deutsche
Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung
(KBV) eine Erweiterung des Katalogs ambulant durchführbarer Operationen
(AOP) und eine Neufassung des AOP-Vertrags umgesetzt (1). Diese Maßnahmen
erfolgten im Rahmen der Umsetzung des gesetzlichen Auftrags aus dem MDK-
Reformgesetz von 2020. Muss ein ambulant durchzuführender Eingriff dennoch
stationär erfolgen, muss die Klinik für die Finanzierung der Leistung
durch die Krankenkassen vorab begründen, warum die Patientin oder der
Patient nach dem Eingriff stationär versorgt werden muss. Dafür stehen den
Ärzten einheitliche fachlich-medizinische Kriterien, so genannte
Kontextfaktoren, zur Verfügung. Diese Kontextfaktoren, die eine stationäre
Durchführung invasiver Maßnahmen im Kindesalter erlauben, sind nach
Einschätzung des Kinderkardiologen Prof. Gorenflo jedoch „nur rudimentär“
und bildeten „nicht die eigentlichen medizinischen Gründe für die
stationäre Durchführung invasiver Maßnahmen ab“.

Ärztinnen und Ärzte müssen entscheiden, ob eine invasive Therapie auch
ambulant durchführbar ist
Vor allen Dingen müsse die Entscheidung, ob eine invasive Therapie auch
ambulant durchführbar ist, immer bei den Ärzten und Ärztinnen liegen und
aufgrund der individuellen Situation des Patienten oder der Patientin
erfolgen, so die Forderung der Vertreter von DGPK und ABAHF. „Wer
ernsthaft glaubt, dass ein dreijähriger Patient nach einer Punktion der
Leistenschlagader zur Durchführung einer Herzkatheteruntersuchung am
gleichen Tag aus der Klinik entlassen werden kann, nimmt hohe Risiken für
diese Kinder in Kauf“, warnt DGPK-Präsident Gorenflo, dessen Sorgen für
das Wohl der jungen Patientinnen und Patienten auch Vertreter anderer
Fachgesellschaften in der Kinder- und Jugendmedizin teilen. Es bleiben
zahlreiche offene Fragen: „Wer haftet für das Versterben im Rahmen einer
Nachblutung? Wer haftet für die nach der Prozedur auftretende Aspiration
nach Sedierung, wenn keine stationäre Überwachung gegeben ist?“, gibt der
Heidelberger Kinderkardiologe und Klinikdirektor zu bedenken.

Über-80-Jährige sind von der Neuregelung der Ambulantisierung stationärer
Eingriffe ausgenommen – warum nicht auch die Kinder?
Besonders alarmiert sind Kinderkardiologen von dem Hinweis des GKV-
Spitzenverbands im Kontext des AOP-Katalogs, dass bei Vorliegen
medizinischer oder sozialer Gründe, die von den Kontextfaktoren abweichen
und „die dazu führen, dass die Versorgung des Patienten in der
Häuslichkeit nicht sichergestellt werden kann und dadurch der medizinische
Behandlungserfolg gefährdet ist, […] diese Gründe bei einer stationären
Durchführung der Leistung fallindividuell darzustellen [sind]“ (GKV-
Spitzenverband) (1). „Konkret bedeutet das: Der Gesetzgeber geht davon
aus, dass die ambulante Durchführung von Herzkatheteruntersuchungen bei
Kindern medizinisch vertretbar und die Regel ist“, so DGPK-Präsident
Gorenflo. Er sieht dadurch die Sicherheit der Kinder gefährdet, für die
von nun an diese Regelung gelten soll. Hinzu kommt, dass Über-80-Jährige
von den neuen Regeln der Ambulantisierung von bisher stationären
Prozeduren ausgenommen sind, die Neuregelung aber für alle Kinder, sobald
sie das erste Lebensjahr erreicht haben, gilt. „Für jede stationäre
Überwachung nach einem invasiven Eingriff im Kindesalter muss faktisch
eine Begründung individuell erstellt werden“, erklärt Prof. Gorenflo. Dies
sei für Kinder medizinisch nicht zu rechtfertigen, „völlig realitätsfremd“
und „bürokratisch ein Alptraum“ für die behandelnden Ärzte und Ärztinnen
in den ohnehin überlasteten Kinderkliniken. Kinder müssten umgehend, so
die Forderung von DGPK und ABAHF, wie die Über-80-Jährigen automatisch vom
Zwang zur ambulanten Durchführung bisher stationärer Eingriffe ausgenommen
werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene
Herzfehler (DGPK) und das Aktionsbündnis für Angeborene Herzfehler (ABAHF)
appellieren an die Politik, allen voran an das Bundesministerium für
Gesundheit, eine Korrektur des AOP-Vertragstextes und eine grundsätzliche
Herausnahme der Kinder aus dem AOP-Katalog analog der über 80-jährigen
Patientinnen und Patienten vorzunehmen. „Das Patientenalter und die
Einschätzung des behandelnden Arztes oder der Ärztin müssen genügen, um
eine stationäre Durchführung zu rechtfertigen“, so die Forderung der
Vertreter von ABAHF und DGPK.
(wi)

Literatur
(1) GKV-Spitzenverband, Ambulantes Operieren nach § 115b SGB V:
https://www.gkv-
spitzenverband.de/krankenversicherung/ambulant_stationaere_versorgung/ambulantes_operieren_115_b/ambulantes_operieren_115_b.jsp
(zuletzt abgerufen am 01.05.2023)
- Bundesverband Herzkranke Kinder e. V. (Hg.), Leitfaden: Herzkatheter bei
Kindern zur Diagnostik oder Therapie, Aachen 2015, 2. Aufl.
- Deutsche Herzstiftung (Hg.), Deutscher Herzbericht 2021, Frankfurt a. M.
2022

Das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF)
Um in der Öffentlichkeit mit einer Stimme für eine bessere Versorgung von
Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern und
deren Familien einzutreten und ihnen noch effektiver zu helfen, haben sich
2014 auf Initiative der Deutschen Herzstiftung e. V. sechs bundesweit
tätige Patientenorganisationen zum „Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler“
(ABAHF) zusammengeschlossen. Die Organisationen sind: Bundesverband
Herzkranke Kinder e.V., Bundesverein Jemah e.V., Fontanherzen e.V.,
Herzkind e.V., Interessengemeinschaft Das Herzkranke Kind e.V. und die
Kinderherzstiftung der Deutschen Herzstiftung e.V.
Etwa 8.700 Neugeborene mit angeborenem Herzfehler kommen in Deutschland
jährlich zur Welt. Heute erreichen rund 90 % dieser Kinder dank der
Fortschritte der Kinderherzchirurgie und Kinderkardiologie das
Erwachsenenalter. Die Zahl der Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler
(EMAH) wird auf über 330.000 geschätzt. Zur Homepage:
https://www.abahf.de/

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene
Herzfehler (DGPK)
Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene
Herzfehler e.V. ist eine gemeinnützige medizinische Fachgesellschaft mit
dem Ziel der Förderung von Wissenschaft, Diagnostik und Therapie sowie der
Prävention von angeborenen und erworbenen Herz- und Kreislauferkrankungen
im Kindes- und Jugendalter. Sie nimmt Belange der Lehre (Ausbildung, Fort-
und Weiterbildung) sowie die Erstellung von Leitlinien wahr. Zur Homepage:
https://www.dgpk.org

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