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Gesundheit

Zur Kommentierung freigegeben: Konsultationsfassung der neuen Patientenleitlinie Hodenkrebs

Die Konsultationsfassung der Patientenleitlinie Hodenkrebs ist ab sofort
zur Kommentierung freigegeben. Die Fachöffentlichkeit, Betroffene, die
Selbsthilfe und Interessierte sind herzlich eingeladen,
Verbesserungsvorschläge und Ergänzungshinweise mit dem dafür vorgesehenen
Kommentierungsbogen bis zum 25. August abzugeben.

Der Kommentierungsbogen und die Konsultationsfassung der
Patientenleitlinie sind hier abrufbar: https://www.leitlinienprogramm-
onkologie.de/patientenleitlinien/hodenkrebs/

Die nach der Konsultationsphase finalisierte Patientenleitlinie wird sich
an betroffene Männer sowie an deren Angehörige richten und bietet
verständliche Informationen zur Erkrankung, Diagnostik, Therapie und
Nachsorge. Zudem finden Leser*innen in der Patientenleitlinie
Hilfestellungen für das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin. Die
Erstellung der Patientenleitlinie wurde unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Urologie e. V. im Rahmen des Leitlinienprogramms
Onkologie von der Deutsche Krebshilfe gefördert.

Hodenkrebs zählt zu den selteneren Krebserkrankungen mit einer guten
Prognose. Laut dem Robert Koch-Institut erkrankten im Jahr 2016 4.120
Männer neu daran, 140 verstarben. Besonders betroffen von der Erkrankung
sind junge Männer im Alter zwischen 25 und 45 Jahren (Quelle: Robert Koch-
Institut, Krebs in Deutschland 2016).

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und
die Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 30 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)
Mit rund 7.000 Mitgliedern ist die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.
V. (DGU) die größte Vertretung deutscher Fachärztinnen und Fachärzte für
Urologie. Als medizinische Fachgesellschaft fördert die DGU Wissenschaft,
Forschung, Innovation, Fort- und Weiterbildung in der Urologie. Damit
schafft sie die Voraussetzungen für eine flächendeckende hochqualifizierte
Versorgung urologischer Patientinnen und Patienten in Deutschland. Das
eigene Wissenstransferzentrum UroEvidence ermöglicht die systematische
Evidenzaufarbeitung und organisatorische Unterstützung für
Leitliniengruppen innerhalb der Urologie. Mehr unter:
https://www.urologenportal.de/

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Von Patient zu Patient: Das Selbsthilfe-Telefon der DHL®

Ab sofort gibt es von der Deutschen Hochdruckliga e. V. DHL® │ Deutsche
Gesellschaft für Hypertonie und Prävention einen neuen Service für
Patientinnen und Patienten, bei dem zahlreiche praktische Fragen rund um
das Thema Bluthochdruck von erfahrenen
Selbsthilfegruppenleiter/-leiterinnen beantwortet werden. Sie stehen jeden
ersten Donnerstag im Monat am Selbsthilfe-Telefon zur Verfügung.Am 5.
August 2021 wird Ortwin Stein aus Bad Wildungen die Fragen Interessierter
beantworten.

Nach Schätzung der DHL sind mehr als 25 Millionen Menschen in Deutschland
von Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) betroffen. Menschen, die das
erste Mal mit der Diagnose Bluthochdruck konfrontiert werden, sind oft
überrascht und oft gar nicht in der Lage, Information, die ihnen der
Arzt/die Ärztin zum Krankheitsbild und zur Therapie gibt, zu verarbeiten.
Auch ist nicht immer alles verständlich und mitunter hat der Arzt/die
Ärztin wenig Zeit für detaillierte Ausführungen. Dann bleiben im Anschluss
viele Fragen offen – Was genau bedeutet Bluthochdruck für das alltägliche
Leben? Wie geht man damit um? Wo bekommen Ratsuchende Hilfe?

Um Betroffene und Angehörige zu unterstützen und lebensnahe Beratung
anzubieten, hat die Deutsche Hochdruckliga nun ein Selbsthilfe-Telefon
eingerichtet. Jeden ersten Donnerstag im Monat jeweils zwischen 17:00 und
18:30 Uhr beantworten erfahrene Leiter/Leiterinnen von Selbsthilfegruppen
alle Fragen, die nach dem Arztgespräch u.U. offengeblieben sind und geben
praktische Tipps, wie der Blutdruck in den Griff zu bekommen ist. Sie
stehen mit ihrem großen Erfahrungsschatz zum Thema Bluthochdruck zur
Verfügung und können vieles anschaulich erklären, sei es, wie man korrekt
den Blutdruck misst oder wie man es schafft, die Medikamenteneinnahme
nicht zu vergessen.

Das Selbsthilfe-Telefon soll und kann das Arztgespräch nicht ersetzen,
sondern ist ein Zusatzangebot. Es kann darauf vorbereiten oder es
nachbereiten. „Es ist bekannt, dass Patientinnen und Patienten,
insbesondere, wenn sie eine neue Diagnose erhalten haben, nur bedingt
aufnahmefähig sind, auch haben viele Menschen Skrupel, nachzufragen, wenn
sie die Ausführungen des Arztes oder der Ärztin nicht verstehen. Oft
kommen die Fragen auch erst nach dem Arztbesuch und der nächste Termin
steht erst wieder in einem halben Jahr an. Der neue Service kann hier eine
Beratungslücke schließen“, erklärt Professor Ulrich Wenzel, Hamburg,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

Am 5. August 2021 wird Ortwin Stein aus Bad Wildungen die Fragen
Interessierter beantworten. Der Bedarf ist groß, weiß der
Selbsthilfegruppenleiter aus Erfahrung. Viele Patientinnen/Patienten oder
ratsuchende Angehörige möchten wissen, wie es bei anderen ist, wie sie es
schaffen, ihre Blutdruckwerte zu senken und mit welchen
Lebensstiländerungen sich schneller ein Erfolg einstellt. „Wenn es das
DHL-Selbsthilfetelefon schon vor 10 Jahren gegeben hätte, wäre ich einer
der ersten Anrufer gewesen“, sagt Ortwin Stein. „Ich war nach der Diagnose
Bluthochdruck zuerst überrascht, dann neugierig, was es damit auf sich
hat, wollte wissen, was auf mich zukommt. Ein Gespräch als
Erfahrungsaustausch mit einem ebenfalls Betroffenen hätte mir eine Menge
Zeit erspart. Ich musste lange recherchieren, bevor ich wusste, wie ich
denn nun all das umsetzen kann, was mein Arzt mir in aller Kürze geraten
hat, um möglichst wenige Tabletten einnehmen zu müssen und das Risiko für
Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall trotzdem zu
reduzieren.“

Eine Lebensstiländerung ist die beste Therapie, um den Blutdruck zu
senken. Aber das ist für viele oft leichter gesagt als getan. Hier kann
jetzt ein Anruf beim Servicetelefon erste hilfreiche Impulse geben: warum,
wie, wann, wie oft und womit sollte der Blutdruck gemessen werden; was
bedeutet Ernährungsumstellung; welche Arten von körperlicher Aktivität
sind geeignet; wie finde ich einen Weg, für mich ganz persönlich die
Maßnahmen in den Alltag zu integrieren; wie gelingt es, mit dem Rauchen
aufzuhören, Stress abzubauen? Das Schöne an dem Angebot: in einer
entspannten Atmosphäre ohne Zeitdruck hört jemand zunächst zu, kann das
Gesagte gut nachvollziehen, weil er/sie es z. T. selbst erfahren hat, kann
berichten, wie man Hürden auf dem Weg der Lebensstiländerung nimmt und
damit Erfolg hat. Ortwin Stein zum Beispiel sagt: „Heute komme ich ohne
blutdrucksenkende Tabletten aus. Ich fühle mich trotz der chronischen
Erkrankung gut, weil ich sie unter Kontrolle habe. Wichtig ist: konsequent
dranbleiben, Geduld haben, sich selbst immer wieder motivieren.“ Er freut
sich darauf, Ratsuchenden seine ganz persönliche Erfahrung weiterzugeben.
Auch glaubt er, dass der Austausch unter Betroffenen grundsätzlich wichtig
ist. „Im Gespräch mit anderen wird man oft zu positiverem Denken angeregt,
denn man sieht, auch andere sind erkrankt und haben einen Weg gefunden,
gut mit der Krankheit zu leben. Das macht Mut!“

Das Selbsthilfe-Telefon ist unter der Servicetelefonnummer 06221/588 55 88
erreichbar. Termine und Ansprechpartnerinnen/-partner finden Sie unter
https://www.hochdruckliga.de/betroffene/selbsthilfe-telefon .

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„Hepatitis kann nicht warten!“ – die Deutsche Leberstiftung fordert anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages mehr Engagement

Am 28. Juli 2021 findet der Welt-Hepatitis-Tag statt. Das diesjährige
Motto „Hepatitis kann nicht warten!“ ist eine eindringliche Forderung an
die Politik, engagierter zu handeln. Die weltweiten Strategien zur
Eliminierung von Virushepatitis wurden in vielen Ländern – auch in
Deutschland – nur eingeschränkt umgesetzt. Die Corona-Pandemie stellt
zudem eine Behinderung dieser Aktivitäten dar. Die Deutsche Leberstiftung
unterstützt aktiv das Erreichen der WHO-Zielsetzung, Hepatitis B und C bis
2030 weltweit zu eliminieren. Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages ruft die
Deutsche Leberstiftung die Politik und jeden Einzelnen dazu auf, nicht
länger zu warten, sondern aktiv zu werden.

Lebererkrankungen bestehen oft über Jahre, ohne dass sich spezifische
Anzeichen dafür zeigen. Dazu gehören auch die Erkrankungen der Leber, die
durch eine Infektion mit Hepatitisviren hervorgerufen werden. Die
Virushepatitis ist ein großes globales Gesundheitsproblem, das aufgrund
der bestehenden Diagnose- und Therapiemöglichkeiten eigentlich gelöst
werden könnte. Trotzdem sterben noch immer viele Menschen weltweit an
dieser Erkrankung. Diese alarmierende Situation hat die World Hepatitis
Alliance (WHA), die den Welt-Hepatitis-Tag global ausrichtet, zum Anlass
genommen, das diesjährige Motto als eindringlichen Appell zu formulieren:
„Hep can’t wait“ – „Hepatitis kann nicht warten!“.

Abhängig vom Virustyp unterscheidet man Hepatitis A, B, C, D und E.
Hepatitis-Viren rufen unterschiedlich schwere Leberentzündungen hervor,
die spontan ausheilen oder wie bei den Hepatitiden B, C, D und E (nur bei
immunsupprimierten beispielsweise organtransplantierten Patienten)
chronisch werden und im weiteren Verlauf auch Leberzirrhose und auch
Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) verursachen können.

„Nach den letzten, zum Teil revolutionären Entwicklungen in der Hepatitis
B- und C-Therapie stehen uns heute nahezu nebenwirkungsfreie und sehr
effektive Medikamente zur Verfügung, die (bei der Hepatitis B) eine
Kontrolle beziehungsweise (bei der Hepatitis C) sogar Heilung dieser
chronischen Infektionen ermöglichen. Auch für die Hepatitis delta, die
durch das Hepatitis D-Virus ausgelöst wird, besteht seit Kurzem eine neue
Behandlungsmöglichkeit. Mit dieser Therapie kann bei fast allen Patienten
eine deutliche Reduktion der Hepatitis D-Viruslast erreicht werden, was zu
einer Verringerung der Leberentzündung führt. Zudem besteht die
Möglichkeit, sich vor diesen Infektionen, bspw. durch Impfungen zu
schützen: Es gibt gegen Hepatitis B eine wirksame Schutzimpfung, die auch
gegen eine Infektion mit dem Hepatitis D-Virus schützt. Und wir haben es
erreicht, dass in Kürze im Rahmen des Präventionsprogramms
‚Gesundheitsuntersuchung‘ für gesetzlich Versicherte (vorher als ‚Check-up
35‘ bezeichnet), einmalig der Test auf Hepatitis B und Hepatitis C möglich
ist“, erläutert Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Leberstiftung die Situation.

Es bestehen also im Bereich der Virushepatitis verschiedene Möglichkeiten
zur Früherkennung, Prävention und Therapie, mit der das Ziel der WHO,
Hepatitis B und C bis 2030 weltweit zu eliminieren, dem sich Deutschland
angeschlossen hat, zu erreichen.

„Trotzdem und gerade deswegen ist die Forderung des Welt-Hepatitis-Tages
an die Politik, zu handeln, wichtig und richtig, denn es werden noch immer
viele Lebererkrankungen nicht erkannt und es gibt zu wenig Wissen über
dieses Organ und seine Erkrankungen. Daher werden die bestehenden
Möglichkeiten zu Diagnose, Therapie und Prävention nicht im möglichen
Umfang genutzt“, betont Prof. Manns, und wünscht sich für die Zukunft:
„Wir müssen verstärkt daran arbeiten, Awareness, also Bewusstsein für die
Leber und ihre Gesundheit zu schaffen. Jeder erhöhte Leberwert muss
hinsichtlich seiner Ursache abgeklärt werden. Daher wünsche ich mir für
Deutschland eine Drei-Säulen-Strategie zur Eliminierung von Hepatitis B
und Hepatitis C aus Awareness, Früherkennung und Behandlung.“

Dass es beim wichtigen Thema Virushepatitiden einen großen Bedarf bei
Aufklärung und Prävention gibt, zeigt beispielhaft für das Hepatitis
B-Virus (HBV) die aktuelle Studie „Gesundheit und Sexualität in
Deutschland“ des Instituts für Sexualforschung am Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf, die das Wissen über sexuell übertragbare Erkrankungen
(STD) erforscht. Während 71,1 Prozent der befragten Erwachsenen zwischen
18 und 75 Jahren bei der Frage nach ansteckenden Geschlechtskrankheiten
angaben, HIV beziehungsweise Aids zu kennen, war Hepatitis B nur bei 10,3
Prozent bekannt. Als Fazit stellten die Forschenden der Studie „Gesundheit
und Sexualität in Deutschland“ fest, dass alle Altersgruppen nur über
einen geringen Wissensstand zu den am meisten verbreiteten sexuell
übertragbaren Krankheiten verfügen. Ihren Angaben zufolge infizieren sich
weltweit täglich rund eine Million Menschen mit einer
Geschlechtskrankheit, die teilweise gravierende Folgen haben kann – bis
hin zum Tod. Mangelndes Wissen über STDs wie Hepatitis B ist häufig der
Grund, auf vorbeugende Maßnahmen wie eine Impfung gegen das HBV oder den
Gebrauch von Kondomen zu verzichten.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

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Herzchirurgische Versorgung im Jahr 2020: Von COVID-19-Pandemie betroffen, jedoch bundesweit gewährleistet

Alljährlich publiziert die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) in ihrer Leistungsstatistik die neuesten
herzchirurgischen Daten, Zahlen und Fakten zur herzchirurgischen
Patientenversorgung in Deutschland. Trotz der erschwerten Bedingungen im
Kontext der SARS-CoV-2-Pandemie, konnte die herzchirurgische
Fachgesellschaft auch für das herausfordernde Jahr 2020 die
Leistungszahlen als wegweisendes Instrument der Dokumentation und
Qualitätssicherung erheben.

Herzpatientinnen und Herzpatienten sind in Deutschland bestens und
jederzeit versorgt (24/7/365). Unter Berücksichtigung
gesundheitspolitischer Aspekte, sprich, den Pandemie-Belastungen und dem
Pflegenotstand, des stetig ansteigenden Patientenalters und der damit
zwangsläufig verbundenen Ko- und Multimorbidität, zeigt sich die
herzchirurgische Versorgung dennoch auf einem bemerkenswerten
Qualitätsniveau. So dokumentiert es die DGTHG-Leistungsstatistik 2020.
Gleichzeitig zeigt sich für das vergangene Jahr, gekennzeichnet durch
mehrere Lock- und Shutdowns, ein signifikanter Rückgang bei den
herzchirurgisch etablierten Operationen und Interventionen, die vermutlich
den diffizilen Herausforderungen und komplexen Geschehnissen der Corona-
Pandemie geschuldet sind.

Corona führt zu Rückgang herzchirurgischer Operationen in allen
Bundesländern

So wurden im Jahr 2020 im Mittelwert 110,9 herzchirurgische Operationen je
100.000 Einwohner*innen in den 16 Bundesländern vorgenommen, wobei Bayern
mit 94,4 Eingriffen den niedrigsten, und Sachsen-Anhalt mit 167,0
Eingriffen je 100.000 Einwohner den Spitzenwert erreichten. Insgesamt sank
die Gesamtzahl der Herz-Operationen im engeren Sinne um 7,6 Prozent von
100.446 im Jahr 2019 auf 92.809 Eingriffe im vergangenen Jahr. Inkludiert
man alle erfassten Eingriffskategorien (inkl. Herzschrittmacher-,
Defibrillator-Eingriffe, Operationen der herznahen Hauptschlagader ohne
HLM), summiert sich die Gesamtzahl auf 161.815 im Jahr 2020 (2019:
175.705); ebenfalls ein deutlicher Rückgang um 7,9 Prozent. Gleichzeitig
ist jedoch sicher davon auszugehen, dass die Patientenversorgung für
dringliche und Notfalleingriffe zu jeder Zeit flächendeckend bzw.
bundesweit durch die 78 etablieren Fachabteilungen für Herzchirurgie mit
ihren insgesamt ca. 1000 tätigen Herzchirurginnen und Herzchirurgen
sichergestellt war.

Steigendes Patient*innenalter und nahezu stabile Überlebensraten

Seit Jahren (2011-2020) ist zu beobachten, dass das Alter der
herzchirurgischen Patientinnen und Patienten sukzessive steigt.
Insbesondere die Altersgruppe der 80+ Jährigen machte im Jahr 2020 ca.
19,2 Prozent (2011:13,4 Prozent) der operierten Patienten aus, gefolgt von
der Altersgruppe der 70-79jährigen mit 32,2 Prozent. Trotz der jährlichen
Zunahme älterer Patient*innen in den herzchirurgischen Fachabteilungen,
liegen die Krankenhaus-Überlebensraten in den einzelnen
Eingriffskategorien bei durchschnittlich konstant 97 Prozent und spiegeln
so die erfolgreiche, qualitativ hochwertige herzchirurgische Versorgung.

Erneut Rückgang der Koronaren Bypass-Operationen

Ein Rückgang um 14 Prozent auf 29.444 (2019: 31.244) war bei den
isolierten koronaren Bypass-Operationen zu verzeichnen, bei gleichzeitigem
Anstieg (0,2 Prozent) der Überlebensrate auf 97,2 Prozent. Die
Durchführung der koronaren Bypass-Operationen mit weiteren Prozeduren lag
2020 bei 8.540, und damit ebenfalls rückläufig um 13,5 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr 2019 mit 9.869 Prozeduren.

2020: Weniger Herzklappeneingriffe im Corona-Jahr 2020

Wurden 2019 noch 36.650 isolierte Herzklappen-Operationen gezählt, waren
es im vergangenen Jahr nur 35.469, 17.471 kathetergestützte-Eingriffe
inkludiert. Der überwiegende Teil der Herzklappenoperationen betrifft die
Aortenklappe. Bei 8.186 Patienten wurde im letzten Jahr eine isolierte
herzchirurgische Aortenklappenoperation mit Anwendung der Herz-Lungen-
Maschine durchgeführt (2019: 9.391). In weiteren 1.207 Kombinations-
Eingriffen wurde die Aortenklappe ersetzt und gleichzeitig die
Mitralklappe rekonstruiert oder ebenfalls ersetzt. Durch den Einsatz
kathetergestützter Therapieverfahren stieg die Zahl der Eingriffe bei
Patienten mit erworbenen Herzklappenerkrankungen in den letzten zehn
Jahren spürbar an.
Die Entscheidung für eine herzchirurgische Operation oder ein
kathetergestütztes Therapieverfahren muss stets anhand wissenschaftlicher
Leitlinien, in denen u.a. ein etabliertes interdisziplinäres Herzteam
obligat ist, erfolgen

Rekonstruktion: Goldstandard bei Mitralklappen-Eingriffen

Der Trend der letzten Jahre setzte sich auch 2020 fort: Bei den 6.050
(2019: 6.419) isolierten Mitralklappen-Operationen wurden bei 64,1 Prozent
aller Eingriffe, ergo 3.878-mal, die patienteneigene Mitralklappe
rekonstruiert. Bei den übrigen 2.172 Eingriffen (2019: 2.279) wurde die
Mitralklappe herzchirurgisch durch eine Prothese ersetzt. Dies auch vor
dem Hintergrund, dass nicht jeder Herzklappenfehler für eine
Rekonstruktion zugänglich ist. Die In-Hospital-Überlebensraten für diese
Patientengruppe liegt im Schnitt bei 97 Prozent.

Herzunterstützungssysteme: Überbrückung oder alternative Dauertherapie

Für schwer herzinsuffiziente Patient*innen ist weiterhin die
Herztransplantation der Goldstandard. In Ermangelung an Spenderherzen
stehen Herzunterstützungssysteme zur adäquaten Patientenversorgung zur
Verfügung. Die Anzahl der implantierten Herzunterstützungssysteme ist von
953 im Jahr 2019 auf insgesamt 843 im vergangenen Jahr zurückgegangen,
wobei die sog. Links-/Rechtsherz-Unterstützungs-systeme bei 97 Prozent der
Patienten zum Einsatz kommen (824 L/RAVD im Vorjahr: 924). Eine eher
untergeordnete Rolle spielen die biventrikulären Herzunterstützungssysteme
mit einer Zahl von 12 Implantationen in 2019 (Vorjahr: 14) und die
sogenannten Kunstherzen (Total artificial heart) mit 4 TAH Implantationen
in 2020 (2019:15 TAH).

Trotz Pandemie: Anstieg der Herztransplantationen um 2,1 Prozent
im Jahr 2020

Erfreulicherweise ist die Anzahl der Spenderherzen, und damit die Zahl der
Herztransplantationen, trotz der Corona-Pandemie in Deutschland um 2,1
Prozent gestiegen: von 333 Spenderherzen im Jahr 2019 auf 340 im
vergangenen Jahr. Die häufigsten Indikationen für die 528 Neuanmeldungen
für eine Herztransplantation im letzten Jahr waren die Kardiomyopathie und
die chronische ischämische Herzkrankheit. Die DGTHG sieht noch viel
Aufklärungsbedarf, um die Öffentlichkeit für das Thema Organspende weiter
zu sensibilisieren. Aktiv hat die herzchirurgische Fachgesellschaft daher
bereits zwei eigene Aufklärungs- bzw. Charity-Aktionen initiiert.

Die gesamte Leistungsstatistik (Folien und Report) steht zum kostenfreien
Download unter:
https://www.dgthg.de/de/dgthg_leistungsstatistik

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