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Gesundheit

Hohe Bereitschaft zur Spende von Gesundheitsdaten

In der Covid-19-Pandemie sind viele Menschen bereit, ihre Gesundheitsdaten
für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Das ist ein wichtiges Ergebnis
einer Studie des Technologie-Zentrums Informatik und Informationstechnik
(TZI) der Universität Bremen. Die Forschenden haben die persönliche
Einstellung der Nutzerinnen und Nutzer zur Corona-Datenspende-App des
Robert-Koch-Instituts untersucht und daraus Empfehlungen für die
Entwicklung von Technologien abgeleitet, die bei zukünftigen Krisen zum
Einsatz kommen sollen.

Mehr als 500.000 Menschen haben die Corona-Datenspende-App des Robert-
Koch-Instituts bislang heruntergeladen, die eine frühzeitige
Identifikation von Covid-19-Hotspots ermöglichen soll. Die Bereitschaft,
persönliche Gesundheitsdaten für die wissenschaftliche Auswertung zur
Verfügung zu stellen, erwies sich dabei als überraschend hoch. Die
Arbeitsgruppe Mensch-Technik Interaktion am Technologie-Zentrum Informatik
und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen hat die Motivation
der Nutzerinnen und Nutzer untersucht, indem sie mehr als 10.000
Erfahrungsberichte auswertete und ausführliche individuelle Befragungen
von Usern durchführte.

Entgegen bisherigen Erfahrungen mit anderen Projekten aus der
Gesundheitsforschung geben die App-Nutzer auch dann ihre Daten für die
Forschung frei, wenn sie keinen direkten Nutzen für sich selbst sehen.
Offenbar genügt in diesem Fall der Anreiz, einen Beitrag zur Bewältigung
eines großen gesellschaftlichen Problems zu leisten. Während den meisten
Nutzerinnen und Nutzern das Ziel der App – die frühzeitige Erkennung von
Corona-Hotspots – bewusst war, konnten sie den persönlichen Wert ihrer
Datenspende nicht nachvollziehen. Das Forschungsteam schließt daraus, dass
für die Nutzerinnen und Nutzer das Gemeinwohl die vorherrschende
Motivation war. Viele Anwenderinnen und Anwender ließen sich auch nicht
von technischen Problemen entmutigen, die einen negativen Einfluss auf die
Erfahrung hatten. Sie warteten auf Fehlerbehebungen und unterstützten sich
gegenseitig. Einige äußerten sogar Unverständnis, warum sie nicht noch
zusätzliche persönliche Daten eingeben können, die ihnen für das Projekt
nützlich erscheinen.

Lehren für zukünftige Projekte der wissenschaftlichen Bürgerbeteiligung

Für künftige vergleichbare Projekte, die auf Datenspenden von Bürgerinnen
und Bürgern für das Gemeinwohl setzen, heben die Forscherinnen und
Forscher die Bedeutung von Kommunikation, Transparenz und Verantwortung
hervor. „Bewährt hat sich zum Beispiel die Unterstützung der Corona-
Datenspende-App durch die Bundesregierung und das Robert-Koch-Institut“,
erklärt Professor Johannes Schöning. Es sei ratsam, dass offizielle
Institutionen solche Projekte der wissenschaftlichen Bürgerbeteiligung
(„citizen science“) aktiv unterstützen und ihren Nutzen für die
Gesellschaft klar kommunizieren.

Um den persönlichen Anteil aller einzelnen Teilnehmenden und ihre direkten
Vorteile zu verdeutlichen, sollten Informationen allerdings auch auf
individueller Ebene kommuniziert werden, beispielsweise durch regelmäßige
Benachrichtigungen in der App. Auch der Aufbau einer Community, die sich
bei Fragen gegenseitig unterstützt, ist nach Angaben der TZI-
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ratsam. Um technische Probleme zu
vermeiden und die Entwicklung zu beschleunigen, sollten vorhandene
Gesundheits-Apps genutzt und durch krisenspezifische Technologien ergänzt
werden. So ist die Corona-Datenspende-App beispielsweise mit verschiedenen
Firness-Apps verbunden.

„Wir glauben, dass unsere Ergebnisse auf Projekte übertragbar sind, die
unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführt werden“, sagt Schöning, „zum
Beispiel, wenn staatliche Akteure großflächige Gesundheitskrisen bekämpfen
müssen.“

Gefördert wurde die Studie von der Lichtenbergprofessur der
Volkswagenstiftung, dem BMWi-Netzwerk KI-SIGS, dem BMBF-Projekt InviDas
und dem Leibniz WissenschaftsCampus Digital Public Health Bremen

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Prof. Dr. med. Andreas Stang, MPH, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) am Universitätsklinikum Essen  Universitätsklinikum Essen

Gesunder Schlaf gegen Herzinfarkt und Schlaganfall?

Prof. Dr. med. Andreas Stang, MPH, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) am Universitätsklinikum Essen  Universitätsklinikum Essen
Prof. Dr. med. Andreas Stang, MPH, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) am Universitätsklinikum Essen Universitätsklinikum Essen

Forscher des Uniklinikums Essen untersuchen Schlafcharakteristiken auf ihr
Potenzial für Herz- oder Hirninfarkte hin. Studienergebnisse sollen zur
Infarktvorbeugung und Genesung von Betroffenen beitragen.

In Deutschland werden pro Jahr rund 212.000 Herzinfarkte vollstationär
behandelt, über 44.000 Menschen versterben am Herzinfarkt. Einen
Schlaganfall erleiden pro Jahr ca. 270.000 Menschen. Starke körperliche
Belastungen, Stress, Ärger oder Drogenkonsum können akute Auslöser sein.
Doch auch der Schlaf steht im Verdacht, einen Infarkt auslösen zu können.
Denn Infarkte treten gehäuft in den Morgenstunden und nachmittags auf.
Anlass für das Projektteam um Prof. Dr. med. Andreas Stang, MPH, Leiter
des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
(IMIBE) am Universitätsklinikum Essen, den Schlaf von Patienten, die
erstmals einen Herz- oder Hirninfarkt erlitten haben, im Rahmen der
sogenannten ACROSSS-Studie (Acute Coronary Syndrome, Stroke and Sleep) zu
untersuchen. Das mit knapp 70.000 Euro geförderte Forschungsvorhaben der
Deutschen Herzstiftung im Rahmen der ACROSSS-Studie trägt den Titel
„Zusammenhang zwischen Schlafcharakteristiken und dem Auftreten von
Herzinfarkten“.
„Es gibt Anhaltspunkte, dass bestimmte Schlafcharakteristiken das Risiko,
einen Herz- oder Hirninfarkt zu erleiden, beeinflussen“, erklärt Stang.
„Diese möglichen Risiken sind jedoch bisher zu wenig erforscht.“ Die
Relevanz der Schlafgesundheit für die Entstehung kardiovaskulärer
Erkrankungen hat längst auch die Herzstiftung erkannt: „Zur Bekämpfung
lebensgefährlicher Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall ist die
Erforschung bisher unterschätzter möglicher Risikofaktoren wie etwa
Besonderheiten des Schlafverhaltens enorm wichtig. Ergebnisse der ACROSSS-
Studie könnten hierbei einen bedeutenden Beitrag zur Infarkt-Verhütung
leisten“, wie der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer,
stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung,
betont. Infos zum Forschungsprojekt bietet die Herzstiftung unter
www.herzstiftung.de/forschung/herz-und-schlaf und über den Zusammenhang
zwischen Herz und Schlaf unter www.herzstiftung.de/schlafstoerungen-
belasten-herz


Die Forscher erfragen Schlafgewohnheiten: Lang-, Früh- oder
Mittagsschläfer?
Knapp 700 Patienten aus namhaften Kliniken in Essen befragt das
Forscherteam bis zum Sommer 2022 in der ACROSSS-Studie zu ihren Schlaf-
und Lebensgewohnheiten. Die Forscher ermitteln unter anderem, ob die
Teilnehmer eher Langschläfer sind oder nicht, ob sie regelmäßig schlafen,
Frühaufsteher sind und/oder sich mittags hinlegen. „Man weiß zum Beispiel,
dass sich durch den ansteigenden Blutdruck beim morgendlichen Aufwachen
bei Menschen, deren Gefäße bereits angegriffen sind, Blutgerinnsel lösen
und damit einen Herz- oder Hirninfarkt zur Folge haben können“, sagt Dr.
Anna-Therese Lehnich, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IMIBE. Ein
weiterer bekannter Risikofaktor für einen Herz- und Hirninfarkt ist eine
Schlafapnoe, eine Erkrankung, bei der es zu Atemaussetzern im Schlaf kommt
und die zu Sauerstoffmangel im Blut führen kann. Das Essener
Wissenschaftsteam will nun herausfinden, ob ein bestimmtes Schlafverhalten
ebenfalls mit einem Herz- oder Hirninfarkt einhergehen kann und ob es
wiederum Schlafcharakteristiken gibt, die einem Herz- oder Hirninfarkt
sogar vorbeugen können. Beispielsweise ist die Rolle des Mittagsschlafes
bisher zu wenig beforscht. In Abhängigkeit von Regelmäßigkeit und Länge
wurden bisher sowohl günstige als auch ungünstige Effekte beobachtet. Die
ACROSSS-Studienergebnisse sollen zu einer weiteren Klärung beitragen.

Erkenntnisse können Herz-Kreislauf-Patienten helfen
Nach drei und 12 Monaten werden die Studienteilnehmer erneut befragt. Bei
diesen Follow-up-Untersuchungen wollen die Forscher herausbekommen, wie
sich der Schlaf bei ihnen entwickelt hat. „Ein Infarkt ist ein
einschneidendes Ereignis und psychisch sehr belastend“, betont Dr.
Lehnich. „Viele Betroffene leiden an Erschöpfung, Ängsten, Depressionen
oder Schlafstörungen. Wir wollen herausfinden, ob es bei den Patienten zu
auffälligen Veränderungen im Schlafverhalten gekommen ist“. Auf Basis
dieser Erkenntnisse könnten Herz-Kreislaufpatienten künftig ihren Schlaf
gezielt mit speziellen Maßnahmen verbessern. Das könnte dazu beitragen,
einen Infarkt zu verhindern sowie auch eine Genesung positiv zu
beeinflussen.

(weg)

Sorgen Sie für einen erholsamen Schlaf
- Rauchen Sie nicht und trinken Sie weder Kaffee noch Alkohol vor dem
Schlafengehen
- Treiben Sie keinen Sport am späteren Abend; gehen Sie stattdessen
spazieren
- Gehen Sie nur schlafen, wenn sie wirklich müde sind
- Tauschen Sie Fernsehen oder Handy vor dem Schlafen gegen entspannende
Schlafrituale
- Meiden Sie Schlaftabletten
- Stehen Sie jeden Tag zur selben Zeit auf
- Trennen Sie sich in Ihrem Bett vom Alltag. Essen oder Arbeit sind hier
fehl am Platz

Service-Tipp: Infos über den Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und
Herzleiden bietet die Deutsche Herzstiftung kostenfrei unter
www.herzstiftung.de/schlafstoerungen-belasten-herz

Forschung nah am Patienten
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF)
Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung
unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos unter www.herzstiftung.de

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DDG und VDBD warnen vor Versorgungsengpässen für Menschen mit Diabetes

Die stark steigende Zahl betreuungsintensiver, häufig älterer Patientinnen
und Patienten macht es notwendig, die Sprechende Medizin zu stärken. Das
fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) im aktuellen
Positionspapier zur Bundestagswahl 2021. Auch der Verband der Diabetes-
Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) sieht einen
hohen Bedarf an einer auf den gesamten Menschen ausgerichteten Medizin. Je
besser Menschen mit Diabetes versorgt sind, umso besser ist ihr
Stoffwechsel eingestellt und die oft schwerwiegenden Folgen wie
Herzinfarkt, Amputationen, Erblindung oder Nierenversagen lassen sich
vermeiden. Dafür bedarf es gut ausgebildeter diabetologischer Fachkräfte.

Bis zum Jahr 2030 wird ein Drittel der Bevölkerung über 65 Jahren sein.
Viele von ihnen erkranken früher oder später an verschiedenen Krankheiten
wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, chronischen
Lungenerkrankungen und Krebs. 2040 werden schätzungsweise zwölf Millionen
Menschen eine Diabeteserkrankung entwickelt haben, die meisten Diabetes
Typ 2. Gleichzeitig wird bis zu diesem Zeitpunkt die Zahl der aktiven
Diabetologinnen und Diabetologen deutlich sinken. Ein Drittel ist heute
schon älter als 50 Jahre. Um Nachwuchs in ausreichender Zahl auszubilden,
muss die Diabetologie deutlich besser im Studium verankert werden. Dazu
ist ein Ausbau der klinischen Lehrstühle für Diabetologie zwingend
notwendig. „In den letzten Jahren haben sich diese fast halbiert. Bund und
Bundesländer müssen dafür sorgen, dass deren Anzahl an den 37
medizinischen Fakultäten in Deutschland wieder deutlich steigt. Sonst
laufen wir mittelfristig in ein Versorgungsdefizit“, warnt DDG Präsident
Professor Dr. med. Andreas Neu. „Je weniger Experten Diabetologie lehren,
desto weniger Berufsanfänger werden sich für eine Karriere in der
Diabetologie entscheiden.“

Erschwerend komme hinzu, dass Kliniken seit Jahren Stellen und Betten in
der Diabetologie abbauen, so dass die Weiterbildung des Nachwuchses in
allen Gesundheitsberufen dort nicht mehr erfolgen kann. „An allen großen
Versorgungskrankenhäusern muss die Diabetologie als selbstständige Einheit
erhalten bleiben. Immerhin leidet etwa ein Viertel aller
Krankenhauspatienten an Diabetes“, fordert DDG Vizepräsident Professor Dr.
med. Andreas Fritsche. „Ein wesentlicher Teil der Therapie von Menschen
mit Diabetes besteht im Gespräch, in Information und Aufklärung durch ein
multiprofessionelles Diabetesteam“, so Fritsche. „Genau das sind jedoch
Leistungen, für die Kliniken im Rahmen des DRG-Systems praktisch kein Geld
erhalten. In unserer Hochleistungsmedizin wird eine informierende,
aufklärende und patientenzentrierte Versorgung zu wenig wertgeschätzt.
Eine angemessene Vergütung dieser Leistungen muss daher endlich umgesetzt
werden, sonst werden künftig Diabetologen und Personal in der
Diabetesbehandlung fehlen und sich damit die Versorgung der Patienten
deutlich verschlechtern“, so Fritsche.

Des Weiteren fordert der VDBD, das Potenzial der Digitalisierung
patientenorientiert zu nutzen. „Die Digitalisierung ermöglicht
effizientere Prozesse, trägt zur Patientensicherheit bei und unterstützt
die Patienteninformation und -kommunikation“, sagt Dr. rer. medic. Nicola
Haller, Vorstandsvorsitzende des VDBD. „Sie schafft damit Freiräume im
Arbeitsalltag, die beispielsweise für das Patienten-Gespräch genutzt
werden können.“ Schon heute machen Diabetesfachkräfte und Diabetologen
sehr gute Erfahrungen, indem sie auf digitale Versorgungsmodelle setzen,
die von der Telemedizin bis zum digital orientierten Therapiemanagement
reichen. Außerdem sind die Behandelnden in der professionellen
Kommunikation mit chronisch, oft multimorbiden Kranken, erfahren.
Die Kombination dieser beiden Kompetenzen könnte als Modell
zukunftsweisend für die Gesamtmedizin sein: Die Digitalisierung
intelligent eingesetzt, kann das ärztliche Handeln wertvoll ergänzen und
damit dem medizinischen Personal ermöglichen, sich wieder auf das zu
fokussieren, was ihren Beruf im Kern ausmacht - die empathische Begleitung
von Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes.

Link zu den politischen Positionen der DDG:
<https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/politik>

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UNGES KREBSPORTAL – Die App:

Eine mobile Applikation als Unterstützung junger Krebspatient:innen in der
Akutphase und Nachsorge

Berlin, 14. Juli 2021– Am heutigen Mittwoch, dem 7. Geburtstag der
Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, stellte diese ihr
neuestes digitales Projekt im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz vor.
In Zukunft werden die Funktionen der individuellen Beratung im JUNGEN
KREBSPORTAL per App verfügbar sein. Diese kann kostenlos im App-Store
heruntergeladen werden.

Bereits im November 2015 initiierte die Deutsche Stiftung für junge
Erwachsene mit Krebs mit der individuellen Beratung im JUNGEN KREBSPORTAL
ihr erstes konkretes Hilfsangebot für junge Betroffene. Das Portal
ermöglicht seitdem jungen Patient:innen, die an Krebs erkrankt sind, waren
oder an einem Rezidiv leiden, einen schnellen Kontakt zu Expert:innen in
ganz Deutschland, um notwendige Informationen und Beratung zu erhalten.
Mithilfe des onlinebasierten Angebots können junge Krebspatient:innen
individuelle Fragestellungen an das hochqualifizierte Berater:innenteam
des JUNGEN KREBSPORTALS richten und erhalten in Online-Chats, Telefonaten
oder persönlichen Gesprächen vor Ort Antworten. Beratungen werden in den
Themenbereichen „Sozialrechtliche Fragestellungen“, „Veränderungen des
Hormonhaushaltes“, „Immundefekte“ sowie „Integrative Krebsmedizin“
durchgeführt. Mit über 1.400 registrierten Nutzer:innen und knapp 1.000
getätigten Beratungen ist das JUNGE KREBSPORTAL ein Erfolgsprojekt.

Prof. Dr. med. Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen
Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, betont die Wichtigkeit des
Hilfsangebots für die jungen Betroffenen: „Junge Menschen werden durch
eine Krebsdiagnose mitten aus dem Leben gerissen. Viele sind gerade dabei
durchzustarten, haben Pläne gemacht und befinden sich im Aufbruch zur
Eigenständigkeit. Nicht wenige fühlen sich in dieser Situation allein
gelassen mit ihren Sorgen.“ Umso wichtiger ist es, diese Betroffenen
möglichst frühzeitig abzuholen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre
Fragen niederschwellig und ohne großen Aufwand von Expert:innen
beantworten zu lassen. „Junge Krebspatient:innen befinden sich in einer
besonderen Situation. Eine begleitende Beratung, die unkompliziert,
schnell und digital ablaufen kann, ist eine große Chance. Das JUNGE
KREBSPORTAL leistet hier einen wichtigen Beitrag.“, ergänzt Freund.

Auch Prof. Dr. med. Diana Lüftner, Vorstand der Stiftung, weist auf die
außergewöhnliche Situation der Betroffenen hin: „Weder die Familien noch
die Gesellschaft sind auf diese Fälle vorbereitet. Außerdem spielen ganz
andere Themen eine Rolle als bei älteren Krebs-patient:innen. Eine
mögliche Unterbrechung der Ausbildung, die Rückkehr in den Beruf oder auch
Fragen der Fertilitätserhaltung sind hier akut. Eine Auseinandersetzung
damit ist mit enormem bürokratischem Aufwand verbunden.“

Sich in diesem Papierdschungel zurecht zu finden, ist auch für nicht
Betroffene eine Heraus-forderung, findet Dr. med. Volker König. Als
Chefarzt in der onkologischen Rehabilitation ist er seit 20 Jahren in der
Klinik Bad Oexen tätig. Im JUNGEN KREBSPORTAL engagiert er sich bereits
seit Beginn als ehrenamtlicher Berater im Bereich „Sozialrechtliche
Fragestellungen“ und unterstützt die Stiftung mit seiner Expertise. „Das
Angebot im JUNGEN KREBSPORTAL unterstützt junge Menschen, die sich durch
die Erkrankung selbst und durch den Zeitpunkt der Erkrankung im jungen
Lebensalter in einer doppelten Krisensituation befinden und sich in dem
Labyrinth der verschiedenen Vorschriften, aber auch
Unterstützungsmöglichkeiten, zurechtfinden müssen.“

Genau in dieser Situation befand sich Fayez. Der junge Mann aus Berlin
erhielt mit 27 Jahren die Diagnose NET (neuroendokriner Tumor) und
engagiert sich seitdem in der Stiftung. Gleich zu Beginn seiner Erkrankung
suchte er sich Unterstützung im Portal: „Zum Zeitpunkt der Erkrankung
fällt man in ein bodenloses Loch und hat das Gefühl, man sei der einzige
junge Mensch, der so einen Schlag bekommt. Das JUNGE KREBSPORTAL hat mir
gezeigt, dass es bereits eine große Community und auch viele Helfer gibt,
die ein tolles Netz haben und sich somit um jeden jungen Erkrankten und
seine individuellen Probleme kümmern können. Bei mir ging es weniger um
die Erkrankung, sondern um die sozialen Folgen. Wie läuft es mit der Bafög
Rückzahlung? Wie lange bekomme ich Krankengeld? Wann muss ich eine EU-
Rente beantragen? Wie komme ich an einen guten Rehaplatz? Diese und viele
weitere Fragen wurden mir von Experten beantwortet, und ich konnte mich
ganz auf meine Diagnose und die Folgen konzentrieren.“

Zusätzlich zum Beratungsangebot für junge Patient:innen bietet das
Onlineportal auch Fachkräften aus verschiedenen Bereichen eine Möglichkeit
des Austausches mit den Berater:innen des JUNGEN KREBSPORTALS. Fachkräfte,
wie beispielsweise Ärzt:innen, Pflegepersonal oder Sozialarbeiter:innen,
können sich über einen Konzilzugang mit ihren individuellen Anfragen an
das JUNGE KREBSPORTAL wenden. Die Berater:innen unterstützen sowohl bei
fallspezifischen als auch bei allgemeingültigen Fragenstellungen.

Betroffene engagieren sich als Tandem-Partner:innen für andere junge
Krebspatient:innen

Seit Februar 2021 haben junge Krebspatient:innen zudem die Möglichkeit
sich in einer „Tandem-Beratung“ von anderen jungen Betroffenen durch ihre
Krebserkrankung begleiten zu lassen. Die Tandem-Partner:innen unterstützen
Betroffene mit ähnlichen Diagnosen anhand ihrer eigenen persönlichen
Erfahrungen mit einer Krebserkrankung und helfen mit Tipps und Tricks
durch diese herausfordernde Zeit. Derzeit sind Tandem-Partnerschaften zu
den Themen „Familie & Krebs“ und „Studium & Krebs“ sowie
diagnosespezifisch für Betroffene mit Brustkrebs, Hodenkrebs, Hodgkin-
Lymphomen und Gehirntumoren möglich. Das Angebot wird kontinuierlich um
weitere Diagnosen und Schwerpunktthemen erweitert.

Sich in dieser Form für andere junge Betroffene einzusetzen, ist für die
Tandem-Partner:innen ein Herzenswunsch. „Ich engagiere mich, damit es
andere leichter haben als ich damals. Die jungen Betroffenen sollen
wissen, dass sie nicht allein sind und dass sie Hilfe und Unterstützung
während der schwierigen Phasen erhalten“, erzählt Katrin aus Berlin. Die
junge Frau erhielt mit 35 Jahren die Diagnose Brustkrebs Triple negativ,
als sie gerade die Probezeit im Internationalen Büro der HU Berlin
bestanden hatte. In der Akutphase hätte sie sich sehr über die Möglichkeit
gefreut sich mit anderen jungen Betroffenen auszutauschen und Fragen
stellen zu können. Ähnlich ging es Dafinka aus Bonn, die ebenfalls mit 35
Jahren an Brustkrebs erkrankte. Die junge Mutter unterstützt die Stiftung
im Bereich „Familie & Krebs“ und hilft als Tandem-Partnerin Betroffenen in
ähnlichen Situationen: „Gerade für junge Eltern ergeben sich andere
familiäre und sozialrechtliche Fragen. Im JUNGEN KREBSPORTAL können sie
von den Erfahrungen der Tandem-Partner profitieren. Ich engagiere mich,
damit sich die Betroffenen leichter ein soziales Netzwerk aufbauen können
und ein paar Sorgen weniger haben, um sich mehr auf die Heilung zu
konzentrieren.“

Betroffene nutzen die Hilfsangebote vorwiegend über mobile Endgeräte

Auswertungen des Nutzer:innenverhaltens haben gezeigt, dass zwei Drittel
aller Besucher:innen der Website der Stiftung und des JUNGEN KREBSPORTALs
diese mit mobilen Endgeräten ansteuern. „Das ist nicht weiter
verwunderlich“, bestätigt Lüftner mit Blick auf die Zielgruppe der
18-39-Jährigen und fährt fort: „Viele junge Betroffene müssen in der
Akutphase in Klinken oder Praxen oft lange Wartezeiten überbrücken. Dabei
haben sie stets ihre Mobiltelefone oder Tablets bei sich.“

Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs hat deshalb die
Funktionen der individuellen Beratung im JUNGEN KREBSPORTAL in eine mobile
Applikation überführt.

Betroffene und Konzilsuchende haben die Möglichkeit sich im Portal zu
registrieren und per App ihre individuellen Anfragen an das
Expert:innenteam zu stellen. Auch bereits registrierte Nutzer:innen können
sich ab sofort mit ihren Daten in die App einloggen.

Ebenso haben die Berater:innen und Tandem-Partner:innen zukünftig die
Möglichkeit die App zum Beantworten der Anfragen zu nutzen. Anhand von
Push-Notifications erhalten die Nutzer:innen kleine Benachrichtigungen,
wenn neue Anfragen eingegangen sind oder eine Antwort auf ihre Fragen
vorliegt. Der Nachrichtenverlauf in der App erinnert grafisch an
klassische Messenger-Apps.

Erweiterungen und neue Funktionen sind bereits in Planung

Die Programmierung der JUNGES KREBSPORTAL-App mit ihren grundlegenden
Funktionen der individuellen Beratung war lediglich ein erster Schritt.
Bereits jetzt ist eine erste Erweiterung des Systems in Planung. Die auf
der Portal-Website bereits verfügbare Funktion des Berater:innen-/Tandem-
Partner:innen-Forums wird in einem ersten Update auch in der App verfügbar
sein. Darin haben Berater:innen und Tandem-Partner:innen die Möglichkeit
sich untereinander auszutauschen, Fälle zu besprechen und gezielt
Diskussionen zu einzelnen Themenbereichen zu eröffnen.

Darüber hinaus prüft die Stiftung, ob auch die anderen digitalen
Hilfsangebote des JUNGEN KREBSPORTALs in die App integriert werden können.
Hierzu zählen neben der Ersten Hilfe für Betroffene auch die Wissensseiten
der Stiftung sowie die regelmäßigen Online-Sprechstunden und die
Webinarangebote.

Die App ist aktuell bereits in der Version für Android-Endgeräte
verfügbar. Die iOS-Version für Apple-Geräte wird im Laufe des Juli
ebenfalls im App-Store downloadbar sein.

Nach der Veröffentlichung der JUNGES KREBSPORTAL-App plant die Stiftung
eine rasche Überarbeitung der Werbematerialien des Hilfsangebots. Flyer
und Plakate werden um die Tandem-Partnerschaften und die App ergänzt und
breitflächig an Onkologische Stationen und Praxen in ganz Deutschland
verteilt. Entsprechende Infomaterialien können unter info@junge-
erwachsene-mit-krebs.de bei den Stiftungsmitarbeiter:innen bestellt
werden.

Ein besonderer Dank gilt unseren beiden Projekt-Förderern, der Albert und
Barbara von Metzler-Stiftung aus Frankfurt am Main und der Strube Stiftung
aus Stuttgart, ohne die die Umsetzung der JUNGES KREBSPORTAL-App nicht
möglich gewesen wäre.

Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

Jedes Jahr erkranken in Deutschland nahezu 16.500 junge Frauen und Männer
im Alter von
18 bis 39 Jahren an Krebs. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit
Krebs ist Ansprechpartnerin für Patient:innen, Angehörige,
Wissenschaftler:innen, Unterstützer:innen und die Öffentlichkeit. Die
Stiftungsprojekte werden in enger Zusammenarbeit mit den jungen
Betroffenen, Fachärzt:innen sowie anderen Expert:innen entwickelt und
bieten direkte und kompetente Unterstützung für die jungen Patient:innen.
Die Stiftung ist im Juli 2014 von der DGHO Deutsche Gesellschaft für
Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. gegründet worden. Alle
Stiftungsprojekte werden ausschließlich durch Spenden finanziert. Die
Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist als gemeinnützig
anerkannt.

Spendenkonto der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs:
Postbank, IBAN: DE57 1001 0010 0834 2261 04, BIC: PBNKDEFF

(Die angegebene Genderform vertritt alle Geschlechter.)

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