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Gesundheit

Gesundheit braucht kluge Köpfe

Gesundheitsdenkertag an der SRH Hochschule für Gesundheit.

Ein Studium im Gesundheits- und Sozialwesen ist spannend, vielseitig und
trägt maßgeblich zu einer gesunden Gesellschaft bei. Zudem bietet es die
unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten. Derzeit studieren über 1.300
Studierende in 18 akkreditierten Bachelor- und Master-Studiengängen, an
insgesamt 13 Studienorten in ganz Deutschland. Damit leistet die SRH
Hochschule für Gesundheit einen aktiven Beitrag für eine gesunde
Gesellschaft.

Am 4. August 2021 lädt die Gesundheitshochschule der SRH ab 16:00 Uhr
Interessierte zum diesjährigen Gesundheitsdenkertag ein. Spannende
Impulsbeiträge, virtuelle Campusrundgänge und interessante Gespräche
warten auf die Interessent:innen. „Leidenschaft fürs Leben! So beschreiben
wir unsere Motivation und unseren Antrieb, die uns tagtäglich dazu
bringen, die Themen Gesundheit und Soziales mit all ihren Facetten weiter
voranzubringen und die Gesundheitsdenker von Morgen auszubilden. Genau mit
dieser Leidenschaft werden wir den Interessierten am 4. August 2021
begegnen“, so Prof. Dr. Björn Eichmann, Vizepräsident der SRH Hochschule
für Gesundheit.

Durchstarten für eine gesunde Karriere
Unterschiedliche Studienmodelle spiegeln die Vielfalt der SRH Hochschule
für Gesundheit wider. Sie vereinen Leben, Arbeit und Lernen optimal
miteinander. Darüber hinaus zeigen zahlreiche Angebote der
Gesundheitshochschule, wie der jährliche Gesundheitstag, das
Gesundheitsportal oder die Forschungscommunity, dass Gesundheit nicht nur
gelehrt wird, sondern auch aktiv in den Alltag eingebaut wird. Denn die
Gesundheit der Studentinnen und Studenten, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter aber auch der Gesellschaft liegt der SRH Hochschule für
Gesundheit besonders am Herzen.

Wir haben Ihr Interesse geweckt?
Sichern Sie sich Ihren Studienplatz an der Gesundheitshochschule der SRH
und werden auch Sie ein Gesundheitsdenker von Morgen. Wir gestalten
gemeinsam Ihren Karriereweg im Gesundheitswesen. Interessierte können sich
kostenfrei und unverbindlich für die Veranstaltungen unter:
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Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/christina-mueller/


Originalpublikation:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/news/2021/gesundheit-braucht-
kluge-koepfe-1/

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Durchbruch für die Behandlung der Zöliakie

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz federführend bei der
Entwicklung und klinischen Testung des ersten wirksamen Medikaments - Ein
Forscherteam hat unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef
Schuppan, Direktor des Instituts für Translationale Immunologie der
Universitätsmedizin Mainz, einen neuartigen medikamentösen Wirkstoff zur
Behandlung der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) entwickelt: den
Transglutaminase-Hemmer ZED1227. Das Medikament basiert auf einem
erkrankungsspezifischen Wirkmechanismus. Die bisher einzige wirksame
Therapieoption für Betroffene ist eine streng glutenfreie Diät.

Im Rahmen einer klinischen Phase 2a-Studie haben die Mainzer
Wissenschaftler gemeinsam mit internationalen Kollegen gezeigt, dass
ZED1227 eine starke schützende Wirkung auf die Dünndarmschleimhaut hat und
die Entzündung, Erkrankungssymptome sowie die Lebensqualität der
Betroffenen verbessert. Damit ist ZED1227 das erste Zöliakie-Medikament,
für das eine klinische Wirksamkeit belegt werden konnte. Die
Studienergebnisse wurden jetzt in der international renommierten
Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht.

„Zöliakie-Betroffene verspüren durch die dauerhaft notwendige Vorsicht bei
der Ernährung einen erheblichen Leidensdruck. Mit dem Transglutaminase-
Hemmer ZED1227 wird ihnen zukünftig eine medikamentöse
Behandlungsmöglichkeit unterstützend zur glutenfreien Diät zur Verfügung
stehen, die ihnen zusätzlich einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und
Lebensqualität ermöglicht“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan,
der zusammen mit Prof. Markku Mäki (Tampere, Finnland) Erstautor der
Studie ist. Professor Schuppan leitet die Klinik-Ambulanz für Zöliakie und
Dünndarmerkrankungen an der Universitätsmedizin Mainz, einem bundesweiten
und internationalen Referenzzentrum für die Betreuung von Patienten mit
Zöliakie und komplexen Dünndarmerkrankungen, insbesondere auch für
Patienten mit den therapieresistenten und komplizierten Formen der
Erkrankung.

Die Zöliakie ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des
Dünndarms. Weltweit ist nahezu ein Prozent der Bevölkerung davon
betroffen. Die Autoimmunerkrankung wird durch den Verzehr des in
verschiedenen Getreiden wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel enthaltenen
Klebereiweißes Gluten verursacht. Bei der Erkrankung können
unterschiedliche Symptome, beispielsweise Durchfall oder Bauchschmerzen,
aber auch vielfältige Symptome außerhalb des Darms, inklusive
verschiedener Autoimmunerkrankungen, auftreten.

Wenn die bereits durch kleinste Mengen glutenhaltiger Nahrungsmittel
ausgelöste Entzündung der Dünndarmschleimhaut länger anhält, bilden sich
die sogenannten Zotten, die Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut, zurück.
Dadurch verkleinert sich die Oberfläche der Darmschleimhaut. In der Folge
können die Betroffenen weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen.
Unbehandelt kann die Zöliakie zu schwerwiegenden Komplikationen wie
Blutarmut, Knochenschwund, Wachstumsverzögerungen, Unfruchtbarkeit bis hin
zu Dünndarmtumoren führen.

Die Entwicklung des neuartigen Zöliakie-Medikaments ZED1227 wurde im
Rahmen des Spitzenclusters für Individualisierte Immunintervention (Ci3)
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als Leuchtturmprojekt
gefördert.

Im Rahmen der aktuell publizierten Wirksamkeitsstudie haben die
teilnehmenden Patienten sich freiwillig einer täglichen Glutenbelastung
und zwei Endoskopien unterzogen. Der Arzneimittelwirkstoff ZED1227 wurde
als Tablette in drei unterschiedlichen Dosierungen verabreicht. Eine
vierte Patientengruppe erhielt ein Plazebo. Das Medikament verhinderte in
jeder Dosierung die glutenbedingte Entzündung und den Zottenschwund. Dabei
erwies sich die höchste Dosierung als am wirksamsten. Darüber hinaus
verbesserten sich mit jeder Dosierung des Medikaments die Zöliakie-
typischen Symptome sowie die empfundene Lebensqualität.

Beteiligt an der Patientenrekrutierung für die Phase-2a-Studie waren 20
klinische Zentren in sieben europäischen Ländern. Neben Mainz haben
Tampere (Finnland) und Oslo (Norwegen) die meisten der insgesamt 160
Patienten im Rahmen der Studie behandelt.
„Gemeinsam mit meinen Studien-Mitarbeiterinnen, Dr. Tina Friesing-Sosnik
und Sibylle Neufang, bin ich den Patienten unserer Mainzer Zöliakie-
Sprechstunde, die sich für diese Studie so bereitwillig und engagiert zur
Verfügung gestellt haben, sehr dankbar“, betont Professor Schuppan.

Der neue therapeutische Ansatz mit dem Medikament ZED1227 basiert auf der
Forschung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan zu den
krankheitsspezifischen Mechanismen bei der Zöliakie. Eine wesentliche
Rolle spielt dabei die Entdeckung des körpereigenen Enzyms
Transglutaminase (TG2), das im gesamten Darm vorkommt. Zöliakiepatienten
entwickeln gegen die Transglutaminase sogenannte TG2-Antikörper. Im Blut
von Zöliakiepatienten mit aktiver Erkrankung sind diese stark erhöht.

Gluten wird nicht vollständig verdaut. Unverdaute Glutenbruchstücke werden
von der Dünndarmschleimhaut aufgenommen. Die so aufgenommenen Bruchstücke
des Glutens reagieren mit TG2. Diese Reaktion verändert („deamidiert“) die
Glutenbruchstücke, so dass ihre entzündungsfördernde Wirkung in der
Darmschleimhaut stark erhöht wird. Das betrifft aber nur
Zöliakiepatienten, die eine besondere genetische Veranlagung mitbringen
müssen. Der neue medikamentöse Wirkstoff, das sogenannte „small molecule“
ZED1227, wurde entwickelt, um die überschießende Aktivität des Enzyms TG2
in der Dünndarmschleimhaut zu hemmen und so die durch Gluten
herbeigeführte Entzündung zu unterbinden.

Das Medikament wurde von den Mainzer Forschern in Zusammenarbeit mit den
Unternehmen Zedira GmbH (Darmstadt) und Dr. Falk Pharma GmbH (Freiburg)
entwickelt.
Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse der Phase-2a-Studie ist ab
Herbst 2021 eine größere Phase-2b-Folgestudie mit der besonders belasteten
Patientengruppe geplant, die nicht auf die glutenfreie Diät anspricht.

Originalpublikation:
Schuppan D, Mäki M, Lundin KEA, Isola J, Friesing-Sosnik T, Taavela J,
Popp A, Koskenpato J, Langhorst J, Hovde Ø, Lähdeaho ML, Fusco S, Schumann
M, Török HP, Kupcinskas J, Zopf Y, Lohse AW, Scheinin M, Kull K,
Biedermann L, Byrnes V, Stallmach A, Jahnsen J, Zeitz J, Mohrbacher R,
Greinwald R; CEC-3 Trial Group. A Randomized Trial of a Transglutaminase 2
Inhibitor for Celiac Disease. N Engl J Med 2021;385:35-45.
DOI: 10.1056/NEJMoa2032441

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Systemische Therapie bei Brustkrebs – Leitlinienempfehlungen aktualisiert

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) die S3-Leitlinie
Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms
aktualisiert und die Empfehlungen zum Einsatz von zielgerichteten
Therapien, etwa mit CDK4/6-Inhibitoren, bei Patientinnen mit
fortgeschrittenem Brustkrebs überarbeitet. Aufgrund neuer Zulassungen und
Studiendaten zur zielgerichteten Therapie war eine fokussierte
Aktualisierung zur Systemtherapie notwendig.

Für Patientinnen mit Brustkrebs konnte die Therapie durch den Einsatz von
CDK4/6-Inhibitoren deutlich verbessert werden – dies zeigen neue
Studiendaten. CDK4/6-Inhibitoren zählen zu den zielgerichteten Therapien,
sie hemmen die sogenannten Cyclin-abhängige Kinasen, die das Zellwachstum
kontrollieren und in Brustkrebszellen vermehrt aktiv sind. „Bei
Her-2-negativen Patientinnen mit hormonabhängig wachsendem metastasiertem
Brustkrebs können CDK4/6-Inhibitoren in Kombination mit einer
Hormontherapie das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen,“ so
Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Achim Wöckel, Universitätsklinikum
Würzburg. „Diese Patientinnen sollten deshalb eine Kombination aus
Aromatasehemmern oder Fulvestrant mit CDK 4/6- Inhibitoren erhalten,
sofern diese Substanzklasse bislang noch nicht eingesetzt wurde“,
führt Wöckel aus.

Hormonrezeptor-positive, Her-2-negative Brustkrebspatientinnen, bei denen
der Tumor bereits vor der Menopause streut, profitierten ebenfalls von der
Kombination aus CDK4/6-Inhibitoren und Hormontherapie, so Prof. Dr.
Wolfgang Janni vom Universitätsklinikum Ulm, Mitkoordinator der Leitlinie.
Allerdings müsse zunächst die Funktion des Ovars, beispielsweise durch die
Gabe eines GnRH-Antagonisten ausgeschaltet werden.

Statistisch gesehen erkrankt in Deutschland etwa eine von acht Frauen im
Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Im Jahr 2016 waren etwa 30 Prozent aller
Krebsneuerkrankungen bei Frauen auf Brustkrebs zurückzuführen, sie ist
somit die häufigste Krebserkrankung bei dieser Patient*innengruppe (Robert
Koch-Institut, Krebs in Deutschland 2016). Auch Männer können an
Brustkrebs erkranken, jedoch ist die Erkrankung selten und machte im Jahr
2016 etwa 0,3 Prozent aller bei Männern neu diagnostizierten
Krebserkrankungen aus. Die Sterberate bei Brustkrebs ist leicht
rückläufig, was auf eine verbesserte Therapie zurückzuführen ist.

An der S3-Leitlinie Mammakarzinom waren insgesamt 52 ehrenamtlich
arbeitende Fachexpert*innen aus 34 Fachgesellschaften und Organisationen
beteiligt. Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar:  https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom/

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier
herunterladen: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 30 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG)
ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland.
Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und
Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach und seine
Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe
weiter zu entwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die
DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die
gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen
Gremien. Mehr unter: https://www.dggg.de/

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Wund(er)heilung mit Amnion - DGFG erhält deutschen Wundpreis 2021

Amnionspende als Wund(er)mittel: Bei seit Jahren an chronischen Wunden
leidenden Patientinnen und Patienten führte die Auflage der hauchdünnen
Membran meist zu einer vollständigen Heilung. Dieser Behandlungserfolg,
die Folge einer Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Gesellschaft für
Gewebetransplantation (DGFG) und dem Rhein-Maas Klinikum, wurde nun im
Rahmen des Deutschen Wundkongresses 2021 mit dem deutschen Wundpreis
ausgezeichnet. Die Amnionmembran kommt aus der Lebendspende und wird bei
einer geplanten Kaiserschnittgeburt aus der mütterlichen Plazenta
gewonnen. Ihr werden besonders wundheilungsfördernde und antientzündliche
Eigenschaften zugeschrieben.

Gewürdigt wurden in der Kategorie „Kasuistik“ Professor Dr. Hans-Oliver
Rennekampff (Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und
Verbrennungschirurgie, Rhein-Maas Klinikum), Dr. Nicola Hofmann
(Wissenschaftliche Leitung, DGFG) und Martin Börgel (Geschäftsführer,
DGFG). Bei dem in diesem Jahr ausschließlich online stattfindenden
Deutschen Wundkongress präsentierte Prof. Rennekampff drei Fälle, bei
denen bereits nach erstmaliger Amnionanwendung ein deutlicher Fortschritt
erzielt werden konnte: „Bei einer absoluten Stagnation der Wundheilung und
fehlender Therapieoptionen ist das Amnion wie eine Art Booster, welches
die Wunde zur besseren Selbstheilung anregen soll. Dort sehe ich den Wert
des Amnions“, so Rennekampff.

Amniontransplantate für viele Bereiche in der Medizin anwendbar

Um diese Therapieoption Patientinnen und Patienten vermehrt zugänglich zu
machen, stellt die DGFG (humane) Amnionmembran für die klinische Anwendung
bei chronischen Wunden zur Verfügung – unter der Genehmigung des Paul-
Ehrlich-Instituts (PEI). „Während die Wirksamkeit der Amnionmembran
international anerkannt ist, werden ihre Vorteile in der
Patientenanwendung bisher noch wenig genutzt“, meint Dr. Nicola Hofmann.

Dabei bestätigen die von Prof. Rennekampff demonstrierten Praxiserfolge
die besonderen Qualitäten der Amnion: Die von der kindlichen Seite der
Plazenta stammende Membran verfügt über wundheilungsfördernde und
antientzündliche Eigenschaften, verhindert Narbenbildung und wird vom
Immunsystem kaum abgestoßen. „Es zeigt sich einmal mehr, dass die Natur
hier eine perfekte Lösung gefunden hat. Denn die Amnionmembran befindet
sich zwischen zwei an sich fremden Immunsystemen, das von Mutter und Kind
und führt daher zu keiner Abstoßungsreaktion oder Unverträglichkeit bei
Patientinnen und Patienten“, so Dr. Hofmann.

Neben Wundheilungsstörungen, z. B. beim diabetischen Fußsyndrom, kommt
Amnion auch in  ophthalmologischen  Anwendungsgebieten in Form des
AmnioClip-plus sowie im orbitalen, mund- und kiefer-chirurgischen
Tätigkeitsbereich, in der gynäkologischen Chirurgie (Uterus und Vagina)
und als temporärer Hautersatz bei thermischen Verletzungen zum Einsatz.

Aus einer Plazentaspende können u. U. mehrere hundert Amniontransplantate
gewonnen werden. Anders als Organe werden Gewebe nicht unmittelbar
transplantiert, sondern zunächst von geschultem Personal in
spezialisierten Gewebebanken zu Transplantaten weiterverarbeitet. Im
vergangenen Jahr konnte die DGFG mehr als 2.000 solcher Amnionpräparate
vermitteln. „Wir erfahren immer mehr Zuspruch in der Amnionspende und
-vermittlung, was nicht zuletzt dem wachsenden Netzwerk an kooperierenden
Häusern geschuldet ist. Erfahrene Kollegen wie Prof. Rennekampff sind
dabei wertvolle Botschafter, die die unkomplizierte Anwendung und immense
Wirksamkeit von Amnion sichtbar machen“, sagt Martin Börgel,
Geschäftsführer der DGFG.

Patient berichtet: Zuversicht dank Amnionspende

Wie belastend das Leben mit einer nicht-heilenden Wunde sein kann, zeigt
die Geschichte von Harald. H.: Bei einem Arbeitsunfall zog sich der
54-Jährige einen Achillessehnenriss zu – die entstandene Operationsnaht
entzündete sich. Alltägliches wie Auto fahren, zum Sport gehen oder selbst
duschen waren ihm nicht mehr möglich oder nur mit Hilfe seiner Frau.

Nach jahrelanger, aussichtsloser Behandlung begab er sich in die Hände von
Prof. Rennekampff, welcher bei der Wundstrategie umdachte und Amnion
auflegte. Mit Sofort-Effekt, denn die Wunde begann sich zu schließen. „Ich
wäre definitiv wieder zu einer Amnionbehandlung bereit“, blickt Herr H. im
Interview mit der DGFG zurück, „es ist unkompliziert und hat uns durch
seltenere Verbandswechsel sehr entlastet“.
>> Vollständige Patientengeschichte unter www. gewebenetzwerk.de
/amnionspende-als-chance-fuer-neuanfang/

Zur DGFG

Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben der
Amnionmembran auch Augenhornhäute, Herzklappen und Blutgefäßen sowie
Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Die DGFG fördert seit 1997 die
Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des
Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der
Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das
Handelsverbot. Zur Aufgabe der DGFG zählt die bundesweite Versorgung von
Patientinnen und Patienten mit qualitativ hochwertigen Transplantaten. In
2020 realisierte die DGFG 2.816 Spenden – 6.364 Transplantate kamen
Patientinnen und Patienten zu Gute.

Auch in Zukunft werden immer mehr Menschen auf humanes Spendergewebe
angewiesen sein. Nach wie vor treten im Zuge des demographischen Wandels
viele Krankheitsbilder, die eine Gewebetransplantation als letzte
Therapieoption erfordern, verstärkt auf und führen zu einer wachsenden
Nachfrage. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale
Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische
Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen.
Als unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich
von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen:
Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden,
das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover,
die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum
Neubrandenburg.

Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung
durch Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder
kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland. In 2020 haben sich
folgende Häuser dem bundesweiten Netzwerk angeschlossen: Friedrich-Ebert-
Krankenhaus Neumünster, Evangelisches Krankenhaus Oldenburg, Krankenhaus
Buchholz und Winsen, DIAKOVERE Verbund Hannover, Evangelisches BETHESDA
Krankenhaus Duisburg und das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart.

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