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Gesundheit

Weltnierentag 2017: Übergewicht geht an die Nieren!

Am 09. März ist Weltnierentag: Ziel des weltweiten Aktionstags ist es, die
Prävention von Nierenerkrankungen in den Vordergrund zu stellen. Derzeit
sind über 100.000 Menschen in Deutschland auf ein Nierenersatzverfahren -
Dialyse oder Transplantation - angewiesen. Ein Nierenversagen kann
grundsätzlich jeden treffen, besonders gefährdet sind allerdings Menschen
mit Übergewicht. Die Zahl der durch Übergewicht verursachten
Nierengewebsschäden hat sich in den vergangenen 30 Jahren bereits
verzehnfacht!

Übergewicht (BMI > 25) ist nicht nur ein Risikofaktor für
Herzkreislauferkrankungen, sondern geht auch an die Nieren. Seit langem
ist bereits ein indirekter Zusammenhang bekannt: Übergewichtige Menschen
leiden oft unter Bluthochdruck – und der schädigt die feinen Blutgefäße in
den Nieren, welche die Giftstoffe aus unserem Körper filtern. Die Funktion
der Nieren nimmt dann stetig ab, bis die Betroffenen auf eine
Nierenersatztherapie angewiesen sind. Allein bei einem Drittel aller
Dialysepatienten ist die Nierenerkrankung auf Bluthochdruck
zurückzuführen. Zudem entwickeln übergewichtige Menschen häufig einen
Diabetes mellitus. Diese Stoffwechselstörung zieht wiederum oft eine
chronische Nierenkrankheit nach sich. Etwa 30- 40% der Diabetiker weisen
Nierenschäden auf. Jedes Jahr werden mehr als 2.000 Patienten in Folge von
Diabetes mellitus dialysepflichtig [1].

Seit einigen Jahren ist nun aber bekannt, dass Fettleibigkeit die Nieren
auch ganz direkt schädigt. Das Fettgewebe sondert verschiedene
Peptidhormone wie Adiponectin, Leptin und Resistin ab, die zu Inflammation
und oxidativem Stress führen, den Fettstoffwechsel negativ beeinflussen
und erhöhte Insulinspiegel, oft auch eine Insulinresistenz nach sich
ziehen. Diese Mechanismen führen zu krankhaften Veränderungen des
Nierengewebes (sogenannten Glomerulopathien) und in Folge zu einer Abnahme
der Nierenfunktion. Wie eine aktuelle Publikation in „Kidney
International“ [2] berichtet, hat sich der Zahl der durch Übergewicht
verursachten Glomerulopathien seit 1986 verzehnfacht.

„Das gibt uns Anlass zur Sorge“, erklärt Prof. Dr. med. Mark Dominik
Alscher, Stuttgart, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie
(DGfN), „denn es ist bekannt, dass Übergewicht im wahrsten Sinnen des
Wortes ein zunehmendes Problem in unserer Gesellschaft ist. Die Menschen
werden immer dicker, auch die Anzahl fettleibiger Kinder und Jugendlicher
ist gestiegen. Um keine Explosion der Dialysezahlen zu erleben, müssen wir
unsere Präventionsbemühungen weiter verstärken“. Zum einen müsse die
Öffentlichkeit für dieses Problem sensibilisiert und die Bevölkerung zu
einem gesünderen Lebensstil motiviert werden, zum anderen müssten aber
auch nephrologische Früherkennungsmaßnahmen intensiviert werden. Denn wenn
eine chronische Nierenerkrankung rechtzeitig erkannt wird, kann ihr
Fortschreiten medikamentös verlangsamt und die Notwendigkeit einer
Nierenersatztherapie oft über Jahre hinausgezögert werden.

Auf die Frage, warum die Dialysezahlen trotz des Anstiegs übergewichtiger
Menschen in den vergangenen Jahrzehnten dennoch stabil geblieben sind,
antwortet DGfN-Pressesprecher, Prof. Dr. med. Jan Galle, Lüdenscheid: „Das
hat im Wesentlichen drei Gründe. Zum einen ist jetzt die Kriegs- und
Nachkriegsgeneration im „Dialysealter“ – und in dieser war das Problem der
Fettleibigkeit oft nicht so ausgeprägt, zudem ist sie auch rein
zahlenmäßig geringer als die Generation der „Baby Boomer“. Zum zweiten
erreichen viele Patienten das „Endstadium“ Dialyse nicht, sondern
versterben vorzeitig an Herz-und Gefäßerkrankungen – unsere
Dialysepatienten sind also die „Surviver“. Der dritte Grund für die
stabile Zahl an Dialysepatienten aber ist, dass sich die Früherkennung der
chronischen Nierenerkrankung im vergangenen Jahrzehnt deutlich verbessert
hat. Die Hausärzte betreuen Patienten mit leicht eingeschränkter
Nierenfunktion kompetent und überweisen Risikopatienten, die einer
fachärztlichen Betreuung bedürfen, rechtzeitig zum Nephrologen.“ So habe
beispielsweise auch das „Disease Management Programm Diabetes“ dafür
gesorgt, dass die Nierenfunktion von Diabetikern, einer Hauptrisikogruppe
für Nierenerkrankungen, regelmäßig überprüft wird.

„Dieses Erfolgsrezept gilt es weiterzuführen“, ergänzt Prof. Alscher.
„Regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion sollten nicht nur bei
Diabetikern und älteren Menschen, sondern auch engmaschig bei allen
Patienten mit Bluthochdruck oder Übergewicht durchgeführt werden!“
Wichtigste vorbeugende Maßnahme bleibt natürlich, sein Körpergewicht in
den Normalbereich zu bringen – und langfristig zu halten.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dgfn.eu

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Herzbericht 2016: Herzchirurgie in Deutschland

PD Dr. Wolfgang Harringer, 1. Vizepräsident DGTHGInterdisziplinäre Herzteams sichern bestmögliche Patientenversorgung;
Vielfältige herzchirurgische Operationstechniken zum Wohle der Patienten;
Koronare Bypass-Operation kann Lebenserwartung verbessern; Mangel an
Spenderherzen führt zu neuem Rekordtief der Herztransplantationen.
Der heute in Berlin vorgestellte Herzbericht
2016 bestätigt, dass die herzchirurgische Versorgung bundesweit mit 78
Abteilungen auf hohem Qualitätsniveau etabliert ist. Die Verbesserung der
Lebenserwartung - und insbesondere auch der Lebensqualität - der Patienten
ist eine wesentliche Prämisse für die in Deutschland knapp 1.000 tätigen
Herzchirurgen. „Insgesamt wurden im Jahr 2015 in Deutschland 128.175
Herzoperationen durchgeführt“, erläutert PD Dr. Wolfgang Harringer, erster
Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie (DGTHG). „Trotz des kontinuierlichen Anstiegs des
Lebensalters, und den damit einhergehenden Begleiterkrankungen, liegen die
Überlebensraten der Patienten dank der kontinuierlichen
Weiterentwicklungen bestehender, und Initiierung minimalinvasiver,
schonenderer Operationsverfahren, weiterhin bei ca. 97 Prozent.“

Selbstverständlich hat der demographische Wandel auch einen Einfluss auf
die Entwicklung der Herzchirurgie. „Seit 1990 ist ein kontinuierlicher
Anstieg von Patienten höheren Alters zu beobachten“, erklärt Herzchirurg
Harringer. Im Jahr 2015 waren bereits 15 Prozent aller herzchirurgischen
Patienten mindestens 80 Jahre alt. Betrachtet man alle Herzerkrankungen,
ist festzustellen, dass die Prävalenz bei Männern höher ist.
Beispielsweise waren die Patienten mit koronarer Herzerkrankung, die eine
Bypass-Operation erhielten, in 78 Prozent Männer und nur in 22 Prozent
Frauen (2015). Die Herzchirurgie leistet mit vielfältigen Verfahren und
patientenindividuellen Therapien bedeutende Beiträge in der Herzmedizin.
Umso mehr begrüßt die DGTHG die obligate Umsetzung interdisziplinärer
Herzteams.

Entscheidung im Herzteam: bestmögliche Patientenversorgung und -Sicherheit

Interdisziplinärer Austausch und fachgebietsübergreifende Kooperation
bedeuten für den Patienten in jedem Fall die bestmögliche Option und
führen zu einer auf ihn abgestimmten Therapieempfehlung. Aus diesem Grund
sind mit Blick auf die hochwertige medizinische Versorgung Herzteams – im
Kern bestehend aus Herzchirurgen, Kardiologen, Kinderkardiologen und
Anästhesisten – die optimale personelle Basis für eine erfolgreiche
Patientenbehandlung. Das „Herz-Team-Konzept“ ist in zahlreichen nationalen
und internationalen Leitlinien explizit als ein wesentlicher Faktor der
Patientenversorgung ausgewiesen (Guidelines on myocardial
revascularisation ESC/EACTS 2014; aktualisierte Nationale
Versorgungsrichtlinie chronische Koronare Herzkrankheit 2016). „Wir
begrüßen das empfohlene Herzteam-Konzept ausdrücklich, dies im Hinblick
auf alle Therapieverfahren in der Herzmedizin. Für die Behandlung der
Koronaren Herzkrankheit gibt es aus Sicht der Herzchirurgen noch
Verbesserungspotential“, so Harringer.

Koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzchirurgie: in 90 Prozent aller Fälle
sind Verkalkungen die Ursache der Herzerkrankung

Die Koronare Herzkrankheit als Erkrankung der Arterien des Herzens ist die
häufigste Todesursache in den westlichen Industrieländern. Ablagerungen an
den Gefäßwänden (Plaques) verursachen die Arterienverkalkung
(Arteriosklerose) und damit Gefäßverengungen (Stenosen) bis hin zu
Verschlüssen, welche zu einer Mangelversorgung des Herzens mit Sauerstoff
führen. In 10 Prozent aller Fälle sind andere Ursachen verantwortlich für
die Entstehung der KHK. Die Folgen können von der Angina pectoris über
Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzinfarkt reichen. Die stationäre
Morbiditätsziffer der KHK hat von 2013 bis 2015 nur marginal um 0,8%
abgenommen (2013: 807,1; 2015:800,5). Das patientenindividuelle
Versorgungskonzept der Koronaren Herzkrankheit richtet sich nach diversen
Parametern.

Bypass-Operation: besonders vorteilhaft bei komplexen Gefäßverengungen,
kein Patientenhöchstalter für Operationen; Diabetes-Patienten profitieren
überproportional

Bei komplexen koronaren Mehr-Gefäßerkrankungen und/oder Hauptstammstenose
(Verengung der großen Herzkrangefäße im Ursprungsteil) besteht eine klare
Indikation für die koronare Bypass-Operation. Dies sowohl bezogen auf die
Beschwerdefreiheit und insbesondere auch im Hinblick auf die
Überlebensrate und Lebensqualität (siehe 5-Jahres-Ergebnisse der Syntax-
Studie) der betroffenen Patienten. „Patienten jeglichen Alters können
herzchirurgisch revaskularisiert werden“, betont Harringer. „Es gibt keine
fixe Altersobergrenze. 2015 machte die Altersgruppe der ab 70+ Jahre 48,4
Prozent aller koronaren Bypass-Patienten aus.“ Männer sind in allen
Altersgruppen häufiger betroffen als Frauen - nur jede vierte Frau erhält
eine koronare Bypass-Operation. Insgesamt wurden 2015 bundesweit rund
52.000 isolierte und kombinierte Bypass-Operationen durchgeführt.

„Welches Verfahren für den Patienten das bestmögliche ist, muss im
interdisziplinären Kompetenzteam – dem Herzteam – entschieden werden. Die
im Jahr 2014 aktualisierte ESC/EACTS „Guidelines on myocardial
revascularisation“ bestätigt ebenso wie die Nationale Versorgungsleitlinie
chronische KHK die Konzeption der Kooperation und Entscheidungsfindung im
Herz-Team“, betont Harringer. „Jeder Patient muss individuell und im
Kontext seines Herzleidens, wie auch seiner Begleiterkrankungen betrachtet
und beraten werden. Zum Beispiel profitieren Patienten mit Diabetes
mellitus überproportional von einer koronaren Bypass-Operation im
Vergleich zu anderen Therapiekonzepten. Für multimorbide
Hochrisikopatienten im hohen Lebensalter kann durchaus auch eine
Intervention das Mittel der ersten Wahl sein. Wie konsequent und
erfolgreich sich die Zusammenarbeit im Herzteam gestalten kann, sieht man
an der seit mehreren Jahrzehnten praktizierten engen Zusammenarbeit und
Abstimmung von Herzchirurgen und Kinderkardiologen bei der Behandlung von
Patienten mit angeborenen Herzfehlern.“

Herzklappenchirurgie: kontinuierlicher Anstieg der Eingriffe; Mitralklappe
kann zumeist rekonstruiert werden, G-BA Richtlinie etabliert Herzteam bei
TAVI und Mitral Clip

Europaweit gehört die Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) zu
den häufigsten Herzklappenerkrankungen, die verschleißbedingt,
insbesondere im hohen Lebensalter, auftritt. „Die Aortenklappenstenose ist
derzeit die häufigste invasiv therapierte Herzklappenerkrankung, gefolgt
von der Mitralklappeninsuffizienz. Insgesamt stieg 2015 die Anzahl der
Herzklappeneingriffe um ca. 3 Prozent auf 32.346 (2014: 31.359) an. 11.183
dieser Eingriffe waren im Jahr 2015 konventionelle Aortenklappenersatz-
Operationen“, erklärt Harringer. Mit 6.027 isolierten Mitralklappen-
Operationen setzte sich der kurative Ansatz auch im 2015 fort: Bei rund
zwei Drittel (63,6 Prozent) der Operationen konnte die patienteneigene
Herzklappe rekonstruiert, und in ihrer Funktion wiederhergestellt werden.
Biologische oder mechanische Mitralklappen-Prothesen waren in 36,4 % aller
Fälle notwendig.

Neben den konventionellen Operationsverfahren bieten minimalinvasive
kathetergestützte Techniken (TAVI und Mitral Clip) eine schonende
Alternative für ausgewählte Patienten höheren Lebensalters in Kombination
mit erheblichen Begleiterkrankungen. Die Zahl kathetergestützter
Aortenklappenimplantationen (TAVI) im Jahr 2015 beträgt laut des deutschen
Herzberichtes 15.573. „Die kathetergestützte Aortenklappen-implantation
und die transvenöse Clip-Rekonstruktion der Mitralklappe unterliegen in
Deutschland besonderen Voraussetzungen und dürfen seit dem 20. Juli 2015
nur nach interdisziplinärem Konsens des etablierten Herzteams mit
festgelegten Prozessen und verbindlich definierter Infrastruktur
durchgeführt werden“, erklärt PD Dr. Harringer. „So sieht es die
Richtlinie zu minimalinvasiven Herzklappeninterventionen des Gemeinsamen
Bundesausschusses (G-BA) vor. Wir begrüßen dies ausdrücklich.“

Neues Rekordtief: Mangel an Spenderherzen

Die dramatische Entwicklung bei den Herztransplantationen setze sich auch
mit einem Rekordtief im Jahr 2015 fort. Wurden 2014 noch 294
Herztransplantationen durchgeführt, so sank die Anzahl weiter auf 283 im
Jahr 2015. Zwar werden nach Angaben der DGTHG Herzunterstützungssysteme,
welche als Alternative oder als Überbrückung bei mehr als 90 Prozent der
Patienten implantiert werden, immer leistungsfähiger, stellen jedoch
keinen adäquaten bzw. vollumfänglichen Ersatz für ein Spenderherz dar.
„Aufgrund ihrer lebensbedrohlichen Erkrankung müssen viele der schwerst-
herzkranken Patienten meist mehrere Monate im Krankenhaus oder gar auf
einer Intensivstation auf die lebensrettende Transplantation warten“,
erklärt Herzchirurg Harringer. „Alle Beteiligten sollten daher weiter an
die Spendebereitschaft der Bevölkerung appellieren.“

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.
(DGTHG) mit Sitz in Berlin ist eine gemeinnützige medizinische
Fachgesellschaft, deren Ziele u.a. der Förderung der Wissenschaft und
Weiterentwicklung von Therapien auf dem Gebiet der Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie sind. Zu den weiteren Hauptaufgaben zählen die Durchführung
von Weiter- und Fortbildungsprogrammen, Erstellung medizinischer
Leitlinien, Förderung von Nachwuchskräften und die Ausrichtung
medizinischer Fachtagungen. Als Vertretung der über 1.000 in Deutschland
tätigen und in der DGTHG organisierten Thorax-, Herz- und
Kardiovaskularchirurgen stehen die Verantwortlichen der Fachgesellschaft
für einen Dialog mit der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft zur
Verfügung.

Weitere Informationen unter www.dgthg.de

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Mehr Frauen sterben an Herzkrankheiten als Männer – Ursache: ungleiche Versorgung?

Der neue Deutsche Herzstiftung 2016.  DHS/Ulrike EberiusDeutscher Herzbericht: Deutlich mehr Frauen als Männer sterben an
Herzschwäche,  Rhythmusstörungen und Klappenerkrankungen. Herzstiftung:
Den Ursachen auf den Grund gehen

Wie in den Vorjahren sterben bei Betrachtung der Herzkrankheiten in der
Summe mehr Frauen als Männer, wie der neue Deutsche Herzbericht 2016
dokumentiert. 110.915 Frauen gegenüber 97.061 Männern starben 2014 an
koronarer Herzkrankheit (KHK)/Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen,
Rhythmusstörungen, Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und angeborenen
Herzfehlern. Der Herzbericht wird von der Deutschen Herzstiftung zusammen
mit den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Herzchirurgie
(DGTHG) und Kinderkardiologie (DGPK) alljährlich herausgegeben und kann
kostenfrei unter http://www.herzstiftung.de/herzbericht angefordert
werden.

Besonders auffallend ist die deutlich höhere Sterblichkeit bei Frauen mit
Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Herzklappenerkrankungen. „Frauen
mit diesen Herzkrankheiten haben offensichtlich eine ungünstigere Prognose
als männliche Patienten“, unterstreicht der Kardiologe Prof. Dr. med.
Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Diese
starken Sterblichkeitsunterschiede bestehen seit Jahren, sie stehen im
Kontrast zur stationären Erkrankungshäufigkeit, die bei Männern deutlich
höher ist, und sollten Anlass für genauere Untersuchungen sein, um
Engpässe in der medizinischen Versorgung von Herzpatientinnen
auszuschließen.“ So lag 2014 die Sterbeziffer (Gestorbene pro 100.000
Einwohner/EW) bei Herzschwäche für Frauen um 71,2% über dem Wert der
Männer: bei Frauen lautete die Sterbeziffer 68,9 pro 100.000 EW, bei
Männern 40,3. In absoluten Zahlen: 28.513 Frauen starben gegenüber 16.038
Männern an Herzschwäche. Bei den Herzrhythmusstörungen lag die
Sterbeziffer der Frauen um 48,2% höher (Frauen: 37,8; Männer: 25,5):
15.620 Frauen starben gegenüber 10.154 Männern an Rhythmusstörungen. Bei
Herzklappenerkrankungen lag die Sterbeziffer der Frauen um 54% höher als
bei den Männern. Eine Ausnahme stellen KHK/Herzinfarkt dar, die generell
eine deutlich höhere Zahl an Sterbefällen bei Männern als bei Frauen
aufweisen.

Werden Frauen seltener behandelt und weniger gut versorgt als Männer?
Für das Sterblichkeitsgefälle zwischen Frauen und Männern stellt sich die
Frage nach Unterschieden in der medizinischen Versorgung (Diagnostik,
Therapie). So zeigt sich in der Versorgung von Patienten mit
Herzgefäßerkrankungen – auch unter Berücksichtigung der höheren
Erkrankungshäufigkeit der KHK bei Männern –, dass deutlich weniger Frauen
eine Linksherzkatheter-Untersuchung (LHK) erhalten: 2015 waren 35,4% der
LHK-Patienten Frauen gegenüber 64,8% Männern. Niedrig fällt auch der
Frauenanteil bei den perkutanen Koronar-Interventionen (PCI)
(Ballondilatation, Stent-Einbringung) aus: 2015 waren nur 28,3% der PCI-
Patienten Frauen. Ähnlich verhält es sich bei den Bypass-Operationen: von
51.941 Eingriffen (2015) wurden Frauen mit 11.521 (22%) Eingriffen
deutlich seltener operiert als Männer (78% mit 40.420 Bypass-Operationen).
Ferner zeigen auch die verordneten Arznei-Tagesdosen, dass Männer deutlich
mehr Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekommen
als Frauen: bei Männern sind 45% der verordneten Arzneien Herz-Kreislauf-
Medikamente, bei Frauen liegt der Anteil bei 25% (TK Gesundheitsreport
2016).
„Ob ein Zusammenhang zwischen diesen Unterschieden in der medizinischen
Versorgung von Herzpatientinnen und der ungünstigeren Prognose für Frauen
mit Herzschwäche, Klappenerkrankungen und Rhythmusstörungen besteht,
müssen zukünftige Analysen klären. In jedem Fall müssen Frauen ihrer
Herzerkrankung entsprechend diagnostisch und therapeutisch so weit
versorgt werden, dass ein Ungleichgewicht in der Sterblichkeit nicht auf
Versorgungsunterschieden beruht“, betont der Herzspezialist. Allerdings
müssten frauenspezifische Besonderheiten wie hormonelle Unterschiede,
Wirkungsunterschiede von Medikamenten aufgrund von Stoffwechselprozessen,
unterschiedliche Anatomie der kleinen Herzkranzgefäße und die verminderte
Wahrnehmung von Herzinfarkt-Symptomen bei Frauen, besonders im hohen
Alter, in diese Analyse einfließen.

Tipps und Infos zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhalten Betroffene bei der
Deutschen Herzstiftung, Tel. 069 955128-400 oder unter
http://www.herzstiftung.de

Der neue Deutsche Herzbericht 2016 kann kostenfrei angefordert werden
unter http://www.herzstiftung.de/herzbericht oder per Tel. unter 069
955128400.

Einen Herzinfarkt-Risiko-Selbsttest bietet die Herzstiftung unter
http://www.herzstiftung.de an.

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Das brauchen Kinder! Merkblätter zur Beratung in Vorsorgeuntersuchungen veröffentlicht

Primärpräventive Beratungen sind mit der Neufassung der
Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) Anfang des
Jahres zum Bestandteil der Kinder-

Früherkennungsuntersuchungen U2 bis U9
geworden. Neue Merkblätter des Netzwerks Gesund ins Leben und des
Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ) unterstützen die
Beratung und vermitteln klare einfache Botschaften.

Stillen, gesunde Ernährung, reichlich Bewegung, Mundhygiene, Schutz vor
Sonne oder Rauch und vor zu frühem oder zu intensivem Mediengebrauch
gehören zu den Präventionsmaßnahmen, die ein gesundes Aufwachsen und die
Entwicklung des Kindes fördern. Aufklärung und Beratung zu diesen Themen
sind Teil der gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen
(U-Untersuchungen). So sieht es die neue Kinderrichtlinie vor. Für diese
Beratungen hat das Netzwerk Gesund ins Leben in Zusammenarbeit mit dem
Präventionsausschuss des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte sowie
der Deutschen Sporthochschule Köln Merkblätter in Form von Checklisten
entwickelt.

Für jede U-Untersuchung bzw. die jeweilige Paed.Check-Untersuchung
(erweiterte Vorsorgeuntersuchung als individuelle Gesundheitsleistung oder
im Rahmen von Selektivverträgen) gibt es ein Merkblatt mit sieben
Botschaften. Diese bringen die Empfehlungen klar, eindeutig und nah am
Familienalltag auf den Punkt. Zusätzlich werden die Botschaften durch
Piktogramme veranschaulicht. Das erhöht die Aufmerksamkeit und auch
weniger lesegewohnte Eltern können erreicht werden. „Mit diesem Angebot
bieten wir ein einfaches und praktikables Instrument zur Umsetzung der
gesetzlichen Vorgabe“, so Maria Flothkötter, Leiterin des Netzwerks Gesund
ins Leben. „Über die U-Untersuchungen können wir alle Familien mit so
wichtigen Themen wie gesunde Ernährung und reichlich Bewegung von Anfang
an erreichen und dafür sensibilisieren.“ Auch in anderen Beratungen von
jungen Familien können die Merkblätter eingesetzt werden.

Grundlage der Botschaften für die Merkblätter im Säuglings- und
Kindesalter – von U2 oder Paed.Check Start bis zu U7a oder Paed.Check 3.0
– sind die einheitlichen Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins
Leben, die von allen relevanten Fachorganisationen und -institutionen
unterstützt werden.

Die Merkblätter stehen unter http://www.gesund-ins-leben.de/paedcheck zum
Download bereit.

Für die weiteren Untersuchungen bzw. Paed.Checks im Kindes- und
Jugendalter (U 8 oder Paed.Check 4.0 bis J2 oder Paed.Check 16.0) stehen
ebenfalls entsprechende Merkblätter zur Verfügung. Sie wurden vom
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, dem aid infodienst und der
Sporthochschule Köln entwickelt und können unter
http://www.aid.de/paedcheck heruntergeladen werden.

Über Gesund ins Leben: Gesund ins Leben ist ein Netzwerk von
Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden, die sich mit jungen
Familien befassen. Das Ziel ist, Eltern einheitliche Botschaften zur
Ernährung und Bewegung zu vermitteln, damit sie und ihre Kinder gesund
leben und aufwachsen. Das Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft fördert Gesund ins Leben als Teil des Nationalen
Aktionsplans IN FORM: http://www.gesund-ins-leben.de

Über IN FORM: IN FORM ist Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung
und mehr Bewegung. Sie wurde 2008 vom Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) und vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
initiiert und ist seitdem bundesweit mit Projektpartnern in allen
Lebensbereichen aktiv. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten
der Menschen dauerhaft zu verbessern: http://www.in-form.de
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