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Gesundheit

Forschen für die Kinderkardiologie von morgen

„herzblatt“, die Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung für ein Leben mit
angeborenem Herzfehler, widmet sich in der aktuellen Ausgabe dem
Schwerpunktthema Forschung

Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 7.500 Kinder mit einem angeborenen
Herzfehler zur Welt. Statistisch gesehen sind Fehlbildungen des Herzens
damit die häufigste Organfehlbildung. Dank des medizinischen Fortschritts
erreichen heute rund 90 Prozent dieser Kinder das Erwachsenenalter,
aktuell leben nach Schätzungen bundesweit über 200.000 Erwachsene mit
einem angeborenen Herzfehler. In keinem anderen Bereich der Herzmedizin
sind die Überlebensraten in den vergangenen Jahren derart gestiegen. Die
Basis einer innovativen und nachhaltigen herzmedizinischen Versorgung ist
die Forschung. In der ersten Ausgabe des Jahres 2017 von „herzblatt“
wollen wir den Lesern exemplarisch Forschungsprojekte aus
unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen vorstellen. So verschieden
die präsentierten Ansätze und Vorhaben sind, sie haben alle einen
gemeinsamen Nenner: Mit ihren Arbeiten wollen die Forscher die Diagnose
und Behandlung von Menschen mit angeborenem Herzfehler verbessern und dazu
beitragen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene optimal medizinisch
versorgt werden können.

Ausgewählte Projekte: von der Grundlagen- bis zur klinischen Forschung

Computersimulation verspricht, Herzeingriffe zu ersparen
Kinder mit angeborenem Herzfehler müssen oft belastende Untersuchungen und
Eingriffe über sich ergehen lassen. Bremer Wissenschaftler haben eine
Software entwickelt, mit der sich bestimmte Interventionen vorab mit dem
Computer simulieren lassen. Das lässt darauf hoffen, künftig auf manch
einen Eingriff verzichten zu können.

Nach dem Vorbild der Natur
Die beste Herzklappe für das Kinderherz hat die jeweils passende Größe,
bleibt ein Leben lang funktionstüchtig, ruft das Immunsystem nicht auf den
Plan, macht keine medikamentöse Blutverdünnung erforderlich – und wächst
mit. Weltweit versuchen Forscher, diesen idealen Herzklappenersatz zu
entwickeln. In „herzblatt“ stellen wir einen Weg vor, den Wissenschaftler
des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in
Stuttgart gehen: Sie spinnen im Labor Herzklappenmaterial aus Kunststoff
und reichern das Gewebe mit biologischen Informationen an.

Besser atmen, besser leben
Ob sich die Belastbarkeit und Lebensqualität von Patienten, die mit einem
„univentrikulären Herzen“ (Einkammerherzen) leben, mit einem regelmäßigen
Atemtraining verbessern lässt, prüfen derzeit Ärzte und Wissenschaftler
des Deutschen Herzzentrums München. Das Atemtraining, weiß man, kann den
Kreislauf verbessern. „Wenn ein Patient früh mit dem Atemtraining
beginnt“, hofft Professor Alfred Hager, der Leiter der Studie, „lässt sich
vielleicht verhindern, dass Probleme mit dem Kreislaufsystem der Fontan-
Patienten auftreten.“

Kleben statt nähen?
Nicht aufwändig nähen, sondern Defekte am Herzen mit einem Klebstoff
verschließen: Ermöglichen soll das ein neuer chirurgischer Klebstoff, mit
dem biologisch abbaubare Streifen oder Flicken innerhalb von Sekunden
selbst im schlagenden Herzen angebracht werden können. „herzblatt“ hat bei
den Forschern nachgefragt, wie weit ihre Studien mit dem neuen
Bioklebstoff sind.

Präzisere Diagnose
Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) ist ein modernes bildgebendes
Verfahren, das ohne Röntgenstrahlen auskommt und genau in Herz und Gefäße
blicken lässt. Neue technische Entwicklungen des Forschungsteams um den
Physiker Professor Thoralf Niendorf vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin-
Buch versprechen noch präzisere, nahezu mikroskopische Bilder. Für den
Beitrag in „herzblatt“ hat sich unser Autor selbst „in die Röhre“ legen
und sein Herz mit dem neuen „7-Tesla-MRT“ untersuchen lassen.

Macht Lachen stark?
Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich mit der
Frage, welche Rolle das Lachen und der Humor beim Gesundwerden spielen.
„herzblatt“ hat für seine Leser die Ergebnisse aktueller Studien
zusammengestellt. Von dem bekannten Mediziner und Kabarettisten Eckart von
Hirschhausen wollten wir wissen, welche Qualitätsansprüche an „Klinik-
Clowns“ gestellt werden müssen, die in Krankenhäusern häufig auftreten und
kleine Patienten aufheitern wollen. Eckart von Hirschhausen, der bereits
vor Jahren eine Stiftung „Humor hilft heilen“ mit dem Auftrag gegründet
hat, die Effekte von Humor und Lachen zu erforschen, mahnt: „In den
Kliniken sollen keine ehrenamtlichen Hobbyspaßmacher auftreten, sondern
gut ausgebildete Könner mit Supervision und Weiterbildung.“

Neue Rubrik Sozialrecht
Der Schwerpunkt „Forschung“ wird ergänzt von den üblichen
„herzblatt“-Rubriken, etwa der medizinischen Sprechstunde, in der Experten
individuell, ausführlich und verständlich auf Fragen eingehen, die
Ratsuchende an die Kinderherzstiftung stellen. Neu eingeführt haben wir
die Rubrik „Rat & Hilfe“: Hier beantworten Fachleute der Sozialrechtlichen
Beratungsstelle der Kinderherzstiftung der Deutschen Herzstiftung e. V.
und Herzkind e. V. künftig regelmäßig typische Anfragen rund um das Thema
Sozialrecht.

Intensive Forschungsförderung

Zu den in „herzblatt“ dargestellten Forschungsarbeiten zählen Vorhaben,
die von der „Deutschen Stiftung für Herzforschung“ unterstützt werden. Die
Deutsche Herzstiftung hat diese Stiftung bereits vor nahezu 30 Jahren mit
dem Ziel gegründet, die „Herzkreislaufforschung intensiv zu fördern und
Gelder dorthin zu lenken, wo Forschung sonst kaum finanziell unterstützt
wird – zu den patientennahen Fragestellungen“. Alljährlich unterstützen
Herzstiftung und Stiftung für Herzforschung Projekte auf den Gebieten der
Grundlagenforschung und der klinischen Forschung auf hohem
wissenschaftlichen Niveau. In die Förderung wissenschaftlicher Projekte,
die einer besseren Versorgung von Menschen mit angeborenem Herzfehler
gelten, flossen allein im Jahr 2015 rund 300.000 Euro.


Magazin „Herzblatt“ abonnieren: Das Magazin „herzblatt“ erscheint viermal
im Jahr. Es wendet sich an Eltern, deren Kind mit einem Herzfehler zur
Welt kam, an die heranwachsenden Kinder und an junge Erwachsene mit
angeborenen Herzfehlern (EMAH). Mitglieder erhalten das Magazin der
Kinderherzstiftung regelmäßig und kostenfrei. Sie können das Heft
abonnieren bei:

Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstr. 94–96
60323 Frankfurt am Main
Telefon 069 955128-0
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?

Checkliste zeigt Warnzeichen für Bluthochdruck-Notfall an
Regelmäßiges Blutdruckmessen ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um die
schwerwiegenden Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks wie
Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Vorhofflimmern oder
Nierenschädigung zu verhindern. Besonders problematisch ist es, wenn der
Blutdruck plötzlich ansteigt und Werte in Ruhe z. B. von 190-200 mmHg
(oberer Wert) oder mehr erreicht. Für Patienten entscheidend für das
weitere Vorgehen in dieser beunruhigenden Situation ist, ob der hohe
Blutdruck nur mit geringfügigen Missempfindungen wie Gesichtsröte,
leichtem Kopfweh, Unruhegefühl, schnellerem Schwitzen unter Belastung
auftritt und der Patient keine ernsten Beschwerden hat. Dann handelt es
sich um eine Bluthochdruck-Krise.
Wenn jedoch der hohe Bluthochdruck mit ernsten Beschwerden verbunden ist,
liegt ein Bluthochdruck-Notfall vor. Als ernste Beschwerden eingestuft
werden Brustschmerzen, Atemnot, neurologische Ausfälle (Seh- und
Sprechstörungen), Krampfanfälle wie bei Epilepsie (nicht Wadenkrämpfe),
Benommenheit, Lähmungen, Übelkeit, Erbrechen und Nasenbluten. „Beim
Bluthochdruck-Notfall muss sofort unter der 112 der Notarzt alarmiert
werden, weil Herzinfarkt oder Schlaganfall die Folge sein können“, warnt
Prof. Dr. med. Thomas Budde vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen
Herzstiftung. „Diese starken Beschwerden sind für die Beurteilung
entscheidend, ob es sich um einen Notfall handelt oder nicht, und nicht
die absolute Höhe des Blutdrucks, die durchaus auch unter 200/100 mmHg
liegen kann“, betont der Kardiologe am Alfried Krupp-Krankenhaus Essen.

Checkliste hilft einzuordnen: Notfall oder Entwarnung?
Eine Checkliste der Herzstiftung unter www.herzstiftung.de/blutdruck-
anstieg zeigt an, in welchen Fällen man bei deutlichem Blutdruck-Anstieg
den Notarzt alarmieren sollte. Wichtig: Beim Anruf der Rettungsleitstelle
unbedingt den Verdacht auf Bluthochdruck-Notfall äußern, damit nicht ein
Krankenwagen geschickt wird, sondern ein Rettungswagen mit Notarzt. Nur er
kann sofort am Einsatzort die Behandlung beginnen.

Bluthochdruck-Krise: Ruhe bewahren und Blutdruck wie vom Arzt verordnet
senken
Für die Bluthochdruck-Krise, bei der es durch den hohen Blutdruck zu
geringfügigen Missempfindungen kommt, hat der Arzt mit dem Patienten, der
in den meisten Fällen bereits mit Medikamenten behandelt wird, in der
Regel besprochen, was zu tun ist. Tritt ein hoher Blutdruck z. B. von über
190/100 mmHg erstmals ohne ernste Beschwerden auf, kann es sich um einen
Zufall handeln. Dann sollten Betroffene nicht in Panik geraten, sondern
sich ruhig hinlegen, Musik hören und eine halbe Stunde warten und dann
sehen, wie sich der Blutdruck verhält. In aller Regel gehen die
Blutdruckwerte auf etwa 160/100 mmHg zurück. Ist der Patient in ärztlicher
Behandlung, dann ist er in der Regel vom Arzt darüber informiert worden,
wie er selbst den krisenhaft erhöhten Blutdruck, der oft durch Stress
verursacht ist, senken kann, z. B. mit dem Blutdrucksenker Nitrendipin 10
mg oder Nisoldipin 10 mg. Damit wird eine Senkung des Blutdrucks von 20-30
mmHg erreicht. Eine stärkere Senkung ist nicht erwünscht. Auch andere
Medikamente, z. B. das sedierende Blutdruckmittel Clonidin, können bei
einem krisenhaften Blutdruckanstieg in Frage kommen. Ebenso Nitrospray,
das aber den Nachteil hat, zu Schwindelzuständen führen zu können. Eine
andere Möglichkeit ist das Blutdruckmedikament, mit dem der Patient
sowieso behandelt wird, zusätzlich nochmal einzunehmen.
„Oft geht die Blutdruckerhöhung darauf zurück, dass Patienten ihre
Blutdruckmedikamente nicht eingenommen haben. Dann sollten sie dies
unverzüglich nachholen“, rät Prof. Budde. Auch nach einer Bluthochdruck-
Krise sollte der Blutdruck die nächsten Tage sorgfältig überwacht werden.

Erhöhter Blutdruck wird erstmalig gemessen, geht aber nicht runter: Was
tun?
Wenn der krisenhaft erhöhte Blutdruck zum ersten Mal gemessen wird, sich
aber nicht senken lässt und unverändert hoch bleibt, ist eine sofortige
Behandlung beim Arzt oder in der Klinik-Ambulanz angezeigt.

Bluthochdruck-Notfall-

Checkliste: Mit einer kostenfreien Notfall-
Checkliste bietet die Deutsche Herzstiftung unter www.herzstiftung.de
/blutdruck-anstieg (PDF-Download) wertvolle Hilfen zur raschen Klärung, ob
ein Bluthochdruck-Notfall vorliegt und was zu beachten ist.

Neue Ratgeber: Die Expertenschrift „Therapie des Bluthochdrucks:
plötzlicher Blutdruckanstieg“ (4 Seiten) oder der neue Ratgeber
„Bluthochdruck: Was tun?“ (56 Seiten) können jeweils kostenfrei bei der
Herzstiftung angefordert werden: per Tel. unter 069 955128400,  per E-Mail
unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder unter www.herzstiftung.de
/Bluthochdruck-Sonderband.html
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Bad Oeynhausen: 82 Herztransplantationen in 2017

Prof. Dr. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen  (Foto: Armin Kühn).Höhere Fallzahlen in Deutschlands größtem Herztransplantationszentrum
Mit 82 Herztransplantationen im vergangenen Jahr ist das Herz- und
Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, das mit Abstand größte
Herztransplantationszentrum in Deutschland und Europa. In der von Prof.
Dr. Jan Gummert geführten Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie
wurden bisher 2.300 Herztransplantationen durchgeführt. Im Jahr 2015 sind
75 Herzen in Bad Oeynhausen transplantiert worden.

2016 wurden insgesamt 290 Herztransplantationen in Deutschland
durchgeführt, im Vorjahr waren es 284. Nach wie vor sei damit die
Situation für viele Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan sehr
bedenklich, betonte Prof. Gummert. „Die Steigerung der Transplantationen
in Bad Oeynhausen ist auf die große Anzahl unserer Wartepatienten im HDZ
NRW im Vergleich zur bundesdeutschen Warteliste zurückzuführen.“ Die
geringe Steigerung der Zahl der bundesweiten Herztransplantationen sei
jedoch eine Katastrophe. Aktuell warten fast 180 Patienten des Herz- und
Diabeteszentrum NRW auf ein Herz und/oder eine Lunge.

Unter den 82 Patienten, die im vergangenen Jahr in Bad Oeynhausen ein
neues Herz erhalten haben, waren vier Kinder und Jugendliche unter 16
Jahren, die im HDZ-Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler
unter der Leitung von Dr. Eugen Sandica transplantiert wurden.

Seit 1989 ist das Herz- und Diabeteszentrum NRW Transplantationszentrum
für Herzen und Lungen. Die von Professor Gummert geleitete Klinik für
Thorax- und Kardiovaskularchirurgie ist mit einem Leistungsspektrum
sämtlicher herzchirurgischer Eingriffe einschließlich minimalinvasiver
Verfahren, 190 Betten und jährlich 3.500 Operationen am Herzen und den
herznahen Gefäßen die größte herzchirurgische Klinik in Deutschland.

Hintergrundinformation:

Herztransplantationen in Deutschland:
2015: 284               2016: 290
(Quelle: Eurotransplant)

Herztransplantationen in Bad Oeynhausen:
2015: 75                2016: 82
(Quelle: Eurotransplant, HDZ NRW)

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 37.000 Patienten pro Jahr, davon
14.400 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren
seiner Art in Europa.

In der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie des HDZ NRW unter
der Leitung von Prof. Dr. med. Jan Gummert werden jährlich 3.500 Patienten
am offenen Herzen und den herznahen Gefäßen operiert. Die Klinik ist
deutschlandweit führend in den Bereichen Herzklappenoperationen,
Herztransplantationen, Kunstherzimplantationen sowie Herzschrittmacher-/
ICD-Eingriffe. Als führendes Herztransplantationszentrum hält die Klinik
zudem eines der weltweit größten Programme zur künstlichen
Herzunterstützung (Kunstherzen) bereit. Zu den weiteren Schwerpunkten der
Klinik zählen die minimalinvasive Klappenchirurgie und die Bypasschirurgie
am schlagenden Herzen.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa: Deutschland nicht in einer Spitzenstellung

Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.  DHS/Angela PfeifferDeutscher Herzbericht: Sterblichkeit durch Herzkrankheiten sinkt, leichter
Anstieg bei stationären Aufnahmen / Europa-Analyse: nur mittelmäßige Werte
für Deutschland in der Senkung der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit

Die Zahl der Sterbefälle durch Herzerkrankungen ist in Deutschland
insgesamt leicht gesunken, während die Neuerkrankungen (stationäre
Aufnahmen) zugenommen haben. Wie in den Vorjahren sterben bei Betrachtung
der Herzkrankheiten in der Summe mehr Frauen (110.915) als Männer
(97.061), wie der neue Deutsche Herzbericht 2016 belegt. Der Herzbericht
wird von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit den ärztlichen
Fachgesellschaften für Kardiologie (DGK), Herzchirurgie (DGTHG) und
Kinderkardiologie (DGPK) alljährlich herausgegeben und kann kostenfrei
unter http://www.herzstiftung.de/herzbericht angefordert werden.
Insgesamt wurden 1.677.103 Männer und Frauen mit koronarer Herzkrankheit
(KHK)/Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen,
Herzschwäche und angeborenen Herzfehlern 2015 in eine Klinik eingewiesen
(2014: 1.660.253). Leicht gesunken sind einzig die stationären Aufnahmen
wegen KHK/Herzinfarkt, bei den anderen Herzkrankheiten gab es Anstiege.
„Dieser Trend zeigt, dass zwar die Herzinfarkt-Erkrankungen sinken.
Gleichzeitig wächst trotz verbesserter Untersuchungs- und
Behandlungsmöglichkeiten die Zahl der Herzpatienten stetig, die der
medizinischen Versorgung und der Unterstützung durch Information und
Aufklärung bedürfen“, betont Prof. Dr. med. Thomas Meinertz,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Bei den
Klappenerkrankungen sehen wir, dass die Patienten häufiger diagnostiziert
und behandelt werden, zwar eine Verbesserung ihrer Beschwerden erfahren,
aber auch nach einer Behandlung noch klappenkrank bleiben.“

Höchste Infarktsterblichkeit in ostdeutschen Ländern, aber positiver Trend
sichtbar
Die Zahl der Sterbefälle durch Herzerkrankungen ist in der Summe gesunken.
Starben 2012 insgesamt 215.143 Menschen an KHK/Herzinfarkt,
Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen, Herzschwäche und
angeborenen Herzfehlern, waren es 207.976 Sterbefälle im Jahr 2014,
darunter mehr als die Hälfte KHK-Patienten mit 121.166 Gestorbenen, davon
48.181 Herzinfarkttote (2012: 52.516, 1990: 85.625). Der aktuelle
Herzbericht belegt auch, dass weiterhin die ostdeutschen Bundesländer
Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern
eine Spitzenposition in der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit einnehmen, wenn
man KHK/Herzinfarkt, Herzschwäche, Klappenkrankheiten und
Rhythmusstörungen in der Summe betrachtet. Die niedrigste aufsummierte
Sterbeziffer weist demnach Berlin mit 169 Gestorbenen pro 100.000
Einwohnern (EW) auf, Sachsen-Anhalt die höchste mit 391 Gestorben pro
100.000 EW. Zwar ist in diesen Ländern – wie auch im westdeutschen
Saarland – weiterhin die Sterblichkeit am akuten Herzinfarkt am höchsten.
„Erfreulicherweise ist aber in diesen ostdeutschen Regionen ein positiver
Trend mit Sterblichkeits-Rückgängen insbesondere in Sachsen, Brandenburg,
Sachsen-Anhalt und Thüringen feststellbar“, betont Prof. Meinertz. Seine
Sterbeziffer konnte Sachsen innerhalb eines Jahres deutlich verringern:
von 93 Gestorbenen pro 100.000 EW (2013) auf 83 (2014). Auch in anderen
Gebieten wie Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen konnte die
Infarktsterblichkeit gesenkt werden. „Grund für diese Entwicklung können
verbesserte Abläufe im Rettungssystem, strukturelle Optimierungen in der
medizinischen Versorgung in den Kliniken und mehr Wissen über die
Herzinfarkt-Symptome sein. Dies darf jedoch nicht über den hohen Bedarf an
Präventionsmaßnahmen in der Bevölkerung hinwegtäuschen“, warnt Prof.
Meinertz. Wie der Herzbericht zeigt, treten in Bundesländern wie Sachsen-
Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit einer
überdurchschnittlich hohen Infarktsterblichkeit meistens auch die
wichtigsten Risikofaktoren für KHK/Herzinfarkt häufiger auf: Rauchen,
Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und metabolisches Syndrom.
Analyse zur Herz-Kreislauf-Sterblichkeit in Europa: Deutschland ohne
Spitzenposition
Dass für Deutschland ein hoher Verbesserungsbedarf in der Bekämpfung der
Sterblichkeit und Erkrankungshäufigkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen
und der KHK besteht, belegt eine europaweite Ländervergleichsstudie
(Nichols M., et al., Cardiovascular disease in Europe: epidemiol. update
2016, European Heart Journal 2016). Untersucht wurden u. a. die
Sterblichkeitsraten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt und zur KHK
in rund 50 europäischen Ländern. Die Übersichtsarbeit zeigt, dass
Deutschland, gemessen an der altersstandardisierten Herz-Kreislauf-
Sterblichkeitsrate (ASDR: Gestorbene Männer bzw. Frauen pro 100.000
Personen) allenfalls im Mittelfeld liegt (vergleichbar mit Griechenland
und Finnland). Die Abnahme der Sterblichkeit innerhalb von zehn Jahren
gelingt Deutschland deutlich schlechter als z. B. Frankreich, der
Niederlande, Spanien oder Großbritannien. Senkte Deutschland bei einer
ASDR von 477,2 (gestorbenen Männern pro 100.000) die Zehn-Jahres-
Sterblichkeit um 29,7%, senkten sie die Niederlande um 39,2% (ASDR: 332),
Frankreich um 34% (ASDR: 275,2), Spanien um 33,2% (ASDR: 292,4) und
Großbritannien um 42,2% (ASDR: 334,3). Ähnlich liegen die Verhältnisse bei
Frauen.

Versäumnisse in der Prävention Ursache für Ergebnisse?
Vergleichbar schwach im Ergebnis zeigt sich Deutschland im Ländervergleich
bei den verlorenen gesunden Lebensjahren aufgrund von Tod und einer
Erkrankung pro 1.000 Personen (Messgröße „DALY“, engl. für Disability-
adjusted life years): Auch hier sieht die Situation für Herz-Kreislauf-
Patienten in Deutschland mit 67 DALYs pro 1.000 Personen schlechter aus
als in anderen Ländern wie Frankreich (40), Italien (54), den Niederlanden
(42), Großbritannien (46) oder Slowenien (55). „Die Ergebnisse dieser
Übersichtsarbeit sind überraschend, geht man doch davon aus, dass
Deutschland bei den eingesetzten Diagnose- und Therapieverfahren der
Kardiologie und Herzchirurgie Spitzenwerte aufweist. An sich sollte man
erwarten, dass dieser hohe Einsatz zu einer Verminderung der Sterblichkeit
führt“, betont Prof. Meinertz. „An der Spitze steht Deutschland im Mangel
an Präventionsstrategien in der kardiovaskulären Medizin.“
Um die Ergebnisse in Deutschland zu verbessern, müssten neben den
Möglichkeiten der Apparatemedizin vor allem die Potenziale der
Gesundheitsvorsorge bereits bei den Klein- und Schulkindern in Angriff
genommen werden: durch gezielte kindernahe Aufklärung über
Lebensstilfaktoren wie gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung sowie die
Funktionsweise des Herz-Kreislauf-Systems. „Die zuständigen
Landesministerien und Behörden müssen zudem viel mehr in Vorsorgeprogramme
mit Gesundheits-Checkups, Ernährungs- und Bewegungsangeboten für
Erwachsene in Beruf und Familie investieren.“

Tipps und Infos zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhalten Betroffene bei der
Deutschen Herzstiftung per Tel. unter 069 955128400 oder unter
http://www.herzstiftung.de

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