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Gesundheit

Prof. Dr. Eckard Rickels  Foto: Mike Auerbach

Intensiv- und Notfallmedizin: „Virtueller DIVI-Kongress ist ein Novum für 6.000 Teilnehmer“

Prof. Dr. Eckard Rickels  Foto: Mike Auerbach
Prof. Dr. Eckard Rickels Foto: Mike Auerbach

Erstmals wird der größte Kongress für Intensiv- und Notfallmediziner im
deutschsprachigen Raum komplett virtuell stattfinden. Der Einladung der
Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin
(DIVI) folgen traditionell im Dezember jeden Jahres bis zu 6.000
Teilnehmer. „Dieses Jahr wird alles anders – aber mindestens genauso
spannend und informativ wie gewohnt. Ich freue mich wirklich sehr, dass
wir in diesem Corona-Jahr erstmals ein umfassendes Angebot digital
abbilden können“, sagt DIVI-Kongresspräsident Professor Eckhard Rickels.

Im Interview spricht er jetzt darüber, was die Kongressteilnehmer vom 2.
bis 4. Dezember in rund 170 Veranstaltungen online erwartet, das Vertrauen
in die Wissenschaft und einen möglichen Paradigmenwechsel in der
Krankenhauslandschaft durch COVID-19.

Herr Professor Rickels, was ging Ihnen durch den Kopf, als die Absage des
physischen Kongresses beschlossen wurde?

Zuerst einmal war ich natürlich enttäuscht – unser Kongress ist
schließlich eine der wichtigsten Veranstaltungen für alle Berufsgruppen in
der Intensiv- und Notfallmedizin. Doch in diesem unkalkulierbaren Corona-
Jahr ist die Absage des Events im Congress Center Hamburg völlig logisch.
Im Team haben wir aber schon direkt danach überlegt, wie wir für alle
passende Alternativen schaffen können. Eine Komplettabsage war keine
Option, vielmehr begreifen wir die Situation auch als Chance, das Know-how
auf anderen Wegen weiterzugeben und etwas Neues aufzubauen. Schließlich
stehen uns dafür mittlerweile fantastische technische Möglichkeiten zur
Verfügung.

Wie hat Corona Ihre Einstellung zu digitalen Fortbildungen geändert?

Anfangs war ich skeptisch, ob das überhaupt funktionieren kann.
Schließlich gehöre ich doch eher zu jenen, die seit Jahrzehnten
Präsenzkurse besuchen. Dann habe ich aber selbst in die ersten digitalen
Veranstaltungen reingeschnuppert, einen virtuellen Kongress besucht, mich
mit den Präsentationsmöglichkeiten auf Online-Plattformen vertraut gemacht
– und bin mittlerweile richtig begeistert. Wer seine Präsentation zudem
live hält – und nicht nur ein Video abspielt –, der kann auch mit seinen
Zuhörern interagieren und diese begeistern. Sicher gehört auch eine
Portion Selbstdisziplin dazu und die Möglichkeiten des persönlichen
Austausches unter den Teilnehmern sind eher begrenzt. Aber auch dafür gibt
es mittlerweile verschiedene Diskussions-Foren und Chat-Formate, die wir
auch beim DIVI-Kongress einbinden werden. Es gilt, sie zu nutzen.

Wie müssen wir uns diese Formate genau vorstellen?

Letztendlich werden beispielsweise die einzelnen Symposien genauso von
einem Vorsitzenden moderiert, wie wir das von herkömmlichen
Veranstaltungen kennen. Teilnehmer können dann beispielsweise schon
während der Präsentation offene Fragen an die Symposien-Leiter
übermitteln. Zudem planen wir ein kleines TV-Studio einzurichten – von
dort sollen verschiedene Veranstaltungen moderiert werden. An den genauen
Details zum Programm arbeiten wir derzeit.

Welche Programmdetails können Sie uns jetzt schon verraten?

Verraten kann ich jetzt schon, dass es am Vorabend, also am 1. Dezember,
eine virtuelle Eröffnungsveranstaltung geben wird. Mit hochkarätigen
Keynote-Speakern sind wir derzeit im Austausch. Zudem sollen fast alle
Programmpunkte, die wir ursprünglich geplant hatten, ins virtuelle Umfeld
übernommen werden. Hier haben viele Experten, die Programmdirektion und
alle DIVI-Sektionen ordentlich zugearbeitet. Insgesamt sprechen wir von
mehr als 100 Symposien, 15 Pro/Con-Sitzungen, etwa 16 Pflegesymposien und
19 Fortbildungsveranstaltungen. Insbesondere Nachwuchswissenschaftler
werden zahlreiche E-Poster präsentieren. Hier ist aber auch noch etwas
Bewegung in der Programmgestaltung. Zudem hoffe ich, dass wir auch etwa
zehn Hands-on-Kurse digital abbilden können. Es wird darüber hinaus Live-
Diskussionen geben, wir planen ein Simulationstraining und werden
natürlich einen eigenen Corona-Strang in das Programm einbauen, der
voraussichtlich acht weitere Programmpunkte enthalten wird.

Und wie soll die doch sehr gefragte Industrieausstellung in diesem Jahr
stattfinden?

Auch hierfür überlegen wir uns passende Formate, in denen sich jeder
einzelne Aussteller wiederfindet. In dem Punkt sind aber auch die
Aussteller selbst gefordert. Einfach nur einen virtuellen Stand mit Link
zum Unternehmen reicht sicher nicht aus. Personaleinsatz ist gefordert.
Wie bei einem klassischen Kongress wird es bei der virtuellen Version
Pausen geben – in denen sollten die Vertreter der Industrieaussteller live
ansprechbar sein. Zudem wird es wie gewohnt passende Industriesymposien
geben, bei denen es keine konkurrierenden Parallelveranstaltungen geben
wird.

Wann konkret können wir mit einer Programmvorstellung rechnen?

Das finale Programm soll im Laufe des Julis vorgestellt werden. 95 Prozent
der Inhalte stehen bereits fest. Es sind jetzt vor allen noch
organisatorische Details zu klären. Wir werden dann auch aktiv auf
interessierte Industrieaussteller zugehen und die Details erläutern.
Sobald die Online-Anmeldung offen ist, werden wir darüber informieren.

Um noch konkreter zu werden: Mit welchen Teilnahmegebühren ist zu rechnen?

Wir haben scharf kalkuliert, weil wir unter der 100-Euro-Grenze liegen
wollten. Das teuerste Ticket wird bei 95 Euro liegen, DIVI-Mitglieder
zahlen 60 Euro – für alle drei Kongresstage. Pflegemitarbeiter,
Rettungsassistenten, Sanitäter und Therapeuten zahlen 60 Euro – bei DIVI-
Mitgliedschaft lediglich 45 Euro. Studenten werden kostenfrei zum Kongress
zugelassen. Außerdem erhalten Abstract-Erstautoren 50 Prozent Rabatt auf
die Anmeldegebühr. Ich glaube, dass bei diesem Angebot wirklich jeder
dabei sein kann. Dabei sein heißt für mich aber auch wirklich, dabei zu
sein! Sprich: Mal eben zwischen zwei Visiten eine Session anzugucken, ist
sicher nicht sinnvoll. Wer am virtuellen DIVI-Kongress teilnimmt, sollte
sich auch die drei Tage dafür Zeit nehmen. Zusätzlich werden aber auch
sämtliche Inhalte des Kongresses noch ein Jahr lang online abrufbar sein.

Welche Themenbreite lässt sich denn in diesen drei Tagen abbilden?

Wir werden wie immer alle Facetten der gesamten Intensiv- und
Notfallmedizin darstellen, in denen es aktuelle Entwicklungen und vor
allem Neuigkeiten zu berichten gibt. Und mit Blick auf die Corona-Pandemie
sind dies in diesem Jahr nochmal deutlich mehr Aspekte, die zu unseren
ursprünglichen Planungen aufgenommen worden sind. Alle Vorschläge aus den
einzelnen DIVI-Sektionen, die sich mit Symposien beteiligen wollten, haben
wir berücksichtigen können. In unserem speziellen Corona-Strang wird es
darum gehen, was wir aus der Pandemie gelernt haben – und was dies für die
Krankenhauslandschaft in Zukunft bedeuten wird. Anhaltende Strömungen, die
Medizin vollkommen zu ökonomisieren, sind durch die Corona-Pandemie
konterkariert worden. COVID-19 bringt einen Paradigmenwechsel.

Das Kongressmotto „Wissen schafft Vertrauen“ könnte also passender gar
nicht sein, oder?

Als wir das Motto vor mehr als einem Jahr festgelegt haben, war COVID-19
noch kein brennendes Thema. Der Kongress hat eine deutliche
Ausstrahlungskraft und diese wollen wir nutzen, um klar zu sagen: Je mehr
wir wissen und je besser wir informiert sind, desto eher schaffen wir es,
dass uns die Patienten umfassend vertrauen. Die Corona-Pandemie ist da ein
passendes Beispiel. Alle in der Intensiv- und Notfallmedizin tätigen
Menschen haben in den vergangenen Monaten unglaubliches geleistet – das
Vertrauen der Bevölkerung in die Schulmedizin ist in dieser Zeit deutlich
gewachsen.

In welchen Bereichen befürchten Sie denn noch zu wenig Wissen – und damit
vielleicht mangelndes Vertrauen?

Wer am DIVI-Kongress teilnimmt, wird nach drei Tagen in allen Bereichen
der Intensiv- und Notfallmedizin auf dem aktuellen Stand sein. Hier gibt
es dann weder Wissenslücken noch einen Grund, diesem Know-how nicht
vertrauen zu können. Aber Wissenschaft bedeutet eben auch im wörtlichen
Sinne, mehr Wissen zu schaffen. Und das gelingt durch immer bessere
Forschung. Noch haben wir keine geeignete Therapie für eine
COVID-19-Immunität, noch wissen wir nicht genau, ob die Isolation von
einzelnen Landkreisen oder Wohnhäusern hilft, die Pandemie einzudämmen.
Vieles spricht dafür, aber die Wissenschaft muss das genau herausfinden
und lückenlos belegen. Auch müssen wir definieren, wie viele Betten
zukünftig in Deutschland vorgehalten werden sollten. Willkürliche
Festlegungen bringen uns nicht weiter. Hier suchen wir dann zudem das
Gespräch mit der Politik – dafür bietet der DIVI-Kongress den passenden
Rahmen.

Was sind die nächsten wichtigen Schritte für den virtuellen DIVI-Kongress?

Wir werden in den kommenden Wochen das Programm finalisieren und dann die
neue Kongress-Website online schalten – das ist sicher einer der
wichtigsten Punkte im Juli und August. Wer den Newsletter der DIVI
abonniert hat, wird über alle Schritte am schnellsten informiert. Und dann
würde ich mich persönlich freuen, wenn wir mit unserem Programm mindestens
jene 6.000 Teilnehmer gewinnen, die auch die Reise nach Hamburg geplant
hätten. Ich bin unglaublich stolz auf alle Aktiven, die sich in den
vergangenen Wochen intensiv für den DIVI-Kongress eingesetzt haben und
wirklich in kürzester Zeit eine digitale Alternative erarbeitet haben. Das
ist großartig. Ich bin überzeugt, dass der virtuelle DIVI-Kongress ein
Novum für alle Teilnehmer darstellt.

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Die aktuelle Ausgabe von HERZ heute 2/2020.  Illustration: istock/apomares; Covergestaltung: R. Unguranowitsch

Rheuma: Herz und Gefäße leiden oft mit

Die aktuelle Ausgabe von HERZ heute 2/2020.  Illustration: istock/apomares; Covergestaltung: R. Unguranowitsch
Die aktuelle Ausgabe von HERZ heute 2/2020. Illustration: istock/apomares; Covergestaltung: R. Unguranowitsch

Rheuma kann gefährlich für Herz und Gefäße werden. Herzstiftung rät zu
regelmäßiger Untersuchung beim Kardiologen
Rheuma ist ein entzündliches Geschehen, von dem nicht nur der
Bewegungsapparat, sondern auch Herz und Gefäße betroffen sein können.
Beschwerden wie Schmerzen in Gelenken oder Weichteilen stehen zwar im
Vordergrund entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. „Begleitende
Erkrankungen von Herz und Gefäßen treten allerdings bei Menschen mit
entzündlich-rheumatischen Erkrankungen häufiger auf als bei ansonsten
Gesunden“, betont Prof. Dr. med. Udo Sechtem vom Wissenschaftlichen Beirat
der Deutschen Herzstiftung (www.herzstiftung.de). Rheuma-Patienten haben
ein erhöhtes Risiko für entzündliche Aktivitäten auch in den Wänden der
Blutgefäße, es kommt bei ihnen vermehrt zu einer Verkalkung der Gefäßwände
(Arteriosklerose). Die Folge können Gefäßkomplikationen bis hin zu
Herzinfarkt und Schlaganfall sein. „Wer an Rheuma leidet, sollte deshalb
zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen“, rät der Herzspezialist am
Cardiologicum Stuttgart in der aktuellen Ausgabe der Herzstiftungs-
Zeitschrift HERZ heute. Mindestens alle fünf Jahre zur Herz-
Vorsorgeuntersuchung sollten Patienten mit rheumatoider Arthritis,
ankylosierender Spondylitis (Morbus Bechterew) oder Psoriasis-Arthritis,
lautet auch die Empfehlung der „Europäischen Liga gegen rheumatische
Erkrankungen“ (EULAR).
In Deutschland leiden etwa 20 Millionen Menschen an einer rheumatischen
Erkrankung. Das Risiko eines Rheumapatienten, eine Herz-Kreislauf-
Erkrankung zu erleiden, entspricht dem eines Patienten mit Diabetes
mellitus (Zuckerkrankheit) beziehungsweise dem eines zehn Jahre älteren
Patienten ohne Rheuma. So tritt eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei
älteren Patienten mit rheumatoider Arthritis doppelt so häufig auf wie bei
gleich alten Personen ohne Rheuma. Auch deshalb informiert die
Herzstiftung ausführlich über die Folgen von Rheuma für Herz und Gefäße in
ihrer aktuellen Ausgabe HERZ heute 2/2020. Das Heft kann per Tel. unter
069 955128-400 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. kostenfrei
angefordert werden.

Vorsicht bei neuen Symptomen wie Brustschmerzen und Luftnot bei Belastung
Vor allem die Arterien, die den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen
versorgen (Herzkranzgefäße), können von der Arteriosklerose betroffen
sein. „Liegt zusätzlich eine rheumatische Erkrankung vor, beschleunigt
sich die Arteriosklerose, Ablagerungen in den Gefäßen, Plaques genannt,
drohen schneller aufzureißen und leiten Katastrophen wie Herzinfarkt oder
Schlaganfall ein.“ Diese Gefahr steigt insbesondere dann, wenn die
Betroffenen zusätzlich erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin), Bluthochdruck,
Diabetes oder Übergewicht haben. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn
Rheuma-Patienten neue Symptome wahrnehmen: „Brustschmerzen oder Luftnot
bei Belastung, die zuvor problemlos bewältigt wurden, sollte man ernst
nehmen und umgehend den Arzt aufsuchen“, mahnt Sechtem.

Vorsorge bei Rheuma-Patienten muss noch höheren Stellenwert haben
Damit es gar nicht erst zu Herz- und Gefäßkomplikationen bei Patienten mit
entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bis hin zu Herzinfarkt,
Schlaganfall und Herzschwäche kommt, „muss der Vorsorge ein noch höherer
Stellenwert als bislang eingeräumt werden“, betont der Stuttgarter
Kardiologe. Die Vorsorge umfasst eine Laboruntersuchung und eine
Ultraschalluntersuchung des Herzens und der Gefäße, ebenso EKG und
bildgebende Verfahren zur Feststellung von Durchblutungsstörungen des
Herzens und Ablagerungen in den Gefäßen (CT, MRT). Auch bei größeren
Umstellungen der Rheuma-Therapie wird geraten, das Herz- und Gefäßrisiko
zu überprüfen. Neben der medikamentösen Behandlung der entzündlichen
Krankheitsaktivität und Einstellung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck
und erhöhten Cholesterinwerten ist ein gesunder Lebensstil von Bedeutung:
Neben einer gesunden Ernährung und dem Verzicht auf das Rauchen ist die
regelmäßige Bewegung von besonderer Bedeutung: „Das kann auch die
regelmäßige Arbeit im Kleingarten sein, wenn man richtig aktiv ist. Oder
man geht jeden Tag etwa 30 Minuten in flotterem Tempo spazieren“, erklärt
Sechtem.

Aktuelle Ausgabe HERZ heute: Jetzt Probeexemplar anfordern!
Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an
Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Ein kostenfreies
Probeexemplar der neuen Ausgabe HERZ heute 2/2020 ist unter Tel. 069
955128400 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.

Der Video-Clip „Folgen von Rheuma für Herz und Gefäße“ mit dem Experten
Prof. Udo Sechtem ist abrufbar unter: https://youtu.be/t1DvzDvOR-Q

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Prof. Dirk Haller und sein Team  A. Heddergott / TUM

Darmbakterien verbessern Prognose von Typ-2-Diabetes

Prof. Dirk Haller und sein Team  A. Heddergott / TUM
Prof. Dirk Haller und sein Team A. Heddergott / TUM

Im Tagesverlauf verändern sich Anzahl und Zusammensetzung der im Darm des
Menschen aktiven Bakterien, das so genannte Darmmikrobiom. Dies haben
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Federführung der
Technischen Universität München (TUM) am Zentralinstitut Food & Health
(ZIEL) in Freising in einer der größten Studien zum Thema Mikrobiom und
Diabetes mit mehr als 4000 Personen gezeigt. Bei Typ-2-Diabetikern jedoch
gehen diese tageszeitlichen Schwankungen verloren.

Die mikrobielle Zusammensetzung des Darms ist komplex und individuell sehr
unterschiedlich. Viele Faktoren, wie Umwelteinflüsse, Lebensstil, Genetik
oder Erkrankungen beeinflussen das Ökosystem der hilfreichen Bakterien im
Darm.

Dirk Haller, Professor für Ernährung und Immunologie an der TUM, und sein
Team haben die Bedeutung tageszeitlicher Schwankungen des Mikrobioms im
Zusammenhang mit der Erkrankung Diabetes Typ 2 bei mehr als 4000 Personen
analysiert und damit die erste Studie auf diesem Gebiet mit humanen
Probanden vorgelegt.

Die Rolle von Darmbakterien bei Erkrankungen

„Um festzustellen, ob Änderungen im Darmmikrobiom Rückschlüsse auf
Erkrankungen erlauben, bedarf es so genannter prospektiver
Kohortenstudien“, sagt Prof. Haller.

In solchen prospektiv-vorausschauenden Kohortenstudien wird ein
Querschnitt aus der Bevölkerung beobachtet, ohne dass die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer irgendwelche Symptome einer Krankheit zeigen. Die
Population wird im Laufe der Zeit nachbeobachtet. So lässt sich erkennen,
ob eine bestimmte Beobachtung typisch für das spätere Auftreten einer
Erkrankung ist.

Verbesserte Diagnose und Prognose von Typ-2-Diabetes möglich

„Wenn bestimmte Darmbakterien keine tageszeitliche Rhythmik aufweisen,
sich also in Zahl und Funktion im Laufe des Tages nicht verändern, kann
man auf eine mögliche Erkrankung mit Typ-2-Diabetes schließen. Dieses
Wissen verbessert sowohl die Diagnose als auch Prognostik von
Typ-2-Diabetes“, sagt Chronobiologin Dr. Silke Kiessling, die ebenfalls an
der Studie beteiligt ist.

Diese Bakterien, die sich im Tagesverlauf nicht mehr verändern, also
arrhythmisch sind, sind Marker für eine potenzielle Erkrankung. Die
Forschenden nennen dies eine Risikosignatur. „Auch mathematische Modelle
zeigen, dass diese mikrobielle Risikosignatur, die aus arrhythmischen
Bakterien besteht, zur Diagnose von Diabetes mit beiträgt“, so die
Erstautorin Sandra Reitmeier.

Primär wurden die Daten aus einer bestehenden unabhängigen Kohorte des
Helmholtz Zentrums München analysiert. Die Ergebnisse zum Diabetes wurden
mit weiteren Kohorten aus Deutschland validiert. „Aus dem Vergleich mit
Kohorten in England konnten wir zeigen, dass unter anderem der regionale
Einfluss auf das mikrobielle Ökosystem erheblich ist. Demnach ergibt sich
der Bedarf, lokal spezifische arrhythmische Risikosignaturen zu finden“,
erklärt Haller.

Der Ernährungswissenschaftler betont: „Neben Bakterien und deren
Unterschiede je nach Tageszeit spielen noch weitere Parameter wie der
Body-Mass-Index eine Rolle, um ein späteres Erkranken einer Person besser
vorhersagen zu können.“

Tag-Nacht-Rhythmus der Bakterien im Darm als Basis weiterer Forschung

Eine Angabe zur Tageszeit der Stuhlprobennahme in der Humanforschung kann
die Diagnose von Erkrankungen stark beeinflussen. „Die Dokumentierung
dieser Zeitangaben ist zur Verbesserung von Risikomarkern essenziell“, ist
sich Prof. Haller sicher.

Die Untersuchungen untermauern die Hypothese, dass Veränderungen im
Mikrobiom einen Einfluss auf ernährungsrelevante Erkrankungen haben.
Welchen Einfluss eine Darmflora, die sich im Tagesverlauf (nicht)
verändert, auf andere Mikrobiom-assoziierte Darmerkrankungen wie Morbus
Crohn oder Darmkrebs hat, könnte das Thema weiterer Forschungen werden.

Die Ergebnisse dieser Studie sind insbesondere von großer Bedeutung für
die weitere Arbeit im Sonderforschungsbereich „Microbiome Signatures“,
denn gerade im klinischen Bereich bieten Kohortenstudien wichtige
Vergleichsmöglichkeiten der Daten gesunder und kranker Probanden.

Mehr Informationen:
An der Studie beteiligt waren der Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie
und das TUM Zentralinstitut ZIEL Institute for Food & Health, das
Helmholtz Zentrum München, das University College Cork, die Christian-
Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die University of London und das
King's College London.

Aus folgenden Kohorten wurden Daten analysiert: KORA Kohorte des Helmholtz
Zentrums München (https://www.helmholtz-muenchen.de/kora/fuer-
wissenschaftler/ueberblick-kora-kohorte/index.html), FoCuS-Kohorte der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (https://www.endokrinologie.uni-
kiel.de/forschung/focus/) und Kohorte des enable-Clusters am
Wissenschaftszentrum Weihenstephan (https://www.enable-cluster.de/).

Die Arbeit wurde im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG SFB1371; https://www.sfb1371.tum.de/) und mit
Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF / JPI
DINAMIC) durchgeführt.

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Klinikdirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe und die Oberärzte Dr. Tania-Cristina Costea und Abdulwahab Arbi  (Foto: Marcel Mompour).  HDZ NRW

Amputationen vermeiden

Gliedmaßenerhalt lautet das oberste Gebot im Wundheilungszentrum.

Klinikdirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe und die Oberärzte Dr. Tania-Cristina Costea und Abdulwahab Arbi  (Foto: Marcel Mompour).  HDZ NRW
Klinikdirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe und die Oberärzte Dr. Tania-Cristina Costea und Abdulwahab Arbi (Foto: Marcel Mompour). HDZ NRW

Diabeteszentrum Bad Oeynhausen als "Fußbehandlungseinrichtung DDG" erneut
ausgezeichnet.

Patienten mit Diabetes kennen die Angst vor einer Fußamputation, weil sich
eine Wunde gebildet hat, die einfach nicht heilen will. In vielen Fällen
lässt sich dieses Schreckensszenario jedoch verhindern: wenn der Diabetes-
Patient auch in Bezug auf das sogenannte „Diabetische Fußsyndrom“
qualifiziert, strukturiert und umfassend betreut wird.

Die Arbeitsgemeinschaft „Diabetischer Fuß“ der Deutschen Diabetes
Gesellschaft (DDG) hat das Diabeteszentrum des Herz- und Diabeteszentrum
NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, erneut für seine hohe Qualität in der
Fußbehandlung ausgezeichnet. „Diabetespatienten sind gut beraten, sich bei
schlecht heilenden Wunden so frühzeitig wie möglich qualifiziert beraten
und behandeln zu lassen“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe,
Direktor des Diabeteszentrums. Seit 2003 zeichnet die Fachgesellschaft DDG
Einrichtungen aus, die nachweislich eine leitliniengerechte Behandlung
ihrer Patienten sicherstellen.

„Jeder vierte Diabetiker muss im Laufe seiner chronischen Erkrankung damit
rechnen, vom Diabetischen Fuß-Syndrom betroffen zu sein. Mitunter drohen
eine Amputation von Zehen, Unter- oder Oberschenkel“, erläutert Tschöpe.
Im Wundheilungszentrum seiner Klinik behandelt Oberärztin Dr. Tania-
Cristina Costea Patienten mit einem akuten Fußproblem daher grundsätzlich
als Notfall. Denn bei Diabetespatienten reiche es nicht aus, den
Heilungsprozess chronischer Wunden zu fördern und Extremitäten zu
erhalten. Vielmehr gelte es, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

„Wir überprüfen die Blutzuckereinstellung, den Zustand der Gefäße und
untersuchen, ob eine diabetesspezifische Nervenstörung, eine sogenannte
Polyneuropathie, zugrunde liegt“, beschreibt Dr. Costea das Vorgehen. „Die
Empfindungsstörungen aufgrund einer solchen Nervenschädigung führen leider
oft dazu, dass der Patient Verletzungen und Schädigungen am Fuß nicht
rechtzeitig und nicht hinreichend störend wahrnimmt.“

Zur Förderung der Wundheilung werden im Wundheilungszentrum neben einer
medikamentösen Therapie auch Behandlungen mit Eigenblut, Maden, Kaltplasma
oder Fischhaut durchgeführt. Ein spezielles Augenmerk gilt der Behandlung
des Charcot-Fußes, bei dem es nach unbemerkten Verstauchungen oder
Knochenbrüchen aufgrund fehlender Schmerzsensibilität zu
Gelenkdeformitäten des Fußes kommen kann. Um das Diabetische Fuß-Syndrom
letztlich erfolgreich zu behandeln, seien nicht nur Fachärzte, sondern
Podologen, Wundassistenten, Orthopädieschuhmacher und -techniker,
Pflegekräfte und Diabetesberater eng in den Behandlungsprozess einbezogen.

„Mit rechtzeitiger Diagnostik und Therapie können viele Amputationen
verhindert werden“, betont Professor Tschöpe. In Deutschland werden
jährlich rund 40.000 Diabetes-Patienten Teile des Fußes oder der gesamte
Fuß amputiert. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 80 Prozent dieser
Fälle durch eine bessere Behandlung vermeidbar wären. Für die Betroffenen
bedeutet der Verlust des Fußes nicht nur einen großen Verlust an
Lebensqualität: Sie haben in der Folge auch ein erhöhtes Sterberisiko.
„Daher ist eine zeitnahe strukturierte Versorgung des Fußes bei Patienten
mit Diabetes unerlässlich.“

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon
14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren
seiner Art in Europa.

Im Diabeteszentrum des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr.
h.c. Diethelm Tschöpe werden jährlich rund 2.000 Menschen mit allen Typen
des Diabetes mellitus und seinen Folgeerkrankungen behandelt. Zum
Leistungsspektrum gehört auch die Diagnostik und Therapie
endokrinologischer und gastroenterologischer Erkrankungen. Ein besonderer
Schwerpunkt ist die kardiovaskuläre Risikoabschätzung und Behandlung von
Herz- und Gefäßerkrankungen im integrierten Versorgungskonzept. Zudem ist
das Diabeteszentrum auf die Behandlung von Nervenschäden und
Durchblutungsstörungen spezialisiert, dazu gehört auch die Wundheilung bei
Diabetischem Fußsyndrom.

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