Zum Hauptinhalt springen

Gesundheit

Die EMAH-Broschüre zur Kampagne enthält u. a. eine Adressliste der Praxen und Kliniken mit EMAH-Sprechstunde bundesweit  Bildnachweis Titel: getty/Taylor Walken/Corbis; Collage: C. Marx.

Gefahr im Verzug: Zehntausende Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) ohne Herz-Check

Die EMAH-Broschüre zur Kampagne enthält u. a. eine Adressliste der Praxen und Kliniken mit EMAH-Sprechstunde bundesweit  Bildnachweis Titel: getty/Taylor Walken/Corbis; Collage: C. Marx.
Die EMAH-Broschüre zur Kampagne enthält u. a. eine Adressliste der Praxen und Kliniken mit EMAH-Sprechstunde bundesweit Bildnachweis Titel: getty/Taylor Walken/Corbis; Collage: C. Marx.

Herzstiftung warnt: Großteil der EMAH in Deutschland „ohne fachgerechte
Versorgung ihres Herzfehlers“ / Bundesweite Kampagne sensibilisiert EMAH,
ihre spezielle lebenswichtige Nachsorge nicht zu vergessen
Etwa 300.000 Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler, kurz EMAH, leben
in Deutschland. Ihre Zahl steigt pro Jahr um ca. 6.500. Von den EMAH
werden derzeit viele Zehntausende nicht ausreichend medizinisch beraten
und versorgt. EMAH selbst sind oftmals nicht gut über ihren Herzfehler
informiert, viele nehmen die teils lebensnotwendige Nachsorge nicht wahr
und werden von Ärzten betreut, die keine ausreichende Erfahrung mit
angeborenen Herzfehlern (AHF) besitzen. „Damit riskieren die Betroffenen,
Anzeichen für schwerwiegende Spätkomplikationen zu übersehen. Hierzu
gehören Herzschwäche, Herzversagen, Lungenhochdruck,
Herzinnenhautentzündungen oder Herzrhythmusstörungen bis hin zum
plötzlichen Herztod“, warnen der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung,
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, sowie Prof. Dr. Dr. med. Harald Kaemmerer
und Dr. Rhoia Neidenbach vom Deutschen Herzzentrum München (DHM): „Für
fast alle EMAH ist deshalb im Erwachsenenalter eine kontinuierliche,
fachärztliche Weiterbehandlung durch einen EMAH-spezialisierten
Kardiologen oder Kinderkardiologen lebenswichtig. Außerdem sollten
frühzeitig geeignete gesundheitsfördernde Maßnahmen ergriffen werden, die
den Langzeitverlauf günstig beeinflussen.“
Die große Mehrheit der AHF kann heute durch Operationen oder
Kathetereingriffe so gut behandelt werden, dass sich die meisten
Betroffenen normal entwickeln und ein nahezu normales Familien- und
Berufsleben führen können. „Patienten – manchmal sogar auch der
behandelnde Arzt – wiegen sich daher über viele Jahre in trügerischer
Sicherheit, bis es zu bedrohlichen Komplikationen kommt. Viele Patienten
wissen auch nicht oder verdrängen, dass auch noch Jahre nach einer
zunächst erfolgreichen Herzfehlerbehandlung Spätkomplikationen eintreten
können“, berichtet Prof. Kaemmerer. Alarmiert sind EMAH-Spezialisten wie
er von der Tatsache, dass bei Betrachtung der Leistungszahlen von EMAH-
Praxen und -Zentren ca. 200.000 der EMAH – also rund 80 % der Betroffenen
insgesamt – nicht in einer spezialisierten Versorgung stehen („Lost to
follow-up“).

Bundesweite Informationskampagne sensibilisiert EMAH für jährlichen Herz-
Check
Um dieser bedenklichen Entwicklung gegenzusteuern, haben sich die Deutsche
Herzstiftung und EMAH-Spezialisten der EMAH-Zentren und -Praxen zum Ziel
gesetzt, mit einer bundesweiten Informationskampagne (www.emah-check.de)
Betroffene für die lebensnotwendige EMAH-zertifizierte Nachsorge
zurückzugewinnen. „Diagnose: Herzensangelegenheit – jetzt den EMAH-Check
machen!“ lautet daher das Motto der längerfristig angelegten Kampagne.
Deutschland verfügt über ein im internationalen Vergleich erstklassiges
Versorgungssystem für Menschen mit AHF. Neue Medikamente, moderne
kathetergestützte und herzchirurgische Therapieverfahren können EMAH zu
einer besseren Lebensqualität und Prognose verhelfen. „Wir müssen
verhindern, dass Patienten wegen Wissenslücken über den eigenen
Herzfehler, schlechten Erfahrungen mit Ärzten ohne EMAH-Expertise oder
wegen der Distanz zum nächsten EMAH-Spezialisten ihre Nachsorge versäumen
oder gar ihr Leben riskieren“, betont Herzstiftungs-Vorsitzender Prof.
Meinertz.

Wichtige Hilfen: Patienten- und Ärztetage sowie Adresslisten mit EMAH-
Ärzten
Die Deutsche Herzstiftung stellt unter www.emah-check.de kostenfrei
Ratgeber für EMAH und ihre Angehörigen sowie eine Liste der EMAH-
zertifizierten Praxen und Zentren zur Verfügung. Diese Informationen
richten sich direkt an EMAH und deren Angehörige, eignen sich aber ebenso
für nicht-spezialisierte Ärzte vieler Fachrichtungen. Die Ratgeber und
Expertenschriften widmen sich EMAH-Versorgungsstrukturen, Fragen zur
Belastung/Belastbarkeit bei angeborenem Herzfehler, Sexualität/
Schwangerschaft/Empfängnisverhütung, sozialmedizinischen Aspekten (Beruf,
Versicherung). Im Rahmen der Informationskampagne bieten acht ausgewiesene
EMAH-Zentren im Juni und Juli 2018 Patienten- und Ärztetage zu den
wichtigsten EMAH-spezifischen Themen an (Termine unter: www.emah-
check.de).

EMAH auch in den Wartezimmern der Hausärzte erreichen
Haus- und Allgemeinärzten kommt bei der Ansprache und Motivierung der aus
der Nachsorge „verlorenen“ EMAH eine Schlüsselfunktion zu. Sie können und
sollten die Betroffenen in eine EMAH-zertifiziert kardiologische Praxis
oder Ambulanz, weiterverweisen und so die Behandlungskontinuität sichern.
„Wir begleiten die Betroffenen teils lebenslang. Darüber hinaus müssen wir
auch die Hausärzte, Allgemeinärzte sowie andere Fachärzte wie Internisten
oder Geburtshelfer, sensibilisieren, die neue EMAH-Patientengruppe einer
herzfehlerspezifischen Versorgung zuzuführen und alle erforderlichen und
verfügbaren präventiven Maßnahmen zu nutzen“, betonen Prof. Kaemmerer und
Dr. Neidenbach (DHM).

EMAH-Zentren informieren Patienten und Ärzte an vier Standorten
Im Rahmen der Informationskampagne bieten acht ausgewiesene EMAH-Zentren
im Juni und Juli 2018 Patienten- und Ärztetage zu den wichtigsten EMAH-
spezifischen Themen (Termine unter: www.emah-check.de). Veranstaltungsorte
sind Leipzig (zusammen mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin), Hamburg
(zusammen mit dem Universitätsklinikum (UK) Kiel), Köln (mit UK Münster),
und München (mit UK Erlangen). Das Programm richtet sich an Betroffene und
deren Angehörige sowie an Haus- und Allgemeinärzte, Internisten,
Kardiologen sowie an EMAH-Ärzte.

Angeborene Herzfehler erfordern andere Herzspezialisten als
erworbene Herzkrankheiten
Etwa 40 verschiedene angeborene Herzfehler (AHF) sind bekannt: Das können
Veränderungen an den Herzkammern, an den Herzklappen oder an den
Trennwänden zwischen den Herzkammern (Loch in der Herzscheidewand) sein.
Selbst bei einfachen, nach Operation häufig als harmlos eingestuften
Herzfehlern können sich mit zunehmendem Alter schwerwiegende Probleme
einstellen, mit denen man bislang nicht gerechnet hat. Zusätzlich zum AHF
entwickeln sich im Erwachsenenalter erworbene Herzerkrankungen wie
koronare Herzkrankheit (Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, die zum
Herzinfarkt führen kann), Herzklappenfehler  und andere Organerkrankungen
an Lunge und Nieren. Diese erworbenen Zusatzerkrankungen beeinflussen den
Herzfehler und umgekehrt.
„Die EMAH-Behandlung unterscheidet sich nicht selten deutlich von der
Behandlung eines Herzpatienten mit einer ,erworbenen‘ Herzerkrankung oder
anderen Organerkrankungen“, unterstreicht EMAH-Spezialist Prof. Kaemmerer.
Nicht nur Betroffene, sondern auch Ärzte und Beschäftigte in der
medizinischen Versorgung sollten sich über die Besonderheiten bei der
Versorgung von EMAH informieren: www.emah-check.de
Auch wenn sich viele EMAH über viele Jahre beschwerdefrei fühlen: die
Mehrheit der EMAH ist nicht dauerhaft geheilt, sondern muss neben
herzfehlerspezifischen Problemen mit Folgen für ihre Lebensqualität, ihre
Leistungs- sowie Arbeitsfähigkeit und Prognose rechnen. Nachsorge und
Vorsorge kann helfen, Befinden und Prognose der Betroffenen zu verbessern!

  • Aufrufe: 240
Das Leitmotiv der EMAH-Informationskampagne der Deutschen Herzstiftung.  Bildnachweis: getty Taylor Walken/Corbis; getty/Yuri_Arcurs; Konzept & Design: neues handeln GmbH

EMAH-Patienten: Hausärzte sind wichtige Weichensteller für Spezialversorgung

Das Leitmotiv der EMAH-Informationskampagne der Deutschen Herzstiftung.  Bildnachweis: getty Taylor Walken/Corbis; getty/Yuri_Arcurs; Konzept & Design: neues handeln GmbH
Das Leitmotiv der EMAH-Informationskampagne der Deutschen Herzstiftung. Bildnachweis: getty Taylor Walken/Corbis; getty/Yuri_Arcurs; Konzept & Design: neues handeln GmbH

Haus- und Allgemeinärzte sind für ca. 200.000 Erwachsene mit angeborenem
Herzfehler (EMAH), die sich nicht mehr in der EMAH-Nachsorge befinden, oft
erste Anlaufstellen für Gesundheitsprobleme / „Recall“-Verfahren eine
Option?

Etwa 300.000 Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler (EMAH) leben in
Deutschland. Die Mehrzahl von ihnen ist nicht dauerhaft geheilt, sondern
chronisch herzkrank. Obwohl für viele EMAH über Jahre hinweg ein
weitgehend beschwerdefreies Leben möglich ist, ist eine lebenslange
Nachsorge des Herzfehlers durch einen EMAH-Spezialisten extrem wichtig.
Warum das? Trotz langjähriger Beschwerdefreiheit kann es im
Langzeitverlauf zu bedrohlichen Komplikationen in Form von Herzschwäche,
Lungenhochdruck, Herzinnenhautentzündung, Herzrhythmusstörungen bis hin
zum plötzlichen Herztod kommen. „Mit großer Sorge sehen wir, dass ein
erschreckend hoher Anteil der EMAH den Anschluss an eine regelmäßige
kardiologische Versorgung durch einen EMAH-Spezialisten verliert“, betont
EMAH-Spezialist Prof. Dr. med. Ingo Dähnert vom wissenschaftlichen Beirat
der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Universitätsklinik für
Kinderkardiologie am Herzzentrum Leipzig.
Bei Betrachtung der Leistungszahlen der EMAH-Zentren kommen
Expertenschätzungen auf ca. 200.000 aus der EMAH-Versorgung „verlorene“
Patienten. Mit Hilfe einer bundesweiten Aufklärungskampagne unter dem
Motto „Diagnose: Herzensangelegenheit – jetzt den EMAH-Check machen!“ (www
.emah-check.de) sensibilisieren die Deutsche Herzstiftung und EMAH-Ärzte
spezialisierter Herzzentren und Praxen die aus der Nachsorge „verlorenen“
EMAH für die lebensnotwendige Kontrolle durch einen Spezialisten für diese
Patientengruppe. Adressaten der Kampagne sind auch Haus- und
Allgemeinärzte, Internisten oder Gynäkologen, um sie für diese
Patientengruppe und ihre Herzfehler zu sensibilisieren. Die Kampagnenseite
www.emah-check.de bietet dazu kostenfreie Informationen wie aktuelle
Adressen der bundesweit verfügbaren EMAH-Zentren und -Arztpraxen sowie
Experten-Beiträge für Betroffene, Ärzte und medizinische Fachkräfte, die
sich über wichtige Aspekte der EMAH-Versorgung informieren möchten.

Haus- und Allgemeinärzte als Primärversorger mit Schlüsselfunktion
„Treten bei EMAH medizinische Probleme auf, wenden sich diese Patienten
zumeist zuerst an ihren Hausarzt oder einen Allgemeinarzt. Dies gilt aber
auch, wenn es sich um herzfehlerspezifische Fragen handelt“, wie Prof.
Dähnert berichtet. „Damit kommt dem primär versorgenden Arzt die wichtige
Funktion zu, für seinen EMAH-Patienten die Weichen für eine
herzfehlergerechte Diagnostik und Therapie richtig zu stellen.“ Aufgabe
des Haus- und Allgemeinarztes ist es in diesen Fällen, die spezifischen
Risiken und die Besonderheiten der angeborenen Herzfehler zu erkennen und
Betroffene zu einer regelmäßigen Vor- und Nachsorge in eine
spezialisierte, EMAH-zertifizierte kardiologische Praxis oder Ambulanz zu
überweisen und so die Behandlungskontinuität zu sichern.

Automatische Erinnerung („Recall“-Verfahren) als mögliche Option
In Kliniken und Praxen verschiedener medizinischer Fachbereiche haben sich
Erinnerungssysteme wie das „Recall“-Verfahren bewährt: Patienten werden
automatisch per Brief an wichtige Kontrolluntersuchungen erinnert. Ein
solches Verfahren würde sich besonders für junge EMAH eignen, die ihre
kinderkardiologische Betreuung gerade verlassen haben, zur Sicherung einer
Weiterbehandlung bei ihrem neuen EMAH-Spezialisten. „Sofern sie es nicht
bereits längst etabliert haben, empfehlen wir besonders den EMAH-
Ambulanzen und -Praxen dieses ,Recall‘-Verfahren“, meint Prof. Dähnert.

EMAH-Zentren informieren Patienten und Ärzte mit Seminaren an vier
Standorten
Aus diesem Grund bieten acht ausgewiesene EMAH-Zentren im Juni und Juli
2018 Patienten- und Ärztetage zu den wichtigsten EMAH-spezifischen Themen
(Termine für Juni und Juli unter: www.emah-check.de). Veranstaltungsorte
sind das Herzzentrum Leipzig (mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin), Köln
(mit dem Universitätsklinikum (UK) Münster), Hamburg (zusammen mit dem UK
Kiel) und München (mit dem  UK Erlangen). Das Programm richtet sich an
Betroffene und deren Angehörige sowie an Haus- und Allgemeinärzte,
Internisten, Kardiologen sowie an EMAH-Ärzte.

Mehr als 40 verschiedene angeborene Herzfehler sind bekannt
Angeborene Herzfehler (AHF) sind vielschichtig und komplex: Das können
Veränderungen an den Herzkammern, an den Herzklappen oder an den
Trennwänden zwischen den Herzkammern (Loch in der Herzscheidewand) sein.
Selbst bei einfachen, nach Operation häufig als harmlos eingestuften
Herzfehlern können sich mit zunehmendem Alter schwerwiegende Probleme
einstellen, mit denen man bislang nicht gerechnet hat. Viele EMAH müssen
neben herzfehlerspezifischen Problemen mit Folgen für ihre Lebensqualität,
ihre Leistungs- sowie Arbeitsfähigkeit und Prognose rechnen. Das
kostenfreie Ratgeber-Angebot der Herzstiftung unter www.emah-check.de
bietet daher Betroffenen wichtige Hilfen zu Themen wie
Belastung/Belastbarkeit bei AHF in Sport und Beruf,
Sexualität/Schwangerschaft/ Empfängnisverhütung und sozialmedizinischen
Aspekten (Beruf, Versicherung).

Eine kostenfreie Broschüre für EMAH mit einer aktuellen Liste der EMAH-
Spezialisten bundesweit steht (auch für medizinische Fachkräfte) zum PDF-
Download bereit unter www.herzstiftung.de/presse/emah-broschuere

  • Aufrufe: 223
Prof. Dr. Dr. med. Harald Kaemmerer, Oberarzt und Leiter der Ambulanz für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern, Deutsches Herzzentrum München (DHM).  Foto: DHM.

Erwachsen mit angeborenem Herzfehler: Sport und gesunde Ernährung – unbedingt!

Prof. Dr. Dr. med. Harald Kaemmerer, Oberarzt und Leiter der Ambulanz für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern, Deutsches Herzzentrum München (DHM).  Foto: DHM.
Prof. Dr. Dr. med. Harald Kaemmerer, Oberarzt und Leiter der Ambulanz für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern, Deutsches Herzzentrum München (DHM). Foto: DHM.

Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) müssen ihr vorbelastetes Herz
durch Prävention vor zusätzlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
(Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall) schützen

Etwa 300.000 Erwachsene, die mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt
kamen, kurz „EMAH“, leben in Deutschland. Ihre Zahl nimmt jedes Jahr um
etwa 6.500 zu. Da auch die Lebensdauer der Betroffenen steigt, werden EMAH
und ihre Ärzte künftig immer mehr mit erworbenen Herz-Kreislauf-Leiden
konfrontiert, die die Funktion des vorgeschädigten Herzens zusätzlich
beeinträchtigen. „Auch bei EMAH tragen Risikofaktoren wie Übergewicht,
Fettleibigkeit und Bewegungsmangel entscheidend zu Komplikationen im
Krankheitsverlauf bei, die den natürlichen Verlauf des Herzfehlers
ungünstig beeinflussen“, warnt Prof. Dr. med. Thomas Meinertz,
Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Hierzu gehören u. a.
Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit
(KHK), Herzinfarkt und Schlaganfall. „Menschen mit angeborenem Herzfehler
können daher nicht früh genug einen gesunden Lebensstil pflegen: mit
ausgewogener Ernährung, angepasster Bewegung, Verzicht auf Rauchen und auf
übermäßigen Alkoholkonsum“, betonen Prof. Dr. med. Harald Kaemmerer und
Dr. Rhoia Neidenbach vom Deutschen Herzzentrum München anlässlich der
bundesweiten Informationskampagne der Herzstiftung unter dem Motto
„Diagnose: Herzensangelegenheit – jetzt den EMAH-Check machen!“.
Informationen zu Sport und Ernährung, gesunde Lebensführung oder
Krankheits-Prävention für EMAH sowie zu vielen weiteren Themen bietet die
Herzstiftung unter www.emah-check.de

Sport mit Herzfehler: Vorab Herzuntersuchung beim EMAH-Spezialisten
„Fast alle Patienten mit angeborenem Herzfehler können und sollten
körperlich aktiv sein und auch Sport treiben. Von dieser Regel gibt es nur
wenige Ausnahmen. In jedem Fall sollten aber Belastungsform und
Belastungspensum an den jeweiligen Herzfehler und den Gesundheitszustand
des Patienten angepasst werden. Welche Sportarten möglich sind und welche
Risiken bestehen, hängt von der Art der angeborenen Herzfehler, der
durchgeführten Behandlung und von Rest- und Folgezuständen ab“, bestätigt
die Sportwissenschaftlerin Dr. Neidenbach.

Einschränkungen beim Sport: wo mehr, wo weniger, wo keine?
Vor Beginn sportlicher Aktivitäten sollten sich die Patienten von einem
EMAH-Herzspezialisten oder in einer EMAH-Klinik durchchecken lassen. Nach
einer Herzuntersuchung mit Ruhe- und Langzeit-EKG, einer
Ultraschalluntersuchung sowie einem Belastungstest (Ergometrie,
Spiroergometrie) kann der erfahrene Arzt alle erforderlichen Empfehlungen
aussprechen. Weitere Hinweise erhalten EMAH unter
www.kinderherzstiftung.de/herzfehler_und_sport.php und unter www.emah-
check.de sowie in den Leitlinien der Fachgesellschaften.

Sich gesund ernähren – und dennoch Spaß am Essen haben
Hinsichtlich einer gesunden Ernährung gelten auch für die meisten EMAH die
Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Bei
einzelnen speziellen Herzfehlern, z. B. nach Fontan-Operation, oder bei
Einnahme von bestimmten Medikamenten (z. B. Gerinnungshemmern =
Vitamin-K-Antagonisten, wie z. B. Marcumar) können besondere
Ernährungsformen erforderlich werden. Praktische Hinweise für die
Ernährung von EMAH, die zusätzlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen
möchten, finden sich unter www.herzstiftung.de/kochbuch

EMAH-Versorgung: Ernährungsberatung muss fester Bestandteil sein
Prävention ist ein dauerhafter Prozess, der oftmals von der Umstellung
lange gepflegter (ungesunder) Lebensgewohnheiten geprägt ist. „Deshalb
sollte die Ernährungsberatung Teil der regelmäßigen Nachsorge von EMAH-
Patienten sein“, fordern Prof. Kaemmerer und Dr. Neidenbach. Beide bauen
zusammen mit international renommierten Ernährungsspezialisten,
Sportwissenschaftlern, Epidemiologen und Psychologen und mit Unterstützung
der Deutschen Herzstiftung und „Herzkind e.V.“ ein Netzwerk zur Prävention
von kardiovaskulären Komplikationen bei EMAH auf.

EMAH-Zentren informieren Patienten und Ärzte an vier Standorten
Im Rahmen der Informationskampagne bieten acht ausgewiesene EMAH-Zentren
im Juni und Juli 2018 Patienten- und Ärztetage zu den wichtigsten EMAH-
spezifischen Themen (Termine unter: www.emah-check.de). Veranstaltungsorte
sind Leipzig (zusammen mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin), Hamburg
(zusammen mit dem Uniklinikum (UK) Kiel), Köln (mit UK Münster), und
München (mit UK Erlangen). Das Programm richtet sich an Betroffene sowie
an Haus- u. Allgemeinärzte, Internisten, Kardiologen und EMAH-Ärzte.

Die kostenfreie Broschüre für EMAH mit einer aktuellen Liste der EMAH-
Spezialisten bundesweit steht (auch für medizinische Fachkräfte) zum PDF-
Download bereit unter www.herzstiftung.de/presse/emah-broschuere

  • Aufrufe: 256
EMAH: Stetig wachsende Patientengruppe. In Deutschland leben nach Expertenschätzungen bis zu 300.000 Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Diese Patientengruppe wächst jährlich um ca. 6.500.  Quelle: Kompetenznetz Angeborene Herzfehler

Berufsfindung mit angeborenem Herzfehler: Zwar Hürden für Betroffene – aber überwindbare Trotz körperlicher Einschränkungen: Menschen mit angeborenem Herzfehler stehen die meisten Berufe offen. Auf frühzeitige und richtige Berufsberatung kommt es an

EMAH: Stetig wachsende Patientengruppe. In Deutschland leben nach Expertenschätzungen bis zu 300.000 Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Diese Patientengruppe wächst jährlich um ca. 6.500.  Quelle: Kompetenznetz Angeborene Herzfehler
EMAH: Stetig wachsende Patientengruppe. In Deutschland leben nach Expertenschätzungen bis zu 300.000 Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Diese Patientengruppe wächst jährlich um ca. 6.500. Quelle: Kompetenznetz Angeborene Herzfehler

Einen Beruf finden, der den eigenen Interessen, aber auch den körperlichen
und geistigen Fähigkeiten entspricht, kann bereits für Gesunde eine
Herausforderung sein. Für viele der etwa 300.000 Erwachsenen mit
angeborenem Herzfehler (EMAH) in Deutschland ist die körperliche
Leistungsfähigkeit aufgrund ihres Herzfehlers deutlich geringer als bei
gesunden Menschen. „Das zeigt sich auch im Alltag wie beim Sport und
Beruf. Allerdings können EMAH je nach Schweregrad ihres Herzfehlers und
bei Anpassung an ihre individuelle Situation ein relativ normales Leben in
Beruf und Familie führen. Voraussetzung dazu ist eine kontinuierliche
medizinische Nachsorge durch einen EMAH-Spezialisten in Praxis oder
Klinik, um frühzeitig Spätkomplikationen vorzubeugen“, betont Prof. Dr.
med. Felix Berger vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung
und Direktor der Klinik für Angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie am
Deutschen Herzzentrum Berlin. Für EMAH ist eine erfüllende berufliche
Tätigkeit für das Selbstbewusstsein, die finanzielle Selbstständigkeit,
Sicherheit und die damit verbundene bessere Zukunftsperspektive
„essenziell“, betont Prof. Berger.
Für die Wahl des geeigneten Berufs sind aufgrund des Herzfehlers stets
auch medizinische Aspekte zu beachten: So muss die Fahrtüchtigkeit als
Privat- oder Berufsfahrer vom Arzt beurteilt werden, wenn z. B. bei
Herzrhythmusstörungen ein Schrittmacher oder ein Defibrillator (ICD)
implantiert wurde, oder wenn es zu kurzer Bewusstlosigkeit (Synkopen)
kommt. Berufe etwa, bei denen schwere Lasten zu heben sind, kommen wegen
der abrupten Belastung je nach Art und Schweregrad des Herzfehlers für
viele EMAH nicht in Frage. „EMAH erreichen ein gutes Bildungsniveau trotz
körperlicher Einschränkungen, wie wir von Untersuchungen wissen. Leider
steht diese erfreuliche Entwicklung stark in Kontrast zur
Beschäftigungssituation dieser Patientengruppe. Daran müssen wir etwas
ändern“, fordert Prof. Berger.

Hilfreiche Infos und Anlaufstellen für EMAH
Zum Thema Berufswahl bietet die Deutsche Herzstiftung speziell für EMAH
unter www.emah-check.de viele Tipps und Hinweise für den Weg zum Beruf,
darunter mehrere Patientenportraits von EMAH, die über ihren persönlichen
Berufsweg berichten. Das Informationsangebot wurde im Rahmen einer
bundesweiten Aufklärungskampagne zur EMAH-Versorgung zusammengestellt, die
unter dem Motto „Diagnose Herzensangelegenheit – jetzt den EMAH-Check
machen!“ steht.

Neben bestehenden auch absehbare Einschränkungen ansprechen
EMAH-Experten empfehlen für die Berufswahl bei Menschen mit angeborenem
Herzfehler (AHF) am besten bereits zwei bis drei Jahre vor Schulabschluss
eine erste Beratung beim Behindertenbeauftragten in der Agentur für Arbeit
und eine Beratung durch einen Spezialisten für AHF
(Kinder-/Jugendkardiologe mit EMAH-Expertise). Dieser sollte sich in
arbeits- und sozialmedizinischen Belangen auskennen. Eine ausführliche
körperliche (Anamnese) und apparative Untersuchungen (EKG, Spiro-
Ergometrie, Magnetresonanztomographie/MRT,  Computertomographie/CT etc.)
erlauben eine genaue Beurteilung der Gesundheitssituation und der
körperlichen Leistungsfähigkeit. „Der beratende Arzt sollte neben
bestehenden auch absehbare Einschränkungen aufgrund des Herzfehlers
ansprechen. Patienten können sich dann besser auf Einschränkungen für ihr
späteres Berufsleben einstellen.“ Dabei muss auch auf den
voraussichtlichen Krankheitsverlauf und notwendige zukünftige
Folgeeingriffe hingewiesen werden, die das Berufsleben beeinträchtigen
können. Bestehen für den EMAH relevante Einschränkungen bieten z. B.
Selbsthilfegruppen, ein psychosozialer Dienst oder die Agentur für Arbeit
Beratungen an. Nicht selten haben die Patienten Schwierigkeiten beim
Abschluss von Versicherungen, so dass auch hier eine frühzeitige Beratung
angebracht ist.
Sozialrechtliche Beratungsstelle der Deutschen Herzstiftung und Herzkind
Die Deutsche Herzstiftung e. V. und Herzkind e. V. (Sitz in Braunschweig)
bieten sozialrechtliche Beratungen an, die EMAH und Eltern herzkranker
Kinder Rat in allen Aspekten des Sozialrechts bietet, die für das Leben
mit einem angeborenen Herzfehler wichtig sind. EMAH wenden sich z. B. an
die Beratungsstelle mit Fragen zu Schwerbehindertenrecht,
Arbeitsverträgen, Urlaubsansprüchen oder zur Frühverrentung. Ihnen bietet
die Beratungsstelle u. a. an, einen spezialisierten EMAH-Arzt zu finden
(Listen unter www.emah-check.de). Mehr Infos unter
www.kinderherzstiftung.de/beratung/

Die kostenfreie Broschüre für EMAH mit einer aktuellen Liste der EMAH-
Spezialisten bundesweit steht (auch für medizinische Fachkräfte) zum PDF-
Download bereit unter www.herzstiftung.de/presse/emah-broschuere

  • Aufrufe: 240