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Gesundheit

Systemische Therapie kann ab sofort mit den Krankenkassen abgerechnet werden

Seit heute übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten einer
Systemischen Therapie bei Erwachsenen, wenn diese zur Behandlung einer
psychischen Erkrankung notwendig ist. Die Vergütungsregelungen für das neu
in die Regelversorgung aufgenommene Psychotherapieverfahren wurden vor
wenigen Tagen von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung
festgelegt, die rechtlichen Grundlagen – Psychotherapie-Richtlinie und
Psychotherapie-Vereinbarung – sind bereits vor einigen Monaten
entsprechend geändert worden. Die systemischen Fachverbände DGSF und SG
hatten sich seit Jahren für die Aufnahme der Systemischen Therapie in den
Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen eingesetzt.

Das Besondere an der Systemischen Therapie ist die Betonung sozialer
Faktoren für die Psychotherapie. So werden neben den Patientinnen und
Patienten häufig deren Partnerinnen und Partner oder ganze Familien in die
Therapie einbezogen. Hierfür wurde eigens ein neues Setting in die
psychotherapeutische Versorgung eingeführt, das Mehrpersonensetting.

In Deutschland ist jedes Jahr etwa jeder vierte Erwachsene von einer
psychischen Erkrankung betroffen. Für die knapp 18 Millionen Betroffenen
und deren Angehörige ist eine psychische Erkrankung mit massivem Leid
verbunden. Dies kann auch in den sozialen Beziehungen des Betroffenen zu
erheblichen Einschränkungen führen. „Endlich steht allen erwachsenen
Versicherten dieses hochwirksame Psychotherapieverfahren zur Verfügung“,
konstatiert Dr. Ulrike Borst, Vorsitzende der Systemischen Gesellschaft
(SG), erleichtert. Ob die Kosten der Systemischen Therapie auch für die
ambulante Behandlung von Kindern und Jugendlichen von den Kassen
übernommen werden, muss noch entschieden werden.

Lange haben Betroffene in Deutschland darauf warten müssen: Zwölf Jahre
nach der wissenschaftlichen Anerkennung durch den Wissenschaftlichen
Beirat Psychotherapie (WBP) ist Systemische Therapie für Erwachsene Teil
der Regelversorgung. Damit kommt nach 33 Jahren – 1987 wurde zuletzt die
Verhaltenstherapie zugelassen – wieder ein neues Psychotherapieverfahren
im Krankenkassenkontext zum Einsatz. Das erste Mal erfolgte dabei die
Zulassung für ein psychotherapeutisches Verfahren auf Basis der Ergebnisse
von Wirksamkeitsstudien: Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses
(G-BA) bewertete das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen (IQWiG) den Nutzen Systemischer Therapie. In sieben
sogenannten Störungsbereichen bescheinigte es der Systemischen Therapie
eine positive Wirkung, darunter bei den am häufigsten vorkommenden
Beeinträchtigungen wie Angststörungen, Depression und Suchterkrankungen.

Noch stehen wenige Psychologische und Ärztliche Psychotherapeutinnen und
Psychotherapeuten zur Verfügung, die Systemische Therapie direkt mit
gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können. Entsprechende Aus- und
Weiterbildungen werden inzwischen aber vermehrt angeboten. Auch die
Weiterbildungsordnungen für Ärztinnen und Ärzte werden derzeit
entsprechend angepasst, damit möglichst bald flächendeckend Versicherten
Systemische Therapie angeboten werden kann.  Informationen zu freien
Therapieplätzen können bei den Kassenärztlichen Vereinigungen erfragt
werden, zum Beispiel über die bundeseinheitliche kostenlose Telefonnummer
der Terminservicestellen: 116117.

Damit auch Kinder und Jugendliche in der ambulanten psychotherapeutischen
Versorgung mit Systemischer Therapie behandelt werden können, ist ein
weiteres Bewertungsverfahren durch den G-BA erforderlich. Die Zulassung
der Systemischen Therapie für Kinder- und Jugendliche als Leistung der
gesetzlichen Krankenkassen steht also weiterhin aus. Ein entsprechender
Antrag auf Methodenbewertung wurde jedoch im G-BA am 22. November 2019
angekündigt und wird nun von den systemischen Fachverbänden dringend
erwartet. Innerhalb von zwei Jahren muss der G-BA dann eine Entscheidung
über die Zulassung systemischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie
treffen. „Es darf nicht sein“, so Dr. Filip Caby, Vorsitzender der
Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und
Familientherapie (DGSF), „dass den Kindern und Jugendlichen etwas
vorenthalten wird, was den Erwachsenen bereits zugänglich gemacht wurde“.

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Carola Zschocke leidet am Marfan Syndrom

Aortenaneurysmen: Neue Chancen dank komplexer Operation

Carola Zschocke leidet am Marfan Syndrom
Carola Zschocke leidet am Marfan Syndrom

Der Bereich für Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie in der Klinik für
Viszeral,- Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav
Carus Dresden hat seit seiner Gründung im Mai 2015 sein Spektrum deutlich
erweitern können. Verantwortlich für den Aufbau des Bereichs ist dessen
Leiter Prof. Christian Reeps, der hierzu von München nach Dresden
gewechselt ist. In den vergangenen Jahren haben der erfahrene Gefäßchirurg
und sein mittlerweile 15-köpfiges Ärzteteam weit mehr als 5.000 Patienten
operiert. Ein besonderer Schwerpunkt lag hierbei unter anderem in der
minimalinvasiven Behandlung,

von krankhaften Erweiterungen der Hauptschlagader – dem sogenannten
Aortenaneurysma – von der vor allem ältere und kränkere Patienten
profitierten. Je nach Alter und Krankheitsbild können offene
Hauptschlagader-Operationen aber auch weiterhin eine gute und in
bestimmten Fällen sogar die einzige sinnvolle Alternative darstellen. Dies
zeigt das Beispiel einer heute 37-jährigen Patientin, die aufgrund einer
seltenen Erkrankung des Bindegewebes, dem sogenannten Marfan-Syndrom,
einen lebensgefährlichen Riss dieses Gefäßes mit weiteren
krankheitsbedingten Komplikationen erlitt. Nach mehreren Operationen hat
sich die zweifache Mutter nun soweit erholt, dass sie ihren Alltag auch
dank der Hilfe ihres Mannes wieder meistern kann.

Carola Zschocke leidet am Marfan-Syndrom und dadurch an einem Gefäßriss der Aorta. Komplexe Operationen retteten ihr das Leben.  UKD/Thomas Albrecht
Carola Zschocke leidet am Marfan-Syndrom und dadurch an einem Gefäßriss der Aorta. Komplexe Operationen retteten ihr das Leben. UKD/Thomas Albrecht

Dass Carola Zschocke überhaupt noch am Leben ist, grenzt an ein Wunder. Im
November 2018 wurde sie mit einem diagnostizierten Riss in der
Hauptschlagader (Aorta) mit dem Hubschrauber in das Dresdner
Universitätsklinikum eingeliefert. Gleichzeitig war bei der damals
35-Jährigen die Speiseröhre betroffen – die um bis zu zehn Zentimeter
erweiterte Aorta hatte ein Loch in das Organ gerieben und gleichzeitig auf
das Herz gedrückt. „Krankhafte Erweiterungen der Hauptschlagader, so
genannte Aortenaneurysmen, stellen eine tödliche Bedrohung dar. Wenn sie
platzen, geht es um Minuten, die Überlebenschancen sind sonst gering und
wenn dann noch die Speiseröhre betroffen ist, steht es noch schlechter um
den Patienten“, sagt Prof. Christian Reeps. Vor fünf Jahren ist der
erfahrene Gefäßchirurg an das Uniklinikum Dresden gewechselt und hat den
Bereich für Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie deutlich ausgebaut.
Gemeinsam mit seinem Team konnte der Chirurg die junge Frau erfolgreich
behandeln und begleitet sie seitdem medizinisch. Im neuen, operativen
Zentrum des Klinikums – dem Haus 32 – können Experten zudem auf eine
hervorragende Infrastruktur inklusive zweier Hybrid-OPs setzen, um
Patienten wie Carola Zschocke zu behandeln.

Insgesamt werden bei etwa drei Prozent der Menschen im Alter über 50
Jahren so genannte abdominelle Aortenaneurysmen, also bedrohliche
Erweiterungen der Aorta, diagnostiziert. Fünf von 100 Männern über 65
Jahre leiden an dieser Erkrankung, die dringend überwacht werden muss,
sofern sie rechtzeitig diagnostiziert wurde. Bei einem von 100 Patienten
ist eine umgehende Behandlung erforderlich. Besonders gefährdet sind
aktive und frühere Raucher. Grund für Erkrankungen der Hauptschlagader
können aber auch erbliche Veranlagungen sein. So wie bei Carola Zschocke,
die unter dem Marfan Syndrom leidet. Nur ein bis zwei Menschen von 10.000
zeigen diese genetisch bedingte Bindegewebsschwäche, weshalb diese zu den
seltenen Erkrankungen zählt. Dabei kommt es unter anderem häufig zu
gefährlichen Erweiterungen der Blutgefäße. Besonders betroffen davon ist
die Hauptschlagader. So lässt sich das Aneurysma Ende 2018 bei der
Patientin aus Schönbrunn erklären. „Mir wurde auf Arbeit schlecht, dann
habe ich Blut erbrochen“, sagt sie. Kollegen brachten sie in eine nahe
Klinik. Danach ging alles ganz schnell. In einer gemeinsamen Not-Operation
haben die Spezialisten der Gefäß- und Viszeralchirurgie am Uniklinikum
Dresden zunächst die gerissene Brustschlagader ersetzt und zugleich einen
Teil der ebenfalls betroffenen Speiseröhre entfernt. Diese sowie die
Anschluss-OP mit Ersatz der kompletten Bauchschlagader inklusive aller
Organ- und Beckenarterien im März 2019 mussten die Ärzte am offenen Körper
unter Einsatz einer Art Herz-Lungenmaschine genannt ECMO durchführen, um
während der OP die Durchblutung der Organ- und Beinarterien sicherstellen
zu können. ECMO steht für „Extrakorporale Membranoxygenierung“ – ein
maschinelles Lungen- und Kreislaufersatzverfahren, bei dem das Blut des
Patienten entnommen, außerhalb des Körpers das Kohlendioxid entzogen und
mit Sauerstoff angereichert und dem Körper zur Durchblutung zurückgegeben
wird.

Dabei setzt der Bereich für Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie am
Uniklinikum Dresden auf ein breites Spektrum an Kompetenz. Wie an nur
wenigen Standorten können hier sowohl komplizierteste Aorten-Operationen
minimalinvasiv mittels Katheterverfahren, als auch die offene
Maximaltherapie von Aortenerkrankungen, sowie Operationen mittels
maschineller Kreislauf- und Lungenunterstützung routiniert angeboten
werden. Letztere können nach entsprechender Risikoabwägung insbesondere
bei jüngeren Patienten mit Erkrankungen der gesamten Hauptschlagader von
Vorteil sein und sind bei Patienten mit Bindegewebserkrankungen und
Infektionen mit ausgedehntem Ersatz die Methode der Wahl. Für eine offene
Operation der gesamten Hauptschlagader sprechen bei Jüngeren die guten OP
und Langzeitergebnisse, auf die die Mediziner setzen.

„Diese Maximaltherapie erfordert spezielle und tiefe Kenntnisse und
Kompetenzen und ein starkes interdisziplinäres Team, weshalb sie nur in
wenigen Zentren in Deutschland angeboten wird“, sagt Prof. Michael
Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums Dresden. „Wir sind
stolz, als Maximalversorger in der Region einige der besten Chirurgen bei
uns zu haben, die diese komplizierten Eingriffe durchführen können.“ Dazu
gehören auch endovaskuläre Operationen, die besonders bei älteren und
kränkeren Patienten gewählt werden. Hier werden in einem der beiden
hochmodernen Angiographie-Hybrid-OPs des Chirurgischen Zentrums sogenannte
Stentprothesenröhrchen minimalinvasiv über kleine Punktionen in die
Leistenschlagadern eingeführt, um die Aorta zu stabilisieren,
Organarterien zu sichern und den Zufluss zum Aneurysma zu stoppen. Die
Mediziner müssen die Bauchhöhle hierbei nicht öffnen, weshalb dieser
Eingriff schonender und körperlich deutlich weniger belastend ist und sich
deshalb bei Patienten im hohen Alter anbietet. „Das Chirurgische Zentrum
des Uniklinikums im Haus 32 und 59 bietet uns allen optimale Bedingungen
für die oft schwierigen Operationen“, sagt Prof. Jürgen Weitz, Direktor
der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. „Besonders durch die
enge und damit unkomplizierte Zusammenarbeit von Gefäß-, Thorax- und
Bauchchirurgen in einer Klinik können auch die komplexesten chirurgischen
Krankheitsbilder die häufig ein nahtloses Zusammenwirken aller
Spezialisten benötigen erfolgreich gemeinsam versorgt werden.“

So auch bei Carola Zschocke. Sie wurde seit dem Aortenriss in der
Brustschlagader und der Fistel an der Speiseröhre noch mehrfach von den
Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgen operiert. Im vergangenen November
wurde bei ihr die Speiseröhre mittels Magenhochzug wiederhergestellt.
Zudem hat sie eine künstliche, mechanische Herzklappe bekommen – auch dies
war aufgrund der Folgeerscheinungen des Marfan-Syndroms notwendig.
Regelmäßig kommt die Patientin zur Nachbetreuung in das Uniklinikum. „Mir
geht es soweit gut“, sagt die heute 37-jährige Mutter von zwei Kindern.
Auf ihrem Grundstück in Schönbrunn kann sie sich schon gut bewegen. Nun
gilt es, nachdem das Gröbste überstanden ist, Gewicht zuzulegen, die
Herzleistung zu verbessern und generell zu Kräften zu kommen. Noch leidet
sie unter Schwächegefühl, speziell nach dem Essen. Bei ihren Fragen und
medizinischen Problemen wird die Patientin weiterhin am Uniklinikum
Dresden engmaschig betreut.

Herausstechendes Merkmal der universitären Gefäßmedizin in Dresden ist
zudem die gute Kooperation und Konzentration von Gefäßspezialisten aller
Fachgebiete im UniversitärenGefäßCentrum (UGC) bzw. Universitären
Aortenzentrum (UAD). Hier arbeiten Herz- und Gefäßchirurgen,
Interventionsradiologen und Angiologen auf einem universitären Campus eng
und koordiniert zusammen, sodass sämtliche Gefäßerkrankungen vom
Aortenbogen bis in die Zehen und Fingerspitzen mit allen zur Verfügung
stehenden operativen, minimalinvasiven und medikamentösen Methoden
behandelt werden können. „Im Aortenboard tauschen wir uns regelmäßig aus
und besprechen die Fälle. Auch die regelmäße Vor- und Nachsorge, die
natürlich ähnlich wichtig für unsere Patienten ist, wie die Operation,
erfolgt hier über das Zentrum sozusagen aus einer Hand. Eine zusätzliche
Aorten- und Marfan-Sprechstunde runden zudem die Versorgung ab“ sagt Prof.
Christian Reeps.

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Kommt die Nationale Diabetesstrategie? DDG begrüßt Fraktionsgespräch am 2. Juli im Bundestag

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt, dass mit den Beratungen
im Bundestag am 2. Juli 2020 wieder Bewegung in eine mögliche
Gesetzesinitiative für eine Nationale Diabetesstrategie kommt. Die Corona-
Krise zeigt, wie wichtig Prävention, Forschung und gute Versorgung ist, um
chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus zu verhindern oder damit
einhergehende Folgeerkrankungen und Infektionsrisiken zu minimieren. Nur
eine Gesamtstrategie, die konkrete Maßnahmen zu Prävention, Früherkennung,
Versorgung und Forschung bündelt, kann die steigenden Diabeteserkrankungen
in Deutschland aufhalten und gesamtgesellschaftliche Gesundheitsrisiken,
wie unter der Corona-Pandemie, reduzieren.

Deutschland hat mit rund sieben Millionen Betroffenen die zweithäufigste
Diabetesrate in Europa. Jedes Jahr erkrankt über eine halbe Millionen
Menschen neu an Diabetes. Für das Jahr 2040 gehen Schätzungen von 12
Millionen Betroffenen aus. Die WHO und die International Diabetes
Federation (IDF) sprechen von einer Diabetes-Pandemie. „Das hängt auch
damit zusammen, dass wir bis heute keinen politischen Rahmenplan gegen
diese Volkskrankheit haben“, erklärt DDG Präsidentin Professor Dr. med.
Monika Kellerer. „Während Länder wie Großbritannien, Finnland und
Österreich bereits eigene nationale Strategien beschlossen und umgesetzt
haben, existiert in Deutschland immer noch kein Konzept, wie wir die
steigenden Erkrankungszahlen und zunehmend schlechte Versorgungssituation
eindämmen können.“ Sie begrüßt daher den nächsten Schritt zu einer von der
DDG lange geforderten Gesetzesinitiative für eine Nationale
Diabetesstrategie am 2. Juli. „Wir hoffen, dass die Koalitionäre nun das
Thema konsequent angehen und wir endlich die bereits seit Jahren
existierenden WHO-Empfehlungen umsetzen können.“

Noch Anfang des Jahres drohte die Nationale Diabetesstrategie zu
scheitern, da sich die Verantwortlichen aus der Regierungskoalition über
Maßnahmen zur verbindlichen Zuckerreduktion in Lebensmitteln sowie ein
Werbeverbot zuckerhaltiger Lebensmittel für Kinder nicht einigen konnten.
Dabei spielt eine gesunde Ernährung bei der Prävention von Diabetes eine
entscheidende Rolle. „Wir begrüßen, dass der rote Faden, der erstmals vor
sechs Jahren mit einem Bundesrats-Beschluss zum Nationalen Diabetesplan
gesponnen wurde und im Koalitionsvertrag 2018 mündete, jetzt wieder
aufgegriffen wird.1 Denn die bisherigen unverbindlichen und freiwilligen
Einzelmaßnahmen sind praktisch wirkungslos. Wir brauchen ein
gesamtgesellschaftliches Konzept, das von Prävention über Forschung und
Früherkennung bis hin zu fächer- und sektorenübergreifenden
Versorgungskonzepten reicht“, fordert Barbara Bitzer, Geschäftsführerin
der DDG. Auch wäre es fahrlässig, konkrete Maßnahmenpakete aus politischen
Erwägungen heraus zu streichen und damit die Gesundheit künftiger
Generationen aufs Spiel zu setzten.

Die DDG appelliert, wesentliche ineinandergreifende Kernpunkte des
Rahmenplans, den sie gemeinsam mit anderen Diabetes-Verbänden erstellt
hat, unbedingt beizubehalten.2 „Insbesondere in der Versorgung und
Nachwuchsförderung muss sich noch viel tun“, betont Kellerer, Ärztliche
Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital Stuttgart.
Die Zahl der Krankenhausbetten mit Schwerpunkt „Endokrinologie und
Diabetologie“ habe sich im Gegensatz zu fast allen anderen internistischen
Schwerpunkten in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch reduziert.
Gleichzeitig sinkt die Zahl der klinischen Lehrstühle für Diabetologie mit
Direktionsrecht rasant. An den derzeit 37 staatlichen medizinischen
Fakultäten in Deutschland ist das Fach nur noch mit acht bettenführenden
Lehrstühlen repräsentiert. Diese Entwicklung gefährdet die Sicherstellung
des medizinischen Nachwuchses, weil Medizinstudierende und Auszubildende
in anderen medizinischen Fachberufen mit dem Fachgebiet „Diabetes“ zu
wenig in Kontakt kommen. Ebenso müsste der Ausbau der digitalen
Versorgungsangebote insbesondere in den strukturschwachen Regionen
vorangetrieben werden – all dies fehlt in dem aktuellen Gesetzesentwurf.

Dabei kann eine flächendeckende, qualitativ hochwertige diabetologische
Versorgung Komplikationen und Folgeerkrankungen einer Diabetes-Erkrankung
vermeiden und so beispielsweise die in Deutschland hohen Zahlen an
diabetesbedingten Dialysen, Gefäßkomplikationen und Amputationen und
letztendlich auch die hohe diabetesbedingte Mortalität senken. Ein zu spät
diagnostizierter und nicht adäquat behandelter Diabetes verkürzt die
Lebenszeit um etwa sechs Jahre3. „Bei Millionen Betroffenen wirkt sich das
nicht zuletzt auch auf die gesamtgesellschaftlichen Kosten aus. Derzeit
beansprucht die Versorgung der Diabetespatientinnen und -patienten
inklusive ihrer Begleit- und Folgeerkrankungen jährlich über 21 Milliarden
Euro“, führt Bitzer aus.

Literatur:

1Deutsche Diabetes Gesellschaft begrüßt Beratungen des Bundesrats zur
Initiative „Nationaler Diabetesplan“ http://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/DDG_Stellungnahme_Bundesrat_Diabetes_Plan_01072014.pdf

2Nationale Diabetesstrategie – Kernpunkte eines Nationalen Rahmenplans
https://www.diabetesde.org/system/files/documents
/politische_forderungen_der_ddg_diade-
vdbd_nationale_diabetesstrategie_2019_final.pdf

3Seshasai et al. Centers for Disease Control and Prevention National
Diabetes Fact Sheet 2011,
N Engl J Med 2011;364:829-41; 2. http://www.diabetesincontrol.com/wp-
content/uploads/PDF/ndep_diabetes_facts_2011.pdf


Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „Nationale Diabetes-Strategie
umgehend initiieren“:
https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/143/1914389.pdf

Jacobs E et al. Burden of Mortality Attributable to Diagnosed Diabetes: A
Nationwide Analysis Based on Claims Data From 65 Million People in
Germany. Diabetes Care 2017; 40: 1703-9

WHO-Resolution: Prevention and Control of Diabetes mellitus
https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/172224/WHA42_R36_eng.pdf?sequence=1&isAllowed=y

WHO: Informationen über Diabetes: https://www.who.int/health-
topics/diabetes#tab=tab_1

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Projekt „Fit in Gesundheitsfragen“ Der Krebsinformationsdienst und das Life-Science Lab des Deutschen Krebsforschungszentrums machen Schule

Unterrichtsmaterialien zum Thema Krebs für die Sekundarstufen i und II. Mit dem Projekt Fit in Gesudheitsfrgen soll die Gesundheitskompetenz von Schülerinnen und Schülern gestärkt werden.Projekt „Fit in Gesundheitsfragen“: Der Krebsinformationsdienst und das Life-Science Lab des Deutschen Krebsforschungszentrums machen Schule 

Krebs ist eine Volkskrankheit. Die Erkrankungszahlen steigen und es gibt kaum eine Familie, die nicht davon betroffen ist. Daher ist Krebs auch für Schülerinnen und Schüler ein Thema. Aber was wissen sie wirklich über diese Krankheit? Wissen Jugendliche, wie sie ihr persönliches Krebsrisiko senken können? Um die Gesundheitskompetenz der Kinder und Jugendlichen zu stärken, haben der Krebsinformationsdienst und das Life Science Lab des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Unterrichtsmaterialien zum Thema Krebs erstellt und bieten Lehrerfortbildungen 

Jeder Zweite in Deutschland wird im Laufe seines Lebens selbst an Krebs erkranken, so dass fast jeder mit Erkrankungen im persönlichen Umfeld konfrontiert ist. Das betrifft auch Kinder und Jugendliche. Aktuell ist das Wissen über Krebs bei Schülerinnen und Schülern eher gering und die Erkrankung spielt im Unterricht eine untergeordnete Rolle. „Dies möchten wir ändern, denn Kenntnisse über Krebs, wie auch über die Möglichkeiten, sich bestmöglich zu schützen, gehen uns alle an“, so Dr. med. Susanne Weg-Remers, die Leiterin des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Vorbeugung, Entstehung und Behandlung von Krebs sind die großen krankheitsspezifischen Themenfelder. Diese werden ergänzt um gesellschaftlich ausgerichtete Inhalte, die sich mit dem Begriffspaar Krankheit und Gesundheit auseinandersetzen, das deutsche Gesundheitssystem erklären sowie beim Finden und Bewerten von Gesundheitsinformationen unterstützen. Die Materialien sind als Baukastensystem konzipiert, orientieren sich an den Lehrplänen und richten sich an die Sekundarstufen I und II aller allgemeinbildendender Schulen. Die notwendige didaktische Kompetenz bringen zwei naturwissenschaftlich orientierte Lehreinnen ein, die eigens für das Projekt eingestellt wurden. Neben Klassikern wie Arbeits- und Faktenblättern werden auch innovative, digitale Formate entwickelt. „Die technischen und digitalen Voraussetzungen in den Schulen sind zurzeit noch sehr unterschiedlich. Daher ist es uns wichtig, ansprechendes Material für die gesamte Bandbreite zur Verfügung zu stellen.“

 Einige Lehrerfortbildungen wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Neben Referaten von Wissenschaftlern vom DKFZ und vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg zu aktuellen Forschungsergebnissen stellen die Projekt-Mitarbeiterinnen ihre Unterrichtsmaterialien vor. Die Rückmeldung der Lehrkräfte war durchweg positiv, Thema wie Unterrichtsmaterialien stießen auf großes Interesse. Als Folge der COVID-19-Pandemie werden die meisten Veranstaltungen in diesem Jahr voraussichtlich online stattfinden. Das hat für die Lehrkräfte aber auch Vorteile, Zeit für die Anreise und tagesfüllende Präsenzprogramme entfallen. Weg-Remers: „Wir setzen auf gekürzte Online-Formate, die auch kurzfristig und bequem von zu Hause aus besucht werden können.“ 

Alle Informationen rund um das Projekt, Unterrichtsmaterialien zum Download und Fortbildungstermine finden Interessierte unter: https://www.dkfz.de/de/fit-in-gesundheitsfragen/index.php. Ein Newsletter ist in Planung, Anmeldung ist ab sofort möglich  unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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