Zum Hauptinhalt springen

Gesundheit

Unterzeichnung des LOI: Prof. Dr. Wolfgang Brück (links), Prof. Dieter Beckmann (rechts), Prof. Dr. Volker Ellenrieder, Direktor des UniversitätsKrebszentrums UMG (hinten links), Prof. Dr. Philipp Ströbel, Direktor Institut für Pathologie (hinten rechts)  S. Pförtner (UMG)

Win-win-Situation für die Onkologie

Unterzeichnung des LOI: Prof. Dr. Wolfgang Brück (links), Prof. Dieter Beckmann (rechts), Prof. Dr. Volker Ellenrieder, Direktor des UniversitätsKrebszentrums UMG (hinten links), Prof. Dr. Philipp Ströbel, Direktor Institut für Pathologie (hinten rechts)  S. Pförtner (UMG)
Unterzeichnung des LOI: Prof. Dr. Wolfgang Brück (links), Prof. Dieter Beckmann (rechts), Prof. Dr. Volker Ellenrieder, Direktor des UniversitätsKrebszentrums UMG (hinten links), Prof. Dr. Philipp Ströbel, Direktor Institut für Pathologie (hinten rechts) S. Pförtner (UMG)

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Institut für Bioprozess-
und Analysenmesstechnik e.V. (iba) in Heilbad Heiligenstadt haben eine
Kooperation besiegelt, mit dem Ziel, innovative technische Lösungen für
die personalisierte Medizin und die Diagnose und Therapie von
Krebspatienten zu entwickeln. Dabei bündeln zwei Forschungseinrichtungen
ihr Know how auf dem Gebiet der Krebsforschung und technischer Systeme für
die Lebenswissenschaften.

Neue Ansätze in der Krebsforschung zielen verstärkt darauf ab,
grundlegende Mechanismen der Tumorgenese und der pharmakologischen
Therapie anhand von dreidimensionalen Zellmodellen schneller, einfacher
und trotzdem sicher untersuchen zu können. Die Nachbildung von
funktionalen Zellverbänden und Geweben im Labormaßstab eröffnet
vielversprechende Möglichkeiten bei der Suche nach wirksamen Therapien.
Dieser als Disease Modeling bekannte Ansatz ermöglicht insbesondere frühe
Untersuchungen bei der Entwicklung neuer Verfahren ohne auf die
funktionale Komplexität menschlicher Gewebe gänzlich verzichten zu müssen.
Sie bieten darüber hinaus die Möglichkeit der personalisierten Diagnose
und Therapie durch Einsatz patienteneigener Zellen und Gewebe.
Ganz wesentlich für den Erfolg des Disease Modelings sind technische
Lösungen für die Kultivierung funktionaler 3D-Zellverbande, die sowohl
trägerfrei als Sphäroide bzw. trägerbasiert auf 3D-Scaffolds aus
gewebetypischen Matrixmaterialien angezüchtet werden. In Kombination mit
nichtinvasiven Sensorverfahren wie der Bioimpedanzmessung werden
entsprechende technische Lösungen im iba in Heiligenstadt entwickelt.

Prof. Dieter Beckmann, Sprecher des Vorstands und wissenschaftlicher
Direktor iba hatte in 2018 ein Forschungs- und Entwicklungskonzept „iba
2025“ erarbeitet. Ein Schwerpunkt dieses Konzepts liegt auf der
Intensivierung der Zusammenarbeit des anwendungsorientierten
Forschungsinstitutes mit der medizinischen Grundlagenforschung auf dem
Gebiet der personalisierten Medizin und des Disease Modelings. Dafür hatte
u.a. der damalige Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Wirtschaft,
Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG), Markus Hoppe, von 2004
bis 2014 Vizepräsident der Georg-August-Universität Göttingen, seine
Unterstützung zugesagt.
Die nunmehr vereinbarte intensive Zusammenarbeit der UMG mit dem iba
basiert auf diesem Konzept. Beide Forschungseinrichtungen werden ihre
bestehende wissenschaftliche Zusammenarbeit deutlich ausbauen und auf der
Grundlage eines Kooperationsvertrags bündeln. Prof. Dr. Wolfgang Brück,
Sprecher des Vorstands der UMG und Dekan der Medizinischen Fakultät, und
Prof. Dieter Beckmann unterzeichneten kürzlich einen Letter of Intent
(LOI), in dem die konkreten Schritte zur zukünftigen Kooperation benannt
sind. Dazu zählen neben vorbereitenden informellen Workshops auch die
Etablierung einer gemeinsamen koordinierenden Lenkungsgruppe. Die UMG
bringt ihre universitäre Expertise auf dem Gebiet der Grundlagenforschung
und der klinischen Forschung ein, das iba sein ausgewiesenes,
interdisziplinär-applikatives Know-how auf dem Gebiet technischer Systeme
für die Lebenswissenschaften. Wichtige Aspekte sind auch die
Bereitstellung technischer Systeme des iba für Forschungsaufgaben der UMG,
die Verfügbarkeit von Probenmaterial für das iba sowie die gemeinsame
Einwerbung von Forschungsgeldern, die Entwicklung und Vermarktung von
Diagnose- und Therapiesystemen, somit die Verbesserung der medizinischen
Versorgung insgesamt. Darüber hinaus zielt eine verstärkte Zusammenarbeit
auch auf die Ausbildung des akademischen Nachwuchses. UMG und iba sehen
dazu eine gemeinsame Professur vor.

Beide Partner sind sich sicher, dass sich aus dieser engen Zusammenarbeit
neue wissenschaftliche Perspektiven ergeben werden.

  • Aufrufe: 164
Prof. Dr. David Martin

Fakten und Mythen zum Thema Fieber bei Kindern

Prof. Dr. David Martin
Prof. Dr. David Martin

Fakten und Mythen zum Thema Fieber bei Kindern sind das Thema einer
wissenschaftlichen Tagung am 7. November 2020 an der Universität
Witten/Herdecke, an der auch interessierte Gäste online teilnehmen können.
Veranstalter ist der Gerhard-Kienle-Lehrstuhl für Medizintheorie,
Integrative und Anthroposophische Medizin, der in Zusammenarbeit mit dem
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte die vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung geförderteFeverApp entwickelt hat. Diese App wird
bei der Tagung ausführlich vorgestellt.

Fieber ist einer der häufigsten Gründe für den Besuch bei der Kinderärztin
bzw. beim Kinderarzt. Obwohl kindliches Fieber in den meisten Fällen
ungefährlich ist, sind viele Eltern im Umgang mit Fieber verunsichert und
ängstlich. Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten ist es aufgrund eng
getakteter Termine oft nicht möglich, mit den Eltern Grundlagengespräche
zu führen. Gleichzeitig fehlen vielen Eltern wichtige Informationen, um
sich um ihr Kind bestmöglich kümmern zu können. Unter anderem haben Eltern
zu wenig Kenntnisse über richtiges Fiebermessen oder darüber, welche
Symptome normal und welche besorgniserregend sind.

Durch diese Unsicherheit werden häufig mehr Medikamente verabreicht als
eigentlich notwendig. Die vom Gerhard-Kienle-Lehrstuhl für Medizintheorie,
Integrative und Anthroposophische Medizin in Zusammenarbeit mit dem
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte entwickelte und vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte FeverApp kann einen
Beitrag zur Lösung dieses Problems leisten. Sie kann Eltern Sicherheit
geben, Ärztinnen und Ärzte entlasten und der besseren Zusammenarbeit
zwischen Eltern sowie Ärztinnen und Ärzten dienen. Eltern haben mit Hilfe
der FeverApp gesicherte Informationen rund um das Thema kindliches Fieber
jederzeit zur Hand. Zudem erhalten sie durch die App Hilfe, den Zustand
des Kindes selber richtig zu beobachten und dokumentieren. Beim
Praxisbesuch können durch die genauen Aufzeichnungen der Eltern mittels
der App genauere Diagnosen vergeben und bessere Therapieansätze entwickelt
werden.

Mit der FeverApp erforschen Prof. Dr. med. David Martin und sein Team
Fieber bei Kindern und die Art und Weise, wie Eltern sowie Kinderärztinnen
und -ärzte damit umgehen. Ihr Hauptaugenmerk liegt darauf, Eltern darüber
aufzuklären, dass Fieber selbst keine Krankheit ist, sondern Teil des
Selbstheilungsprozesses des Körpers.

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage www.feverapp.de.

Die Online-Tagung in der Übersicht:
10:30 – 11:00 Uhr Begrüßung
11.00 – 11.45 Uhr Erstaunliches zu Fieber (Prof. David Martin)
12:00 – 12:45 Uhr Mythen und Fakten –  Elternsprechstunde Fieber (Dr.
Silke Schwarz und Prof. David Martin)
12:45 – 14:00 Uhr Mittagspause
14:00 – 14:15 Uhr 24/7: Gute Gründe für die FeverApp in Ihrer Praxis (Ingo
Fingerhut)
14:15 – 15:00 Uhr Erste Ergebnisse der FeverApp-Registerstudie (Prof.
Ekkehart Jenetzky, Ingo Fingerhut )
15:00 – 15:30 Uhr Pause
15:30 – 16:00 Uhr Konsequenzen für die Leitlinienentwicklung und Globale
Perspektive (Prof. Niehues, angefragt)
16.00 – 16.30 Uhr Plenum

Informationen zur Tagung für Ärztinnen und Ärzte:

Besonders geeignet ist die Veranstaltung unter anderem für Ärztinnen und
Ärzte sowie Psychologinnen und Psychologen, die mit Kindern und/oder
Jugendlichen arbeiten. Aufgrund der Corona-Situation findet das Symposium
online statt. Anmeldungen zur Tagung bitte auf der FeverApp Webseite:
https://www.feverapp.de/symposium
Für die Teilnahme können Sie Fortbildungspunkte/ Kreditierungen der
Ärztekammer oder der GAÄD erhalten.
Wenn Sie Kinderarzt oder Kinderärztin sind und mit Ihrer Praxis an der
Studie teilnehmen möchten, können Sie sich hier anmelden:
https://www.feverapp.de/feverapp/aerzte-anmeldung. Da sie für die
Datenauswertung des Registers genutzt wird, ist die FeverApp derzeit
ausschließlich mit einem Code nutzbar, der über ausgewählte
Kinderarztpraxen oder direkt vom Projektteam bezogen werden kann. Bei
Fragen zur FeverApp können Sie das Projektteam unter
https://www.feverapp.de/kontakt erreichen.

Informationen für interessierte Gäste

Interessierte können sich auf der FeverApp Webseite anmelden:
https://www.feverapp.de/symposium
Eine Anmeldung ist bis zum 30.10.2020 möglich. Die Teilnahme ist
kostenlos.

Weitere Informationen bei Nikola Schulze unter feverapp-symposium@uni-
wh.de

  • Aufrufe: 212
Der Experten-Ratgeber der Deutschen Herzstiftung zum Niedrigen Blutdruck, den Ursachen und Therapien  Cover: S. Schaffer  Coverfoto: AdobeStock

Niedriger Blutdruck: Harmlos oder bedenklich für das Herz?

Der Experten-Ratgeber der Deutschen Herzstiftung zum Niedrigen Blutdruck, den Ursachen und Therapien  Cover: S. Schaffer  Coverfoto: AdobeStock
Der Experten-Ratgeber der Deutschen Herzstiftung zum Niedrigen Blutdruck, den Ursachen und Therapien Cover: S. Schaffer Coverfoto: AdobeStock

Wann man zum Arzt gehen sollte und welche Menschen besonders häufig
betroffen sind, erläutert Experten-Ratgeber
Die Beschwerden sind schwer von Befindlichkeitsstörungen zu unterscheiden,
der Leidensdruck kann hoch sein: Schwindel, Benommenheit, Flimmern vor den
Augen, morgendliche Müdigkeit, Antriebsmangel, Konzentrations- und
Leistungsschwäche. Auch kalte Hände und Füße, ein Gefühl des Luftmangels,
Herzklopfen und innere Unruhe können auftreten. Einen niedrigen Blutdruck
durch körperliche Veranlagung, der nicht auf eine Vorerkrankung
zurückgeht, haben in Deutschland bis zu drei Millionen Menschen. „Viele
Betroffene fühlen sich von Beschwerden wie Müdigkeit oder Herzrasen
beeinträchtigt“, berichtet Prof. Dr. med. Thomas Meinertz vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Diese Form des
niedrigen Blutdrucks tritt (bis zur Menopause) häufiger bei jüngeren
Frauen als bei älteren Personen auf. Bekanntlich kann ein zu hoher
Blutdruck gefährlich für Herz und Gefäße werden bis hin zum Herzinfarkt
und Schlaganfall, besonders dann, wenn der Hochdruck unentdeckt und
unbehandelt bleibt. Deshalb rät die Herzstiftung ab 35 Jahren zur
regelmäßigen Blutdruckmessung beim Hausarzt (Gesundheits-Checkup alle zwei
Jahre). „Demgegenüber ist der niedrige Blutdruck für das Herz in aller
Regel unbedenklich, wenn ihm keine Krankheiten zugrunde liegen“, betont
der Kardiologe und Pharmakologe aus Hamburg. „Ist aber der Leidensdruck
wegen der Beschwerden groß, sollten Betroffene zum Arzt, um organische
Ursachen auszuschließen.“
Eine Hypotonie, wie der niedrige Blutdruck in der Fachsprache genannt
wird, liegt vor, wenn der systolische (obere) Blutdruckwert unter 110 mmHg
liegt. Dieser Grenzwert ist unabhängig von der Höhe des diastolischen
(unteren) Blutdruckwerts. Über die Formen der Hypotonie – chronische und
akute wie der plötzliche Blutdruckabfall –, wie und wann er therapiert
werden sollte, informiert der Experten-Ratgeber „Niedriger Blutdruck:
Ursachen und Therapie“, der bei der Herzstiftung per Telefon unter 069
955128-400 kostenfrei angefordert werden kann. Unter www.herzstiftung.de
erhalten Betroffene Informationen zu Diagnose und Therapie von niedrigem
Blutdruck und Bluthochdruck.

Wann und wie den niedrigen Blutdruck behandeln?
Für eine Behandlung des niedrigen Blutdrucks ist für Mediziner von
entscheidender Bedeutung, ob ihm organische Ursachen oder Krankheiten
zugrunde liegen. Das können eine Unterfunktion der Nebenniere (Morbus
Addison), der Schilddrüse oder der Hirnanhangdrüse, eine Blutarmut
(Anämie), eine Erkrankung des vegetativen Nervensystems, Herzklappenfehler
oder eine schwere Herzschwäche sein. Hier ist die Hypotonie das Symptom
einer Krankheit beziehungsweise einer organischen Fehlfunktion, die
gegebenenfalls medikamentös oder operativ behandelt werden muss.
Bei niedrigem Blutdruck durch körperliche Veranlagung ist die Prognose für
die Betroffenen gut. Eine Behandlung ist nur bei Beschwerden wie den oben
genannten notwendig, nicht medikamentös, sondern durch einfache Maßnahmen
wie:
- eine erhöhte Kochsalzzufuhr (z. B. kräftig nachsalzen oder kräftige
Fleisch- oder Gemüsebrühe), denn das Salz bindet Wasser, erhöht das
Blutvolumen und somit auch den Blutdruck
- eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (2 bis 2,5 Liter am Tag)
- körperliches Training (Ausdauersport, Radfahren, Schwimmen, Joggen)
- Hydrotherapie (Wechselduschen, Kneippkuren, Trockenbürsten, Sauna)
- Kraftgymnastik (Liegestütze, Kniebeugen, Hantelübungen); die Muskulatur
der Beine soll gekräftigt werden, um die Pumpfunktion der Venen zu
verbessern.
- ausreichenden Nachtschlaf, für das Aufstehen (langsam!) muss genügend
Zeit eingeplant werden
- einen Aufenthalt in klimatischen Reizzonen (Nordsee, Hochgebirge)

„Ein großes Glas Wasser vor dem Aufstehen kann den Blutdruck erhöhen. Bei
längerem Stehen soll die Wadenmuskulatur bewegt werden, um Ohnmachten
vorzubeugen. Und auf Alkohol sollte man weitgehend verzichten“, rät
Meinertz. Auch ausgedehnte Krampfadern können die Neigung zu niedrigem
Blutdruck verstärken. Für eine bessere Blutzirkulation in den Beinen sind
diesen Personen Stützstrümpfe zu empfehlen. Vorübergehend kann es bei
jedem Menschen zu niedrigem Blutdruck kommen, etwa bei längerer
Hitzeeinwirkung, nach Infektionskrankheiten oder Durchfall wegen des
Flüssigkeitsverlusts und nach längerer Bettruhe.

Niedriger Blutdruck bei älteren Menschen
Kommt es beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen oder bei längerem
Stehen zu einem Blutdruckabfall mit Schwindel, Benommenheit und
Gangunsicherheit, liegt meist ein sogenannter orthostatischer niedriger
Blutdruck vor. Zur Vermeidung dieser orthostatischen Form der Hypotonie
sollte ein abrupter Wechsel vom Liegen oder Sitzen in die stehende
Position vermieden werden. „Der Lagewechsel sollte schrittweise und
langsam erfolgen“, rät Meinertz. Bei älteren Hochdruckkranken mit
Beschwerden wie Schwindel und Benommenheit kann der orthostatische
niedrige Blutdruck die Ursache der Beschwerden sein, möglicherweise durch
Medikamente ausgelöst. „Das können Diuretika sein, die die
Wasserausscheidung verstärken, Blutdrucksenker wie Alphablocker,
Psychopharmaka, Schlafmittel oder Medikamente gegen Parkinson“, erklärt
Meinertz. Wenn nicht, sollten Betroffene dem niedrigen Blutdruck durch
Maßnahmen wie oben entgegenwirken, also: erhöhte Kochsalzzufuhr und
Flüssigkeitsaufnahme, regelmäßiges körperliches Training, Wechselduschen
usw. Zusätzlich sollte beim Schlafen in der Nacht das Kopfende des Bettes
um 15 cm hochgestellt werden, um den Patienten an die aufrechte
Körperhaltung zu gewöhnen. „Der orthostatische niedrige Blutdruck tritt
häufig bei älteren Menschen mit niedrigem und mit hohem Blutdruck auf und
kann zu Stürzen mit all seinen Folgen führen.“

Bildmaterial und Rezensionsexemplar anzufordern unter:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Tipps und kostenfreie Informationen für Betroffene
Der kostenfreie Ratgeber „Niedriger Blutdruck: Ursachen und Therapie“ (8
S.) informiert über die unterschiedlichen Formen des niedrigen Blutdrucks,
die häufigsten Symptome und die Möglichkeiten der Therapie. Bestellung per
Tel. 069 955128-400 oder E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kardiologen raten zum Blutdruck-Pass:
Der kostenfreie Blutdruck-Pass zur Protokollierung der Blutdruckwerte der
Herzstiftung kann unter Tel. 069 955128-400 oder per Mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert werden.

  • Aufrufe: 296
Eine Bakterienkolonie des Melioidose-Erregers Burkholderia pseudomallei. Der abgebildete Erreger wurde vom InfectoGnostics-Forscher Stefan Monecke aus einer Probe eines deutschen Reiserückkehrers aus Asien isoliert.  Stefan Monecke  JMM Case Reports, doi: 10.1099/jmmcr.0.000073

Infektionskrankheit Melioidose: Schnelltest auf gefährlichen „Pseudorotz“ mit Thüringer Forschern entwickelt

Eine Bakterienkolonie des Melioidose-Erregers Burkholderia pseudomallei. Der abgebildete Erreger wurde vom InfectoGnostics-Forscher Stefan Monecke aus einer Probe eines deutschen Reiserückkehrers aus Asien isoliert.  Stefan Monecke  JMM Case Reports, doi: 10.1099/jmmcr.0.000073
Eine Bakterienkolonie des Melioidose-Erregers Burkholderia pseudomallei. Der abgebildete Erreger wurde vom InfectoGnostics-Forscher Stefan Monecke aus einer Probe eines deutschen Reiserückkehrers aus Asien isoliert. Stefan Monecke JMM Case Reports, doi: 10.1099/jmmcr.0.000073

InfectoGnostics-Forscher der Weimarer Firma Senova und des Leibniz-
Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) in Jena haben
gemeinsam mit weiteren Partnern aus Deutschland, Österreich und Thailand
einen neuen Schnelltest auf Melioidose („Pseudorotz“, eine
lebensbedrohliche Tropenkrankheit) entwickelt. In nur 15 Minuten
detektiert der einfache und günstige Streifentest zuverlässig Antikörper
im Blut der Patienten, die bei Infektionen mit dem Bakterium Burkholderia
pseudomallei gebildet werden. Die Ergebnisse ihrer Machbarkeitsstudie
wurden im Juli im Fachjournal PLOS Neglected Tropical Diseases
veröffentlicht (doi: 10.1371/journal.pntd.0008452).

Melioidose – auch bekannt als Pseudorotz – ist eine ernste bakterielle
Infektionskrankheit, die besonders in Südostasien und Nordaustralien, aber
auch in tropischen Regionen Afrikas und Südamerikas verbreitet ist und
vielerorts noch immer als massiv unterdiagnostiziert gilt. Ursache für die
Erkrankung sind Infektionen mit dem Erreger Burkholderia pseudomallei, der
in Böden und Gewässern wie z.B. Reisfeldern vorkommt. Das Bakterium weist
von Natur aus schon Resistenzen gegen zahlreiche Antibiotika auf und führt
nach variabler Inkubationszeit zum Ausbruch der schwer therapierbaren
Melioidose – die Sterblichkeit ist hoch.

Das größte Hindernis bei der Bekämpfung der Krankheit ist bislang, dass
die Infektion wegen ihres unspezifischen klinischen Verlaufs oft nicht
rechtzeitig erkannt wird, wie Prof. Dr. Ralf Ehricht, Leiter der
Forschungsabteilung „Optisch-molekulare Diagnostik und Systemtechnologie“
am Leibniz-IPHT und Stiftungsprofessor an der Universität Jena erläutert:
"Von Fieber und Harnwegsinfektion über Lungenentzündung bis zu Abszessen
an verschiedenen Körperstellen sind die Symptome sehr variabel. Ohne
vorherigen Verdacht erfolgt oft keine gezielte Probeentnahme und Testung
auf die Erkrankung. Eine Möglichkeit zum Nachweis von spezifischen
Antikörpern im Blutserum würde die Diagnostik besonders bei chronischen
Verläufen drastisch verbessern, aber bisher erhältliche Tests gelten als
unzuverlässig.“

Mit dem Meliodosis Dipstick (DS) haben Forscher der Medizinischen
Universität Graz (Österreich) nun gemeinsam mit den InfectoGnostics-
Forschern der Senova und des Leibniz-IPHT einen günstigen und schnellen
Blutserum-Streifentest entwickelt und validiert. Die Proben für die
Validierung wurden von den thailändischen Partnern sowie vom Friedrich-
Löffler-Institut für Medizinische Mikrobiologie in Greifswald
bereitgestellt. Der Test funktioniert nach einem einfachen „Lateral-
Flow“-Prinzip, das in ähnlicher Form auch bei Schwangerschaftstests zu
Anwendung kommt: Auf einem Zellstoffstreifen werden Antigene aufgebracht,
die hochspezifisch zu den Antikörpern passen, die das Immunsystem von
infizierten Patienten produziert. Wird die verdünnte und markierte
Patientenprobe in Kontakt mit dem Teststreifen gebracht, verbinden sich
Antikörper und Antigene auf den Streifen und führen entlang dünner Linien
zu charakteristischen und sichtbaren Verfärbungen.

--- Bislang keine brauchbaren Alternativen zu teuren und aufwendigen
Labortests ---

„Die Herausforderung bei diesem Schnelltest war es, möglichst passende
Antigene für den Erreger zu finden und sie so geschickt zu kombinieren,
dass der gesamte Test viel weniger falsch-negative Ergebnisse liefert als
bisherigen Schnelltests. In diesen Tests wurden bislang zum Teil noch bis
zu 44 Prozent der Infektionen nicht erkannt“, erklärt Ralf Ehricht und
fügt an: „Auch eine Senkung der falsch-positiven Testergebnisse war sehr
wichtig, da sich die Antibiotikatherapie bei der Erkrankung über Monate
ziehen kann und Patienten somit stark belastet.“ Bislang gebe es für die
Melioidose keine brauchbaren Alternativen zu Labortests, die in manchen
Bereichen der Welt aus Kostengründen oft nicht durchgeführt werden können
und die korrekten Therapien deshalb häufig zu spät beginnen und die
Chancen auf Genesung sinken.

Der neue Test Melioidosis DS liefert die erhoffte Verbesserung in der
Testgenauigkeit, wie Prof. Ivo Steinmetz von der Med Uni Graz erläutert:
„Aufbauend auf eine vorherige Kooperation mit den deutschen Kollegen haben
wir in der Machbarkeitsstudie vier geeignete Antigene identifiziert, die
sich in einem Schnelltest kombinieren ließen. Am Ende erreichten wir damit
eine Sensitivität von 92 Prozent und eine Spezifität von 97 bis 100
Prozent und sehen bereits erste Ansätze, um den Test durch weitere
Verbesserungen des Nachweisverfahrens noch genauer zu machen.“ Für die
Anwendung in Risikogebieten wie zum Beispiel Thailand erfülle der neue
Streifentest damit erstmals die Anforderungen, um wirklich in die
diagnostische Routine Einzug zu halten. „Wir hoffen mit diesem Test in
zukünftigen Studien auch Melioidose in Regionen nachzuweisen, in denen die
Erkrankung vorhergesagt wird, aber bisher nie nachgewiesen wurde“, so Ivo
Steinmetz

In Zukunft soll der Test vom InfectoGnostics-Industriepartner Senova zu
einem Diagnostikprodukt für die hauptsächlich betroffenen Märkte in Asien
und Australien weiterentwickelt werden. Die mittelständische Firma aus
Weimar hat sich auf die Produktion von Lateral-Flow-Tests spezialisiert
und entwickelte bereits in der Corona-Pandemie einen der ersten
praxistauglichen Antikörper-Schnelltests in Deutschland.

Originalpublikation:
Wagner GE, Föderl-Höbenreich E, Assig K, Lipp M, Berner A, et al. (2020)
Melioidosis DS rapid test: A standardized serological dipstick assay with
increased sensitivity and reliability due to multiplex detection. PLOS
Neglected Tropical Diseases 14(7): e0008452.
https://doi.org/10.1371/journal.pntd.0008452

  • Aufrufe: 174