Masterstudium Community Health Nursing digital kennenlernen
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) startet im kommenden Wintersemester mit dem neuen Studiengang Community Health Nursing. Der pflegewissenschaftliche Master existiert in Deutschland bisher nicht und gilt damit als Pionierprojekt. An drei Terminen stellt das Department für Pflegewissenschaft der UW/H das Konzept, die beruflichen Perspektiven sowie die Finanzierungsmöglichkeiten des Studiengangs digital vor: Am 17. und 31. Juli sowie am 7. August 2020. Die Online-Veranstaltungen finden jeweils von 15 bis 16:30 Uhr statt. Eine Anmeldung ist über diese Website möglich: www.uni-wh.de/chn-infotag.
Der Studiengang bildet speziell qualifizierte Pflegefachpersonen – sogenannte Community Health Nurses – aus. Sie sollen zukünftig erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bei allen Fragen rund um Gesundheit und Krankheit sein und Prozesse steuern. Community Health Nurses bringen nach dem Studium die notwendigen Kompetenzen mit, um einen wichtigen Teil der Versorgung selbstständig zu übernehmen, bevor Ärzte hinzugezogen werden müssen. Damit tragen sie auch zur Entlastung der lokalen Gesundheitsversorgung bei. Ein Konzept, das sich zum Beispiel in Schweden, Finnland und Kanada bereits bewährt hat. Als eine von lediglich drei Hochschulen in Deutschland startet die UW/H das erste Semester im Herbst 2020. Voraussetzung für das zweijährige Studium sind eine abgeschlossene Pflege- oder Hebammenausbildung sowie ein pflegewissenschaftliches Hochschulstudium (alternativ ein Abschluss in einem pflegewissenschaftlich relevanten Studium). Eine Bewerbung für das Wintersemester ist bis zum 31. August 2020 online auf der Studiengangsseite möglich: www.uni-wh.de/chn-msc
Über uns: Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.700 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.
Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.
Erstmals wird der größte Kongress für Intensiv- und Notfallmediziner im deutschsprachigen Raum komplett virtuell stattfinden. Der Einladung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) folgen traditionell im Dezember jeden Jahres bis zu 6.000 Teilnehmer. „Dieses Jahr wird alles anders – aber mindestens genauso spannend und informativ wie gewohnt. Ich freue mich wirklich sehr, dass wir in diesem Corona-Jahr erstmals ein umfassendes Angebot digital abbilden können“, sagt DIVI-Kongresspräsident Professor Eckhard Rickels.
Im Interview spricht er jetzt darüber, was die Kongressteilnehmer vom 2. bis 4. Dezember in rund 170 Veranstaltungen online erwartet, das Vertrauen in die Wissenschaft und einen möglichen Paradigmenwechsel in der Krankenhauslandschaft durch COVID-19.
Herr Professor Rickels, was ging Ihnen durch den Kopf, als die Absage des physischen Kongresses beschlossen wurde?
Zuerst einmal war ich natürlich enttäuscht – unser Kongress ist schließlich eine der wichtigsten Veranstaltungen für alle Berufsgruppen in der Intensiv- und Notfallmedizin. Doch in diesem unkalkulierbaren Corona- Jahr ist die Absage des Events im Congress Center Hamburg völlig logisch. Im Team haben wir aber schon direkt danach überlegt, wie wir für alle passende Alternativen schaffen können. Eine Komplettabsage war keine Option, vielmehr begreifen wir die Situation auch als Chance, das Know-how auf anderen Wegen weiterzugeben und etwas Neues aufzubauen. Schließlich stehen uns dafür mittlerweile fantastische technische Möglichkeiten zur Verfügung.
Wie hat Corona Ihre Einstellung zu digitalen Fortbildungen geändert?
Anfangs war ich skeptisch, ob das überhaupt funktionieren kann. Schließlich gehöre ich doch eher zu jenen, die seit Jahrzehnten Präsenzkurse besuchen. Dann habe ich aber selbst in die ersten digitalen Veranstaltungen reingeschnuppert, einen virtuellen Kongress besucht, mich mit den Präsentationsmöglichkeiten auf Online-Plattformen vertraut gemacht – und bin mittlerweile richtig begeistert. Wer seine Präsentation zudem live hält – und nicht nur ein Video abspielt –, der kann auch mit seinen Zuhörern interagieren und diese begeistern. Sicher gehört auch eine Portion Selbstdisziplin dazu und die Möglichkeiten des persönlichen Austausches unter den Teilnehmern sind eher begrenzt. Aber auch dafür gibt es mittlerweile verschiedene Diskussions-Foren und Chat-Formate, die wir auch beim DIVI-Kongress einbinden werden. Es gilt, sie zu nutzen.
Wie müssen wir uns diese Formate genau vorstellen?
Letztendlich werden beispielsweise die einzelnen Symposien genauso von einem Vorsitzenden moderiert, wie wir das von herkömmlichen Veranstaltungen kennen. Teilnehmer können dann beispielsweise schon während der Präsentation offene Fragen an die Symposien-Leiter übermitteln. Zudem planen wir ein kleines TV-Studio einzurichten – von dort sollen verschiedene Veranstaltungen moderiert werden. An den genauen Details zum Programm arbeiten wir derzeit.
Welche Programmdetails können Sie uns jetzt schon verraten?
Verraten kann ich jetzt schon, dass es am Vorabend, also am 1. Dezember, eine virtuelle Eröffnungsveranstaltung geben wird. Mit hochkarätigen Keynote-Speakern sind wir derzeit im Austausch. Zudem sollen fast alle Programmpunkte, die wir ursprünglich geplant hatten, ins virtuelle Umfeld übernommen werden. Hier haben viele Experten, die Programmdirektion und alle DIVI-Sektionen ordentlich zugearbeitet. Insgesamt sprechen wir von mehr als 100 Symposien, 15 Pro/Con-Sitzungen, etwa 16 Pflegesymposien und 19 Fortbildungsveranstaltungen. Insbesondere Nachwuchswissenschaftler werden zahlreiche E-Poster präsentieren. Hier ist aber auch noch etwas Bewegung in der Programmgestaltung. Zudem hoffe ich, dass wir auch etwa zehn Hands-on-Kurse digital abbilden können. Es wird darüber hinaus Live- Diskussionen geben, wir planen ein Simulationstraining und werden natürlich einen eigenen Corona-Strang in das Programm einbauen, der voraussichtlich acht weitere Programmpunkte enthalten wird.
Und wie soll die doch sehr gefragte Industrieausstellung in diesem Jahr stattfinden?
Auch hierfür überlegen wir uns passende Formate, in denen sich jeder einzelne Aussteller wiederfindet. In dem Punkt sind aber auch die Aussteller selbst gefordert. Einfach nur einen virtuellen Stand mit Link zum Unternehmen reicht sicher nicht aus. Personaleinsatz ist gefordert. Wie bei einem klassischen Kongress wird es bei der virtuellen Version Pausen geben – in denen sollten die Vertreter der Industrieaussteller live ansprechbar sein. Zudem wird es wie gewohnt passende Industriesymposien geben, bei denen es keine konkurrierenden Parallelveranstaltungen geben wird.
Wann konkret können wir mit einer Programmvorstellung rechnen?
Das finale Programm soll im Laufe des Julis vorgestellt werden. 95 Prozent der Inhalte stehen bereits fest. Es sind jetzt vor allen noch organisatorische Details zu klären. Wir werden dann auch aktiv auf interessierte Industrieaussteller zugehen und die Details erläutern. Sobald die Online-Anmeldung offen ist, werden wir darüber informieren.
Um noch konkreter zu werden: Mit welchen Teilnahmegebühren ist zu rechnen?
Wir haben scharf kalkuliert, weil wir unter der 100-Euro-Grenze liegen wollten. Das teuerste Ticket wird bei 95 Euro liegen, DIVI-Mitglieder zahlen 60 Euro – für alle drei Kongresstage. Pflegemitarbeiter, Rettungsassistenten, Sanitäter und Therapeuten zahlen 60 Euro – bei DIVI- Mitgliedschaft lediglich 45 Euro. Studenten werden kostenfrei zum Kongress zugelassen. Außerdem erhalten Abstract-Erstautoren 50 Prozent Rabatt auf die Anmeldegebühr. Ich glaube, dass bei diesem Angebot wirklich jeder dabei sein kann. Dabei sein heißt für mich aber auch wirklich, dabei zu sein! Sprich: Mal eben zwischen zwei Visiten eine Session anzugucken, ist sicher nicht sinnvoll. Wer am virtuellen DIVI-Kongress teilnimmt, sollte sich auch die drei Tage dafür Zeit nehmen. Zusätzlich werden aber auch sämtliche Inhalte des Kongresses noch ein Jahr lang online abrufbar sein.
Welche Themenbreite lässt sich denn in diesen drei Tagen abbilden?
Wir werden wie immer alle Facetten der gesamten Intensiv- und Notfallmedizin darstellen, in denen es aktuelle Entwicklungen und vor allem Neuigkeiten zu berichten gibt. Und mit Blick auf die Corona-Pandemie sind dies in diesem Jahr nochmal deutlich mehr Aspekte, die zu unseren ursprünglichen Planungen aufgenommen worden sind. Alle Vorschläge aus den einzelnen DIVI-Sektionen, die sich mit Symposien beteiligen wollten, haben wir berücksichtigen können. In unserem speziellen Corona-Strang wird es darum gehen, was wir aus der Pandemie gelernt haben – und was dies für die Krankenhauslandschaft in Zukunft bedeuten wird. Anhaltende Strömungen, die Medizin vollkommen zu ökonomisieren, sind durch die Corona-Pandemie konterkariert worden. COVID-19 bringt einen Paradigmenwechsel.
Das Kongressmotto „Wissen schafft Vertrauen“ könnte also passender gar nicht sein, oder?
Als wir das Motto vor mehr als einem Jahr festgelegt haben, war COVID-19 noch kein brennendes Thema. Der Kongress hat eine deutliche Ausstrahlungskraft und diese wollen wir nutzen, um klar zu sagen: Je mehr wir wissen und je besser wir informiert sind, desto eher schaffen wir es, dass uns die Patienten umfassend vertrauen. Die Corona-Pandemie ist da ein passendes Beispiel. Alle in der Intensiv- und Notfallmedizin tätigen Menschen haben in den vergangenen Monaten unglaubliches geleistet – das Vertrauen der Bevölkerung in die Schulmedizin ist in dieser Zeit deutlich gewachsen.
In welchen Bereichen befürchten Sie denn noch zu wenig Wissen – und damit vielleicht mangelndes Vertrauen?
Wer am DIVI-Kongress teilnimmt, wird nach drei Tagen in allen Bereichen der Intensiv- und Notfallmedizin auf dem aktuellen Stand sein. Hier gibt es dann weder Wissenslücken noch einen Grund, diesem Know-how nicht vertrauen zu können. Aber Wissenschaft bedeutet eben auch im wörtlichen Sinne, mehr Wissen zu schaffen. Und das gelingt durch immer bessere Forschung. Noch haben wir keine geeignete Therapie für eine COVID-19-Immunität, noch wissen wir nicht genau, ob die Isolation von einzelnen Landkreisen oder Wohnhäusern hilft, die Pandemie einzudämmen. Vieles spricht dafür, aber die Wissenschaft muss das genau herausfinden und lückenlos belegen. Auch müssen wir definieren, wie viele Betten zukünftig in Deutschland vorgehalten werden sollten. Willkürliche Festlegungen bringen uns nicht weiter. Hier suchen wir dann zudem das Gespräch mit der Politik – dafür bietet der DIVI-Kongress den passenden Rahmen.
Was sind die nächsten wichtigen Schritte für den virtuellen DIVI-Kongress?
Wir werden in den kommenden Wochen das Programm finalisieren und dann die neue Kongress-Website online schalten – das ist sicher einer der wichtigsten Punkte im Juli und August. Wer den Newsletter der DIVI abonniert hat, wird über alle Schritte am schnellsten informiert. Und dann würde ich mich persönlich freuen, wenn wir mit unserem Programm mindestens jene 6.000 Teilnehmer gewinnen, die auch die Reise nach Hamburg geplant hätten. Ich bin unglaublich stolz auf alle Aktiven, die sich in den vergangenen Wochen intensiv für den DIVI-Kongress eingesetzt haben und wirklich in kürzester Zeit eine digitale Alternative erarbeitet haben. Das ist großartig. Ich bin überzeugt, dass der virtuelle DIVI-Kongress ein Novum für alle Teilnehmer darstellt.
Die aktuelle Ausgabe von HERZ heute 2/2020. Illustration: istock/apomares; Covergestaltung: R. Unguranowitsch
Rheuma kann gefährlich für Herz und Gefäße werden. Herzstiftung rät zu regelmäßiger Untersuchung beim Kardiologen Rheuma ist ein entzündliches Geschehen, von dem nicht nur der Bewegungsapparat, sondern auch Herz und Gefäße betroffen sein können. Beschwerden wie Schmerzen in Gelenken oder Weichteilen stehen zwar im Vordergrund entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. „Begleitende Erkrankungen von Herz und Gefäßen treten allerdings bei Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen häufiger auf als bei ansonsten Gesunden“, betont Prof. Dr. med. Udo Sechtem vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung (www.herzstiftung.de). Rheuma-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für entzündliche Aktivitäten auch in den Wänden der Blutgefäße, es kommt bei ihnen vermehrt zu einer Verkalkung der Gefäßwände (Arteriosklerose). Die Folge können Gefäßkomplikationen bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall sein. „Wer an Rheuma leidet, sollte deshalb zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen“, rät der Herzspezialist am Cardiologicum Stuttgart in der aktuellen Ausgabe der Herzstiftungs- Zeitschrift HERZ heute. Mindestens alle fünf Jahre zur Herz- Vorsorgeuntersuchung sollten Patienten mit rheumatoider Arthritis, ankylosierender Spondylitis (Morbus Bechterew) oder Psoriasis-Arthritis, lautet auch die Empfehlung der „Europäischen Liga gegen rheumatische Erkrankungen“ (EULAR). In Deutschland leiden etwa 20 Millionen Menschen an einer rheumatischen Erkrankung. Das Risiko eines Rheumapatienten, eine Herz-Kreislauf- Erkrankung zu erleiden, entspricht dem eines Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) beziehungsweise dem eines zehn Jahre älteren Patienten ohne Rheuma. So tritt eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei älteren Patienten mit rheumatoider Arthritis doppelt so häufig auf wie bei gleich alten Personen ohne Rheuma. Auch deshalb informiert die Herzstiftung ausführlich über die Folgen von Rheuma für Herz und Gefäße in ihrer aktuellen Ausgabe HERZ heute 2/2020. Das Heft kann per Tel. unter 069 955128-400 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. kostenfrei angefordert werden.
Vorsicht bei neuen Symptomen wie Brustschmerzen und Luftnot bei Belastung Vor allem die Arterien, die den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen (Herzkranzgefäße), können von der Arteriosklerose betroffen sein. „Liegt zusätzlich eine rheumatische Erkrankung vor, beschleunigt sich die Arteriosklerose, Ablagerungen in den Gefäßen, Plaques genannt, drohen schneller aufzureißen und leiten Katastrophen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall ein.“ Diese Gefahr steigt insbesondere dann, wenn die Betroffenen zusätzlich erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin), Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht haben. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Rheuma-Patienten neue Symptome wahrnehmen: „Brustschmerzen oder Luftnot bei Belastung, die zuvor problemlos bewältigt wurden, sollte man ernst nehmen und umgehend den Arzt aufsuchen“, mahnt Sechtem.
Vorsorge bei Rheuma-Patienten muss noch höheren Stellenwert haben Damit es gar nicht erst zu Herz- und Gefäßkomplikationen bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bis hin zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche kommt, „muss der Vorsorge ein noch höherer Stellenwert als bislang eingeräumt werden“, betont der Stuttgarter Kardiologe. Die Vorsorge umfasst eine Laboruntersuchung und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und der Gefäße, ebenso EKG und bildgebende Verfahren zur Feststellung von Durchblutungsstörungen des Herzens und Ablagerungen in den Gefäßen (CT, MRT). Auch bei größeren Umstellungen der Rheuma-Therapie wird geraten, das Herz- und Gefäßrisiko zu überprüfen. Neben der medikamentösen Behandlung der entzündlichen Krankheitsaktivität und Einstellung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und erhöhten Cholesterinwerten ist ein gesunder Lebensstil von Bedeutung: Neben einer gesunden Ernährung und dem Verzicht auf das Rauchen ist die regelmäßige Bewegung von besonderer Bedeutung: „Das kann auch die regelmäßige Arbeit im Kleingarten sein, wenn man richtig aktiv ist. Oder man geht jeden Tag etwa 30 Minuten in flotterem Tempo spazieren“, erklärt Sechtem.
Aktuelle Ausgabe HERZ heute: Jetzt Probeexemplar anfordern! Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Ein kostenfreies Probeexemplar der neuen Ausgabe HERZ heute 2/2020 ist unter Tel. 069 955128400 oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.
Der Video-Clip „Folgen von Rheuma für Herz und Gefäße“ mit dem Experten Prof. Udo Sechtem ist abrufbar unter: https://youtu.be/t1DvzDvOR-Q
Prof. Dirk Haller und sein Team A. Heddergott / TUM
Im Tagesverlauf verändern sich Anzahl und Zusammensetzung der im Darm des Menschen aktiven Bakterien, das so genannte Darmmikrobiom. Dies haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Federführung der Technischen Universität München (TUM) am Zentralinstitut Food & Health (ZIEL) in Freising in einer der größten Studien zum Thema Mikrobiom und Diabetes mit mehr als 4000 Personen gezeigt. Bei Typ-2-Diabetikern jedoch gehen diese tageszeitlichen Schwankungen verloren.
Die mikrobielle Zusammensetzung des Darms ist komplex und individuell sehr unterschiedlich. Viele Faktoren, wie Umwelteinflüsse, Lebensstil, Genetik oder Erkrankungen beeinflussen das Ökosystem der hilfreichen Bakterien im Darm.
Dirk Haller, Professor für Ernährung und Immunologie an der TUM, und sein Team haben die Bedeutung tageszeitlicher Schwankungen des Mikrobioms im Zusammenhang mit der Erkrankung Diabetes Typ 2 bei mehr als 4000 Personen analysiert und damit die erste Studie auf diesem Gebiet mit humanen Probanden vorgelegt.
Die Rolle von Darmbakterien bei Erkrankungen
„Um festzustellen, ob Änderungen im Darmmikrobiom Rückschlüsse auf Erkrankungen erlauben, bedarf es so genannter prospektiver Kohortenstudien“, sagt Prof. Haller.
In solchen prospektiv-vorausschauenden Kohortenstudien wird ein Querschnitt aus der Bevölkerung beobachtet, ohne dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer irgendwelche Symptome einer Krankheit zeigen. Die Population wird im Laufe der Zeit nachbeobachtet. So lässt sich erkennen, ob eine bestimmte Beobachtung typisch für das spätere Auftreten einer Erkrankung ist.
Verbesserte Diagnose und Prognose von Typ-2-Diabetes möglich
„Wenn bestimmte Darmbakterien keine tageszeitliche Rhythmik aufweisen, sich also in Zahl und Funktion im Laufe des Tages nicht verändern, kann man auf eine mögliche Erkrankung mit Typ-2-Diabetes schließen. Dieses Wissen verbessert sowohl die Diagnose als auch Prognostik von Typ-2-Diabetes“, sagt Chronobiologin Dr. Silke Kiessling, die ebenfalls an der Studie beteiligt ist.
Diese Bakterien, die sich im Tagesverlauf nicht mehr verändern, also arrhythmisch sind, sind Marker für eine potenzielle Erkrankung. Die Forschenden nennen dies eine Risikosignatur. „Auch mathematische Modelle zeigen, dass diese mikrobielle Risikosignatur, die aus arrhythmischen Bakterien besteht, zur Diagnose von Diabetes mit beiträgt“, so die Erstautorin Sandra Reitmeier.
Primär wurden die Daten aus einer bestehenden unabhängigen Kohorte des Helmholtz Zentrums München analysiert. Die Ergebnisse zum Diabetes wurden mit weiteren Kohorten aus Deutschland validiert. „Aus dem Vergleich mit Kohorten in England konnten wir zeigen, dass unter anderem der regionale Einfluss auf das mikrobielle Ökosystem erheblich ist. Demnach ergibt sich der Bedarf, lokal spezifische arrhythmische Risikosignaturen zu finden“, erklärt Haller.
Der Ernährungswissenschaftler betont: „Neben Bakterien und deren Unterschiede je nach Tageszeit spielen noch weitere Parameter wie der Body-Mass-Index eine Rolle, um ein späteres Erkranken einer Person besser vorhersagen zu können.“
Tag-Nacht-Rhythmus der Bakterien im Darm als Basis weiterer Forschung
Eine Angabe zur Tageszeit der Stuhlprobennahme in der Humanforschung kann die Diagnose von Erkrankungen stark beeinflussen. „Die Dokumentierung dieser Zeitangaben ist zur Verbesserung von Risikomarkern essenziell“, ist sich Prof. Haller sicher.
Die Untersuchungen untermauern die Hypothese, dass Veränderungen im Mikrobiom einen Einfluss auf ernährungsrelevante Erkrankungen haben. Welchen Einfluss eine Darmflora, die sich im Tagesverlauf (nicht) verändert, auf andere Mikrobiom-assoziierte Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Darmkrebs hat, könnte das Thema weiterer Forschungen werden.
Die Ergebnisse dieser Studie sind insbesondere von großer Bedeutung für die weitere Arbeit im Sonderforschungsbereich „Microbiome Signatures“, denn gerade im klinischen Bereich bieten Kohortenstudien wichtige Vergleichsmöglichkeiten der Daten gesunder und kranker Probanden.
Mehr Informationen: An der Studie beteiligt waren der Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie und das TUM Zentralinstitut ZIEL Institute for Food & Health, das Helmholtz Zentrum München, das University College Cork, die Christian- Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die University of London und das King's College London.
Die Arbeit wurde im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG SFB1371; https://www.sfb1371.tum.de/) und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF / JPI DINAMIC) durchgeführt.