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Gesundheit

Unstatistik des Monats: Lungenkrebs-Screening rettet Leben

Die Unstatistik des Monats Februar ist die Berichterstattung über eine
Studie zum Lungenkrebsscreening, das angeblich Leben rettet. Ein genauerer
Blick zeigt jedoch, dass die Gesamtsterblichkeit trotz Screening konstant
bleibt.

Die „ÄrzteZeitung“ gibt bekannt: “Lungenkrebs-Screening per Low-dose-CT
rettet Leben“. Springer Medizin berichtet, CT-Screening reduziere die
Lungenkrebssterblichkeit um 24 Prozent bei Männern, bei Frauen sogar um 35
Prozent. Der Standard empfiehlt: „Raucher in die Röhre schicken“, denn vor
allem diese würden von der Low-Dose-Computertomografie als
Früherkennungsmaßnahme profitieren. „Das wären für Österreich mehr als
1.000 gerettete Menschenleben jährlich“, erklärt APA-Science. Eine Flut
von Pressemeldungen erklärt, dass nun bewiesen sei, dass Lungenkrebs-
Screening Leben rette und man deshalb für die flächendeckende Einführung
Milliarden ausgeben sollte.

Diese enthusiastischen Meldungen beziehen sich auf die NELSON-Studie (de
Koning, The New England Journal of Medicine 2020), an der 13.195 Männer
(und 2.594 Frauen) zwischen 50 und 74 Jahren teilnahmen. Alle waren
derzeit oder früher einmal Raucher. Sie wurden zufällig in Gruppen
aufgeteilt; die einen erhielten Screening auf Lungenkrebs mit CT
(Computertomographie), die anderen nicht. Nach zehn Jahren wurde
ermittelt, ob Leben gerettet wurden. Was war das Ergebnis?

Die Ergebnisse der NELSON-Studie kann man einfach verständlich machen,
indem man je 1.000 Personen in der Screening- und in der Kontrollgruppe
betrachtet. Sehen wir uns einmal die Männer an. Nach zehn Jahren waren 24
Männer mit der Diagnose Lungenkrebs in der Screening-Gruppe gestorben, in
der Kontroll-Gruppe waren es 32. Das ist der berichtete Wert einer um 25
Prozent verringerten Sterblichkeit. Keines der genannten Medien berichtete
jedoch, dass in der Kontrollgruppe insgesamt 130 Personen starben und in
der Screening-Gruppe 132 (in der Zusammenfassung der NELSON-Studie wird
das auch nicht erwähnt). Im Klartext heißt das, insgesamt wurde kein Leben
gerettet.  In der Screening-Gruppe starben zwar weniger Menschen mit der
Diagnose Lungenkrebs, dafür mehr mit einer anderen Krebsdiagnose.
Insgesamt gab es keinen Unterschied. Die Anzahl der Menschen, die an Krebs
(einschließlich Lungenkrebs) verstorben sind, ist die zuverlässigere
Größe, genau wie die Gesamtsterblichkeit. Die spezifische Todesursache ist
oft schwer festzustellen, beispielsweise wenn eine Person gleichzeitig
Krebs in mehreren Organen hat. Die Autoren der NELSON-Studie berichten
selbst, dass die Experten bei der Beurteilung, ob die Todesursache
Lungenkrebs war, nur in 86 Prozent der Fälle übereinstimmten. Unter den
Männern, die sich einem Lungenkrebs-Screening mit CT unterzogen hatten,
starben genauso viele an Krebs (einschließlich Lungenkrebs) wie unter
jenen ohne Screening. Weder in der Krebssterblichkeit noch in der
Gesamtsterblichkeit hat die NELSON Studie einen signifikanten Unterschied
gefunden.

Ehrliche Berichterstattung sollte auch Gesamtsterblichkeit erwähnen

Wie würde eine ehrliche Berichterstattung aussehen? Etwa so: „Die NELSON-
Studie zeigte, dass von je 1.000 Männern in der Screening-Gruppe acht
weniger mit der Diagnose Lungenkrebs verstorben sind (von 32 auf 24).
Dafür starben in der Screening-Gruppe mehr Personen mit einer anderen
Krebsdiagnose, und auch die Gesamtsterblichkeit war gleich. Es gibt keinen
Beleg, dass Lungenkrebs-Screening Leben rettet.“

Die derzeit gefeierte NELSON-Studie ist nur eine Episode in einer langen
Geschichte der Irreführung der Öffentlichkeit über den Nutzen von Krebs-
Screening. Es ist bis heute kein einziges Krebs-Screening bekannt, das die
Krebssterblichkeit (alle Krebse) oder die Gesamtsterblichkeit reduziert
(V. Prasad, British Medical Journal, 2016, 352). Ein flächendeckendes
Lungenkrebs-Screening würde jährlich Milliarden kosten, die man an anderer
Stelle braucht. Schlimmer noch: Diese Investition würde den Patienten
nichts nützen. Vorsorge hilft, Früherkennung kaum. Wenn man bereits in den
Schulen junge Menschen risikokompetent machen würde, so dass sie
verstehen, wie sie später zum Rauchen verführt werden, würde das wirklich
Leben retten. Bildung ist die beste Vorsorge. Aber dafür wird kaum Geld
bereitgestellt.

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Neue Infektionskrankheiten durch Klimawandel und Globalisierung

Am 5. März spricht der Leiter des Bernhard-Nocht-Instituts für
Tropenmedizin, Egbert Tannich, in der Berliner Urania über neue
Herausforderungen für die Infektionsmedizin in Folge von Globalisierung
und Klimawandel.

Das neue Corona-Virus und seine rasante Verbreitung rund um den Globus
sorgt weltweit für Aufregung und fordert Medizin, Wissenschaft, Politik
und Gesundheitswesen heraus. Aber Covid-19 ist bei weitem nicht die
einzige infektionsmedizinische Herausforderung, der sich die Gesellschaft
durch Klimawandel und Globalisierung gegenüber sieht. Diese haben dazu
beigetragen, dass sich in den vergangenen Jahren Stechmückenarten, wie die
Asiatische Tigermücke oder die Japanische Buschmücke, massiv ausgebreitet
und zuletzt auch in Deutschland angesiedelt haben. Stechmücken und andere
Insekten spielen aber eine wichtige Rolle als Überträger von
Krankheitserregern und so sind tropische Infektionen, wie das Chikungunya-
oder das Dengue-Fieber, nun auch in Europa aufgetreten. In Deutschland
wurde ein massives Vogelsterben durch das Usutu-Virus und erstmals auch
Infektionen beim Menschen durch den Hundehautwurm Dirofilaria repens und
das West-Nil-Virus registriert. Aufgrund aktueller Laborexperimente und
neuer Klimasimulationen muss mit weiteren Infektionen gerechnet werden.
(In seinem Vortrag behandelt Egbert Tannich nicht das neue Corona-Virus,
steht aber im Anschluss für Fragen aus dem Publikum auch zu diesem Thema
zur Verfügung.)

Der Vortragende:
Prof. Dr. Egbert Tannich ist Vorstandsvorsitzender des Bernhard-Nocht-
Instituts für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg, einem Institut der
Leibniz-Gemeinschaft, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für tropische
Infektionserreger sowie Professor am Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf (UKE).
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin im Internet: <www.bnitm.de>

Termin: Donnerstag, 5. März 2020, 18:00 Uhr

Veranstaltungsort: Urania Berlin e. V., An der Urania 17, 10787 Berlin

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

In der Vortragsreihe „Leibniz-Lektionen“ präsentiert die Leibniz-
Gemeinschaft in Kooperation mit der Urania Berlin eine Auswahl aktueller
Forschungsergebnisse aus ihren Mitgliedsinstituten.

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Das USE-Team mit den Ärzten Dr. Clemens Kastl und Dr. Julia Körholz, der Patientin Annett Heinich, USE-Koordinatorin Dr. Tanita Kretschmer, Dr. André Heinen und Prof. Min-Ae Lee-Kirsch.  Foto: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer

Seltenen Erkrankungen auf der Spur: Zentrum des Dresdner Uniklinikums feiert fünfjähriges Jubiläum

Das USE-Team mit den Ärzten Dr. Clemens Kastl und Dr. Julia Körholz, der Patientin Annett Heinich, USE-Koordinatorin Dr. Tanita Kretschmer, Dr. André Heinen und Prof. Min-Ae Lee-Kirsch.  Foto: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer
Das USE-Team mit den Ärzten Dr. Clemens Kastl und Dr. Julia Körholz, der Patientin Annett Heinich, USE-Koordinatorin Dr. Tanita Kretschmer, Dr. André Heinen und Prof. Min-Ae Lee-Kirsch. Foto: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer

Mit einer Podiumsdiskussion und einer Filmvorführung im Programmkino Ost
feiert das vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden gegründete
UniversitätsCentrum für Seltene Erkrankungen (USE) gemeinsam mit Patienten
und Partnern am 29. Februar sein fünfjähriges Bestehen. Dieser Sonnabend
ist ein symbolträchtiger Tag. Nicht nur, weil er nur aller vier Jahre im
Kalender steht, sondern weil 2020 der „Internationale Tag der Seltenen
Erkrankungen“ auf dieses Datum fällt. Das Engagement von
Selbsthilfegruppen, Ärzten, Pflegenden, Forschern sowie zahlreichen
Institutionen für eine bessere Versorgung von Menschen mit Seltenen
Erkrankungen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Befriedigend ist die Situation für alle Beteiligten dennoch nicht. In der
am Sonnabendvormittag ab 10.30 Uhr stattfindenden Podiumsdiskussion wird
dies ebenso thematisiert wie der Umgang der Betroffenen und ihrer
Angehörigen mit dieser Situation. Dass dabei auch jede Menge positive
Energie und Motivation freigesetzt werden, überrascht Außenstehende immer
wieder. Der Kinofilm „Wunder“ aus dem Jahr 2017, der im Anschluss an die
Podiumsdiskussion gezeigt wird, setzt ebenfalls auf diese Momente.

„Nur alle vier Jahre gibt es den 29. Februar – ein seltener Tag!
Stellvertretend steht er in diesem Jahr auch für die seltenen
Erkrankungen, mit denen in Deutschland etwa vier Millionen Personen leben.
Die Betroffenen müssen die vielfältigen Anforderungen meistern, die eine
solche Erkrankung an sie stellt“, sagt Prof. Reinhard Berner, Sprecher des
UniversitätsCentrums für Seltene Erkrankungen. Gemeinsam mit den
Patienten, Angehörigen und betreuenden Ärzten engagiert sich das USE seit
nunmehr fünf Jahren dafür, den mit diesen Krankheiten verbundenen
Herausforderungen gerecht zu werden. Dazu gehören ein oft allzu langer Weg
zur richtigen Diagnose oder die Suche nach einer geeigneten Therapie
ebenso wie die Zusammenarbeit mit kooperierenden Kliniken,
niedergelassenen Ärzten und schließlich auch Forschungsprojekte, um die
Versorgung der Betroffenen zu verbessern.

Seit seiner Eröffnung im November 2014 haben Patienten, deren Angehörige
und ärztliche Kollegen rund 1.000 Anfragen an das UniversitätsCentrum für
Seltene Erkrankungen gestellt. In 380 Fällen wurden die eingereichten
Akten – zum Teil umfassen diese bis zu 200 Seiten – aufbereitet, in einer
interdisziplinären Fallkonferenz besprochen und eine schriftliche
Empfehlung ausgesprochen. Das Zentrum versteht sich als Expertengremium,
das nicht selbst Patienten untersucht oder behandelt. Um die oft sehr
komplexen Krankengeschichten zeitnah abklären zu können, finden die
Fallkonferenzen inzwischen wöchentlich statt. Um einen größeren Kreis über
die aktuellen Fälle und die daraus resultierenden Empfehlungen
fachübergreifend bekannt zu machen, veranstaltet das USE inzwischen
monatlich ein Großes Board Meeting. In diesem Rahmen werden interessante
Fälle – weiterhin unklare oder auch bereits geklärte – vorgestellt. Dies
dient auch der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses: Das Meeting steht
Studierenden offen.

Eine weitere Besonderheit am Dresdner Uniklinikum ist, dass alle stationär
aufgenommenen Patienten verpflichtend auf das Vorliegen einer seltenen
Erkrankung geprüft und entsprechend kodiert werden. Damit ist die
Hochschulmedizin Dresden deutschlandweit Vorreiter. Auf dieser Basis ist
es erstmals möglich, Aussagen über Häufigkeiten und Zusammensetzung
seltener Erkrankungen zu tätigen. Die Zahlen für 2019 belegen, dass bei 19
Prozent aller Fälle eine Seltene Erkrankung vorlag.

Das Projekt TRANSLATE NAMSE

„Die Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen gehört naturgemäß
zum Aufgabenspektrum eines Universitätsklinikums. Dass diese wichtige
Aufgabe nun im Rahmen des Projekts TRANSLATE NAMSE erstmals finanziell
unterstützt wird, ist ein positiver Anfang. Ungeachtet dessen ist es
notwendig, dass die Uniklinika auch nach Ablauf der Förderung durch den
Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses dauerhaft eine adäquate
Vergütung für diese besonderen Aufgaben erhalten“, sagt Prof. Michael
Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums. Insgesamt
werden neun Universitätsklinika, die Zentren für seltene Erkrankungen
betreiben und sich zu einem Konsortium verbunden haben, mit 13,4 Millionen
Euro gefördert. Gut zehn Prozent dieser Summe – 1,5 Millionen Euro –
erhält das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden für die Dauer
von drei Jahren. Bis 2021 wird damit der verbesserte Experten-Austausch
innerhalb des Uniklinikums wie auch auf nationaler und internationaler
Ebene finanziell unterstützt. Auch das Aufbereiten von Expertenwissen und
eine gezieltere Überleitung von Jugendlichen mit seltenen Erkrankungen in
die Erwachsenenmedizin gehören zu den geförderten Aktivitäten.

Im Rahmen von Translate NAMSE konnte das Dresdner Uniklinikum bereits rund
700 Patienten eine Perspektive bieten: Im Rahmen von Fallkonferenzen, die
an einer der neun beteiligten Uniklinika stattfanden, ließ sich jeweils
eine Diagnose oder Verdachtsdiagnose stellen. Bei 150 dieser Patienten
wurde zusätzlich eine innovative genetische Diagnostik initiiert, die die
Krankenkassen im Rahmen des Projektes finanzierten. In 40 Prozent der
Fälle konnte auf diesem Weg eine seltene genetische Diagnose gestellt
werden. Zusätzlich ist das UniversitätsCentrum für Seltene Erkrankungen
Partner der „Collaboration on Rare Diseases“ (CORD), beteiligt sich mit
einem Use Case an der mit Mitteln des Bundes finanzierten Medizin-
Informatik-Initiative (MII) und arbeitet so auch an dieser Stelle daran,
Seltene Erkrankungen besser sichtbar zu machen.

Internationaler Tag der Seltenen Erkrankungen – Programm am 29. Februar

ab 10.00 Uhr              Einlass ins Programmkino Ost
10.30 Uhr                   Begrüßung durch Prof. Reinhard Berner
10.40 Uhr                   Podiumsdiskussion – Leben und Perspektiven von
Betroffenen mit einer seltenen
Erkrankung

11.15 Uhr                   Aufführung des Films „Wunder“

13.15 Uhr                   Imbiss und geselliges Beisammensein

10.00 bis 14.30 Uhr   Präsentation der Selbsthilfegruppen, Vereine und
Sponsoren

Der Kinofilm „Wunder“

USA 2017| 113 min. | Empfehlung ab 8 Jahren | Eintritt frei

August Pullman (Jacob Tremblay), der von allen „Auggie“ genannt wird, ist
humorvoll, schlau und liebenswert, hat eine tolle Familie und ist dennoch
seit seiner Geburt ein Außenseiter. Denn er hat aufgrund der seltenen
Erberkrankung Treacher-Collins-Syndrom ein stark deformiertes Gesicht, das
es zunächst unmöglich erscheinen lässt, eine reguläre Schule zu besuchen.
Stattdessen wird er zu Hause von seiner Mutter Isabel (Julia Roberts)
unterrichtet. Als er zehn Jahre alt wird, entscheidet die Familie, Auggie
doch auf eine übliche Schule wechseln zu lassen. Dort lernt er trotz
anfänglicher Schwierigkeiten, sich mit seinem Äußeren zu arrangieren und
findet schnell neue Freunde, die ihn akzeptieren und bewundern.

Veranstaltungsort

Programmkino Ost
Schandauer Str. 73
01277 Dresden
Barrierefrei, induktives Hören möglich

Weitere Informationen zum UniversitätsCentrum für Seltene Erkrankungen
Das 2015 gegründete Zentrum hat es sich zur Aufgabe gemacht, medizinische
Expertise fachübergreifend zu bündeln und diese den Patienten mit seltenen
Erkrankungen zur Verfügung zu stellen. Ziele des USE sind es, den Weg zur
richtigen Diagnose zu verkürzen, eine kompetente Beratung sicherzustellen
und Zugangswege zu bestmöglichen Therapien anzubieten. Dies ist notwendig,
weil Seltene Erkrankungen meist sehr vielfältig und komplex sind. Daher
werden sie nach wie vor oft nicht rechtzeitig erkannt und adäquat
behandelt.

Eine Erkrankung gilt als selten, wenn weniger als fünf von 10.000 Personen
von ihr betroffen sind. Ausgehend von etwa 8.000 seltenen Erkrankungen
sind allein in Deutschland schätzungsweise vier Millionen Menschen von
einer solchen Krankheit betroffen. Im UniversitätsCentrum für Seltene
Erkrankungen arbeiten Ärzte, nicht-ärztliches Personal und Wissenschaftler
aus verschiedenen Kliniken und Instituten eng miteinander zusammen, um
eine spezialisierte und koordinierte Diagnostik und Versorgung von Kindern
sowie Erwachsenen zu ermöglichen.

Die am UniversitätsCentrum für Seltene Erkrankungen beteiligten Zentren
sind auch in der Forschung aktiv, um Krankheitsmechanismen besser zu
verstehen und in Zukunft Patienten mit seltenen Erkrankungen innovative
Diagnostik und Therapie anbieten zu können. Hierfür wurden am USE zunächst
vier Schwerpunktbereiche definiert, in denen Diagnose, Therapie und
Forschung eng verknüpft sind. Das Zentrum ist darüber hinaus auch in
weiteren Fachgebieten aktiv und arbeitet eng mit den anderen Zentren für
Seltene Erkrankungen in Deutschland wie auch vielen
Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen zusammen. Die Schwerpunkte
des UniversitätsCentrums für Seltene Erkrankungen in Dresden:

-          Immunologie-Autoinflammation-Autoimmunität-Infektion

-          Neurologie-Psychiatrie

-          Endokrinologie-Stoffwechsel

-          Hämatologie-Onkologie

Kontakt für Patienten

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
UniversitätsCentrum für Seltene Erkrankungen (USE)
Tel.: 0351 458 5608 (Dienstag und Donnerstag von 09.30 bis 11.30 und 14
bis 16 Uhr)
Fax: 0351 458 7297
E-Mail: use-info@uniklinikum-dresden.de

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DGRh: Bei wiederholtem Fieber ohne klare Ursachen auch an Morbus Still denken (Tag der seltenen Erkrankungen, 29.02.20)

Zunächst sind es nur abendliche Fieberschübe und ein entzündeter Rachen,
mit denen sich ein Still-Syndrom bemerkbar macht. Auch ein flüchtiger,
lachsfarbener Ausschlag ist typisch für die seltene entzündlich-
rheumatische Erkrankung, die weniger als einen von 100.000 Menschen
betrifft. Weil die Anfangssymptome unspezifisch sind und die Krankheit
selten, dauert es oft lange, bis ein Still-Syndrom erkannt wird. Erst wenn
im weiteren Verlauf Entzündungen an Hand- und Ellbogen, Sprung- und
Kniegelenken auftreten, liegt der Verdacht auf eine rheumatische
Erkrankung nahe.

Eine frühe Diagnose ist jedoch wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden,
betont die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) anlässlich
des Tages der Seltenen Erkrankungen, der dieses Jahr auf den 29. Februar
fällt. Rechtzeitig erkannt ist ein Still-Syndrom heute gut behandelbar.

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Den schwierigen Weg bis zur richtigen Diagnose teilt der Morbus Still mit
anderen seltenen Erkrankungen – laut Definition zählen zu diesen „Orphan
Diseases“ alle Erkrankungen, an denen weniger als fünf von 10.000 Menschen
leiden. Doch während es für viele andere Krankheiten aus dieser Gruppe
keine spezifisch wirksamen Medikamente gibt, sei das Still-Syndrom
medikamentös meist gut behandelbar, so die Experten. „Als entzündlich-
rheumatische Erkrankung kann der Morbus Still zunächst mit nicht-
steroidalen Antirheumatika und Cortison behandelt werden“, sagt Prof. Dr.
med. Hendrik Schulze-Koops, Präsident der DGRh und Leiter der
Rheumaeinheit am Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München. Lange
Zeit seien diese Wirkstoffe neben Methotrexat die einzigen
Behandlungsoptionen gewesen. Bei Patienten, deren Erkrankung schubförmig
und vergleichsweise mild verläuft, reichten diese in der Regel aus. „Bei
ein bis zwei Dritteln der Still-Syndrom-Patienten verläuft die Krankheit
jedoch aggressiver und schreitet chronisch voran“, so Schulze-Koops. In
diesen Fällen sei oft die Gabe moderner Biologika notwendig, um bleibende
Gelenkschäden oder lebensbedrohliche Komplikationen wie ein
Multiorganversagen
oder eine Gerinnungsstörung zu vermeiden.

Wie bei allen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen – auch beim sehr viel
häufigeren und weithin bekannten Gelenkrheuma – beschränkt sich die
Entzündung beim Morbus Still nicht auf ein Organ oder ein Organsystem,
sondern kann auf ganz verschiedene Bereiche des Körpers übergreifen. Im
Verlauf der Erkrankung können etwa auch das Herz, die Lunge oder die Augen
zum Ziel von Entzündungsattacken werden.

Seit mehr als zehn Jahren sind Wirkstoffe aus der Klasse der Biologika zur
Behandlung des Still-Syndroms zugelassen. Dabei handelt es sich um
Antikörper, die gezielt ins molekulare Krankheitsgeschehen eingreifen – im
Falle des Morbus Still dämmen sie die übersteigerte Aktivität der
Immunbotenstoffe IL-1 und IL-6 ein, die bei den Betroffenen in deutlich
erhöhter Menge produziert werden. „In die Gruppe dieser Medikamente gehört
auch der IL-1 Rezeptor-Antagonist Anakinra, der seit zwei Jahren für die
Behandlung des Morbus Still zur Verfügung steht“, erläutert Schulze-Koops.
In Studien, die kürzlich in einer Meta-Analyse zusammengefasst worden
seien, hätte sich gezeigt, dass Anakinra sehr gut wirksam sei: 23 bis 88
Prozent der kindlichen und 50 bis 100 Prozent der erwachsenen Patienten
hätten völlige Symptomfreiheit erreicht, auf die zusätzliche Gabe von
Cortison hätte in vielen Fällen verzichtet werden können. Neben Anakinra
existiert mit Canakinumab eine weitere, ebenfalls für die Behandlung des
Morbus Still zugelassene Substanz aus der Klasse der Biologika, die sehr
wirksam sei, ergänzt der Experte.

Wie man heute weiß, geht das überschießende Immungeschehen bei Patienten
mit Still-Syndrom vor allem auf die Zellen der angeborenen Immunabwehr
zurück; diese sind äußerst aktiv und vermehren sich stark. „Im Labor macht
sich das als hoher Leukozytenwert bemerkbar. Neben diesem Charakteristikum
ist der sehr hohe Wert des als Ausdruck einer Entzündung von der Leber
gebildeten Eiweisses, des Ferritin, im Serum der Patienten einer der
wenigen diagnostischen Marker für das Still-Syndrom“, erklärt Schulze-
Koops. „Noch längst ist die Erforschung der seltenen Erkrankung jedoch
nicht abgeschlossen. So liegen die Ursachen des Morbus Still noch immer im
Dunkeln, und auch die Immunaktivität könnte noch genauer untersucht werden
– schließlich steigt mit jedem Detail, das bekannt wird, auch die Chance
auf weitere zielgenau wirkende Biologika. So sind etwa auch Antikörper
gegen den Botenstoff IL-18 denkbar, der ebenfalls erhöht ist“.

Vor allem aber, so der DGRh-Präsident, müsse die Diagnose des Morbus Still
beschleunigt werden. Noch immer vergehe sehr viel Zeit, bis die Krankheit
richtig erkannt werde, die Betroffenen an einen Rheumatologen überwiesen
würden und eine wirksame Therapie erhielten. Idealerweise solle jeder
Kinder- und Hausarzt bei wiederholten Fieberschüben, für die es keine
offensichtliche Ursache gebe, auch an die Möglichkeit eines Morbus Still
denken und den Patienten an einen Rheumatologen überweisen.

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