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Lifestyle

Abdullah Ibrahim «Ekaya», KKL Luzern, 4. März 2017, besucht von Rolf Winz

Abdullah IbrahimBesetzung:

Abdullah Ibrahim, piano – Lance Bryant, tenor – Andrae Murchison, trombone – Alex Harding, bari sax – Cleave Guyton, alto aax/flute – Noah Jackson, bass/cello – Will Terrill, drums

 

Rezension:

«Ekaya» bedeutet Heimat und tatsächlich hat die Formation Ekaya, die 1983 von Abdullah Ibrahim gegründet wurde, mit seinen Melodien das Publikum im vollen Konzertsaal des KKL in die Weite und Schönheit seiner südafrikanischen Heimat entführt. Dem 7-köpfigen Jazzensemble, das aus seinem Trio und einem Bläsersatz besteht, ist es gelungen, die von Abdullah Ibrahim komponierten Stücke in einen meditativen Klangteppich zu verwandeln, immer äusserst präzise und harmonisch gespielt, reduziert auf eine beruhigende und schlichte Einfachheit, frei von künstlicher, demonstrativer Virtuosität.

Zugleich zeigte aber der Künstler Abdullah Ibrahim das breite Spektrum seiner musikalischen Heimat. Der heute 82-jährige, aufgewachsen als Adolf Johannes Brand in einem Township von Kapstadt, begann schon als siebenjähriger Junge Klavier zu spielen. 1962 wurde er mit seinem «Dollar Brand Trio» von Duke Ellington entdeckt und in der Folge stark von ihm und später den Pianisten Thelonious Monk und Keith Jarrett beeinflusst. All diese Einflüsse sind verwoben und vernetzt in der Musik von Ekaya wieder zu finden, in einer ruhigen Einheit, kontemplativ und in sanften Legato.

Das Konzert begann mit einem eindrücklichen Solo von Abdullah Ibrahim, gefolgt von einer Trio Einlage zusammen mit Cello und Flöte. Hier blitzen immer wieder aus der sonst sehr erdig wirkenden Musik einige Flammen mit spröden kantigen Akkorden auf. Schliesslich wurde das Trio ergänzt mit den Bläsern und dem Schlagzeuger und liess damit ein farbiges, gewirktes Muster an Klangfolgen entstehen. Die einzelnen Soli, streng überwacht vom Meister am Flügel, variierten dieses Muster, sehr strukturiert, beherrscht und harmonisch. Fast hätte man sich einen Ausbruch gewünscht, eine Überraschung, ein Chaos gar, wie es eben auch und gerade auf einem afrikanischen Marktplatz stattfinden könnte. Aber an diesem Abend blieben die Akkorde wohlselektiert und angenehm zu hören für das Ohr und führten den Zuhörer nach innen, in seine Träume und Vorstellungen von eigener Heimat.

Die Künstler wurden am Schluss mit stehender Ovation gefeiert, wobei der Meister im Hintergrund blieb und seine Musiker mit klaren Handbewegungen zu ihren Verbeugungen und zum Entgegennehmen des Applauses aufforderte. Erst nach einer äusserst grosszügigen Zugabe, die zudem zum Besten gehörte, was an diesem Abend gespielt wurde, verneigte sich auch der grosse Meister Abdullah Ibrahim vor seinem Publikum und schritt anschliessend sehr würdevoll von der Bühne. Ein eindrücklicher und bereichernder Abend für ein sehr aufmerksames und dankbares Publikum!

Text von Rolf Winz

Fotos: www.allblues.ch  und Homepage des Künstlers: abdullahibrahim.co.za/

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veranstaltet von: www.allblues.ch und www.migros-kulturprozent.ch/de/schwerpunkte/kultur/migros-kulturprozent-jazz

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La ciudad de las mentiras, Oper von Elena Mendoza, Welturaufführung,Teatro Real Madrid, 23. Februar 2017, besucht von Léonard Wüst

La ciudad de las mentirasBesetzung:

Musical theatre in fifteen scenes
Music by Elena Mendoza (1973)
Libretto and musical collaboration by Matthias Rebstock, after the short stories Un sueño realizado, El álbum, La novia robada and El infierno tan temido by Juan Carlos Onetti

Principal Orchestra of the Teatro Real
(Orquesta Sinfónica de Madrid)

 

Rezension:

Zum 200sten Geburtstag des Teatro Real wurde u.a. das Musical in 15 Szenen  „La ciudad de las mentiras“ der jungen spanischen Komponistin Elena Mendoza (*1973)  uraufgeführt. Das Libretto stammt von Matthias Rebstock und erzählt die Geschichte von vier Frauen (zwei Sängerinnen, einer Akkordeonistin und einer Violinistin).

Die Oper der spanischen Musikerin, basierend auf vier Geschichten von Juan Carlos Onetti (Un sueño realizado, El álbum, La novia robada y El infierno tan temido), erzählt die Geschichte von einer Miniatur-Stadt, in der vier Frauen, die ein Paralleluniversum, durch Träume und Geschichten erschaffen um selbst aus der Realität zu entfliehen und die Lügen (las mentiras) stehen als Grundlage der sozialen Beziehungen.

Das Teatro Real ist ein wahrhaft königliches Haus an der Plaza de Isabel II, im Zentrum der spanischen Hauptstadt, ganz im Stil des klassischen Theaters.Auch das Interieur, viel Bordeaux, Gold und Stuck. Umso überraschender dann das relativ schlicht gehaltene Bühnenbild in grau, schwarz – weiss, darstellend drei Ebenen eines Hauses: das Parterre, das Hochparterre und die erste Etage, die dann auch abwechselnd, manchmal auch miteinander  bespielt wurden. Ebenso ungewöhnlich, dass die meisten, oder zumindest die dominierenden Instrumente, von den Darstellern auf der Bühne gespielt wurden und nicht im Orchestergraben, wo das Hausorchester ((Orquesta Sinfónica de Madrid) platziert war. Die Musik war denn auch sehr aussergewöhnlich, fast atonal chaotisch schräg, passte aber perfekt zur surreal anmutenden Handlung des Librettos. Instrumental phänomenal die Protagonisten. Absoluter Höhepunkt ein Perkussionssolo des Barman, wozu dieser ausschliesslich die Utensilien einer gutbestückten Bar gebrauchte, also Shaker, Eiskübel, Barlöffel, Zuckerdose usw.

Etwas später ahmten ihn die Barbesucher mit ihren Spielutensilien (Pokerkarten, Dominosteinen, Würfelbechern usw.).grandios nach. Deren Rhythmus übernahmen darauf die diversen Blasinstrumente, ergänzten ihn mit queren Harmonien, krönten das Ganze mit brillanten Soli. Ungewöhnlich für ein Musical: sängerisch passierte nicht viel, getanzt wurde gar nicht. Die Performance erinnerte an ein musikalisches Kammerspiel, inspirierend beeinflusst von Luis Buñuel (1900 – 1983) und Salvador Dali (1904 – 1989), den beiden grossen kompatriotischen Phantasten und Visionären der Komponistin. Die wenigen Gesangsstücke aber waren von hervorragender Qualität, dargeboten von Sängerinnen, die den Ansprüchen dieses traditionellen Hauses jederzeit gerecht wurden.

Das Publikum zeigte sich sehr offen für diese neuartigen Töne und feierte das Ensemble mit dem entsprechenden langanhaltenden Applaus.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.teatro-real.com/en/

Kleine Fotodiashow der Produktion von © Javier del Real | Teatro Real:

fotogalerien.wordpress.com/2017/02/13/la-ciudad-de-las-mentiras-teatro-real-madrid-23-februar-2017-besucht-von-leonard-wuest/

fotogalerien.wordpress.com/2017/03/03/la-ciuidad-de-las-mentiras-teatro-real/

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Verhextes Somehuus, Kabarett-Duo Knuth und Tucek, besucht von Gabriela Bucher – Liechti, Kleintheater Soomehuus Sursee

Kabarett-Duo Knuth und TucekRezension:

Letzten Samstag erzählte das Kabarett-Duo Knuth und Tucek dem Surseer Publikum mit wortgewaltigen, bitterbösen, witzigen, beissenden, hochbrisanten Texten und Liedern von der finsteren Vergangenheit der Hexenverfolgung.

Es ist kurz nach sechs, der Lichttechniker richtet die Scheinwerfer, Nicole Knuth und Olga Tucek gehen auf der Bühne des Somehuus ein letztes Mal ihre Skripts durch. Hier wird noch etwas gestrichen, dort hervorgehoben. Ihre aktuelle Produktion «Hexen, ein Ritt auf dem Zaunpfahl» hat immer einen lokalen Bezug und ist somit bei jeder Aufführung anders. «Ist dir aufgefallen, dass dies unsere erste Aufführung ist, wo nur Frauen vorkommen?» sagt Olga zu Nicole «und sieben aufs Mal zur selben Zeit, das ist krass!». Dann beugt sie sich wieder über das Skript und murmelt «Soorsi, Surengasse, Münchrüti». Die Namen müssen sitzen.

In ihrem neuen Programm laufen die beiden Satirikerinnen einmal mehr zu absoluter Höchstform auf. Grundlage für ihre Texte sind historische Quellen. Davon gebe es in Sursee massenweise, erklärt Olga, die Kleinstadt sei mit 60 protokollierten Hexenprozessen überproportional gut vertreten, habe sich aber wohl damals mit Luzern messen müssen. Gleichzeitig informieren sich die zwei aber auch über lokale Gegebenheiten und bauen diese gekonnt ein. Daraus wird ein hochexplosiver Mix, der am Samstag auch das Somehuus-Publikum verzaubert – verhext – hat.

Verpackt wird das Ganze in eine aktuelle Geschichte: Die Studentin Mara wartet in Sursee auf ihre beiden Kollegen, mit welchen sie einen low budget Film drehen will für ihre Bachelor-Arbeit über die Hexenverfolgung in der Schweiz. Die beiden Jungs wollten Sursee über die «Bergroute» erreichen, sind aber vorübergehend mit ihren Bikes in Beromünster hängen geblieben. Also kundet Mara die «location» alleine aus. Dabei erscheint ihr immer öfter eine seltsame Gestalt, die sich als Agatha Müller entpuppt, eine der sieben Frauen, die 1625 als Hexen verurteilt und verbrannt wurden. Die Ebenen vermischen sich, Mara begibt sich auf eine Zeitreise und folgt Agatha in den Diebenturm zum Tanzen, zur Gerichtsverhandlung und schlussendlich zur Enthauptung und Verbrennung. Im Surseer Wald sucht sie danach den damaligen Tanzplatz der Hexen und trifft dort auf Alrauna und die «Weisen Frauen der Luzerner Landschaft». Diese channeln gerade ihr Mondritual und vereinen sich mit den aufgestiegenen Meisterinnen. Als moderne Hexen mit Geschäftsmodell unterlassen sie es aber nicht, gleichzeitig diverse Artikel aus ihrem Webshop anzupreisen.

Nicole Knuth und Olga TucekWie die beiden Kabarettistinnen Vergangenheit und Gegenwart verweben ist atemberaubend und sprachlich unglaublich dicht. Dass die Örtlichkeiten dabei bekannt sind, macht die Geschichte umso authentischer und beklemmender, man ist selber mitten drin. Dabei wird auch die heutige Kleinstadtidylle auf die Schippe genommen und lokale Gegebenheiten werden thematisiert, was teilweise sehr witzig daherkommt. Aber auch aktuelle, politisch brennende Themen werden angesprochen, schonungslos und wortgewaltig.

Eins ist sicher: Mit ihrer Scharfzüngigkeit, mit ihrer Art, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, anzuklagen, aufzuzeigen und zu enthüllen, hätten die beiden 1625 nicht überlebt. Heute sind sie verdientermassen Trägerinnen diverser Preise und nicht mehr wegzudenken aus der Schweizer Kleinkunstszene! Zwei Powerfrauen, die ihresgleichen suchen und am Samstag das Surseer Publikum restlos begeistert haben.

Kleintheater Soomehuus SurseeKnuth und Tucek sind mit ihrem Programm «Hurrah» am 8./9. und 11.3.17 in Neuenkirch zu sehen und mit dem Programm «Hexen» am 16.3.17 im Kleintheater Luzern, selbstverständlich in einer auf die Stadt Luzern gemünzten Version

Text: www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.knuthundtucek.ch/ und www.somehuus.ch

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Luzerner Sinfonieorchester – Dvořák-Fest mit Augustin Hadelich, 15. Februar 2017, besucht von Léonard Wüst

LSO luzerner Sinfonieorchester (c)Christian FlierlBesetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester

James Gaffigan, Leitung

Augustin Hadelich, Violine

 

Antonín Dvořák (1841 – 1904)
«Die Waldtaube», Sinfonische Dichtung op. 110
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Sinfonie Nr. 38 D-Dur KV 504 «Prager»
Antonín Dvořák
Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 53
Antonín Dvořák
«Die Mittagshexe», Sinfonische Dichtung op. 108

Rezension:

Antonin DvořákGlücklicherweise musste Antonin Dvořák nicht die Metzgerei/Gaststätte seiner Eltern übernehmen, sonst würde es diese ganz spezielle Musik wahrscheinlich gar nicht geben, obwohl der Vater in späteren Jahren den Lebensunterhalt als Zitherspieler verdiente und auch zwei von dessen Brüdern Berufsmusiker waren, der eine Trompeter, der andere Violinist. Mit sechs Jahren ging der kleine Antonin in die Schule von Nelahozeves (Mühlhausen) und bekam dort von seinem Lehrer, Joseph Spitz, zum ersten Mal Geigenunterricht. Er absolvierte später einige Lehr – und Wanderjahre, auch als Strassenmusiker, bevor er ab seinem 16. Lebensjahr in der böhmischen Hauptstadt Prag lebte, wo er u.a. im Opernorchester als erster Bratschist tätig war. Dvořák  war als Komponist durchaus selbstbewusst, niemals aber abgehoben, gar überheblich. Er wollte instinktiv eine eigenständige „tschechische Musik“ kreieren, ging dazu in der Strukturierung seiner Werke teilweise auch neue Wege, rückte etwas von der Romantik eines Brahms oder Schubert ab und orientierte sich mehr an der Volksmusik seines Vaterlandes, baute immer wieder auf Motive aus denselben auf, wie das auch Bedřich Smetana zu tun pflegte.

Ein typisches Beispiel dafür zur Konzerteröffnung war «Die Waldtaube», eine seiner sinfonischen Dichtungen, ebenso die Konzert abschliessende Komposition «Die Mittagshexe».

Passend ins Konzert auch das zweite Werk des ersten Konzertteils, die Sinfonie in D-Dur KV 504, auch „Prager Sinfonie“ genannt, von Wolfgang Amadeus Mozart, komponiert im Jahr 1786. Einige Motive der „Prager“ verwendete Mozart auch in der „Zauberflöte“.

Der zweite Konzertteil war dann ausschliesslich Dvořáks Werken vorbehalten

Geleitet von Dirigent James Gaffigan betrat der Solist des Abend, Augustin Hadelich die Bühne für das Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 53.

Dvořák widmete dieses dem damaligen Star – Geiger Joseph Joachim, einem engen Freund und Berater Johannes Brahms und sandte ihm auch die Partitur zur Beurteilung zu. Joachim hatte sehr umfassende Änderungswünsche, die der Komponist alle umsetzte („nicht einen einzigen Takt habe ich behalten“). Auf die Zusendung der Neufassung reagierte Joachim über zwei Jahre nicht und er spielte das ihm gewidmete Werk, nach heutigem Wissensstand, sein Leben lang nie konzertant.

Augustin Hadelich., Solist ViolineDer Solist klangzauberte Töne aus andern Sphären in den Raum, entrückt, dicht, dennoch klar, aufbauend auf einer, nicht nur technisch, optimalen Ausbildungsgrundlage und ausserordentlichem Können, kombiniert mit viel Einfühlungsvermögen und, wie mir schien, einem ausgeprägten Flair für das Slawische. Alles kongenial unterstützt von einem, wie immer, engagierten, gutgelaunten Orchester, souverän geleitet von James Gaffigan. Das Publikum im sehr gut besetzten Konzertsaal feierte den Solisten mit frenetischem, langanhaltendem Applaus und liess nicht locker, bis zur Gewährung einer Zugabe.

Mit dieser, der Caprice Nr. 21 von Niccolò Paganini, krönte der gefeierte Solist seine Weltklassedemonstration.

Das wars aber noch nicht, setzte doch das LSO zum Abschluss dieses grandiosen Konzertabends mit «Die Mittagshexe» auch noch ein starkes Ausrufezeichen. Das Auditorium würdigte die Protagonisten denn auch nochmals mit einer wahren, fast nicht enden wollenden Applauskaskade.

Nachtrag zum Solisten:

Hadelich (*4. April 1984) erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen (u.a. Grammy Award „Best Classical Instrumental Solo“ für die Aufnahme von Henri Dutilleux Violinkonzert mit dem Seattle Symphony Orchestra, 2016).

Das Violinstudium begann Hadelich zunächst am Instituto Mascagni in Livorno und dann an der New Yorker Juilliard School bei Joel Smirnoff.

Erstaunlich auch der unglaubliche Wille des jungen Künstlers, erlitt er dich In seiner Jugend bei einem Brand schwere Verletzungen, Näheres über diesen Link:

www.sueddeutsche.de/kultur/portraet-der-geiger-der-durchs-feuer-ging-1.2567778

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home und

www.augustin-hadelich.com/

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