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Gesundheit

COVID-19 bei KrebspatientInnen: Achtsamkeit und Abwägung

Die Angst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 darf die Behandlung einer
existierenden, lebensgefährlichen Erkrankung wie Krebs nicht verhindern

Berlin, 20. März 2020 – Die Zahl der weltweit und der in Deutschland an
dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 erkrankten Menschen steigt rasch.
Krebserkrankte sind besonders verunsichert. Die DGHO Deutsche Gesellschaft
für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. hat Empfehlungen für
ÄrztInnen sowie Informationen für PatientInnen herausgegeben. Kernpunkt
ist die individuelle Abwägung des Risikos durch die Krebserkrankung
gegenüber dem Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2.

Wer ist besonders gefährdet?

SARS-CoV-2 ist hoch ansteckend. Insbesondere PatientInnen mit Krebs- und
Blutkrankheiten befürchten einen schweren Infektionsverlauf bei Infektion
mit SARS-CoV-2. Während es bisher nur wenige Erfahrungen mit COVID-19 bei
KrebspatientInnen gibt, sind andere Virusinfektionen der oberen Luftwege
gut bekannt. Besonders gefährdet sind PatientInnen mit einem geschwächten
Immunsystem durch Leukämien, Lymphome bei aktiver Erkrankung, einer
niedrigen Zahl weißer Blutkörperchen, niedrige Immunglobulinwerte,
langdauernde Unterdrückung des Immunsystems, z. B. durch Kortison oder
allogene Stammzelltransplantation und andere zelluläre Therapien.
Demgegenüber haben viele andere KrebspatientInnen mit chronischer und gut
beherrschter Erkrankung oder nach einer erfolgreichen Erstbehandlung kein
erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Ansteckung mit
SARS-CoV-2.

Worauf müssen KrebspatientInnen besonders achten?

Die empfohlenen Schutzmaßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gelten
auch für KrebspatientInnen. Das sind die freiwillige Isolation
(weitestgehende Einschränkung sozialer Kontakte, Abstand zu anderen
halten), Beachten erster Krankheitszeichen wie Husten und Fieber sowie
Handeln (bei Krankheitszeichen sofortige telefonische oder elektronische
Kontaktaufnahme mit Arzt oder Krankenhaus).

DGHO aktualisiert Empfehlungen zur Entscheidungsfindung

In ihren aktualisierten Empfehlungen rät die DGHO PatientInnen mit Blut-
oder Krebserkrankungen, besonders achtsam zu sein und den Empfehlungen der
Gesundheitsbehörden, vor allem zur freiwilligen Isolation, zu folgen. Die
Entscheidung über Verzögerungen oder Änderungen einer Krebstherapie müssen
individuell getroffen werden. In diesem Zusammenhang macht Prof. Dr. med.
Lorenz Trümper, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der
Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin
Göttingen, deutlich: „Die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus
darf die Bekämpfung einer bereits existierenden, lebensgefährlichen Blut-
oder Krebserkrankung nicht beeinträchtigen. Wir werden alles daransetzen,
dass Patientinnen und Patienten mit einer akuten Leukämie oder einer
anderen, lebensbedrohlichen Krebskrankheit auch weiterhin die bestmögliche
Behandlung bekommen.“

Bei der Entscheidung, ob Krebstherapien verschoben werden müssen, muss der
Nutzen der Behandlung gegen den möglichen Schaden, d. h. Nebenwirkungen,
abgewogen werden. Dabei ist das individuelle Erkrankungsrisiko
unterschiedlich, u. a. abhängig von den Lebensumständen und den
persönlichen Kontakten. Bei den meisten akut an Krebs erkrankten
PatientInnen steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie
über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Prof.
Lorenz Trümper: „Bei Patientinnen und Patienten mit chronischer und gut
beherrschter Krebskrankheit kann individuell über eine
Therapieverschiebung entschieden werden.“

Die aktualisierten Empfehlungen der DGHO können abgerufen werden unter:
https://www.dgho.de/aktuelles/news/news/2020/covid-19-bei-krebspatienten-
leitlinie-und-patienteninformation-aktualisiert


Über die DGHO

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 3.500 Mitglieder,
die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer
Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und
Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der
Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und
Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement
fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen
und Patienten im Fachgebiet. In mehr als 30 Themen-zentrierten
Arbeitskreisen engagieren sich die Mitglieder für die Weiterentwicklung
der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie. Informationen unter:
www.dgho.de

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Corona-Pandemie und Herznotfälle: Bei Herzinfarkt-Verdacht keine Scheu vor dem Notruf 112

Notfallmediziner warnen: Bei Verdacht auf Herzinfarkt oder andere
Herznotfälle nicht zögern, sondern sofort den Notruf 112 absetzen.
Kliniken sind trotz Corona-Pandemie für Herz- und andere Notfälle gerüstet


Jedes Jahr sterben pro Jahr bundesweit fast 345.000 Menschen an Herz-
Kreislauf-Erkrankungen, davon rund 47.000 Menschen allein am Herzinfarkt.
Unter den Herzinfarkt-Sterbefällen sind auch Menschen im mittleren Alter,
was jüngst im Profifußball der tragische Tod eines 48-jährigen
Spielerberaters zeigt. Etwa 30 Prozent der Herzinfarktpatienten versterben
außerhalb der Klinik, auch weil sie zu spät oder gar nicht den Notarzt
(112) alarmieren. „Bei Herzinfarkt-Verdacht zögern immer noch viele
Betroffene davor, den lebensrettenden Notruf 112 abzusetzen, häufig aus
Scheu vor dem Rettungswagen vor der eigenen Haustür oder weil die Symptome
nicht richtig zugeordnet werden“, berichtet der Kardiologe Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Herzinfarkt, aber auch
andere
Herznotfälle wie eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz oder
lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen sind keine aufschiebbaren
Krankheitsfälle, sondern unterliegen selbstverständlich weiterhin der
Notfallversorgung“, bestätigt Voigtländer. „Eine Notfallversorgung für
diese Patienten ist weiterhin gewährleistet.“ Infos zur Ersten Hilfe bei
Herzinfarkt und Herzstillstand unter www.herzstiftung.de/herznotfall-
verhalten.html


Corona-Pandemie: Macht sie Notfallpatienten für die 112 zögerlicher?
Zu langes Warten bei Herzinfarkt-Verdacht ist besonders gravierend bei
Frauen und Männern, die älter als 65 Jahre sind. Bei Ihnen dauert es im
Schnitt über vier beziehungsweise drei Stunden, bis sie nach dem Auftreten
der ersten Herzinfarkt-Symptome in die Notaufnahme gelangen (MEDEA-
Studie*). „Dieses fatale Verzögerungsverhalten bei Notfallpatienten dürfte
sich angesichts der Corona-Pandemie noch deutlich verstärken“, warnt der
Ärztliche Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses und Kardiologe
am Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am Main.“
Schließlich gelten mit der Pandemie verbundene Einschränkungen wie eine
soziale Distanz besonders für den Schutz der Risikogruppe der über
60-Jährigen mit Vorerkrankungen wie chronische Herz-Kreislauf-
Erkrankungen. Diese Art Rückzugsgebot dürfte bei diesen Menschen die
Hemmschwelle für den Notruf 112 oder den Schritt in die Klinik um ein
Weiteres erhöhen.“

Die Deutsche Herzstiftung appelliert deshalb an Herzpatienten und Menschen
mit Vorbelastung für Herzinfarkt und andere Herzkrankheiten, bei Verdacht
auf Herzinfarkt sofort den Notruf 112 abzusetzen. „Der Notarzt ist hier so
wichtig, weil der Herzinfarkt jederzeit in Herzkammerflimmern übergehen
und der Patient in wenigen Minuten am plötzlichen Herztod versterben kann.
Ebenso kann durch den Infarkt ein größerer Teil des Herzmuskels
irreparabel zerstört werden und der Patient entwickelt dadurch akut oder
auch langfristig eine Herzschwäche“, betont Voigtländer. „Beim Herzinfarkt
zählt deshalb jede Minute nach dem Prinzip: Zeit ist Herzmuskel.“

Herzinfarkt-Verdacht: auf diese Warnzeichen achten!
Typische Herzinfarkt-Symptome sind insbesondere plötzlich einsetzende
starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und sich in Ruhe
nicht bessern (häufig: kalter Schweiß, Blässe, Übelkeit, Atemnot, Unruhe
und Angst). Die Schmerzen sind überwiegend im Brustkorb, häufig hinter dem
Brustbein, bisweilen auch nur im Rücken zwischen den Schulterblättern oder
im Oberbauch. Die Schmerzen können in den Arm, den Hals oder Kiefer
ausstrahlen. Mehr Infos zu dem Herzinfarkt-Schmerzorten unter:
www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html

Bei diesen Warnzeichen sofort zum Arzt!
Generell sollten Betroffene bei den folgenden Warnzeichen umgehend zum
Internisten oder Kardiologen. Sie können untersuchen, ob z. B. eine
Herzrhythmusstörung als Folge einer koronaren Herzkrankheit (die
Grunderkrankung des Herzinfarkts), oder andere Herzerkrankungen wie
Herzklappenerkrankungen oder eine Herzschwäche vorliegt. Unbehandelt
können diese Erkrankungen zu schwerwiegenden, auch notfallmäßigen,
Komplikationen führen:

- Schmerzen oder ein unangenehmes Engegefühl im Brustkorb (Angina
pectoris) und/oder Luftnot
- Herzrasen mit Einschränkung der Belastbarkeit
- Hartnäckiges Herzstolpern
- Kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
- Schwindelanfälle, drohende Bewusstlosigkeiten

Diese Beschwerden können Warnzeichen auch für mehrere Herzerkrankungen
zugleich sein. „Angina pectoris-Beschwerden können Vorboten für eine
fortgeschrittene Herzkranzgefäßverengung bis hin zum Herzinfarkt sein,
aber auch Anzeichen einer operationsbedürftigen Herzklappeninsuffizienz“,
erläutert Voigtländer. Auch Atemnot und Leistungsschwäche sind, wie der
Herzspezialist betont, typische Symptome für eine Herzschwäche oder eine
andere Herzproblematik wie Herzklappenerkrankung oder aber Vorhofflimmern.
Kurze Synkopen können ein harmloses neurologisches Problem, aber auch
Vorboten einer bösartigen Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) sein.
„Deshalb sollte man bei diesen Symptomen einen Facharzt aufsuchen“, rät
Voigtländer.

Unbemerktes Vorhofflimmern und Schlaganfallgefahr
Bei etwa 50 % der über 1,8 Millionen Betroffenen mit Vorhofflimmern macht
sich die Herzrhythmusstörung mit spürbaren Beschwerden wie Herzstolpern
und Herzschlag bis zum Hals, Druckgefühl im Brustkorb, Angst, Luftnot,
Schwindelgefühl und Leistungsschwäche bemerkbar. Bei Vorhofflimmern ist
meistens das Herz völlig außer Takt, es schlägt chaotisch mit einem Puls
von bis zu 160 Schlägen pro Minute, selten sogar schneller. Ist der Puls
unregelmäßig oder liegt er in Ruhe über 100 Schlägen pro Minute, sollte
man den Hausarzt oder Internisten aufsuchen. Bei Vorhofflimmern können
schon in wenigen Stunden in den Herzvorhöfen Blutgerinnsel entstehen, die
vom Blutstrom mitgeschleppt Arterien verschließen und je nach betroffenem
Areal einen Schlaganfall verursachen. Die typischen Warnzeichen für einen
Schlaganfall, bei denen auch sofort der Notarzt (112) zu alarmieren ist,
sind abrufbar unter www.herzstiftung.de/schlaganfall-herzpatient.html

Tipp: Ein Notfallset mit dem Ratgeber „Was tun im Notfall?“ (14 S.) und 2
Notfallkärtchen fürs Portemonnaie mit Darstellungen der Herzinfarkt-
Alarmzeichen und Erläuterungen zur Laien-Reanimation bietet die
Herzstiftung kostenfrei unter Tel. 069 955128400 oder unter
www.herzstiftung.de/herznotfall-set.html an.

Die Herzinfarkt-Alarmzeichen unter: www.herzstiftung.de/Anzeichen-
Herzinfarkt.html


* MEDEA-Studie: Comparison of Delay Times Between Symptom Onset of an
Acute ST-elevation Myocarclial Infarction and Hospital Arrival in Men and
Women <65 Years Versus 65 Years of Age.: Findings From the Multicenter
Munich Examination of Delay in Patients Experiencing Acute Myocardial
Infarction (MEDEA) Study. Ladwig KH, Fang X, Wolf K, Hoschar S, Albar­
qouni L, Ronel J, Meinertz T, Spieler D, Laugwitz KL, Schunkert H. Am J
Cardiol. 2017 Dec 15;120(12):2128-2134. doi:
10.1016/j.amjcard.2017.09.005.

Weitere Infos der Herzstiftung zum Coronavirus unter:
www.herzstiftung.de/pressemeldungen_artikel.php?articles_ID=956

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In Tumorboards besprechen Spezialisten verschiedener Fachrichtungen die bestmögliche Behandlung für jeden einzelnen Patienten.  Uniklinikum Dresden/Gabriele Bellmann

Operative Entfernung von Lebermetastasen bei Darmkrebs – Zweitmeinung an großem Zentrum wichtig

In Tumorboards besprechen Spezialisten verschiedener Fachrichtungen die bestmögliche Behandlung für jeden einzelnen Patienten.  Uniklinikum Dresden/Gabriele Bellmann
In Tumorboards besprechen Spezialisten verschiedener Fachrichtungen die bestmögliche Behandlung für jeden einzelnen Patienten. Uniklinikum Dresden/Gabriele Bellmann

Darmkrebs ist deutschlandweit die zweithäufigste Tumorerkrankung bei
Frauen und die dritthäufigste bei Männern. Nicht selten bilden Tumoren des
Darms gefährliche Metastasen in der Leber aus. Nur wenn diese
Tochtergeschwulste durch eine Operation vollständig entfernt werden,
besteht Aussicht auf Heilung. Um die Machbarkeit und Chancen eines
entsprechenden Eingriffs auszuloten, beraten an großen Zentren
Expertengremien aus Chirurgen und Spezialisten unterschiedlicher
Fachrichtungen gemeinsam über die bestmögliche Behandlung jedes einzelnen
Patienten.

Anlässlich des Darmkrebsmonats März empfiehlt das Nationale Centrum für
Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) am Universitätsklinikum Carl Gustav
Carus Dresden Darmkrebspatienten mit Lebermetastasen, so früh wie möglich
eine Zweitmeinung an einem großen Zentrum einzuholen.

Metastasen sind oft gefährlicher als der Primärtumor selbst. An ihnen
sterben die meisten Krebspatienten. Bei jedem zweiten Patienten mit Dick-
oder Enddarmkrebs treten im Verlauf der Erkrankung Metastasen auf. Diese
Tochtergeschwulste bilden sich zumeist in der Leber aus, wo das gesamte
Blut des Magen-Darm-Trakts gefiltert wird. Lassen sich die Metastasen
operativ entfernen, überleben gut 40 Prozent der Patienten einen Zeitraum
von mindestens fünf Jahren, bei jedem fünften sind es zehn Jahre und mehr.
Ohne eine entsprechende Operation liegt das Fünfjahres-Überleben bei unter
zehn Prozent. Die Operationsmethoden und kombinierten Behandlungsansätze
haben sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt, kommen aber
aktuell noch nicht allen betroffenen Patienten zugute. Um sicherzugehen,
dass alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden, sollten Patienten
die hervorragende Expertise und Erfahrung großer Zentren nutzen.

Rund 190 Leber-Operationen werden jährlich an der Klinik für Viszeral-,
Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus
Dresden vorgenommen. „Während meines Studiums galten nur wenige und
überwiegend auf eine Leberhälfte begrenzte Metastasen als operabel. Heute
weiß man, dass man auch mehrere Metastasen entfernen kann und dass es hier
keine absolute Obergrenze gibt. Auch eine Verteilung der Metastasen auf
beide Leberhälften schließt eine Operation in kurativer Absicht, das heißt
mit dem Ziel der Heilung, nicht aus“, erklärt PD Dr. Carina Riediger, 1.
Oberärztin der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des
Uniklinikums Dresden. Dabei ist es beispielsweise auch möglich, wichtige
Blutgefäße der Leber aus körpereigenem Gewebe zu ersetzen – ein
schwieriger operativer Eingriff, der viel Erfahrung voraussetzt. Bis zu
achtzig Prozent des ursprünglichen Lebervolumens können im Rahmen einer
solchen Operation entfernt werden, ohne die lebenswichtige Funktion der
Leber zu zerstören. Anschließend besitzt das Organ die Fähigkeit, auf
seine ursprüngliche Größe nachzuwachsen.

Werden Lebermetastasen festgestellt, ist eine Operation bei etwa 25 bis 30
Prozent der Patienten zeitnah möglich, häufig kann diese Operation auch
minimal-invasiv durchgeführt werden. Bei weiteren 12 bis 28 Prozent der
Patienten gelingt es, mittels einer Chemotherapie, zunächst inoperable
Lebermetastasen so weit zu verkleinern, dass eine chirurgische Entfernung
doch noch möglich wird. „Gerade auch, um verschiedene therapeutische
Möglichkeiten optimal kombinieren zu können, besprechen am NCT/UCC
Expertengremien aus Spezialisten verschiedener Fachrichtungen – so
genannte Tumorboards – die bestmögliche Behandlung für jeden einzelnen
Patienten. Patienten, die nicht von vornherein an einem großen Zentrum
behandelt werden, sollten hier so früh wie möglich eine Zweitmeinung
einholen. In jedem Fall ist es besser, einmal zu oft als zu wenig
nachzufragen“, rät Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-,
Thorax- und Gefäßchirurgie und Mitglied im Geschäftsführenden Direktorium
des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC). „Der
Darmkrebsmonat März soll vorrangig darauf aufmerksam machen, wie sich
Darmkrebs vorbeugen und so früh wie möglich erkennen lässt. Wir möchten
darüber hinaus über Behandlungsmöglichkeiten informieren, die auch bei
fortgeschrittenen Darmkrebserkrankungen in vielen Fällen eine wirksame
Therapie erlauben, aber noch nicht in allen Fällen ausgeschöpft werden“,
sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums
Dresden.

Eine Zweitmeinung am NCT/UCC Dresden können Patienten über ihren
Onkologen, ihren Hausarzt oder auf eigene Initiative hin einholen. In der
Regel genügt es, zunächst alle verfügbaren Befunde zuzuschicken. Eine
möglicherweise längere und beschwerliche Anreise ist zunächst nicht nötig.
Nur wenn aufgrund der Befunde eine Operation denkbar erscheint, sollten
sich Patienten auch persönlich vorstellen. Die Kosten für eine zweite
ärztliche Meinung werden teilweise von gesetzlichen und privaten
Krankenversicherungen übernommen. Im Vorfeld sollten Patienten daher mit
ihrer Krankenversicherung klären, ob und unter welchen Voraussetzungen sie
die Kosten für eine Zweitmeinung übernimmt.

Kontakt für Patienten oder Ärzte, die Interesse an einer Zweitmeinung bei
Darmkrebs und Lebermetastasen haben: Klinik für Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Dresden, Tel.: 0351 458-3200
(Chirurgische Poliklinik/Spezialsprechstunden), E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., Internet: ukdd.de/vtg

Zur Pressemitteilung steht ein Bild in druckfähiger Auflösung zur
Verfügung:
https://www.nct-dresden.de/fileadmin/media/nct-dresden/das-nct/newsroom
/Lebermetastasen-Tumorboard.jpg

BU: In Tumorboards besprechen Spezialisten verschiedener Fachrichtungen
die bestmögliche Behandlung für jeden einzelnen Patienten. © Uniklinikum
Dresden/Gabriele Bellmann

Video zum Thema unter: www.ukdd.de/vtg

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Einem Forschungsteam der TH Nürnberg ist es gelungen, Gewebe im Labor zu züchten, das bei Gelenkknorpelverletzungen implantiert werden kann.  TH Nürnberg

Mit Glas gegen Arthrose

Einem Forschungsteam der TH Nürnberg ist es gelungen, Gewebe im Labor zu züchten, das bei Gelenkknorpelverletzungen implantiert werden kann.  TH Nürnberg
Einem Forschungsteam der TH Nürnberg ist es gelungen, Gewebe im Labor zu züchten, das bei Gelenkknorpelverletzungen implantiert werden kann. TH Nürnberg

Forschungsteam der TH Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen
Privatuniversität im Klinikum Nürnberg entwickelt Glas zur
Knorpelregeneration

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung und noch immer unheilbar. Ein
wichtiger Schritt, um die Entstehung einer Arthrose zu verhindern, ist die
frühzeitige Behandlung von Gelenkknorpelverletzungen. Einem Forschungsteam
der TH Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität im
Klinikum Nürnberg ist es nun gelungen, Gewebe im Labor zu züchten, das
später bei Defekten implantiert werden kann. Dafür haben sie ein
spezielles Glas entwickelt, auf dem die Zellen wachsen können und das sich
nach der Implantation im Körper restlos auflöst. Dabei setzt es Ionen
frei, die die Knorpelzellen aktivieren können. Die STAEDTLER Stiftung
fördert das Projekt mit 40.000 Euro.

Nürnberg, 18. März 2020. In den letzten Jahrzehnten ist die
Lebenserwartung der Menschen weltweit gestiegen. Zudem hat sich ihr
Lebensstil geändert und ist zunehmend durch mangelnde Bewegung und nicht
angepasste Essgewohnheiten geprägt. Daraus folgen im Alter Schädigungen
und Versagen der Organe – insbesondere der Bewegungsapparat ist davon
betroffen. Die am weitesten verbreitete Gelenkerkrankung ist die Arthrose,
die noch immer als unheilbar gilt und im fortschreitenden Verlauf
irreversible Schädigungen und den allmählichen Verlust des Gelenkknorpels
verursacht. Prof. Dr. Armin Lenhart und Prof. Dr. Sven Wiltzsch von der
Fakultät Werkstofftechnik der TH Nürnberg ist es gemeinsam mit Prof. Dr.
Gundula Schulze-Tanzil und Clemens Gögele von der Abteilung für Anatomie
der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität im Klinikum Nürnberg
gelungen, auf einem neuartigen Trägermaterial Knorpelgewebe im Labor
herzustellen, das dazu dienen kann, in Gelenke implantiert zu werden.
Damit haben sie eine neue Möglichkeit zur zukünftigen Behandlung von
Knorpelverletzungen und zum Abwenden der Entstehung von Arthrose
entwickelt.
Die letzte Möglichkeit, bei weit fortgeschrittener Arthrose wieder
schmerzfrei zu sein und die Gelenkfunktionen wiederherzustellen, ist
bislang die Implantation einer Gelenkprothese durch einen chirurgischen
Eingriff. „Da die Arthrose oft als Folge von Gelenkknorpelverletzungen
entsteht, ist die Behandlung von Gelenkknorpeldefekten ein wichtiger
Schritt, um die Entstehung einer Arthrose zu verlangsamen oder zu
verhindern. Bei kleineren Knorpeldefekten können sogenannte
Knorpelknochenzylinder aus nicht belasteten Knorpelbereichen entnommen und
in den Defekt transplantiert werden. Das hat aber den entscheidenden
Nachteil, dass an der Entnahmestelle ein Sekundärdefekt entsteht“, so
Prof. Dr. Sven Wiltzsch von der TH Nürnberg.
Bei großen Knorpeldefekten, für die bisher keine geeignete
Behandlungsmöglichkeit existiert, hat die Transplantation von in der
Zellkultur gezüchteten Knorpelzellen zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Dabei ist das „Tissue Engineering“ eine vielversprechende Strategie. Im
ersten Schritt werden körpereigene Zellen im Labor auf einen geeigneten
Träger aufgebracht und in einem Kultivierungsmedium zum Wachstum und zur
Vermehrung des gewünschten Gewebes angeregt. Im zweiten Schritt wird
dieses Gewebe mit einem entsprechend geformten Trägermaterial als
Implantat an der Körperstelle chirurgisch eingesetzt. Der Träger soll sich
dann allmählich auflösen und dabei aktivierende Ionen freisetzen. Er wird
dabei durch das von den implantierten Zellen neu gebildete Gewebe ersetzt
werden. „Bisherige Laborergebnisse mit herkömmlichen Biomaterialien als
Träger haben gezeigt, dass eine Ansiedlung und Vermehrung von
Knorpelzellen mit entsprechender Bildung von Ersatzgewebe in diversen
Trägermaterialien noch zu unzureichenden Ergebnissen führt“, erklärt Prof.
Dr. Gundula Schulze-Tanzil von der Paracelsus Medizinischen
Privatuniversität im Klinikum Nürnberg.
Deshalb hat das Projektteam ein neuartiges Trägermaterial aus Glas für das
„Tissue Engineering“ entwickelt. Bei der Entwicklung mussten sie einige
Herausforderungen überwinden. Prof. Dr. Armin Lenhart von der TH Nürnberg:
„Mit dem Stand der Herstellungstechnik von Trägermaterialien und den
typischerweise verwendeten Gläsern konnten bislang keine günstigen und
ausreichend stabilen Trägergeometrien realisiert werden. Eine Ansiedlung
der Knorpelzellen auf dem Trägermaterial war nur im geringen Maße möglich
und ihre Lebensdauer begrenzt. Außerdem haben sich die Gläser zu langsam
aufgelöst und wären für die Anwendung als Implantat nicht geeignet.“ Durch
eine veränderte Glaszusammensetzung konnten die Forschungsteams die
Auflösungszeiten verringern. Zudem haben sie die Verfahrenstechnik der
Trägerherstellung optimiert und dabei die glasspezifischen Eigenschaften,
insbesondere die Behandlungstemperaturen und Sinterzeiten, berücksichtigt.
Durch ein spezielles chemisches Behandlungsverfahren der Glasoberfläche
konnte das Forschungsteam die Ansiedlung der Knorpelzellen und die
anschließende Vermehrung verbessern.
„Laboruntersuchungen haben uns auch schon erste Hinweise dafür gegeben,
dass unser Glas nicht nur zur Knorpelherstellung geeignet ist, sondern
auch zur Züchtung von Haut- und Bänderzellen“, erläutert Prof. Dr. Sven
Wiltzsch von der TH Nürnberg. Durch ihre kooperative Forschungsarbeit
konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TH Nürnberg und
der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität im Klinikum Nürnberg einen
neuen Typ von Biomaterial aus Glas und ein zugehöriges
Bioaktivierungsverfahren entwickeln, die in Kombination das Potenzial
haben, sich zum Implantat weiterzuentwickeln. Damit würde das
Forschungsteam langfristig eine neue Möglichkeit zur Behandlung von
Knorpelverletzungen realisieren und kann somit die Entstehung von Arthrose
abwenden.
Die STAEDTLER Stiftung fördert das Projekt mit 40.000 Euro.

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