COVID-19 bei KrebspatientInnen: Achtsamkeit und Abwägung
Die Angst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 darf die Behandlung einer
existierenden, lebensgefährlichen Erkrankung wie Krebs nicht verhindern
Berlin, 20. März 2020 – Die Zahl der weltweit und der in Deutschland an
dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 erkrankten Menschen steigt rasch.
Krebserkrankte sind besonders verunsichert. Die DGHO Deutsche Gesellschaft
für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. hat Empfehlungen für
ÄrztInnen sowie Informationen für PatientInnen herausgegeben. Kernpunkt
ist die individuelle Abwägung des Risikos durch die Krebserkrankung
gegenüber dem Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2.
Wer ist besonders gefährdet?
SARS-CoV-2 ist hoch ansteckend. Insbesondere PatientInnen mit Krebs- und
Blutkrankheiten befürchten einen schweren Infektionsverlauf bei Infektion
mit SARS-CoV-2. Während es bisher nur wenige Erfahrungen mit COVID-19 bei
KrebspatientInnen gibt, sind andere Virusinfektionen der oberen Luftwege
gut bekannt. Besonders gefährdet sind PatientInnen mit einem geschwächten
Immunsystem durch Leukämien, Lymphome bei aktiver Erkrankung, einer
niedrigen Zahl weißer Blutkörperchen, niedrige Immunglobulinwerte,
langdauernde Unterdrückung des Immunsystems, z. B. durch Kortison oder
allogene Stammzelltransplantation und andere zelluläre Therapien.
Demgegenüber haben viele andere KrebspatientInnen mit chronischer und gut
beherrschter Erkrankung oder nach einer erfolgreichen Erstbehandlung kein
erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei Ansteckung mit
SARS-CoV-2.
Worauf müssen KrebspatientInnen besonders achten?
Die empfohlenen Schutzmaßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gelten
auch für KrebspatientInnen. Das sind die freiwillige Isolation
(weitestgehende Einschränkung sozialer Kontakte, Abstand zu anderen
halten), Beachten erster Krankheitszeichen wie Husten und Fieber sowie
Handeln (bei Krankheitszeichen sofortige telefonische oder elektronische
Kontaktaufnahme mit Arzt oder Krankenhaus).
DGHO aktualisiert Empfehlungen zur Entscheidungsfindung
In ihren aktualisierten Empfehlungen rät die DGHO PatientInnen mit Blut-
oder Krebserkrankungen, besonders achtsam zu sein und den Empfehlungen der
Gesundheitsbehörden, vor allem zur freiwilligen Isolation, zu folgen. Die
Entscheidung über Verzögerungen oder Änderungen einer Krebstherapie müssen
individuell getroffen werden. In diesem Zusammenhang macht Prof. Dr. med.
Lorenz Trümper, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der
Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin
Göttingen, deutlich: „Die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus
darf die Bekämpfung einer bereits existierenden, lebensgefährlichen Blut-
oder Krebserkrankung nicht beeinträchtigen. Wir werden alles daransetzen,
dass Patientinnen und Patienten mit einer akuten Leukämie oder einer
anderen, lebensbedrohlichen Krebskrankheit auch weiterhin die bestmögliche
Behandlung bekommen.“
Bei der Entscheidung, ob Krebstherapien verschoben werden müssen, muss der
Nutzen der Behandlung gegen den möglichen Schaden, d. h. Nebenwirkungen,
abgewogen werden. Dabei ist das individuelle Erkrankungsrisiko
unterschiedlich, u. a. abhängig von den Lebensumständen und den
persönlichen Kontakten. Bei den meisten akut an Krebs erkrankten
PatientInnen steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie
über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Prof.
Lorenz Trümper: „Bei Patientinnen und Patienten mit chronischer und gut
beherrschter Krebskrankheit kann individuell über eine
Therapieverschiebung entschieden werden.“
Die aktualisierten Empfehlungen der DGHO können abgerufen werden unter:
https://www.dgho.de/aktuelles/
leitlinie-und-patienteninforma
Über die DGHO
Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 3.500 Mitglieder,
die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer
Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und
Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der
Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und
Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement
fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen
und Patienten im Fachgebiet. In mehr als 30 Themen-zentrierten
Arbeitskreisen engagieren sich die Mitglieder für die Weiterentwicklung
der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie. Informationen unter:
www.dgho.de
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